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dieselbe Person stellt sich als Wahlfälschung dar, die nach § 10 StGB, mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft wird. Daneben kann auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt wer­den.

Voranschlagsberaiung des Gießener Kreistages.

DerKreistagdesKreisesGießen wird am kommenden Samstag, 9. April, 14 Uhr, im Sitzungssaals des Regierungsgebäudes in Gießen in einer öffentlichen Sitzung zufammentreten. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte:

1 Dienstemweisung von Kreistagsmitgliedern.

2. Prüfung und Begutachtung der Rechnung der Kreiskasse und des Verwaltungsberichts des Kreis- ausschufses für 1930.

3. Feststellung des Voranschlags des Kreises Gießen für 1932 und in Verbindung damit Beschlußfassung über die Ausschlagssätze für die Kreisumlagen und die Kreis-Sondergebäudesteuer für 1932 Rj.

4. Erhebung einer Kreis-Hundesteuer 1932.

5. Verschiedenes.

Außerordentliche Mitgliederversammlung der AGOAp.

Die NSDAP., Ortsgruppe Gießen, hielt am Samstag wie uns berichtet wird eine außerordentliche Mitgliederversammlung im voll­besetzten Saale des Cafä Leib ab. Dr. Hardt be­grüßte die Versammlung, stellte ein stetes Wachsen des Mitgliederbestandes in der Stadt Gießen fest und sprach seine Befriedigung über den regen Be­such der Mitgliederversammlung aus.

Sodann sprach Dr. Blank in längeren Aus- führungen über die Lehren aus dem ersten Wahl­gang zur Reichspräsidentenwahl. Er stellte fest, daß das Wahlergebnis vom 13. März 1932 bewiesen habe, hinter wem das nationale Deutschland stehe. Die NSDAP, habe seit September 1930 sich in ihren Wählermossen nahezu verdoppelt, und die Be­wegung könne auf diesen nidjt wegzuleugnenden Erfolg zusammen mit ihrem Führer stolz fein. Sie sei aber weit davon entfernt, auf ihren Lorbeeren auszuruhen, vielmehr sei der Kampf für das deutsche Volk und dessen Zukunft schon am 14. März 1932 getreu dem Vorbild des Führers fortgesetzt worden. Der nationalsozialistischen Bewegung und deren Führer fei zwar die Rundfunk-Propaganda unmög- lich gemacht worden, während der Kandidat von beinahe 16 Parteien und Verbänden, sowie auch der vornehmste Vertreter dieser Parteien über dieses beste Werbemittel verfügen konnten. Der Kampf der sogenannten Hindenburgsront sei entgegen der voran­gegangenen Ankündigung ost weit entfernt von der Ritterlichkeit gewesen, während die nationalsozia­listische Bewegung gemäß der Anordnung ihres obersten Führers stets die Ehrfurcht vor der Person Hindenburgs betont hätte. Noch nie seien so viele Unwahrheiten und Entstellungen in Wort und Schrift über die Ziele der nationalsozialistischen Be­wegung verbreitet worden. Es sei nicht wahr, daß die Nationalsozialisten den Bürgerkrieg anstrebten, vielmehr bürge Hitler dafür, daß in dem neuen Deutschland niemals Bürgerkriegstimmung entstehen könne, weil der neue Staat als feine wichtigste Grundlage die soziale Gerechtigkeit betrachte. Ebenso unsinnig sei das Gerede von Inflation, Arbeiter­entrechtung, Beamtenentrechtung, Beseitigung ober Kürzung der Sozialrenten und Pensionen, sowie der Entfernung der Frauen aus den Berufen und Be­trieben. Zum Schluß feuerte Dr. Blank die Mit­glieder der Partei an, alles zu tun, was in ihren Kräften stehe und dem Beispiel des Führers folgend alle verfügbare Zeit in den Dienst der Bewegung und damit des deutschen Volkes zu stellen. Der 10. April 1932 fft ein weiterer Markstein auf dem Wege zum Siege und besonders der stimmende Akkord für den 24. April, der Preußens Schicksal in neue Wege leite.

