Auch die begrüßenswerte Maßnahme der Reichs- bahn konnte hier angesichts der schlechten Wirtschaftslage den Ausgleich nicht herbeiführen. Trotzdem soll das finanzielle Ergebnis der Reichsbahn nichtungün ft ig sein, da der Ausfall von 33A Prozent des Fahrpreises besonders durch die ge- steigerte Benützung der V-Züge mit unverbilligten Zuschlagskarten zum großen Teile wieder ersetzt wurde.
90 Prozent aller Reisenden, die Lil- und V-Züge benutzten, waren im Besitze von Sonntagsrückfahrkarten.
Eine weitere Feststellung ist noch sehr bemerkenswert: die Einnahmen an den Fahrkartenschaltern
gingen am dritten Wcihnachtsfeiertag und In den folgenden Tagen um nahezu 40 bis 50 Prozent gegenüber den gleichen Tagen des Vorjahres zurück, eine Tatsache, die wohl darauf zurückzuführen ist, daß alle Reisenden, die Gießen besuchten, im Besitze von Sonntagsrückfahrkarten waren und für ihre Rückkehr von Gießen aus keine Karten zu lösen brauchten.
Die Maßnahme der Reichsbahn hat sich auf ver- fchiedenen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens unzweifelhaft günstig ausgewirkt. Es wäre zu wünschen, daß diese erweiterte Gültigkeit der Sonntagsrückfahrkarten auch für künftige Festtage stets Geltung fände.
S.jfxfporf
10 Lektionen Kuß-all.
Von Otto Nerz X*).
(Schluß.)
Wenn wir nun auch wissen, wie man einen Ball stößt und wohin, wie man sich auf den einzelnen Positionen des Spielfeldes verhalten soll und mit wem der Verteidiger. Läufer oder Stürmer meist zusammenzuarbeiten hat — so fehlt uns doch noch der Aeberblick über das Feld, das blitzschnelle Erkennen der Kampflage und der taktischen Schwächen des Gegners.
Die Fähigkeit, die Spiellage im Ganzen zu erfassen, ist nun mehr oder miwder eine natürliche Veranlagung: aber da man solche Feldherrn- künste im Alltagsleben selten entwickeln kann, muß jedes Futzballtraining gleichzeitig zur Ausgrabung verschütteter strategischer Talente benutzt werden. Das moderne Fußballspiel stellt darin hohe Anforderungen: keine Mannschaft ist heute noch darauf eingeschworen, bloß weit zu passen und jede Lücke in den Feindesreihen zu einem Durchbruch zu benutzen (Kick-and-rush-System) oder flach, hart und kurz den Ball in allen Richtungen umherzujagen, damit der Gegner bei der Verfolgung müde wird (schottischer Stil). Welchen Stil man wählt, kommt auf Spielfeld. Wetter und Gegner an. 3ft der Platz klein oder hart und das Wetter gut. dann „kick and ruft)“ (stoß' und lauf'): der Ball wird wiederholt von einem Flügel zum anderen gespielt, dadurch zieht sich die gegnerische Hintermannschaft an den Flügeln zusammen: überraschend flankt man dann den Ball zur Mitte, und der Mittelstürmer brennt zum Tor durch. 3st der Platz groß und feucht, dann kann man den Gegner ermüdens indem man den Ball immer in Dreiecken hin- und her-, vor- und zurückspielt und dabei langsam vorrückt, bis man in einem günstigen Augenblick den Ball ein- sendet. Natürlich hängt auch sehr viel von den eigenen Fähigkeiten ab — mancher kann eben mit weiten Stößen sicherer arbeiten, als im kurzen Zuspiel zum Rebenmann.
Die Hauptsache ist, daß man jede Einseitigkeit vermeidet: absolut sicher ist keine strategische Regel, denn der Gegner kann seinerseits etwas Unvermutetes tun, und der ganze schöne Plan war nutzlos! Das Zusammenspiel im Dreieck von drei benachbarten Spielern ist insofern gut, als der Gegner sich gezwungen sieht, in das Dreieck hineinzulaufen, er ist dann aber sofort ausgeschaltet. der Ball wird nach vorn gegeben und in einem neuen, weiter vorn liegenden Dreieck gespielt. Aber wenn irgendein Grobian dazwischen- fährt und sich den Ball wirklich holt, ist es wieder Essig mit dem Dreieckspiel. Letzten Endes zählen eben nur die Tore — es ist besser, daß man den
*) Dgl. die Hummern 165. 170. 178. 185, 199, 226, 260, 277 und 304 des „Gießener Anzeigers" von 1931.
