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durch die Zunahme der Wohlfahrisenverbslosen in den nächsten Monaten steigern werden. Der Vor­sitzende erklärte, daß er an die Inhaber der indu- striellen Betriebe der Stadt Alsfeld demnächst mit dem Ansinnen herantreten werde, die noch zahl­reichen auswärtigen Arbeiter durch einheimische Arbeitslose und Wohlfahrtserwerbslose zu ersetzen.

Landkreis Gietzen.

* Treis a. d. Lda., 4. Febr. Dieser Tage fand hier bei Gastwirt Lemp die zweite Ver­sammlung der hiesigen Vereinigung der Gewerbe treibe nd en und Landwirte statt, die überaus zahlreich besucht war. Der Cin- berufer, Wilhelm Euler, betonte, daß es sich nur um wirtschaftliche, nicht um politische Fra. gen handle. Darauf wurde er einstimmig zum Vor­sitzenden, der Vauernbundführer Heinr. V e r g - Höfer zu seinem Stellvertreter, Schlossermeister Kaspar Euler zum Schriftführer gewählt. So­dann wurden die einzelnen Punkte der Tagesord- nung eingehend beraten, zunächst die Vehand- lung von Steuerstundungsanträgen durch den Ge­meinderat. Es wurde gefordert, daß der Ge- meinderat, oder vielmehr die Bürgermeisterei diese Anträge, falls der Gemeinderat nicht zuständig ist, befürwortend an die zuständige Behörde wei. terleiten sollen. Sodann entspann sich eine längere Aussprache über die der Versammlung zu hoch erscheinenden Gehälter der Gemeindebeamten, und es wurde der Gemeinderat ersucht, diese Gehälter auf den Vorkriegsstand zurückzuversetzen. Die Stelle eines Flurschützen soll, weil unnötig, aus Ersparnisgründen ganz gestrichen werden: be­züglich der Krankenschwester soll der Gemeinde- rat mit dem evang. Dekanat Gießen in Verbindung treten, damit dieses die Anstellung der Schwester wieder, wie vor dem Krieg, übernimmt, wäh­rend unsere Gemeinde einen entsprechenden Ge­haltszuschutz leisten soll. Weiter wurde gewünscht, daß der von der Gemeinde zum nächsten Land­gemeindetag zu entsendende Vertreter beauftragt wird, dahin zu wirken, dah die Grundgebühr für elektrischen Strom erheblich herabgesetzt wird. Auch wäre es zeitgemäß, endlich wieder die Mahn­gebühren für Steuerrückstände auf Vorkriegshöhe, also auf die Hälfte herabzusehen. Aachdem der Vauernbundführer B e r g h ö f e r die Anwesenden noch ermahnt hatte, sich nicht gegenseitig zu be­kämpfen, sondern für die Zukunft gemeinsam zu­sammenzustehen, um für das Wohl des Volkes bessere Zustände zu erkämpfen, wurde die Ver­sammlung vom Vorsitzenden geschlossen.

* Albach, 4. Febr. Zwecks Gründung eines Obst- und Gartenbauvereins sprach dieser Tage Baumwart Konrad Schöne (Lich) überPflege und Pflanzung des Obstbaumes". In der Hauptsache ging er auf die Schädlings­bekämpfung ein und gab wertvolle Anregungen. Auf Veranlassung des Redners wurde sodann ein Verein für Obst- und Gartenbau gegründet, -em sofort 21 Mitglieder beitraten. Eine weitere Versammlung findet am Montag, 8. Februar, statt.

)( Steinberg, 4. Febr. Dieser Tage fand die Generalversammlung des Männerge­sangvereinsHarmonie" statt. Rach der Begrüßung durch den 1.Vorsitzenden, Langlih, trug der Rechner Carl die Rechnung vor, die mit einem ansehnlichen äleberschuß abschloh. Die Vorstandswahl ergab die einstimmige Wieder­wahl der seitherigen Vorstandsmitglieder, ledig­lich für den 2. Vorsitzenden wurde Karl Kaiser gewählt. Der Monatsbeitrag wurde auf 30 Pf. herabgesetzt. Die Arbeitslosen sind vom Beitrag befre't.

