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Frühling in -er Wirtschaft?

Draußen ist der kalendermäßige Frühling ein- gezogen. Mit ihm verlangen die Sonnenstrahlen ihr Recht. Wenn es nach dem Wetter ginge, würde in Deutschland jeder die Hoffnung haben können, daß endlich auch der auf der Wirtschaft lastende Druck langsam gemildert wird. Frühling in der Wirtschaft also. Kommt er wirklich? Sind wenigstens Aussichten vorhanden, dast er nicht allzulange hinter dem Konkurrenzfrühling der Wcttermacher herhinkt? Wir wollen sehen. Da ist zunächst die erfreuliche Tatsache, dast die A r - bcitslosenkurve nicht weiter steigt. In der ersten Märzhälfte konnten die Plätze der arbei­tenden Menschen in der Wirtschaft auf ihrem bisherigen Stande erhalten werden. Saisonein­flüsse machen sich bereits bemerkbar. Immerhin wird man erst aufatmen können, wenn die Ar­beitslosigkeit nicht nur stagniert, sondern stärker abnimmt: denn die Unterstützung der über sechs Millionen Erwerbslosen ft eit auf die Dauer für die öffentlichen Etats ungemein schwierige Auf­gaben. abgesehen von der seelischen Depression, die auf den dauernd Erwerbslosen lasten must.

Ein gewisser Lichtblick könnte die bevorstehende Wiedereröffnung derDörfc sein. Bis­her findet ja nur ein Freiverkehr in den Dörsen- räumen statt, der wegen des Verbotes von Kurs- veröffcntlichungen zur Bedeutungslosigkeit ver­urteilt ist. Oft gehen in den Aktien der größten deutschen Gesellschaften während der 2stündigen Börsenzeit nicht mehr als 3000 bis 6000 Mark um. Dabei beträgt das umlaufende Aktienkapital in diesen Fällen meist Dutzende von Millionen. Das Publikum, oft genug durch verheerende Kursverluste geschädigt, zeigt sich vorerst be­rechtigterweise im Eingehen von Börsenengage- ments zurückhaltend. Wenn die Regierung jetzt ihre 'Bedenken gegen hie Bekanntgabe von Kur­sen aufgegeben hat. so mag dies als Zeichen da­für gelten, dast wir nach ihrer Meinung auch auf diesem Gebiet nun endlich wieder zu normalen Verhältnissen zurückkehren können. Allerdings wird sich zeigen, in welchem Maste der allgemeine Schrumpfungsprozeß auch die Börse nach ihrer offiziellen Wiedereröffnung ergriffen hat.

Damit ist man bereits am Schlüsse der we­nigen günstigen Faktoren angelangt, die gegen­wärtig allenfalls als Vorboten eines Wirtschafts­frühlings aufgeführt werden könnten. Ucberall, wohin man blickt, zeigen sich sonst nach wie vor Abbautendenzen. Wirkungen des großen Be­reinigungsprozesses. Schwierigkeiten und Daseins­kämpfe früher florierender und angesehener Ge­sellschaften. Wer hätte z. B. gedacht, daß die H a p ag und der Rorddeutsche Lloyd ihr Kapital jetzt im Verhältnis 10:3 zusammenlegen müßten; daß diese beiden Unternehmen. die bisher stolz auf ihre Selbständigkeit waren und nach dem Kriege eine Aufbauarbeit ungeheuren Ausmaßes fast allein aus eigener Kraft bewerkstelligt haben, sich nun unter die schützenden Fittiche des Staates begeben müssen? Die im Besitz der Hupag-Lloyd- Gruppe befindliche Hamburg - Südameri­kanische Dampfschiffahrtsgesell­schaft und die Hansa werden ihre Kapitalien ebenfalls zusammenlegen, allerdings voraussicht­lich in dem milderen Verhältnis von 2:1. Die Aktionäre anderer Branchen sehen ihr Vermögen ebenfalls schwinden. Rur wenige Fälle der ver­gangenen Woche mögen hier angeführt sein: Die bekannte Frankfurter Baufirma W a y ß und F r e h t a g legt ihre Aktien im Verhältnis von

