Nr. 55 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheifen)Samstag, 5. März 1952
Freiwilliger Arbeitsdienst.
Ergebnisse im Bezirk des Arbeitsamts Gießen.
Von Regierungsrat Or. Bues, Direktor des Arbeitsamts Giepen.
Die QlotDerorDnung vom 5. 3uni 1931 brachte die rechtlichen Grundlagen für die Förderung deS f r c i te il l i g c n Arbeitsdienstes durch die ReichSanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Der in daS Gesetz für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung neu eingesührtc § 139a verpflichtet die Reichsanstalt, den freiwilligen Arbeitsdienst zu fördern. Sie darf dafür Mittel der ArbeitSlofenvcrfuhe- rung und der Krisenfürsorge einsetzen. Gefördert werden dürfen nur gemeinnützige zusätzliche Arbeiten, die ohne die Forderung auch nicht im Wege der Rotstandsarbeiten be- rcitoestellt werden können, insbesondere Boden- Verbesserungsarbeiten, Herrichtung von Sied- lunaS- und Kleingartenland, örtliche BerkchrS- verocsserungcn und Arbeiten, die der Hebung der BolkSgcsundheit dienen. Träger der Arbeiten Dürfen nur Körperschaften des öffentlichen Rechts oder solche Bereinigungen oder Stiftungen sein, die nach ihrem DeroanDszweck gemeinnützige Ziele verfolgen, ferner Bereinigungen, die Gruppen von Arbeitsdicnstwilligen für solche Arbeiten zusammenfassen. Dagegen können Unternehmungen, die auf Erwerb gerichtet sind, nicht Träger der Arbeiten fein. Die Beschäftigung im freiwilligen Arbeitsdienst begründet kein ArbeilsverhältniS im Sinne des Arbeitsrechts Mithin soll der freiwillige Arbeitsdienst es den Arbeitslosen, insbesondere solchen jugendlichen Alters« ermöglichen, ihre brachliegende Arbeitskraft in fclbftge- wäblter ernsthafter Gemeinschaftsarbeit unter sachkundiger Leitung in nützlichen Arbeiten, die sonst nicht in Angriff genommen würden, zu betätigen, und aus der Arbeit selbst, sowie durch nebenhergehende DildungSmastnahmen körperliche und geistige Schulung zu empfangen.
Dem Wesen des freiwilligen Arbeitsdienstes entspricht die uneingeschränkte Freiwilligkeit der Betätigung Ihre Berweige- rung ober Ausgabe kann somit niemals zu vorübergehendem Verlust Der Unterstützung führen. Anderseits darf der freiwillige Arbeitsdienst die Arbeitskraft nicht dem ArbeitSmarkt fernhalten. Deshalb sieht die Verordnung grundsätzlich die Abberufung eines ArbeitSdienslwUligen vor, wenn ihm eine Arbeitsstelle vermittelt werden kann.
Beim freiwilligen Arbeitsdienst sind zu unterscheiden die Träger der Arbeiten von den Trägern des Dienstes. Träger der Arbeiten können össentlich-rechtliche Körperschaften, gemeinnützige Genoffenfchaften oder Verbände fein, die die Arbeiten für eigene Rechnung und unter eigener Verantwortung ausführen, Arbeitskleidung und Arbeitsgerät zur Verfügung stellen und für die Aufbringung der Restfinansierung der Arbeit zu sorgen haben. Als Träger des D i e n st e s werden die Vereinigungen und Verbände bezeichnet. die Gruppen von Arbeitsdienstwilligen zu- fammenf assen und für die Arbeit zur Verfügung stellen. Es ist selbstverständlich auch möglich, daß Der Träger der Arbeit mit dem Tröger des Dienstes zusammenfällt. Als Tröger des Dienstes kommen alle Bereinigungen in Betracht, die für die ordnungsmäßige Durchführung des freiwilligen Arbeitsdienstes im Rahmen der Verordnung Gewähr bieten, gleichgültig, welche Zwecke fie sonst »erfolgen. Dagegen find von vornherein solche Verbände und Arbeitsgruppen auszufchließen. bei Denen begründete Annahme besteht, daß sie den freiwilligen Arbeitsdienst zu politischen oder staatsfeindlichen Zwecken mißbrauchen werden.
