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hon, damit aus Preußen Deutschland werden konnte. Von diesem Boden aus begann zum erstenmal der Versuch, den Staat zum Diener des Volkes und den Bürger zum Diener des Staates zu machen. Hier ist das erwachsen, was dem deut­schen Volk durch zwei Jahrhunderte fast ein ruhmvolles Symbol war: Das unbesiegte deutsche Heer und schließlich ist auf diesem harten Boden der Blut und die Zähigkeit geboren worden, in einer Sache, an die man glaubt, dem Schicksal die Stirn zu bieten. Ich habe mit sieben Mann den Mut gefaßt, gegen das heutige System mich zu empören und werde nicht jetzt, wo ich clfeinhalb Millionen hinter mir habe, plötzlich verzagen. Ich werde heute und. wenn nötig, auch in zehn Jahren kämpfen, bis der Gegner am Boden liegt. Richtigstellungen der RSDAp.

Berlin, 4. April. (111.) Die Reichsleitung der NSDAP, veröffentlicht eine längere Erklä­rung, die sich mit den in den letzten tragen von Gegnern der NSDAP. ausgestellten Behauptungen befaßt. In der Erklärung wird zuerst behauptet, daß die Gegner der NSDAP, insoweit eine Arbeits­teilung vorgenommen hätten, als der offiziöse Sahin- Ausschuß den Biedermann spiele und die Verant­wortung für ungeheuerliche Verleumdungen Adolf Hitlers ablehnc (erinnert wird an den Fall des in Ostpreußen verbreiteten Propagandablattes, in dem Hitler Verrat an O st p r c u ß c n vorgeworfen wurde), während die anderen Teile der Gegner der NSDAP, ungeniert verleumdeten.

Die Erklärung wendet sich dann im einzelnen zu­nächst gegen die von derWelt am Montag" ver- öffentlichte gefälschte Rechnung desHo­tel Kaiserhof" (die Direktion des Kaiserhofcs hatte bereits von sich aus die von dem Blatt in Faksimile gebrachte Rechnung für gefälscht er­klärt). Weiter wird es als eine Lüge be^ichnet, daß die NSDAP, mit dem Hause Hohenzol- lern ein Geheimabkommen geschlossen und von dieser Seite finanzielle Unter­stützungen erhalten habe. Wahr sei, daß f ei­nerlei Verhandlungen weder in den letzten Wochen noch früher mit dem Hause Doorn oder auch mit einer oder mehreren Mittelspersonen des Hauses Hohenzollern und der NSDAP, oder deren Beauftragten stattfanden.

In Süd- und Westdeutschland mache man die Nationalsozialisten zu einereinseitig überpreußi- schen", im preußischen Norden zu einerunpreußi- fchen süddeutschen föderalistischen" Organisation. In Unternehmer- und Haus- und Grundbesitzerkrcisen hetze man gegen sie alsa n a r ch i st i s ch - b o l - schewistische M i e t e r p a r t e i", in unbemit­telten, durch die Poungnot ausgesaugten Volksschich­ten verbreitet man die Lüge,Hitler ist der be- zahlte Mann des Groß- und Schwer- kapital s".

In einer weiteren Erklärung wendet sich die NSDAP, gegen mehrere Broschüren, die das maß­gebende Mitglied des Reichsbanners und der SPD., Dr. Helmuth Klotz, herausgegeben habe und die in großen Mengen unentgeltlich als Drucksache ver­schickt würden. Der Inhalt dieser Schriftenstrotze von Lügen, Verleumdungen, Verdächtigungen und Der-rehungen".

Dorsch tritt erneut für Hindenburg ein.

Was ist unter Hindenburgs Präsidentschaft für die Landwirtschaft geschehen?

Der Landtagsabgeordnete Dorsch-Wöl­fersheim wendet sich mit folgender Erklärung an seine Berufsgenosfen:

Der Bundesvorstand des Reichs­landbundes hat die Bauern aufgefordert, Hitler gegen Hindenburg zu wählen. Wie verträgt sich das mit der parteipoliti­schen Neutralität des Reichslandbundes, die er im Munde führt, aber nie hält? Wer gibt der Leitung des Reichslandbundes mit ihrer kostspieligen Zentrale das Recht, gegen Hinden­burg, den Sieger von Tannenberg, anzugehen, unter dessen Präsidentschaft Großes für die Land­wirtschaft und besonders für den deut­schen Ost e n geschehen ist?

