Brand in der Marburger Frauenklinik.
Seegrasmairatzen durchKaminschadeninBrandgeraien.-OerOachstuhlzerstöri
LPD. Marburg (Lahn), 5. Juli. Aus bisher ungeklärten Gründen entstand gegen 2 Uhr morgens in der Marburger Frauenklinik, die unter der Leitung des Geheimrats Kehrer steht, ein Brand, der sich rasch vergrößerte. Die Feuerwehr ist gegenwärtig unter Mitwirkung der Bürger- und Studentenschaft bemüht, den Brand zu lokalisieren und zu löschen. Die Patienten haben sämtlich die Klinik verlassen, ebenso das Personal. Der gesamte D a ch- sk u h l steht bereits in Hellen Flammen. Man hat sich an die Gießener Feuerwehr um Unterstützung bei den Löscharbeiten gewandt.
wie wir von Kreisfeuerwehrinspektor D i ck o r ö in Gießen noch hören, wurde die Gießener Feuerwache von der Marburger Polizei zu Hilfe gerufen
und mit einiger Sicherheit auf das Zustandekommen einer Endlösung rechnen dürfe. Auch der „Temps" weist auf die besondere Bedeutung der angeblichen grundsätzlichen Anerkennung der fron- zösischen Forderung hin und meint, daß man sich über die Gegenvorschläge der Reichsregierung nicht wundern dürfe, da es der Geisteshaltung des beut* schen Volkes entspreche, mit Worten zu spielen, um aus diesen Manövern möglichst große Vorteile zu ziehen. Das nationalistische „Journal des Debats" gibt der Hoffnung Ausdruck, daß man in Lausanne keine Zeit mit den Beratungen der deutschen Gegenvorschläge verlieren werde.
Grand» fordert „Schwamm drüber"
Keine Ausnahme für Frankreich.
Lausanne, 4. Juli. (TU.) (Funkspruch.) Der italienische Außenminister G r a n d i hat dem Lausanner Vertreter des „Petit Parisien" eine Erklärung übergeben, in der u. a. folgendes auS- geführt wird: Die einzig mögliche Lösung, die im Interesse aller liegt, ist nach den dreiwöchentlichen Verhandlungen der Konferenz nur die Lösung: „Schwamm drüber (coup d’eponge). Die Lausanner Konferenz war nicht einberufen worden. um zukünftige -Zahlungen zu sichern, die nur die anormale und künstliche Lage der Gegenwart weiter aufrecht erhalten und verschärfen könnten, sondern um die unerläßliche Rückkehr zum Vertrauen und die Wiederaufnahme des allgemeinen Handelsverkehrs zu ermöglichen. Die Moratoriumserklärung der Lausanner Konferenz vom 16. Juni, durch die die Reparations- und Kriegsschuldenzahlungen zwischen den europäischen Mächten aufgeschoben wurden, hat den jetzt einzuschlagenden Weg gezeigt. Dieser Weg muh jetzt zu Ende gegangen werden. Die Regelung, Die auf der Konferenz gefunden wird, rüuh ein-» endgültige Regelung fein. Die Annullierung der Zahlungen muh sich auf sämtliche europäischen Gläubiger- und Schuldnermächte er st recken. Rur auf diese Weise kann eine allgemeine Regelung vorbereitet werden, auf die in der Moratoriumserklärung vom 16. Juni hingewiesen wird. Es ist jetzt der Augenblick gekommen, die Worte des Evangelisten anzuwenden: Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern.
Oie Arbeit der Londoner Stillhaltekonferenz.
London, 4. Juli. (TU.) Am Schluß der Montagssitzung der Stillhaltekonferenz wurde folgende Mitteilung herausgegeben: Der Ausschuß, der auf Grund des Stillhalteabkommens von 1932 eingesetzt wurde, hielt eine Sitzung zusammen mit den deutschen Vertretern ab. Die hauptsächlichsten Fragen, die zur Erörterung standen, waren die Frage der Vorschußzahlungen, wie sie in dem Abkommen vom 1. März für diejenigen Schuldner vorgesehen waren, deren Verschuldung noch nicht um die vollen 10 v. H. herabgesetzt war und ferner die von der deutschen Abordnung gestellte Forderung nach einer Revision
Zn der Hellseher-Werkstatt.
Don Prof. Ludwig Jahn, Köln.