"Eberstadt, 4. Febr. Dieser Tage konnte Herr Wilhelm Müller I. auf eine 32jährige Dienstzeit als Beigeordneter unserer Gemeinde zurückblicken. Zugleich waren es 25 Jahre, daß er als Ortsgerichisoorsteher und Standesbeamter der Gemeinde Vorstand. Aus diesem Anlaß wurde dem Jubilar von Bürgermeister G ö r l a ch und dem gesamten Ortsvorstand eine Ehrenurkunde für treue Dienste überreicht.

Von Geldundliebe.

oman von Grete von Saß.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle

4 Forttetzung Nachdruck verboten

Ob Hans-Achim heute auf sie warten würde? fragte sich Helene Schadow, als sie den Laden verlieh. Ihr war recht beklommen zumute. Dah er sie auf einer Unwahrheit ertappt, war ihr unsäglich peinlich. Sie wünschte fast, er käme an diesem Tage nicht.

Es schneite, die Luft war grau und erfüllt von rieselnden Flocken.

Das schlechte Wetter wird ihn davon abhalten, zu kommen, sagte sie sich, Und sie empfand es fa't als ein Glück, dah es schneite.

Sie überquerte den Fahrdamm, blieb einen Augenblick wartend stehen, um ein Auto an sich vorüberzulassen.

Plötzlich stand Hans-Achim vor ihr. Sie er­schrak so, dah sie seinen Gruß nicht zurückgab. Wortlos reichte sie ihm die Hand. Und dann gingen sie eine Weile schweigend nebeneinan­der her.

In einer menschenleeren Straße blieb er stehen, sah Helene an und sagte unsicher, stockend:

Helene, das heute vormittag mein Erschei­nen bei Goldmann Söhne das war für dich sehr peinlich ich kann es dir nachfühlen. Willst du mir glauben, dah ich vorher bemüht gewesen, es zu verhindern?"

Ja jo, Achim."

Eie faßte nach seiner Hand, drückte sie fest.

Sprechen wir doch nicht mehr darüber mit keinem Wort."

Verzeih, Lene! Ich will dir nur sagen, dah mir die Situation ebenso peinlich gewesen ist wie dir selbst."

Sie widersprach, hastig, aus dem Bedürfnis heraus, offen gegen ihn zu sein:

Wie mir selbst - nein, Achim, das kann gar mcht sein!"

Sie schüttelte den Kopf, zog ihr Taschentuch aus dem Aermelumschlag ihres Pelzes, wischte sich damit die Feuchtigkeit aus dem Gesicht.

Und während die Schneeflocken über sie hin­stoben, sprach sie auf Achim ein:

Achim, mir war die Sache nicht nur peinlich sie war mir eine Qual. Bedenk doch: ich stand vor dir als ertappte Lügnerin--Doch doch!

Achlm, versuch nicht, es zu beschönigen. Du wuhtest es nicht anders, als dah ich Verkäuferin bei Goldmann Söhne bin, weil ich es dir so ge­sagt habe. Längst hätte ich dir gestehen müssen, dah es nicht so ist, dah ich als Mannequin mein Brot verdiene. Mir fehlte der Mut zu diesem

Wirischast.

Deutsche Continental-Gas-Ge- schäft, Dessau. Das abgelaufene Geschäfts- jahr verlief in den Konsumziffern ohne wesent­liche Veränderungen gegenüber dem Vorjahre. Die Gesamt-Gasabgabe betrug 297 960 000 Kubik­meter, das sind 5,5 Prozent weniger als im Vorjahre. Die Gesamt-Glektrizitätsabgabe betrug 600 088 000 Kilowattstunden, das sind 2 Prozent weniger als im Vorjahre. Die Bilanzsitzung ist, wie üblich, für Mai in Aussicht genommen (im Vorjahre 9 Prozent Dividende).

Berlin ziemlich gut gehalten.