Nach Dr. Blank sprach Dr Hardt über den Weg, den die Propaganda zu gehen habe. Er wies vor allem darauf hin, daß die Propaganda von Mund zu Munh die Propagandaart sei, die noch nicht genügend angewandt worden wäre. Zum Schluß sprach Barthelomäus zusammenfassend einige begeisternde Worte, die die absolute Zuversicht für den kommenden Sieg der nationalsozialistischen Idee in unserem deutschen Vaterland zum Ausdruck brachten.

Ein Abiiurienien-Zubiläum nach 50Zahren in Gießen.

Man berichtet uns: Am 20. März d. 3. waren zur Feier ihres 50jährigen Abiturien- ten-3ubiläums in Gießen zusammen- gekommcn: Oberstudiendirektor i. *2L Prof. Fr. Henk - Gonsenheim, zuletzt Direktor des Real­gymnasiums in Gießen; Sanitätsrat Dr. K. Heß, Kurarzt und leitenoer Arzt des Elisabeth-Hauses in Bad-Nauheim; Sanitätsrat Dr. A. Koch, ärztlicher Direktor der Heilanstalten vom Roten Kreuz in Hohenlychen, Kreis Templin; Ober­studienrat i. R. Prof. Fr. Schmitt-Mainz; Präsident i. R. der Oberrechnungskammer und des Derwaltungsgerichtshofes K. S ü f f e r t, Darmstadt; Forstmeister i.R. R. Wigand- Marburg; Sanitätsrat Dr. O. Wigand- Fron­hausen; aus alter Anhänglichkeit feierte Sani­tätsrat Dr. Fr. Schliephake -Gießen mit. Durch Krankheit entschuldigt fehlte Professor Dr. med. W. von Grolman - Wiesbaden, unentschuldigt fehlte Privatlehrer L. Flett- Kolonie Eden bei Oranienburg. Verstorben waren schon vor der ersten Zusammenkunft, die vor zehn Jahren stattgefunden hatte, Dr. med. O. C m - me rich , Sanatoriumsbesitzer in Baden-Baden, Dr. R. Kräuter, praktischer Arzt in Nidda, Landgerichtsrat Dr. H. Marx- Mainz und Oberlandesgerichtsrat L. W e l ck e r - Naumburg.

Nach einem Bummel durch die Stadt, bei dem natürlich auch dasalte Pennal" am Brandplatz, in dessen Sexta die Mehrzahl der Besucher Ostern 1873 eingetreten war, nicht vergessen wurde, wurde man in liebenswürdigster Weise im neuen Gymnasium, aus dessen Oberprima man am Ge­burtstag des alten Kaisers Wilhelm am 22. März 1882 mit dem Zeugnis der Reife undden besten Wünschen für die fernere Zukunft" entlassen wor­den war, von dem jetzigen Direktor, Herrn Ober­studiendirektor A l t e n d o r f empfangen und ge­führt; er hatte es sich nicht nehmen lassen, die Akten aus dem letzten Schuljahr der Besucher hervorzusuchen und vorzulegen, wofür ihm herz­lichst gedankt sei. Welche Fülle von Erinnerungen knüpfte sich an so manchen Schulraum! Zum Schluß verweilte man noch vor dem in der Aula angebrachten Marmor-Relief des trotz seiner Strenge von allen hochverehrten damaligen Di­rektors, des Geheimen Oberschulrates Prof. Dr. Hermann Schiller, und man schied dann auS dem Haus, das so viel für das Leben der jetzigen Gäste mitgegeben hat;non scholae, sed vitae discimusr

Zum 300Zahreslag der Schlacht amiech.

Feldmarschall Graf Tilly König G u ft a d Adolf von Schweden.

Zeitgenössische Darstellung der Schlacht am Lech (5. Avril 1632), in der Gustav Adolf den Kaiserlichen unter Tilly eine entscheidende Niederlage beibrachte. Tilly selbst wurde schwer verwundet und starb auf der Flucht am 30. April 1632.