Einen Künstler, Maler oder Vildhauer haben Sie wohl schon einmal bei feinem Schaffen beobachtet, aber wohl keinen Hellseher?! Die Gelegenheit ist gegeben: wir ergreifen sie und treten in die Werkstatt ein, denn auch ein solcher Künstler und Könner darf nicht im Verborgenen bleiben.
Ein traulicher Raum umfängt uns. Dicht am Fenster der Arbeitstisch, angehäuft mit Literatur: Literatur auch in Schränken, auf Regalen und Tischen — eine Werkstatt des Geistes! Und der Meister?
Ludwig Aub bringt dem Besucher eine herzgewinnende Freundlichkeit entgegen; er sucht sogleich in Kontakt mit ihm zu kommen, studiert dessen Gesichtszüge und horcht auf Ton und Stimme.
Ihm sitzt ein Student gegenüber.
Aub: „Sie machen Ihren Doktor?"
Student: „Ja!"
Aub: „Ich kann Ihnen sagen, über welches Thema."
Student: „Das können Die nicht!"
Aub: „Heber einen Vorfahren Shakespeares — Keat!"
Student: „Das ist ja fabelhaft!"
Aus persönlichem Gespräche auf musikalischem Gebiete.
Aub: „Sie schätzen Beethoven ... und Wagner? Von Wagner nicht alles."
„Ja — alles!", sage ich übereilt.
Seine Frage in ungläubigem Ton. „Rienzi, Parsival?"
Ich: „Sie haben recht, ich mache Unterschiede."
Aub: „Ihre Lieblingsoper ist ... .Tristan und Isoldes" And nun wieder plötzlich: „Jetzt verstehe ich die Linie Schopenhauer—Wagner."
Lotte P l a a t gebe ich einen kleinen zu- fammengefalteten Zettel in die Hand und lasse • £ 9lci<^ schließen, obwohl nichts am Ob- iekt »st was ihr irgendeinen Fingerzeig über seinen Inhalt oder seine Bedeutung geben könnte. Unverzüglich sagt Frau Plaat folgendes aus:
und rückte um 3.30 Uhr nach Marburg aus. Dort brauchte sie aber bei der Bekämpfung des Brandes nicht mehr e! n z u g r e i f e n, da die örtliche Feuerwehr bereits die Oberhand über den Brand erlangt hatte. Die Gießener Wehr kam um 5.30 Uhr wieder hier an.
Der Brand ist anscheinend durch Schaden am Kamin entstanden, von wo aus die Flammen eine Anzahl auf dem Hausboden lagernder Seegrasmatrahen ergriff en. Der D a ch - st u h l des Gebäudes ist niedergebrannt, teilweise sind auch die Decken eingestürzt, heute früh war der Brand so weit bereits bekämpft, daß mit den Aufräumungsarbeiten begonnen werden konnte.
der Zinssätze. Der Ausschuß nimmt an( daß er seine Arbeiten am Dienstag beendigen wird.
Oer englisch-irische Streit.
Thomas fordert Londerzoll auf irische Waren.
London, 4. Juli. (WTD.) Der Staatssekretär für die Dominions, Thomas, teilte im Unterhaus mit, aus de Valeras Antwort gehe unzweifelhaft hervor, daß dieser entschieden ein Schiedsgericht ablehne, das sich nur aus Vertretern des britischen Reiches zusammensehe und daß er eine Beseitigung desenglisch-irischen Vertrags erstrebe. Der britischen Regierung bleibe daher nichts anderes übrig, als heute, wie dies bereits vorgesehen sei, die angekündigte Entschließung über die Erhebung von Sonderzöllen auf irische Ware im Unterhaus einzubringen. Der Regierung soll Vollmacht erteilt werden, Sonderzölle auf irische Einfuhren nachEng- land bis zu 100 v. H. zu erheben, um ben Vetrag der von Irland verweigerten Iahreszah- lungen in Höhe von rund 5 Millionen Pfund einzutreiben. Thomas erklärte, daß England mit seinen Zugeständnissen bis an die äußerste Grenze gegangen sei. Es gäbe jetzt keinen anderen Weg mehr, als die Erhebung der Sonderzölle. Die Erhebung dieser Sonderzölle werde eingestellt werden, sobald der England vom irischen Freistaat geschuldete Betrag erreicht ist. Ein Mitglied der Arbeiterpartei erklärte im Unterhaus, der irische Freistaat beabsichtige, die England geschuldeten Landannuitäten in einen Sonderfond einzuzahlen, bis der englisch-irische Konflikt durch einen Schiedsspruch beigelegt sei.
