Einzelbild herunterladen

Nr. 30 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Freitag, 5. Hedruar (932

Oonaustürme.

In Wien Hot der Bundeskanzler DrJu« resch mit Hille einer Regierungskrise den Außenminister Dr i)an» idjobcrauh geschifft. Wenn es nur ein innerpolitisches 8r» eigniS wäre, eine Rückwirkung der Feindschaft, die ein großer Teil der Ehristlichlozialen und der Heimwehrleute gegen HanS Schober hegen, ginge rS an. Oesterreich ist so klein, daß es tich selbst schon innetpoli tische Stürme der Leidenschaft leisten muh, um von der öffentlichen Meinung Europas überhaupt wahrgenommen au werden. Aber Dr. Hon» Schober ist nicht deshalb ousgefchifft wor­den, weil gewisse Leute seine starke Hand fürchten. HanS Schober ist vielmehr das Opfer der Tragödie, die das Schicksal der Deut, lchcn Mitteleuropas in sich schließt.

Oesterreich tonn nicht leben, aber jeden Tag sterben Die Urheber de« Vertrages von St Der. inain hoben aus Oesterreich ein Staatsgcbilde ge. schaffen, das nicht leben kann und nicht leben soll. Dost Oesterreich nicht leben kann, wird durch die dreizehn Rochkriegsjahre bewiesen, in denen e« von einer Krise in die andere taumelte, in denen abwechselnd die finanzielle Hilfe des Völkerbun- deS oder des internationalen Finanzkapitals not­wendig war Eine finnlofc Grenzziehung. die allein schon auSreicht. um die Urheber des Vertrags von St. Germain für olle 3cit mit dem Fluche einer geplalton und gepeinigten Bevölkerung zu verfolgen. foll dazu dienen, Oesterreich von Deutschland abzudrangen. um eS den Nachfolge- floaten auszuliefern Aber die Ltaatsmannner, die den Dertrog von St. Germain entworfen hoben, die dabei den Einflüsterungen der Tschechen, der Serben und Rumänen unterlagen, waren ent­weder zu blind oder zu einfältig, um die innere Kraft der wirtschaftlichen Entwicklung z u ver­stehen. Sie konnten die T-oppelmonarchie zerreißen, he konnten aber an ihrer Stelle nicht ebenso lebensfähige neue Staaten fchoffen, denn woS vor­dem ein einheitliches WirtfchaftSgcbiei gewesen war, wurde nun zu einem Tummelplatz wirt- schastlicher und sozialer Gegensätze

Oesterreich Hot olles versucht und nichts unter, lassen, um in diesen dreizehn Jahren schlecht und recht zu leben, teils von Ehristlich-Svzialen be­treut, teils von einem Mischmasch, das atid) auS unversöhnlichen Gegensätzen von geschichtlicher Ueberlieserung bestand 3n HanS Schober ist dem unzulänglichen Staatswesen Oesterreich ein Staatsmann erstanden, der nicht deshalb geschei- tert ist, weil er zu srich handelte, sondern deshalb, weil er sich an eine Ausgabe heranmachte, die eigentlich daS Problem Europas ist. ES war kein diplomatisches Spiel gegen Europa, daß Schober eine deutsch-österreichische Sollunion vor­bereitete. sondern ein überlegter Versuch, durch eine zollpolitische Eingliederung Oesterreichs in den mitteleuropäischen Raum dieses Oesterreich selb st lebensfähig zu machen. Da sich die Vernunft nun doch einmal im Völkerleben durch- setzen must, so wird a»ch eine deutsch-österreichische Zollu^on Tatsache werden, aber wahrscheinlich er ft. wenn die Völker Europas teures Lehrgeld bezahl^ haben. Oesterreich soll einstweilen nur noch daS Sprungbrett lein und bleiben, das außer Frankreich noch andere Länder gebrauchen, um Mittel- und Südosteuropa machtpolitisch für sich einzusetzen Vielleicht hätte Oesterreich den Weg in» Freie schon gefunden, wenn seine Be­völkerung politisch und national eine Einheit bil­dete Aber die unselige Zerrissenheit, die wir ja auch leider im Reich kennen, macht Oesterreich erst recht zum Spielball einer ränkesüchtigen Politik.

