Ausgabe 
8.7.1932 Erstes Blatt
 
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erhalten. Wie verlautet, wurde der polnische Wunsch abschlägig beschieden.

Oie östlichen Kriedenspakie.

Polnisch-rumänische Unstimmigkeiten.

Warschau, 7. Juli. (WTB.) Zwischen Polen und Rumänien bestehen offenbar schon seit längerer Zeit Unstimmigkeiten wegen der Nichtnngriffspaktverhandlungen mit Sowjet-Ruhland. Vor einigen Tagen hatte nun der neuernannte rumänische Gesandte in War­schau, Code re, eine lange Unterredung mit Mar­schall Pilsudski. Cadere soll dem Marschall er­klärt hoben, daß der einseitige Abschluß eines Nichtangriffspaktes Zwischen Polen und der Sowjet-Union einen ungünstigen Eindruck in B u k a r e st Hervorrufen müsse. Die polnische Regierung solle deshalb die Unterzeichnung des Paktes verschieben, um Zaleski Zeit zu lassen, in Genf zwischen Titulescu und Litwinow zu ver­mitteln.

ImKrakauer Kurier" wird behauptet, daß die polnische Regierung auch heute grundsätzlich an der gleichzeitigen Beendigung der Nicht- angriffspaktverhandlungen zwischen Sowjet-Ruß­land und seiner westlichen Nachbarn festhalte.

Erste Wahlrede Hugenbergs.

R o st o ck, 7. Juli. (TU.) In Rostock eröffnete der deutschnationale Parteiführer Dr. Hugenbera am Donnerstag den Wahlkampf. An den Anfang seines Wahlkampfes, so erklärt er, stelle er den Gedanken der Staatserneuerung. Die Zeiten seien vor­bei, in denen es genügt habe, den Wahlkampf mit der Kritik an dem herrschenden System zu bestreiten. Vor allem müsse gesunde Staatsverwaltung und finanzielle Selb st Verantwortung der Gemeinden gefordert werden. Die Länder müssen wieder Träger der Verwaltung werden. Die Ueber- tragung der Sozialversicherung einschlieh. lich der Arbeitslosenversicherung auf die Gemeinden und Kreise ist Voraussetzung für eine durchgreifende Reform dieser durch den Sozialismus auf den jetzigen Tiefstand gewirtschafteten Einrichtungen. Den Par­lamenten muß das Recht genommen werden, Mi. nister abzusetzen. Das Beamtentum muß durch Reinigung von ungeeigneten Parteibuchelementen wieder zum Träger des Staatsgedankens gemacht werden. Denkt man diese Gedanken zu Ende, so kommt man ohne weiteres auf die Entwicklung Deutschlands zum erblichen Kaisertum, Staatserneuerung ist nicht möglich, solange der Marxismus den größten deutschen Bundesstaat Preußen beherrscht. Trotz 162 nationalsozialisti­schen Abgeordneten ist der Marxismus in Preußen nach wie vor an der Macht. Ein Abkommen,

das Nationalsozialisten mit dem Zentrum geschlossen haben, verschiebt die Wahl des Ministerpräsidenten bis nach den Reichstagswahlen und erschwert dem Reich die Möglichkeit, den Marxismus von sich aus in Preußen auszuschalten. Ohne Staatserneuerung ist keine wirkliche Freiheitspolitik denkbar, ohne Staatserneuerung kein Schuß der deutschen Kultur, kein Schutz der christlichen Religion vor der Zer­störungswut der vom alten System einschließlich Zentrum geförderten Gottlosenbewegung. Ohne Staatserneuerung ist auch an einen Wiederaufbau der zusammengebrochenen deutschen Wirtschaft nicht zu denken. Nicht den Staat, sondern die Wirtschaft wollen wir berufsständisch gliedern. Verständlich sei vor allem ein wiedererstarkter Mittel- st a n d.

