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Auch in Frankreich beginnt derWahlkampf.

Tardieus erste Wahlrede.

Paris, 6. April. (WTB.) Ministerpräsident Tardieu hat heute abend auf dem Bankett im Saal Bullier die angekündigte große politische Rede gehalten, die die Wahlkampagne einleitet. Tardieu sprach beinahe anderthalb Stunden. Er hat in seiner Rede die Leistungen der abgelaufenen Legislaturperiode 1928/32 auf den verschiedenen Gebieten der Politik, der Wirt­schaft und der Finanz beleuchtet. Auhenpoli- t i sch, führte Tardieu aus, sei die erste Aufgabe die Organisierung des Friedens ge­wesen. Wenn es an gegenseitigem Beistand fehle, müsse man auf der Freiheit in der Bemessung der eigenen nationalen S t r e i t k r ä f t bestehen, oder aber man müsse den gegenseitigen Beistand organi­sieren, und dann könne man die Streit­kräfte herabsetzen. Im April 1928 sei die Lage bedrohlich und heikel gewesen. Die Rhein­landbesetzung bezog sich nur noch auf die dritte Zone, was nach Ansicht des Marschalls Foch die Besetzung ihres größten Gebietsteiles und ihres militärischen Wertes beraubte. Der Dawesplan sei auch nur eine vorübergehende Lösung ge­wesen. Man habe die Wahl gehabt zwischen einem negativen Rationalismus, einem tollkühnen In­ternationalismus und als dritte Möglichkeit eine Politik der Festigkeit und Aussöh­nung. Die letztere sei die Politik, die man ge­trieben habe.

Aber der Notwendigkeit einer Politik der Liqui­dierung des Krieges habe sich niemand entziehen können. In den Beziehungen zu Deutsch­land habe Frankreich ständig seinen Derständi- aungswillen bewiesen. Es habe dafür nicht immer Dank geerntet, und deshalb haben die französische Regierung und die Mehrheit des französischen Par­laments einschließlich der radikalen Opposition

in diesem Falle gewissen Theorien den Be­griff des Vertrags und der Achtung der Unterschriften entaegengestellt. Nur die sozialistische Partei habe sich für den Internationa­lismus und die Preisgabe der Rechte Frankreichs eingesetzt. Allein die Hitlcrbeweaung habe bewiesen, wie falsch die sozialistische These sei. Durch den P o u n g p l a n sei eine tatsächliche Verbindung zwischen Reparationen und interalliierten Schulden hergestellt worden, so sehr, daß das Hoover- Moratorium sie nicht habe wieder trennen kön­nen. Auf der Abrüstungskonferenz sei Frankreich durch seine Vorschläge und die Bereit­willigkeit zu sofortiger Verminderung der Rüstungs- ausgaben weitergegangen als irgend ein anderes Land. Es beherrsche jetzt den Gang der Aussprache durch den Einfluß einer starken Idee. Eine Gleichheit der Rüstungen sei un­möglich.

Tardieu verteidigte sodann die Finanzpoli­tik der letzten Legislaturperiode, die bekanntlich heftige Kritik bei den Sozialisten und den Radikal- sozialsten auslöste. Es seien nicht weniger als 47 Milliarden Goldfranken nach Frankreich ge­flossen. Seit 1926 habe man mehr als Dreivier­tel der 20 Milliarden Franken betragenden inne­ren Schuld amortisiert. Taroieu gab dann eine genaue Aufstellung der Verwendung der 19 Milliarden Franken, die sich bei Be­ginn der Legislaturperiode, d. h. im Jahre 1926, in der Staatskasse befanden und die a u f 2 M i l l i a r° den zusammengeschrumpst sind. 1,3 Mil­liarden seien davon zur B e f e st i g u n g der O st - grenzen und die Vervollständigung der nationa­len Ausrüstung verausgabt worden. Dreieinhalb Milliarden seien zum großen Teil für lang- fristige Kredite an Ungarn und Süd- s l a w i e n verwendet worden.

Empörung in Neufundland.

Eine Volksmenge belagert Regierung und Parlament, um den Rücktritt des Ministerpräsidenten zu erzwingen.

