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Aus der Provinzialhaupiflabt.

Dietzen, den 6. Februar 1932.

Das Schneeglöckchen.

2m 8 Januar erblickte es da» Licht der Welt. Dieses Datum ist in jeder Beziehung beachtlich. Denn ersten- ist c- überhaupt e.staunlcch, geradezu contra naturam, dos Ltcht der Welt am 8.3a- nuar zu erblicken, vorausgesetzt, datz man ein Schneeglöckchen ist. Doch erstaunlicher aber, sich in dieser Welt zu behaupten, in der alles auf Artgemeinschaft und Massenproduktion eingestellt ist

Wie da- Schneeglöckchen dazu kam, so frühzeitig zu erscheinen, wird nie ganz zu ergründen sein. »Laßt Blumen sprechen" ist leicht aesagl Persön­lich bleiben sie doch stumm. Wahrscheinlich befand e« sich in einem Defühl-irrtum. Mancher emp­findet frühlinaShaft sehnsüchtig zu früh oder zu spät und bleibt mit feiner Regung unverstanden oder belächelt

Aber das Schneeglöckchen. Unter der Erde hatte e- geschlafen, war erwacht, reckte und streckte sich und fühlte den Drang aller, nach oben zu kommen. Natürlich mit Familienanschluß. Doch wo blieben die anderen? Dicht- regte fich. Sollte e- etwa zu lange geschlafen, den Anschluß ver­patzt haben? Schrecklicher Gedanke. Don Angst beflügelt, von Lebenswillen durchdrungen, strengte es alle .Kräfte an. Weiter, vorwärts, in jugend­lichem Entwicklungsdrang

Und da war e- erreicht. Heber Dacht. Und al­bte Morgensonne es -um erstenmal beschien, stand es befriedigt da, im Garten der Dorstadt, auf feinem altgewohnten Platz.

"Natürlich hatte e- zuerst mit sich selbst zu tun.

DaS dreizipslige Dbckchen lag viel zu eng um bas grungckantete Unterkleid. Hoffentlich gingen die L'tcgefalten herauSzuschütteln! Und es fchüt- telte sich und freute sich, wie -art und allerliebst babei sein Glöckchen klang. Und da- gerade in dem Augenblick, al- die Frau de- Haufe- vor die Tür trat.

Ein Schneeglöckchen", rief sie laut und erfreut, nein, da- ist doch kaum zu glauben I"

3a, aber wieso denn?", dachte da- also Be- grützte verwirrt,warum soll ich denn kaum zu fstauben sein? 3ch bin doch am Platze?" Dann ah eS. nach Unterstützung suchend, um sich. Und sah nicht«. Schwarze feuchte Gartenerde, soweit 'Beet und Dlick reichten, kahle Sträucher. Däume und Kieswege. Und es selbst allein auf weiter Flur.

Das bedeutet eine Aufgabe" empfand da- Schneeglöckchen sofort,als Dorbote kommender Ereignisse habe ich nicht nur meinen Platz zu behaupten, sondern mutz auch biS zu ihrem Ein­tritt den Garten ganz allein schmücken" Und so achtete e« auf jeden Sonnenstrahl, um bei Kräften zu bleiben, wickelte nacht- sein Röckchen fest um sich und entfaltete es jeden Morgen frisch unter leisem Geläut Aber dann fiel doch ein Reif auf seine warmen Demühungen. Und über­wältigt von Einsamkeit und Kälte sank eS um. Da lag e- nun zwei Tage und zwei Dächte. Und die Dame de- Hause- zeigte eS ihren Besuchern. Zu schade, ich hatte mich jeden Tag an ihm ge­freut, gerade weil eS da- einzige war."

Da- zündete. Also doch eine Aufgabe! Und mit neuerwachtem Lebensmut raffte eS sich zu­sammen und richtete sich wieder aus. Zur Freude deS Garten-, der Dame und seiner selbst. Und steht noch heute da. nach vier Wochen, stolz und selbstbewußt, wie da« Einzelpersönlichkeiten mit Recht zukommt. DesonderS in dieser Zeit.

Taten für Sonntan, 7. Februar.

Sonnenaufgang' 7-57 Uhr, Sonnenuntergang: 17.23 Uhr. Wondaufgang: 8.39 Uhr. Mond­untergang 17 53 Uhr

1812: der englische Dichter EharleS Dickens In Landport bei Dort-mouth geboren. 1878: Papst Piu- IX. in Rom gestorben.

