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Nr. 53 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Dienstag, 9. Februar 1952

Spanien in Gärung.

Don S. von llugelll-Gteroberg.

_ Dio Geschichte bat UNS gelehrt, daßBölter gleichen Stammes, mögen sie auch politische unö qcn- graphifche Grenzen trennen, mögen sic auch lieben bebingungen und ftlima scheiden, sich doch unter einem ähnlichen Lchirtsalssterne ent- mirfeln. Ss sind 48. die (üb und mittel- ü m f r i I a n 11 dj c n Republiken oerblussend und die Vermischung mit Indianerdlut die '-Reinheit

in Spanien lassen vielleicht weniger em abgleiten zum Bolschewismus befurchten, als daß sie 0 n die mexikanischen Zustande erinnern. In den legten neunzehn Jahren haben inJJiejrito Bürger trage mit Kirchenkampsen und sltndikalistiichen Xlr- b, iterausstanden abgerocd)(elt, blutige Agrarreformen wurden in Angriff genommen und haben Krisen her ausbeschworen bereit Cndlösunr, noch in nebelhafter Herne liegt, lieber bas spanische Südamerika sagen Revolutionsstürme, Präsidenten müssen fluchten, tUolU-n meutern in Chile und Kommunisten und Sijnbitaliften versuchen am Stillen Ozean das rote Banner zu hissen. Cs sind das ähnliche politische und wirtschaftliche Krankheitserscheinungen, die fegt bic Fieberkurve im Mutterlande Spa­nien steigen lassen.

Man hat dos Sommerhalbiahr 1931 als das KerenskyStadium im Werdegang der spa­nischen Republik bezeichne^. Für den Geographen mag die Parallelität der Cntw,«klung kein Zufall sein Beide Lander find die Flügelstaaten Europas. Auch der Historiker darf einen Vergleich anstellen, denn während die Araber aus Afrika vordrongen und ihre Jierrhqaft in Spanien gründeten, geriet Moskau unter das drei Jahrhunderte wahrende Joch der Tataren. Die kulturpshchologifche Einstellung d.r beiden Völker, der Russen und Spanier, hat durch diese Fremdherrschaft eine spezifische Färbung er­halten. Man jagt nicht umsonst, daß jenseits der russischen Grenzen Halbasicn beginne, ober daß Afrika auf der anderen Seite der Pyrenäen liege. Ader die Khane der Tataren waren rodbc Herren, die den Tribut mit Feuer und Schwert eintricbcn, und die gar nicht daran dachten, kulturbefruchtend auf die unterjochten Russen zu wirken, mahreitb die arabischen Fürsten in Cordova und Granada Kunst und Wissenschaft forderten, unvergeßliche Denkmäler für die Zukunft errichteten (die Mcsguita in Cor­dova, die Giro Ida in Sevilla usw 1. Das christliche Spanien stand spater unter dem Schatten Roms, Moskau unter dem von Byzanz, aber die afrifa- nische, respektive die asiatische Tradition in den bei­den Flügelstaaten Europas ist nie gänzlich verwischt worben.

Gestalten, die die Tradition Spaniens personifi­zieren, sind Don Quijote, der Ritter Cid und Don Juan. Wollte man Charaktereigeiitiimlichkeiten des Volkes anführen, io wären Bedürfnislosigkeit, Rn tcrUchkeit, Geringschätzung der Arbeit und der Zeit zu nennen. Ferner der .'lang, Irrealitäten nochzu- jagen, blinde Unterwerfung unter bas Dogma der katholischen Kirche, Mildtätigkeit gegenüber dem Bettler, den man alsBruder anrebet und eine gewisse Ueberheblichkeit, die aus der Zeit der Ent­deckungen und .Vonquiftaborc hergeleitet wird, als die halbe Welt spanisch war, aus einer Zeit, btt ebtnfo groß war, wie sie vergangen ist. Fast unver­mittelt, ohne langsame Ucbeibriirfungen wie in an­deren Haubern, wurde nun nach Spanien ebenso wie hnten eine ganz andere kulturpsnchologische Einstellung eingebürgert, bic sich auf Technik und Kapital aufbaut, irrationale Motive ablehnt, und starke soziale Spannungen mit sich führte. Tie alle auf der Tradition beruhende, und die neue Einstellung sind in Spanien u n 0 e r in i 11 c 11 aufeinander g e st 0 ß e n und haben Gegensätzlichkeiten geschaffen, die sich nun in Streiks, Putschen, in Mird)inocrfolgungen und in einer stän­digen Unrast äußern.

