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Nr. 56 Zweiter Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)
IHonlag, 7. März 1952
Ein Feiertag des Gaues Hessen der DT.
100. (Saufurnfag in Gießen. — Ein denkwürdiges, schlichter Festakt.
Der Gau Hessen der Deutschen Tur- n e r s ch a s t veranstaltete gestern in Gießen seinen 10 0. Gauturntag Anlässlich diele« Jubiläums sand am Dormittag in der Aula der Universität ein
Festakt
statt, der dem Tage eine besondere Weihe geben sollte, der alten Turnergarde und ihrer Arbeit zur Ehre, der heutigen Generation zur bleibenden Erinnerung für alle Zeit.
Zu der Feierstunde, die einen würdigen und eindrucksvollen Verlauf nahm, waren Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, des Garnisonkommandos und de, Presse als Ehrengäste. ferner viele Dereinsvertreter aus dem ganzen Gaugebiet — der Turngau Hessen ist einer der gröstten in der DT. und umfastt Vereine aus Oberhesfen, Hessen-Vassau und dem KreiS Wetzlar — erschienen' die Aula war. stark beseht. Unter feierlichem Orgelspiel betraten, während die Versammelten sich von den Sitzen erhoben, der Gauvorstand und der Gauausschust, an der Spitze die vier Fahnen der vier ältesten Turnvereine des Gaues tTurngemeinde Friedberg. Turnverein 1846 Giehen, Turn- und Sportverein Dutzbach und Turnverein Wetzlar), die Aula.
Der 1. Gauvertretcr A. Pfeiffer, Wetzlar, begrüßte die Festverfammlung im Damen deS Gauvorstandes! besonderen Gruß und herzlichen Dank für die Förderung der Deutschen Turner- fchaft im Gau Hessen sprach er den Vertretern der Behörden und der Presse aus. ferner dankte er dem Vektor der Universität für die Ucbcr- lassung der Aula als Stätte der Feierstunde.
Dem gemeinsam gesungenen Lied ..Ein Auf ist erklungen" folgte
die Festrede
des 1. Gauvertreters A. Pfeiffer, Wetzlar. Der Dedner wies zunächst auf den körperstärkenden und gesundheitlichen Vorteil deS Turnen- Hin, wie man an den Turnveteranen sehen könne, und betonte dann, die Feier solle zu neuer Be- Seifterung für die DT. und ihre Ziele aufrufen.
rt hob dann u. a. hervor, daß der Gau Hessen, aus den kleinsten Anfängen entstanden, mit 165 Vereinen mit rund 15 500 Mitgliedern heute zu den gröstten Gauen der DT. gehöre! in den grasten und in den vielen kleinen Vereinen werde der Duhen des Turnens im Volke verbreitet. Der Redner gedachte sodann, während sich die Versammlung erhob, des verstorbenen Gauschriftführers Karl Wenzel, Giehen, mit ehrenden Worten der Dankbarkeit. Weiter rühmte er den vorbildlichen deutschen Turnergeist und den daraus geborenen Gemeinschaftssinn in der DT.. von dem vielfältiger Segen für unser Volk ausgehe. Die DT. bleibe dem alten Gedanken treu, dast nicht der Körper allein den Menschen mache, sondern dast ein vollwertiger Mensch Geistes- und GemütSbildung haben müsse zur Erfüllung großer Aufgaben. Von dieser Einstellung geleitet, pflege die DT. neben der körperlichen Ertüchtigung ihrer Mitglieder auch bie Geistes- unb Charakterbildung, die seelischen Werte im Menschen. Gr wies sodann auf bie wahre Volksgemeinschaft hin, die in der DT in vorbildlicher Weise zum Ausdruck komme, die sich in turnerischer Mannesdisziplin und in steter Bereitschaft zum Dienst für Volk und Vaterland äustere. Die DT- erziehe ihre Jugend im Geiste der ehrlichen Verpflichtung gegenüber dem Staatsganzen, der Arbeit an sich selbst, um dadurch tauglich zu werden für die Arbeit zum Besten der Dolksgesamtheit! sie bemühe sich, Begeisterung für Ideale und Opferbereitschaft unter ben Turnern zu wecken, auszubreiten unb
-u vertiefen. Die DT. sei stolz auf diese Erziehungsarbeit. bie einer wahren, keiner Schein- Volksgemeinschaft diene. In diesem Geiste stehe die DT. geschlossen um ihre Fahne mit dem Bekenntnis eS gibt nur eine Deutsche Turner- fchast unb nur ein beutfcheS Vaterlanb! Sie wolle Brücken bauen über alle ftlüftc hinweg zur Verbinbung aller Schichten unb Stande, die bei der grauenvollen Zerrissenheit unserer Zeit dringend notwendig seien. Zum Schlüsse betonte der Redner die Wichtigkeit der DT für bie Erziehung bet deutschen Iugenb. der sie unter Wahrung der Tradition Wegbereiter unb Führer. Kamerad unb Berater fein wolle nach bem Wort'
Am erprobten Alten Getreu sich halten. Am wertvollen Reuen Mit den Jungen sich freuen. Das ist Gewinn!