OaS $nfeur^onötDcrf in der Aoizeit.

Don der Friseur-Zwang-innuna Dietzen wer­den wir um die Aufnahme der nachstehenden Zei­len gebeten:

Da- Friseurhandwerk war von jeher der am schlechtesten bezahlte und immer notleidende Hand- werkS-weig. Diese ungünstige Wirtschaftslage deS Frifeurgewerbe» ist durch die Entwicklung der Verhältnisse in der jüngsten Zett noch weiter verschlechtert worden. Auf der einen Seite sind die Lasten der Geschäfte vielfach höher als früher, während auf der anderen Seite die Dezahlung für die geleistete Arbeit geringer ist. Die günstige Wirtschast-konjunktur hat da« Friseurhandwerk nicht in dem Matze sich nutzbar machen können, wie es in zahlreichen anderen Wirtschaftszweigen der Fall war. Soweit die Preise gegen dte Vor­kriegszeit erhöht wurden, geschah cs unter dem Drucke der ständig steigenden öffentlichen und sozialen Lasten und der gesteigerten Aufwendun­gen, die durch die verschärften hygienischen Dor­schristen und die erhöhten Ansprüche de- Publi­kum- notwendig wurden. Trotz dieser Wehrlasten mutzte das Friseurhandwerk durch die zunehmende Zahl der Selbstrasierer und durch den Ausfall von Handarbeiten (Perücken, Zöpfe und Haar­ersatzteile) infolge bet neuen Frauenhaartracht DerdienstauSsälle und Leerlaufstunden aus sich nehmen, die für dte Geschäfte einen weiteren empfindlichen Rückschlag bedeuten. Dazu kam die Einstellung der Sonntagsarbeit und in neuester Zeit die ständig anwachfende Schwarzarbeit, über die immer stärker Klage geführt wird. Ss erscheint notwendig, das Publikum auf diele Derhältnifse

Im Friseurhandwerk einmal htn-uweise« In der Hoffnung, datz diese Aufklärung zu einer besseren Würdigung der schwierigen WirtschaslSlage deS Friseurhandwerk- führt und den Willen stärkt, auch auf diesem Gebiete da- Handwerk zu untcr- statzen, damit es feinen wirtschaftlichen Aufgaben gerecht werden kann.

Helft der Wintemothilfe!

Gegenwärtig ist in allen Stadtbezirken die zweite Geldsammlung für die ® t e - tzener Winternothtlfe tat Gange. SS handelt sich bei dieser Sammlung um eine drin­gend notwendige Maßnahme zur Linderung des großen Elends, da- viele Familien unserer Bür- ger'chaft betroffen hat. 3n ständig steigender Zahl gehen dem Winterh lse-Au-schuß Gesuche um Unterstützung zu. von denen keinem einzigen die 'Beteiligung abgesprochen werden kann. Lei­der sind aber die Wittel deS Winterh ilfe-Aus- schusses durch die starke 3nanspruchnahme in den letzten Wochen erheblich knapper geworden, so daß eine neue Verstärkung der auf Werke der Dächstenliebe gerichteten Mittel dringend erfor­derlich ist. Diemand versäume bei der jetzigen Geldsammlung in den Woh­nungen sein Scherflein beizusteuern, wenn er nur noch einigermaßen über wirtschaft­liche Leistungsfähigkeit verfügt! Man lasse die Helserinnen und Helfer, die mit der Sammlung betraut find, au« keiner Wohnung ohne Gabe fortgehen! Selbst die kle,Insten Deträge find willkommen, denn auch au« ihnen wird schließlich eine Summe, die dem Hilfswerk förder­lich fein wird. Die Helfer uhb Helferinnen sind mit Ausweisen versehen und legen den Spendern ein Heftchen vor. in das jeder seine Gabe selbst einfchreiben kann.

Wie der Arbeitgeberverband für Lahngau und Oberhessen unS mitteilt, hat die Dietzener3n- d u st r i e ihren Monatsbeitrag zur QBinie.r- nolhiife von 500 Mark auf 7 00 Mark er­höht.

Neuregelung der Lehrlingshaltung im Zriseurgewerbe.

