Ms MO W.
Original-I^oman von Anny von panhuyü.
Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig.
2 SottlcL j. Nachdruck verboten!
Er lächelte zufrieden. Wie vernünftig die kleine Lil war. Nachmittags ging seine Mutter aus, erst am Abend, nachdem er noch ein paar dringende Besuche gemacht, kam sie zurück. Sie stürmte ganz aufgeregt in sein Zimmer, darin er sich ein Viertelstündchen ausruhte und rief schon von der Tür her: »Das ist ja eine schöne Geschichte, die Lil sich jetzt einbrockt. Du mußt sofort zu ihr! Ader nein, es ist Wohl besser, ich gehe selbst und erkläre ihr, es gehört sich nicht, was sie vorhat. 3d) war bei Frau von Welp und sie fragte mich, ob es wahr wäre, Lil Körner beabsichtige in der Wohltätigkeitsvorstellung in einer Clownnummer aufzutreten. Frau Direktor Mager kam noch dazu und behauptete, Lil hätte es ihr heute vormittag selbst erzählt."
„Dann wird es wohl stimmen", erwiderte Werner trocken, „denn mir hat sie es gestern auch erzählt."
Die Baronin nahm ihren Hut ab und warf ihn auf einen Stuhl: „Unt> du hast das ruhig mit angehört, Werner, hast sie nicht auf das Unstatthafte ihres Vorhabens aufmerksam gemacht?" fragte sie und um ihren Mund zuckte es unaufhörlich.
Er zögerte mit der Antwort. Wenn er ganz ehrlich sein wollte, hatte es ihn ja anfangs auch befremdet, daß Lil als Clown vor die Oeffentlich- kcit treten wollte. Es war etwas, was ihm zu einer Frau nicht zu passen schien. Aber sie hatte ihn schnell zu ihrer Ansicht bekehrt, und er wollte, wenn nun schon seine Mutter Partei gegen sie ergriff, nicht dasselbe tun. So log er denn: „3ch fand und finde nichts plnstatthaftes dabei."
Die Baronin sank auf einen Stuhl nieder. „Nun hör aber auf, Werner! 3ch denke, du willst Lil heiraten? Und da meine ich, mühte es dich eigentlich verflixt stören, wenn dir später, nach der Hochzeit, jeder beliebige Patient, der sich für ein paar Mark eine Eintrittskarte zu der Wohltätigkeitsvorstellung gelöst hat, erklären kann: 3hre Frau war großartig als Clown! 3ch hab mich scheckig gelacht über ihr dummes Gesicht, und Fratzen hat sie geschnitten, Fratzen! 3ch muß jetzt noch lachen, wenn ich Ihrer Frau begegne."
Werner unterdrückte eine schnelle Antwort. Denn er fand, seine Mutter hatte recht. Von dem Standpunkt aus hatte er die Sache noch nicht betrachtet. Er dachte nach. Ach was, die Mutter sah wieder alles viel zu scharf wie immer. Ein
paar alte Klatschschwestern würden sich die Zungen müde reden über etwas, was sie nicht begriffen und damit war dann alles erledigt. Er erwiderte: „Nimm die Geschichte nicht zu ernst, Mutter, es lohnt nicht. Ich gebe ja zu, es ist reichlich ungewöhnlich, daß eine junge Dame der Gesellschaft als Clown auftritt, aber die Hauptsache ist doch, daß jeder bei so einer Vorstellung zeigt, was er kann. Else Manners singt sehr gut, Herr von Bär spielt fast künstlerisch Cello, Marie Dehn trägt Couplets vor und Lil spielt Clown." Er lächelte: „Sie hatte schon von Kind an die Neigung zur Komik in der Art derClowns. Ihr Vater meint, seit sie zum ersten Male in einem Zirkus gewesen. Und das müssen wir ihr lassen, ihre Art und Weise dabei ist unwiderstehlich. Der verknöchertste Mensch muh lachen, wenn sie ihren Blödsinn losläht."
Seine Mutter war empört:
„Du stehst dem verdrehten Mädel noch bei? Ja, Werner, begreifst du denn nicht, wie sehr sie sich und später' auch dir schaden kann durch den Unfug? Es bleibt etwas davon an ihr hängen. Eine Frau, die man einmal so gesehen, meine ich, nimmt man nachher nicht mehr ernst."
Er zuckte die Achseln.