Mit dem Wunsche, dast auch künftig Millionen von Volksgenossen der deutschen Turnerfahne folgen möchten, damit der deutsche Tumergeist weiterlebe und -wirke in unserem Vaterlande, um es mit zu neuen Höhen emporzuführen, schisst der Redner seine von hohem Idealismus und vorbildlichem turnerischen GemeinschaftS- toillen geleiteten Ausführungen. Der starke Eindruck dieser Rebe kam in anhaltenbem lebhaften Deifall zum Ausbruck.
Ansprachen und Ehrunqen.
AlS Vertreter ber hessischen Staatsregierung, beS Kultusministers. Staatspräsidenten Dr A d e - I u n g und anderer bei dem Festakt vertretenen staatlichen Behörden brachte der Referent für Volksbildung und Jugendpflege im hessischen Kultusministerium Oberschulrat H a s s i n g e r (Darmstadt), herzliche Glückwünsche und Drüste zum Jubiläum, sowie die rückhaltlose warme Anerkennung der DT. für Volk und Vaterland zum Ausdruck. Der Redner würdigte dabei in längerer Rede die hohen GeisteSgüter und die vorbildliche vaterländische Gesinnung in der DT., den starken Wert der körperlichen Ertüchtigung unb der er» seherischen Arbeit an ben Turnern, den reinen BolkSgemeinschastSgedanken und -willen m der DT., ihre vaterländische Opserbereitschast und ihre klare Gegnerschaft gegen alles Trennende unb alle Zwietracht in unserem Volke. Am Schluffe seiner Rebe überreichte er im Auftrage des Staatspräsidenten Dr. Adelung dem 2. Gauvertreter und hervorragenden Förderer der Tum- sache, insbesondere in Butzbach, Duchdruckerei- besitzer Konrad. S ch n e i b c r in Butzbach, dem Vertreter des2. Gaubezirks und langjährigen verdienstvollen Vorsitzenden des Tv. 1816 Gießen, Bureaudirektor Wilhelm Erle (Giesten), dem Führer der Turngemeinde Friedberg, de» ältesten Vereins im Gau Hessen der DT., und Vertreter des 5. Gaubezirkes, Studienrat Thierolf (Friedberg), und dem unermüdlichen Werber für die deutsche Tumsache, eifrigen Mann der Volks- bildungsarbeit und unermüdlichen Erforscher der Heimatgeschichte und ausgezeichneten Kenner des Äffischen Volkstums,' Lehrer Ostwald (Dad- Rauheim), Ehrenurkunden des hessischen Staates für Verdienste um bas Wohl des Volkes. Mit einem packenden Aufruf an die Turner zu weiterer selbstloser unb hingehender Arbeit für Volk unb Vaterlanb schlost ber Redner feine mit stürmischem Beifall aufgenommene Ansprache.