Berlin, 5. Febr. (WTD. Funkspruch.) Schwä­chere Meldungen von den Auslandbörsen, die in den gestrigen Abendstunden in Berlin ein­trafen, gaben der Spekulation Veranlassung, noch kurz vor Schluß des Verkehrs auf der erhöhten Kursbasis Gewinne mitzunehmen, so daß verschiedentlich stärkere Einbußen (2 bis 3 Pro­zent gegen die Tagesschlußkurse) festzustellen wa­ren. Auch im heutigen Vormittagsverkehr schien die Tendenz zunächst weiter zur Schwäche zu neigen, zumal die aus England eintreffenden Meldungen über neue Schutzzollmah- nahmen verstimmten. Als dann aber ver­hältnismäßig spät das Geschäft einsehte, stellte sich heraus, daß die Kurse auf der ermäßigten Abendbasis doch ziemlich gut gehalten waren. Man argumentierte, daß der Export nach England in den letzten Monaten so wie so nur noch unbedeutend gewesen wäre, so daß aus den neuesten Maßnahmen der englischen Zoll­politik für den deutschen Außenhan­del keine größeren Rachteile mehr er­wachsen könnten. Auch zeigte das Publikum wie­der ^aufinteresse, das sich allerdings immer nur auf Spezialwerte erstreckte.

Relativ am besten waren die Auslandwerte Chade und Svenska gehalten, aber auch Bank­aktien, die ja schon seit Wochen stabil liegen, änderten ihren Kursstand kaum. Montane gaben etwa 0,5 Prozent nach, Kunstseidewerte um 1 Pro­zent. Der Schiffahrtsmarkt verlief vernachlässigt. Für Elektrowerte hörte man ziemlich nominelle Kurse auf gestriger Basis. Kalipapiere büßten etwa 2 Prozent ein, und auch Petroleumwerte und Schultheis lagen um etwa 1 Prozent ab­geschwächt. Im Zusammenhang mit den Gerüch­ten über den Dividendensatz hatten Dessauer Gas weiter feste Veranlagung und waren etwa 2 Pro­zent höher. Auch die übrigen Tarifwerte erfuhren hierdurch eine Anregung, ihren gestrigen Kurs­stand änderten sie allerdings nur unwesentlich. Ebenso blieben die Reichsbahnvorzugsaktien auf letzter Basis gefragt, während Farbenbonds im Einklang mit den Aktien etwa 2 Prozent ein- büßten. Die Spanne zwischen den beiden Werten ist somit etwa 13 bis 14 Prozent geblieben. Sonst war es am Anlagemarkt heute sehr still. In Pfandbriefen entwickelte sich nur langsam das Geschäft, doch hielt das Interesse für Reichs­schuldbuchforderungen an. Deutsche Anleihen la­gen behauptet.

Frankfurt freundlich.

Frankfurt a. M., 4. Febr. Im heutigen tele­phonischen Effektenfreiverkehr fehlte es zwar an Anregungen, doch war die Tendenz im Anschluß an die Befestigungen von gestern nachmittag wei­terhin recht freundlich. Besonders für Re- benwerte machte sich mehr Interesse bemerkbar, dagegen blieben Spezialwerte auf dem erhöhten Riveau meist gut behauptet. Cs zeigte sich ver­schiedentlich etwas Anlagebedürfnis seitens des Publikums, und auch die Spekulation nahm einige Deckungen und Meinungskäufe vor. Stärker ge­fragt waren am Aktienmarkt Gesfürel und Des­sauer Gas, die etwa 2 Proz. höher lagen. Mon­tanpapiere verzeichneten Kürsbesserungen von

etwa 1 P^^nt. IG.-Farben, Reichsbankanteile, Siemens, v^yudert und Licht L Kra.t blieben un­verändert. An den übrigen Aktienmärkten er­gaben sich kaum Veränderungen, nur Zellstoff Waldhof lagen etwas höher. Die Umsatztätigkeit war im allgemeinen klein.

Am Rentenmarkt waren Rcichsschuldbuch- forderungen gefragt und fest. Lebhaftere Rach­frage verzeichneten auch Schahanweisungen der Städte, der Reichspost und Reichsbahn. Liquida- tions- und Goldpsandbriefe lagen ebenfalls gut gefragt, während Kommunalobligationen auf gestriger Basis offeriert und zum Teil etwas schwächer waren. Von deutschen Anleihen blieben Altbesih behauptet, im übrigen lagen sie unver­ändert. Auslandrenten ohne Interesse.

