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Daß bie Straße auch eine rauhe Erzieherin fein und eint sehr derbe Lehre geben kann, beobachtete ich in der 3läl)e einer Schule. Lin Trupp Jungen im Alter von 12 bis 13 Jahren nahm feinen Heim, weg Lurch eine der verkehrsreichsten Großstadt- strahen, als ein am Rande des Fußsteigs gehender ganz plötzlich seinen oollgepackten Schulranzen mit­ten auf hie Straße vor einen dahinsahrenden Rad- sah re r wars, fo daß dieser zu Fall kam und ein zweiter, ihm folgender in den Sturz hineingerissen wurde. Mcnschenguslauf, der nur 30 Schritte ent- lernte Schutzmann schrieb den Jungen aus. Glück- licherweise war außer einigen Radbeschadigungcn und etlichen blauen Flecken alles gut abgcgangen. Dcr Junge war wie verdonnert. Er gehörte, wie ich jpäter erfuhr, au den zuverlässigsten Schülern. Die Beweggründe seiner Tat erschienen rätselhaft. Er gab an, er hatte sich nichts dabei gedacht, «ich vor seinen Kameraden brüsten zu wollen, lag ihm fern. Dos Vorkommnis ist für die plötzlichen Einfälle der Jugend bezeichnend. Sie handelt stets nach Ein­gebung; Rücksichten und Folgen zu erwägen, ist nicht ihre Art. Meist ist es wie hier auf der Straße erst eine eigene harte Erfahrung, die zum Erzieher wird. Wer hat nicht schon beobachtet, wie Kinder sich auf das rückwärtige Trittbrett von Lieferwagen und ähnlichen Geschirren setzen ohne bei den Gefahren unseres Verkehrs un böse Folgen zu denken? Wer hat nicht jugendliche Radfahrer ge­sehen, die im glücklichen Besitze ihres Rades, als dessen unumschränkte Beherrscher sie sich fühlen, ohne Rücksicht auf sich und andere die Straße zur Renn­bahn machen? Gewiß ifr solch unverbrauchte Ju> gendkrast mit ihrem elementaren Fortstürmen etwas Schönes wenn Straße und Verkehr nicht eines Tages eine gar zu bittere Lehre geben würden!

Man hört heute öfters aus Elternkreisen die Klage, die Kinder entfremdeten sich schon frühzeitig dem Elternhause, indem sie Wanderungen mit Freunden und Wandergruppen, Teilnahme an sport- lichen Uebungen und Veranstaltungen dem Zusam- menfein mit ihren Eltern in der Freizeit wochen­tags, ja am Sonntag vorzögen: gewiß seien diese Bestrebungen gesund und begrüßenswert, aber man müsse doch erwarten ...I Ja, erwarten! Die Straße gibt auch hier die nötige Erklärung! Wie oft sieht man nicht Sonntag nachmittags ein Ehepaar mit feinem «pröhling ins Freie wandern! Der Vater spricht kein Wo.t, die Mutter ebensowenig. Das Kind stellt einmal eine Frage, auf die es eine karge Antwort erhält. Im Gasthaus blickt es herum, beob- achtet, sucht nach neuen Eindrücken oder gleichaltri- gen Leidensgefährten. Gerade die Teilnahme des Vaters am Spaziergange dieses Tages müßte für das Kind das Erlebnis seines Sonntags werden! Rur ein klein wenig brauchte der Vater dem Kinde entgegenzukommen, cs nach diesem oder jenem zu fragen, einige Blicke in seinen Gedankenkreis zu tun und sosort würde sich das Herz des Kleinen erschließen, anstatt sich den Eltern zu entfremden.

Dr. K.W.