immerhin gibt eS in Oesterreich noch Kräfte, die auS dem Zusammenbruch nichts gelernt haben, die aber über internationale Verbindun­gen verfügen, die sich zwar nicht für Oesterreich, wohl aber für besondere parteipolitische Interessen mobilmachen lassen. Die Ehristlichsozialen haben daS Erbe und die Äachsolge deS schwarz- gelben Klerikalismus angetreten, der in der Doppelmonarchie sehr ost mit Tschechen und Polen einen Block gegen daS 'Deutschtum bildete. VS lästt sich nicht mit Sicherheit feststellcn. wie die Verbindungen beschaffen find, die gewisse Zirkel der Ehristlich-Sozialen vor allem in Paris

unterhalten. Daß diese Zirkel unter Umständen bereit find oder sein werden, dynastische In­teressen auSAuspielen, um dem immer um feine Sicherheit befolgten Frankreich die Gewähr zu bieten, dast bie IvMillionen Deutsche in Mittel­europa sich nicht staatlich zusammenfchließen. ist leider Tatsache. Frankreich yat eS in seiner Weife geschickt ausgenutzt, indem cS finanzielle Hilfe zufagte. odfchon jedermann in Wien und Pans willen must und weist, dast Oesterreich fo wie eS heute ist. nicht leben kann. Daran wird auch eine neue Regierung nicht» ändern, die sich offen von Deutschland abkehrt, die eS vielleicht fertig bringt, den Anschluß preiszugeben, um da­für eine neue Doppelmonarch,e einzutauschen.

Wer diese Entwicklung rückschauend übersieht, entdeckt auch, warum Frankreich sich leiden- schostlich der Zollunion widersetzte. Selbst der Haager Gerichtshof hat feiner- *eit in dem Mehrheitsgutachten anerkennen muf­fen, daß rechtliche Hindernisse der deutsch-öster­reichischen Zollunion nicht im Wege stehen. Um so größer waren die politischen Hinder­

nisse. denn Frankreich ist über ganz Europa hinweg besorgt, dast die Heiligkeit der Vertrage aufrechterhalten bleibt, daS heißt, dast sich n,r- aendwo ein Ansatz bildet, um die Beute aus den Versailler Verträgen zu bedrohen. Denn der VundeSkanzler Pr Vuresch hd) von dem einig­sten Staatsmann trennt, über den Oesterreich zur Zeit verfügt, fo muß die Verbindung mit ge­wissen außenpolitischen EinlluNen doch wohl schon stärker geworden sein. alS d,eS für Oester­reich gut ist. Eine Regierung, der Schober nicht angehört, hat im Rationalrat keine Mehrheit, kann also jeden Tag ge­stürzt werden, ohne daß Rcuwahlen vielleicht eine andere Lösung bringen DaS Wefen de» Staats­manns besteht darin, daß er einigermaßen den Gang der Entwicklung zu überleben vermag Wer übersieht heute in Oesterreich bie Entwicklung, die sich damit zufrieden gibt, über finanzielle Sor­gen von beule Hinwegzukommen, ohne sich viel darum zu kümmern, daß die s'nanziellen Sorgen von morgen und übermorgen sehr viel grö­ßer sein werden?

Oie Jagd im Februar.

Jagd im Februar?" Falt allenthalben zeigt der Schustkalender des Monat» Hornung schwarze Felder Hegezeit. Darum ist leider für viele Jäger der Februar ..lote Zeit". Ein gefährliche» Wort, da» bedeutet, dast man nunmehr nach be­endetem Ablchust von Rutzwild daS Revier fich selbst überläßt, mag dort vorgehen, was will. Sei eS. dast ..mager die Aefung und bitter die Rot. und hinter dem Wild einherfchleicht der Tod", oder daß Unberufene und Unberechtigte ihr heim licheS Handwerk treiben und mit ost tierquälerifch- sten Methoden dem Wilde nachstellen. Gefahr droht in solchen Zeiten mehr denn je. undtote Zeit" gibt eS für den Heger und Pfleger feine» DildeS nicht. Der überaus milde Verlauf be< Winter» hat bi« jetzt das Wild noch keinen Scha­den nehmen laffen. wenn fich auch verschiedentlich wieder ähnliche Krankheitserscheinungen, wie im vorigen Rachwinter, beobachten ließen.

Die Schußzeit de« Rot - und Damwildes ist in den meisten deutschen Ländern zu Ende ge­gangen. Wo daS Gesetz einen Abschuß noch ge- stattet, wie in Hessen für männliche» Wild, wird der weidgerechte Jäger nur noch wirklich kranke und kümmernde Stücke der Büchse freigeben.