Der Staatssekretär für die Dominions, Thomas, erwiderte darauf: Ich habe erst vor einer halben Stunde davon Kenntnis erhalten. Wenn De Valera die Land-Annuitäten einbehält, weil er alaubt, daß es zu einer schiedsrichterlichen Entscheidung kommen wird, dann ist die Ausgabe bedeutend einfacher. Es wäre mir lieb gewesen, wenn ich vorher von De Valeras Absicht etwas gewußt hätte, Henn jetzt handelt es sich nur noch um die Frage der Zusammensetzung des Schiedsgerichts.
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DaS Unterhaus hat in früher Morgenstunde die Entschließung über die Erhöhung von Sonder- zöllen auf irische Waren unverändert mit 223 gegen 31 Stimmen angenommen.
Neue englische Zollverordnung.
London, 4. Juli. (STIL) Die vorläufigen ZölleaufEisen- und Stahlerzeugnisse, die 33% Prozent betrugen, wurden am Montag durch eine neue Verordnung des Schatzamtes, die in der Nacht zum Donnerstag in Kraft tritt, bis auf weiteres verlängert. In derselben Verord- nung werden Abänderungen der Einfuhrzölle für Rasierklingen und durchsichtige Zellulose- hüllen angekündigt. Auf die Rasierklingen wird zu den bestehenden 20 o. H. ein Zusatzzoll von zwei Schilling je Groß erhoben. Der Zoll auf sich- tlge Zellulosehüllen wird auf 20 v. ch. e r h ö h t. Der
„Sa ist etwas darauf geschrieben!" Und dann in rascher Folge: „Ich empfinde ein Gewühl von Menschen. Ich höre Stimmen, besonders Frauenstimmen; die Menschen laufen alle auf einen Haufen. Ich höre Lachen, ja — gar nichts Trauriges; es sind alles Menschen in guter Stimmung, Frauenstimmen in einem großen Raum — spezielle Personen kommen gar nicht in Frage. Immer wieder dieses Gedränge, als wenn jeder etwas haben möchte" — sie macht die Bewegungen nach — „lauter Geräusche und ©rängen. 2m Gedränge bin ich und bleibe
„Genug!" sage ich. „Genug! Ditte öffnen Sie Ohre Hand, falten Sie den Zettel auseinander und überzeugen Sie sich selbst, was für ein Zettel das ist."
Der Zettel war ein Wiegefchein (mit ausgeschriebenem Datum und Gewicht) zu einer Waage, die in der Vorhalle des Kurhauses zu Wiesbaden aufgestellt ist und wo zwei Kassen sich befinden!
Kommentar ist wohl überflüssig!
Dieselbe Dame wird zu einem Arzt gebeten und sieht auf dem Tisch zwei Briefe liegen.
„Um Gottes willen! Da ist etwas Furchtbares geschehen!"
Sie nimmt den Brief in die Hand.
»Ich sehe den Mann, der diese Briefe schrieb, in Berlin gehen." Das wird abgestritten. Frau Plaat bleibt dabei.
„Ich bin in Berlin! Bestimmt. Jetzt bin ich in einem großen Gehölz mit vielen (Seen." Und nun sagt sie plötzlich: „Der Mann hat Selbstmord verübt!" Auch dies wird als unmöglich hingestellt. Da klingelt das Telephon. Es meldet sich das Krankenhaus Derlin-Westend, das Rach- richt gibt, daß der Betreffende soeben eingeliefert worden ist! (Wurde eben noch vom Tode errettet.)
Gr« st v on Lorenzo. Ein Bankier besucht den Hellseher. Es kommt ein Geschäft zur Sprache, das ein Bauer mit dem Bankier macyen will. Cs handelt sich um einen Grundstücksverkauf, bei dem Holländer beteiligt sind. Lorenzo bedeutet dem Bankier, den Bauer mal mitzubringen. Kaum sieht der Hellseher den Bauer, als er ihm auf den Kopf zusagt
beratende Zollausschuß teilt mit, daß es noch nicht möglich war, die beabsichtigten en d g ü l t i g e n S cy u tz z ö l l e für die englische Eisen- und Stahlindustrie sestzusetzen, da infolge der Reorganisation dieser Industrie außergewöhnlich verwickelte Fragen zu lösen seien.