B-all irgendwie behält, als daß man ihn bei einer schönen Kombination an den Gegner verliert.
Achte darauf, daß um dich her freier Platz ist! Wenn drüben auf der anderen Seite ein Gedränge um den Ball entsteht, passe scharf auf, wer den Ball hat und wer ihn wohl bekommen wird — und mische dich nicht dazwischen, wenn du merkst, daß ein bedrängter Mitspieler dich mit einem schönen Ball versorgen will und du damit durchbrennen kannst! Anderseits darfst du aber einen Gegner nicht frei im Feld stehen- lassen. wenn es wahrscheinlich ist, daß er den Ball bekommen soll. Welchen Gegner der einzelne Läufer. Verteidiger und Stürmer speziell aufs Korn nehmen soll, ist bereits in den früheren Kapiteln gesagt worden.
Lind füttere immer den Kameraden mit Bällen, dessen Standort jeweils am günstigsten für das Vordringen zum Lor ist! Es ist weiter nichts als Eitelkeit, wenn man den Ball durchaus nicht abgeben will und deshalb zu lange dribbelt oder einen von vornherein aussichtslosen Durchbruchs- versuch macht: und diese Sucht, den Ball selbst zu bellten, hat noch immer geschadet. Ein schlechter Spieler in guter Stellung ist stets besser als ein von Gegnern ummauerter Scharfschütze. 3a, wenn ein Spieler als hoffnungslos dämlich bekannt ist, dann ist ein Pah zu ihm oft das Beste, denn auch der Gegner kennt seine Dämlichkeit und achtet deshalb weniger auf den Betreffenden — und so dumm, einen gut zugespielten Ball nicht gut wieder abzugeben, ist hoffentlich niemand!
Ratürlich haben alle Regeln in diesem Kapitel wie in den vorigen nur dann Wert, wenn die Lage des Spiels nicht etwas anderes erfordert. Der ganze Sport wäre ja reizlos und langweilig, wenn nicht auch etwas Anerwartetes Vorkommen könnte, was alle mathematischen und theoretischen Berechnungen umkippt. Aber ich hoffe doch, daß sich mancher manches zu Herzen genommen hat und an den nächsten Sonntagen mit mehr Freude, Eifer und Vorteil Fußball spielt.
Süddeutfchland gegen Berlin.
Zwischenrunde um den DFB.-Bundespokal.
Der kommende Sonntag bringt die beiden Zwischen- bzw. Vorschlußspiele um den Fußballpokal des DFB., jene Trophäe, die feit der Vorkriegszeit bereits ausgespielt wird, deren Wert aber in den letzten 3ahren bei den Landesverbänden des DFB. sehr verschieden eingeschätzt wird, bei den meisten Verbänden sogar so beträchtlich gesunken ist, daß sie schwache Mannschaften stellten. um möglichst schnell aus dieser Konkurrenz zu verschwinden. Süddeutschland, früher in den Pokalkämpfen tonangebend, hat in den letzten beiden 3ahren wieder mehr Wert auf die Pokalspiele gelegt, im Vorjahre den Pokal gewonnen und auch diesmal eine Mannschaft ausgestellt, die man als recht stark bezeichnen kann, wenn sie
Vornan von Elottlde von Siegmann- Stein.
Copyright by Martin Feuchtwange r, Halle.
10 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Graf Friedrich trat mit geballten Fäusten vor den Bruder hin:
„Also das ist das Mädchen, das sich nach deinen eigenen Worten glücklich schätzen soll, dir ihr Herz und ihr Geld vor die Füße zu legen? Das Geld wirst du verprassen, das Herz wirst du zertreten, du. der in seinem schrankenlosen, leichtsinnigen Lebensgenuß vor nichts zurückschreckt."
