Ausgabe 
10.9.1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

iren; ein paar Minuten

Der Garten im Saal

Die Seitentische, die den Raum umsäumen, neh-

haben

400 Rosen

rt, Stauden und Topf-

die bereits erwähnte Anstellung des Universitäls- Dersuchsgutes und die Ausstellung der Hessischen Hauptstelle für Pflanzenschutz auf. Bor der offnen Buhne, die noch allerlei Sehenswürdigkeiten birgt,

der bekannten Spezialfirma Hch. Schultheis aus Steinfurth ihren Platz gefunden. Diese Abtei­lung, welche auch die neuen Erscheinungen enthält, wird besondere Beachtung finden. Die Hauptaus- fteller der rechten Saalseite sind die Gärtnerei Rud. ~ 1 größeren Auswahl von

Die Ausstellung, die ein Bild vom Stande des Gartenbaues unserer Stadt bieten soll, ist eine Sehenswürdigkeit.

die nicht alle Jahre wiederkehrt. Das Eintrittsgeld ist nur gering bemessen. Der Ausstellung sollten recht viele Besucher ihre Aufmerksamkeit schenken.

In der Kolonie Schönholz bohren zwei Ein­brecher am Tor einer Garage. Ein Passant sieht es, rennt zum nächsten Fernsprecher, alar­miert das Lleberfallkommando.

Wir rasen durch Pankow, betäubt vom atem­losen Fansaren-Signal. Dor uns das rote Licht unseres Scheinwerfers. 3eht sind wir auf freier Straße, das Signal verstummt, wir fahren immer schneller, 80-KlIorneter-Ternpo. Schon sehen wir einige 100 Meter vor uns die Ein­brecher bei der Arbeit, da kommt und ein Privat­kraftwagen entgegen. Wir müssen langsamer fah­ren, die Diebe entdecken uns und laufen fort. Eine halbe Minute kommen wir zu spät. Alles Suchen ist vergeblich. Schnell zurück.

Rückgang der Lebenshaltungskosten.

Frankfurt a. M., 8. Sept. Aach den Be­rechnungen von Dr. Moritz Elsas- Frankfurt a. W. stellen sich die Indexziffern über die Ko­sten der Lebenshaltung am 1. September 1932 auf 117; sie sind also um 3,2 Punkte gegen den 1. 3uli zurückgegangen. Prozentual beträgt die Senkung 2,7 Prozent. Der Rückgang geht auf die billigeren Kartoffeln und die, wenn auch ge­ringe, Ermähigung des Drotpreises zurück. Die übrigen Gruppen haben sich nicht ober kaum verändert. Die Kaufkraft der Mark, an der Lebenshaltung gemeßen, beträgt zur Zeit 85,5 Dorkriegspfennige. Die Teilind.ces betrugen am 1. September für Rahrung 110, Kleidung 100, Wohnung 120, Heizung und Beleuchtung 118, Verschiedenes 170. In die Augen springend ist der noch immer hohe Teilinder für die Gruppe Verschiedenes. 3n einem Ausblick betont Dr. Elsas, daß die günstigen Kriterien überwiegen. Der Tiefpunkt der Konjunktur könne als bereits überwunden gelten, und eine weitere Besserung dürfe erwartet werden, vorausgesetzt, daß keine innerpolitischen Störun­gen sie zunichte machten.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

29.7.95. 1. Nein. 2. Nein (§ 9 des Gesetzes). 3. Bei klarer Rechtslage zwecklos.

Berlin im roten Scheinwerferlicht

Das lleberfall-Auto nimmt mich mit.

Eine Reportage von F. H. Meinhardt.

gliedert. Die Eintrittspreise und Bedingun­gen für das Abonnement sind so gestaltet, daß Ihnen unser abwechslungsreiches Gesamtpro­gramm der 25jährigen IubiläumS- spielzeit in künstlerisch ausgezeichneter Ar­beit für solch günstige Preise geboten wird, wie sie kaum ein anderes Theater aufzuweisen hat.

Aber wir tonen Ihre Erwartungen und Wünsche nur erfüllen, wenn Sie uns helfen!