3m Ramen der alten Tumerstadt Giesten überbrachte Bürgermeister Dr. Hamm (Giesten) herzliche Grühe unb beste Wünsche. Er erinnerte an die enge Verbundenheit, die bisher stets zwischen ber DT. unb ber Stabt Giesten bestanden hat, und gab dem Wunsche Ausdruck, dast das auch weiter fo bleiben möchte. Angesichts ber starken Spannungen im öffentlichen Leben unserer Zeit bc-
Abenteuer in den Beskiden.
Don A. Artur Kuhnert.
Wir waren sieben Stunden lang mit unseren Skiern bergauf gelaufen, durch ein Tal zuerst, durch Wälder, durch Senken und steiler bann an den Hängen hinauf, bis wir langsam näher an den Kamm der Beskiden (Rord-Karpathen) gekommen waren, der langgezogen den Himmel abschnitt. Ein alter Slowene hatte uns geführt, schweigend, mit den Augen immer die Schneedecke abtaftenb und horchend, ob tief unter ihr der Bach noch rinne, dessen Lauf wir folgten, und auch wir hatten auf das verschüttete Rauschen gehorcht unb waren stumm immer weiter gezogen, schwer an unseren Lebensmitteln schleppend und abgeschliffen schon in unseren Gedanken von dem leisen Schürfen ber Skier. So waren wir endlich in bie Hütte auf bem Deskidenkamm gekommen, unb wenn wir auch froh waren, sie erreicht zu haben, blieben wir doch stumm, denn bie Stille um uns war zu grost, unb zu grost auch das Weist all der Berge. Am Morgen dann, als der Slowene seinen Talweg angelretcn hatte und seine Spuren bald schon vom Wind verweht waren, hatten wir allen Zusammenhang mit dem Tal, mit den Städten, den Dörfern verloren, es gab nur die Berge noch, den Himmel, den Schnee überall, die Sonne und nachts auch Bilder der Sterne, den Orion und den groben Bären.
Fünf und sechs Tage vergingen in der Hütte. Sie schlost uns ein. wenn wir müde vom Schnee- schuhlaufen zurückkamen, sie war warm und eng, sie ruckte uns dicht zusammen unb unsere Worte und Bewegungen, die die endlose Weite und Stille brausten fremd gemacht hatten, als gehörten fie nicht mehr zu uns. wurden um ben Tisch unb da- atmende Licht der Lampe wieder beruhigend grost und vertraut. Am siebenten Tag bann verletzte sich einer von uns vier Kameraden das Bein. Er schleppte sich zurück, legte sich, daS Dein sorgsam gestützt, vor die Hütte in die Sonne und wartete, dast die Schwellung des Deins wieder zurückgehe. Aber bie Schwellung ging nicht zurück, auch am nächsten Tag nichts sie nahm noch zu am übernächsten, aber weil jeder von uns glaubte, dast sie plötzlich besser werden könnte, blieben wir auch am zehnten Tag noch in der Hütte, zwei Tage über die Zeit, zu der der Slowene mit neuem Proviant zu kommen versprochen hatte. Als die Vorräte zu Ende waren, schienten wir das Bein und brachen auf.
AuS der Leiter, die in der Hütte stand, hatten wir durch die untergeschnallten Skier einen Schlitten gezimmert und den mit allen Decken und allen nur entbehrlichen Kleidungsstücken umwickelten Kameraden darausgeseht. Wir versuchten ihn so talwärts zu schieben, aber ber primitive Schlitten sank sofort in den Reuschnee ein unb blieb feststecken. Wir banden unsere Leibriemen an und zogen, die Riemen rissen, zentimeterweise nur kam der Schlitten vorwärts! wir fuhren Spuren vor ihm, es half nichts: wir versuchten den Schlitten zu tragen, da sanken wir selbst ein, wir zerrten an ihm, wir schoben, wir gruben ihn aus, aber nur Stückchen für Stückchen kamen wir weiter mit ihm unb mustten babei immer wieder unseren Kameraden ohne Skier helfen, weil fie ohne Schneeschuhe oft bis zum Hälfe einfanlcn. Wir hatten Hunger, aber keiner dachte daran: es waren zwanzig Grad Kälte, keiner spürte fie. unsere Hände waren von ben Riemen unb Stricken aufgeriffen, keiner beachtete es, nur die Entfernung Aum Wald sahen wir, nur bie Zeit, bie verging, fühlten wir.