Zum freiwilligen Arbeitsdienst Dürfen juge- lallen werden: Empfänger von ArbeitS- lofen- und Krifenunterstützung. Dazu treten (hierfür find bclo.iDerc Reichsmittel zur Verfügung gestellt) arbeitslose Jugendliche unter 21 Jahren, die deshalb keinen Anspruch auf Arbeitslofenunterstühung haben, weil sie auf einen familienrechtlichen Unterhallsanspruch verwiesen werden müssen, oder die daS vorgeschriebene Atter für die Krifenunterstützung noch nicht erreicht haben. Den Bezirks-Für- forgeverbänden steht eS frei, die von ihnen betreuten Arbeitslosen aus Mitteln derWohl- fahrtSpflege in gleicher Weife zu fördern und dadurch die Voraussetzungen zu schaffen, daß WohlfahrtSunter st ützungSemp- fänger zu den Arbeiten des freiwilligen Arbeitsdienstes zugelassen werden können.
Die Förderung des freiwilligen Arbeitsdienstes kann bestehen entweder in der Zahlung der individuellen Arbeitslosen- oder Krifenunterstützung bis zur Aussteuerung, oder in Der Festsetzung einer nach Höhe unD Dauer vereinheitlichten Unterstützung, Der sog. Pauschalförderung. Die Paufchalfördcrung, die also k e i n e Entlohnung, sondern nur eine Unter st ühungs- a r t darstellt und die 2 Mk. täglich für Den Ar- beitsdienstwilliaen nicht überschreiten Darf, erfolgt ohne Rücksicht Darauf, in welchem Umfange die individuelle Unterstützung bereits in Anspruch genommen worden ist. Sie kann bis auf die Dauer von 20 Wochen auch für diejenigen Unterstützungsempfänger gewährt werden, Deren individueller Anspruch schon vor Ablauf dieses Zeitraums erschöpst wäre
Die Arbeiten, die im freiwilligen Arbeilsdienft ouSgeführt werden fallen, müssen von Dem Präsidenten des LandesarbeitSamts anerkannt werden. Anträge hierfür find bei Dem örtlich zuständigen Arbeitsamt einzureichen, das hierfür besondere Formulare zur Verfügung stellt. Es ist dringend zu empfehlen, daß die Träger der Arbeiten und die Träger des Dienstes vor Der Einreichung derartiger Anträge mit dem zuständigen örtlichen Arbeitsamt persönlich Verbindung aufne jmen. Wenn von vornherein gerade auf diesem Gebiete Die unumgänglich notwendige enge Zusaminenar- beit aller beteiligten Stellen sicher- gestellt ist, steht zu erwarten, daß Die zahlreichen Vorschriften für die Durchführung des freiwilligen Arbeitsdienstes ohne Rachteile für die Beteiligten beachtet werden. Ich nenne hier nur die Anwendung Der Vorschriften Der Sozialversicherung und des Arbeitsschutzes, sowie der Erleichterung der Siedlung für Arbeitsdienstwillige, deren Behandlung im Rahmen dieses kurzen Hinweises zu weit führen würde
Das Arbeitsamt Giehen hat bereits vor längerer Zeit die Bürgermeistereien Oberhesscns auf die Vorteile aufmerksam gemacht, die Die Einführung des freiwilligen 21t» beitsDienstes für Die Arbeitslosen und f ür Die Gemeinden im Gefolge haben. Scheinbar sind diese Vorteile noch nicht von allen Gemeindevertretungen recht erkannt, denn anders ist die Zurückhaltung vieler Gemeinden, die unter den allgemeinen Lasten Rot leiden, nicht erklärlich. Es seien deshalb nochmals die Vorteile herausgestettt. Einmal schasst Der freiwillige Ar- beitsdienst für Die unter Der langen Arbeitslofig-
Von Geld und Lebe.