Die Kasse nimmt schriftlich und ab 25. Sep­tember auch täglich von 10 bis 13 Ahr Meldun­gen zum Abonnement entgegen. Bei Ihnen liegt es also, ob das Stadttheater Gießen würdig sein Iubiläum feiern kann alsein Denkmal bürger­lichen Gemeinsinns".

Geltungsdauer der Sommer-ttrlaubskarten verlängert.

Die Reichsbahn hat die Geltungsdauer der Sommerurlaubskarten bis zum 31. Oktober 19 3 2 verlängert. Da bekanntlich die Rück­reise frühestens am 11. Geltungstage erfolgen darf, werden nur noch bis zum 21. Oktober 1932 Sommerurlaubskarten von der Reichsbahn aus­gegeben. Die verlängerte Geltungsdauer gilt auch für die noch dem 15. August bereits gelösten Sommerurlaubskarten. Mit der Verlängerung der Geltungsdauer soll auch für den Herbstverkehr eine verbilligte Reisemvglichkeit geschaffen werden, zumal die Schulferien nunmehr völlig in die Geltungsdauer der Sommerurlaubskarten fallen.

Daten für Lamstag, 10. September.

1898: Ermordung der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich in Genf. 1914: Sieg Hindenburgs über die Russen an den Masurischen Seen. Schlacht an der Marne und bei Verdun. 1918: der Afrikaforscher und Kolonialpolitiker Karl Peters in Woltorf gestorben.

Daten für Sonntag, 11 September.

1709: Sieg der Oesterreicher, Preußen und Engländer über die Franzosen bei Malplaquet. 1816: der Mechaniker Karl Zeiß in Weimar geboren.

* Das Preisschild in Verkaufsge- schäften darf nicht fehlen! Das Polizeiamt Gießen teilt mit: Es besteht Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß die seinerzeit von dem Reichskom- miffar für Preisüberwachung vorgeschriebenen Preis­schilder in der bekanntgegebenen Art in den ein­schlägigen Geschäften ausgehängt sein müssen. Etwaige Säumige werden auf die unangenehmen Folgen hin- gewiesen, die ihnen entstehen, falls bei einer Revi­sion das Fehlen des Preisschildes festgestellt wird.

* D i e Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei ge­wöhnlichen Eintrittspreisen geöffnet.

VomDolksbund DeutscheKr iegs- gräberfürforge, Ortsgruppe Gießen, wird uns geschrieben: Wie alljährlich, so veranstaltet derVollsbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge" auch in diesem Jahre, und zwar im Monat Sep­tember, eine öffentliche Sammlung zur Verwirk­lichung seiner Bestrebungen. Die Gelder sollen dazu dienen, die Sammelgräber zu schmücken, in denen große Scharen meist unbekannter Toter ihre Ruhestätte gefunden haben. Die Aus­schmückung der Gräber geschieht durch den Dolks- bund Deutsche Kriegsgräber für sorge.

** DerHubertus, Verein weidge­rechter Iäger", Sitz Gießen, hielt, wie man uns berichtet, am vergangenen Mittwoch nach vorausgegangenem Aebungsschießen seine Mo­natsversammlung ab. Rach Bekanntgabe einer größeren Zahl von Reuanmeldungen und Reu­aufnahmen, die als Erkenntnis des Wertes der Vereinsarbeit zu betrachten find, erfolgte eine eingehende Berichterstattung über die Vorarbei­ten zu den wichtigsten Vereinsveranstaltungen: Hauptjagdschiehen und Derbandsgebrauchssuche. Einen breiten Rahmen in den Verhandlungen nahm ferner die Frage der Wildverwertung ein. Schließlich machte der Vorstand noch die Mit­teilung, daß die Pachtschutzordnung durch die Rotverordnung des Reiches vom 14. Iuni 1932 bis zum 30. September 1934 verlängert worden ist, so daß auch fernerhin die Möglichkeit besteht, ältere Pachtverträge und gesunkene Wildpreise einigermaßen miteinander in Einklang zu bringen. Im Anschluß an die geschäftlichen Verhandlungen sprach dann Studienrat H ö l z e l über das Thema Aus der Biologie des Rebhuhnes". Er berührte