Wer gibt dem Vorstand des. Reichslandbundes das Recht, gegen Hindenburg zu kämpfen, ohne dessen Eingreifen im Weltkrieg Deutschland viel­leicht nur noch ein Begriff wäre? Warum gibt der Reichslandbund, der scheinbar nur auf der fetten Weide der Opposition bestehen und leben kann, nicht der Wahrheit die Ehre und sagt, was Hindenburg, Brüning, Schiele und Schlange für die Landwirtschaft getan haben?

Wir haben Getreidezölle in einer Höhe, bah heute Roggen und Weizen in Deutschland im P r e i s e stehen, vermehr als doppelt so hoch ist wie derWelt- Marktpreis für Getreide. Warum sagt der Reichslandbund den Bauern nicht, daß unter dem System Brüning-Schiele-Schlange Zölle auf ein geführtes Vieh und Fleisch einge- führt wurden, die es verhindert haben, daß die Schweine- und Viehpreise nicht noch mehr zurück- gegangen sind, wie es jetzt der Fall ist. Kostet doch z. B. der Zentner Schweinefleisch in unserem Nachbarland Dänemark 20 Mark, während bei uns der Preis für Schweinefleisch etwa 40 Mark pro Zentner beträgt.

-Unter dem jetzigen System wurde der B u 11 e r - -oll Gesetz. Der Zoll fiel leider bei der letzten Reichstagssitzung, weil die Oppositions­parteien ausrückten.

Unter dem jetzigen System ist die Million Zent­ner Gefrierfleischeinfuhr verschwun­den und anderes mehr.

Unter dem jetzigen System sind d i e M i n d e st - sätz e aller R e i ch s st eue r n, Vermögens­steuer, Umsatzsteuer, Einkommensteuer so erhöht worden, daß 90 Prozent aller Land­wirte keineReichssteuernzahlen, son- dern nur Landes- und Gemeindesteuern.

Und das System Hindenburg-Drüning-Schiele- Schlange soll gestürzt werden und an seine Stelle soll das System des Köpferollens und der ein­seitigen Parteidiktatur gesetzt werden, ein System, dem sich freie deutsche Menschen nicht fü­gen werden. Darum, deutsche Dauern, steht am Wahltag zu Deutschlands Retter Hinden­burg.

Die Aolkskonservalive Ver­einigung impreußen-Wahlkampf

Berlin, 4. April. (ERB.) Die Bolkskonser- vative Vereinigung kann, wie es in einer partei­amtlichen Mitteilung heißt, bei dem bewegten Kampf gegen die zur Zeit herrschende Preußen- Koalition nur die Wahl von Persönlich - 1

feiten unterstützen und ihren Mitgliedern empfehlen, die ihr gesinnungs mäßig n a h e st e h e n. Die Volkskonservative Vereini­gung macht deshalb darauf aufmerksam, daß Graf Westarp in den Wahlkreisen Berlin und Potsdam 11 kandidieren und gleichzeitig die von Landvolk und Wirtschaftspartei gebildete gemeinsame LandeslisteNatio­nale Front deutscher Stände" führen wird.

Ferner kandidiert das Mitglied der Dolks- konservativen Bereinigung Pfarrer Dr. B e i d t, Frankfurt a. M., als Spitzenkandidat auf der Liste des Christlich-Sozialen Volks- dienstes im Wahlkreis Hessen-Nas» s a u sowie in den Wahlkreisen Köln-Aachen und Koblenz-Trier. Gleichzeitig führt Pfarrer Beidt die L a n d e s l i st e des Christlich- Sozialen Dolksdienstes.

Lin Vorschlag Dingeldeys zur Sammlung der Äechlen für den Wahlkampf in Preußen.

Berlin, 4. April. (CNB.) Der Führer der DVP. Dingeldey erläßt einenOffenen Brief" an den deutschnationalen Parteiführer Hugenberg, in dem es u. a. heißt:

Sie haben unterm 30. März eine öffentliche Aufforderung an d i e bürgerlichen Par­teien rechts vom Zentrum gerichtet, bei den kommenden preußischen Wahlen I h r eR e st- stimmen der Deutschnationalen Par­tei zuzufsihren für die Gegenleistung, auf der Landesliste der Deutschnationalen Par­tei einige Sitze zu erlangen, deren In­haber dann alsHospitanten verdeutsch- nationalen Fraktion beitreten sollen.