„Ich mische mich nicht ein und wenn du klug bist, tust du es auch nicht. Wozu Lil und ihren Vater verärgern." Die letzten Worte gäben den Ausschlag. Die Baronin ging manchmal zu ihrem Stiefbruder und lieh sich Geld, wenn sie Anschaffungen machen wollte, die ihre Verhältnisse überschritten und Eduard Körner gab bereitwilligst und verlangte niemals etwas zurück. Sie neigte den Kopf. „Ganz wie du willst, Werner."
Sie verlieh das Zimmer und begab sich in ihre Schlafstube und zog ein einfaches Hauskleid an. Sie dachte aber noch über die Unterhaltung mit dem Sohne nach. Er hatte sofort Partei für Lil genommen. Das würde einmal unangenehm werden, wenn Lil erst hier einzog als seine Frau. Die wollte dann das Haus verlassen, Lils Lachen und deren immer fröhliche Miene würden ihr ja sowieso unerträglich werden. Sie schimpfte vor sich hin: Wie kann sich nur ein anständiges Mädchen zum Narren vor dem Publikum machen wollen. Es ist schamlos im höchsten Grade!
Am nächsten Tage suchte Werner Sturm Lils Vater in der Dank auf* Die grohe Privatbank Körner und Sohn war von dem Vater des jetzigen Besitzers gegründet worden. Sie galt als grund- solide und viele Altfrankfurter Familien schworen auf die Gediegenheit und Sicherheit der Firma. In letzter Zeit aber hatte sich Eduard Körner an ein paar ausländischen Spekulationen beteiligt, die ihm grohe Verluste gebracht hatten und sich danach trotzdem an neuen Spekulationen beteiligt, um die Verluste wieder einzubringen. Aber daß ihm jetzt manchmal angst und bange war, ob alles gut ausschlagen würde, davon ahnte nie
mand etwa- von seiner Familie und seinen Freunden.
Er empfing Werner Sturm mit kräftigem Handschlag, lächelte: „Ich weih schon, was du heute von mir yaben willst. Mein Mädel, meine Lil, nicht wahr?" Er legte dem ihn um mehr als Kopfeslänge Ueberragenden die eine Hand auf die Schulter. „Ich weih ja auch schon seit Jahren, dah du mir eines Tages meine kleine Lil wegnehmen würdest und ich habe mich an den Gedanken längst gewöhnt. Du bist ein lieber, vornehm denkender Mensch, Lil wird an deiner Seite glücklich werden, davon bin ich fest überzeugt. Also, Werner, ich wühte keinen Hinderungsgrund für eure Ehe."
Werner Sturm preßte krampfhaft die Hand des älteren Mannes.
„Onkel, ich gelobe dir, Lil zu behüten wie meinen Augapfel. Sie verdient es, sie ist gut und wertvoll. Ich liebe sie über alles."
Der Bankier lud zum Sitzen ein.
„Also, sind wir einig. Wann ihr heiraten wollt, das macht nur unter euch aus, mir ist alles recht. Im übrigen hat's ja wohl nicht solche Eile? Im Herbst wird Lil einundzwanzig Jahre alt, dann wäre es nach meiner Ansicht die richtige Zeit."
Werner Sturm hatte ebenso wie Eduard Körner Platz genommen. Der Bankier fragte: „Was sagst du zu Lils Idee, in der Wohltätigkeitsvorstellung als Clown aufzutreten?"
In diesem Augenblick klopfte es und Lil trat ein. Sie erklärte: „Ich wollte mir Geld von dir holen, Vati, für Kostüme und Zubehör, ich habe nichts mehr." Sie umarmte den Vater, flog bann Werner um den Hals. „Habt ihr über mich ver- handelt, ihr beiden lieben, nein, ihr beiden liebsten Menschen? Uni) seid ihr einig geworden? Warm ist Hochzeit?"
„Im Herbst, denke ich", erwiderte der Vater.
Sie lieh Werner los und nickte: „Ich bin gern einverstanden und nun gib mir Geld, Vati, ein paar hundert Mark, bitte, ich habe allerlei Ko- stümideen für meinen Clown."
Werner meinte: „Eben hat mich dein Vater gefragt, was ich zu deiner Idee sage, in der Wohltätigkeitsvorstellung aufzutreten. Ich konnte ihm noch nicht antworten, weck du gerade kamst."
Lil lachte: „Herrschaften, lah doch das Thema, sonst veruneinigen wir uns vielleicht noch. Ich setze meinen Kopf ja doch durch und ihr wart doch auch beide einverstanden"
Uebermütig blitzend gingen ihre schönen Augen zwischen den beiden Männern hin und her und beide nickten ihr zu.