ES wurde schon Abend, als wir keuchend vor Erschöpfung die Waldgrenze erreichten und damit eine vollkommen zerfallene, vom Schnee fast vergrabene Hütte. Der eine Raum des Dlockhaules war cinge- brochen, war nur noch ein Gewirr verschneiter Dalken, der andere aber war noch brauchbar, wenn ihn das Dach auch nur halb bedeckte unb wenn die Wände auch gesprungen waren. Wir bängten eine Decke vor die Türöffnung, der Ott- toinb rist fie ein dutzendmal los: wir scharrten den Schnee aus dem Raum, vom Dach fiel neuer herab: wir gruben die Dalken aus und zündeten fie an; aber da qualmte das morsche Holz, so dast wir fast erstickten; wir rissen andere Dalken herab, nur um zu arbeiten, nur um den Hunger zu vergessen unb nicht einzuschlasen, so lange noch kein Feuer brannte Dann kam bie Rächt, wir fühlten, dast wir am Morgen nicht weiter könnten, schon sagte einer, nichts hätte mehr Zweck, da brachen zwei von uns auf, um mit den Skiern inS Tal zu fahren und die Dauern um Hilfe zu bitten, die beiden anderen rissen Dalken auf Dalken ins Feuer, um nicht zu erfrieren.
Die Rächt war hell, unheimlich hell zwischen ben riesenhaften Bäumen. Schatten lagen wie Schluchten auf bem Sckmee und alles glitzerte. Klirren war in dem Ostwind, ber immer mehr zunahm, die Kälte schnitt in die Haut, bald war unser Hauch zu dicken Ballen um den Mund unb die Rase gefroren. Aber wir tarnen bis in da» Dors, taumelten in die Schenke, und redeten auf
zeichnete der Redner eS als einen Lichtblick, dast bie DT sich zu ben hohen Idealen deS Einigenden in unserem Volke bekenne unb mit Energie alle- Trennende bekämpfe. Dem von der DT. verkündeten und durchgeführten Gedanken der Volksgemeinschaft sprach der Redner feine volle Sympathie aus, ferner begrühte er bie Ritterlichkeit unb Vornehmheit, bie in der DT auch beim schärfsten Wettkampf stets gewahrt worden fei und die man heute in unserem Volke leider vielfach vermissen müsse. Er wünschte, dast die Arbeit der DT. weiterhin gute Früchte zum Wohle unsere- Volle- tragen möchte. 'Starker Beifall.)
Für den MittelrheinkreiS der DT. und den Kreisvorstand sprach Dr. W a 11 b e r (Kreuznach), ber ber Arbeit im Gau Hessen hohe Anerkennung zollte unb wünschte, dast fie, wie bisher, stets eine Pflegftätte echten deutschen TumertumS bleibe.
RarnenS de» Lahn-Dill-GaueS sprach Pros. D a b m e r (Dillenburg) herzliche Dlückwunsch- unb Anerkennungsworte, wobei er auch die gute Kameradschaft zwischen den beiden Rachbargauen rühmend hervorhob.
Der 2. Gauvertreter K. Schneiber (Butzbach) brachte den Dank des Gauvorstande- zum Ausdruck und schlost mit dreifachem, begeistert aufgenommenen Gut Heil! auf die DT. und da» Vaterland.
Der 1. Gauvertreter APfeifser (Wetzlar) gab bann Glückwunsch-Zuschriften deS Vorstandes ber DT .beS Feldberg.Ausschüsse- und deS gleichzeitig tagenden Gauturntages von Rheiichessen bekannt, austerdern teilte er mit, bah noch viele weitere Zuschriften unb Telegramme eingegangen seien. Sodann gab er folgende, von der Versammlung mit starkem Deisall aufgenommenen Ehrungen durch öle DT. bekannt: ®au- oberturntoart Will (Giehen) erhielt in Anerkennung seiner groben Verdienste um die Deutsche Tumsache in 30iähriger Tätigkeit al» Gauober tumwart vom Hauptausschuh ber DT. die höchste Auszeichnung, die Ehrenurkunde der D T.. verliehen, der Gau Hessen ernannte ihn zum Ehren-Gauobertumwart des GaueS mit Sitz und Stimme im Gauvorstand unb in ben Ausschüssen; die Bezirks tu rnwarte Schüler (Wetzlar) und Bastian (Alsseld) wurden in Anerkennung ihrer groben turnerischen Verdienste in führender Stellung der DT. vom Hauptausschuh mit dem Ehrenbrief der DT. ausgezeichnet.
