Ausgabe 
8.7.1932 Erstes Blatt
 
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Wirffchast.

Sranffurf widerstandsfähig.

Frankfurta. M., 8. Suli. (WDD. Drahtmel­dung.) 3m heutigen Börsenverkehr hielt sich die Spekulation, da neue Nachrichten aus Lausanne nicht Vorlagen, zurück. Die Grundstimmung war jedoch weiter freundlich, da man die Hoff­nung auf eine baldige Einigung nicht aufgibt, wenngleich die noch bestehenden Schwierigkeiten für eine Endlösung nicht verkannt werden. Dom Pu­blikum lagen erneut kleine Kauforders vor, wahrend die Kulisse verschiedentlich Abgabe­neigung bekundete, zumal der schwache Schluh der gestrigen Neuhorker Börse etwas verstimmte.

Fester eröffneten Reichsbank plus 1 Prozent, Elektro-Aktien mit plus 0,5 bis 1 Proz. IG. lagen mit 92,50 gegen die gestrige Abendbörse unverän­dert. Anderseits waren deutsche Anleihen, Zellstoff Aschaffenburg und von Kunstseideaktien Aku mit Rückgängen von 1 bis 2 Proz. stärker abgeschwächt, auch Schiffahrtspapiere erlitten kleine Einbußen.

Rach den ersten Kursen wurde das Geschäft vorübergehend etwas lebhafter und Spezialwerte wie 3.-G.° Farben, Reichsbahn und Salzdetfurth verzeichneten Erhöhungen bis zu 1 Prozent.

Am Rentenmarkt bestand wieder ver­stärkte Rachfrage nach Schuldbuchforderun­gen und Altbesitzanleihe, die bis zu 1,25 Prozent gewannen: Reubesitzanleihe zog nur um Bruch­teile eines Prozentes an. Für Goldpfandbriefe war die Haltung etwas schwächer, da auf dem er­höhten Riveau einige Abgaben vorgenommen wurden. Die Rückgänge hielten sich im Rahmen von 0,25 bis 0,50 Prozent. Liquidationspfand­briefe gingen dagegen etwas stärker zurück _ und verloren bis zu 1 Prozent. 3m Derlaufe bröckel­ten die Kurse wieder leicht ab und das Geschäft ging auf ein Minimum zurück. Tagesgeld blieb mit 4,25 Prozent unverändert leicht.

Berlin zuversichtlich und fester.

Berlin, 8. Juli. (WTB. Funkspruch.) Heute vormittag war die Tendenz mehrfachen Schwan- kungen unterworfen, doch konnten sich die gestri­gen Kurse im großen und ganzen ziem­lich behaupten. Die ersten Kurse zeigten keine einheitliche Haltung und wiesen im Durchschnitt Schwankungen bis zu 1 o. H. nach beiden Seiten auf. Die Kursgestaltung richtete sich meist nach Kauf- oder Derkaufsorders des Publikums, die auch nur einen geringen Umfang hatten, zumal sich die

Spekulation zunächst stärker zurückhielt. Während die gestrigen Nachrichten aus Lausanne weniger optimistisch lauteten, war man heute vormittag wieder zuversichtlicher gestimmt, und dies kam auch in den neuesten Meldungen von der Kon­ferenz zum Ausdruck. Der schwache Schluß der gestrigen Neuyorker Börse blieb ohne Einfluß, da­gegen war man über die etwas günstigere Lage des Arbeitsmarktes befriedigt. Die Hoffnung, daß nach erfolgter Einigung dieNeichs- ba n k ihren Diskontsatz ermäßigen werde, verschaffte gleichfalls eine gewisse Anregung.

Farben eröffneten gänzlich unverändert zu gestern. Für Kalipapiere zeigte sich aber eher Nach­frage, und Kali-Ehenne zogen wiederum um 4 o. H. an. Montanwerte lagen dagegen meist etwas schwä­cher von Braunkohlenwerten schwächten sich Rhei­nische Braunkohle um 3 v. H. ab. Elektropapicre konnten mit Ausnahme von Chade, AEG., Elektri­zitätswerk Schlesien und Felten durchweg anziehen. Ziemlich lebhaft war das Geschäft in Bekula, die fest einsetzten und im Derlaufe weiter anziehen konnten. Reichsbank, in denen das Geschäft gleich­falls etwas lebhafter war, konnten sich um über 1 o. H. befestigen.

Don deutschen Anleihen zog Altbesitz­anleihe um 0,39 v. H. an, während Neubesitzanleihe nur kaum behauptet blieb. Ausländische Renten lagen eine Kleinigkeit höher. Am Pfandbriefmarkt schien eher angebot vorzuliegen. Reichsschuldbuch- sorderungen waren gegen gestern unverändert.

Am Geldmarkt machte die Erleichterung weitere Fortschritte. lagesgelb war mit 5Z v. H. erhältlich. Monatsgelb blieb unverändert 6 bis 8 o. H.

Oberbeff en.

Landkreis Gießen.

2$. Reiskirchen. 7. 3uli. Gestern wurde aus dem Hofe des hiesigen Arztes das Rad eines auswärtigen Patienten ge stöhlen. Don dem Täter fehlt bis jetzt jede Spur. Die poli­zeilichen Ermittlungen sind noch im Gange.