Hans Egon sah ihn hochmütig an.
„(Seit wann machst du dich zum Hüter anderer? Oder" — er sah feinen Bruder lauernd an — »was ist denn das mit eurer geheimnisvollen Bekanntschaft? Es ist ja sehr merkwürdig, daß ich davon nichts weih. Wenn es mir nicht zu lächerlich erschiene, weih Gott, ich könnte sogar eiser- süchtig aus dich fein.“
Gras Friedrich sah seinen Stiefbruder verächtlich an:
7Das paßt zu dir: nicht einmal vor der Reinheit einer Birgit Sibelius macht dein Zynismus halt! Frage sie selbst, sie wird dir eine einfache Erklärung geben für jenen belanglosen Zufall, dem ich ihre Bekanntschaft verdanke. Aber glaube nicht, daß ich ruhig zusehen werde, wenn du dieses Mädchen unglücklich machst. 3ch werde über sie wachen, wie über eine Schwester.“
»Sieh an“, entgegnete Hans Egon schneidend, „du ereifer ft dich ja merkwürdig. Solltest du vielleicht — es wäre zum Lachen — Feuer gefangen haben? Der verliebte Schwager, das neueste Lustspiel im Hause Tannenaue."
„Sorge dafür, dah aus diesem .Lustspiels wie du es nennst, kein .Trauerspiel' wird“, schloß Graf Friedrich drohend, brach aber im gleichen Augenblick ab, denn Birgits lichte Gestalt erschien auf dem Treppenabsatz.
Weihnachten war vorüber. Die Kerzen des Christbaumes hatten zu Birgits jungem Eheglück leuchtender gestrahlt denn je. Angesichts ihrer Seligkeit waren selbst aus dem Herzen des Konsuls die Bedenken gewichen. Wer konnte auch Hans Egon widerstehen, der mit seinem liebenswürdigen Zauber alle Herzen gewann, die er gewinnen wollte? Der einzige bittere Tropfen in Birgits Glücksbecher war die unerklärliche Zurückhaltung des Schwagers, die so seltsam abstach von seiner sorglichen Ritterlichkeit bei ihrem ersten Zusammentreffen in der Seilergasse.
Wohl hatte er die Hochzeitsfeierlichkeiten mitgemacht und war in seiner stattlichen Gröhe wie
seinem männlichen Ernst das Ziel mancher bepudernder Mädchenblicke im Kreise der glänzen- n Festgesellschaft gewesen. Auch der Konsul patte sich mit außergewöhnlich warmen Worten über den Bruder seines Schwiegersohnes ausgesprochen, was Hans Egon mit sauer-süher Miene anhörte. Seine Verstimmung wäre noch größer gewesen, wenn er geahnt hätte, dah die klare, charaktervolle und gehaltene Art dieses Bruders dem Konsul eine gewisse Beruhigung auch für das Glück feiner einzigen Tochter gab.
Die Rauensteinschen Eigenschaften, dies waren die Gedanken des Konsuls, waren also doch nicht nur die der leichten Genießer, sondern auch die der ernsten und zielbewuhten Arbeiter!
Konsul Sibelius hoffte im stillen, daß sich auch bei Hans Egon, nun er in einer gesicherten Ehe lebte, diese Eigenschaften durchsetzen würden. Um so mehr bedauerte auch er es. dah Graf Friedrich sich sofort nach den Hochzeitsfeierlichkeiten in die Einsamkeit von Tannenaue vergraben hatte. Richt einmal den Weihnachtsabend hatte er, trotz der herzlichen Einladung, mit dem jungen Paare zusammen im Hause des Konsuls verbracht, sondern sich mit feinen Pflichten gegenüber feinen Leuten und feiner Arbeitsüberlastung entschuldigt.
Sofort nach der Verlobung war er in das einfache Mühlenhaus hinübergezogen und hatte dem jungen Paa» das gesamte Schloh zur Verfügung gestellt, das mit dem Geld des Konsuls auf das geschmackvollste eingerichtet wurde, um die zwar kostbare, aber doch alte Einrichtung modern zu vervollständigen.
Graf Friedrich hatte sich in das einfache Mühlenhaus nichts anderes mitgenommen als die Möbel, die in den Privatzimmern seines verstorbenen Vaters gestanden hatten.