Conbon, 6. April. (TU.) In St. Iohns (Reu­fundland) zogen etwa 15 000 Menschen vor das neufundländische Parlament. Eine Ab­ordnung verlangte Aufklärung über eine Reihe von Beschuldigungen gegen den Minister­präsidenten Sr.Richard Squires und einige Minister wegen Aktenfälschung über Ka- binettssihungen und wegen Betruges. Während die Abordnung verhandelte, stürmte die auf­geregte Menge unter den Rufen:Die Re­gierung muß zurücktreten" undW erst den Ministerpräsidenten in den Ha - f e n" das Gebäude. Sie zerstörten olles, was sie in den Räumen fanden. Die Türen wurden eingeschlagen, die Fenster zertrümmert, die Mö­bel vollkommen zerschlagen und teilweise zu den Fenstern hinausgcworfen. Es entspann sich ein Handgemenge mit den Polizisten, in dem diese unterlagen. Die Oppositionsmitglieder und der Sprecher durften das Gebäude ver­lassen. Der Ministerpräsident war inzwischen mit Hilfe von drei Geistlichen entflohen. Die übrigen Regierungsmitglieder hotten sich in einem Daum eingeschlossen. Bei Einbruch der Rächt verliehen die Demonstranten das Gebäude wieder, das dann von ihnen ver­barrikadiert wurde, während sich immer noch die Regierungsmitglicder und sämtliche Polizisten von St. Iohns darin befanden. 4000 Menschen umlagerten das Gebäude, während der ganzen Dacht weiter. Teilweise wurde gedroht, Feuer

anzulegen. Die staatlichen Alkohollager wurden gestürmt und vollkommen ausgeplün­dert.

In den Morgenstunden des Mittwoch konnte die Ordnung wiederhergestellt wer­den, nachdem 300 Mann der Kriegsteilnehmer­verbände aufgeboten worden waren, die die Be­wachung der Straßen und Amtsgebäude über­nahmen. Die Regterungsmitglieder und die Poli­zei konnten das Parlamentsgebäude wieder ver­lassen. Ein Minister hat den Gouverneur ge­beten, den Ministerpräsidenten zum R ü ck t r i t t zu zwingen, um die Wenge zu beruhigen. Im Februar war der Premierminister von Ar­beitslosen, die eine größere Lebensmittel­ration verlangten, mißhandelt worden, und kürzlich war er nach einer amtlichen Untersuchung von der Anschuldigung, S ch r i f t ft ü ck e im Zu­sammenhang mit der Verwaltung öffentlicher Gel­der gefälscht zu haben, freigesprochen worden.

Neufundland ist ein britisches Dominion an der atlantischen Küste von Kanada. Ein Gebiet von der Größe Bayerns, Württembergs und Badens zu- sammen wird nur von einer Bevölkerung bewohnt, die der Hälfte der Einwohnerzahl der Stadt Frank­furt entspricht. Wichtigste Ausfuhrprodukte sind Pa- pier und Fische. Die Hauptstadt St. Johns hat 40 000 Einwohner.

Die Viennächte-Kollserenz in London.

Oie Eröffnung.

Einsetzung zweier Sachverständigen« Ausschüsse.

London, 6. April. (111.) Line grohe schaulustige Menge halle sich in der Downingslreet eingefunden, um sich die Auffahrt der ausländischen Abordnungen zu der v l e r m ä ch l e k o n - f er e n j anzusehen. Gegen 14.20 Ahr englischer Seit erschien die französische Abordnung unter Füh­rung des Finanzministers Flandin und kur; darauf trafen die Mitglieder der italienischen Abordnung soweit sie nicht an dem Frühstück beim Ministerpräsidenten Macdonald keilgenommen halten auf dem Hofe des Foreign Office ein. Sur; vor 14.30 Ahr kamen Staatssekretär v. B ü l o ro und Ministerialdirektor Posse sowie der italienische Außenminister G r a n d i mit Be­gleitung aus dem Hause Downingstreet 10 heraus. Ihnen folgte Handelsminister R u n c i m a n und Außenminister Sir John Simon. Als letzter kam Ministerpräsident Macdonald in Begleitung des Schahkanzlers Neville Chamberlain. Sie begaben sich in den Locarnoraum, wo sie die Abordnungen begrüßten und hierauf pünktlich um 14.30 Uhr die Sitzung über die Donaufrage im alten kabinettsraum eröffneten.