12:1 zusammen, die Deutsche Eisenhan- dels - AG. saniert 2:1, Hanomag sogar 30:1 (besonders ungünstig liegendes Auto- und Lotomotivgeschäft!). Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Leider mündet sie dort, wo selbst Kapitalschnitte nicht mehr ausreichen, um die Bi- lanzen dem heutigen Stande anzupassen: in In­solvenzen. Zuletzt beschäftigte sich die Oeffentlich- keit mit der Zahlungseinstellung des Junkers- Konzerns. Kurz vorher hatte die Hausbonk des einst so reichen nachinflationistischen M i- chael - K onzerns ihre Schalter geschlossen. Lieber Verlustabschlüsse regt sich heute schon kein Mensch mehr auf. Roch vor Jahresfrist tat man alles, um möglichst den offenen Ausweis einer Unter- bilanz zu vermeiden. Man löste interne Reserven auf und unternahm alle nur erlaubten Duchungs- kunststücke, um die Bilanzen vor den Augen der Oesfentlichkeit auszugleichen. Heute ist man ehr­licher. Wir brauchen nur auf das Beispiel der Großbanken zu verweisen. Auch bisher rentable Staatsbetriebe scheuen sich nicht mehr, der Wahr­heit die Ehre zu geben. Die Preußische Bergwerks» und Hütten - AG. unter­breitet dem Vater Staat als Großaktionär einen Verlust von 1,4 Millionen Mark.

Die kürzlich abgehaltenen Generalversammlun­gen führender Unternehmen brachten durchweg pessimistische Auslassungen über Lage und Aus­sichten jener Firmen. AEG.. Ilse Bergbau, Der. Stahlwerke. Großbanken: Lleberall dasselbe Bild: Zuletzt erklärte noch die Reichsbahn in ihrem Monatsausweis, daß der Rückgang des Verkehrs anhalte und die Einnahmen um 20 bis 30 Prozent hinter denen der gleichen Dor­jahrszeit zurückbleiben. Das ist ein besonders deutliches Symptom der allgemeinen wirtschaft­lichen Rot. Bedauerlicherweise werden unserer unter diesen Umständen besonders wichtigen Ausfuhr immer neue Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Auch die R u s s e n , die im vergan­genen Jahr über eine Milliarde Mark Waren von uns kauften, werden in diesem Jahr bei weitem nicht im gleichen Ausmah als Abnehmer für rtnfcre Erzeugnisse auftreten können. Zuverlässige Schätzungen rechnen mit der Hälfte des lehtjäh» rigen Umsatzes.

Wir treiben also unter wenig angenehmen Be­gleitumständen weiter. In diesem Stadium bed wirtschaftlichen Entwicklung helfen Derständigun- gen in einzelnen Branchen, so begrüßenswert sie auch sein mögen, der Gesamtheit nur wenig. Die Verständigung der deutschen mit der polnischen K a l i i n d u st r i e ist z. B. fast unbemerkt von der Oesfentlichkeit vor sich gegangen. Zwischen der deutschen und französischen Kunstseidein- d u st r i e schweben aussichtsreiche Verhandlungen. Auf anderen Gebieten geraten wiederum be­stehende Verträge ins Wanken: so die Inter­nationale Rohstahlgemeinschaft. So­gar in die Reihen der wirtschaftlichen Spihen- organisationen bricht der Krisenorkan ein: Die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels erlebt erbitterte innere Kämpfe. Die Warenhäuser drohen abzu­springen. Wenn der Reichsbankausweis am Oster- dienstag keine neuen Devisenverluste brachte, dann ist das noch lange kein Zeichen für eine Besse­rung der Lage. Es beruht auf noch geringere Devisenzuteilungen als bisher. Frühling in der Wirtschaft? Vorerst steht nach alledem das Baro­meter leider noch sehr auf Abwarten!

Wirtschaft.

Oie Mainz-Wiesbadener Gaögemeinschast.

WSN. Wiesbaden, 4. April. Der Technische und der Wirtschaftsausschuß der Wiesbadener Stadt­verordnetenversammlung haben heute abend nach längerer Beratung dem Vertrag über den Zusam­menschluß der Gaswerke Mainz und Wiesbaden zugestimmt.