Der Konsul, der wohl wußte, daß Graf Friedrich ohne eigenes Verschulden mit schweren Sorgen zu kämpfen hatte, verbuchte es, auf zartfühlende Weise ihm durch seine Verbindungen neue Barmittel zu verschaffen: aber Friedrich hatte mit einer unbegreiflichen, beinah verletzenden Schärfe abgelehnt.
Als das junge Paar an einem schönen Vorfrühlingstage des Februar von feiner Aegypten- reise zurückkehrte in die nordische Heimat, als die Glocken der kleinen Dorfkirche den festlichen Einzug der Reuvermählten in das Rauensteinsche Schloh einläuteten, weilte Graf Friedrich auf einer Geschäftsreise, die, wie er hinterlassen hatte, unaufschiebbar gewesen war.
Es gab Birgit einen Stich ins Herz, als sie den Schwager nicht unter den sie Begrüßenden fand: aber die stürmische Zärtlichkeit ihres vergötterten Mannes lieh sie vergessen, daß noch ein zweiter Schlohherr hier zu Hause war.
Das Gastspiel der schönen Tänzerin Dolores hatte sich über Erwarten verlängert. Ihre Stock-
auch nicht gerade da- Allerbeste darstellt, was der Süden auf die Deine bringen könnte.
Süddeutschland, in der Vorrunde spielfrei, trifft nun in der Vorschlußrunde in Saarbrücken auf den Berliner Verband, dekr sich nun endlich bequemt hat, seinen Widerstand gegen Saarbrücken als Austragungsort aufzugeben. 3n der Vorrunde siegte Berlin über Mitteldeutschland 4:3. — 3m zweiten Spiel des Tages treffen sich in Hamburg Rorddeutschland und Südostdeutschland, die in der Vorrunde mit 4:3 und 3:0 den Baltenverband bzw. Westdeutschland aus dem Rennen warfen.
3n beiden Spielen rechnet man mit Siegen der plahgebenden Landesverbände. Süddeutschland wartet mit der bewährten Hintermannschaft der deutschen Rationalelf Kreh—Schütz—Stubb, in der Läuferreihe mit Leinberger als Führer und dem 3ntetnationalen Grämlich auf und im Angriff wirkt als Vertreter der älteren Garde der Münchener 3ntemationale Dergmaier mit. 51m diese Spieler herum sind Leute gruppiert, die sich bisher ebenfalls mehrfach repräsentativ betätigten. Wir halten diese Mannschaft für stark genug, auch die Berliner zu besiegen und sich für das Endspiel gegen den Hamburger Sieger, wahrscheinlich den Norddeutschen Verband, zu qualifizieren.
Deutsche Eishockeyspieler doch in USA.
Der Berliner Schlittschuhclub hat jetzt aus Amerika die Mitteilung erhalten, daß die abgeschlossene Wettspielreise nicht mehr abgesagt werden könne. Die Amerikaner wollen sogar die Kosten für die Expedition übernehmen, so daß sich Deutschlands Eishockeyspieler wahrscheinlich docy an den olnm- pischen Winterspielen beteiligen werden, da die Absage eigentlich nur aus finanziellen Gründen erfolgt war.
Wieder Amateurrennen in Frankfurt.
Am kommenden Sonntag finden auf der Frankfurter Winterbahn wieder Amateurrennen statt. Es werden gefahren ein Hauptfahren, ein Einzelfahren über 50 Kilometer, das mit 45 Rennungen ein Rekord-Meldeergebnis gefunden hat und in zwei Vorläufen ausgetragen wird. 3m Entscheidungslauf muh jeder Fahrer, der fünf Runden zurückliegt, ausscheiden.
Kurze Sportnotizen.
M i t 5:0 (3:0) siegte Süddeutschlands Fußballelf in Stuttgart gegen Budapest vor 15000 Zuschauern in einer bestechenden Form.
Bayern München fertigte am Dreikönigs- tage vor 28 000 Zuschauern in einem Meister- schafts-Schluhspiel mit 3:1 (2:0) München 1860 ab.