Kundgebung derNSOAp. in Frankfurt

Frankfurt a. M., 7. Juli. (WSN.) Anläßlich des Ueberfalls auf die uniformierten Nationalsozia­listen in der Langestraße, bei der der National­sozialist Hans Handwerk erschossen und sein Bruder verletzt worden ist, veranstaltete die NSDAP, heute abend eine große öffentliche Kund­gebung auf dem Börsenplatz, dem ein Auf­marsch der SA., der SS. und der HI. vorausge­gangen war. Begleitet von einem starken Polizei­aufgebot marschierten diese Abteilungen von der Saalburgallee durch Bornheim und die Innenstadt nach dem Börsenplatz, wo Stadtrat H e y s e und Gaupresseamtsleiter W o w e r i e s unter dem Motto: Mit Trauer, Trotz und Treue über Gräber vor­wärts!" an die vieltausendköpfige Versammlung An- sprachen hielten, die neben einer Verdammung der scheußlichen Tat in der Forderung nach dem Selb st schutzrecht der NSDAP, ausklangen. Die Versammlung ebenso wie der An- und Abmarsch der Teilnehmer verlief ohne nennenswerte Stö­rungen.

Einberufung des Lleberwachungs ausschusses abgelehni.

München, 8. Juli. (ERB. Funkspruch.) Der nationalsozialistische Reichstagabgeordnete Gregor Straßer hat als Vorsitzender des Ueber- wachungsausschusses Les Reichstages an die Ab­geordneten Torgler (KPD.), Dr. Hertz (SPD.), Weber (Staatspartei), Wegmann (Zentrum) und Pfleger (BVP.) sowie an den Reichstagspräsiden­ten Lobe Schreiben gerichtet, in der er eine Ta­gung des Ausschusses für unnötig hält und er­klärt, nicht in der Lage zu sein, den Ausschuß eir- zuberufen. Er sei prinzipiell der Meinung, daß das deutsche Volk nicht mehr der aufgelöste Reichstag oder ein Ausschuß des nicht mehr existierenden Reichstages interessiere, sondern einzig und allein nur noch die Zusammensetzung und Leistung des am 31.Juli zu wählenden Reichstages.

Aus aller Well.

Die amerikanischen Weltflieger bei Minsk ausgefunden.

Aenyork, 8. 3uli. (IBIB. Funkspruch.) Aach einer Meldung derAssociated preß" au» Moskau sind die Flieger Griffin und Mattern etwa 80 Kilometer von Minsk entfernt mit ihrem Flugzeug verunglückt. Da» Flugzeug ist be- schädigt. Die Flieger scheinen die Herrschaft über den Apparat verloren zu haben, der der Steuerung nicht mehr gehorchte.

Da» Befinden der geretteten Australienflieger.

Wie aus Melbourne gemeldet wird, befindet sich der Begleiter des geretteten deutschen Austra­lienfliegers Bertram, Klausmann, unter stän­diger ärztlicher Lleberwachung in einem Kranken­haus. Es wird jedoch damit gerechnet, daß er durchkommt. Die Tatsache, daß Bertram und Klausmann die ungeheuren Strapazen überlebt haben, wird als ein großes Wunder bezeichnet und in erster Linie dem Mut und der Ent­schlossenheit Bertrams zugeschrieben, der in den letzten Tagen nicht nur sich selbst, sondern auch Klausmann am Leben zu erhalten hatte. Beide Flieger trugen lange Bärte, als sie aufge­funden wurden.

Absturz in den Bergen.

Von einer Lawine wurden an der Nordwand des Gran Zebru in der Ortsgruppe zwei Münchener Touristen in den Abgrund gerissen. Eine Rettungsexpedition ist unterwegs.

Zwei Todesopfer

beim Ueberholen auf der Landstraße.

In Pattfcheid (Kreis Solingen) ereignete sich ein schweres Verke^rsunglück. Ein Personenkraft, wagen überholte Damen des Opladener Frauenver- eins, als im gleichen Augenblick ein Motorradfahrer mit Sozius versuchte, an dem stark links fahrenden Kraftwagen vorbeizukommsn. Es kam zu einem Z u - sarnrnenstoh zwischen den Fahrzeugen. Die beiden Motorradfahrer wurden auf die Straße ge­schleudert und blieben t o t liegen.

Karl Strecker zieht den Reoisionsantrag zurück.

Der bekannte Schriftsteller Karl Strecker, der wegen vorsätzlicher Brandstiftung unter An­nahme mildernder Tlmstände zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt worden war, hat die gegen dieses Urteil eingelegte Revision zurückge­zogen. Hiermit ist der Weg zur Begnadi­gung frei getoorben, den das Gericht dem Ver­urteilten bereits in Aussicht gestellt hat.

Da» Unwetter im Allgäu.