Im Schwarzwildrevier erwartet man in diesem schneearmen Winter sehnlich den wei­ßen Leithund, um die Sauen mit Aussicht auf Erfolg besagen zu können.

Da» Rehwild macht befonderS in Revieren mit Eichelmast einen gefunden Eindruck, und die Böcke haben vielfach schon gut geschoben, ein An­blick. der da» Hegerauge erfreut.

Die Frühlingswitterung der Januarwochen hat bie Hafen an ihre Pflichten zur Erhaltung der Art erinnert. Hoffentlich findet der zu er­wartende Satz nicht dann das im Januar fehlende Winterweltcr vor.

Milder Winter und Eichelmast haben die Wildtauben vielfach dazu verleitet, im Win­ter hier zu bleiben, und fchon im Januar konnte man vereinzelt da» Rufen des Ringeltaubers hö­ren. dem die Frühlingsfonne ans Herz griff. Unsere Wildhühner haben nirgends Rot gelitten. Wo die Fafanen gefüttert wurden, find fic treue Gäste geblieben

Die Jagd auf F a f a n e n h ä h n e ist noch wei­ter offen, während Hennen jetzt überall geschont sind.

Ebenso ist der Abschuß von Wildenten ge­setzlich untersagt, während Gänse, die in der letzten Zeit öfter» als Wintergäste beobachtet werden konnten, weiterhin schußbar sind.

Gegen Ende des Monats wird der Vogelzug einsetzen; da» Leben in der Ratur. wo die Hasel- nnst schon blüht und die Weidenkätzchen silbern glänzen, erwacht aufs neue.

Unser R a u b w i l d ist in die Ranz- oder Rollzeit eingetreten. Die Zeit ist da, wo die Ar­beit mit dem Erdhund häufig den größten Er­

folg am Fuchsbau verfpricht. wenn die Jähe mit einigen Verehrern fich dort steckte. Auch Iltis, Wiefel und Marder ranzen oder verraten wenigsten» ein der Ranz ähnliche« Gebaren, während die echte Ranzzeit entgegen früheren Annahmen nach unteren heutigen Kenntniffen ihrer Biologie wenigstens bei den echten Mar­dern in den Sammer fäll. Jedenfalls bietet aber biefe Zeit bei allen oft eine Gelegenheit zu er­folgreicher Bejagung. Der Dachs hat in Preu­ßen fchon Schonzeit, in Heften beginnt fie am 16. Februar, wenn fich oft schon Junge im Ban befinden.

Wenn sich auch immer noch Gelegenheit zu jagdlicher Betätigung findet, fo bleibt doch da­neben Schutz und Pflege des Wildes die Hauptaufgabe. Vor allem find alle Wild­wechsel oft zu kontrollieren und auszugehen, auf alle verdächtigen Zeichen im Revier ist zu achten, Zufammenarbeit und gegenteilige Verstän­digung der Rachbarreviere und der Schuhbeamten find nötiger denn je Fütterung ist unnötig, to- lange da» Wetter bleibt, wie e« ist. Rur der Satan muß belfer behandelt werden, wenn er fich wohl fühlen und bleiben toll Heublumen, Spreu und etwa» Weizen oder Mai» find auch in den heutigen Zeiten erfchwinglich und lohnen fich un­bedingt.

Wo noch keine S a l z l e ck e n find, müssen fie fo vorbereitet und angelegt werden, daß fie dem Wild bekannt find und angenommen werden, wenn die Gefahren des Frühjahrs kommen. Streut man bei einer neu angelegten Lecke reichlich Eicheln, die überall zu finden find, ober bietet man Hafer ober ähnliche Leckerbetfen, fo werden die Lecken rafch gefunden und finden regelmäßige Besucher. Dolche Hegeeinrichtungen find in zahl­reichen Revieren bi» jetzt unterblieben, weil fie neu verpachtet werden. Um fo wichtiger ist es, das Versäumte nach der Verpachtung baldigst nachzuholen. Wer ein Waldrevier aus fremder Hand nur auf 6 Jahre pachtet, farn gar nicht energisch genug die Wildpflege betreiben, wenn er in der kurzen Zeit, die ihm zum Ausbau zur Verfügung steht. Freude erleben will.

Hubertus.