Gegen Auswüchse der Wah'propaganda.
Berlin, 4. Juli. (WTB.) Der Reichsinnenminister hat bei den Landesregierungen angeregt, entsprechend dem Vorgehen bei der Reichstagswahl 1930 und der Reichspräsidentenwahl 1932 zu erwägen, ob es sich nach den Bedürfnissen der einzelnen Reichsteile empfiehlt, für den Tag der Reichstagswahl und den Vortag den Ausschank von Branntwein und den Kleinhandel mit Trinkbranntwein zu verbieten. Ferner hat der Reichsinnenminister die Aufmerksamkeit der Landesregierungen auf den Aufruf des Deutschen Bundes Heimatschuh gegen d i e Verschandelung des Heimatbildes durch Auswüchse der Wahlpropaganda gelenkt. Er hat zur Erwägung gegeben, ob sich nach den Erfahrungen bei früheren Wahlen polizeiliche Vorschriften zum Schutze des Heimatbildes und des Denkmalschutzes wie des Schuhes des Eigentums überhaupt gegen die Auswüchse der Wahlpropaganda empfehlen.
Reinhold Spitzenkandidat der Staatspartei in Hessen.
WSN. Frankfurt a. M., 4. Juli. Die Staatspartei in Hessen hielt in Frankfurt einen außerordentlichen Parteitag ab, der der Vorbereitung der Reichs- tagswahl galt. Nach einer eingehenden Aussprache,
in der man kih u. a. auch mit der hessischen Landtagswahl besl! astigte, und in der der entschiedene Wille zum Aufdruck kam, die Nationalsozialisten von der Regierung, gleich welcher Form, fernzuhalten, wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt: „Der Parteitag ist der Auffassung, daß die Partei allein und entschieden den Wahlkampf zu führen hat. Darüber hinaus wird von der Reichsparteileitung verlangt, nichts unversucht zu lassen, damit bie 9te ft ft Immen nicht verloren gehen." Der Parteigtag beschloß ferner, den Reichs- sinanzminifter a. D. Dr. Reinhold, der an der Spitze der staatsparteilichen Kandidatenliste in j) e f • sen - Nassau steht, auch für den Wahlkreis Hessen an er st er Stelle aufzustellen. An zweiter Stelle steht der Wohlkreisvorsitzende Oberstudiendirektor Dr. Weiner (Offenbach).
Oie „Frauenfroni 1932*
an den Reichspräsidenten.
Hamburg, 4^ Juli. (ERD.) Die am SamS- tag gegründete „Frauenfront 1932" hat an den Herrn Reichspräsidenten ein $ele<- gramm gerichtet, in dem sie mitteilt, daß sich Frauen der verschiedensten politischen Richtungen in Hamburg in der „Frauenfront 1932“ zur Verteidigung der Frauenrechte im Staat, Familie und Beruf zufammen- geschlossen hätten. Ihr Kampf richte sich insbesondere gegen Geist und Methoden der G e waltinunserempolitischenLeben. Diesem bedrohlichen Treiben müsse unverzüglich Einhalt geboten werden. Die Erwartung, daß nach Aufhebung des Uniform» Verbotes der uniformtragenden Verbände eine Beruhigung des politischen Lebens eintreten werde, habe sich nicht erfüllt.
Lungdeutsche Vorschläge für Arbeitsdienst und Siedlung.