Das furchtbare Unwetter, das in der Gegend von Füssen (Dayr. Allgäu) niedergegangen ist, hat ungeheuren Schaden angerichtet, der sich ziffernmäßig noch nicht annähernd darstellen läßt. Besonders heimgesucht wurden das Zentrum der Stadt, sowie der nördliche und östliche Teil. Stellenweise sieht die Stadt aus, als ob ein Trom­melfeuer über sie hinweggegangen wäre. Manche Häuser gleichen Ruinen. Rahezu alle Dachplatten wurden durchschlagen und die Fensterscheiben zer­trümmert. Da auf den furchtbaren Hagel- schlag ein gewaltiger Wolkenbruch folgte, drangen die Wassermassen in die Speicher und die oberen Stockwerke der Häuser ein. Viele Wohnräume sind unbewohnbar geworden, so daß Einwohner und Hotelgäste ausquartiert und an­derweitig untergebracht werden mußten. Ein trauriges Bild der Verwüstung bieten die Gärten, Wiesen und Aecker in der Umgebung. Es gibt Aecker, auf denen kein Grashalm und kein Pflänzchen mehr steht. - Das Unwetter in Bayern hat auch im Betriebe der Reichsbahn zu Störungen geführt. Zwischen Wasserburg-Dahn- hvf und Wasserburg-Stadt, sowie in der näheren Umgebung, ferner zwischen Ohlstadt und Hechen-

dvrf und bei Staltach wurde der Bahndamm vom Hochwasser unterspült und über­schwemmt, so daß die Züge Verspätungen erhiel­ten. Zwischen Murnau und Garmisch-Parten­kirchen wurden die Reisenden von zwei Zügen mit Kraftwagen befördert. Auch durch Blitz­schläge in die elektrischen Fahrleitungen und in die Telephonleitungen wurde der Betrieb der Reichsbahn an mehreren Stellen gestört. Die Stö­rungen konnten alle nach kurzer Zeit behoben werden.

Der Vater schießt auf den Sohn.

Der durch seinen langwierigen Prozeß gegen die Stadtverwaltung von R e u st a d t a. d. H. bekannt gewordene 70jährige Mühlenbesitzer Moderh von der Heidmühle gab dieser Tage aus dem Jagdgewehr zwei S ch r o t s ch ü s s e auf seinen 43jährigen Sohn ab, die diesen am Hinter­kopf und im Rücken schwer, aber nicht lebens­gefährlich verletzten. Wie man hört, soll zwischen Vater und Sohn ein Streit entstanden fein, in dessen Verlauf der Sohn den Vater mit einem Messer bedrohte, worauf der alte Mann zur Waffe griff und die beiden Schüsse abgab. Ob die Annahme der Rotwehr für den Vater zutrifft, wird erst die genaue Unter­suchung ergeben. Modery scn. wurde nach seiner Verhaftung und einem ersten Verhör auf freien Fuß gesetzt, da Fluchtverdacht nach den obwalten­den Umständen nicht besteht.

Schlimmer Ausgang eine» Wlrlshausstreit».

In dem Westerwalddorf L e u tz e r t befanden sich einige junge Burschen in einer Wirtschaft, die das Lokal trotz mehrfacher Aufforderung des Landjägers nicht verließen. Dieser trieb die Bur­schen schließlich mit Hilfe deS Gummiknüppels aus dem Raum. Die Burschen gaben sich aber hier­mit nicht zufrieden. Einer von ihnen ergriff ein Stück Holz und forderte den Beamten auf, mit ihm den Kampf aufzunehmen. Als der Landjäger den Widerspenstigen festnehmen wollte, ergriff der Bursche die Flucht. Bei der Verfolgung sah sich der Beamte gezwungen, einige Schreckschüsse abzugeben. Einer von ihnen traf aber einen völ­lig unbeteiligten Kraftfahrer aus Hanroth in den Kopf. Der Verletzte blieb besinnungslos und blutüberströmt liegen und wurde in be­denklichem Zustand dem Krankenhaus zu- geführt.

Mildwest in Berlin.

