mer (Kloster Haina) wurde auf Vorschlag des Gauturn-Ausschusscs Ludwig Malkomesius vom Mtv. Gießen bestimmt.
-Zum Gauturnen (Gauturnfest) 1932 und 1933 liegen Meldungen nicht vor. Dankbar wurde daher die opferwillige Bereitschaft der Gießener Turnerschaft begrüßt, in diesem Jahre ein einfaches Gauturnen vorzubereiten, und durchzuführen (voraussichtlich am 3. Juli). Es soll, dem Ernst der Zeit Rechnung tragend, kein Fest, sondern eine reine Arbeitsveranstaltung werden. Kleber das Gauturnen 1933, zu dessen Hebernahme sich die Bad - R a u h e i m e r Turnerschaft bedingt erklärte, soll der nächstjährige Gauturntag endgültig entscheiden. Das G a u - frauen-turnen 1932 findet in Marburg statt; die Wahl für 1933 fiel auf Heuchelheim. Das Gauschwimmen 1932 wird in Laubach veranstaltet; 1933 kommt es nach Grünberg. Das Gauvolksturnen 1932 erhält Gießen, für 1933 wurde noch keine Wahl des Ortes getätigt.
Gau-Männerturnwart T e x t o r (Marburg) und Gaufrauenturnwart R. Paul (Gießen) gaben zum Schluß noch wichtige Mitteilungen technischer Art aus ihren Fachgebieten bekannt, während Gauschwimmwart Sauer (Gießen) bemerkenswerte Ausführungen zum freiwilligen Arbeits- dienst machte.
Roch herzlichem Dank, den der Gauturntag durch Dr. Koch (Ridda) dem Gauvorstand und den Fachwarten für die selbstlose Arbeit aus- sprechen ließ, schloß Gauvertreter Pfeiffer den eindrucksvoll verlaufenen 100. Gouturntag. Begeistert sang die Versammlung das Deutschlandlied.
Fußball, Leichtathletik und Handball in Gießen.
Am Samstagnachmittag wurde vor leider nur wenigen Zuschauern zugunsten der Winternothilfe ein Handballspiel zwischen den Städtemannschaf- ten von Butzbach und Gießen ausgetragen. Das Spiel endete mit einem verdienten Sieg der Gießener. Das Ergebnis lautet 6:4 (Halbzeit 2:4).
Am Sonntagnachmittag trat die Liga der Spielvereinigung 1900 zu einem weiteren Verbandsspiel gegen Frohnhausen an. Die 1900er sicherten sich in überlegener Weise die Punkte. Die Frohnhau- sener hatten nicht allzuviel zu bestellen und verloren mit 7:1 (3:0). Die Zweite spielte gegen Herrmannstein I unentschieden 1:1 (0:0). Die Dritte blieb gegen die Erste von Großen-Duseck mit 4:1 in Front. Die 4. Mannschaft wartete auf den Gegner aus Leihgestern vergeblich. Die Fünfte konnte gegen Großen-Duseck II. mit 5:1 (3:0) die Oberhand behalten. Etwas unharmonisch endete das Spiel der 1. Jugend gegen 1. Jugend des VfB. Die Grün-Weihen brachen beim Stande von 1:0 für 1900 das Spiel ab und verließen den Platz. Die 2. Jugend besiegte die 3. Jugend, die Vereinskameraden, mit 4:1 (1:1). Die Schüler wurden von den Schülern des VfR. Lich mit 1:3 (1:0) geschlagen.
Die Liga des VfB. war beim Sportverein Wetzlar zu Gast und mußte sich nach einem flotten Spiel mit 3:2 geschlagen bekennen, nachdem der Kampf noch bis drei Minuten vor Schluß unentschieden 2:2 stand. Die 2. Jugend konnte sich mit 3:0 gegen die 1. Jugend von Älein-Linden behaupten. Die Schüler siegten in Wieseck sicher mit 5:0. Die Handballmannschaft des VfB. spielte gegen die Mannschaft des Tv. Lich unentschieden 2:2.