Der Landfriedensbruch in Gießen vor dem Reichsgericht.

j-. Die Arbeiter Schwabe und Decker von Dad-Aauheim, sowie der Arbeiter Günther au« Schwalheim, die der Kommunistischen Partei an- geyören, gerieten Mitte Mai v. 3. gelegentlich eines Aufenthalt« in G i e ß e n am hiesigen Dahn- Hos in eine Schlägerei mit Rationalsozialisten, bei der die Kommunisten verprügelt wurden. Die drei Kommunisten kehrten danach in dem nationalsozia­listischen DerkebrSlokal ein und hänselten die dort anwesenden Rationalsozialisten. Der höflichen Aufforderung des Wirte« daS Lokal zu verlassen, leisteten die Kommunisten keine Folge. Eie schickten vielmehr den Kommunisten R., der sich gleich­falls im Lokal aufhielt, nach dem DerkehrSlokal der Kommunisten, um die dort befindlichen Ge­nossen zu alarmieren. Kurze Zeit darnach hatte sich auch wunschgemäß vor dem Lokal der Ra- tionalsozialisten eine große Menschenmenge ange­sammelt, die auS den herbei gerufenen Kommu­nisten und auS neuaierigen Straßenpassanten be­stand. Als einige Kommunisten, angefeuert durch ihre Genossen, mit den WortenWir schlagen alle- kaputt" in daS Lokal der Äationalsozialisten eindrangen und dort arge Verwüstungen anrich­teten beteiligten sich die vier im Lokal anwesen­den Kommunisten an den Jertrümmerungen.'Zahl- reiche Tische und Stühle wurden zerbrochen und etwa 23 Diergläser zerschlagen. Dem herbeigeru­fenen Ueberfallkommando gelang schließlich die Wiederherstellung der Ordnung.

DaS Landgericht Gießen verurteilte die Arbeiter Schwabe, Decker und Günther wegen Landfriedensbruches nach § 125 Absatz 1 StGD zu Je drei Monaten Gefängnis. Aach der Üeberzeugung des Gerichts haben die Angeklagten durch die Aufforderung an ihre in dem Verkehr-lokal der Kommunisten anwesenden Genoffen die Veranlassung zu der Menschenan­sammlung vor dem nationalsozialistischen Der- kehrslokal gegeben. Die Angeklagten hätten das Vorgehen der zusammengerotteten Menschenmenge

gebilligt und sich an den Gewalttätigkeiten der in das Lokal eingedrungenen Menge beteiligt.

Gegen die Urteile legten sowohl die Ange- Nagten, al» auch die Staatsanwaltschaft Revi­sion beim AeichSgertcht ein. Die Revision der Angeklagten ttt vom 1. Strafsenat des Retchs^richts verworfen worden. Hingegen hat auf die Revision der Staatsanwalt­schaft. die eine strengere Verurteilung der AngeNagten wegen Landfr,edensbruches nach 8 125 Absatz 2 < Rädelsführerschalt' erstrebte, der Senat die Urteile des Landgericht- Gießen auf­gehoben und die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung nach Gießen zurückver- miefen.

Wegen Straßenschmiererei vor dem Schnellrichter.

In der Nacht zu gestern wurden die Bürgersteige zahlreicher Straßen mit Werbe-Schlagzeilen zu- gunften der SPD. beschmiert. Da die Täter bei ihrer Hlctffcrci weiße Dclfarbe benutzten und im Gr äßen maß der Buchstaben sehr weitherzig ver­fuhren, sind natürlich die Bürgersteige für längere 3cit in ausfälligster Weisegeziert". Der Polizei gelang es, im Laufe des gestrigen Vormittags vier Anhänger der SPD., die bei derMalerei" mit dem Auto der Partei gefahren waren, als Täter zu ermitteln. DasStreichquartett" hatte sich be­reits gestern nachmittag wegen seinerMalkunst" am falschen Orte vor dem Schnellrichter zu verant­worten. Nach längerer Verhandlung beantragte der Staatsanwalt gegen zwei Angeklagte je 1 Monat ©cföngnis, gegen die beiden anderen Angeklagten je 3 Wochen Gefängnis. Der Schnellrichter ver­urteilte zwei Angeklagte zu je 50 Mark Geldstrafe, evtl. 10 Tage Gefängnis, die beiden weiteren An- geklagten zu je 40 Mark Geldstrafe, evtl. 8 Tage Gefängnis.