Das Gustav-Adolf-Zahr -1932.

Don (Selma Lagerlöf.

Es mag wenig ratsam erscheinen, schon jetzt, während der ersten Monate etwas über das Jahr 1932 vorauszusagen. Einer Sache aber kann man sicher sein, nämlich daß es ein G u st a v - A d o l f- 3 a h r werden wird, denn seit des großen Königs Tod sind 300 3ahre verflossen. Während des ganzen 3ahres werden seinetwegen also Trauer­feiern stottfinden, man wird sein Leben und Wirken erörtern, Verse werden gedichtet und Hymnen gesungen werden. Es wird gepredigt, geredet und geschrieben werden, alles zu seinen Ehren, alte Kindheitsgeschichten werden wieder wachgerufen: wir werden im Gefolge von Helden in Koller und Spitzenkragen durch Deutschland ziehen, über Lützens Schlachtfeld wird wieder das blutbcspritzte Pferd mit dem leeren Sattel spren­gen, und die Dankbarkeit geretteter Protestanten wird unsere Herzen erwärmen.

All dies können wir erwarten; aber wie cs auch werden mag. so bedrückt es uns doch ein wenig. Nicht etwa, weil wir Gustav Adolf nicht liebten und seine Taten nicht bewunderten, sondern weil wir fürchten, den rechten Enthusias­mus dennoch nicht aufbringen zu können.

Vielleicht sind es nur wir Aelteren, die so fühlen, vielleicht sogar nur die von uns, die das Gustav-Adolf-3ahr 1894, die Dreihundert­jahrfeier der Geburt des großen Königs, mit­erlebten. Damals war ich zu Beginn des 3ahres erfüllt von Begeisterung und Verehrung, aber nach allem Feiern und Preisen, nach allen Gottes­diensten und Theatervorstellungen jenes 3ahres fühlte ich mich seltsam müde und lau, arm und leer geworden. Seitdem scheint es mir, als sei es nicht recht, unsere großen Männer auf so mechanische Weise zu feiern, nur weil eine ge­wisse Anzahl von 3ahren seit ihrer Geburt ober ihrem Tod verflossen ist. Was nützte es damals, im 3ahre 1894. den Helden, der in einer Zeit größter Not wie ein gottgesandter Retter erschien, zu feiern? Wir lebten ja ruhig, zufrieden, ge­sichert. Wir konnten nicht nachempfinden, wie Menschen, die sowohl vor geistigem wie körper­lichem Zusammenbruch standen, gefürchtet und ge­litten hatten. Wir konnten uns nicht vorstellen, wie wunderbar cs gewesen sein muhte, als der Befreier kam, konnten uns nicht vorstellen, daß ein schwedischer König den Glanz eines vom Him­mel Gesandten erhielt, daß die Geretteten ihn von einem Glorienschein umgeben schauten, seine Hände küßten und zu Seiten seines WegeS niederknieten.

Doch jetzt, im 3ahre 1932? Mir scheint, dies­mal ist alles anders. 3ch glaube, dies ist ein 3ahr. in dem die Menschheit in Ratlosigkeit und Verzweiflung nach einem Trostesschimmer sucht, ein 3ahr. in dem die Menschen ohne äleberdruß und Übersättigung wieder willig sind, den schönen alten Geschichten zu lauschen: vom Hei­land, der sich mitten im tiefsten Elend offenbarte, vom Licht, das für alle leuchtete, die in tiefer

Finsternis wanderten. 3cht ist es wieder Zeit von 3sais Sohn zu erzählen, der die 3sraeliten aus der Gewalt der Philister errettet, vom Bauernmädchen aus Domremy, das die Fran­zosen wieder zu Herren im eigenen Lande machte, von Gustav Adolf, dem Echwedenkönig, der Deutschlands Protestanten vom würgenden Griff des Kaisers und der Liga befreite.