Dioman von Grete von Goß.
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29 Fortteftung ttachdruck oerhoten
WährenD Rose ihm Kaffee eingofj, ein Ei schölte unD Brötchen für ihn bestrich, sprach er mit Achim über geschäftliche Dinge.
„3a, also Die zweiinalhunDerttausend Mark werben heute von Liebrach eingezahlt werden. Run kommt es Darauf an. sie verständig zu ver- teilen. Wenn man heute glatt auszaytt, wird der Sturm auf unsere Kasse aufhören."
„Also so fleht es aus", sagte Rose kopfschüt- telnD.
„3a, mein Kind, wir sitzen eben mal fest, aber werden uns schon wieder flottmachen. Rur keine Bange haben! Und einige Zeit sehr vorsichtig mit dem Geld umgehen! Seine Zinsen kann ich Dir nicht mehr in voller Höhe auszahlen: du muht schon zusehen, mit weniger auszukommen ...“
„Das kann ich nicht — kann nicht unsere Lebenshaltung von einem Tage auf den andern umstellen."
„Gewiß kannst Du Das — verfuch es nur!
Hans-Achim redete ihr auch zu.
„Warum fälltest du das nicht können. Rose? Mit ein bißchen gutem Willen geht's schon. Ich bin der Ansicht. Daß Du aus ein Drittel Deiner Einnahmen verzichten kannst."
„Ich hab' Dich nicht nach Deiner Ansicht gefragt. mein lieber Achim. Alfo misch dich gefälligst nicht in meine Angelegenheiten."
„Sie sind auch Die meinen. Rose. unD ich habe das Format unsere? Lebenshaltung zu beftim- mcn."
Sie ging mit einem schnöben Lächeln Darüber hin.
„'Also, Papa, ich muß daran festhatten, meine Zinsen ungekürzt zu erhalten. Ferner muß ich Darauf bestehen, daß Du unsere Billa auf meinen Rainen übertreiben läßt. Damit ich eine Sicherheit habe für mein Kapital."
Ihr Baker lachte kurz auf.
„Wie körne ich dazu? Bin ich etwa verpflichtet. Dir Dein Erbteil auszuzahlen, während ich noch lebe? Du hast mir das Geld abgeluchst ..."
Sie zuckte mit Den Achseln.
„Henn es. wie Du willst. Das kommt hier nicht in"Betracht. Du hast mir Das Kapital zugeeignet. Ich habe es in Deiner Bank Deponiert ich habe das Recht, dies Depot zu kündigen."
„Tu Das! Es fragt sich nur, ob du es ausge- Sahlt bekommst."
„Es muß vorhanden fein. Depots dürfen nicht angetastet werden."
Der Dater sprang auf, starrte sie an. Die Adern an feinen Schläfen schwollen an. Sein Atem ging keuchend.
„Was willst du damit sagen? Rur weiter — Du willst mich Doch bedrohen — nur zu — nur zu!"
HanS-Achim hatte sich auch erhoben. Er versuchte, ibn zu beruhigen.
„Papa, ich bitte dich! Eine unbedachte Aeuße- rung von Rose, Die wirst Du Doch nicht ernst nehmen. Rose hat bestimmt nicht Daran geDacht, dich zu kränken. Sie wird dich um Verzeihung bitten.
Seine Hand glitt über des Vaters Arm.
„Verzeih, Papa, nimm nicht schwer, was Rose in ihrer Heftigkeit gesagt...“
Davor brach Des Vaters Zorn zusammen. Aber 'der Schmerz über Roses Lieblosigkeit zuckte in seinem gutmütigen Gesicht. Er wandte sich ab. Wischte sich Die Stirn, Die sich gefeuchtet hatte. Zwischen seinen Brauen ftanD eine Falte.
Er mühte sich, seine Haltung zu bewahren.
„Ich gehe", sagte er, Hans Achim Die HanD reichend, „wir sehen uns nachmittag in der Bank "
.3 a, Papa."