- und Gartenbauvereins Gießen.

hohen Mittelstück gekrönt wird, nimmt das große, an Neuheiten reiche Dahliensortiment der Firma Heinrich Hahn auf. Mehr als 70 aus­erlesene, ältere, neue und neueste Dahliensorten sind hier in prächtiger Zusammenstellung vereint, um die Gunst des Publikums zu gewinnen. Nicht weni­ger schön wirken die in der Nähe aufgestellten neuen Gladiolen. Zwei kleinere Beete, die aus Myrtenbäumchen gebildet sind, die zum Teil in voller Blüte stehen und eine neue hier noch nicht gezeigte Form der Zimmertanne enthalten, wirken von frischem Grün umgeben gartenmäßig und lassen eine zwanglose nähere Betrachtung zu. Aussteller ist die Gärtnerei H u b i n g.

Ich stehe eine halbe Stunde später am Tatort einer kleinen Tragödie. Eine Mädchenstimme hatte K1 um Kilfe gerufen, gleich darauf sprach eine tiefere Stimme dazwischenGefahr beseitigt Aeberfallkommando braucht nicht zu kommen!" Das Kommando durfte jedoch dem Widerruf nicht ohne weiteres glauben und rückte aus. Wir fanden in der Wohnung zwei junge Menschen mit völlig zerkratzten Gesichtern, und die Ver­nehmung ergab, daß er, ein Chemiker aus Braun­schweig, abends nach Berlin zu seiner Braut ge­kommen war. In der Rächt hatte sie ihm dann' gebeichtet, daß sie sich in einen Ingenieur ret­tungslos verliebt habe. Sie gehöre nun nicht mehr ihm allein, und er dürfte sie auch nur noch besuchen, wenn er den Ingenieur neben sich dulde, dennich liebe euch jetzt beide", hatte sie gesagt, worauf er in Gefühlsaufruhr zwischen Liebe, Haß und Zom geriet und seine Braut mit den Fäusten bedrohte.

Die junge Dame hatte sich energisch zur Wehr gesetzt. Als das Ueberfallfommanbo nun ihren Verlobten in Schutzhaft nehmen wollte, bat sie, davon abzusehen, dennLeib, Leben und Gut" waren nicht mehr in Gefahr. And um sonstige Privatangelegenheiten darf sich das Xteberfall* tommanbo nicht kümmern.

Buntes Allerlei.

Wenn einer eine Kttfc tut...

Heute, wo eine Reise im Flugzeug fast etwas Alltägliches geworden ist, kann man sich kaum vor­stellen, daß es noch Menschen gibt, die nie in ihrem Leden mit der Eisenbahn gefahren sind. Und doch gibt es das noch. In einem Dorfe des odcrschlefi- schen Kre'ses lebt ein Rentenempfänger im Alter von 67 Jahren, der noch nie in feinem Leden in der Eisenbahn gesessen hat. Da wurde er krank und mußte zu einer ärztlichen Untersuchung in die Stadt. Auf dem Bahnhof steigt er natürlich in den falschen Zug. Als der Zug sich bereits in Bewegung gesetzt hatte, erkundigte er sich erst bei den Mitfahrern, ob der Zug auch in die Stadt fahre, nach der er reifen will. Der Alte hatte keine Ahnung von Ge­schwindigkeiten und den damit für den Menschen verbundenen Gefahren. Als er erfuhr, daß er in

einer Klinik in der Ziegelstraße vor. Der Pfört­ner hatte uns nachts gerufen. Ein tobsüchti­ger Mann begehre Einlaß. Folgendes Bild: In eine Ecke der Pförtnerloge gedrängt steht der Tobsüchtige, den Revolver im Anschlag. Ihm ge­genüber ein Schupo mit erhobenen Händen.D i e Waffe nieder! schreie ich den Mann an. Da macht er ich sehe es noch ganz genau eine Bewegung rechtsseitig rückwärts und will aber in diesem Augenblick Hobe ich ihn schon getroffen.