Der Vorfall sollte allen malfreudigen Agitatoren die Warnung geben, bei ihrer, Werbearbeit d i e Finger von Farbtopf und Pinsel fort- zu lassen, damit die Straßen als Eigentum der Bürgergesamtheit nicht verschandelt werden und die Werber selbst vor unliebsamen strafrechtlichen Folgen bewahrt bleiben.

Vornotizcn.

Tageskalender für Mittwoch. Os- roalbsgarten: 15.30 und 20.15 Uhr, Alhambra Da- riets-Revue. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Frechdachs".

Feuerw-Hren und Sanitäts- ko l o n n e werden. Heute, Mittwoch, 19.45 Uhr, treten die Gießener Feuerwehren und die Frei- willige Sanitätsfolonne vom Roten Kreuz auf dem Brandplatz ju einem gemeinsamen Werbemarsch durch eine Reihe von Straßen der Stadt an. Bei

dieser Derbekundgebung werden die Wehren und bie Somtatskolonne ihre Gerate mitführcn. Der Werdemarsch soll einerseits allen Mitbürgern die Schlagfertigkeit der Feuerwehren und der Sani- täistolonne vor Äugen führen, zum anderen soll er eine Werbung sein, von der man eine Unter­stützung der Organisationen durch Beitritt als Mit- glich oder durch Spenden erhobt, um dadurch den Ausbau dieser gemeinnützigen Einrichtungen noch besser als bisher fordern zu können. Ausgangspunkt des Werbcmarsches ist der Brandplatz, Endpunkt vor dem Eafs Leib

ee Jungdeutscher Orden. Man berichtet uns: Dieser läge hielt die Schwesternschaft Gießen des Jungdeutschcn Ordens einen sehr stark besuch­ten Gästeabend ab, an dem Schwester Hirsch- Bad-Nauheim über das ThemaDie deutsche Frau und der Nationalsozialismus" sprach Mit ganz ein­deutigen Belegen zeigte die Rednerin die Wider­sprüche innerhalb nationalsozialistischer Führerkreise auf. Gemeinsam fei meist die Ablehnung der erreich­ten rechtlichen Hohe und der eigengesetzlichen Füh- rung des Frauentums, also die Betonung einer un- sozialen, einseitigen Einstellung zu den vielfachen Beziehungen innerhalb des Fragenkreises Frau und Familie, Berus, Volkstum und Raste. Dabei zitierte die Vortragende vorzüglich Hitler, Straßer und Darrs. An Hand ihrer Kritik vertrat sie eine unbedingte Ablehnung. Wenn jedoch eine große Zahl Frauen heute Hitler anhange, so habe das leinen Grund darin, daß das staatsbürgerliche Denken sich noch nicht in allen Schichten des deut­schen Volkes durchgesetzt habe, was in der Frauen­welt besonders der Fall sei. In der sehr regen Aus­sprache kam zum Ausdruck, daß in jenen gegensätz­lichen Aeußerungen maßgebender Nationalsozialisten eine ideenmäßige Verlegenheit des in seinem Wesen romanischen Nationalismus Hitlers liege. Die alle Gebiete des Lebens umfassenden Mangel und Nöte bedürfen einer gewachsenen und deutschen Lösung. Von der Aufbauwandlung in Staat und Wirtschaft sei letzten Endes auch die Lösung aller jener um die Frau ausaezeigten Fragen abhängig. Deren Gestal- tung müsse ihre Richtung und ihren Sinn erfahren imWir" der Gemeinschaft, der Dolksgesamtheit. In der Zusammenfügung starker Gesinnung und sinnvoller Führung bestehe die Ausgabe des Volks- staates der Zukunft, wie ihn das Jungdeutsche Mastisest zeichnet. Da werden bann Mann und Frau als auseinander abgestimmte Persönlichkeiten wirken können in der Familie wie im öffentlichen Leben, Träger eines gemeinschaftsverbundenen Volksstaates in vielfachen Beziehungen. Der auf beachtlicher Höhe stehende Dortrag zeichnete sich aus durch die bestechende Sachlichkeit der Kritik und fand verdiente Zustimmung. Der ganze Abend hatte daher einen anregenden fruchtbaren Verlauf In diesem Sinne schloß Schwester Gebhardt den Abend mit jungdeutschem Brauchtum.