Ungarn hat jetzt endgültig beschlossen, sich in Anbetracht der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse nicht an den Olympischen Spielen in Lake Placid und Los Angeles zu beteiligen.
•
Englische Meisterin im Eiskunstläufen wurde in Manchester die Elfjährige Megan Tay- lor vor der gleichallrigen Cecilia Eolledge und der 13jährigen Joan D i x.
•
Zu den Spielen um den Davis-Pokal haben sich bisher 20 Nationen gemeldet, während bei der letzten Austragung fast die doppelte Zahl vertreten war.
Daten für Donnerstag, 7. Januar.
Sonnenaufgang 8.30 Uhr. Sonnenuntergang 16.32 Ahr. — Mondaufgang 8.49 Ahr, Monduntergang 15.15 Ahr.
785: Der Sachsenherzog Widukind getauft; — 1831: Reichspostminister Heinrich v. Stephan, der Gründer des Weltpostvereins, in Stolp in Pommern geboren; — 1845: der ehemalige König Ludwig III. von Bayern in München geboren.
holmer Triumphe ließen ihren Agenten nicht ruhen. Dem schwedischen Gastspiel folgte eine Tournee durch Dänemark, nach vierzehn Tagen Kopenhagen brachte ihr der rührige Agent schon wieder einen Vertrag, einen mit Paris; und in Paris feierte man die berückende Kunst der schönen Argentinierin so nachhaltig, daß sie noch weitere vier Wochen auf französischem Boden blieb.
So wurde es Februar, ehe sie wieder nach Stockholm zurückkehrte, wo Bankier ©riefen sehnsüchtig auf sie wartete.
Er hatte ihr in dem vornehmsten Villenviertel von Stockholm eine luxuriös eingerichtete Wohnung gemietet, in der er aus- und einging. Geschultes Personal stand ihr zur Verfügung, geleitet von Paolo, dem Anentbehrlichen und Verschwiegenen.
Soeben kam Dolores an. Sie entstieg einer eleganten Limousine und schritt, die Arme voll Blumen, an Ericsens Seite durch die wohlig erwärmten. im Licht glänzenden Räume, in denen eine Fülle kostbarer Dlumenspenden dufteten.
„Das hast du sehr schön gemacht, mein Lieber“, sagte sie mit einem gnädigen Kopfnicken und hielt ihm flüchtig die gepuderte Wange hin. „3ft wichtige Post eingelaufen?“
Paolo, der Diener, verbeugte sich und reichte ihr auf einer silbernen Platte einen Stapel Briefe und Zeitungsausschnitte.
„3ch habe bereits sorttert, Madame“, erklärte er.
Dolores warf achtlos den Rosenstrauß, mit dem sie hereingekommen war, auf einen Tisch. Paolo nahm ihren Pelz ab und trug die Sachen hinaus.
Dolores setzte sich bequem in ihren Schreibtischsessel.
„Zigarette!“ sagte sie flüchtig zu dem dicken Bankier, schlug die schöngeformten Beine übereinander und begann zu lesen.
Sie las so eifrig, dah sie ©riefen völlig vergessen hatte. Jetzt lachte Dolores mitten in ihrer Lektüre auf:
„Was sagst du dazu? Run hat sich Rauenstein doch wirklich diesen kleinen, faden Goldfisch geangelt; man schreibt es mir soeben aus S. Ich bin, weiß Gott, neugierig, wie lange er dieses ,Elück im Winkel' aushalten wird. 3edenfalls brauchst du auf ihn" — sie betonte unmerklich das „ihn" und lächelte dabei etwas vielsagend — „nicht eifersüchtig zu sein. Dafür ist es allerdings auch vorbei mit den Antiquitäten aus Schloh Tannenaue, an denen wir beide so schön verdient haben."
©riefen lächelte zynisch:
„Das ist auch das einzige, was ich dabei bebaute; aber vielleicht gelingt es dir, den Grafen beim nächsten Gastspiel in S. aufs neue von deinen Reizen zu überzeugen, falls es unser Geschäftsinteresse erheischen sollte. Du kennst ja mein
Oberbeffen.
Landkreis Gießen.