Der Minister deS 3nnem hat durch Bekannt­machung vom 1. Februar auf Grund des 8 128 Ws. 2 der Gewerbeordnung unter Aufhebung aller zur Regelung der Lehrlingshaltung im Frifeurgewerbe bisher ergangenen Anordnungen für das Gebiet des DolkSstaates Hessen folgende- bestimmt:

1. 3n jedem (Betrieb des Frifeurgewerbe- darf, falls die sonstigen gesetzlichen Dorau-setzungen er­füllt sind, ein Lehrling gehalten werden. Sin zweiter Lehrling darf eingestellt werden, wenn der erste Lehrling da- letzte 3ahr seiner Lehrzeit beginnt Die Höchstzahl von zwei Lehrlingen darf nicht überschritten werden.

2. Die Einstellung de« zweiten Lehrling- dars erst erfolgen, nachdem die Handwerkskammer bzw. die 3nnung dem Lehrmeister bescheinigt hat datz der erste Lehrling da- letzte 3ahr seiner Lehrzeit begonnen hat

3. Mehrere 'Betriebe desselben Unternehmen- an einem Orte oder ein "Betrieb mit mehreren Zweigstellen gelten im Sinne dieser Anordnung al- ein "Betrieb.

4 Diese Bekanntmachung tritt mit dem auf den Tag der Deröfsentlichung folgenden Tage in Kraft. Diejenigen Lehrlinge, die bi- zu diesem Zeit­punkt nach den bisher geltenden Bestimmungen eingestellt sind und ihre Lehre begonnen haben, können die Lehrzeit beenden.

Gictzcuer Wochenmarktpreise.

e ® l e 6 c n . 6. 5?br. Auf dem heutigen Wochen­markte kosteten Kochbutter 90 Pfennig das Pfund, Butter 100 bi- 110, Matte 25 bi- 30. Käse (zehn Stück) 50 bis 120, Wirsing 10 bis 12. Weißkraut 8 biS 1(\ Rotkraut 10 bi- 12, Gelbe Rüben 10 bi- 12, Rote Rüben 10 biS 12, Spinat 15 bis 20, Unter-Kohlrabi 5 biS 6, Grünkohl 12 bi- 15, Rosenkohl 20 bi« 25, Feldsalat 83 bi« 100, Tomaten 60 biS 70, Zwiebeln 15 bis 20, Meerrettich 30 bl« 60, Schwarzwurzeln 30 bis 35, Kartoffeln 4, Aepsel 8 biS 10, Birnen 10 bi« 12. Dörrobst 25 bi« 30. Honig 40 bi« 50, Düsse 35 bi« 40, Suppen­hühner 70 biS 90, junge Hähne 80 biS 90; Tau­ben 50 biS 60 Pfennig das Stück, Eier 9. Blu­menkohl 30 biS 70, Salat 25 bi« 30, Endivien 15 bi- 25, Ober-Kohlrabi 8 bl- 10, Lauch 5 bi« 10. Rettich 10 bi« 15. Sellerie 10 bi- 40; Kar- löffeln 3 bi« 3,50 Mark der Zentner, Weißkraut 4 biS 5, Wirfing und Rotkraut je 7 bis 8 Mark.

Vornotizcn.

TaaeSkalender für Samstag. Hy- pothekenaläubiger- und Sparer-Schuhverband, 20.15 Uhr. Katholische« Dereinshaus. Borträge über .Hinter den Kulissen der Wirtschaftskrise" und .Geschäftsmethoden der Gegenwart bei Ban­ken und Börsen!" Geflügel- und Dogelzucht- verein, 20.30 Uhr, Gastwirt Henkel, MonalS- Bcrfammlung. 1. ReichSkurzschrift-Ges.. Stadt Lich, DereinSabend. Lichtspielhaus. Bahnhof - strahe, 16 Uhr, .Aschenbrödel"; ab 18 Uhr .Trara um Liebe". Aftoria-Lichtspiele. ©ei­ter« toeg: .Helden der Luft".

Tageskalender für Sonntag. Stabt- theater. ..Die tolle Lola". 19.15 bis 22 Uhr.