Wirtschaft.

Einzelhandel und Heichsbank.

De r lin, 7. Juni. (LAD.) Am 4. Juni fand, wie die Hauptgcmeinschast des Deutschen Einzel­handels mitteilt, in der Reichsbank eine ein­gehende Aussprache zwischen dem Reichsbank­vizepräsidenten und Vertretern der Hauptgemein- schast des Einzelhandels statt, in der wichtige Fragen der Krediteröffnung des Ein­zelhandels, insbesondere die Förderung des einzelhändlerischen Wechselkredites, der Umwand­lung von Vuchschulden in Wechselfchulden und die Stärkung des Pcrsonalkredites, sowie die De- handlung der Einkaufsgenossenschaften des Ein­zelhandel« erörtert wurden. 3n dieser Unter­redung, die eine weitgehende Uebereinstimrnung in allen zur D.skussion stehenden Fragen ergab, erklärten die Vertreter dcr Reichsbank nach­drücklichst. daß die jetzige Reichsbankleitung mit der Währung stehe und falle.

* Der Großhandelsindex im Mai. Die vom Statistischen Reichsamt für den Monats­durchschnitt Mai berechnete Großhandelsindex- ziffer ist mit 97,2 gegenüber dem Vormonat um 1.2 Prozent gesunken. Die Indexziffern der Hauptgruppcn lauten: Agrarstoffe 93,4 (rninuS 2,4 Prozent). Kolonialwaren 86.9 (minus 1,1 Pro­zent), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 87,9 (minus 1,5 Prozent), industrielle Fertigwaren 118,8 (minus 0,8 Prozent).

Ford Motor Company AG., Köln. Die GV. der Ford Motor Lomvany AG , Köln, genehmigte den Abschluß für 1931 und beschloß, den ausgewiesenen Verlust von 1,70 Mill. Mark zunächst aus dem vorjährigen Gewinnoortrag zu decken und den dann noch verbleibenden Verlust aus der Sonderreseroe zu tilgen, die sich dadurch auf 0,59 Mill. Mark vermindert (i. V. aus 3 215 280 Mark Reingewinn 10 v. H. Dividende auf das 15 Mill. Mark betragende Aktienkapital).

e Die Vereinigte Glanz st ofs-Fabri- ten A G, Wuppertal-Elberfeld, erzielte im Geschäftsjahr 1931 einen Rohertrag aus Fabri­kation von 29,56 (i. D. Fabrikationskonto 14,04) Mill. Mark, während sich die Erträge aus Beteili­gungen auf 0,076 und außergewöhnliche Erträge auf 0,95 (i. D. sonstige Ertragnisse 1,50) Mill. Mark stellten. Anderseits beanspruchten Steuern 1,94 (2,64), Zinsen 4,05 (3,60), Löhne und Gebälter 16,53, soziale Abgaben 1,19 und sonstige Aufwen­dungen 2,33 (i. V. Generalunkosten 2,44) Mill Mk. Abschreibungen wurden in Höhe von 6,53 (9,59) Mill. Mark vorgenommen Der sich für 1931 er­gebende Verlust von 1 974 570 Mark erhöht sich durch den vorjährigen Derlustvortrag auf 4 700 425 Mark und soll in dieser Höhe vorgetragen werden. Die ersten Monate des laufenden Jahres brachten einen stärkeren Absatzrückgang. Zur Zeit ist die Produktion sämtlicher Werke zwecks Anpassung an den Absatz eingeschränkt worden. Greifbare An- Zeichen für eine Besserung des Geschäfts liegen nicht vor.