Das war eine Bekräftigung ihres Ginverständ- nisfes.
„Anfang März sollt ihr über mich lachen, bis ihr nicht mehr könnt", prophezeite Lil und setzte ihr übermütigstes Gesicht auf.
8. Kapitel.
Clown Lil und der Tod!
Die Wohltätigkeitsvorstellung für die Blinden fand im großen Schumanntheater am Bahnhofs- platz statt. Schon viele Tage vor der Vorstellung waren sämtliche Eintrittskarten verkauft und alles deutete darauf hin, dah nach der Abrechnung den armen Blinden eine große Summe überwiesen werden konnte. Man erzählte sich, am meisten hatte es gezogen, dah Lil Körner, die reizende Tochter des stadtbekannten Bankiers, sich als Clown zeigen wollte. Viele hatten schon gehört, sie solle in der Rolle Hervorragendes leisten.
Der Abend der Vorstellung kam heran. In den Logen sah man elegante Damen und Herren, ebenso aus den Saalplätzen. Man machte sich gegenseitig auf stadtbekannte Persönlichkeiten aufmerksam und erwartete den Beginn der Vorstellung. Die Musik setzte ein. Eine Ouvertüre wurde gespielt. Danach erschien ein schönes junges Mädchen vor der Rampe, sprach ein paar Verse, die auf den guten Zweck der Vorstellung hinwiesen und dann trat eine Sängerin auf. Sie erntete reichen Beifall.
In einer der Logen sahen die Baronin und Werner. Die Verlobung sollte Ostern, das war In vier Wochen, veröffentlicht werden. Es faßen noch Bekannte in der Loge, ein Platz war freigehalten für Eduard Körner.
Die Baronin meinte zu Werner: „Ein bißchen pünktlicher dürfte Lils Vater heute wirklich fein! Es ist doch unangenehm, daß er nun mitten in die Vorstellung hineinplatzen wird."
„Er hat sicher wichtige geschäftliche Abhaltung", erwiderte Werner leise und ihm fiel in Gedanken eigentlich erst jetzt auf wie schlecht der Onkel in letzter Zeit ausgesehen. Er war wohl überarbeitet. Er mußte sich da einmal mit seinem ärztlichen Rat aufdrängen. Der Onkel sollte etwa- für sich tun. Ausspannen vom Geschäft und ein paar Wochen irgendwo unter milderem Himmel verbringen.
Mehrere Nummern, jede von reichem Beifall ausgezeichnet, zogen auf der Bühne an Auge und Ohr vorüber, dann stellte man lebende Bilder und danach reihte sich die Sensation des Abends an. Auf dem Programm stand: Clown Lil! Die zwei Worte waren ganz besonders fett gedruckt, sprangen jedem, der das Programm zur Hand nahm, sofort in die Augen. Jazzmusik klang auf, füllte den Saal mit verzwicktem, tollem Notenspuk und nun flog der Vorhang zurück. Auf der Bühne stand ein winziges schmales Kerlchen in schreiend bunten Schlotterhosen und ebensolcher Jacke, ein winziges Zylinderchen auf dem Kopf. Das Gesicht war bedeckt von einer weih und rot gemalten Maske. Mit ein paar Purzelbäumen von eleganter Leichtigkeit begann die von allen am meisten erwartete Nummer.
(Fortsetzung folgt)
. ' I
TÖTE die kriechenden E | | T Söldner des Unheils mit ■ L I ■
Es gibt heute mehr gefährliche Insekten als Jemals zuvor im Zeitalter des Menschen: Typhus, Scharlach, der tödliche Kinderdurchfall sind Plagen, die sie uns bringen. Die einzige Sicherung dagegen ist, diese Todfeinde der Menschheit zu vernichten.
FLIT — überall bekannt - ist das beste Mittel, um Fliegen, Mucken, Schnaken und alle lästigen Insekten schnell und sicher zu töten. Achten Sie auf den Flit-Soldaten auf der gelben Kanne mit dem schwarzen Band.
Nur in der plombierten Kanne ist FLIT erhältlich.
ZU- A'Ä
L
Matthäus - Gemeinde
Sonntag, den 10. Juli, nachmittags 3'/2 Uhr, im „Philosophenwald“
FAMILIENTAG
Ansprachen — Musikalische Darbietungen — Gesangsschule von Frau Schmidt-Wissendorf — Solistinnen: Fräulein Keitzer, Fräulein Drommershaus - Kapelle: Musikkreis des Herrn Aliendörfer — Spiel der Jungen- und Mädchenvereinigung usw. Eintritt frei!