* Der Stand der Wintersaaten im Deutschen Reich Anfang April. Der Witterungsverlauf während der Wintermonate 1931/32 war durch einen langen und kalten Rach­winter gekennzeichnet, unter dem die jungen Saaten zum Teil gelitten haben. Soweit die Felder eine Beurteilung der Saaten zulassen, lautet die Begutachtung des Saatenstandes durch­weg geringer als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, sowie zu Anfang Dezember 1931. Soweit bereits eine Beurteilung der Winter­saaten möglich war. ergeben sich unter Zu­grundelegung der Zahlennoten 2 gut, 3 mit­tel, 4 - gering im Reichsdurchschnitt folgende Begutachtungsnoten: Winterroggen 3,1 (im De­zember 1931: 2,7). Winterweizen 3,2 (2,7), Winter- fpelz 3.1 (2.7), Wintergerste 3,1 (2,6).

* Stillegungsanträge im Bezirk Frankfurt a. M. In der Berichtszeit März haben in Frankfurt 13 Stillegungsverhandlungen wegen Auftragsmangels stattgefunden. Davon entfielen auf die Metallindustrie 6, je 2 auf die Leder- und Nah­rungsmittelindustrie und je 1 auf die chemische Indu­strie, Papierindustrie und Elektrizitätserzeugung.

* Frankfurter Hypothekenbank. In der Aufsichtsratssitzung des zur Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken gehörenden Instituts wurde beschlossen, der am 30. d. M. stattfindenden Generalversammlung oorzuschlagen, für 1931 eine Dividende von 7 (12) v. H. zu verteilen.

Große Zurückhaltung in Frankfurt.

Frankfurt a. M., 5. April. (WTD. Draht­meldung.) Im Zusammenhang mit den meist schwächeren Auslandbörsen taxierte man im vor­börslichen Freiverkehr weiter etwas nachgebende Kurse. Zu Beginn der amtlichen Börse herrschte bei der Spekulation wieder große Zurück­haltung, zumal neue Momente die die Börse hätten anregen können, nicht Vorlagen. Bei sehr kleinen Umsätzen eröffneten 2G.-Farben zunächst 1 Proz. unter dem Abendkurs, wobei die Diskus­sionen über die Dividende nicht ohne Einfluß blieben. Auch Reichsbank gingen erneut um 1 Proz. zurück. Die Kursgestaltung war bei Be­ginn jedoch nicht ganz einheitlich, später ergaben sich aber meist kleine Erholungen. Es sollen kleine Kauforders eingetroffen sein, denen sich die Kulisse mit etwas Deckungsneiaung an­schloß. Das Geschäft blieb aber gering. Am Mon­tanmarkt konnten Gelsenkirchen 1 und Maris­felder Bergbau 2 Proz. anziehen. Bemerkens­wert fest lagen am Elektromarkt Gesfürel mit plus 2 Proz., die übrigen Papiere gewannen etwa ein

Prozent. Durch schwache Haltung fielen dagegen weiterhin JG.-Chemie Basel mit minus 2 bis 3 Prozent und am Kunstseidemarkt Dem berg mit minus 2 Proz. auf. Don Auslandaktien gewan­nen Svenska 4 Mark und Chade 2 Mark. Schiff­fahrtswerte neigten zur Schwäche, Bankaktien lagen nur knapp gehalten. Im Derlaufe konnten IG. und Reichsbank ihre Anfangsverluste wieder aufholen. Gesfürel, Siemens, und Licht & Kraft lagen um weitere 1 Proz. höher. Das Ge­schäft stagnierte aber f a st vollkom­men. Am Rentenmarkt blieben Reichsbahnvor­zugsaktien und Reichsschuldbuchforderungen gut behauptet. Gold- und Liquidationspsandbriefe neigten nach unten bei Rückgängen bis zu 0,5 Proz. Don Deutschen Anleihen gaben Altbesitz 0,63 Proz. nach. Am Geldmarkt blieb Tagesgeld mit 5.75 Prozent unverändert und leicht.

Berlin freundlicher.