Bor neun Monaten, im April des Vorjahres, ver-

ließ König Hlfonfo XI1L den Palast am Manzanares und übergab die Regierung.gemalt den Republi­kanern, die die alten Säulen der (panischen Staatlichkeit, Thron und Kirche, ausschalietcn und ihr Vaterland mit dem neuen Geist der Technik, m t der Demokratie und dem Acheisrnus beglücken woll ten. Wahlen für bie verfass ungsgeben den Cortes wurden ausgeschrieben, und es wellte fast scheinen, als ob die .'iation mehr oder weniger geschloßen den Republika..ern Recht gab, denn von den 47" Abgeordneten haben sich 400 als Republikaner verschiedener Schattierungen, einge­schlossen die Sozialdemokraten, erklärt, wahrend nur 70 Abgeordnete Vertreter klerikaler, konservativer ober monarchistischer Interessen sind Es muß jedoch ein großesAber" in Betracht gezogen werdens nämlich nur ungefähr 55 Prozent der B'ahlberechtigten sind an den Wahlurnen er schienen, unter ihnen alle bie, die sich aus Opponu nitätsgrünben mit verdächtiger flurüflTcit plötzlich als Republikaner führten, wahrend 4"> Prozent zum Teil nicht wählen konnten, zum T ! nicht wählen wollten, weil sie die Abgabe ihrer St mme tm Sinne der Monarchie zur Zeit für zwecklos hielten. Auch diefyndikaliftischeArl'eiterorganisa- tion, bie ja ontiparlamentarisch eingestellt ist, hielt sich von den Wahlen zurück. Im Oktober des Bor­lahres verließen 43 Abgeordnete der Baskischen Provinzen und aus Navarra als Zeichen des Pro­testes gegen bie antikirchlichen Gesetze ben Hortes- palaft an der Carrero be San Icronymo, unb haben seither an feiner Sitzung teilgenommen Es geht beshalb nicht an, bie gegenwärtigen oerfctsfungs gebenben Cortes mit ihren Rabikalismen als ein Spiegelbild der öffentlichen Meinung in Spanien aufzufasien. Man sollte ferner bedenken, daß das Agrarland Spanien dem Berufe nach nur einen einzigen Vanbbebaucr im Parlament besitzt. Die Volksvertretung derRepublik der Werktätigen", wie sich Spanien nennt, fetzt sich zusammen aus 123 Rechtsanwälten, 6"> Hochschullehrern, 41 Aerz- ten, 30 Journalisten, 15 Schriftstellern, 16 Inge nieuren, aus Architekten, Apothekern usw., also fast ausschließlich aus Intellektuellen, während auf Der anderen Seite nur 24 Arbeiter unb, wie schon erwähnt, nur ein einziger Land- bebauer stehen.

Die Dcrfahungsgcbenbcn Cortes, die dem Lande einen Präsidenten unb eine Verfassung gegeben haben, haben ihre Autorität eingebüßt. Immer dringlicher werben bic Stimmen, bic eine Revi - ion der Verfassung unb Neuwahlen ordern. Ja innerhalb der Regierung selbst sind Incinigtcitcn zu vermerken. Der otautsprüfiöent Niceto Zamora ist ein strenggläubiger Katholik, er hat sich nur unter Zwang dazu entschlossen, das Gesetz über bic Vertreibung ber I e - f u i t c n unb bic Konfiskation ihres Besitzes zu unterschreiben. Der -erste Außenminister Gaston L c r r 0 u x wurde aus der Regierung ausgeschifft unb steht heute als Führer ber rabikalcn Bürger­lichen Linken in Opposition zur Regie­rung A z a n a 5. Die Radikalen sind der 'Ansicht, baß bic Sozialdemokraten in den Cortes unb in ber Regierung unverhältnismäßig stark vertreten sind, unb dast sie bei Neuwahlen bie gute Hälfte ihrer Mandate einbüßen würden. Die bürgerlichen Radi­kalen dürften mit ihrer Behauptung Recht .haben, daß die Sozialdemokraten keine Mehr heit im Lande, wohl aber in den Cortes haben und baß sie keineswegs gesonnen sind, die Pfrün­den, die ihnen zugefallen sind, gutwillig aufzugeben. Sic kleben an ber Macht und wünschen noch weitere volksbeglinkcndc Gesetze, die ber spanischen Trabi- tion nicht entsprechen, zu erlassen. Es lallen noch Ergänzungsbcstimmungen über bie Zivilehe unb Ehescheibung beraten werden, ferner wollen sie das Gesetz über bie Agrarreform verabschieden.