Oberheff. Stunftwrrin, Turmhaus am Brand platz. 11 bl» 13 Uhr, Ausstellung Mattdäus-Gemewde. 20 Uhr, Stadlkirche. Lirchenmustkallsche Feierstunde. Lukas-Gemeinde, 20 Uhr. Lukasfaal, Fem.Uen- abend. ÄrdeitergefanaocrcinEintracht" 16 Uhr. Neue Aula der Unioersuak. Konzert. Deutscher verband für psychische Hygiene. 11.15 Uhr. Hvr- faal der Neroenklinlk. Lorlrag über «Die psychische Hygiene der Frau". Licnenzüchterverein, 14 Uhr, Hotel Hopfeld, Generalversammlung. Eisenbahn- Fahrbeamtenverein, 15 Uhr. Stabt Wetzlar, (Bene- raloerfammlutuj. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, 11.15 Uhr,Sanft Elisabeth in unseren Tagen", 13.15 Uhr, Aschenbrödel'. ab 15 Uhr,Trara um Liebe". »storla-Lichtfpiele, Seltersweg, .Melden der Lust".

Mu» dem Stadttheaterbureau wird uns gemeldet: Morgen, Sonntag. 7. Februar, 19.4-5 Uhr Erstaufführung der OperetteVie tolle Lola" von Stabeiburg unb Redner mit der Mußt von Hugo Hirsch Witziger Dialog und slüsstge. spritzige Musik sind die Vorzüge dieser Operette. Spiellei­tung Heinrich Hub. musikalische Leitung Walter Moe hl. Mitwtrkende: Damen: Berger. Castein. Sachse. Schubert Züngling, Wielanber; Herren: Druck. Hub, Michel, Seitz, Bolck. Mud) biete Vor­stellung gilt als Frembenvorstcllung außer Abonne­ment. Ermäßigte Operellcnpreile. yn der Erstatt! führung ber Operette wirb hn Stabttheater eine Neuerung eingeführt, bie vom operettenfreudigen Publikum sicher mit Begeisterung ausgenommen werben wirb. Das Zazzorchester, unter Leitung des Kapellmeisters Walter o e b I, wirb In ber Pause bie Schlager ber Operette spielen. Lautsprecher wer- den biefe Musik auch in» Foyer übertragen. Wenn man sich bazu bie ausgestellten Bühnenmodelle Mei- fter Löfflers betrachtet, werden sogar bie Pausen zu einer vollwertigen Tbealerunterhaltung.

.Sankt Elisabeth in unseren Ta­gen." Auf die am morgigen Sonntag. 11.15 Uhr. au Gunsten der Gießener Wintemothilfe ftatt- findende Filmvorstellung im Lichtspielhaus Bahn- bosstraße fei nochmals besonder- hingewiesen. Der Film bringt, wie wir bereit- tun berichteten, die Lebensgcschlchte der heiligen Elisabeth in Bildern und zeigt da- Wirken ihres Geistes über die Zeit ihres Leben- hinaus biS in die Gegen­wart. Studienrat Dr. König wird einen ein­führenden Dortrag halten. RähercS ist au- dem heutigen Airzeigentell ersichtlich.

Dorträge im Deutschen verband f ü r psychische Hygiene. Zn der Vortrags­reihe deS Deutschen DerbandcS für psychisch« Hy­giene sprechen am morgigen Sonntag. 11 15 Uhr, im Hörsaal der Universitäts-Neroenklinik Geheim­rat Prof. Dr. Sommer unb FrL Dr. Geiger über bie psychische Hygiene ber Frau. (6. gestrige Anzeige.)

Mit ber Wegnerschen Expedition auf dem Inlandeis von Grönland." Die Sektion Gießen unb bie Sektion Oberhessen be» Deutsch Oesterreichischen Alpenoereins veranstalten am Donnerstag, 11. Februar, in ber Neuen Aula ber Universität in Gemeinschaft mit ber Gesellschaft für Erb- unb Völkerkunde einen Vortragsabend. Dr. Ernst Sorge- Berlin wirb über die Wegner* sche Grönlandexpedition sprechen. Näheres ist aus ber heutigen Anzeige ersichtlich.

DerKreiS-Obst-undGartenbau- verein Gießen hält am SamStag, 13. Fe­bruar. im Katholischen DereinshauS feine Haupt­versammlung ab. Staatsförster Schott von Schotten wird über die ThemenDer Dogeischuh, seine Begründung und Autführung auf wissen­schaftlicher natürlicher Grundlage" undDer Doyelzug auf der Kurischen Deyrung" sprechen. DäyereS in der heutigen Anzeige.