Daten für Freitag, .».Februar,

1808: der Maler Karl Spihweg in München geboren. 1861: der Luftfchiffer August von Parscval in Frankenthal geboren. 1875: Papst Pius IX. erklärt die preußischen .Maigefehe" für ungültig.

Daten für Lamstaq, «.Februar.

1919 Eröffnung der Deutschen Rationalver- fommlung in Weimar. 1922: Kardinal Ratti wird Papst (Pius XI.).

Oberheffen.

Gemeinderatssihung in Äüdingen.

!! Büdingen. 4 Febr Der Gemeinde- r a t beschäftigte l,ch gestern erneut mit der früher Ichon beschlossenen Anstellung eine# Berufsbürgermeisters für untere Stadl Ein Antrag aus der Vürgerlchasl, weiterhin einen ehrenamtlichen Bürgermeister die Verwal­tung der Stadt wahrnehmen zu lasten und in der gegenwärtigen Zeit auf einen BerufSbürger- meiltet zu verzichten, wurde in geheimer Ab­stimmung gegen bie Mitglieder der sozialdemo­kratischen Fraktion abge lebnt Ebenso verfiel ein Antrag auf Aenderung der OrlSfatzung über die Eingruppierung des Berufsbürgerineister» gegen bie Stimmen der SPD der Ablehnung Der Gemeinderat defchloß fodann, die Beruf«- bütger meister ft eile zur Befetzung auszufchreiben. den Ablauf der Meldefrist auf den 26. Februar fcftzufetzen und die Wahl au< den 9 März anzuberaumen. Gin Antrag der SPD. vor dem Wahltag in einer besonderen Sitzung die Gesuche der Bewerber zu fichten und da» Programm der in bie engere Wahl kommen­den Bewerber in öffentlicher GemeinderalSfitzung zu hören, wurde gegen die Stimmen der SPD. abgelcbnt.

Der Gemeinderat nahm hieraus Kenntnis von einer Verfügung de» KreiSamt« Büdingen, in der mitgeteilt wird, daß gegen den Schuhmann Mehget ein Verfahren wegen Mein­eid» in zwei Fällen und wegen Verleitung zum Meineid in einem Falle eröffnet wurde, und daß Mehger mit fofortiger Wirkung und zu­nächst für die Dauer de» Strafverfahren« sei­ne» Amtes enthoben ist

Der Beschluß vom 18 Januar über die A in t »- niederlegung de» Beigeordneten D i e m c r wurde durch Verzicht de» Demeinde- rat» auf die Amtsniederlegung hinfällig, fo baß Beigeordneter Diemer sein Amt weiterhin versieht

Eine Erhöhung der Realfteuersähe zur Deckung eine» eventuellen Mehrbedarf« für das Rechnungsiahr 1931 wurde abge lebnt Im übrigen beschäftigte man fich noch mit einer Anzahl Heincrer Vorlagen.

GtadivorstandSsihung in Alsfeld.

Alsfeld, 4 Febr. In der jüngsten Stadt vorftvndssitzung befaßte man fich mit bei Prämien Markt-Lotterie für bas Jahr 19 3 2. Die mit dem Markte verbundene 2<erlofung i(i in der Hauptsache fett V11*'1 Jahren I'on einer Sachlotterie in eine Geldlotterie umgewandelt und es find nur noch einige wertvolle Sachgewinne bei behalten worden. Die Marktkommifsion schlug für 1932 dieselbe Ausgestaltung der Lotterie mit 10 000 Losen mi 50 Pf vor Aon dem Vertreter des Ein zelhandels wurde die Wiedereinführung der Sach lollcric beantragt Der Antrag wurde abgelehnt und die Durchführung der Lotterie, wie von der Marktkoinrnisfion oorgefchlagen, genehmigt.

Zur Erhebung des Wasfergeldes für das Rechnungsjahr 1 93 2 wurde von der Der wallung, wie in den Vorjahren (fchon feit 1926), der alljährliche Zuschlag von 50 Prozent als allgemeine Finonzzuweifung beantragt. Rach Mitteilung des Vorsitzenden - den immer bedrohlicher an wachsenden Ausgaben mr die sozialen Lasten nn möglich, einen Abbau dieses Zuschlags zur Zeit vor- zunehmen. Es wurde daher debattelos beschlossen, den Zuschlag auch für bas Rechnungsjahr 1932 zu erheben.