Die arbeitslosen Landarbeiter in Andalusien, in Estremadura, in Toledo und in einigen anderen

Provinzen sollen in seßhafte Kleinbauern venoan beit werden Sämtliche Besitzungen des Königs Hauses, der ÄL n»r unb des Adels, die mehr al? 3000 Pesetas »abrlich einbringen, (ollen zu ihren Gunsten entschädigungslos enteignet werden. Die Ankündigung dieser Gesetze allein hat dazu geführt, daß blutige Unruhen > n Andalu - s i t n ausgebrochen sind Güter werden geplündert, Scheunen in Brand gcftedi unb nerben von ihren flirten oerlaffen. Der Iustizminifter mußte ba» öffentliche Bckenntn s abgeben, baß die von der Republik geplante Agrarreiorm die Landwirtschaft lahmgelegt habe, und daß eine nie dogewcsene Krise zu erroarten sei, ehe die Reformen Fruchte tragen konnten Aber nicht nur der Iusttzminister, auch ber Ministerpräsident Aza na, der gleichzeitig das Kriegsministerium verwaltet, hat sich nach einer Inspektionsreise nicht weniger pessimistisch geäußert. Er meinte, daß Spanien heute, nach ber Pensio n.erung der Offiziere unb der Entlassung ber Unter­offiziere im Grunde kein Militär mehr, sondern nur den Schatten eines flecres besitze Mu der vorhan­denen Jrtillcrie könne man wohl Lärm machen, aber kaum einen auswärtigen Feind abschrecken.

Die Regierung und die verfassungsgebenden Cor tes werden sowohl von Rechts als auch von Links bedrängt. Namentlich in den Baskischen Pro­vinzen, in ber Heimat von Ignatius von Lovola, bic mit Ausnahme ber Minenbezirke um Bilbao, fanatisch katholisch sind, unb in den antichristlich, syndikalistisch unb bolschewistisch verseuchten In­dustriebezirken Kataloniens sind schwere Unruhen ausgebrochen. Militär mußte aufgeboten, die Stabt Manref a mußte im Sturm genommen werben. UcbcraU ist Blut geflossen Auch in ber flauptiiabt Madrid gart es bedenklich. Gendarmeriepatrouillen durchstreifen bie Stabt. An mehreren Straßenecken finden Zusammenstöße statt, man sieht überall Szenen, die denen im Dezember unb Januar vor dem Sturz der Monarchie ähneln. Gewiß ist die Lage ernst unb die |unge Republik wird Mühe haben, sich auf bic Dauer zu behaupten. Die Wirt­schaftslage ist katastrophal, bie Arbeitslosigkeit, un­ter der Spanien bisher wenig gelitten hat, wächst an unb bie über Bord Geworfenen vergrößern das fleer ber Unzufriedenen. Wieder taucht der Ver­gleich mit berKerenskn Regicrung auf. Aber im Gegensatz zum damaligen Leiter der Ge­schicke Rußlands läßt die spanische Regierung alle ihr zu Gebote stehenden Machtmittel (pielen, um die Putsche rücksichtslos zu unterdrücken. Der Oberkom- mandierende der Gendarmerie, General San Jur jo, befiehlt den Gebrauch der Schußwaffen gegen dasProletariat" bei der geringsten Wider­setzlichkeit und es scheint fast, daß das 'Argument des ficiabenen Karabiners überzeugend wirkt. Wenig» lens ist bie Ruhe in Spanien vorläufig wiederher gestellt. Es ist müßig, über bic weitere Entwicklung ber Dinge zu orakeln, jeboch scheint es, baß sie sich nicht nach bem Vor bilde Moskaus ent­wickeln werden. Spanien ist bas Canb der Pronun- ciamentos! Wer weiß, ob nicht ein General dem Chaos mit seinem Degen ein Ende machen wird, ob Spanien nicht ein zweiter General Mar­tinez Campos ersteht, der der ersten spanischen Re- publik den Todesstoß versetzte.