Man überlegt es sich ja, bevor man auf einen Menschen schießt, aber wenn Gefahr für Men­schenleben besteht, muh man geistesgegenwärtig fein.

Politische Schlägerei in der "Bab- strahe " Ich werde ins große Auto gestoßen. Wir halten vor der Budike.

Schlagt doch die Strolche tot. Gemeint sind wir, das heißt die Polizei. Mich dagegen fragen sie teilnahmsvollWat sollste denn verbrochen haben? Mensch, kratz doch aus." Im Lokal herrscht bereits Ruhe. Bei unserem Herannahen ist alles

Schneider mit einer ar Kakteen, Fettpflanzen aller 21: gewächsen. Außerdem hat noch Gartenarchitekt Schwarz eine Menge Steingartenpflanzen und blühende Stauden zur Ausstellung gebracht.

Es ist 11 Ahr nachts. Ein Gasslämmchen kämpft gegen undurchdringlichen Tabakdunst und läßt den Kaffeekessel summen. Plötzlich ein Krach. Die massive Hand eines Blauen ist mit einer Spiel­karte auf den Tisch niedergeknallt. Trumps! Wir sind im Mannschaftsraum, Polizeipräsidium Berlin, Aeberfallkommando Humboldt- Hain. Im Rebenraum liegen sie auf den Betten, mit schweren Stiefeln, abcufbereit. 24 Stunden aktiv, weitere 24 Stunden Einsatzdienst, 36 Stun­den nicht aus den Kleidern. Es sind Männer, die nicht verheiratet sein dürfen. Sechs­jähriges Polizei-Zölibat. Sie werden schrill aus dem Schlaf gerissen und springen drei Stufen hin­ab in die Garage des großen Aeberfall-Autos.

Rebenan, in der Eignalkammer, tritt fortge­setzt die Alarmanlage in Tätigkeit. Diese Kam­mer hat die Telephonnummer K 1, hier landen RotschreieundHilferufe, in dieser Kam­mer ist der Abglanz des Grauens einer Welt­stadt. Meist haben bte Bedrängten nicht viel Zeit. KommenSieschnell!" schreien sie ins Tele­phon. And während der Wachthabende noch pflichtgemäß vier Fragen stellt:Was ist los? Wo? Wer ruft an? Amt Rümmer?" und keine Antwort mehr erhält, drückt er schon auf den Klin- gelknopf, und 30 Sekundenspäter fährt das Auto zum Tor hinaus. Den Ort des Hilferufen­den hat noch rechtzeitig das Fräulein vom Amt, das bei K 1-Rufen stets mithört, festgestellt und durchgesprochen. Augenblicklich ist Ruhe. Der Leutnant mahnt den Journalisten:Aufeigenr Gefahr! Unterzeichnen Sie diesen Revers.

Der Aeberfallkommandoführer erzählt weiter: Merkwürdig, daß die Leute immer glauben, sie müßten uns bezahlen. Meistens werden uns so 50 Mark geboten, manchmal auch nur 30. Wir sind dazu da, Leib, Leben und Gut zu schützen, und wenn die Alarmierung recht­mäßig ist, so braucht der Betreffende natürlich nichts zu bezahlen. Rur bei böswilligem ober mißbräuchlichem Alarm gibt es Strafe. 3a, diese Maschinenpistole haben wir neuerdings im Auto für Straßenkämpfe. Dies Brecheisen hier brauchen wir, um schnell in die Wohnung einbringen zu können, in ber sich ein Bedrohter befindet. Manchmal ist das gar nicht leicht. Da schoß z.B. mal ein Kerl eine halbe Stunde durch die verschlossene Tür auf den Flur hinaus. 3n solchen Fällen bleibt uns nichts anderes übrig, als ebenfalls von draußen durch das Holz zu schießen oder zu warten, bis der Revolverheld seine Munition verschossen hat, denn leichtsinnig soll man ja sein Leben auch nicht aufs Spiel sehen. Augenblick, ich muh zur Inspektion, sehen Sie sich mittlerweile mal unser Tage­buch an!