Ein vor wenigen Tagen auf eine Schankwirt­schaft im Rorden Berlins verübter Feuer­überfall hat jetzt seine Aufklärung gefunden. Der Vorsitzende eines Unterweltvereins ,Ar- c o n a" war von dem Wirt wegen dauernder Be­lästigung seiner Gäste aus dem Lokal gewiesen worden. Wutentbrannt beschloß er, furchtbare Rache zu nehmen. Er befahl telephonisch den üb­rigen acht Mitgliedern der Kolonne, sofort mit Pistolen bewaffnet anzurücken. 3n wenigen Mi­nuten waren alle Mann zur Stelle. Unter dem Kommando des Führers®ebt Feuer!" wurde das Lokal durch die Scheiben der Fenster und Türen beschossen Zwei Gäste wurden getroffen und erheblich verletzt. Jetzt ist es der Polizei gelungen, alle acht Mitglieder der Kolonne f eft- zunehmen.

Da» Urteil im Prozeß Westenhuber.

Dor dem Erweiterten Schöffengericht Traunstein begann dieser Tage die Verhandlung gegen Mich. Westenhuber aus Freilassing wegen Ver­sicherungsbetruges u n d U n t e r s ch l a- gung. DerFall Westenhuber" hatte im März d. 3. großes Aussehen erregt, da ursprünglich Raubmord angenommen wurde. Der Vater des Angeklagten war am 19. März im Walde t o t und seiner Barschaft beraubt auf gefunden worden. Die polizeilichen Erhebungen ergaben, daß sich der alte W. nach genauer Verabredung mit seiner Familie selbst erschossen hatte, und der

junge W. sich noch in der Rächt zur Leiche des Vaters herangeschlichen und dort verabredungs- gemäß das einkassierte Geld an sich genommen hatte. (!) Durch den vorgetäuschten Raubmord sollte erreicht werden, daß die Hinterbliebenen Westenhubers bei drei Versicherungsgesellschaften den Betrag von insgesamt 50 000 Mark ausbezahlt erhielten. Das Gericht verurteilte jetzt den An­geklagten Michael Westenhuber wegen Hehlerei zu drei MonatenGesängnis unter Freispre­chung von der Anklage des Versicherungsbetruges. Die Gefängnisstrafe gilt als durch die Tlnter- suchungshaft verbüßt. Der Staatsanwalt hatte versuchten Versicherungsbetrug und Hehlerei an­genommen und insgesamt 7 Monate Gefängnis beantragt.

Aus ver Provinzialhauptllavt.

Gießen, den 8. Juli 1932.

Oie weite Welt.

Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt", heißt es in dem viel gesunge­nen Wanderlied.Berg und Tal und Strom und Feld", die diese weite Welt ausmachen, sind aber überall der Wunder so voll, daß auch schon die Nähe zu unendlicher Weite werden kann, wenn man sich die Mühe macht, diesen Wunderborn zu suchen und in seinen ewigkeitsnahen Spiegel zu schauen. Wozu denn in die Ferne schweifen, sieh', das Gute liegt so nah'!" ist durch die Not der Zeit bei Hun- dcrttausenden eine Notwendigkeit geworden, aus der sie wohl oder übel eine Tugend werden machen müssen. Denn die Weite der Welt ist ja nicht allein bedingt durch die Anzahl der Kilometer, die man braucht, um zu ihr zu gelangen. Die Weite der Welt wird viel weniger eine Angelegenheit des Geld­beutels als des Willens und der Fähigkeit, in jedem noch so unscheinbaren Pflanzengebilde,die Kräfte zu ahnen und zu fühlen, die den Gedanken bis in die unbegrenzten Weiten des Alls und der Allmacht zu schweifen erlauben, bis in jene traumvergoldete Ge­filde, die dje Heimat der Seele find.

Reifen in die weite Welt find bei den meisten Menschen doch nur Durchreisen durch Gegenden in irgendwelchen Landstrichen, auf denen das Schöpferauge mit besonderem Wohlgefallen ruhte. DaS Tempo, mit dem dies in der Regel geschieht, summiert die Eindrücke zu einer bunten Masse von Bildern, zu einer schillernden Oberfläche, zu einer rein optischen Schau, die kaum genossen, schon von neuen Reizen auf der Retzhaut abge­lost und ausgelöscht sind. Tlnd zum Schlüsse ist eine solche weite Welt, die man durchraste, doch immer nur einer farbigen Scheibe vergleichbar, bei der die rasche Tlmdrehung die einzelnen Töne in einen verwaschenen Farbton zusammenfliehen läßt. Die weite Welt ist dann nur noch eine kleine Episode, wie tausend andere, ein Ratur­film, den man sich auf einer Freilichtspielbühne angesehen hat. Man kommt nach Hause, und das unbeschreiblich schöne Lied von der Erde ist aus, wird übertönt von dem gewohnten und nie ganz ausgeschalteten Tamtam beim Tanz um das gol­dene Kalb.