Berlin, 5. April. (WTB. Funkspruch.) Die herrschende Unsicherheit wurde von gestern zu heute durch die Tumulte im Wahlkampf eher noch verstärkt. Außerdem verwies man auf die Tat­sache, daß die technischen Dorbereitungen für die Wiederaufnahme der amtlichen Kursfeststellung noch nicht beendet sind, obwohl bereits heute in einer Woche die erste Börse mit offiziellen Kursen stattfinden soll. In einer für heute nachmittag angesetzten Sitzung hofft man jedoch, zum Abschluß zu kommen und die diesbezüglichen Beschlüsse ver­öffentlichen zu können. Eine Geschästsbelebung war zunächst nicht zu erkennen, zumal die Be­fürchtungen wegen der bevorstehenden neuen Notverordnung über den Effekten­handel mit dem Auslande noch immer bestehen. Allerdings soll nach Ansicht der Bank­kreise eine für morgen zu erwartende Derordnung nicht so scharf gehalten sein, wie man vielfach be­fürchtete und soll, um das Geschäft nicht völlig abzuwürgen, kein direktes Derbot enthalten. Das Ausland scheint die Lage des Kreuger-Konzerns weiter wenig zuversichtlich zu beurteilen; jeden­falls meldete die Mehrzahl der Auslandsbörsen schwächere Kurse. Eine leichte Erholung der Svenska um etwa 2 Mk. war lediglich auf Deckun-- gen zurückzuführen. Lleberhaupt neigte die Spe­kulation heute eher zur Glatt st e 11 u n g von Daisseengaaements. Kunstseideaktien ver­loren auf neue Betriebseinschränkungen bei Bem- berg bis zu 2 Prozent, und einige Clektropapiere sowie Reichsbankanteile büßten mehr als 1 Pro­zent ein. Demgegenüber setzten Mitteldeutsche Stahlwerte ihre Aufwärtsbewegung um 2 Pro­zent fort. Jrn Verlaufe wurde es bann, aus­gehend vom Montanmarkte, der schon an­fangs widerstandsfähig tendierte, allgemein freundlicher. Der endgültige Abschluß der Russenaufträge regte kräftig an, Gelsenkirchen ver­mochten um 1,50 Prozent anzuziehen. Als recht fest sind außerdem Gesfürel zu erwähnen, die zwei Prozent gewannen. Auch Farben zogen im Ver­laufe über den gestrigen Schluß an. Im übrigen waren die Veränderungen nicht sehr groß. Deutsche Anleihen erholt, Altbesitz wieder etwas schwächer,

Ausländer geschäftslos, Pfandbriefe allgemein nachgebend. Reichsschuldbuchforderungen blieben behauptet. Am Geldmarkt traten heute keine Ver­änderungen ein.

Banknoten.

Devi

cnmartt Berlin Frankfurt a. 2TL

4. April

5. April

Amtliche Notierung

Amtliche Notierung

Meld

1 »rief

Geld

Aries

Srlfingfotl .

7.243

7,257

7,293

7,387

Wien. . ,

49,95

50,05

49,95

50,05

Prag . . .

12,465

12,485

12.465

12,485

Budapest . .

56,94

57,06

56.94

57,06

Sofia . . .

3,057

3,063

3,057

3,063

Holland . .

170,28

170,62

170,28

170,62

OLlo . . .

83,12

83,28

83,12

83,28

Kopenhagen.

87,01

87,19

87,11

87,29

Stockholm

85,41

85,59

85,31

85,49

London. . .

15,83

15,87

15,85

15,89

Buenos Aires

1,068

1,072

1,068

1.072

Neunork

4,209

4,217

4,209

4,217

Brüsfcl. . .

58,84

58,96

58.84

58,96

Italien. . .

21,76

21,80

21,72

21,76

Paris . . .

16,57

16,61

16,57

16,61

Schweiz . .

81,82

81,98

81,67

81,83

Spanien . .

31,92

31,98

31,92

31,98

Dmizig. . .

82,47

82.61

82.47

82,63

Japan . . .

1,389

1,393

1.399

1,401

Rio de Ian..

0,256

0,251

0,256

0,258

Jugoslawien.

7,413

7,428

7,413

7,427

iiiilabon . .

14,39

14,47

14,39

14,41

Reichsbankdiskont 6 Proz. Lombardfah 7 Proz.