Gott, ist das eine grauenhafte Stati­stik! Familienstreitigkeiten und nochmals Fa­milienzwist. Hier schlägt ein angetrunkener Mann auf feine Frau ein, der Sohn ruft das lieber* falltommanbo. Hier ist der Mann verreist, die Frau hat ein Verhältnis mit dem Untermieter, ein zweiter Liebhaber schlägt dazwischen. Da zahlt einer feine Miete nicht und rauft sich mit dem Wirt. Zwischendurch werden auch einmal eine Dame und deren Tochter überfallen. Schwarze Masken, Schweißapparate, bergan ze Edgar Wallace spukt in diesen Blättern. Auch kleinere Blättchen sind eingeheftet, ärztliche Atteste.Am 1.8. wurde der Kunstmaler Sch. tot hier eingeliefert und ähnliches.

dabei vor allem solche Fragen, die alt nicht all­gemein bekannt gelten dürften ober über die in Jägerkreisen vielfach falsche Auffassungen be­stehen. Dahin gehören die Geschlechtsmerkmale im Gesieder, die Alterskennzeichen, die Frage der Wanderhühner und ihre Erforschung, Hege und Abschuß.

verduftet. Rur einen haben sie mit einer Kopf­wunde zurückgelassen. Dann wird noch die Wenge auf der Straße zerstreut, der Verletzte zur näch­sten Rettungsstelle gefahren; ein paar Minuten später sind wir wieder zu Haus. Bericht ins Tagebuch des Kommandos: Anruf 1.13, 4 Kilo­meter, zurück 1.35. Der Anruf war rechtmäßig.

den falschen Zug gestiegen war, riß er die Tür bei Abteils auf und sprang aus dem Zug. Glücklichen weise wurde er nur geringfügig verletzt.

Anekdote vom Grafen Häseler.

Vor dem Kriege war die schönste Wandervogel- Pfadfinderbleibe beim alten Feldmarjchall Grafen Häseler auf Harlekop. Im letzten Dorkriegssommer hat er uns die lustigste Geschichte seines Lebens er­zählt: Häseler war junger Leutnant und stand in Berlin. Als er eines Abends vom mehrtägigen Uebungsritt nach Hause kam, sand er eine Ein- labung zu einem am selben Abend stattfindenden Hofball. Es war schon spät, aber er wollte doch noch hingehen. Weil er indessen seit langem ver­absäumt hatte, sich die Haare schneiden zu lassen, Ichickte er seinen Burschen fort, um trotz des späten Abends noch einen Friseur zu holen. Der Bursche kam nicht wieder. Ungeduldig hielt Häseler am Fenster Ausschau. Da kommt ein kleiner, zierlicher, spitzbärtiger Mann die Straße entlang. Das muß der Friseur (ein!Sie!" ruft Häseler,wollen Sie mir nicht schnell die Haare schneiden?"Wenn es unbedingt sein muß, können wir das ja machen!" Wenige Minuten spater saß der Leutnant Häseler mit einem Handtuch um den Hals auf dem Stuhl und bekam die Haare geschnitten.So", meinte der eifrige Haarkünstler,scheint es gut zu fein." Dann ging Häseler zum Spiegel und beschaute das Werk. Grauenvoll! Er war vollständig verschnitten. Hier und da waren kahle Stellen, und anderswo fielen die Haare in zahllosen Stufen.Schauderhaft!" brüllte der Leutnant,so etwas will Friseur fein!" Friseur? Wer ist ein Friseur, wo ist ein Friseur?" brüllte ber anbere zurück.Na, finb Sie benn kei­ner?Ich?, sagte jener,Friseur? Ich bin ber königliche Bibliothekar Professor Ebuarb Busch­mann." (Buschmann war von 1850 bis 1880 erster Bibliothekar in Berlin und Mitglied ber Königlichen Preußischen Akademie ber Wissenschaften.) Aus bem jungen Leutnant würbe später einer ber in ber alten Armee bekanntesten Generäle; man nannte ihn insgeheim bengroben Gottlieb", unb in seinem Korps ging bas Sprichwort um:Wen Gottlieb hat, ben züchtigt er!"