(Stahlhelm und Arbeiterfrage.

Magdeburg. 7. Febr. (CAD.) Auf der Jahreshauptversammlung der Stahlhelm- Sc l b st h i 1 s e sprachen die beiden DunDessüh- rer des Stahlhelms über die Arbeiterfrage vom Stahlhelm-Standpunkt aus. Franz S e l d t c sagte, das große Dein allen Tributzahlungen gegenüber sei von einem deutschen Reichskanzler ausgesprochen worden und werde in diesen Tagen wiederholt werden. Dieses Dein müsse von der ganzen Ha­tton durchgehaltcn werden. Der Stahl­helm saßt nach Seldte die Arbeiterfrage nicht als eine Lohnfrage, sondern als eine seelische Frage auf. Aus der Lehre eines organischen Staats- aus l aues entwickele der Stahlhelm ein Deutsches Reich, in dem niemand in der Tiefe bleiben wurde.

Venezianischer Fasching.

Don Peter Warmund.

Rachdruck verboten!

Keine dichterische "Phantasie, keine malerischen Farben vermögen heute das 18. Jahrhundert zu schildern, seine Verderbnis, seine Eleganz, seinen Geist und seine llnbctümmcrtbcit um das Mor­gen, ein Bild in einem kostbaren Rahmen auf einem zauberhaften Grunde: fo begeistert sich Theophil ® a u t i e r für die Zeit des ausgehenden Rokoko. Will man sich von ihr eine kleine Vor­stellung machen, muß man sich im Geist nach Ve­nedig begeben, in die Republik des Löwen von San Marco, die damals noch nichts von ihrem Versal! und Sturz ahnte, den die Zeit Rapoleons vollenden sollte.

Ein halbes 3ubr herrschte hier der Karneval, er dauerte von Ansang Oktober bis zu Weih­nachten und wieder vom Dreikönigstag bis zur Fastenzeit. Aber auch sonst erhebt er bei jeder Gelegenheit die Rarrcnkappe, bei der Dogenwahl und am Sankt-Markus-Tage, immer wieder ist Karneval in Venedig. Man vermag sich von diesen Tagen heute keine Vorstellung mehr zu machen. Alle waren maskiert, im Gerichtssaal. in den Kontoren, bei Geschäften und Besuchen. Masken- frciheit herrscht man hat wohl nur in Vene­dig erlebt, was das bedeuten konnte! Die venezia­nische Republik schätzte die Maske, in den Tagen dieses Karnevals, der ein halbes Jahr dauerte, war alles erlaubt, man durste alles sagen und wagen: maskiert hatte man Zutritt in die Ge­richtsgebäude und Amtsstuben. Es gab keine Stände und keine Autorität mehr, die arißokra. tische Republik Venedig wurde in diesen Tagen eine Demokratie, die Unterschiede zwischen arm und reich, Patrizier und Knecht waren ver- schwunden, es gab nur die Menschen. Die Masken vor dem Gesicht trugen und sich in ihre Dominos gehüllt hatten, und es gab nur einen Rainen für alle: Sior Maschen. In dieser Zeit gingen Die Wogen Des Lebens am höchsten. Der Ernst war vergessen. Der Witz unD Frohsinn begeisterte Die Menschen. .Seit Der Karneval herrscht", seufzt ein BuchhänDler bei Carlo G 0 zzi, .schaut es so aus, als ob nicmanD mehr lesen könne, kein Mensch verlangt mehr ein Buch von mir ... alle diese Bücher verschimmeln mir unter den Händen, und alle Diese Schleifen mit auffallender Schrift, Die ich herumlege, könnten cbenfogut als ®rab- f «triften aufgetaht werden."

Mit einem Temperament, einer Leidenschaftlich- feit, einer zitternden Freude ergibt sich die Stadt dem Karneval. Die Geschäfte find ebenso ver­gessen wie die Dächer. Aus dem Molo, auf ter Piazza stehen plötzlich Schaubuden auf. Masten erheben sich, Fahnen und Papiere Wimpeln, ein Rausch von Farben ergießt sich durch die Straßen. Wieviel Menschen haben sich hier zusammen- gesunden?