• Heuchelheim, 6. Ian. Am Samstag hielt die hiesige Freiwillige Feuerwehr im Gasthaus „Zum Schwan" ihre Generalver» s a m m l u n g ab. Zu Beginn der Versammlung nahm der erste Kommandant die Ehrung einiger Kameraden vor, die aus Anlah ihrer 50jährigen aktiven Tätigkeit bei der Wehr mit einer Ehrenurkunde des Herrn Reichspräsidenten ausgezeichnet wurden. Rach dem Jahresbericht und der Rechnungsablage hielt Lehrer Dr. Reid einen interessanten Vortrag über die Geschichte von Heuchelheim im 16. und 17. Jahrhundert. Der Vortrag fand aufmerksame und dankbare Zuhörer.
I Lauter, 6. Jan. Am Sonntag fand in der Wirtschaft Sack eine Abendunterhaltung des Schützenvereins unter Leitung des 1.Vorsitzenden Karl Schlörb statt. Zwei mit großem Drifall aufgenommene Theaterstücke unterhielten die Gäste auf das Angenehmste. Tanz beschloß den Abend.
Kreis Friedberg.
WER. Bad-Rauheim, 6. Ian. An der hiesigen russischen Kirche, W-einem ruffi- fchen Verein in Berlin gehört und zuletzt im Jahre 1925 anläßlich der Anwesenheit eines hohen russischen Geistlichen benutzt wurde, werden augenblicklich verschiedene dringende Reparaturen ausgeführt. Da der Eigentümer nicht über genügend Mittel verfügt, hat er vom hessischen Staat einen Zuschuß von 3000 Mark zur Durchführung der notwendigsten Arbeiten erhalten. — Gestern abend wurde ein 67jähriger Bettler, der bis vor kurzem im Friedberger Versorgungshaus untergebracht war, von einem Auto aus Friedberg erfaßt und zu Boden geschleudert. Er trug so schwere Schädelverletzungen davon, dah der Tod alsbald eiutrat.
Kreis Büdingen.
△ Nidda, 6.3an. Die Sammlung für di- Winternothilfe in unserer Stadt hatte einen sehr guten Erfolg. Es konnten an Bedürftige etwa 35 Zentner Kartoffeln, 30 Zentner Repfel, eine größere Menge geräucherter Fleischwaren und sonstige Lebensrnittel verteilt werden« Ferner gingen etwa 500 Mk. an barem Geld ein, das in Form von Gutscheinen, die nur für lebensnotwendige Waren beiden hiesigen Geschäftsleuten gültig waren, zur Verteilung gelangte. Die Geldspenden werden allmonatlich weiter gesammelt, da sich eine größere Zahl hiesiger Einwohner zu monatlichen Beiträgen während des Winters bereit erklärt hat. Eine Sendung von Obst, Gemüse und Kleidungsstücken wird der Offenbacher Nothilfe übersandt.
Kreis Schotten.
□ Laubach. 6. Jan. Anter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde am Sonntag der allgemein beliebte und geachtete Oberreallehrer i.R. Ludwig Gerhard zur letzten Ruhe bestattet. Nach einem Choral, gespielt von der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr, und Gesangsvorträgen des Kirchenchors und des Gesangvereins „Harmonie" hielt Pfarrer Kornmann die Grabrede, in der er u. a. auf die aufopfernde Tätigkeit des Verstorbenen in vielen Ehrenämtern hinwies. Kränze legten nieder: für den Kirchenvorstand Wilh. Stotz, für die Stadt Laubach Bürgermeister H ö g y, für den Evangel. Bund, Zweigverein Laubach, Dekan V o 1 p. für den De- kanatsausschuß des Kreises Schotten Dekan Widmann (Gedern), für das Lehrerkollegium oec Realschule und des früheren Gymnasium Fridericianum Studienrat Vetter, für den Gesangverein „Harmonie" Heinrich S i l ß , für den Kirchenchor Friedrich Rudolf S i l h . für den Hessischen Reallehrerverein Reallehrer Haas, für den Reichsbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge,
Prinzip: Bei einem guten Geschäft muh man beide Augen zudrücken können."