Reichsführeriagung des
Berlin, 3. Juli. (ERD.) Der Iungdeutsche Orden hielt unter dem Vorsitz seines Hochmeisters Arthur M a h r a u n eine Reichsführertagung ab, die sich vor allem mit den Fragen des Freiwilligen Arbeitsdienstes und der Siedlung beschäftigte. Die Sachbearbeiter aus den einzelnen Landesstellen berichteten über die Erfahrungen, die in über 13 0 jung- deutschen Kolonnen des Freiwilligen Arbeitsdienstes sowie in der jung deutsch en Siedlungsarbeit gemacht worden sind. Auf Grund dieser Erfahrungen forderten die jungdeutfchen Führer, daß endlich der weitere Ausbau des Freiwilligen Arbeitsdienstes beschleunigt werde. In den jungdeutschen Forderungen Küßt es u. a.:
Für den Freiwilligen Arbeitsdienst müssen unterstützte Arbeitslose jeder Llnterstühungsart, besonders alle Jugendlichen bis zu 25 Jahren zugelassen werden. Die Frage der Bedürftigkeit darf nicht einengend für die Ausdehnung dieses volkspolitisch sehr wichtigen Gebietes wirken. Die zulässige Förderungsdauer für den Arbeitsfreiwilligen muß von 20 Wochen auf mindestens ein Jahr, für die Leiter von Arbeitsgruppen auf vier Jahre verlängert werden. Die nach Pressemeldungen geplante Schaffung eines Reichs- k o m m i s s a r s und eines Beirats für Freiwilligen Arbeitsdienst im Reichsarbeitsministerium wird von den jungdeutschen Führern grundsätzlich begrüßt, aber jede einseitige parteipolitische Besetzung des Reichs- kommissariats muß auf das Schärfste ab- gelehnt werden.
Die Führer des Jungdeutfchen Ordens befaßten sich ferner mit der Frage der bäuerlichen Siedlung und forderten eine umgehende Freigabe der 2 Millionen Morgen des nicht mehr sanierungsfähigen Großgrundbesitzes im Osten für die Siedlung zu erträglichen Landpreisen. Auch die jetzige Reichsregierung habe die Pflicht, das Versprechen der Regierung Brüning zur bäuerlichen Aufsiedlung dieser Ländereien einzulösen. Die preußische Staats- regierung müsse ferner das in der Dezember-
Zungdeutschen Ordens.
Rotverordnung gegebene Versprechen, 2 00 000 Morgen Domanenland kostenlos für die Siedlung zur Verfügung zu stellen, sofort durchführen. — In den Vorträgen auf der Reichsführertagung wurde aus mehreren Provinzen berichtet, daß die wilde Siedlung von landhungrigen Bauernsöhnen und Landarbeitern mit unzulänglichen Mitteln unheilvoll zu wachsen beginne. Das Reich habe die geschichtliche Verpflichtung, im Sinne des Freiherrn vom Stein eine Ostsiedlung von bisher ungewohnten Ausmaßen durchzuführen, wenn der Osten überhaupt gerettet werden solle. Die jungdeutfchen Forderungen wurden der Reichsregierung und dem Reichspräsidenten übermittelt.
Aus aller Wett. _
Rumänische Leprakranke revoltieren.
Aus dem Lepralaaer in E i r p h i l e st i brachen die dort untergebrachten Leprakranken in der letzten Rächt aus und tauchten in der kleinen rumänischen Stadt Isaceä auf, wo ihr Erscheinen eine Pani kauslöste. Alle waren in Lumpen gekleidet und halb verhungert. Sie gaben an, daß de« Lagerarzt vor einem Monat nach Bukarest gefahren sei, um Geld und Lebensmittel zu holen, aber nicht zurückgekehrt sei. Die alarmierte Polize itrieb die Kranken zusammen und transportierte sie ins Lager zurück.
Ueberschwemmungen in Japan.
Wolkenbruchartige Regengüsse haben im meft- lichen und südlichen Japan Hochwastser und ausgedehnte Ueberschwemungen her- voraerusen. In der Nähe der Stadt Kobe werden 30 Personen, die wahrscheinlich ertrunken sind, vermißt. Bei K a g o s ch i m a stehen 9000 Häuser unter Wasser. 14 Brücken sind weggespült worden-. Die ganze Stadt Okasaki war mehrere Stunden lang überschwemmt. Im Bezirke Mitschi wurden 3000 Häuser unter Wasser gesetzt und 15 Brücken zerstört. 43 Personen werden vermißt.
„Sie sind ein Betrüger! Die Sache mit den Holländern ist erfunden!"
Der Bauer war sprachlos in wahrstem Sinne des Wortes: er verließ das Zimmer ohne einen Gruß.
„Warum haben Sie diesem Schwindler Geld gegeben?“, fragt darauf Lorenzo.
..Ich habe dem Manne kein Geld gegeben!“, erwiderte der Bankier.