Ein Zeitgenosse spricht von 40 000 ein anderer schätzt 100 000. Die Zeit hat ausgehört oder sie rast, wenn man so will, durch den Trubel der Masken: es gibt keinen Unterschied zwischen Tag und Rächt, es fdjeint, als wolle niemand in diesen Rächten schlafen, als sei d>e ganze Stadt un­unterbrochen unterwegs. Auch nachts find alle Schenken offen und alle Theater, ununterbrochen strömen die Menschen hinaus und herein.

Rach einigen Tagen ist der Karneval im rechten Schwung. Die Maste und der seidene Umhang ge­nügen nicht mehr, die Verkleidung tritt an ihre Stelle und nun erst beginnt der große Mummen­schanz. Die Gestalten der italienischen Komödie liefern die Vorbilder, man kennt die Masken- bilder C a 110 t s . nach denen E. T. A Hoff­mann feine ..Prinzessin Vrambilla", eine Karne­valsgeschichte mit metaphysischen Hintergründen, gedichtet hat. Die Masken des Lustspiels brauch- ten nur nachgcahmt zu werden, ufn cbenfo viele groteske, graziöse und reizende Verkleidungen zu ergeben. Andere verkleiden sich auf andere Art und enthüllen Dabei gewiß oft ihr tieferes Wesen; so lieben es geistreiche Leute, sich als Deutsche zu verkleibcn; anDere geben sich als Frauen mit einem ÄinDe aber Das Kind wird durch einen Pudel dargestellt, der bellt, wenn man ihn am Schwanz zupft. Es gibt ganze Schwärme von Orientalen, Mufclmanen, Derwischen: sogar die kleinsten Dinge und Zeichen genügen den Aermcren zur Verkleidung, eine Maske mit «Schnurrbart oder ein Stück bunte Seide, eine Mütze oder eine spitze Rase mit Drille, die den Advokaten Darsteller» kann. Jedermann benimmt sich seiner Maske und Verkleidung gemäß' es sind die Tage, in denen man sein innerstes Wesen blohlegen und austoben farm, aber cs gcschicbt bei aller Heimlichkeit doch in alle. Oefsentlichkeit der Piazza. ® 0 l d 0 n i s Lieblingsmaske war cs z. B. das Gehaben, den Ton und Die Ueberschwenglichkeit der Markt­schreiber nachzuahmen. Ein Zeitgenosse sagt über Das Treiben Dieter VerkleiDungen:Wenn ihr mit einem Harlekin sprecht. tocrDet ihr ihn ebenso winDbeutelig finden wie einen Franzosen, ebenso spitzbübisch einen Irländer: der Rechtsgelehrte hot

einen streitsüchtigen Ton, der Arzt ein pedantisches Gehaben. Sie zeigen viel Lebhastigkeit in der Sprache, und die kein Talent Dazu haben, lassen die Hände davon. Man kann sicher sein, daß man über jeden Menschen lachen muß. Ich habe mehr Witzworte an diesem einen köstlichen Tage als während einer ganzen Woche in einem anderen Lande gehört." Die Wochen dieser karnevalistischen Tollheiten breiten sich über alle Kanäle und Gon­deln aus, sie scheinen mit jedem Tag zu wachsen, sie dringen von den Straßen in die Cascs. die Theater und in die Säle, wo die Dälle stattsinden. Der Strudel der Vergnügungen wird gegen das Ende immer wahnfinniger, die Theater, Schmause­reien, «Leiltänzergruppcn häufen und drängen sich. Dieses Chaos Der FreuDe Darf nicht gestört wer- Den, unD sollte jetzt ein Doge sterben, würbe man seinen ToD verheimlichen unD erst später bekannt» geben; Das Volk Darf nicht um feine FreuDe be­trogen werden. Je mehr fich Das halbe Jahr des Karnevals feinem Ende zuneigt, um fo mehr fchw'ndet die Tttfinnung, ganz Venedig ist schließ­lich ein einziger Taumel geworden, in dem man nicht weiß, was man tut und treibt. Am Fa» schingsdienstag wird am hellen Tage ein Fcucr- wert abgebrannt. Das ist der Gipfel. -Um Mitter­nacht beginnt der Aschermittwoch.