Ich will auf die begleitenden Bemerkungen, mit denen Sie Ihren Vorschlag begründet haben, im Interesse der Sache heute nicht mehr eingehen. Ich entnehme aber zu meiner Genugtuung der Tatsache Ihres Vorschlages, daß auch Sie entgegen der bisherigen Taktik erkannt haben, daß eine Zusammenfassung der natio­nalen Kräfte des V ü r g e rtums im Kampfe um Preußen und das Reich angesichts der drängenden Gefahren sozialistischer Bewegun­gen die Forderung des Tages ist.

Es geht ein starkes Sehnen durch das nationale Bürgertum in allen seinen Teilen, die großen staatspolitischen Gesichtspunkte in diesem Augenblick in den Vordergrund zu stellen. Dabei muh das historische Recht und die politische Grundanschauung aller an dieser Zusammenarbeit beteiligten Parteien ge­achtet werden. Zur Erreichung des Gesamtzieles aller bürgerlichen Kreise aber kann nicht die Rücksicht auf die eigenen Partei­interessen entscheidend sein, sondern die Tleberlegung: Welcher Weg kann unter Wah­rung völligerGleichberechtigung und unter Verzicht du f jedes verletzende Prestigebedürfnis die Erfassung aller nationalen bürgerlichen Stimmen sicher stellen?

Ich mache folgenden Vorschlag:

1. Die DNVP. und die DVP. erklären sich be­reit, an folgender Abmachung teilzunehmen:

Die in Betracht kommenden Parteien stellen in den Wahlkreisen eigene Listen auf. Die Wahlkreislisten werden in den Wahlkreisen untereinander verbunden, die Rest- stimmen gehen auf eine gemeinschaftliche preußische Landesliste.

2. Für die Aufstellung der gemeinschaftlichen

Landesliste kann unter Verzicht auf kleinliche Par­teivorteile fein anderer Ausgangspunft gesunden werden, als das Stärkeverhaltnis, wie es sich nach dem Ergebnis der Reichstagswahlen vom September 1 9 3 0 darstellt.

3. Für den Fall Ihres Einverständnisses, er- fläre ich mich bereit, sofort eine Zusammen­kunft der Führeraller inFragekom- menden bürgerlichen Gruppen einzu­berufen.

Meine Freunde würden sich für ein solches Zu­sammenwirken auf breiter Front unter Ver­zicht auf parteipolitische Geltungs- b e d ü r f n i f s e gern bereitstellen. Dagegen sind wir der Meinung, daß Wahlabmachungen auf anderer Grundlage, die nur einen Teil des na­tionalen Bürgertums erfassen, einen Erfolg in dem erstrebten Sinne nicht verbürgen können. Absage derOeuischnattonalen.

Berlin, 4. April. (TU.) Auf den Vorschlag Dingeldeys hat der deutschnationale Abgeordnete Schmidt, Hannover, in einem seiner persön­lichen Verantwortung entspringenden Schreiben geantwortet, da Dr. Hugenberg bereits nach Süd- deutschland abgereist ist. Schmidt (Hannover) weist darauf hin. daß die zwischen Zentrum und DNVP. stehenden Gruppen durch ihre in den letz­ten Jahren betriebene Politik nachweisbar so viel Widerspruch und Ablehnung selb st in eigenen Reihen erfahren hätten, daß die früheren Starkeverhältnisse nichtmehraismachtpolitisch erMah- st a b dienen könnten, und verzeichnet weiter, daß die DVP. das Angebot Hugenbergs partei­amtlich alsindiskutabel" ab gelehnt habe. Dieser schroffen Absage seien die Absagen der DVP. an die kleinen Gruppen der Mitte gefolgt. Herr Dingeldey habe seine neueste Einstellung zu einem Zeitpunkt befanntgegeben, der, wie er selbst wisse, es rein technisch unmöglich mache, die etwa in Betracht kommenden Gruppen für ernsthafte Verhandlungen zusammenzufassen.Un­ter diesen Umständen wird Ihr nach Ihrer bis­herigen Haltung überraschender Brief von vielen als ein Versuch auf gefaßt werden, sich in letzter Stunde der Verantwortung für die Ablehnung des deutschnativnalen Samm­lungsvorschlages zu entziehen. Es sei im übrigen anzunehmen, daß Dr. Hugenberg noch per­sönlich zu dem Brief Stellung nehmen werde.

Das Ergebnis des Tarbieu-Besnchs

Oie amtliche Mitteilung.