Was kann nnh. ke und Hoffnung verleihen, als die Erscheinungen solcher wundersamen Men­schen? Meist sind sie aus geringem Stande, in großer Armut aufgewachsen; einzig der eigene Genius und das eigene brennende Herz gibt ihnen die Kraft zu ihrem Tun. Don geringer Herkunft war der Schwedenkönig allerdings nicht, aber wie machtlos und ungefährlich muhte ein Herrscher über eineinhalb Millionen Menschen im armen Norden all den mächtigen Feinden erscheinen, mit denen er es aufzunehmen sich unterfing.

Machtlos und ungefährlich, gewih. und doch auf besondere Weise erwählt und vorbereitet für sein Befreiungswerk. Da war 'das Gedenken an seinen Großvater, der auch ein Befreier gewesen war und der sich dies zu seiner höchsten Ehre rechnete. Da war die strenge Zucht, die Ge­wöhnung an ernste Arbeit, die er von seinem Vater gelernt, da war das ganze herrliche Väter­erbe an durchdringendem Geist, an Feldherrn- begabung, an Herrschernatur, an glänzenden ge­sellschaftlichen Gaben, an körperlicher Kraft und Schönheit. Da war der Mut, die Lust, große Taten zu wagen, der Glaube an die eigene Kraft, Mitleid mit den Unterdrückten und der brennende Wunsch, Gottes Willen zu tun. Da war auch der grohe Staatsmann, der ihm zur Seite stand und die klugen Heerführer. Da war sein Volk, dem die Abenteurerlust im alten Wikingerblut pochte. Da waren die harten Unglücksjahre zu Beginn seiner Regierung, die ihm Lebenserfahrung, Aus­dauer, Stärke und Weisheit gaben. Da war endlich der Erfolg, der ihn demütig, mild und verträglich machte.

3e mehr man schaut und forscht und sieht, wie alles für ein grohes Ziel zurechtgelegt war, desto mehr kann man seine Zeitgenossen verstehen, die in ihm nicht einen gewöhnlichen Menschen, sondern einen von jenen sahen, die mit Gottes besonderer Gnade ausgerüstet und berufen sind, fein Werk zu tun.

ilnö für uns Heutige? Für uns. die wir inmitten der Angst und Not der Gegenwart stehen? Was immer unser Glaube fein mag, so verleiht cs uns Zuversicht und Trost, zu wissen, daß es Menschen wie unseren großen König gegeben hat, und daß solche Menschen noch heute kommen können. Das entfacht unser Hoffon, das gibt uns Kraft auszuhalten. 3mmer find den Menschen Retter erschienen. Sie sind früher gekommen und fie werden, sie müssen auch in unserer Zeit kommen.

Es sand dann, wie auch vor 10 3ahren, ein Ausflug nach dem Schiffenberg statt, der die ehemaligen Schüler während der Pennälerzeit so manches liebe Mal zu nicht immer ganz er­laubtem fröhlichem Tun versammelt gesehen hatte; noch ein Stündchen im Cafe Schwarz am Bahnhof und man trennte sich mit dem Gelöb­nis. von jetzt an alle 3ahre Husammenzukommen, um die schönen Kindheits- und 3ugenderinnerun- gen weiterhin zu pflegen. Dr. K.

Vornottzen

TageskalenderfürDienstag. Stadt- theater:Morgen geht's uns gut", 20 bis 22.30 Uhr. NSDAP.: 20.30 Uhr, Cafe Leib, öffentliche Kund­gebung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Tabu".

Aus dem Stadttheaterdureau

wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, erste Wie­derholung des OperettensensationserfolgesMor­gen geht's uns gut. Hans Müller schrieb den Text nach Motiven einer alten Wiener Posse, die ihre Zugkraft auch in dieser neuen Fassung bewährt. Ralph Benatzky komponierte die Musik. Die Gießener Ausführung wird getragen von Heinrich Hub als Spielleiter und Haupt­darsteller, wirksam unterstützt von seiner Part­nerin Eva Herms als Gast. Die musikalische Leitung bat Walter Moehl, die gesamte tän­zerische Leitung Ewald D ä u l k e, dessen Tanz­gruppe die Girls angeboren. 3m Rahmen der Vorstellung, bei der Publikum, Kapelle, Theater- personal, ja sogar die Kulissen selber in die Handlung eingreifen, findet eine Frühjahrsmoden- schau statt» Innerhalb der Modenschau führt die