Schweinemarkt in Gießen.

Aus dem heutigen Schweinemarkt in Gießen stan­den 232 Ferkel zum Verkauf. Es kosteten: Ferkel bis 6 Wochen alt 12 bis 14 Mark, 6 bis 8 Wochen alt 15 bis 16 Mark, 8 bis 13 Wochen alt 18 bis 20 Mark. Tendenz schleppend.

Berlin lustlos und sehr ruhig.

Berlin, 8. Juni. (WTB. Funkspruch) Auch zu Beginn der heutigen Börse beschränkte sich die Um­satztätigkeit auf ein Minimum. Die Tendenz war als luftlos und eher schwächer zu bezeichnen, obwohl nur relativ wenig Angebot vorhanden war. Unter dem Eindruck der Kursrückgänge an der gestrigen Neuyorker Börse bekundete die Spekula- tion nur geringe Unternehmungslust, zumal die Unsicherheit hinsichtlich der Weiterentwick- lung der inneren Politik, besonders betreffs der

Schwierigkeiten bei der Regierungsbildung In Preu­ßen und der ungeklärten Finanzlage des Reiches, zur Zurückhaltung mahnten. Anderseits waren aller­dings die Aussichten für Lausanne nach dcr gestrigen Regierungserklärung Herriots etwas gebessert. Mit Jntereste werden die Vorgänge in Chile, die vorläufig ab verworren zu bezeichnen sind, verfolgt, ebenso fand die inzwischen dementierte Meldung eines hiesigen Mittagsdlattes, daß eine Abwertung des österreichischen Schillings in Aus­sicht stehe, einige Beachtung.

Im allgemeinen zeigten die ersten Notierungen heute kleine Rückgänge bis zu 1 v.H. Etwas stärker gedrückt waren Schlesische B-Gas (minus 3 o. H) Feldmühle (minus 2i vH), Kalichemie (minus 2 v.H.) und Ilse (minus 3 v.H). Bei letz­teren lag ein Angebot von drei Mille vor. Ander­seits waren Montanwcrte als recht Widerstands- lahig zu kennzeichnen, Kunstseideaknen im Zusam» mennang mit den Ausführungen auf der General- ocrfammlung fester, Rutgcrswerkc um 2 v H. ge­bessert und Schubert 8t Salzer aus die beschlossene Kapitalzusammenlegung und beabsichtigte Rückzah­lung der Hälfte des Aktienkapitals plus 13 v H, der Umsatz wird auf 50 bis 60 Millionen geschätzt. Die im verlause anhaltende Festigkeit der Rütgers- werke (der Kurs zog noch um weitere 2 v. H bis auf 29 v. H. an) brachte man mit einer ähnlichen Transaktion in Zusammenhang, bie angeblich seitens der Gesellschaft geplant sei, und zwar sprach man von einer Rückzahlung von zirka 20 v H. auf das Aktienkapital. Sonst war es im Verlaufe sehr ruhig und kaum verändert. Bei kleinen Umsätzen setzten sich vereinzelt Erholungen um Bruchteile eines Prozentes durch.

Am Pfandbriefmarkt war die Tendenz nicht einheitlich, aber eher nachgebend. Deutsche Anleihen neigten zur Schwäche, Reichsschuld, buchforderungen waren bis zu i v H. höher, Jn- buftrieobligationen und Reichsbahnvorzugsaktien konnten sich etwa behaupten. Don Auslandsrenten machte sich für Türken Jntereste bemerkbar. Am Geldmarkt blieb Tagesgeld mit 5i v. H. in der unteren Grenze unverändert, Monatsgeld war 6 bis 8 v. H. nominell.