Auf dem Waldsportplatz des BfB. herrschte gestern nachmittag Hochbetrieb. Das Spiel um die Süddeutsche Meisterschaft des Arbeiter- Turn- u. Sportbundes hatte nicht weniger denn nahezu 5000 Zuschauer angelockt. Im Feld standen sich die Mannschaften von Naunheim als Vertreter des 9. Kreises und die Mannschaft von VonGeld und Lebe.
Vornan von Grete von Gaß?
Copyright by Martin Fruchtwcmger, Hall«
30 Fortsetzung Nachdruck verboten.
„Ja, wieso? Hast du nicht immer alles, was du brauchst?"
Sie zuckte mit den Achseln.
„Gewiß, cinschränken muß ich mich allerdings. Aber das schadet ja auch nichts."
Er sah sie bewundernd an. Die war Wohl eine andere Frau als seine Rose.
„Ditte, komm nun, Achim."
Er nahm das Tablett, unb Eva folgte ihm mit der Torte.
„Was ist denn bei den Schadows los?" fragte Hans-Achim, während Eva den Tisch deckte.
Ein geheimnisvolles Lächeln zuckte um ihre Lippen.
„Friedrich hat mir auf die Seele gebunden, nicht über die Sache zu sprechen, bis sie perfekt ist Mama Schadow hat heute eine sehr erfreuliche Rachricht aus Hollywood erhalten — mehr verrate ich nicht."
Achim dachte: Die Rachricht betrifft natürlich Helene. Vielleicht hat ein reicher Amerikaner — irgendein Diamantenkönig oder so was Aehn- liches — sich in sie verliebt und will sie heiraten. Dieser Gedanke verdarb ihm seine Stimmung. Finster sah er vor sich hin. Hätte die Eva doch lieber den Mund gehalten!
Sie setzte sich neben ihn auf das Sofa.
„Rimm, bitte, von der Torte und laß dir den Kaffee gut schmecken. Und dann will ich dir doch mehr verraten! Also ich erzählte dir schon einmal, daß ein Schadow vor Jahrzehnten nach Amerika ausgewandert ist?"
Achim nickte.
„Run also, dieser gute Mann hat es zu Reichtum gebracht, hat Besitzungen in Kalifornien. Lene hat ihn einmal auf einer dieser Besitzungen besucht, ist aber nicht gerade freundlich von ihm ausgenommen worden. Sie ist mit dem Vorsatz von ihm geschieden, ihn niemals mehr aufzusuchen. Er hatte ihr nämlich gesagt, daß seine Verwandten niemals einen Pfennig von ihm erben würden, sondern seine Hinterlassenschaft restlos an den Staat fiele. Jetzt ist dieser gute Onkel gestorben, und wie Lenes Regisseur durch feinen Anwalt hat feststellen lassen, ohne ein Testament zu hinterlassen. Das ist ein Glück, denn nun kommen als gesetzliche Erben die Schadows in Betracht."
„Ist ja großartig! Wieviel hat er denn hinterlassen?"
„Das steht noch nicht fest. Man schätzt seinen Besitz auf acht Millionen Dollar."
Kickers" Ludwigshafen, als Kreismeister des 10. Kreises im entscheidenden Spiel um die Meisterschaft gegenüber. Die Naunheimer siegten unter dem großen Jubel der großen Anhängerschaft in sympathischer Manier mit 6:3 Toren. Das Spiel war wah- rend der 1. Halbzeit etwas matt, gestaltete sich aber noch der Pause außerordentlich spannend.
*
Die Spielvcreinigung 1900 brachte am gestrigen Vormittag ihre Vereins-Waldlaufmei st er- sch asten zum Austrag. Auf der Strecke über 10 Kilometer wurde Gerhardt 1. Sieger. Auf der 5-Kilometer-Strecke fah man Wöhrenkämpe r auf dem 1. Platz. — Die Tischtennis- abteilung der Spielvereinigung konnte das gestern ausgetragene Turnier gegen „Rot- Weiß^ Friedberg mit 12:4 Punkten abermals siegreich für sich gestalten.
Fußball in Heffen-Hannover.