„Dann haben Sie mich belogen, denn ich »sehest wie Sie dem Bauer Geld geben!“
Tatsächlich hatte der Bankier dem Bauer Geld gegeben, was er aus naheliegenden Gründen verschweigen wollte.
Frau Wieghardt wird ein verschlossener Briefumschlag gereicht. Sie legt diesen auf ihren Schoß und bedeckt ihn mit der rechten Hand. Ihr Gesicht nimmt einen gütigen, frohen Ausdruck an. Sie betont das Gute und Liebe, das vom Briefe komme und behauptet plötzlich, es handle sich um eine Dame und diese Dame sähe dem Fragesteller ähnlich! Kurz darauf wird ihr Gesichtsausdruck traurig, und sie sagt: „Sie ist tot; aber noch nicht lange, denn ich s^he sie noch ,hew hinter Ihnen fiepen!“
Die Dame hatte richtig „hell“ gesehen, denn der Briefumschlag enthielt eine Photographie der verstorbenen Schwester des Fragestellers, dessen Aehnlichkeit mit der Photographie hinterher von den Anwesenden einwandfrei festgestellt wurde.
Der Hellseherin wird jetzt ein in Papier gut eingewickelter Gegenstand überreicht.
Frage: „Was ist in diesem Papier?"
Frau W: „Ein Buch, ein gutes Buch von einem Heben, guten Menschen!"
Frage: „Was für ein Buch ist dies?"
Frau W.: „Ein Gebetbuch! Sie hat das Buch nicht gekauft, sondern geschenkt bekommen von einer Dame, und hat in Holland gelebt. Sie hat das Buch an einem wichtigen Tage geschenkt erhalten. Ich kann Ihnen auch sagen, wie die Dame aussah und wie sie gekleidet war: Hoch am Halse geschlossenes Kleid mit Dörichen, darunter eine Reihe Knöpfe. Rock weit, bauschig und
gerafft. Die Aermel sind an der Schulter weiter, auch bauschiger und werden nach unten hin enget; das Haar ist in der Mitte gescheitelt. Die Haare sind einmal seitlich und einmal mehr nach hinten, und dann ist es wie ,mit Zöpfen' gemacht!!''
Sämtliche Aussagen waren genau zutreffend.
Der eingewickelte Gegenstand war ein holländisches Gebetbuch von des Fragestellers Mutter, die solches in Holland anläßlich der Kommunion geschenkt bekommen und viel benutzt hatte, linb was die Porträtierung im ganzen anbetraf, ft> könnte man danach fast ein Gemälde von ihr malen; sie entspricht genauestens den betreffenden Iugendbildern aus der Mitte der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts! Die Dame trug gedrehte Locken (holländisch: „Krullen"), daher die Bezeichnung „wie mit Zöpfen gemacht".
Wohlzutun und mitzuteilen.
Je höher die Zahl der Arbeitslosen steigt, je län> der die Krise dauert, desto häufiger werden die Fälle, wo Familien wegen Mietsschulden exmittiert werden müssen. Die Betroffenen wehren sich gegen diese Zwangsmaßnahme und in Berlin wohnt in einem Hause ein Arbeitsloser, der, trotzdem seit einem Vierteljahr ein Exmissionsbeschluß vorliegt, nicht exmittiert werden kann. Wenn der Gerichtsvollzieher mit seinen Leuten kommt, rotten sich all« Bewohner des Hauses vor der Tür zusammen und lassen den Beamten nicht durch. Einige Häuser davon entfernt steht ein Haus, dessen sämtliche Mieter arbeitslos sind. Der Besitzer des Hauses ließ am 1. Juli keine Miete einkassieren, sondern ließ jeder Familie, die in seinem Hause wohnt, einLebens- m i t t e l p a k e t überreichen, enthaltend ein Brot, ein Pfund Butter, eine Wurst und ein halbes Pfund Konfekt. Bravo! Auch ein Hausbesitzer soll in dieser Zeit nicht vergessen, wohlzutun und mitzuteilen. Er muß aber dazu in der L a g e sein. Die Exmittierungen find in der Regel keine Schikane gegen Erwerbslose, denn hinter dem Hausbesitzer lauert auch die Gefahr der Zwangsmaßnahmen gegen ihr und sein Haus, wenn er infolge Fehlens der Miet« nicht in der Lage ist, die fälligen Zinsen und Steuern zu bezahlen.
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