Im Rachmittagsverkehr wurde die Stimmung am Aktienmarkt allgemein etwas f e st e r. Im Vordergründe des Interesses standen Energie­versorgungswerte, von denen Dessauer Gas, Char­lottenburger Wasser etwa 2 Proz. anzogen. Auch sonstige Elektrowerte stellten sich um etwa 1,5 bis 2 Proz. fester, besonders Gesfürel und Siemens. IG.-Farben und andere Werte gewannen eben­falls bis zu 1 Prozent.

Am Markte der festverzinslichenWerte blieben Reichsschuldbuchforderungen in Front, auch Reichsaltbesitz waren jetzt mehr beachtet und bis 0,5 Proz. fester. Interesse erhielt sich ferner für Schatzanweisungen, während der übrige Markt ohne Veränderungen verkehrte. Von fremden Wer­ten lagen Anatolier etwa 0,25 Prozent freund­licher.

Am Geldmarkt ging Tagesgeld auf 6,75 Proz. zurück.

Devi

enmarkt Berlin -

- Frankfurt a. 2H.

4. Februar

5. Februar

Amtliche Notierung

Amtliche Notierung

Meld

Artel

Geld

Briet

Helsingsar» .

6.394

6,406

6,444

6,456

49,90

50.05

49,95

50,05

Prag . . .

12,465

12.485

12,465

12,485

Budapev . .

56,94

57,06

58.94

57,06

Sofia . . .

3,057

3,063

3,057

3,063

Holland . .

169,48

169,82

169,55

169,89

Oslo ....

78,92

79,08

79.02

79.18

RoDcnhagai.

79,92

80,08

80,12

80,28

Stockholm .

81,42

81,58

81,52

81,68

London. . . Buenos Aires

14.48

14,52

14,52

14,56

1,043

1,057

1,043

1,047

Neuvvrt

4,209

4,217

4,209

4.217

Brüssel. . .

58,65

58,77

58,67

58,79

Italien. . .

21,68

21,72

21,84

21,88

Daris . . .

Schweiz . .

16,56

16,60

16,56

16,60

82,07

82,23

82,09

82.25

Spanien . .

33,22

33,28

82,18

33,07

33,13

Danzig. . .

82,02

82,02

82,18

Japan . . .

Rio de Jan..

1,499

0,257

1,501

1.494

1,496

(1,259

0,252

0,254

Jugoslawien. Lissabon . .

7,463

7,477

7,463

7,477

13,19

13,21

13,24

13,26

Banknote«.

Berlin, 4 $et>r"ar

Geld

Zries

Amerikanische

Noten . . .

4,20

4,22

Belgische Noten.....

58,48

58,72

Dänische Noten.....

79,74

80,06

Englische Noten.....

14,44

14,50

Französische Noten....

Holländische Noten ....

«...

16,52

169,11

16,58

169,79

Italienische Noten . . .

21,66

21,74

Norwegische Noten....

78,74

79.06

Deutsch-Oesterreich, 1OO Schl,, a

Rumänische Noten ....

2,49

2,51

Schwedische Noten ....

Ä -

81,24

81,56

Schweizer Noten. . . .

* * *

81,89

82,21

Spanische Noten . . .

33,08

33,22

Ungarische Noten . .

Aeichsbcmkdlskont 7 v. h. Lombardzinsfuß 8 o. h.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 U.,r. 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag geschloffen

Jür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne selgefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen.

21 n 5 ei : e n a fträge find lediglich an die Geschäftsstelle zu richten.

Geständnis. Du hast mir einmal gesagt, daß du es nicht begreifen kannst, datz Frauen sich zu diesem Beruf hergeben können. Bitte, unter­brich mich nicht, Achim. Ich mutz dir erklären, wie ich zu dem Beruf kam. Laß uns, bitte, weiter­gehen!"