Im Mittelpunkt des Interesses stand am Sonntag in Hessen/Hannover das zweite Entscheidungsspiel um die Dezirksmeisterschaft. Die Fuldaer Borussen, die bereits das Vorspiel gegen 05 Göttingen zu ihren Gunsten entschieden hatten, sieg
ten klar mit 4:1 (2:0) Toren. Damit ist ihnen endlich der große Wurf gelungen, die Dezirks- meisterschast von Hessen/Hannover zu erringen. Im übrigen gab es in der S ü d g r u p p e nur cih Spiel: wider Erwarten konnten die Marburger Kurhessen auf eigenem Platze gegen Germania Fulda nur 0:0 spielen. In der Rordgruppe schlug der Tabellenletzte überraschend die Hersfelder Hessen mit 3:2 (0:1), während Spielverein Kassel nach einem Hnentschieden von 2:2 (0:0) einen Punkt an Hermannia Kassel verlor. Einen knappen Sieg erfocht Rortheim gegen Einbeck mit 2:1 (0:0) Treffern.
Westdeutschland verbietet Hallenhandball!
Die verschiedentlich gegen das Hallen-Hand- ballspiel betriebene Opposition hat nun leider einen Erfolg gezeitigt. Der WSD. hat nämlich die Veranstaltung von Hallen-Handballturnieren verboten und außerdem seinen Mannschaften untersagt, an auswärtigen Turnieren teilzunehmen. Die immerhin nicht uninteressante Begründung für diesen Schritt ist allerdings der Verband schuldig geblieben.
Wirtschaft.
Ruud 11 Millionen Verlust bei Krupp.
Die Friedr. Krupp AG. in Essen schließt ihr Geschäftsjahr 1930 '31 mit einem Betrichsüber- schuß von 20 382 176,28 Mk. gegen 31 843 787,85 Mark im Vorjahr. Hinzu kommen noch verschiedene Einnahmen (Zinsen, Ertrag aus Beteiligungen usw.) in Höhe von 7 245 179,94 (i. V. 5 138 465,10) Mk. Dagegen betragen die Steuern einschließlich Jndustriebelastung 13 540 366,97 (16 466 438,71) Mk., die Ausgaben für Angestellten- und Arbeiterversicherung 11 132 734,69 (12 612 960,50) Mk., die freiwilligen Wohlfahrts- ausgaben — nach Entnahme eines Betrages von 2 Mill. Mk. aus der Rücklage zur Llnterstühung von Pensionären — 4 001 102,14 (5 695 510,80) Mark, Zinsen, Bergschäden, Patentabgaben, Lizenzgebühren, Abschreibungen auf Wertpapiere u. dgl. 9 837 340,74 (6 657 999,06) Mk. Insgesamt erreichen die Ausgaben 38 511 544,54 Mk. (41 432 909,07) Mk. Er ergibt sich also ein Verlust von 10884 1 88,32 (4450656,1 2) Mk. Durch den Verlustvortrag aus dem Vorjahr in Höhe von 2 531 544,25 Mk. erhöht sich der Gesamtverlust auf 13 415 732,57 Mk. Zur teilweisen Deckung des Verlustes wird die Verwendung der Rücklage für Werkserhaltung mit 9 Mill. Qltt. beantragt. Der Restbetrag in Höhe von 4 415 732,57 Mk. soll auf neue Rechnung vorgetragen werden.
Rückläufige Kurse in Frankfurt.
Frankfurt a.M., 7.März. (WTD. Drahtmeldung.) Zu Beginn der neuen Woche setzte sich die rückläufige Kursbewegung, die bereits am Samstag zu bemerken war. weiter fort. Als Hauptgrund hierfür ist die Hnsicherheit über den Ausgang der Reichs^räsidenlenwahl und die Rervosität, die sich an dem Markt zeigt, je mehr der entscheidende Tag näherrückt, anzusehen. Die Spekulation verhielt sich recht reserviert, während beim Publikum eher Abgabeneigung besteht. Die Präsidentschaftsfrage ist für die Stimmung an der Börse von so ausschlaggebender Bedeutung, daß demgegenüber die Meldungen aus dem Auslande in den Hintergrund traten. Weder die feste Reuhorker Samstagsbörse, noch die Kurssteigerungen an den verschiedenen europäischen Börsenplätzen sind geeignet, Anregungen zu bieten. In Anbetracht der Verhältnisse ist die Geschäftstätigkeitziemlich begrenzt, und das herauskommende Material fand auf ermäßigter Kursbasis Aufnahme.