Keinebritrsch-französischeVorvcrständigung

1BIB. London, 4. April. (Realer.) Die Be­sprechungen mit den französischen Ministern wur­den den ganzen Tag über forlgeführt. Sie wurden nur durch ein Frühstück unterbrochen, das die briti­schen Minister Tardieu und Flandin in Downing Street gaben. Die französischen Gäste wurden emp­fangen von Macdonald, Sir John Simon, dem Schahkanzler Neville Chamberlain, Sir R. Vansittarl, Anterstaatssekretar im Mini­sterium des Aeußern und dem Finanzberaler der Regierung L e i t h - R o tz, der kürzlich eine Unter­suchung über die Lage Mittel- und Osteuropas an- gestellt hatte. Heber die Besprechung wurde folgen­des Communiquö veröffentlicht:

Bei den Erörterungen handelte es sich in bet Hauptsache um die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten, denen sich die Donau st aaten gegenübersehen. Die Minister der beiden Länder waren der Ansicht, daß die Probleme, die sie unter­suchten, nur durch eine allgemeine Heber- einkunst internationalen Charak­ters gelöst werden könnten, und daß zu diesem Zweck enge und herzliche Zusammen­arbeit zwischen den vier Mächten, die Mittwoch zusammenkreten, erforderlich sei. Angesichts des bevorstehenden Zusammentritts dieser Konferenz versuchten sie nicht, zu irgendwelchen Schlußfolgerungen zu kommen, sie sind jedoch überzeugt, daß dieser Meinungsaustausch die Arbeiten der Konferenz e r - leichtern wird. Die englische und die franzö­sische Regierung teilen die Hoffnung, daß es sich als möglich erweisen möge, eilige gemein­same Maßnahmen zu verabreden, die den legitimen Interessen der dritten Partei Rechnung fragen, die ferner eine wirtschaftliche 21 n - Näherung zwischen den Donau ff aaten ermöglichen und die fchlietzlich die Schaffung von Bedingungen erleichtern werden, die dazu angetan sind, das Gleichgewicht und die Stabi­lität dieses Teiles Europas wiederherzuflellen." Mcdonald fetzt große Hoffnung

auf die Viermächtelonferenz.

Tardieu wieder nach Paris zurückgekehrt.

London, 4. April. (WTB) Macdonald hat Pressevertretern erklärt, daß die Konferenz mit den französischen Ministern nicht eine Exekutiv­konferenz irgendwelcher Art gewesen sei. Die Besprechungen seien insofern von Wichtigkeit für die Diermächle-Konserenz gewesen, als über dem einen oder anderen sehr bedeutenden Punkt ein Meinungsaustausch ftattgefunben habe, ohne den die bevorstehende Konferenz vielleicht aufgehalten worden wäre. Wir sind entschlossen, bei der Vier- mächte-Konferenz unbedingt auf den Ab- schluß eines Abkommens hinzuarbei- t e n. Wir sind vollkommen überzeugt, daß eine Uebereinfunft möglich ist, die alle In­

teressen umfaßt. Ich hoffe, daß die Viermächte. Konferenz als das eine Große die Schaffung wirklichen Vertrauens zwischen den vier Mächten bringen wird, so daß wir in Ein­tracht und vom besten Willen beseelt, daran gehen können, ein Problem nach dem anderen in Angriff zu nehmen.

Ergänzend erfährt Reuter, daß der Premier­minister der Ansicht sei, die Lage in Europa dränge mit aller Macht zu einem Hebereinfommen und beide Regierungs­chefs seien gewillt, eine solche Uebereinfunft durch­zusehen. Reuter erklärt, jedermann sei überrascht gewesen, daß es gelang, schon in einem Sage alles zu erledigen. Man hoffe, diese neue Methode werde sich durchsetzen und weitere Kon­ferenzen solcher Art zwischen den anderen inter­essierten Mächten nach sich ziehen.

Tardieu erklärte nach seiner Rückkehr zum Hyde-Park-Hotel: Ich freue mich sehr, daß diese lange Unterredung objektiv und herzlich verlief. Ich kann sagen, daß ich niemals einen besseren Eindruck von dem Geist einer solchen Besprechung hatte als heute.

Tardieu nahm an einem inoffiziellen Diner im Hause des Luftsahrtministers Lord London- derrh teil. Im Anschluß daran hat er Lon­don wieder verlassen.

Befriedigung in Paris.

Die Londoner Besprechungen im Spiegel der französischen Presse.