Sie schritten langsam die Straße hinunter, während Helene erzählte:

Ich trat als Verkäuferin bei der Firma ein. Weil ich nicht branchekundig war, bekam ich nur ein kleines Gehalt, bai kaum für meinen not­dürftigsten Lebensunterhalt ausreichte. Ich muß aber, wie du weiht, meine Schwester unter­stützen, die es so namenlos schwer hat. Elli kann doch leider gar nichts verdienen. Ihr sind die Hände gebunden. Die Pflege ihres kranken Man­nes und die Versorgung ihrer zwei kleinen Kinder nehmen sie ganz in Anspruch. Ihr Leben besteht nur aus Pflichterfüllung und Entbehrung. Es war mir oft so schmerzlich, dah ich ihr nicht genügend helfen konnte. Siehst du, da konnte ich nicht nein sagen, als mir mein Chef eines Tages die Stellung als Mannequin anbot. Zweihundert- fünfjig Mark Monatsgage erhielt ich zu Anfang. Die ist inzwischen aus zve fj-.n'cer'a ^tzig g stiegen. Leicht ist der Beruf nicht, Achim, und mir wurde er zuweilen unerträglich immer dann, wenn ich daran dachte, wie du über die Mädchen denkst, die ihn ausüben."

Lene, da hast du mich mißverstanden. Ich halte nichts von dem Berus als solchem er er­scheint mir unerfreulich, ilnö aus diesem Grunde kann ich nicht begreifen, wie sich Frauen dazu hergeben können. Hast du mich nun verstanden. Lene?"

Er blieb wieder stehen. Sie nickte, den Blick zu ihm erhoben. An ihren langen schwarzen Wim­pern glitzerten Tropfen. Weinte sie? Hans- Achim hielt ihre Hand.

Lene, nun ist doch alles gut, nachdem wir uns ausgesprochen haben."

Zwei Tränen liefen langsam über ihre Wangen.

Lene, Liebste fei gut!"

Er preßte ihre Hand, warf einen raschen, spähenden Blick um sich und im nächsten Moment hielt er fie im Arm, kühte Im Schutze der Dunkel­heit ihre zuckenden Lippen...

Lene noch nicht hier?" fragte Friedrich Echa- öoto, der zum Abendessen kam.

Seine Mutter sah flüchtig von der Arbeit auf.

Ist es denn schon so spät?"

Es ist bereits acht Uhr, Mutter! Zeit, daß du auch Feierabend machst.

^.gleich!" sagte sie, stichelte aber weiter. Olbrich xog sich einen Stuhl an den Tisch heran an dem die Mutter arbeitete.

Das Kleid muh bis morgen mittag fertig meber"0816 n<88 füc Fräulein Münch-

»2lha! Wohl auch für die Reise bestimmt?" Sie wußte nichts von einer Reise und sah Friedrich fragend an. Dieser berichtete, was er davon wußte. Der Kommerzienrat hatte ihm nämlich mitgeteilt, dah sie in den nächsten Tagen nach Flinsberg fahren würden. Fünf Personen. 2m Auto natürlich.

.Unfer Wagen faßt gerade soviel Personen. Münchmehers Wirtschafterin, die alte Frau Braun, fährt mit dem einen Dienstmädchen, mit der Hedwig, morgen schon per Bahn voraus. Um das Haus wohnlich zu machen, sagte sie mir. Du fragst ja gar nicht, Mutter, wer die fünf sind!"

Ich bin nicht neugierig, Friedel! Was geht's mich auch an?!"

Frau Geheimrat Tönnies mit Sohn und Toch­ter sind es."

Run ließ sie doch vor Staunen die Hand in den Schoß sinken, sah Friedrich groß an.

Was kann das zu bedeuten haben?" fragte sie. Weih Lene davon?"

Ein Achselzucken war die Antwort.

Die Mutter wandte langsam den Blick ab, stichelte hastig weiter. Friedrich sah ihr dabei zu, bemerkte, dah ihre Hand etwas zitterte.

Er ahnte, was sie erregte, hatte auch gleich die Bestätigung seiner Ahnung.

Lenes Verhältnis zu dem jungen Tönnies macht mir schwere Sorgen!" sagte sie leise.Sie liebt ihn. Wie soll das nur einmal enden?"

Run sah sie den Sohn doch wieder an. Mit einem langen, nachdenklichen Blick.

..Hoffentlich gut, Mutter!"

Eie konnte nicht daran glauben. Hans-Achim muhte doch' einmal reich heiraten. Fräulein Münchmeher war doch wohl schon dafür aus- ersehen, seine Frau zu werden. Man hatte schon so allerlei darüber gehört.