Gegenüber dem Samstagschluhknrs traten Verluste von 1 bis 2 Prozent ein. Das größte Interesse fanden IG.-Farben, Scheideanstalt, Elektropapiere und Reichsbankanteile, bei denen sich allerdings Kursrückgänge von 1 bis 2,5 Prozent einstellten, Montan-, Bank- und Schiffahrtsaktien hatten Kursverluste von 0,5 bis 1,5 Prozent zu verzeichnen. Etwas stärkeren Rückgang erlitten Aku, Bemberg und Salzdetfurth mit 2,5 bis 3 Prozent.
Am Rentenmarkt kam ebenfalls Ware heraus, und es ergaben sich auf fast allen Marktgebieten Rückgänge von 0,5 bis 1 Prozent. Altbesitz minus 0,4 Prozent. Auslandrenten lagen durchweg 0,25 bis 0,5 Prozent niedriger, besonders Oesterreicher und Hngarische Goldrenten.
Im Verlaufe bröckelten die Kurse weiter leicht ab. Eine Ausnahme bildete der Montanmarkt, auf dem sich gegen die Anfangskurse 1- bis 2prozentige Erholungen einstellten. Stark gefragt waren Gelsenkirchen, die etwa 4 Prozent anziehen konnten.
Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7 Prozent weiter erleichtert.
Keine Belebung in Berlin.
Berlin, 7. März. (WTD. Funkspruch.) Die erste Börse der neuen Woche eröffnete bekanntlich eine halbe Stunde früher als bisher. Die Geschäftstätigkeit hat aber auch durch diese Maßnahme keine Belebung erfahren. Verschiedentlich kam aus Publikumskreisen etwas Ware heraus, daneben wollte man an verschiedenen Märkten auch von Exekutionen wissen, die teilweise für die insolvent gewordene Handelsbank, teilweise für Firmen im Reiche zur Ausführung gelangt sein sollen. Der feste Wochen- schlutz in Reuyork vermochte die Spekulation nicht anzuregen, da die Meldungen aus der deutschen Wirtschaft wenig günstig lauteten. Die Schwierigkeiten einer Verlängerung des internationalen Röhrenkartells, die Vertagung der Verhandlungen zur Verlängerung des Stahlkartells und der neue Absahrückgang beim Ruhrsyndikat mahnten zur Zurückhaltung. Auch die Verzögerung der deutschen Diskontsenkung wurde weiterhin besprochen. Verhältnismäßig viel Ware kam am Farbenmarkt heraus, so daß dieses Papier gegen den Samstag 2 Prozent niedriger gehandelt wurde. Die befriedigenden Stickstoffziffern in den Monaten Januar und Februar, die mit den von der Reichsregierung besprochenen Maßnahmen im Zusammenhang stehen, konnten sich tendenzmäßig
„Alle Wetter! Da kann man dir ja gratulieren, Eva." Er sah ihr ins Gesicht. „Bist du glücklich?"
Sie zuckte mit den Schultern.
„Glücklich? Glücklicher als ich bin, kann ich nicht werden — jedenfalls nicht durch Geld."
Er nahm ihre Hand und küßte sie. So ergriff ihn das, was sie sagte.
„Run wollen wir aber nicht mehr von den Millionen sprechen, die für uns vorläufig noch nicht greifbar sind. Erzähle, wie es dir geht!"
„Ditte, Eva, erlaß mir das."
Sie seufzte leise.
„Ach ©ott, daß Glücksfälle doch in der Regel zu spät kommen."
Er verstand, was sie damit sagen wollte.
„Warst du mal wieder bei Mama?" fragte er ablenkend.
„Ja. Ach, es ist auch ein Kreuz mit Mama, sie leidet so schrecklich unter ihrer Einsamkeit. Mir wäre es schon recht gewesen, sie hätte deinen Schwiegervater nicht fortgeschickt, hätte seinen Antrag angenommen."
Hans-Achim sah sie verständnislos an.
„Was ist das — ich bin ganz ahnungslos." „Münchmeher hat doch um Mama angehalten." Er schüttelte den Kopf.