Ueber die heutigen Besprechungen wurde am Ende der Rachmittagssihung folgendes Lommuniquö veröffentlicht: Cs wurde ein Ausschuß gebil­det, der über die gegenwärtigen wirtschaft­lichen und finanziellen Verhältnisse der Donau st aalen sowie über die Art der für eine Lösung am besten geeigneten Maßnahmen zu berichten hat. Der Bericht soll morgen erstattet wer­ben. Die Vertreter der vier Mächte kamen weiterhin überein, einen kleinen Sachverständigen­ausschuß einzusehen, der die durch den kürzlich veröffentlichten Bericht des Finanzaus­schusses des Völkerbundes angeschnittenen Fragen prüfen soll.

Schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten.

London, 6. April. (WTB.) Reuter meldet: Wie in später Abendstunde verlautet, hat sich auf der heutigen Sitzung der Mermächtekonferenz

eine Meinungsverschiedenheit zwischen Frankreich und Großbritannien einer­seits und Deutschland und Italien ow dererseits herausgestellt. Der erste Ausschuß der Konferenz, der aus den Delegationsführern be­steht, wird sich morgen früh bemühen, diese Mei­nungsverschiedenheiten ausKugleichen. Die beiden zur Diskussion stehenden Fragen sind:

1. Muß Bulgarien in die Donauföderation einbezogen werden und

2. sollen die Donauländer für sich Ver­handlungen führen?

Die Vertreter Frankreichs und Großbritanniens sind dafür, die in der Diermächtekonferenz er­arbeiteten Vorschläge der Konferenz der Donau st aaten vorzulegen, während die deutschen und italienischen Vertreter es für not­wendig halten, eine Vollkonferenz der neun beteiligten Staaten einzuberufen. Die deutschen und die italienischen Vertreter sind der Ansicht, es sei wenig wahrscheinlich daß eine richtige Lösung auf einer Konferenz der Donaustaaten allein gefunden werden könne und daß ein dort ausgearbeiteter Plan Oesterreich und Ungarn verhältnismäßig gegenüber der Kleinen Entente schwerer belasten müsse. Die Vorschläge für eine den Donaustaaten zu ge­währende Hilfe bewegen sich, was Frankreich und Großbritannen anbelangt, im Rahmen fi­nanzieller Unter st ühungen: soweit Italien und Deutschland in Frage kommen, sind sie auf Z o l l e r l e i ch t e r u n g abgestellt.

Oer deutsche Standpunkt.

London, 6. April. (WTB.) In deutschen Krei­sen hat man von dem ersten Tag der Viermächte­konferenz den Eindruck gewonnen, daß die heutigen Verhandlungen noch kein klares Bild über den Gang der nächsten Tage abgezeichnet haben. In Erscheinung treten die Gegensätze zwischen den Geldgeber st aaten und den durch wirtschaft- liche Erwägungen beeinflußten Handelslän­dern. Die französischen Vorschläge gehen dahin, daß in erster Linie finanzielle Hilfe notwendig ist und daß für diese Hilfe gewisse S i - cherh eiten nötig sind. Deutscherseits ist man dagegen der Auffassung, daß finanzielle Hilfe ohne gleichzeitige wirtschaftliche Unter- stützung nur von vorübergehendem Nutzen ist. Deutschland hot vitales Interesse daran, daß der Balkanmarkt nicht zerstört, sondern gehoben wird. Es ist nicht wahrscheinlich, daß schon in London eine Antwort auf die Fragen gefunden

werden wird, die technischer Natur sind. Deutschland hat darum auch den Vorschlag unterstützt, bald mit den Vertretern der zu unter st ätzenden Länder zusammenzukommen. In ähnlicher Lage befindet sich I t a I i e n. Deutschland kann sich nicht von den o st europäischen Märkten aus­schließen lassen. Deutschland befindet sich in an- derer Lage als die Geldgeberländer, die natürlich noch stark den finanziellen Zusammenbruch dieser Länder befürchten. Ein solcher Zusammen­bruch wäre für Deutschland natürlich auch mit Opfern und Verlusten verbunden, nicht aber in demselben Maße wie für die beiden Geldgeber­länder. Auch daraus ergibt sich ein gewisser Gegen­satz zwischen Italien und Deutschland auf der einen und England und Frankreich auf der anderen Seite.

Oie britische Presse wenig hoffnungsvoll.