Frankfurt sehr still.

Frankfurt a. TI., 8. Juni. (WTB. Drahimel- düng.) Die erneut schwache Haltung der gestrigen Neuyorker Börse verursachte zum heutigen Börsen- beginn wieder ftärkste Zurückhaltung. Hinzu kam noch der Machtkampf in Preußen und die schwierige finanzielle Situation de s R e i ch e s. Die Kulisse schritt verlchiedentlich zu kleinen Abgaben, zumal auch von außen her kleine Verkäuse oorgenommen wurden. Gegen die leicht be­tätigte Abendbörse neigten die ersten Kurse heute überwiegend nach unten, bei allerdings geringster Umsatztätigkeit. Stimmungsgemah recht sest lagen Montanwerte, während kursmäßig die Veränderun­gen nur klein waren. Lediglich Rütgerswerke fielen durch feste Haltung auf. Zum ersten Kurs zogen sie um 2 v. H. und im weiteren Verlaufe um weitere 2,5 v. H. an. Harpener gewannen 0,75 o. H., dagegen neigten Gelsenkirchen leicht nach unten. Von Spezial- werten eröffneten IG. Reichsbank und AEG. bis zu 1,5 v H. niedriger. Der Elektromarkt verzeichnete nur geringe Abweichungen nach beiden Seiten, wah­rend Zellstoff Waldhof 1,25 vH. hoher einsetzten. An den Nebenmärkten herrschte vollkommene Geschäftslosigkeit.

Der Rentenmarkt lag gleichfalls sehr fti 11 und nur unwesentlich verändert. Deutsche Anleihen blieben behauptet. Reichsschuldbuchsorderungen und Reichsbahnoorzugsattien zogen 0,25 bis 0,50 v. Ji. an, dagegen lagen Gold- und Liquidationspsandbriefe säst geschöftslos und ein wenig schwächer. Von Aus­landrenten zogen Anatolier weiter leicht an, während Rumänen ihre Abwärtsbewegung um 0,25 v. H fort- setzten. Nach den ersten Kursen wurde es vom Mon- tanmarkt ausgehend etwas freundlicher, und die Kurse zeigten Erholungen von 0,5 bis 1 v. H.

Im Verlaufe drückte aber die Geschäfts st ille auf das Niveau, so daß die Kurse wieder auf den Anfangsstand zurückgingen. Auch Rütgerswerke gingen noch um 1 v H. zurück Höher zur Notiz kamen noch Aku mit plus 1,75 v. H. Tagesgeld war zu 4 o. H. etwas gesucht.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. TL, 8. Juni. Es wurden notiert: Weizen 277,50 bis 280 Mark, Roggen 225 (nominell), Sommergerste für Brauzwecke 200 bis 202,50, Hafer (inländischer) 172,50 bis 180, Weizenmehl (süddeut- sches, Spezial 0, mit Austauschweizen) 39,25 bis 40,45, Weizenmehl (niederrheinisches, mit Austausch- weizen) 39,25 bis 40,20, Roggenmehl 27,75 bis 29, Weizenkleie 9, Roggenkleie 9,25 bis 9,50 Mark. Tendenz: ruhig.

Sprechstunden dcr Dicöciftion«

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen

Anzeigenaufträge sind lediglich an bie Geschäftsstelle zu richten.

Kurszettel -er Berliner un- Frankfurter Börse.

Die hinter den Papieren angeführten Zistern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. Reichsbankdiskont 5 v.H, Lombardzinssuß 6 v.H._____________________________

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Schweizer Roten.........

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21,61 77,10

2,495

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4,22 :4.32 81.37 15.52 16,63 171,11 21,69 77.40

2,515 79,66 82,55 34,77