Wozu also derartige Hetzjagden in eine Welt, in der man ständig aus Angst vor sich selbst auf der Flucht vor der Langeweile ist? Die Lange­weile ist nämlich ein Zustand, den auch die wei­teste Welt nicht zu ändern vermag, weil sie ihre Tlrsachen nur äußerlich tarieren kann. Es wird immer nur ein Sonnenstreifen zwischen Wolken über daS innere Oedland wandern, und hinter­her ist wieder Schatten. Die weite Welt, wenn sie wahrhaft den Blick weiten, wenn sie die Wun­der wirken soll, die ihr innewohnen, bedarf nicht des Autos oder des Flugzeuges. Sie liegt ge­wöhnlich nur eine oder einige Wegstunden Wan­derung weit. In dem engen Raum von einigen Kilometern können Welten an Weite des Wissens um wirklich Wertvolles eingeschlossen fein. Das find jene Werte, deren Wirkung weit über eine augenblickliche Freude an dem Schönen hinaus­geht, das sich den Sinnen zum Genüsse bietet.

Darum: die weite Welt ist kein Massenvergnü­gungsartikel, weder an Kilometern, noch an Kosten, noch an Kurz-(beziehungsweise Lang)- we'.l. Die weite Welt muß zu dir kommen. Dazu mußt du sie suchen, in der festen Absicht, aus der täglichen Enge dich zu erheben in die Weite der tieferen Bedeutung alles Sichtbaren. Eine solche Reise zu sich selbst ist für die Heutigen oft ein weiterer Weg, als um den ganzen Erd­ball. Kig.

40 Sonderzüge zum Sängerfest.

Der Sonderzugfahrplan der Reichsbahn.

Die Reichbahndirektion Frankfurt a. M. gibt soeben die Fahroläne für die Sonderzüge aus An­laß des XI. Deutschen Sängerbundesfeftes in Frank- furt a. M. vom 21. bis 24. Juli heraus. Für das Fest liegen über 33 000 verbindliche Anmeldungen vor. Die Teilnehmer werden zum größten Teile in Sonderzügen nach Frankfurt a. Ä. gebracht. Die Zahl der Teilnehmer zwang die Reichsbahn, die Zahl der Sonderzüge von 29 auf 40 zu erhöhen. Da ein großer Teil der Sänger im Anschluß an das Fest nicht sofort zurückfährt, werden für die Rück- fahrt nur 30 Sonderzüge benötigt. Die dienstliche Bezeichnung der Sonderzüge lautetS a e p" (Sän- gerpersonenzüge). Abgangsorte der Sonderzüge sind die Städte Stettin, Königsberg, Chemnitz, Breslau, Beuthen^ Berlin, Basel, München, Bremen, Wien, Düsseldorf, Bonn Nürnberg, Saarbrücken, Stutt­gart, Kassel, Tübingen, Friedrichshafen, Hannover, Zweibrücken, Freiburg, Essen, Mannheim, Hof, Stendal, Naumburg, Altona, Riesa, Zwickau, Dres- den, Bautzen, Kottbus.

Von den Sonderzügen berühren 3 unsere Stadt. Hier wird den Sängern Gelegenheit zu einem Hei­nen Erfrischungsaufenthalt geboten fein. In Gie - ßen hält derSaep" Nr. 1, der am 19. Juli in Stettin abfährt, in Gießen kurzen Aufenthalt nimmt und am 20. Juli 5.29 Uhr weiterfährt. Der Sonderzug Nr. 3 kommt ebenfalls von Stettin, nimmt in Gießen Aufenthalt und fäh--, >>.m 21. Juli 6.28 Uhr nach Frankfurt weiter. Neben diesen bei­den Zügen berührt auch noch der Sonderzug von Bremen unsere Stadt. Der Saep Nr. 22 fährt am Abend des 21. Juli von Bremen ab, nimmt am 22. Juli morgens in Gießen Aufenthalt und fährt um 5.50 Uhr nach Frankfurt weiter.

Erleichterungen für den Reiseverkehr in der Tschechoslowakei.