„Ra — und?"
„Ich sagte schon: sie hat ihn fortgeschickt."
„Hm — tja! Weißt du, ich glaube, es war schon recht so. Ich habe nie bemerkt, daß Mama etwas für Münchmeher übrig hatte."
„Doch, er war ihr immer sehr sympathisch. Und er war Mama ja auch ein guter Freund. Und ein wenig ungerecht ist sie mit ihm verfahren. So hat sie ihm zum Vorwurf gemacht, daß er schuld an all ihrem Unglück fei.“
Hans-Achim begriff nicht. Eva erzählte ihm von den Vorgängen des Vormittags, an dem Münchmeher bei der Mutter gewesen. Von der läppischen Karte, deren Inhalt die Mutter so aufgebracht.
Run war es aber Zeit, daß er sich verabschiedete. Er fuhr mit der Straßenbahn in die Charlottenstraße. Es war vier Uhr, als er vor der Dank anlangte. Er fand die Türen verschlossen, die Rolläden herabgelassen. Was bedeutete das?
Er ging zum hinteren Eingang. Die Tür mit den von Traillen geschützten Glasfenstern war verschlossen. Mer es schimmerte Licht durch die Fenster. Mso es war jemand im Lokal. Hans- Achim klopfte an. Und während er darauf wartete, daß geöffnet wurde, pochte sein Herz dumpf und schmerzhaft gegen seine Rippen. Er hatte dabei das ganz deutliche Gefühl, daß etwas Unheilvolles geschehen war.
Rachdem Hans-Achim etwa fünf Minuten, die ihm wie eine Ewigkeit erschienen, vor der verschlossenen Tür gestanden, siel ihm ein, daß er
zu dieser Tür einen Reserveschlüssel besaß, der sich zu Hause in seinem Schreibtisch befand.
Kurz entschlossen, nahm er ein Auto, das zehn Minuten später vor der Villa in der Hihigstraße hielt.
Die Gartenpforte war verschlossen.
Voll Ungeduld hielt er den Finger auf den Klingelknopf, bis die Pforte aufsprang. Dann stürzte er ins Haus.
Im Treppenhause stand neben einem großen Koffer Jacky mit dummem Gesicht. An diesem hastete er vorüber. Während er die Treppe zu seiner Wohnung hinaufstieg, zuckte der Gedanke durch ihn hin: Costa zieht aus.
Er betrat sein Arbeitszimmer, nahm den Schlüssel aus der Schublade seines Schreibtisches und stürzte in der gleichen Hast davon, wie er gekommen.
"Beklommenheit beengte seine Brust, als er wieder das Haus in der Charlottenstraße betrat. Seine Hand zitterte beim Aufschließen der Tür.
Heber dem hell erleuchteten Korridor lag eine merkwürdige Stille. Gr trat unwillkürlich leise auf. Vor dem Arbeitszimmer seines Schwiegervaters blieb er sekundenlang stehen, bis er sich entschloß, hineinzusehen.
Im Türrahmen stehend, ging ein befreiendes Aufatmen durch ihn hin. Vor dem Schreibtisch sah Münchmeher. Achim fühlte, daß er um dessen Leben gebangt. Ein wenig beschämt sagte er:
„Verzeih, Papa, daß ich hier so eindringe — ich war vor etwa einer Viertelstunde hier — hab' vor der verschlossenen Tür gestanden."
Mü"chmeyer wandte ihm langsam sein Gesicht zu.
„So?" sagte er nur.
Und dann beschäftigte er sich wieder mit den Papieren, die vor ihm ausgebreitet lagen. Ohne aufzusehen, forderte er Achim auf:
„Rimm doch Platz!"
Achim lieh sich in dem Ledersessel nieder, der neben dem Schreibtisch stand. Er zündete sich eine Zigarette an. Danach teilte er Münchmeher die Ergebnisse seiner heutigen Unternehmungen mit.
Mit unbewegtem Gesicht horte dieser zu. Endlich schob er seine Papiere zusammen, wandte sich Hans-Achim zu und sagte:
„Tja, mein Lieber, was du erzielt hast, ist großartig. Aber dieser Erfolg kommt leider zu spät."