Turner Weih (Bad-Rauheim) gab noch bekannt, dah der Turnverein 1860 Dad-Rauheim
den Gauoberiurnwart Will (Sieben) in dankbarer Anerkennung feine» Interesses und feiner Verdienste um ben Verein zum Ehrenmitglied ernannt habe.
Oer Ausklang.
Mit bem gemeinsamen Gesang deS Rieder- länbischen Dankgebetes und einem Orgelspiel fand bie denkwürdige, auf hohem Riveau verlaufene Feierstunde ihren Abschluh.
Oie geschäftliche Sitzung.
Die geschäftlichen Verhandlungen, bie am Rachmittag in der Turnhalle de» Tv. 1846 Giesten stattfanden, wurden vom 1. Gauvertreter mit einem ehrenden Rachruf für bie Verstorbenen des abgelaufenen IahreS, von denen die verdienten Turner Earl Wenzel-Diesten (langjähriger Gauschriftführer-, Heinrich Koch -LangS- borf, Wilhelm Heller- Lang-Göns unb Willi Allmenröder- Wetzlar befonberS genannt wurden, einaelcitet. Dr. Rau- Butzbach bankte dem Gauvorstand unter lebhaftem Beifall für die eindrucksvolle unb würdige Gestaltung de» Festakte» in ber Universität. Der Gauturntag genehmigte sodann einstimmig die Ernennung de» Gauobertumwarts W. Will zum Ehren- GauobertumwaN mit Sitz und Stimme im Gau- vorftand und den Ausschüssen. W. W i 11, der ein volle» Menschenalter die turnerische Führung de» Gaue» innehat, dankte bewegt für die Ehrung und gab unter lebhafter Zustimmung ein Treue - gelohnte zur DT., zu ihrer Arbeit und ihren Zielen.
Die im Druck vorliegenden 3a hreSber Ichte wurden ohne Aussprache einstimmig genehmigt Die Gaurcchnung für 19 31 schlicht ab mit 30 286,40 Mk. Einnahme und 25 270,40 Mk. Aus-
0 des Voranschlags für 1932. der sich auf den seitherigen Kopf bei trag von 25 Pf. stützt, wurde beschlossen, ihn erst bekannt- zugeben, sobald ein klarer Ucberblid über die Einnahmen gewonnen ist Dem Gaukassenwart O e r t e I - Rieder-Wöllstadt wurde für feine gewissenhafte Kassensührung Entlastung erteilt. 3n der Aussprache fand die vorbildlich sparsame Geschäftsführung de» Gaue» besondere Anerkennung.
Für ben verstorbenen Gauschriftwart Tart Wenzel wurde Fritz Wiegand vom Tv. 1846 Giehen gewählt. Als Ersatz für ben von feinem Amt zurückgetretenen Gauvolksturnwart Ä lim -
Deutschland-
Leipzig hatte an diesem Sonntag in dem 1A Fuß- ball-Landerkamps zwischen Deutschland und der Schweiz eine Veranstaltung von ganz besonderer Anziehungskraft. Rund 50 000 Zuschauer hatten sich auf dem VfB-Platz cingcfunben, um einen klaren deutschen Sieg mitzuerleden. Wenn man sich schließlich mit einem mageren 2:0-(£rfolg auf ber deutschen Seite flufriebengeben muhte, so lag bas an bem Versagen bcs beutschen Angriffs.
Mit Jubel begrübt betraten um 3 Uhr bie Mannschaften bas Feld, zuerst bie Schweizer im roten Trikot mit weihem Kreuz auf ber Brust, denen bann unsere Vertretung folgte.
tfu» bem Spielverlauf.