Wunder der Vogelwarte von Garmisch.

Die Gebirgs-Vogelwarte, die vor zwei Jahren zu Garmisch in ben Bayerischen Alpen eröffnet tourbe. hat schon manche wichtige Beobachtung über die Gewohnheiten der Wandervögel gemach!. Auch die Vögel, die hier gehalten werden, sind sehenswert und manche von ihnen führen allerlei Kunststücke aus. wie Sr. Karl Hacncl in einem Londoner conntageblatt berichtet So schüttelt z. B. ..Hansl", eine Elster, wenn man ihm ein mit Würmern gefülltes Glas reicht, dieses so lange und fo heftig, bis die Würmer herauSfallen. ..Samiel". ein Uhu, begrüßt den Direktor der Warte mit Freudenrufcn, sobald er ihn erblickt, setzt sich auf feine Schulter und liebkoft ihn mit seinem Schnabel. Der Wert Der Vögel als Ver­nichter schädlicher Infekten ist zwar allgemein an­erkannt. aber man hat bisher gezweifelt, ob kleine Vögel die harten Eier der Rönne ver- fpeifen können, die fo furchtbare Verwüstungen in Den Forsten anrichtet. Beobachtungen in ®ar- mifch haben nun bewiesen, daß selbst kleine Zaun­könige Diele Eier frekken. unD man empfiehlt da­her noch dringlicher als früher die Einrichtung

Der Durch feine Befähigung zum Befehlen ge­boren ki unD in Dem nicmanD befehle, der durch seine Begabung nickt dazu geboren fei.

Seldte entwickelte Dann einige intereNante neue Gedanken, wie er fick im kommenden 5\*ut1d)lanb die Wertung bei rgers benkl. Er lagie Bürger ist der. Der in Teutlcklanb ar­beitet und sckafft Der soll eine Stimme haben UnD wer über eine lolcke treue Berufs­arbeit hinaus noch freiwillig fick zeit­weilig i n Den Dienst Des Staates stellt. Der erhalte den Titel Staatsbürger und Da­mit eine zweite Wählst«mme Wei aber al» freier Mann fick klbh mit ktner Existenz unb seiner Waffe bis in bic hohen Mannesiahre hin­ein wehrwtllig unD wehrfähig Dem V d n b c zur Verfügung stellt, Der er­halte in unterem neuen Reick Den Rang unb S iel eines Dehrbu rgers unb eine brittc Stimme, um feiner Perlon unb feinem wertvollen Worte 3u»Drud unb Gewicht in ben entscheiben- ben Fragen Des Vaterlandes geben zu können.

Oberstleutnant <1 D. Düfterberg sprich über das Thema: .Ohne staatliche Freiheit le.ne soziale Freiheit." Der deutsche Arbeiter müsse beute zu der Auffassung kommen, daß das Los der dculsckcn Arbeiterschaft ohne eine Besreiung von jcglicken Tributen und von jeglicher Ver­zinsung ber zu ihrer Dezadlung aufgenommenen Anleihen nicht ix-rbcHcrt werden kann. Duster­berg gab ber Hoffnung Ausdruck, baß bic deut­schen Vertreter n Genf bic Gleichberechti­gung DeutschlanbS forbern werben Falls uns dies nicht gewährt wirb, so schloß ber Reb- ncr. so hoffen wir. bah bic beutfche Aborbnung in Genf die Verletzung besD'ktatesvon Versailles burck bie sogenannten Siegerstaa­ten feststellt unb baß bann Deutschland bic Folgerung zieht, bie jebcS Laub in bic- fer Rotzcit für fich in Anfpruch nimmt, die Sicherung aus eigener Kraft.

Wegen Landesverrats verurteilt.