London, 7. April. (ERD. Funkspruch, eigene Meldung.) Die Aussichten der gegenwärtigen Londoner Verhandlungen werden in der Presse verschiedenartig beurteilt. Am pessimistischsten äußert sich das Blatt der Arbeiteropposition, derDaily Herald", der schreibt, wahrschein­lich werde nichts anderes übrig bleiben, als die Erörterung der Meinungsverschiedenheiten b i s zurGenfer Zusammenkunft in der näch­sten Woche zu verschieben. Der deutsche Standpunkt sei ungefähr der gleiche wie der italienische gewesen, nur, daß er viel­leicht noch etwas deutlicher zum Ausdruck gebracht worden sei.Times" sagt, der Ton der gestrigen Erörterungen sei harmonisch ge­wesen.Morning-Post" bezweifelt, daß die Kluft zwischen den beiden Standpunkten bei der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit noch in Lon­don überbrückt werden können. Es verlaute, daß England nach wie vor den Einschluß Bulga­riens in die Donaugruppe begünstige.Rews Chronicle" nennt den französischen Donauplan einen Tropfen auf den heißen Stein und sagt, wenn wirklich nur erstrebt werde, eine Art Dvnaufreihandel unter Ausschluß Bulgariens zu schaffen und den beteiligten Staaten als Be­lohnung für die einander gewährte VvAugs-- behandlung eine Anleihe von 10 Millionen Pfund zu gewähren, dann habe es keinen Zweck, britisches Gold zu verschwenden. Das einzig sichere Ergebnis eines solchen Planes würde sein, Oesterreich fiskalisch mit der Tschechoslowakei undRumänien statt mit Deutschland zu verbinden. Dies sei vielleicht ein Bestandteil der französischen, nicht aber der britischen Außenpolitik.

Nervosität in Prag.

Die Tschechen gegen eine Zoll« und Währungsunion der Donauläuder.

Prag, 6. April. (WTB.) Im Senat erklärte Außenminister D e n e s ch, der Plan Tardieus habe das Ziel, die wirtschaftlichen Zusammenhänge teilweise wiederherzustellen. Der Minister hob hervor, daß die Tschechoslowakei nicht um fi­nanzielle Hilfe ersuchen werde und eine solche auch nicht brauche, daß sie aber ein großes wirtschaftliches und finanzielles Interesse daran habe, daß in das Donaugebiet Geld komme, da ein großer Teil dieses Geldes für tschechoslowakische Waren nach der Tschechoslowakei fließt. Wenn sich die geplante mitteleuropäische Zusammenarbeit vielleicht jetzt verhindern lasse und wenn sie heute nicht in der geplanten $orm verwirklicht werde, werde sie morgen in einer anderen Form er­folgen. Die ganze Angelegenheit hänge weit mehr von den Großmächten ab, da sich die mitteleuropäischen Staaten wahrscheinlich leichter einigen werden.

Gerüchte über den angeblichen Inhalt des Do­nauplanes Tardieus und über die Absicht, die Donaustaaten durch eine Währungs-, Schulden.undZollorganifation zu ver- flechten, habe in der tschechischen Presse große Erregung hervorgerufen. Es wird be­tont, daß diese französischen Pläne auf Unkennt­nis der Verhältnisse in -den Donau- stanken zurückzuführen sind. Die Tschechoslowakei werde und könne sich an keiner derartigen Kombinationbeteiligen. Charakteristisch ist, daß die tschechischen Zeitungen welche gestern den angeblichen Tardieu-Plan veröffentlichten b e schlagnahmt worden sind und daß die Regie- rung ein Dementi der Nachrichten herausbrachte, in denen behauptet wird, daß über den Währungs­standard Der mitteleuropäischen Staaten verhandelt werden würde. Diese Umstände bekunden deutlich, welche Besorgnisse man in Prag vor den Wirkungen einer allzu weit gehenden Entfaltung der Tardieu- Flandinschen Pläne hat. Die tschechische öffentliche Meinung ist schon jetzt überaus nervös.

Oie Sühne des Attentats auf Twar-owski.

Das Schicksal der zum Tode verurteilten Stern und Wassiljew.

K o w n o (über Kowno), 6. April. (TU.) Der Oberste Gerichtshof der Sowjetunion hat heute dem Präsidium des Hauptvollzugsausschusses der Sowjetunion sämtliche Akten des Atten­tats-Prozesses, sowie das Urteil gegen Stern und Wassiljew zur Bestätigung vorgelegt. Sollte das Präsidium von dem Begnadi­gungsrecht keinen Gebrauch machen, so wird das Urteil im Lause von 72 Stunden durch die Wachen der OGPU. vollstreckt werden.