Er begleitete ihn bis zur Tür. Dann kehrte er zu Rose zurück. Die lag in ihren Sessel zurückgelehnt und rauchte eine Zigarette
Er streifte fie mit mißbilligendem Blick.
„Das war roh, was du dir eben geleistet hast. Rose."
Sie maß ihn mit einem Blick voll kalter Feindseligkeit.
„Verschon mich gefälligst mit Vorwürfen."
.Warum sollte ich das? Du hast sie reichlich verdient."
„Dafür, daß ich um unsere Eristenz kämpfe, was ja eigentlich Deine Sache wäre. Aber dir scheint unsere Existenz eben nicht wichtig zu fein. Siehst wohl für dich fdjon eine neue winken?" Ihre Augen funkelten. „Bist sicher, daß Du in Hollywood mit offenen Armen ausgenommen wirst .. ."
.Laß Dein sinnloses Geschwätz!" herrschte er sie an. .UnD merk dir auch das: Ich werde es nie mehr dulden, daß du mit deinem Vater in Dem Tone sprichst, den Du eben beliebtest, gegen ihn anzuschlagen. Auch verlange ich, daß du dich seinen Wünschen fügst."
.Verlangst Du sonst noch etwas?" höhnte fie.
„3a, noch etwas! Wart mal ab. Du wirst es gleich erfahren."
Er zündete sich eine Zigarette an, machte ein paar hastige Züge: danach sagte er:
„3ch verlange von dir, daß Du Deinen Vater um Verzeihung bittest, Rose."
.Du bist wohl nicht gescheit? Was fällt Dir eigentlich ein, in diesem Zon mit mir zu reden?"
Er lächelte mit blaffen Lippen, zerdrückte feine Zigarette in Der Aschenfchale. Rose bemerkte, daß
kett leidenden Mirmcntchcn die Woglichkeit, Den durch die WirtfchaftSnvl erzwungenen Müßiggang abzuschütteln Die stark gerade dieser Gesichtspunkt beachtet werden muß, kann daS Arbeitsamt immer wieder feststellen. Denn eS melden sich andauernd auch folche Unter- ftützungsempfänger zum freiwilligen Arbeitsdienst, die lieber auf Den ihnen zuftehenden höheren in- dividuellen Unterstützungssatz verzichten und Dafür gegen Den niedrigeren Pauschal-Unterstützungssatz von 2 Mk. pro Tag im freiwilligen Arbeitsdienst Mitarbeiten wollen. Das ist nicht verwunderlich, denn einem gefunden Menfchen muh Die unfreiwillige Arbeitslosigkeit auf die Dauer zur körperlichen und seelischen Oual werden, der im freiwilligen^ Arbeitsdienst entgegen« gewirkt werden kann.
Don den Gemeinden können durch den freiwilligen ArbeitSDienst solche gemeinnüftige zusätzliche Aufgaben in Angriff genommen werden, deren Erfüllung dem Allgemeinwohl zugute kommt, wie beispielsweise die Herrichtung von Eiedlungsland. oder Die Bereitstellung von Kleingartenland für Arbeitslose, die Durchführung von DeDlanblultit'ierungen, Die Instand- fetzung von Feldwegen, der Ausbau von Waldwegen. Waldrodungsarbeiten. Fluh- und Dachlaufregulierungen, die Herrichtung von Sportplätzen, die Anlage von Freibädern, Die Anpflanzung von Bogelfchutcheckcn, daS Brechen von Steinen für Den Ausbau von Gemeindewegen und DgL Solche Arbeiten heben, auf lange Sicht gesehen, das Dolkseinkominen unD Die Volksgesundheit. Sie können auch Die Quelle bilden für Die Inangriffnahme von Arbeiten, Deren Durchführung Der freien Wirtschaft Vorbehalten bleiben muh. Hierfür ein praktisches Beispiel aus Dem Bezirk Des Arbeitsamts:
Die GemeinDe Rinderbügen (.KreiS Bübingen) besitzt einen alten GemeinDesteinbruch, Der Deshalb nicht mehr ausgebeutet werben kann, weil bie Abräumungsarbeiten Mittel beanspruchen, bie zunächst in keinem Verhältnis zu dem Ergebnis stehen würben. Die Arbeitslosen ber Gemeinbe sink) aber in hohem Mähe auf bie Wieberingangfetzung bes Stein - b r u ch e s angewiesen. Aus biefem Grunbe bat auch Der Deutsche 6teinarbcitcrt>crbanb als erster Tröger einer Maßnahme des freiwilligen Arbeitsdienstes in Oberhessen bereits am 4. Rovem- ber 1931 im Wege des freiwilligen Arbeitsdienstes mit den Abräumungsarbeiten begonnen. Der Steinbruch steht jetzt kurz vor feiner Wieder- erschließung, und damit können zahlreiche Arbeitslose wieder produktiver Beschäftigung zugeführt werden.