Berlin, 4 April

Geld

B?ks

Amerikanische Noten.......

4,20

4,22

Belgische Noten.........

58,68

58,92

Dänilchc Noten .........

86,83

87,17

Englische Noten.........

15.79

15,85

Französische Noten........

16,53

16,59

Holländische Noten........

169,91

170.59

Italienische Noten........

22,11

22,19

Norwegische Noten........

82,93

83.27

Dcutsch-Oeslerreich, 1 100 SchMing

Rumänische Noten........

2,49

2,51

Schwedische Noten........

85,23

85,57

Schweizer Noten. ........

81,64

81,96

Spanische Noten.........

31,99

32,11

Ungarische Noten ......

Effektenschiebungen.

Lin Frankfurter Bankier vorläufig verhaftet.

WSN. Frankfurt a. M., 4. April. Schon seit einiger Zeit ist die Finanz- und Zollfahndungsstelle hinter einer angeblichen Effektenschiebung nach dem Auslande her, bei der es sich um einen ansehnlichen Betrag handeln soll. Die Unter­suchung ist noch nicht abgeschlossen, so daß noch nichts Definitives über die Angelegenheit gesagt werden kann; immerhin hat sich aber der Verdacht inzwischen so verstärkt, daß heute auf Veranlassung des Landes­finanzamts in Kassel der Frankfurter Ban­kier Im Häuser in Haft genommen wor- den ist. Das Bankgeschäft selbst spielte in Frankfurt nur eine ganz untergeordnete Rolle, seit längerer Zeit war es auch von jeder Betätigung an der Börse ausgeschlossen. Uebrigens befindet sich die Firma Im- Häuser bereits sei geraumer Zeit in Liquidation.

Kirche und Schule.

Landkreis Gießen.

ch Oppenrod, 4. April. In unserer Gemeinde trat diesmal wieder der Fall ein, daß eine Konfir­mation überhaupt nicht stattzufinden brauchte da keine Konfirmanden vorhanden waren. Auch im vorigen Jahre mußte die Konfirmation ausgesetzt werden, ebenfalls weil keine Konfirmanden da waren.

§ B e u c r n, 4. April. Am Weißen Sonntag wurde durch Pfarrer Schmidt die Einsegnung der Konfirmanden vollzogen. Nur ein Knabe und zwei Mädchen wurden konfirmiert; es ist dies die niedrigste Konfirmandenzahl seit Menschengedenken. Die Feier wurde durch Chorvortrag des hiesigen .Kirchengesangvereins, von Musiker S ch o m b e r dirigiert, verschönt.

<5 Wirberg , 4. April. Die Konfirmation fand, wie alljährlich, auf dem Wirberg statt. Zwölf Kinder, fünf Knaben und sieben Mädchen, wurden konfirmiert. Auf dem Veitsberg fand keine Konfir­mation statt, da auf den Wunsch der Eltern die eine Konfirmandin auf dem Wirberg mitkonfirmiert wurde. Seit mehr als hundert Jahren ist dies das erstemal, daß auf dem Veitsberg keine Konfirmation stattgefunden hat.

+ Grünberg, 4. April. Am gestrigen Sonn­tag fand in der hiesigen Stadtkirche die Ein­segnung der Konfirmanden statt. Trotz­dem außer den Kindern von Grünberg und seinen Filialorten auch noch diejenigen der verwaisten Pfarrei Queckborn-Lauter mitkonfirmiert wurden, war die Zahl der Konfirmanden wohl die kleinste in langen Jahren; sie betrug nur 33. Auf die einzelnen Orte entfallen folgende Zahlen: Grün­berg 6 Knaben, 11 Mädchen; Lehnheim 2 Knaben, 2 Mädchen; Stangenrod 1 Knabe, 2 Mädchen; Lumda 3 Knaben, 2 Mädchen; Beltershain 1 Mädchen; Queckborn 1 Knabe, 1 Mädchen; Lauter 1 Knabe. Die Konfirmationshandlung wurde geleitet von Dekan Schmidt. Musik­verein und Männergesangverein wirkten bei der Feier mit.

Hochschulnachnchten.