Tanzgruppe D ä u l k e Modetänze vor; Ewald und Anni Däulke bringen ein Tanz-Solo. Ein reichhaltiger und vergnüglicher Abend! 25. Vor­stellung im Dienstag-Abonnement zu Operetten­preisen. Ende nach 22.30 Uhr. Morgen, Mitt­woch, 20 Uhr, zum letztenmalCandida", daS Kammerspiel von Bernard Shaw unter der Spiel­leitung von Peter Fassott. 3n den Hauptrollen Frau Maria Koch, Peter Fassott und Karl Druck.

Gietzener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 5. April. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130 Pf.. Landbutter 120, Kochbutter 90, Matte 25 bis 30, Wirsing (gelb) 15 bis 20 (pro Ztr. 12 bis 15 Mk.), Wirsing (grün) 25 (pro Zentner 20 bis 22 Mk.). Weißkraut 10 (pro Zentner 6 bis 6,50 Mk.), Rotkraut 12 bis 15 (pro Zentner 8 bis 9 Mk.), Kartoffeln 4,5 (pro Zentner 3,80 bis 4 Mk.), gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 25 bis 30, Unterkohlrabi 5 bis 6, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 25 bis 30, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 20 bis 22, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Feldsalat 100, Aepfel 8 bis 15. Nüsse 35 bis 40, Dörrobst 25 bis 30, junge Hähne 80 bis 90, Honig 40 bis 45. Suppenhühner 70 bis 80 Pfennig pro Pfund; Tauben 60 bis 70, Eiev 7, Blumenkohl 30 bis 70, Endivien 15 bis 30, Salat 25 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 40, Käse 5 bis 10 Pf. pro Stück; Radieschen 15 bis 20 Pfennig pro Bund.

** Die Stimmergebnisse im ersten Wahlgang der Reichspräsidenten- w a h l werden in einem soeben vom Landesstatisti­schen Amt herausgegebenen Heft in interessanter Bearbeitung geschildert. Zwei anschauliche Kar­ten stellen die Verteilung derjenigen Gemeinden dar, in denen die Anhänger von Hindenburg bzw. H i t l e r die Mehrheit der gültigen Stimmen erhielten. Don den 942 Wahlgemeinden Hessens hatten nämlich 490 eine absolute Mehrheit für Hitler und 284 eine solche für von Hinden­burg. Während es sich bei den Gemeinden mit Hitler-Mehrheit meist um solche unter 1000 Ein­wohner in agrarischen Bezirken handelt, sind die Gemeinden mit Hindenburg-Mehrheit hauptsäch­lich größere Landgemeinden in Bezirken mit in­dustriell tätiger Bevölkerung und vor allem auch die kleineren, mittleren und größeren Städte. Dis ausführliche Darlegung der gemeindeweisen Er­gebnisse ermöglicht es in Verbindung mit der kürzlich erschienenen Drucksache über die Landtags­wählen, die in der Zwischenzeit eingetretenen Ver­schiebungen in der innerpolitischen Kräftegruppie­rung von Gemeinde zu Gemeinde an Haiü> objek­tiver Unterlagen zu untersuchen.