Es bauerte nicht lange, bis sich eine leichte Heber- legenheit der deutschen Mannschaft herausgeschält hatte. Man sah recht flotte Kombinationen, ohne aber restlos von den gezeigten Leistungen zufrieden- gestellt zu sein. Es gab zuoiele Mißverständnisse im deutschen Sturm, aber auch zuviele ausgelassene Torgelegenheiten, die immer wieder auf die Jehl- besetzung hinwiesen. 'An Zählbarem gab es bei aller lleberlegenheit neben einigen Lattenschüssen unb ausgezeichneten Paraben bes Schweizer Torhüters nur Eckbälle für Deutfchlanb, bie aber nichts ein- brachten. In ber 43 Minute verfchulbete Minelli burch 5)anb einen (Elfmeter. R. Hofmann verwan-
Schweiz 2:0.
beite ihn zum Führungstreffer. Nach Wiederbeginn wuchs bie Üßiberftanbstraft ber Schweizer noch, bie burch ihre schnellen Durchbrüche wieberholt gefähr. Iid> werben. Doch Kreß und seine ißorbcrmännei Schütz-Stubb waren nicht zu schlagen. Erst als endlich eine Umstellung im Sturm erfolgt — Rohr geht in bie Mitte, Kuzorra halblinks unb R. Hofmann Halbrechts —, kam etwas mehr Zug in ben Sturm. Es gab einen ungeheuren Jubel, als Richarb Hofmann in ber 40. Minute aus etwa 30 Meter (Entfernung ben zweiten Treffer erzielte.
In ber Kritik nerbient bei ber deutschen Mannschaft bas Versagen bes Innentrios hervorgehoben zu werben. Nur Langenbein unb Kobierski, bie beiben 'Außen, entsprachen ben Erwartungen. Um fa besser klappte cs In ber Läuferreihe, mo sich Gram (ich, Leinberger unb Knöpfte vorzüglich ergänzten. Dasselbe gilt von ber Derteibigung schütz Stubb unb dem Torwart Kreß, ber nur wenig beschäftigt würbe.
Die Stärke ber Schweiz lag in der Hintermannschaft, in ber sich ber Torhüter Sechehaye unb ber Verteidiger Minelli als ganz große Könner erwiese». Auch Weiler ging an. Dagegen war die Läuferreihe gut nur in der 'Abwehr. Im Sturm war der beste Mann Ducommin. B o e ck m a n n (Holland) leitete den fesseltzben Kampf recht gut.
die Männer ein, 7>ah fie gleich gingen, bevor unsere Kameraden erfrören.
„Ruht euch aus, Pani" beruhigten uns bie Bauern, „wir nehmen Pserbeschlitten unb holen bie anberen, wir gehen gleich!" — Sie zogen ihre Pelze an, fie tränten noch einen Schnaps. „Wir gehen schon, Pani!" Unb bann war nur noch bas Läuten einer Schlittenglocke ba.
Wir warteten eine Stunbe. eine halbe noch. Zwei, brei, bann kamen bie Männer zurück. Sie traten zögernb ein, mit ernsten Gesichtern, bie Bärte unb bie Brauen bereift. „Es geht nicht, wir kam- men nicht durch mit den Pferden, so viel Schnee hat noch nie gelegen, aber wartet, Pani, wir holen sie, wir gehen mit Handschlitten, das werden wir schassen, wartet nur, wir gehen!" Und sie gingen wieder, von neuem warteten wir, und wir horchten in bas Pfeifen bcs Dftroinbes, lange Zeit, es war ein Heller, immer wachsenber Ton, unb wir horchten auf bas Knirschen von Schritten, unb wir Iahen nichts als die Dämmeruna kommen unb allmählich den Morgen, und wir schliefen dann ein, von dem Warten stumpf.
Endlich kamen die Männer zurück. Wir warteten nicht ab, bis sie redeten, wir sahen nur, daß sie allein waren unb ihre Hände vor die Gesichter preßten, um sie gegen den Sturm zu schützen, bann rannten mir schon, rannten ohne Besinnung in roütenber Verbissenheit bergauf, zwei Stunbcn, brei Stunbcn, ba sahen wir, baß bas Feuer noch brannte, schrien bie Namen hinauf unb bekamen non beiben noch Antwort.