Gestern abend sand noch eine geschlossene Ge­richtssitzung statt, in der die Beziehungen zwischen Stern und Wassiljew und ihren ausländischen Auftraggebern erörtert wurden. An dieser Sitzung, die später wieder öffentlich erfolgte, nahmen auch Vertreter der deutschen Botschaft und der polnischen Ge­sandtschaft teil. Stern leugnete die Echtheit seiner Unterschrift bei der Untersuchungsbehörde der OGPU. ab und erst auf mehrere Fragen des Obersten Staatsanwaltes Krylenko erklärte er, daß er die Angaben zwar gemacht habe, aber die Abschrift der Anklageschrift nicht erhalten hat. Demgegenüber legte Krylenko eine Beschei­nigung über die Aushändigung der Anklageschrift an Stern vor.

Oer Stahlhelm sagt Zurücknahme der Ausschlüsse zu.

Berlin, 6. April. (TU.) Der Reichsp- fident hatte sich bekanntlich wegen der Mah- regelung derjenigen Stahlhelmmitgliedsr, die

sichvordemerstenWahlgangzur Reichs­präsidentenwahl für Hindenburg auSge» sprachen hatten, in einem Schreiben an di- Dundesleitung des Stahlhelms gewandt. Nun­mehr ist das Antwortschreiben der! Dundesleitung des Stahlhelm beim Reichspräsi­denten eingetroffen. Wie von zuständiger Stells mitgeteilt wird, hat die Bundesleitung dem Reichspräsidenten in einer ben Forderung gen des Reichspräsidenten ent­gegenkommenden Weise geantwortet. Di- Dundesleitung hat zum Ausdruck gebracht, daß von ihr selbst keine Ausschlüsse vor­genommen worden sind. Soweit von örtlichen Unterführern Maßregelungen vorgenommen worden sein sollten, ist eine Zurücknahme in Aussicht gestellt.

Aus aller Welt.

Tagung bet Deutschen Bühnengenossenschafi.

InDüsseld o r f begann in Anwesenheit zahl­reicher Vertreter der Behörden und befreundeter Gewerkschaftsorganisationen unter der Leitung des Präsidenten Karl W a l l a u e r und des Vize­präsidenten Erich Otto die 52. Vertretertagung der Deutschen Bühnengenossenschaft. In seinen Begrüßungsworten führte-Oberbürgermeister Dr. Lehr u. a. aus, daß man über dem Schrei nach Brot nicht vergessen dürfe, daß der Mensch nicht vonDrot allein lebe. Der Präsi­dent des Oesterreichischen Bühi um Vereins, Kam­mersänger Wiedemann, forderte sodann den Einsatz aller Kräfte zum engsten organisato­rischen Zusammenschluß, um die Thea­terkrise zu überwinden. Generalsekretär Ci - feier von der Internationalen Union der Schau­spieler in Wien trat für Gegenseitigkeitsverträge der Regierungen in Pensionsfragen ein. Der Vorsitzende des Afa-Dundes A u f h ü u s e r for­derte konstruktive Planwirtschaft und Selbsthilfe. Bei der Erstattung des Geschäftsberichts wandte sich Vizepräsident Otto scharf gegen die Oppo­sition der RGO. und wies darauf hin, daß die Behauptungen über einen katastrophalen Rück­gang der Mitgliederzahl falsch seien. Die For­derung der RGO., die Ersparnisse der Genossen­schaft an erwerbslose Schauspieler auszuzahlen, müsse a b g e l e h n t werden. Die Gerüchte über eine bedrohliche Lage der Versorgungs­an st alt für Schauspieler in München ent­behrten jeder Grundlage. Die Genossenschaft habe in den letzten drei Iahren zwei Millionen Mark für erwerbslose Schauspieler aufgebracht und unterhalte drei Wan­derbühnen für erwerbslose Schauspieler, zu denen noch eine v'.ecte kommen solle. Cs ständen auch Verhandlungen vor dem Abschluß, die dar­auf abzielten, in Berlin ein eigenes Theater zu eröffnen, in dem erwerbslose Schauspieler in monatlichem Wechsel spielen sollen.