Militärpersonalle. Der Kommandeur des Inf.-Reats. 15 Oberft von Schickfu» und Neudorfs in Kassel wurde mit Wirkung vom 1. Februar ab zum Generalmajor befördert. Gene­ralmajor von Schickfuß und Deudorff verbleibt weiterhin in seiner Stellung als Kommandeur de» Jnf.-Regts. 15.

E va n g e llsche Pfarrpersonalle. Dem Pfarrer Wilhelm Bornscheuer zu Schot­ten wurde bie evangelische Pfarrstelle an ber Io- hannisgemeinbe (Nordbezirk) zu Mainz übertragen.

Die Museen und der Heibenturm sind am morgigen Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei kleinen Preisen geöffnet.

* Oberhessischer Kunstverein. Mit dem morgigen Tage beginnt die letzte Woche der Ausstellung von Hanozeichnungcn italienischer Meister. Auf diese letzte Möglichkeit zur Besich­tigung sei nochmals besonder- hingcwresen, denn jeder Freund alter, guter Kunst wird etwas ver­säumt haben, wenn er diese günstige Gelegen­heit nicht benutzt hat. Mittwochs und Freitag- ist die Ausstellung von 15 bi- 17 Uhr geöffnet, Sonntag» von 11 bi- 13 Uhr.

" Sonntagsrückfahrkarten von Großen-Linden nach Gießen. Dom 6. Fe- bruar ab werden bei ber Fahrkartenausgabe Großen-Linben Sonntagsrückfahrkarten nach Gießen, unb zwar 2. Klaffe zu 60 Pf. unb 3. Klosse zu 40 Pf., verausgabt. Auch Mittwochs zum Theaterbesuch in Gießen sind biefe Karten erhältlich.

Die Ausbildung als technische Lehrerin. Das hessilche Kultusministerium hat einen Erlaß veröffentlicht, nach dem keine Anwär­terinnen mehr in die Lifte ber technischen Lehre- rinnen ausgenommen werden, d. h. es werden für den Staatsdienst keine Anwärterinnen mehr an­genommen. Schon feit zwei bis drei Jahren wurde den Mädchen, bie in ein technisches Seminar ein­traten, eröffnet, daß sie keine Aussicht hätten, im

Staatsdienst unterzukommen An ber tatsächliche» Lage für tedmtfebe Anwärterinnen wird durch den Erlaß des hessischen Kultusministerium» also nicht» geändert. Da» technische Seminar de» Aliceschuloer- eins bleibt daher geöffnet, um Mädchen auch wei­terhin die Möglichkeit einer Berufsausbildung ।u geben, die sie befähigt, in privaten Dienst zu gehen, die ihnen aber auch überaus wertvoll für die Che ist.

Bie Schüleranmelbunge» e n den höheren Lehranstalten. Dir omwifen auf die im heutigen Anzeigenteil enthaltene Bekannt- machung der Oirehionen des Gymnasium», Neal- gOmnahum«, ber Obcrrealfcbulc unb der Studien- anstatt über den Termin der Anmeldung der tat kommenden Schuljahr neu aufzunehmenden Schü- ler unb Schülerinnen

Gesellenprüfung im Frühjahr. Die Lehrherren unb Eltern per für bie Gesellen­prüfung un Früh iaht in Betracht kommenden Lehr­linge seien auf Die heutige Anzeige be» Ortsge­werbeverein» über bie Anmeldung zur Gesellen­prüfung besonders hingewiefen.

Städtische Holzversteigerung. AuS den Waldungen der Stadt Gießen s Förster« Wieseck, Försterei Hochwart) wurden bei den jüngsten Hol zvcrst ei gerungen im Durchschnitt fol­gende Preise erzielt: Duchenschciter 1. ÄL per Raummeter 10. 2. ÄL 8, Sichenscheitcr 1 Kl 7. 2 Kl. 5.60, Buchen'nüppel 7,80. Eichenknüpp«! 5. Buchenstöcke 5, Duch.rnreislg per 10) Wellen 3. KL 13 Mark.