Hans-Achim sah ihn fragend an. Dabei fiel ihm auf daß in Münchmeyers sonst so munter blickenden Augen ein Ausdruck von tiefer Müdigkeit war. Und auf einmal war ihm klar: Der da vor ihm sah, war am Ende seiner Kraft. Und zugleich empfand er, daß es hier etwas für ihn zu tun gab: Aufzurichten und zu helfen.
„Was gibt es denn? Wieso kommt der Erfolg zu spät?"
nicht auswirken. Ausgehend von der Schwäche der Farbenaktien ergaben sich auch auf den übr.gen Marktgebieten Verluste, allerdings nur in kleinerem Ausmaß. 3m einzelnen waren Bankaktien voll behauptet, nur Reichsbankanteile gaben geringfügig nach. Montanpapiere zur Schwäche neigend, Kaliaktien schwächer, Clcktropapiere durchschnittlich zirka 1 Prozent gedrückt. Durch größere Abschläge fielen Rhein. Braunkohlen und Westeregeln, die 2 bis 2,50 Prozent verloren, auf, während Mitteldeutsche Stahlwerte und - Akkumulatoren im gleichen Ausmaße anziehen konnten. Im Verlaufe bröckelten die Kurse zunächst geringfügig ab, später wurde die Tendenz bei ruhigem Geschäft wieder stetiger, teilweise konnten sich kleine Erholungen durchsetzen.
frankfurter SchlaÄLviehmarkt.
Frankfurt a. M., 7.März. Auftrieb: 1416 Rinder, darunter 297 Ochsen, 140 Dullen, 507 Kühe, 466 Färsen; Kälber 532; Schafe 66, Schweine 4707 Stück, darunter 80 Litauer. Es notierten pro 100 Pfund Lebendgewicht: Rinder. Ochsen: vollfleischige, auszemästete, höchsten Schlachiwe'.'s, jüngere 29 bis 32, ältere 24 bis 23, sonstige vollfleischige jüngere 20 bis 23; Dullen: jüngere, voll- fleischige, höchsten Schlachtwerts 26 bis 30, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 20 bis 25; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 24 bis 26, sonstige vollsletschi-tze oder aus- gemäftete 20 bis 23, fleischige 15 bis 19; Färsen (Kalbinnen, Jungrinder): vollfleischige, ausgemä- ftete, höchsten Schlachtwerts 30 bis 33, vollfleischige 25 bis 29, fleischige 20-bis 24. Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 37 bis 40, mittlere Mast- und Saugkälber 32 bis 36, geringe Kälber 28 bis 31. Schweine. Dollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund 40 bis 43, von etwa 200 bis 240 Pfund 40 bis 44, von etwa 160 bis 200 Pfund 39 bis 42, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 36 bis 40, Sauen 30 bis 36 Mark. Marktverkauf: Rinder ruhig, geringer Ueberstand; Kälber und Schafe mittelmäßig, geräumt; Schweine schleppend, geringer Ueberstand.
frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 7. März. Die Produkten- börfa eröffnete die neue Woche zwar in stiller, aber doch in befestigter Tendenz. Die Geschäftstätigkeit hielt sich in sehr engen Grenzen, da auch hier die bevorstehende Reichs- Präsidentenwahl bei der Händlerschaft Zurückhaltung hervorrief. Das Angebot von deutschem Auslandbrotgetreide war weiterhin äußerst knapp, während Russenroggen stark offeriert wurde. Trotzdem konnte Roggen» um 2,50 Mk. im Preise anziehen. Am Mehlmarkt war das Geschäft sehr klein, für Roggenmehl gingen die Preise 0,25 Mk. zurück, Weizenmehl blieb unverändert. Am Futtermittelmarkt ist die Tendenz wesentlich ruhiger geworden, und selbst für ölhaltige Futterartikel war das Interesse nur gering. Recht fest lagen dagegen Futtergetreide, wie Gerste und Hafer; gute Ware, die zu Saatzwecken Verwendung finden kann, war stärker gefragt und bis zu 2,50 bis 5 Mk. fester.