Abgesehen von diesen Vorteilen führt der freiwillige Arbeitsdienst auch noch eine Entlastung der Gemeinde-Wohlfahrts- Etats herbei, wie auS folgendem Beispiel zu erkennen ist: Ein Arbeitsloser. Der 18 Wochen nach Beginn seines Unterstühungsbezuges zum freiwilligen Arbeitsdienst übertritt, kann nach Den Bestimmungen. wenn die Pauschal-Förderung gewährt wird, zunächst 20 Wochen die Förderung aus der Arbeitslosenunterstützung erhalten, d. h. also 18 Wochen über den Zeitpunkt seiner Aussteuerung hinaus. Erfüllt er bie Voraussetzungen Der Krisenunterstühung, so kann er nunmehr im Anschluß für 38 Wochen Krisenunterstühung erhalten. Geht er in feiner 30. Krifenunter- stützungswoche erneut aut 20 Wochen in Den freiwilligen Arbeitsdienst bei einer Pauschalförderung von 12 Mk. in der Woche, so kann er über feine Aussteuerung hinaus noch weitere zwölf Wochen auch als Krisenunterstühungsempfanger im freiwilligen Arbeitsdienst tätig fein. In diesem Falle schiebt sich also um 18 Arbeitslosen- unterstnhungs- plus 12 Krisenunterstühungs-, zusammen 30 Wochen der Zeitpunkt hinaus, an
Dem Der Arbeitslose Der Gemeinde als Wohl» fahrtsempfänger zur Last fallen müßte, fall# er nicht inzwischen eine neue Anwartschaft auf Arbeitslosenunterstützung erworben haben sollte
Wie gesagt, es ist verwunderlich, daß trotz dieser Vorteile für Den einzelnen und für Die ®e- famtbeit im Bezirk de» Arbeitsamts Giehen erst 81 Gemeinden und Berbände tStein- orbciteroerbanD. Katholifcher Gesellenverein. Iungdeutscher Orden und verschiedene Sportvereinigungen) Den freiwilligen Arbeitsdienst entweder eingeführt haben, oder kurz vor ber Einrichtung stehen
AuS Den Kreisen Der Provinz Oberheffen beteiligen bzw werden sich in Kürze am freiwilligen Arbeitsdienst beteiligen:
KreiS Alsfeld
. Büdingen Friedberg
„ Giehen
. Lauterbach
„ Schotten
18 Gemeinden
21
8
13
5
16
Falls alle eingereichten Maßnahmen im fret- wittigen Arbeitsdienst zur Durchführung kommen, werden in Kürze weit über 100 0 Personen im Bezirk deS Arbeitsamts Gießen im freiwilligen Arbeitsdienst tätig fein. Der Den einzelnen, insbesondere den jugendlichen Arbeitslosen, zur Ordnung führt, das Pflichtbewußtsein hebt und Die Idee Der Volksgemeinschaft stärkt.
Besonders anerkannt und hervorgehoben zu werden verdient der Arbeitseifer und Die persönliche Hingabe am gemeinnützigen Werke Der Arbeitsdienstwilligen. Die sich aus allen Berufen jeden Lebensalters zusammenfehen. Dank gebührt auch all Denen, die durch Aufklärungs- und Organisationsarbeit in Oberheffen den freiwilligen Arbeitsdienst gefördert haben. Dem in diesen Rotzeiten lange anhaltender Arbeitslosigkeit eine gar nicht hoch genug einzuschähende ethische und arbeitspadagogische Bedeutung zukommt.