Paris, 5. April. (WTB. Funkspruch.) Fast die gesamte Presse äußert sich befriedigt über den Verlaus der französisch-englischen Besprechungen in London. In einer Meldung der Agentur Havas aus London heißt es, beide Regierungen hätten sich über die für die finanziellen Schwierigkeiten der Donau­staaten in Frage kommenden Hilfsmittel geeinigt. Dieses Problem habe den einzigen Gegenstand der Beratungen gebildet. Irgendein fester Be­schluß sei wegen Abwesenheit der Vertreter von Deutschland und Italien nicht gefaßt worden. Von Bülow und Grandi würden also nicht vor vollendete Tatsachen gestellt sein. Als wichtig sei festzustellen, daß Frankreich und England sich über d i e Methode geeinigt hätten. Ihrer Ansicht nach werde der Zusammenbruch der Donaustaaten nur durch eine gemeinsame solidarische 'Anstrengung durch jede Nation selbst und die finan- Zielle Unterstützung der vier Großmächte vermieden werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sei es ratsam, daß die fünf Donaumächte gemeinsam Bestimmungen für einen engeren wirtschaftlichen Zusammenschluß festlegten und hier scheine es keinen anderen Weg zu geben, als Kombinationen auf der Grundlage des Vorzugszollsystems. In jedem Falle werde die Wiederherstellung des Vertrauens der Finanzmärkte in die Zahlungsfähig- feit der Donauländer nicht ohne Kontrolle über ihr Budget und ihre Währung erfolgen können.

Staatssekretär Stimson kommt nach Europa.

Paris, 4. April. (WTB.) Rach derChi- cago Tribüne" wird Staatssekretär S t i m s o n sich am kommenden Freitag nach Europa ein- schissen, um an der Abrüstungskonfe­renz teilzunehmen. Man rechnet damit, daß

Stimfon nicht länger als zwei Wochen in Genf bleibt. Sollte er über das Schulden- und Reparationsproblem mit den Delegierten anderer Mächte verhandeln, so dürfte er über daS Ergebnis dieser Besprechungen nichts verlauten lassen.New Pork Herald" läßt sich aus Genf melden, daß Staatssekretär Stimson wahrschein- lich vermeiden werde, die Frage der Repa­rationen und Kriegsschulden und der Donauföde­ration anzuschneiden. Es sei nicht unmöglich, daß Stimson mit einem amerikanischen Ab­rüstungsplan aufwarten werde.

Das Attentat auf den Bot­schaftsrat Twardowski. Beginn des Prozesses in Moskau.

Moskau, 4. April. (WTB.) Gegen Stern und W a ss i l j e w , die am 5. März ein Attentat auf den deutschen Botschaftsrat v. Twardow- s k i verübt hatten, begann die Verhandlung vor dem Kriegskollegium des Obersten Gerichtshofes. Stern und Wassiljew sind des vollendeten Terror­aktes angeklagt, der sich g e g e n d e n d e u t s ch e n Botschafter v. Dirksen richtete, bei dem aber Botschaftsrat v. Twardowski verwundet wurde. Die Anklage vertritt der Volkskommissar für Justiz K r y l e n k o. Die Verteidigung haben die Moskauer Anwälte Brande und Kassna- t s ch e j e w übernommen. Im Saale sind die Mit­glieder der deutschen Botschaft anwesend, ander Spitze Botschafter v. Dirksen, sowie Mitglieder an- derer diplomatischer Missionen, darunter auch Polens.

Die Anklageschrift stellt die Tat als das Ergeb­nis einer Verschwörung der Terror! st en- gruppe dar, die in engem Zusammen­hang mit polnischen Bürgern stand. Mit Ausnahme der bis zum Jahre 1928 zurück­reichenden Anfänge dieser Zusammenhänge und mit Ausnahme der Protokolle über ein Verfah­ren gegen die Polin L u b a r s k a , die wegen des Attentats gegen einen höheren Sowjetbeamten sei­nerzeit erschossen worden ist, wurden aus der Anklageschrift alle Stellen f o r t g e I a f f e n, die die Beziehungen zum Ausland betreffen.