In einem zwischen Deutschland und der Tschecho­slowakei abgeschlossenen Abkommen ist eine teil­weise Flüssigmachung der in den beiden Ländern infolge von Maßnahmen zur Regelung des Zah­lungsverkehrs festliegenden Guthaben im Wege des Reiseverkehrs vorgesehen. Für deutsche Reisende kommt folgendes Verfahren in Betracht: Mit Ge­nehmigung der Devisenbewirtschaftungsstellen dür­fen über den im Rahmen der Freigrenze zulässigen

Betrag von 200 Mark hinaus weitere Betrage bl- zu 500 Mark in Form von Akkreditiven, Schecks oder Auszahlungen auf Plötze in der Tschecho­slowakei bei inländischen Kreditinstituten, oder Hotelgutscheine des Mitteleuropäischen Reisebüros erworben werden. Die Reisenden haben den Kredit- instttuten oder Reisebüros, bei welchen sie Forde­rungen erwerben wollen, außer den Genehmi­gungsbescheiden auch die Reisepässe vorzulegen. Die Genehmigung berechtigt nur zur Bestreitung der Aufenthaltskosten in tschechoslowakischen Bädern, Kurorten und Sommerfrischen. Deutsche Gläubiger, die in der Tschechoslowakei Guthaben besitzen, haben die Möglichkeit, mit Genehmigung der De- wisenbewirtschaftungsstellen und der tschechoslo­wakischen Nationalbank Beträge bis zu 100 000 Ko. auf ein Sammelkonto bei der Böhmischen Union­bank in Prag zu überweisen. Diese Beträge wer­den nach bestimmten Richtlinien zur Auszahlung in Reichsmark an die deutschen Gläubiger gelangen. Nähere Auskunft erteilen die Industrie- und Han­delskammern.

Erfolgreiche Gießener Stenographen.

Der diesjährige Verbandstag des Hessisch- Rassauischen K u r z f ch r i f t v e r b a n d e s in Bingen, der in 127 Vereinen insgesamt 10 000 Mitglieder vereinigt, war mit einem Wett- schreiben verbunden, an dem sich über 1100 Per­sonen beteiligten. Als Höchstleistung wurden 340 Silben geschrieben. Der nächste Verbandstag soll in Friedberg stattfinden. An dem Wettschreiben beteiligten sich u. a. auch eine Anzahl Mit­glieder der 1. Reichskurzschriftgesell­schaft Gießen. Folgende Gießener Steno­graphen konnten mit Preisen bedacht werden:

2 60 Silben. 2. Preis: Kurt Moosdorf; 3. Preis Georg Wahl.

180 Silben. 2.Preis: Hilde Kuhl.

160 Gilben. 1.Preise: Johanna Bohl, Aug. Schott, Karl Röhm, Karl Brücke!, Alfred Bor­muth, Minna Gerbig, Erna Reininger: 2. Preise: Käthe Demuth, Otto Wahl; 3. Preise: Theo Schwarz, Annemarie Steinberger.

14 0 Silben. 1. Preis: Emmi Overbeck.

120 Silben. 1. und Ehrenpreis: Luise Rein­hardt: 1. Preise: Wilhelm Hofmann, Karl Marth, Karl Dree, Emmy Roth, Johanna Graf, Ilse Lehmann: 2. Preise: Else Leinweber, Luise Metz. Gertrud Schäfer: 3. Preise: Christel Emmel, Otto Wilhelm.

10 0 Silben. 1. Preise: Rudolf Günther, Elli Schick, Aenne Magold, Alfred Wissemann. Al­fons Klein, Hans Fuhr, Adolf Schmitz: 2. Preis: Hedwig Lehnhardt: 3. Preis: Aenne Fendt.

80 Silben. 1. und Ehrenpreis: Otto Keßler; 1. Preise: Hermann Blum, Theodore Heinz, Erich Sauer, Elisabeth Paul, Helmut Holzigel, Adam Krug: 2. Preise: Kurt Simon, Annemarie Sei­bert, Otto Mädel: 3. Preise: Willi Althaus. Ferdinand Dörfner, Irene Wintterlin, Marie Gerbig, Gretel Niederhöfer.

Bornotizen.