Sie lachte flingenb:
„Geschäftssinn brauchst du einer Dolores del Fonza nicht beizubringen. Was sagst du übrigens zu meinen neuen Verbindungen mit der Zentrale in P arid?“
„Sehr gut“, entgegnete er, „wenn wir ohne Gefahr nach Amerika schmuggeln können."
„Das laß nur meine Sorge fein!“ And nach einem argwöhnischen Blick zur Tür flüsterte sie leise in sein Ohr:...
*
3n dem Park von Tannenaue brachen zwischen dem wellen Laub die ersten Anemonen hervor und kündeten den beginnenden Frühling an. Die Amseln fangen am frühen Morgen schon ihr süßes Locklied vor dem Fenster der jungen Gräfin Birgit. Die Weiden am Mühlenteiche jenseits der Schloßmauer wehten mit grünen Schleiern in der leicht erwärmten Dorfrühlingsluft.
Anten an dem blanken Flusse, der die Mühltrieb. standen die kleinen Blüten der Schneeglocken. Täglich fielen neue Vogelstimmen in den immer größer werdenden Chor der gefieberten Frühlingsboten ein — die ganze Natur schien glückbebend neuer Blüte entgegenzuträumen.
Die junge Schloßherrin stand gedankenvoll an dem weit geöffneten Fenster des Frühstückszim- mers. Noch hatte sie den Hufschlag in Erinnerung, der von Hans Egons Rappen verhallend von der Dorfstraße her zu ihr herübergeklungen war.
Mechanisch ordnete sie Schneeglöckchen und Primeln in einer kleinen kristallenen Schale, die auf dem reich gestickten, schneeig weihen Tuche zwischen den hauchdünnen Porzellantassen stand.
Wie anders war doch das Leben hier in den letzten Wochen geworden, seitdem Hans Egon fast täglich in die Stadt hineinritt. Was ging in ihm vor? Wohin waren der glückliche Aebermut und der süße Frieden ihrer ersten Ehewochen entwichen? Was trieb ihn in die Stadt? Was lieh ihn schon beim Frühstück ungeduldig nach der Ahr sehen, als könnte er es nicht erwarten, von hier fortzukommen? Was hatte sie ihm getan, dah er nicht nur zerstreut, nein, auch oft genug fast unhöflich und schroff zu ihr erschien? Oder war sie vielleicht überempfindlich? War sie ihm vielleicht nicht mehr reizvoll genug? Mit leicht ermüdetem Schritt ging sie zu dem hohen Darockspiegel und musterte prüfend Gesicht und Gestalt.
Nein, noch sprachen nichts als ein paar Schatten unter den Augen von ihrem veränderten Zustand. Gern hätte sie ihn gefragt, was diese Anruhe in ihm hervorrief, aber sie war eine Sibelius. Lieber wäre sie zugrunde gegangen, als ein Vertrauen von ihm zu erzwingen, das freiwillig zu gewähren er nicht bereit war.
(Fortsetzung folgt.)
Weih zieht Weih 8 61' Bd6, g6.
Schwarz 9 Bc4, c5, e3,
an
Die fliänae: Meisters bewc tm internaturi Partie.
We
S
1. d2-d4 2. c2-c4 3. Sbl-c3
Diese alte, vc fehung ist Wied 4. c4Xd5 5.Ddl-a4+! 6. Da4xd4 7. Dd4xd5
Ob das 2ai bringt, korrekt falls erlangt i und mit Hilfe Angriff.
8. Lcl-g5 Dorsichtiger i
Ckgner nicht \ Partie gestatte:
L...
9. Dd5-d2 10. Lg5xi6?
Dies placier Es sollte 10. . 10....
11 e2—e3
Hierauf ist nügenbe 2lntt
Ortsgruppe L und für den 2 lAuPpertsburg kennen, daß fi, Charakter, edl Pflichttreue, so viel 'Bettrauen }m 3ahre 1863 ivng die dortig das Lehretsemi, Wendung fand 6 dann als Der Bendorf a. d <
Lehret in »ommet 1898 vi
S°lms-Lau! ver hiesigen S hatte et bis iur an wat et bis Detfehung in
S.S™ tz-rr bettoUu?inem -
. 61
Dauern rbc her erc6°n fechs SS sS‘. p# -d?
J.a9en A1