Es wurden notiert. Weizen 256, Roggen 225 bis 227,80, Sommergerste für Brauzwecke 190 bis 200, Hafer, inländischer 157,50 bis 165 Mark pro 1000 Kilo; Weizenmehl, südd., Spez. 0 mit Austauschweizen 38,25 bis 39,45, baSfctbe, Son- dermahlung 36,50 bis 37.70; Weizenmehl, Niederrhein., mit Austauschweizen 38,25 bis 39,20, dasselbe, Sondermahlung 36,50 bis 37,45; Roggenmehl (70 Proz.) 30 bis 30,50; Weizenkleie 9,40 bis 9,50; Roggenkleie 10,25; Erbsen, je nach Qualität, für Speisezwecke 24 bis 35; Linsen, je nach Qualität, für Speifezwecke 24 bis 52 Mark pro 100 Kilo; Heu, südd., gut, gesund, trocken 5 bis 5,25; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreht, 4 bis 4,25; Weizen- und Roggenstroh, gebündelt. 4 bis 4,25, Treber, getrocknet, 12,25 bis 12,50; Jndustriekartoffeln, hiesiger Gegend (Waggon- bezug) 2,90 Mark pro 50 Kilo. Tendenz: stetig.
„Der Zusammenbruch, den ich abzuwendrn hoffte, ist da. Wir haben nicht auszahlen können. Die Kassierer hatten Mühe, dem Ansturm auf unsere Kassen standzuhalten, die; Menschen, die ihr Geld verlangten, auf morgen zu vertrösten. Einige ließen sich vertrösten, andere drohten mit Anzeige. Sie werden ihre Drohung wahrmachen, dc.von bin ich fest überzeugt. Run warte ich darauf, daß man mich verhaften wird. Vielleicht wäre es anständiger, ich schieße mich tot. Ich habe auch schon daran gedacht, aber bin nach rt fließet: Heberlegung zu der Heberzeugung gekommen, daß ich damit niemand nütze."
„Ganz gewiß nicht", erwiderte Hans-Achim und erhob sich.
„Ich begreife nicht, Papa — da waren doch die zweihundcrttaufend Mark. Ich sprach um zehn Hhr mit dem Kassierer; das Geld war eben eingezahlt worden."
„Ganz recht. Hm zehn Hhr wurde das Geld eingezahlt, um halb elf war es bereits in Roses Händen."
Achim blieb stehen, sah seinen Schwiegervater an.
„Ja, warum denn das?"
Münchmeher zuckte mit den Achseln.
„Sehr einfach, sie hat die ganze Summe gegen Scheck abgehoben. Hat sie sozusagen unter Anwendung eines frechen Schwindels vom Kassierer erpreßt."
Achim schüttelte den Kopf.
„Wann erfuhrst du das?"
„Zwischen zwölf und ein Hhr."
„Hnd da bist du nicht sofort nach Haufe gefahren, um Rose das Geld abzunehmen?"
„Das hatte ich vor. Mer es war eine so große Menschenansammlung vor unserem Hause, daß ich nicht wagen konnte, das Lokal zu verlassen. Ich telephonierte zu Hause an. Sprach die Braun, die mir sagte, daß Rose fort sei — Rose und der Maler."
„Ra, das ist ja gut, daß der fort ist, so hab' ich nicht nötig, ihn hinauszuwerfen. Ich habe nämlich, bevor ich heute früh fortging, gesagt, daß ich ihn nicht mehr vorzufinden wünsche."
„Aha! Das war recht. Seiner Schwester Maria, dieser zudringlichen Person, habe ich auch heute vormittag telephonisch mitgeteilt, daß sie mein Haus nicht mehr betreten möchte. Ra ja, das wäre nun ins Reine gebracht. — Run weiter: Rose hat einen Brief für mich hinterlassen. Dieses Schreiben ließ ich mir sofort herbringen. Es enthielt die Mitteilung, daß sie unser Haus verlassen habe, und zwar für immer. Daß sie ihren Rechtsanwalt damit betraut habe, ihre Interessen wahrzunehmen. Er würde also auch für die Sicherstellung ihres Vermögens sorgen. Die zweihunderttausend Mark, die sie heute abgehoben, gingen natürlich zu ihren Lasten. Tja — na, wozu wiederhole ich diesen Hnfinn?"
(Fortsetzung folgt.)