$ünf Dollar für einen Liebesbrief.

Ein Minister aus Seattle (USA.) war gegen Feuer versichert, und zwar hatte er in einer beson­deren Klauselseine Papiere extra versichern lassen. Ein Brand zerstörte fast seine ganze Wohnung und besonders wurden seine Liebesbriefe, bas heißt, die Briefe von jungen Damen an ihn, ver­nichtet. Er behauptete, Liebesbriefe seien ebenfalls Papiere unb zwar nicht nur wichtige und wertvolle, sondern sogar unersetzliche. Er klagte daraufhin auf Schadenersatz und forderte 200 Dollar für jeden Brief, im ganzen 7600 Dollar. Das Gericht sprach ihm aber nur fünf Dollar für jeden Brief zu und hat damit eine gewisse Taxe für Liebes­briefe cingeführl.

Gießen, ben 10.September 1932.

Geptembersonne.

Die letzten Erntetag« gehen über das Land. Da und dort zischt noch eine Sense pfeifend durch die saftstrotzenden Wiesengräser. Hier wenden Frauen in bunten Tüchern das Heu, und dort knarrt ein hochbeladener Wagen mit den letzten Garben über ben zernarbten Feldweg heimwärts in die beraenöe Scheune. Bald werden auch über den Kartoffelfel­dern schwelende Feuer flammen. Dann ist wieder ein Jahresring oefchlofsen, dessen Glieder bange Sorge, hoffende Zuversicht und mühende Arbeit ge­wesen waren.

Aber noch glänzen im milden Schein der wärmen­den Sonne Stabt unb Dorf, Park unb Flur. In bunftigem Blau verschwimmen in der Ferne Erbe und Aether ineinander. Als ob er dem lauernden Schicksal trotzen wollt?, steht der Wald wie ein kampferprobter Heerhaufen noch im vollen Schmuck seiner jägergrünen Rüstung da. Mancher tobende Sturm hat ihm Beulen geschlagen. Sie heben sich nun als verdorrte Narben mit Hellen Farben sicht- bar ab.

In dem Brombeergeheck funkelt es wie von Ru- binen. In das hohe Gestrüpp haben die Vogelbeeren rote Perlen eingerooben, und die Birken schauen jetzt erst recht wie weißgekleidete Kirmesmädchen drein, die sich zum Erntetanz für ihr« Liebsten geschmückt haben. Das zart-duftige Heidekraut aber breitet einen blühenden Teppich aus, der den Wanderer noch einmal sonnenselig werden läßt, wie in den Tagen, da die bunten Falter von Blume zu Blume gaukelten.

Hinter dem Gartenzaun prunken protzig wie Grohmuttermedaillons ein paar Sonnenblumen. Rotbackige Aepfel lachen verführerisch aus dem dunklen Laub, und über den wilden Wein, der sich am Hause hochrankt, hat der Zauberkünstler Herbst gleich einen ganzen Regenbogen von Farben ge­spannt.

Septembersonne ist gedämpftes Saitenspiel. Noch immer zwar eine klingende Melodie aber die Grund­akkorde klingen bereits dumpfer. Dasals ob" könnte mein als das Bezeichnende in der Stimmung dieses Monats, gewissermaßen seinen naturphilo­sophischen Gehalt auffassen. Der September ist die Gefühl gewordene optische Täuschung. Das Schwan­ken zwischen Sommerüberzieher und Wintermantel. Es ist einem, als ob das Nahe noch in größerer Entfernung läge, als nüchterne Betrachtung klipp und klar lehrt: Der Herbst macht sich einmarschfertig.

Die Bäume beugen sich unter der Last. Bei man­chen ist es ein spärlicher Segen, der die Früchte wie Trostpreise über die Kronen verteilt hat. Reife Früchte fallen nicht von selbst in den Schoß. Wie fein Obstbaum ohne sachkundige und zweckmäßige Pflege eine lohnende Ernte abwirst, so muß sich auch der Mensch regen, um den Baum seiner Er­kenntnisse oder seiner Hände Fleiß zum Reifen zu bringen. Durch Stürme und Anfeindungen, wenn sie überwunden werden, ist der Wert des Erreichten be­dingt worden. Die Septembersonne gibt ihnen den letzten Schliff und haucht ihnen das abrundende, vollmundige Aroma ein. K. L.