Und nun die gemeinsame Reise, mit der doch sicher etwas beabsichtigt ist. Den jungen Leuten soll Gelegenheit geboten werden, sich näherzu­kommen. Pass' auf, Friedel, nach dieser Reise erfolgt die Verlobung Hans-Achims mit Rose Münchmeher."

Mutter, der kommt mir nicht so vor, dah er sich seine Frau von anderen aussuchen läßt"

Sie atmete schwer auf.

Rein nein, ich kann nicht daran glauben dah es zu einem guten Ende kommt. Für Lene wird es noch grohes Herzeleid geben."

Elli klapperte im Nebenzimmer mit Geschirr Sie deckte den Tisch zum Abendessen. Dann kam sie ins Zimmer, erinnerte die Mutter daran, daß es bereits halb neun Uhr sei. Sie habe die Kin­der gefüttert und ins Bett gebracht. Run müsse man endlich essen. Ihr Mann sei schon unge­duldig. Helene könne nicht verlangen, dah man auf sie warte. Sich mitten in ihrem Redestrom unterbrechend, fragte sie die Mutter:

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Km Soinstagab bimtag des 3. Be Suni' und Sport mit 12 Delegierte ÖD5 abgelousene und wurden lurz xeigte, datz sich i «ickelt hat. Der § riedigenden Star prache wurde d

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Sllbeiier-2

Landfriedensbruchprozeß in Gießen.

* Gießen, 4. Febr. Die gestern abend unter* brochene Verhandlung wurde heute früh wieder ausgenommen. Die Plädoyers des Staatsanwalts und der beiden Verteidiger dauerten gegen zwei Stunden.

Der Staatsanwalt vertrat die Ansicht, daß ein großer Teil der Schuld bei dem An>» getlagten H. liege. Hätte er nicht wegen belang­loser Kleinigkeiten seine Parteigenossen aufge­regt und hätte er nicht den ilcberfall auf den Zeugen Sch. unternommen, so wäre die ©rregung der Gemüter als Grundlage der späteren Vor­gänge nicht entstanden. Die Behauptung, daß Sch. angegriffen habe, sei, widerlegt: er fei mittels eines hinterlistigen Ueberfalles und mit leben­gefährdender Behandlung niedergeschlagen wor­den. Der Strafantrag lautete auf zwei Mo­nate Gefängnis. Weiter sei der Landfrie­densbruch zweifelsfrei erwiesen. Die zusammen- gerottete Menge, die sich trotz mindestens drei­maliger Aufforderung durch die Gendarmerie nicht entfernt habe, hätte denSolmser Hof" zu stürmen versucht und einen Steinhagel gegen das Gebäude gerichtet. Soweit aus dem Gebäude geworfen worden sei, könne von-Motwehr nicht geredet werden, da sich die im Haus Befindlichen selbst in Notwehr befunden hätten. Der Staats­anwalt beantragte gegen die beiden Rädelsführer je sechs Monate, gegen die übrigen Land­friedensbrecher je drei Monate Gefäng­nis. v

Der Verteidige r der wegen Landfriedens­bruchs Angeklagten suchte zunächst die Glaub­würdigkeit der Zeugen anzuzweifeln. Die Be­hauptung des Angeklagten H., er sei von Sch. angegriffen worden und habe sich nur gewehrt, fei nicht zu wiederlegen. Der Sturm auf den Solmser Hof" stelle sich zunächst nur als Ver­such des Landfriedensbruchs dar, der straflos sei, weil die auf die Ermahnungen des Wacht­meisters zurückgehende Menge ihren Plan auf­gegeben habe. Der Steinhagel sei in Notwehr erfolgt, da zuerst aus demSolmser Hof" ge­worfen worden fei. Der Verteidiger beantragte die Freisprechung seiner Klienten.

Ebenso plädierte auf Freisprechung der Ver­teidiger der beiden wegen verbotener Waf­fenführung Angeklagten. Kein Zeuge habe sie be­obachtet, und auf die Angaben ihrer Mitangeklag­ten Gegner fei kein Wext zu legen.