Als Rachfolger von Professor Dr. H. Heirn- soeth wurde Professor Dr. Hans H e h s e in Breslau auf den Lehrstuhl der Philosophie an der Llniversität Königsberg berufen; Professor Heyse hat die Berufung angenommen.

Kunst und Wissenschaft.

Der Schauspieler haus Ivahmann f.

Der Berliner Schauspieler und Filmdarsteller Hans W a ß m a n n , der vor einigen Tagen einen Schlag­anfall erlitten hatte, ist in der Nacht zum Dienstag im Alter von 59 Jahren gestorben.

Geheimrat Professor Dr. Wilhelm Ostwald f.

Wie aus Leipzig gemeldet wird, ist Geheimrat Professor Dr. Wilhelm O st w a l d, der berühmte Begründer der energetischen Weltanschauung, in der Nacht zum Montag im 79. Lebensjahre g e st o r - den. Ostwald wurde am 2. September 1853 in Riga geboren; 1881 erhielt er eine Professur am dortigen Polytechnikum, von 1887 bis 1906 wirkte er als Professor der physikalischen Chemie in Leipzig, 1909 erhielt er den Nobelpreis für Chemie^ und seit 1911 war er Vorsitzender des Deutschen Monistenbundes. Einer der hervorragendsten Vertreter der physika­lischen-Chemie, faßte er die Grundbegriffe des Ma­terialismus, Kraft und Stoff, in dem einen' Begriff der Energie zusammen. Vom Standpunkt dieses energetischen Monismus" aus entwickelte er eine Ethik, die er auf denenergetischen Imperativ" grün­dete, sowie ein eigenes System der Kulturphilosophie. Das große Verdienst seiner späteren Zeit waren die Arbeiten zu einer Farbenlehre, welche nach ihm be­nannt wird. Von seinen zahlreichen Arbeiten nennen wir:Lehrbuch der allgemeinen Chemie",Grundriß

der allgemeinen Chemie",Elektrochemie",Ener­getische Grundlagen der Kulturwissenschaft",Die Phi­losophie der Werte",Harmonie der Farben",Die Farbenlehre" undDie Harmonie der Formen".

Bücheriisch.

Willi Drost: Goethe als Zeichner. Ein Beitrag zum Bilde seiner Persönlichkeit. 68 Seiten mit 34 Abbildungen. Preis 1,80 Mark. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion m.b.H.» Potsdam. (59.) In der großen Fülle der Goethe-Iubiläumsliteratur stellt die kleine Schrift des Danziger Kunsthistorikers Dr. Willi Drost eine interessante Arbeit dar, die auch dem Kenner viel Anregung vermittelt und z. T. wenig bekanntes Material beibringt. Der Verfasser kennt sich aus im Lebenswerk Goethes; der Zusammenklang des Lite­raturkundigen und des klar sehenden und wertenden Kunsthistorikers schafft die wohl begründete Basis für neue Erkenntnis und neues Wissen um Goethe, den Zeichner. Von den realistischen Landschaften des Knaben, aus der Tradition des Barocks führt eine von Drost klar bestimmte Entwicklungslinie zu den Zeichnungen der Italienzeit und den lichtdurch­fluteten Landschaften der reifen Mannesjahre. Dabei ist es vielleicht der größte Vorzug Drosts, daß er nicht versucht einseitig die zeichnerische Haltung und Bedeutung Goethes zu überspitzen. Aber wie Goethes Stellung im .zeitgenössischen Kunstschaffen festgelegt wird, ist überzeugend, neu und wertvoll. Ohne die Bilder bis ins Kleinste zu analysieren, weiß Drost mit wenigen Worten das kunstwissen­schaftlich Bedeutende herauszustellen, darüber hin­aus aber in stilistisch gut ausgewogener, angenehm konzentrierter Darstellung zu schildern, wie auch Goethes Zeichnungen alsBruchstücke einer großen Konfession" aufzufassen sind. Das handliche Bändchen ist sorgfältig ausgestattet und gut gedruckt.

Aus oder Welt

Deutsche Auslandguthaben für den Reiseverkehr.