CD Lollar, 7. Juli. In einer der letzte Nächte wurde die verschlossene hintere Eingangstüre zur Gartenwirtschaft derBerg schenke" erbro­chen und die Türe selbst, sowie fünf Stühle entwendet. Die polizeiliche Unter­suchung blieb ergebnislos. Nun haben Kinder beim

Baden in der etwa 600 Meter entfernten Lumda die Stühle gefunden, so daß sie dem Besitzer zurück­gegeben werden konnten. Die Türe konnte noch nicht aufgefunden werden. Da es sich um eine schwere, hohe, durchlöcherte Eisenblechtüre handelt, ist zu vermuten, daß mehrere Personen bei dem Diebstahl beteiligt waren.

<- Watzenborn-Steinberg. 7. Juli. Am 9. und 10. Juli hält der Gau Wetterau (Südwestdeutscher Turnverband Mitglied des ADT.) hier sein diesjähriges Gause st und seine Gaufahrt ab. Die örtlichen Dorberei­tungen sind von dem hiesigen TurnvereinGut Heil" getroffen worden, der dem Gau als Mit­glied angehört. Gaufest und Gaufahrt wurden früher getrennt abgehalten, sie sind aus Er­sparnisgründen in diesem 3ah re zusammengelegt. Die Veranstaltung ist in erster Linie als turne­rische Kundgebung und als Werbemittel gedacht.

* L e i h g e st e r n, 8.3uli. Am morgigen Sams­tag, 9. 3uli, feiern die Eheleute Balthasar Schä­fer im Kreise von sieben Kindern. 22 Enkeln und einem Urenkel bei guter Gesundheit das Fest der goldenen Hochzeit. Der 3ubilar war mehr als drei 3ahrzehnte in der Detriebs- werkstätte des Bahnhofs Gießen tätig.

Kreis Friedberg.

WSN. Dilbel, 7. Juli. An der Eschbach bei Harheim fanden Schulkinder ein 7,5 - Zentime - ter-Artilleriegeschoß. Man nimmt an, daß das Geschoß beim Rückmarsch der Truppen 1918 ins Wasser geworfen wurde. Ein Spreng- kommando aus Butzbach machte den gefährlichen Fund unschädlich.

Kreis Büdingen.

* Nidda, 7. Juli. In her Nacht auf Donners­tag wurde hier in der Bahnhofstraße in bas Le­bensmittelgeschäft von Bretzigheimer ein­gebrochen. Die Diebe rissen von einem Fenster nach bem Hofe die eisernen Gitterstäbe aus den Zementsteinen und drangen bann in den Laden ein. Es wurden eine größere Menge Lebensmittel und Kolonialwaren gestohlen und aus der Laden- kafse ein kleinerer Betrag entwendet. Don den Tä­tern, die mit den Oertlichkeiten bekannt sein muß­ten, fehlt noch jede Spur.

Verwaliungsaufbau in Darmstadt?

WSR. Darmstadt. 7.3uli. 3n der Bürger­schaft Darmstadts ist eine erhebliche Erregung entstanden über den Plan der Stadtverwaltung, eine neue Bürgermeister st eile oder zwei mit einer Aufwandsentschädigu n g ver­

sehene ehrenamtliche Deigeordneten- st e 11 e n zu schaffen- Die Fraktion der Gewerbe- und Handwerksvereinigung erhebt in einer öffent­lichen Erklärung entschiedenen Einspruch gegen diese Bestrebungen.

Zigeunerschlacht am Zigeunerwäldchen.

WSR. Lampertheim, 7. 3uli. Am Diens­tagnachmittag entstand am Zigeunerwäldchen in der Gemarkung Lampertheim unter Landfah - rem eine schwere Stecherei. Messer und starke Holzknüppel spielten eine Rolle. Der 60jährige Scherenschleifer Phil. Kimmel wurde dabei so schwer verletzt, daß er kurze Zeit nach seiner Einlieferung ins Städtische Krankenhaus Worms seinen Verletzungen erlag. Ein weiterer Beteiligter mußte wegen schwerer M e s s e r st i ch e ebenfalls ins Krankenhaus ge­bracht werden. Sechs Beteiligte wurden fest­genommen und zum Teil dem Amtsgericht zu­geführt.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

WSR. Wetzlar. 7. 3uli. Am Mittwochabend kam ein mit zwei Personen besetztes Paddel- b o o t lahnabwärts gefahren und schlug in einer Krümmung des Flusses um. Zwischen den beiden 3nsassen, von denen der eine des Schwimmens unkundig war, entspann sich ein verzweifelter Kampf. Der eine wollte den andern retten. Dieser umklammerte ihn aber so heftig, daß beide versanken. 3n äußerster Lebens­gefahr vermochte sich der eine Paddler loszureißen; völlig erschöpft erreichte er das Ufer und mußte zusehen, wie sein Kamerad ertrank. Es handelt sich um den 26 3ahre alten Herbert Zim­mer Sohn einer angesehenen hiesigen Familie. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden.

(D Krofdorf, 8. Juli. Am heutigen 8. Juli kann bas Zwilligspaar Philipp Pfeiffer und Elisabeth, geborene Pfeiffer, das seltene Fest des gemeinsamen 8 8. Geburtstages feiern. Es ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, ibafj die Geschwister das älteste Zwillings­paar in Deutschland sinb. Der Bruder, ber in Krofdorf wohnt, gehörte lange Jahre bem Orts- gericht an, er genießt noch heute hohes Ansehen in ber Gemeinbe; er ist Veteran von 1866 unb 1870- 71 unb lebt, ebenso wie seine Zwillingsschwester, noch in körperlicher unb geistiger Frische. Er hat zwei Söhne, fünf Enkel und zwei Urenkel. Frau Pfeiffer wohnt in Wetzlar-Niebergirmes unb hat drei Kinder, 14 Enkel und vier Urenkel.

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