Verleihung des staatlichen Beethoven-Preises.

Der im Jahre 1927 vom preußischen Staatsmini st erium begründete staatliche Beethoven-Preis ist auf Vorschlag des dafür beru­fenen Kuratoriums von der Preußischen Akademie der Künste dem Professor Dr. h. c. Max o. Schil­lings verliehen worden.

Kassenraub

beim Elektrizitätswerk in Frankfurt a. b. Ober.

Als bei Dienstschluß zwei Straßenbahnschaffner In Begleitung eines Aufsichtsbeamten d i e Tages­einnahmen zum Verwaltungsgebäude des Elek­trizitätswerkes brachten, sprangen in dem Augen­blick, als der Panzerschrank aufgeschlossen war, !wei maskierte Räuber aus einem Seiten- lur in den Raum, um sich durch einen räuberischen leberfaU in den Besitz der Gelder zu setzen. Der eine der Kassenschaffner warf bei dem RufeHände hoch!" dem einen der Räuber eine eiserne Kassette entgegen, traf ihn jedoch nicht, da der Gegner rechtzeitig zur Seite sprang. Als die Ein­brecher auf das Kassenpersonal feuerten, ent­stand eine plötzliche Verwirrung, während der sich die Räuber unerkannt zurückziehen konnten, da sie ein sonst verschlossenes Tor vorher schon m i t N a ch» schlüsseln geöffnet hatten. Der Nachtwächter sandte ihnen noch einige Schüsse nach, die aber ihr Ziel verfehlten. Den Räubern sind zwei kleine Kassetten mit Fahrkarten und etwa 60 Mark und eine größere Kassette mit 675 Mark in die Hände gefallen. Die Kassetten wurden am Morgen erbro­chen aufgefunden.

Ein Kohlendieb erschossen.

In Bottrop kam es auf dem Gelände der Zeche Vereinigte Melheim" zu einem schweren Zusam­men st o ß zwischen einem Nachtwächter und Kohlendieben. Einer von ihnen streckte durch einen Schuß den Diensthund des Wäch­ters nieder. Als er dann die Waffe gegen den Wächterselbst richtete, kam ihm dieser zuvor und gab mehrere Schüsse ab. Der Dieb erhielt einen Bauchschuß. Er ist feiner Verletzung im Kran­kenhaus erlegen. Die Polizei verhaftete vier weitere Kohlendiebe. Einer von ihnen lag mit einem Rücken­steckschuß im Bett, den der Nachtwächter ihm bei der Schießerei beigebracht hatte.

Der Bildfälscherprozeh.

Der Prozeß um die Echtheit der van Gogh- Bilder begann mit der Vernehmung des An­geklagten Wacker. Er stammt aus einer Maler­familie. Sein Vater war Landschaftsmaler: auch sein Bruder und seine Schwester haben sich als Maler betätigt. Mit 12 Iahren hat der An­geklagte, wie er weiter angab, schon Bilder seines Vaters selbständig verkauft, und mit 13 Iahren schon Wanderausstellungen geleitet. Vorsitzender:Hat Ihr Vater Bil­der van Goghs restauriert?" An­geklagter:Er hat die meisten der dreißig in Frage kommenden Bilder restauriert." Auf Vorhalt des Vorsitzenden gab der Angeklagte zu, daß schon vor 15 Iahren gegen ihn der Vorwurf erhoben worden sei, er habe einen unechten Stuck verkauft. Heber den angeblichen Erwerb der van Gogh-Bilder sagte W.: Bei einem Tanzabend in Berlin habe er einen Russen kennen gelernt, der zu ihm auch von einer Sammlung van Goghscher Bilder ge­sprochen habe. Wacker will aber keine näheren Angaben weder über den Russen noch über die Art des Erwerbes der Bilder machen. Die -Po­lizei in Bern teilte mit, daß es sich bei dem gesuchten russischen Emigranten um einen Für­sten Galatzin handeln könne. Wacker verwei­gert in diesem Punkte jede Aussage. Er habe die Bilder in Kommissionen übernommen unter der ehrenwörtlichen Verpflichtung, den Ramen des Vorbesihers nicht zu nennen, wozu er als Kaufmann auch nicht verpflichtet gewesen sei. In der Schweiz habe er auch Verwandt» des Sfcx*