Die Gemeinde wird hierzu herzlichst eingeladen.
Der Kirchen Vorstand. Der Frauen verein.
Die Männer- und Frauen Vereinigung. 6099 D
SPORT
DERBY
IDEAL
Hut-Richter
Marktstr. 24-26 Neuen Bäue 3
4851 D
tnaoki wm üw Wlety! DER MEYs KRAGEN mit dem f eI ne n WlichextoM So ganz enden als Kragen sonst) Nie hat man Ärger mit ihm!
Er wird nicht gewaschen, ni Jtf geplättet. Man bindet immer einen ganz neuen um.
Hetdid*. Ut das!
Dutzendpackung ............M 2.50
6 Stüde..................M 1.25
Knoblauch-Saft
PURALLITHHee
garantiert naturrein ohne AlkoholzuNatz kalt gepreßt und gekeltert unter Erhaltung der wertvollen Vitamine
ÄOOgr Original-Flasche 1,80 HM.
Hersteller und Hauptniederlage: . 787 a
Engel-Apotheke Giefeen
\ Kavallerieverein
Gießen e.V.
Gegründet 1907
25. Stiftungsfest am Sams-ag, dem 9. Juli 1932, abends 8 Uhr im Saale des Caf6 Leib
Freunde u.Gönner sowie auch Angehörige der verstorbenen Kameraden sind herzlichst emgeladen
5097 D Der Vorstand
Badeanzüge
ab 4.25
5111A
Für Sonne und Wasser
der gute reinwollene Schwimmanzug I
Strandanzüge ...ab 7.40
Strandhosen.....ab 3.80
Bademäntel.....ab 9.75
Badeschuhe.....ab 2.40
Badetücher......ab 5.25
Badehandtücher .ab 0.75
Badeteppiche....ab 2.40
c.o.
Reuter
Sonderhaus für Ausstattungen Seltersweg 61
Detektiv K. Gerz, Bad-Nanheim, Kur* straBe 17 erledigt alle vertrauliche Privat» u. Geschäftsunaele» aenlieiten,wie Aus» fünfte, Beobachtun» gen, Ermittlungen, Beschaffung o Be» welsmat. in Straf» u. >',ivilvroz. streng diskr Svrechst.:9b 12'/, - 8—6 Ubr.
Gießener Radfahrer-Verein von 1885, e.V.iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiii Am Samstag, dem 9. Juli 1932, abends8 Uhr in sämtlich. Räumen der Rest »Karlsruhe«
Großes Sonmernachls Fest
sä Betten
Schl irfitiB..Kinderbetten.
Polet S'.hlmatr-, CbaieeL, AM Öden, Toüzeble. Ke tat tr. vnmöbeltabrlk Suhl <ThJ
Hühneraugen
Warzen,Hornballen beseitigt restlos auch in den hartnäckigst Fällen totsicher unt. Gar. inner b. 5-6 Tg.
mit radsportlichen Konkurrenzen, Tanz, Tombola usw. — Meisterklasse am Start Beginn der Vorwettbewerbe 7 Uhr abends Tanz auf 2 Tanzböden somd
Gäste und Gönner herzlichst willkommen!
Ihre Geschäftsdrucksachen
Hühneraugen-Rapid
stellen die Verbindung her zu Ihren Erzeugnissen. Man stellt eloh die Be* echatfenhelt Ihrer Waren eo vor, wie man Briefbogen, Briefumschläge, Post-
Ab Samstag früh verkaufen wir:
Stück
511ÖA
ModehausSalomon
Schulstrafle
Herren-Nachthemden aus gutem Hemdentuch mit Umlegkragen und modernen farbig. Paspol oder Besatz, alle Weiten............
Herren-Sporthemden mit angeschnittenem Kragen und Binder, aus Oxford oder feinfädig. Flanell, in vielen modernen Farben.........
Zum
Sonderpreis von
Erhält!, nur: Löwen- Drogerie W. Kllblnger Nacht., Seltersweg 69.
karten, Rechnungen, GeechHftskarten Ihres Hauses beurteilt.
Legen Sie deshalb Wert auf gepflegte Druokarbelten. Wir bieten eie Ihne*. BrOhl'scha Druckerei, Oleßen, Schulstraße 7, Anruf Nr. 2251
Herren-Oberhemden
z aus färb, Popeline od.Zephir, gestreift
usamm n oder klein gemustert, teils mit einem
Kragen, gute Qualität, oder weiß mit
Ripsbrust, extra gute Qualität.....