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Kunst und Wissenschaft.
Deutscher Dichter-Dank im Goethe-Iahr 1932.
Der Reichsausschuß für Die Goethe-Feier 1932, der Reichskunftwart, die Deutsche Schillerssisiung und die Notgcmeinschaft des deutschen Schrifttums wenden sich in einem Ausruf an alle Kreise des Lölkes: sie beginnen eine Der Deutschen Schillerstistung und der Notgemeinschast des deutschen Schrifttums dienende Werbung: Deutscher Dichter-Dank im Goethe-Jahr 1932. sie bitten um Zuwen- düngen von Autogrammen, Stichen, Medaillen, Büchern und Erstdrucken der Klassikerzeit, damit Einnahmen zugunsten der Stiftung geschaffen werden können. Es wird ein Stiftungsfonds begründet, und es soll jedermann die Möglichkeit tätiger Mithilfe gegeben werden: zehn Meister deutscher Graphik haben Entwürfe für einen Dichter Dank-Zettel geschaffen, welcher das Denkmal oder das Bildnis der Großen von Weimar trägt und in Bücher eingeklebt werden kann oder als Postkarte, als Lesezeichen und als Bild verwendet werden soll. Das Ergebnis der Sammlung, die sich aus Beiträgen von 10 Pf für jeden Zettel, einer Reichsmark für die in Mappe vereinigte Reihe zusammensetzt, wird zur Stützung der Schillerstistung und der Rotgenieinschast des Deutschen Schrifttums verwandt werden.
Oberheffen.
Giehenei- Theaiergastspiel in Heuchelheim.
* Heuchelheim, 5. März. Heute zum Wochenende gibt es hier Durch ein Gastspiel
seine HanD zitterte. Hans-Achim toanbte sich ihr zu.
„Allo Du wünschst zu wissen, was mir einfällt! Mir fällt ein. Daß ich mir Deine offenen und versteckten Bosheiten schon zu lange habe gefallen lassen, Daß Schluß Damit gemacht wer Den muh."
In Dem Ton, in Dem er Das sagte, lag etwas, bas Rose erschreckte. Sie sah ihn aus weit geöffneten Augen an.
„Weiter fällt mir ein. baß ich als Dein Mann Den Zuschnitt unserer Lebenshaltung zu bestimmen habe."
Sie lachte auf.
„Da bist Du sehr im Irrtum."
„Laß mich gefälligst ausreben. Also von nun an werde ich diesen bestimmen. Weiter, daß ich dir nicht mehr gestatten werde, die Rolle des weiblichen Kunstmäzen zu spielen."
Sie wurde um einen Schatten bleicher, ihre Augen funkelten.
„WaS soll das heißen? Du willst mir Vorschriften machen über mein Tun und Lassen?"
„Das will ich nicht nur, das werde ich unbedingt tun. Und du wirst dich unbedingt nach ihnen richten. Meine erste Forderung ist: Du sorgst dafür, daß Costa heute noch unser Haus verläßt, und zwar auf Rimmerwiedersehen."
Sie schüttelte mit dem Kopfe, sagte langsam, aber in überzeugtem Ton:
„Du bist wahnsinnig."
„Vielleicht bin ich es bis jetzt gewesen — ich glaube es fast. Denn ein Monn mit klarem Verstand läßt in feinem Hause nicht geschehen, was ich ruhig habe geschehen lassen. Aber du darfst davon überzeugt sein, daß ich jetzt völlig klar bin und handeln werde, wie es sich gehört."
„Und wie wird das sein?" höhnte sie.
.Das Rächstc wird sein, daß ich Deinen geschätzten Freund, falls er nicht vorziehen sollte, freiwillig Das weiche Rest, das Du ihm so fürsorglich bereitet, aufzugeben, an Die frische Lust setzen werde."