WSR. Fulda, 8. Febr. Wegen Verabredung zur Spionage zugunsten Frankreichs verurteilte das hiesige Erweiterte Schöffengericht in nichtöffentlicher Verhandlung ben früheren Reichswehrangehörigen unb jetzigen Reifenben Konrab Krause zu einem Jahr zwei Monaten Gefängnis, ben Reifenben Julius R 0 ßk 0 pf auS Fulba, ben Kaufmann Karl Wißler aus Hun- felb zu je einem Jahr Gefängnis, unb ben lauf- männifchen Angestellten Erich Katz aus Vlainz zu brci Monaten Gefängnis. Krause hatte nach feiner Entlaffung aus ber Reichswehr in Fulba zusammen mit Rohkopf unb Wißler versucht. E i n- richtungSgegonstände der Reichs­wehr an Frankreich zu verraten. Zu diesem Zweck war man mit Katz in Verbindung getreten, der die Deziehungen zu geflüchteten Separatisten in Metz aufnahm. Die Staats­anwaltschaft bekam aber rechtzeitig Kenntnis von der Sache, fo daß der Landesverrat nicht zur Ausführung kam.

Daten für Dicntztag, 9. Februar.

Sonnenaufgang 7.53 Uhr, Sonnenuntergang 17.27 Uhr. Mondaufgang 8.51 Uhr, Mond­untergang 20.50 Uhr.

1789: Franz Taver Gabelsberger. Degründer der deutschen Stenographie in München geboren. 1834: Der Dichter Felix Dahn in Hamburg ge­boren.

Talen für Mittwoch, 1V. Februar.

Sonnenaufgang 7.51 Uhr, Sonnenuntergang 17.28 Uhr. Mondaufgang 9.10 Uhr, Mond­untergang 21.48 Uhr.

1847: der Physiker Thomas Alva Edison zu Milan in Ohio geboren. 1918: Rußland beendet den Kriegszustand mit den Mittelmächten. 1923: der Physiker Wilhelm Konrad Röntgen in Mün­chen gestorben.

von künstlichen Riststätten in allen Waldungen, um diese vor der Rönne zu schützen. Eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Garmischer Vogel­warte ist die Abteilung, in der Vussarde unb Falken, bie in ber Gcsangenschalt aufwachsen, zur Selbftcrhaltung in ber Freiheit erzogen werben. Der mächtige Dusfarb ist ein großer Vertilger von Mäusen unb anderen Schädlingen unb sollte baher überall geschützt unb gezüchtet werben. Aber wenn ein in der Gesangcnlchaft ausgewach­sener Vussarb plötzlich sreigelas'cn wird. Dann muß er cntocDer verhungern, ober er fliegt ber ersten besten Perlon zu, bic vorüber kommt. Solche zahmen Vullarbe. bie einem Fremben zuflogen, finb schon oft getötet worben Die jungen Vogel, Die aus Dem Rest genommen finD, bevor fie fliegen können, werben daher in einem großen von Drahtgittern umlchlofsenen Gehege auf einem Hügel bei Garmifch gehalten. Wenn fie fliegen lernen, gewöhnen sie sich hier zugleich Daran, ihr Futter zu empfangen, unb wenn fie frei- gelassen werben, maHcn sie zunächll nur kurze Flüge unb kehren bann -urüd. Allmählich fliegen sie immer weiter, üben sich im Fangen von Mäu­sen. Frolchen unb anberem Getier aber noch werben lic jeben Abcnb regelmäßig gefüt­tert. So können bic Deluchcr bas ungewöhnliche Schauspiel von Dutzcnben von Bullarben unb Falken betounbern. bie auf Den "Pfiff Des Wär­ters bin folg,am zu ihrem einstigen Heim herad- Idj rochen

LochschulnaÄrichten.

Professor Tr. RicharD Da lDu s von Der Tech­nischen Hochschule in Karlsruhe hat Den an ihn ergangenen Rus auf ben burch bic Emen» ticrung des Geh. Rais Prof. S. Finfterwalber an Der Technischen Hochschule in München er­ledigten Lehrstuhl ber Geometrie angenommen unb bereits seine Ernennung zum clatsmäßigen Or- btnariu» an ber Münchener Hochschule vom 1. April 1932 an erhalten. Pros. Valbus wirkt feit 1919 an ber Karlsruher Technischen Hoch­schule als Rachfolger von Prof. Mohrmann, nach» bem er früher m Erlangen boziert hatte.

Profeffor l)r. rcr. pol. Anbreas Predöhl an der Handelshochschule in Königsberg hot einen Ruf auf den durch das Ableben von Pro­fessor Landmann an der Universität Kiel er­ledigten Lehrstuhl der wirtschaftlichen StaatS- wisfenfchaften erhalten und angenommen.