Rach Informationen derTU." bereitet die Reichsregierung eine Vorlage vor, nach der d i e im Ausland fest gefrorenen deut­schen Guthaben in der Weise Verwendung finden sollen,' daß Reisende in die Länder, in denen sich deutsche Guthaben befinden, diese den deutschen Guthaben-Inhabern a b k a u f e n und sie in dem betreffenden Aus­land verwenden können, in dem ihnen ent­sprechende Schecks zur Verfügung gestellt werden. Einzelheiten liegen noch nicht vor. Man denkt jedoch daran, dieReisebureausalsDer- mittler zwischen den Guthabenbesitzern und Reisenden einzuspannen. Durch ein solches Ver­fahren wird der Reiseverkehr dorthin gelenkt, wo Deutschland festgefrorene Guthaben besitzt und es ergibt sich eine»gewisse Einsparung an deutschen Devisen. Wie verlautet, soll Oesterreich bereits den Vorschlag ange­nommen haben. Die anderen in Frage kom­menden Länder sollen aufgefordert werden, sich an dem Verfahren zu beteiligen.

Auf eigenartige Weise ums Leben gekommen.

Der 28jährige Arbeiter Dingelbein aus Wies­baden-Dotzheim ist auf her Steinmühle auf tragische Weise ums Leben gekommen. Als Dingel- dein entgegen den Vorschriften in den Schacht eines Exhaustors hineinschaute, wurde er von dem Luftzug erfaßt und so heftig gegen die Decke geschleudert, daß er an den erlittenen schweren Kopf­verletzungen auf dem Transport nach dem Kranken- haus gestorben ist.

Ein Riefen Lenin-Denkmal im Leningrader Hafen.

Rach dem Muster des Freiheits-StandbildeS im Hafen von Reuyork will die Sowjetregierung im Leningrader Hasen ein Riesen-Lenin°Denk- mal errichten. Eine Meldung sagt, daß ein internationaler Künstlerwettbe- w e r b zu diesem Zweck ausgeschrieben werden soll. Der leitende Gedanke soll die Verkör­perung des Marxismus und der pro­letarischen Revolution in Lenin als den Besieger des Kapitalismus sein. Die Höhe des Denkmals soll 110 Meter betragen. Zu seinem Dau sind von der Sowjetregierung sechs Mil­lionen Rubel zur Verfügung gestellt werden. Das Recht zur Beteiligung am Wettbewerb haben sowohl Organisationen als auch Privatpersonen. Für den besten Entwurf wird ein Preis von 10 000 Rubel ausgesetzt.

Wettervoraussage.

Die Störung über dem Kanal hat sich aufgeteilt, ein Kem ist nach Süddeutschland und der Schweiz weitergezogen, der andere bewegt sich über Däne­mark und Südschweden fort. Außerdem hat sich das neue Tief über Island nach dem Nordmeer vor­geschoben. In dem Wechselspiel von Luftmassen ver­schiedener Herkunft und verschiedener Temperaturen entsteht vorerst etwas veränderliches Wetter, wobei mit dem gelegentlichen Auftreten von leichteren Nie­derschlägen zu rechnen ist. Dabei gehen die Tem­peraturen im allgemeinen zurück. Obwohl vom At­lantik her hoher Druck nach den britischen Inseln vorgreift, läßt sich seine spätere Wetterwirksamkeit gegenwärtig noch nicht übersehen.

Aussichten für Mittwoch : Kühleres, wech­selnd wolkiges Wetter mit Aufheiterung, zeitweise etwas Regen.

Aussichten für Donnerstag: Teils wolkig, teils aufheiternd, im ganzen trocken, für die Jahreszeit zu kühl.

Lufttemperaturen am 4. April: mittags 15,7 Grad Celsius, abends 9,3 Grad; am 5. April: morgens 7,4 Grad. Maximum 17 Grad Minimum 7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. April: abends 10,4 Grad; am 5. April: morgens 7,8 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 554 Stunden.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.

(Schluß des redaktionellen Teils.)

Gegen Kopfschmerzen, Rheuma, Nerven» und Muskelschmerzen bringt die Firma H. O. Albert Weber, Magdeburg, Herbin-Stodin-Tabletten in den Handel, welche die Eigenschaft haben, die Ursache der Schmerzen direkt zu beseitigen.

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