Während der Angeklagte Wassiljew alle Aus­führungen der Anklageschrift über Zusammen­hänge des Angeklagten Stern und der Terro­ristengruppe Wassiljew sowie eine Verbindung dieser Terroristengruppe mit polnischen Agen­ten bestätigt, erklärte der Angeklagte Stern, das Attentat sei seine persönliche Tat gewesen, und er habe aus keiner Verabredung heraus gehandelt und keinerlei Hilfe ge­habt. Stern versucht in der Voruntersuchung ab­gegebene Erklärungen zu widerrufen. Die Aus­wahl des ausländischen Vertreters, der ein Opfer des Anschlags werden sollte, sei planlos er­folgt; ebenso die Auswahl des Opfers unter den Vertretern der deutschen Botschaft. Es sei auch Zufall gewesen, daß die Kugel getroffen habe. Der Angeklagte muh aber zugeben, daß der Ge­danke eines Attentats auf den deutschen Bot­schafter schon im Dezember von ihm gefaßt worden sei, daß er weiterhin das Attentat die ganze Zeit durch Beobachtung der Bot­schaft vorbereitete.

Ende der Militärdiktatur in Südflawien.

Marinkowitsch bildet das neue Kabinett.

Belgrad, 4. April. (TU.) Ministerpräsident General Z i w k o w i t s ch hat dem König Alex­ander auf Schloß Dedinjew bei Belgrad den Ge­samt rück tritt der Regierung unterbreitet. Der Könia hat den Rücktritt angenommen. Ziwkowitsch erklärte, daß er sich aus dem politischen Leben zurückziehe. Er habe am 26. Januar 1928 in einem Auaenblick höchster Gefahr für den Staat a 1 s neutrale Persönlichkeit die Regierung und damit die Pflicht übernommen, die Verhältnisse in Südflawien wieder zu normalisieren. Es sei seine Aufgabe gewesen, die Staatsautorität zu stärken, die Glieder der Nation einander zu nähern, die Verwaltung zu verbessern die Gesetzgebung zu ver­einheitlichen und die politischen Leidenschaften zu beschwichtigen. Außerdem habe er die Wahlen durch- zuführen und damit die Verabschiedung des Staats­haushaltes und einer Anzahl dringlicher Gesetze zu ermöglichen gehabt. Das neue politische Leben ver­lange im Geiste der neuen Verfassung d i e Bil­dung neuer Organisationen der Par­teien, durch die tue Nation in die Lage versetzt werde, am politischen Leben teilzunehmen und ihren Anteil an der Verantwortung zu tragen.

Der Rücktritt hat, obwohl er schon feit De­zember erwartet wurde, in politischen Kreisen insofern Tleberraschung hcrvorgerufen. als er fast unmittelbar nach ernsten Kundgebun­gen an der Belgrader UniDerfität erfolgt ist. An Stelle des Generals Ziwkowitsch, der wiederum zum Kommandanten der Garde er­nannt werden dürfte, ist Minister des Aeußern Dr. Marinkowitsch zum Ministerpräsidenten ernannt worden.

Schiedsspruch iniBerlinerBaugewerbe

Berlin, 4. April. (CNB. Eigene Meldung.) Im Lohnkonslikt im Berliner Baugewerbe wurde vom Schlichtungsausschuß ein Schiedsspruch gefällt, der eine zehnprozentige Lohnkürzung vorsieht, und zwar sollen die Bauarbeiterlöhne von 1,25 auf 1,12 RM. gesenkt werden. Das Abkommen soll bis zum 2. Mörz 1933 gelten. Da es sich bei diesem Schiedsspruch um den ersten in der neuen Lohnbewegung handelt, ist ihm eine ausführliche schriftliche Begründung beigegeben, die die Fra­gen beantwortet, weshalb in diesem besonde- r e n Fall eine Lohnverminderung erfolgt sei.Der Schlichtungsausschuß wird nach wie vor denen ent- gegentreten, die immer noch glauben, die kranke Wirtschaft nur von der Lohnseite her sanie­ren zu können, und die das Arbeitsentgelt unter das Existenzminimum drücken wollen. Die Kammer konnte aber nicht die Verantwortung dafür übernehmen, daß die Bauarbeiterlöhne in Berlin i 'n einer Höhe aufrechterhalten werden, für die d i e ökonomischen Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind. Ein Bauarbeiterlohn von 1,25 RM. für die Stunde ist unter den heutigen Verhältnissen nicht mehr tragbar. Die vorge­schlagene Lohnverminderung wird zwar keine wesent. liche Veränderung des Baumarktes bringen, wenn auch heute schon die geringste Verbilli­gung der Bauarbeiten zu einer Vermehrung der Beschäftigungsmöglichkeiten füh- ren kann. Die Schlichtungskammer mußte sich unter den gegebenen Verhältnissen darauf beschränken, die Bauarbeiterlöhne dem allgemeinen Ber, Huer Lohnniveau a n z u p g s j en."