Sterbefälle in Gießen. Es verstan­den in Gießen in der Zeit vom 1631. Januar: 17. Alfred Keller. Rcichsbahnsekretär. 54 3ahrr, Schubertstrahe 99. 18. 3ustus Dietz. Schlosser, 31 Jahre. Rodhenner Straße 36. 20. Elisabeth« OmmerL Hausmädchen. 27 Zahre. Schottstraßc 10. 21. Johanne« Weitzel. Maurer, 57 Jahre. Frank­furter Straß« 81. 23. Philipp Bausch, Oberpost- sekrelär i. R.. 72 Jahre, Henlelstraße 5. 24. Hrch. Breuning, Obertclcgraphensekretär. 63 Zahr«. Müh!strafte 31. 25 Wilhelm Schuchard. Kauf­mann, 79 Jahre. SelterSweg 44. Martha Walther, geb. Zacschle, 39 Jahre, An der Kläranlage 26. Äohann Georg Rennert, Schneider. 49 2ahr«, Wolkengafse 16. 26 Jakob Roll, ohne Beruf, 87 Zähre. Erednerstraftc 36. Ludwig Werner. Lokomotivführer LR., 85 Jahre, Westanlage 58. Heinrich Rikolai. Gerichtsdiener i. R. 73 Jahr«, Großer Steinweg 12. 28. Anna Baumann, ohne Beruf, 63 Sabre. Rcucnweg 7. Johann Frisch- Holz, städtischer Arbeiter. 59 Zähre, Braugasse 2. 29. Hermann Wvrner, Lehrer. 52 Jahr«, Wetz- steinslraße 16. Georg Ritzel, Kaufmann. 56 2ahr«, Licher Straße 91. Erich Rahn. Student der Rechts- wisfenschaft. 25 Jahre. Marburger Straße 40l 31. Konrad Heppner, Gendarm LR., 85 Zah«. Marburger Straße 9.

All gemeiner Deu tscher Frauen- verein, Ortsgrup pe Gießen. Man be­richtet un«: Zu Beginn der Februar-Sitzung des AUgemcinen Deutschen Frauenverein- (Staats­bürgerinnenverband) wurde von der Dorsitzen­den, Frau Paula Selb, über die Wvhlsahrts- arbeit der Ortsgruppe im ersten Quarta! des neuen DereinSjahre« Bericht erstattet, vor allem über die Tätigkeit in der neugegründeten Räh- stube. Frau Selb dankte allen Heilerinnen und bat. man möge diese nützliche Einrichtung auch weiterhin durch Spenden von Geld oder ab­gelegten Kleidung-stücken unterstützen. Al« Red­nerin deS Tage- sprach Frau Dr. med. Mar« über den Geburtenrückgang. Während in den letzten Jahrzehnten de« 19. Jahrhundert- Deutsch­land eine außerordentliche Zunahme der Be­völkerung aufzuweisen hatte, ist die Geburten­häufigkeit seit dem Weltkriege stark Aurüd- gegangen, obgleich die Zahl der Eheschließungen größer war, al« vor 1914. 3n der Zeit vor dem Kriege kamen auf eine Ehe durchschnittlich vier Kinder, heute beträgt die Kinderzahl pro Ehe nur 1,9. Da wir eine sehr günstige Sterblichkeits- Kiffer haben, ist bis jetzt noch keine Abnahme Der BevölkerungSmenge eingetreten. Der man­gelnde Wille zur Fortpflanzung macht fich auch in anderen Ländern bemerkoar. So hat man in Frankreich und in Italien verfucht, diese Ent­wicklung durch gesetzgeberische Maßnahmen zu beeinflussen Frau Dr. Mar« besprach zum Schluß ihrer vielseitigen Ausführungen die Dor­schläge, die von Burtzdörfer u.a. gemacht worden sind, um den Rückgang der Geburtenhäufigkeit zu bekämpfen. Dem Borlrag, der bei allen An­wesenden lebhaften Beifall fand, folgte eine rege Aussprache.

Der Kavallerie-Der ein Gießen hielt dieser Tage feine diesjährige Jahres­hauptversammlung im , Hessischen Hof" ab. Der 1. Dorsitzende, E. Hartmann, begrüßte wie man un« berichtet die in großer Zahl Erschie­nenen und gab einen kurzen Rückblick über das abgelaufene Jahr. Erfreulicherweise konnten hn Lause de« Jahres eine stattliche Anzahl Mit­glieder neu ausgenommen werden. Da der Beteln auf ein 25jährige« Bestehen zurückblicken kann, soll hn Lause des Sommers das 25. Stiftungs­fest. In Verbindung mit der Tagung des West­deutschen Kavallerie-Derbande«. stattfinden. Die­ses Ereignis dürfte auch für unsere Stadt von Bedeutung fein.______

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