Nach langer Beratung verkündete das Gericht das bereits gestern in einem Teil der Auflage berichtete Urteil: Wegen Landfriedensbruchs er­hielten zwei Angeklagte (Rädelsführer) je sechs Monate, zchn je drei Monate Gefäng­nis, einer wurde freigesprochen. ebenso wurden die wegen unbefugter Waffenführung Ange­klagten freigesprochen. Der Angeklagte H. erhielt weiter wegen Körperverletzung zwei Wochen Gefängnis, die mit der Strafe we­gen Landfriedensbruchs zu zwei Monaten einer Woche zusammengezogen wurden.

In der Begründung führte der Vorsitzende des Gerichts aus, daß der Angeklagte H. zweifel­los angegriffen habe: schwere Körperverletzung sei indessen nicht erwiesen. Ebenso stehe nach der Beweisaufnahme der Tatbestand des Landfrie­densbruchs in einheitlichem Zusammentreffen mit 2luflauf fest. Die Menge habe sich trotz der dreimaligen Aufforderung des Gendarmen nicht entfernt und mit dem Steinhagel Gewalt gegen das Gebäude verübt. Notwehr wegen des an­geblichen Wurfs aus demSolmser Hof" komme nicht in Frage.

Die beiden wegen verbotenen Führens von Waffen Angeklagten wurden mangels Beweises freigesprochen.

Du siehst ja so bedrückt aus! Was ist dir? Wovon spracht ihr?"

Und die Mutter wiederholte ihr in kurzen Umrissen, was sie mit Friedrich gesprochen hatte, Friedrich erhob sich.

Na also, Mutter, nun sei auch wieder munter* Er legte seine Hand auf Ellis Schulter.Ich denke, nun ist es Zeit zum Essen. Um neun Uhr muh ich fort.

Er wohnte nicht mehr bei der Mutter, hatte zwei Stuben ganz nahe bei der Garage, die sich in der Solmstrahe befand. Zu den Mahlzeiten kam er zu feiner Mutter.

Sie setzten sich eben zu Tisch, als die Korridor­klingel schrillte. Friedrich ging, um nachzusehen, liier da sei. Er lieh die Stubentür hinter sich auf.

ßina Knorpe stand vor ihm. Ob er ihr einen Gefallen tun würde? Ihr Vater sei nicht zu Hause, sonst hätte fie diesen gebeten.

Ja, was denn?"

Einen Korb Wäsche auf den Trockenboden tragen.

Er lächelte. Sie sah ihn mit ihren großen, hellblauen Augen bittend an, strich eine feuchte Haarsträhne aus ihrem hübschen, erhitzten Gesicht.

Endlich sagte er:Ja, selbstverständlich! Einem jungen Mädel kann ich nie etwas abschlagen.

Ach, das ist nett! Fast fehlte mir die Courage, Sie zu bitten. Und wenn meine Arme nicht schon so müde wären vom Waschen, hätte ich mir den Korb allein hinaufgetragen.

Sie versuchte die aufgestreiften Aermel her­unterzuziehen. Er hinderte sie daran und tät­schelte ihre bloßen, rundlichen Arme. Sie wich einen Schritt von ihm zurück.

Nicht doch!" sagte sie, hatte aber dabei ein lockendes Lächeln auf den Lippen.

Elli rief von der Stube her, wer da wäre.

Die Lina, Elli!

Na, dann kommt doch herein! Es zieht!"

n andermal, Frau Taube heute nicht!" rief Lina zurück. Sie kam öfters zu den Schadows. Ließ ja ihre Kleider von Frau Schadow machen. Glaubte, dadurch ein gewisses Anrecht auf die Freundschaft der Familie zu haben. Aber so, wie sie jetzt ausfah, wollte fie sich nicht zeigen.

So na, denn wollen wir an die Arbeit gehen", sagte Friedrich. Er mußte den Seinen erst Bescheid sagen, dah sie nicht mit dem Essen auf ihn warten sollten. Er kam schnell zurück, nahm seine Mühe vom Garderobeständer, und dann schritt er neben Lina die Treppe hinunter. Das Waschhaus war im Hofe.

Was bekomme ich dafür, dah ich den Korb hinauf trage? fragte er scherzend und legte feinen Arm um ihre Schulter.

(Sortierung folgt)

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