** Die steuerliche Bedeutung des Besserungsscheines. Wir lesen in den von dem Wirtschaftsprüfer und Bücherrevisor Herrn. Will zu Gießen herausgegebenenAktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Nr. ij folgendes: 3m Urteil vom 23. 3uli 1931 III A 997/30 seht sich der Reichsfinanzhof mit der steuerlichen Bedeutung der sog. Desserungsscheine, die viel­fach bei Abschluß eines Vergleichs ausgestellt werden, auseinander. Ein, Steuerpflichtiger hatte bei der Einheitsbewertung geltend gemacht, daß die durch diesen Besserungsschein den Gläubigern in Aussicht gestellten Zahlungen als Schulden von seinem Betriebsvermögen abgezogen werden müßten. Der RFH. hat jedoch diese Abzugssähig keit verneint, indem er sagt, daß der Eintritt der Zahlungsverpflichtuim aus dem Besserungsschein die Gläubiger sollten erst in drei Fahren bei Besserung der allgemeinen Lage des Schuldners eine weitere Zahlung erhalten an dem für die Einheitsbewertung in Frage kommenden Stichtage noch vollkommen ungewiß gewesen sei. Aus die­sem Grunde hat er einen Abzug der Schulden aus dem Besserungsschein nicht zugelassen.

** Wärmstube geschlossen. Nachdem nunmehr die Frühlingswitterung die Wärmestu e überflüssig gemacht hat, konnte diese wohltätige Einrichtung der hiesigen Freiwilligen Sanitäts­kolonne vom Roten Kreuz wieder geschlossen wer­den. 3n der Zeit vom 11. Dezember 1931 bis 31. März 1932 war die Wärmestube von 4342 Personen besucht. Die außerordentlich große An­zahl der Besucher kennzeichnet am beften, wie sehr die Sanitätskolonne mit der Schaffung der Wärmestube einem lebhaften Bedürfnis entgegen­gekommen ist.

** Militärkonzert im Cas6 Leib. Die Militärkonzerte des Musikkorps unseres Dätail- lons, die von Zeit zu Zeit unter der Leitung von Obermusikmeister K r a u ß e veranstaltet wer­den, erfreuen sich einer ständig wachsenden Be­liebtheit. Nachdem das Orchester unter der Lei­tung seines Dirigenten vor kurzem nachwies, daß es auch der ernstesten Form musikalischer 3nterpretation, der symphonischen Musik, ge­wachsen ist, hörte man am Sonntagabend im Casö Leib wieder eine Auslese aus der Fülle der guten Unterhaltungsmusik. Es war sorg­fältigste Auswahl getroffen, und das Programm wies Namen von bestem Klang auf. Beethoven (Ouvertüre zuGgmont") und Wagner (Pilger­chor und Lied an den Abendstern) waren ver­treten und fanden verständnisvolle Wiedergabe. Von Grieg hörte man die bekannte2. Peer- Gynt-Suite", in der besonders wiederSoweigs Lied" gefiel und die Zuhörer zu lebhaftem Bei­fall veranlaßte, der für die Kapelle die Aufforde­rung zur gern gegebenen Wiederholung be­deutete. Lorhings Ouvertüre zuUndine", die man nicht allzu häufig hört, wurde freundlich ausgenommen. 3n einer Komposition von Deriot hatte Korpsführer W a n i t z e k wieder Gelegen­heit, die universelle Beherrschung seiner Violine darzutun. Eine Fantasie zu Verdis OperAida"; die Ouvertüre zuEin Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien" und ein flotter Walzer von Blon brachten viel Stimmung in das Haus. Zwei Stücke für Streichinstrumente, vor allem die Mandolinen-Polka (Komposition für origi­nelle Imitation der Mandoline), lösten viel Bei­fall aus und das Orchester mußte sich auch hier !u einer Wiederholung bequemen. Ein reizvolles Zotpourri bekannter Leharscher Opcretten-Melo- ien beschloß den genußreichen Abend.

**Drachengold und Opium" betitelte sich der Film, der am Sonntag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße gezeigt wurde. Der Filmstreifen führte in die Mandschurei, hatte dabei aber nicht (die vielleicht von manchem erwartete) aktuelle Bedeutung, sondern war mehr als wissenschaft­liches Forschungsergebnis zu betrachten, neben dem nur ganz flüchtig politische Gedanken ge­streift wurden. Die Zuschauer begleiteten den Dresdner Asienforschcr Dr.Walther Stützner auf seiner Reise in die Nordmandschurei, auf einer Reise, die insbesondere der Erforschung bet