Stunden unb Stunbcn hockten wir bann zu viert roieber um bas Feuer. In unserer Wut hatten wir oergeffen, Lebensmittel mitzubringen, es war alles sinnlos gewesen, auch der Handschlitten, den wir milgebracht hatten, half nichts, er brach ein. Es hatte sich noch ein wenig Tee gefunden, den kochten wir m der leeren Butterdose, und unsere Kameraden kauten Holzstücke, um wenigstens so den Hunger etwas zu dämmen. Der Sturm fuhr noch immer über die Bäume hin, es war ein immerwahrendes Rieseln draußen, und bann, als es später wurde, begann ein jappendes Heulen rings um bie Hülle. Keiner von uns hatte jemals Wölfe heulen hören, aber wir spürten, daß es nur Wölfe waren, und saßen aufgerichtet da unb horchten und warteten und horchten. Manchmal nur stieß einer bie Salten tiefer ins Feuer, einmal stand einer auf unb Derbarrifabierte schweigend den Raum mit den Slicen, dann war alles wieder still. 2lls so der Morgen kam, waren wir stumpf von Hunger und Müdigkeit, taumelnb rissen wir uns hoch, einer
fang, es waren sinnlose Worte, druckender wurde das Schweigen ber anberen durch dieses Singen, aber es kam dennoch wie von selbst, daß wir die Skier anschnallten, unseren Kameraden wieder auf den alten Schlitten luden und mit ihm weiter tat roärts zogen, Zentimeter auf Zentimeter nur, immer wieder versackend in den Schneewehen.
Gegen Mittag waren wir auf einem Weg, den die Bauern getreten hatten, um weniges später schon kamen sie uns entgegen, unb bann war ein Pferbeschlitten ba, ein Mann, ber uns Schnaps gab, unb bie Schenke banach, Essen, ein 'Arzt und für jeben ein Bett! Heulten Wölfe braußen? Trieb ber Sturm roieber den Rauch herum? Rieselte der Schnee von den Bäumen? Sang einer wieder bas verfluchte Lieb, dessen Worte sinnlos waren?
„Schlaft nur, Pani ... da ist nichts, ihr seid zu Hause ... schlaft nur, Pani!"
Wir schliefen ...
Zeitschriften.
— „Kunstwar t". (Verlag Georg D W. Call- weh, München.) — DaS Märzheft ist zum weitaus größten Teil Goethe gewidmet. Die Wiedergabe einer ..Denkrede auf Goethe" von Paul 211- verdes macht den Beginn. Alverdcs will hier zu einer Begegnung mit der menschlich geselligen und geistigen Person Goethes führen und betont unser Recht, ja unsere Pflicht, den deutschen Menschen Goethe zu feiern, wie immer es auch heute mit der geistigen Beschaffenheit der Deutschen und des Abendlandes überhaupt stehe. Er stellt in einem weitgespannten Ucbcrblid über Goethes Aeisen als Mensch. Künstler und Denker klar, wie unvergänglich wertvoll die Kenntnis dieses gärerrden. ringenden, strebenden und siegenden LebenS ist. Ganz eigentlich deutsch nennt Alver- des Goethes geistiges Wesen in seiner Vereinigung von Grenzenlosigkeit und Mäßigung, von Ahnung und Weisheit, von Leidenschaft und Gesittung. „Gerade dieses Wesen deutsch zu nennen", schreibt Alverdes zum Schluß, „hat uns kein anderer als Goethe leibst durch sein vorgelebtes Leben das hohe Recht dazu hinterlassen." Aus- gewähltes aus GoetheS Prola, ein Bericht über Schriften von und über Goethe von Hans Böhm füllen einen weiteren beträchtlichen Teil der seines Themas würdigen Heftes, da« eine schöne Bereicherung durch drei Goetheblldnilse, darunter ein farbiges, und vier Zeichnungen Goethes erfährt.