TageskalenderfürFreitag. Gießener Konzertoerein: 20 Uhr im Stadttheater Orchester­konzert. Oberhessischer Kunstoerein: Turmhaus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr Ausstellung. SPD.: 20 Uhr im Caf6 Leib Proteltverfammlung. Zelt­mission, Oswaldsgarten: 16 Uhr Bibelstunde; 20.15 Uhr religiöser Vortrag. Lichtspielhaus, Bahnhof- straße:Durchlaucht amüsiert sich".

Der Kavallerie-Verein Gießen begeht am morgigen Samstagabend im ©aale des Cafe Leib sein 25. Stiftungsfest. Im heutigen Anzeigenteil werden die Vereinsangehörigen, so­wie Freunde und Gönner des Vereins zu der Veranstaltung eingeladen. (Siehe Anzeige.)

** Aus dem Cichgärtengebiet. Durch freiwilligen Arbeitsdienst wurde dieser Tage das bisher neben dem neuen Schulgebäude lagernde Aushubmaterial planiert, so daß sich das Schul­gebäude jetzt wesentlich vorteilhafter präsentiert. Rachdem nun der Ausbau der verlängerten Roon- strahe und die Verbindungsstraße zwischen dieser und der Wolfstraße nahezu fertiggestellt ist, kann in Kürze der Fußgänger- und Fuhrwerksverkehr durch die neu geschaffene StraßeIn den Eich­gärten" am Schulhausneubau vorbei nach dem Philosophenwald einsehen. Außer einer weiteren Zugangsmöglichkeit zum Philosophenwald ist hier auch ein neues Dauviertel entstanden.

Eine Langemarck-Kundgebung auf der Burg Gleiberg, veranstaltet von der Hochschulgruppe Gießen des Rationalsozia­listischen Deutschen Studentenbundes, findet mor­gen, Samstag, 20.30 Uhr beginnend, statt. An der Veranstaltung nehmen il a. Vertreter der Gießener Studentenschaft, sowie die nationalen Verbände aus Oberhessen und den anschließen­den preußischen Gebieten teil. Die Langemarck- Gedenkrede wird der 1. Vorsitzende der Gießener Studentenschaft, stud. rer. pol. Edler v. Graeve, halten. Weiterhin sieht die Dortragsfolge Ge­dicht- und Liedervorträge, Sprechchöre, Musik einer Heroldstrompeten-Kapelle, Burgbeleuchtung und Feuerwerk vor. Den Abschluß der Kund­gebung wird ein Fackelzug bilden. Zu der Ver­anstaltung wird auch eine zahlreiche Beteiligung der Gießener Bürgerschaft erwartet.

** D e u t s ch e Z e l t m l s s i o n. Zu dem gestri­gen SondervortragGöttliche Ordnungen im Familienleben" hatten sich überraschend viele Zu­hörer eingefunden. Alle lauschten mit gespannter Aufmerksamkeit den fesselnden Ausführungen des Redners. Er sprach über die göttlichen Ordnun­gen für des Hauses Vater, des Hauses Mutter und des Hauses Kinder. Der Vater ist zunächst des Hauses Ernährer.Wer seine Hausgenossen nicht versorgt, der ist ärger denn ein Heide." Er ist des Hauses Herr. Seine Stellung im Hause ist die der unbedingten Autorität. In allen Streitfällen spricht er, gleichsam als letzte Instanz, das entscheidende Wort. Freilich soll diese Herrschaft eine Herrschaft der Liebe sein, wie ja in der Familie alles nur vom Standpunkt der Liebe aus geregelt werden kann. Wo Liebe und Treue fehlen, da machen böse Geister sich breit. Die Mutter sollte mit dem Vater vor allen Dingen eins sein in der Kindererziehung. Zwiespalt der Eltern in Erziehungsfragen ist ein böses Ding. Dazu erwartet die Schrift von ihr, daß sie sich dem Manne unterordnet und ein Leben des Dienstes und der Selbstverleugnung lebt. Die Aufgabe des Mannes ist, zu sorgen und zu leiten; die Aufgabe der Frau, zu dienen und zu helfen. Modern sind zwar solche Auf­fassungen nicht, aber biblisch und gesegnet. Den Kindern zieht die Heilige Schrift zwei Linien: Ehrerbietung und Gehorsam. Packend und er­greifend waren die Beispiele, aus reicher Er­fahrung geschöpft. Heute findet ein zweiter Sondervortrag statt über das Thema:Der Kampf um die Che". Jedermann, ohne Unter­schied des Standes, der politischen Einstellung und der Konfession ist eingeladen. Deginn 2015