Was bringt die neue Spielzeit im Zubiläumsjahr?

Die 3ntendanz des Stadttheaters schreibt uns: Wir wollen Ihr Interesse, Ihre Freude am Gie­ßener Stadttheater mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln erhöhen. Dies wollen wir vor allem durch Zusammenstellung eines Spielpla­nes erreichen, der einheitlich und doch anregend ist; klassische Werke sollen durch Reuerleben im Sinne des Theaters unserer Zeit erhalten blei­ben; moderne Dramatiker mit zeitthpischen Fragen stehen zur Diskussion, behandeln in ihren Wer­ken nie erlöschende Probleme aus der Seele des heutigen Menschen betrachtet und gestaltet. Wir bringen Ihnen nicht nur Anregung durch Pflege eines lebendigen, zeitverbundenen Theaters, son­dern auch Entspannung und Erholung im be­freienden Lachen von den Sorgen des kleinlichen Alltags durch Werke heiterer Art: Komödien, Lustspiele, Schwänke, Operetten. Durch auswär­tige Ensemble-Gastspiele werden wir Ihnen den Besuch von Opernvorstellungen ermöglichen.

Wir haben daher einen sorgsam abgewogenen Epielplan ausgestellt, der literarisch wertvoll, fesselnd und spannend ist. Durch ausgezeichnete Reuengagcments wurde das vorjährige Perso­nal ergänzt und dem Schauspielensemble ein eigenes Operettenensemble ange­

Iubiläums-Ausstellung des Obst

Die Gartenbauausstellung, die der Gießener Obst- und Oartenbauoerein aus Anlaß feines 20jähri- gen Bestehens veranstaltet, wird heute, Sams­tag, 16 Uhr, in der Turnhalle am Oswaldsgarten eröffnet. Die sehr umfangreichen Vorbereitungs­arbeiten sind abgeschlossen. Die sommerliche Wärme des August in Verbindung mit den ausgiebigen Regenfällen der letzten Wochen und der warmen Nächte hat Wunder gewirkt und nochmals einen Blütenflor der Dahlien, Rosen, Gladiolen und herbst- blühenden Stauden hervorgebracht, der Ausstel­lungsblumen in verschwenderischer Fülle und bester Vollenduna bietet. Auch an schönem G e - m ü f e ist kein Mangel, wie die Ausstellung der Lereinsmitglieder, besonders aber die des Universi­täts-Versuchsguts beweist. Was den Obstsegen be­trifft, der in diesem Jahr allgemein geringer als sonst ausfällt, so kann auch hier erfreulicherweise sestgestellt werden, daß der Liebhaberobstbau der Stadtbewohner ebenfalls Qualitätsobst zu er­zeugen vermag und jede ihm zuteil werdende Förde- rung seiner Interessen wert ist. Daß nicht mehr Ein­sendungen eingingen, liegt daran, daß Schorfkrank­heit, Monilia, Wespenplage und sonstige Krankheiten viel Schaden angerichtet haben und auch in jenen Gärten, wo drei- bis viermal gespritzt wurde, die fleckigen Früchte viel zahlreicher als die sauberen sind. Ueber die gen ft er- und Zimmer- B lumenschau, die aus allen Teilen der Be­völkerung zahlreich beschickt wurde, werden wir am Montag berichten.

Die Anordnung des Ausstellungsraumes weicht von der früherer Jahre ab.

An Stelle der langen Tifchreihen in der Mitte des Saales ist ein 40 Quadratmeter großes Beet geschaffen worden,

das wenig erhöht liegend, die ausgestellten Blumen dem Auge nahe bringt. Dieses Beet, das von einem

Die Seitenhtdje die den -«aum umjaumen nety- Der Aeberfallkommandv-Führer erzählt:Eine men die bunten Erzeugnisse der Berein5mitgliepc ganz gefährliche Situation fand ich im Dorraum