Eine toilbc Empörung loderte in Rose auf. Die raubte ihr jegliche Besinnung. Sie schrie Hans- Achim an;
„Dazu hast du kein Recht! Das Haus gehört nicht Dir. Vergiß nicht, daß ich dich aus Gnade und Barmherzigkeit Darin ausgenommen!"
Er trat einen Schritt auf sie zu. Seine Augen funkelten jetzt nicht weniger als Die ihren: fein Gesicht war kalkweiß. Rose spürte erschreckend, daß sie zu weit gegangen.
„Verzeih! Rein, daS hätte ich nicht sagen bürfen — es war ja auch nicht so...“
Ihre Lippen bebten.
„Rein, es war nicht so", erwiderte er. „Ich will Dir einmal sagen, wie es war. Du hast geglaubt, mich laufen zu können, wie man ein Auto, ein Pferd ober auch einen Brillantschmuck lauft — eben wie irgend etwas, von Dem man sich
Pläsier verspricht und bas man beiseite werfen kann, wenn es einem langweilt. In diesem Falle ging bas nun boch nicht so. Ich will Dir auch erklären, warum cs nicht ging ...“
Er kam nicht zu dieser Erklärung, Denn nach einem leisen Klopfen an der Tür trat Der Diener ein, um Den Tisch abzudecken.
Hans-Achim verließ das Zimmer und gleich darauf das Haus. Er fühlte sich elend, angeekelt von Dem, was er eben erlebt Mühte sich, die häßliche Szene zu vergessen. Ging seinen Geschäften nach, die sich über Erwarten glatt abtoidclten. Die guten Ergebnisse, Die er erzielt, bedeuteten wieder einen Schritt vorwärts. Er konnte es kaum erwarten, sie seinem Schwiegervater mit- zuteilen. Es war zwei Uhr mittags. Ieht traf er ihn nicht in der Bank. Zwischen zwei und Drei Uhr war die Dank geschlossen.
Ihm fiel ein, daß er ja in Der Rahe Der Freisinger Straße sei. Da wollte er schnell mal auf einen Sprung zu Eva hinaufgehen. Er traf fie in Der Küche beschäftigt.
„Wärst Du eine halbe Stunde früher gekommen, fo hättest Du mit uns essen können. Schade, nun habe ich nichts mehr. Aber Das Wasser kocht eben, ich brühe uns schnell einen guten starken Kafsee auf. Mit Torte kann ich auch aufwarten. Mama SchaDow hat uns eine Fürst-Pückler-Torte geschickt."
Sie sah mit einem frohen Lächeln zu Hans- Achim auf.
„Heute ist ein großer Tag für Die Familie SchaDow. FrieDrich ist eben in Der Grohbeeren- straße zu einer wichtigen Besprechung — aber davon erzähle ich Dir später."
Sie schüttete Kaffee in die Mühle.
„Ich habe nicht viel Zeit, Eva. Ich wollte Dir nur guten Tag sagen."
„Ach, ’n halbes StünDchen mußt Du schon für mich übrig haben. Du kommst so selten. Hier, dreh mal!“ Sie schob ihm Die Kaffeemühle zu. „Ich Decke inbeffen Den Tisch."
Sie stellte Tassen auf ein Tablett.
„Laß stehen, Eva, ich trag's schon herein, wenn ich hiermit fertig bin."
.Das Wasser kocht!" rief sie.
Und Da war auch Der Kaffee gemahlen. Sie goß ihn auf. In Der ganzen Wohnung verbreitete sich fein starker Dust
„Gemütlich ist's bei Dir, Eva", sagte Hans- Achim.
Er sah sich in Der Küche um. Wie blitzblank Die war!
„Sag mal, das machst Du Dir nun alles allein — Die ganze Wirtschaft?"
„3a, selbstverständlich “
„UnD kochen mußt Du doch auch?"
„ Freilich, Achim. UnD ich tue es gern. Wenn ich nur recht viel zum Kochen hätte!"
(Fortsetzung folgt.)