Die Babegebühren ber städtischen Badeanstalt in der Stadtschule wurden gemäß dem Antrag der Verwaltung von 50 Pf. auf 40 Pf. herabgesetzt. Der 20-Pf. Preis für Brause­bäder bleibt bestehen.

Die beantragte Ausführung ber Kanalisa­tion der I c i 1 ft r c cf c o n m Fuldertor bi« f)crsf clber Straße wurde aus Antrag des Vorsitzenden zwecks Prüfung verschiedener Fragen an den Bauausschuß zuruckverwiesen.

Unter Mitteilungen machte der Vorsitzende Aus- führungen über die sozialen ßaften der Stadt Alsfeld, die sich in bedenklicher ®eifc

1OO Löwen beziehen Erwerbslose n mierstühung.

von Or. Gustav. (Lberlein, Dtom.

Reapel, im Februar.

Die Hungerdemonstration ging mit einem Ge­brüll vor sich, wie es der Vesuv seit seinem eige­nen Gepolter, wie es Plinius erschreckte, nicht mehr gehört hat. Lind kann man es den Arbeits­losen verdenken? Da fitzen die andern, die über­haupt nicht zu arbeiten brauchen, die Groß- kopfeten, die Privatiers, die Lurusweibchen sitzen in Fett und Würden, in Zoo und Bewunderung, sie haben ihre pünktlichen Mahlzeiten, ihre lukul­lischen Gastmähler haben sie, ihr DerdauungS- schläfchen, sie sind, bei allen Wüstengöttern, nur zum Angaffen da, während unsereins

Jeden Tag. den ber Himmel schickt, unter Eisenftangen und Geißelhieben in die Manege, Sonntag» zweimal, dazwischen Kindervorstellun­gen und diese Veranstaltungen der Wohltätig­keit, die uns weh tut. auf lächerliche Hockerchen hinauf, hinunter, durch Feuerreifen hindurch, etwas Schmackhaftes zwischen den Zähnen, wobei man aber beileibe nicht zubeißen darf, weil es der Kops des Herrn Generaldirektor» ist, nur zum Gruseln da für den füßen Pöbel, sogar .Pyra­miden" will er sehen, Pyramiden aus Löwen, auf einem Kamel foll man reiten, weil es ein ver­rückter Dichter vor einem Menschenalter fo in Mode gebracht hat, während der dumme August über unö lacht und es nachzumachen versucht, es gibt ja so viele Kamele - und die Leute wollen uns fauchen und brüllen und mit den Pranken hauen sehen, denn fic haben bezahlt, sie wollen was für ihr Geld tagaus, tagein ein Hundeleben

Run. man braucht das ja nicht auszumalen, es ist ja leicht, fich in die Seele eines Löwen zu versetzen. Wie aber, wenn man als solcher plötzlich abgebaut wird, seine Stellung verliert, auf öffentliche Mildtätigkeit angewiesen ist? Ein Schauspiel, selbst das ein Schauspiel nur für die Menschen?

Wißt ihr, was das heißt, einen hundertfachen Löwenhunger haben? Rein, denn die Anwohner befchweren sich über den ruhestörenden Lärm!

Lind die Polizei stellt sich auf den Standpunkt, I daß wir nicht lebende Wesen, sondern nur Ein­ritt) tungsgegenstände de» Zirkus und als solche | Pfandobjekte seien, wie die Traktoren, die Zelte, da» Reklameflugzeug, die Schreibmaschine im Bureau. Eie würden un» Marken auf den Bauch kleben, wenn fie die Eourage dazu hätten. Wir sollen angeblich sogar die Hauptbestandteile der .Masse" bilden. Acht Kamele hatte sich schon der Eteuerbeamte in Rom zurückbehalten, die Wind­hunde gingen für 80 Lire weg, der graue Bär konnte geschlachtet werden, die Pferde, arabisches Vollblut, werden künftig Weinkarren durch die Campagna schleppen, die Artisten setzt man auf die Dahn und schiebt sie ab. alle» findet fo ober fo eine neue Stellung ober kann irgendein andere» Leben beginnen nur die Löwen und Tiger müffen in ihren Käsigen bleiben und hun­gern. Lind da soll man nicht brummen!

Linendliche Tragik spielt um den Bajazzo wie um einen bankrotten Zirkus Es ist doppelt traurig, wenn man aus der Reise im Ausland von den bösen Zeitläuften überrafcht wird Doch nichts reicht an die Verzweiflung der weltberühm­ten ..hundert Löwen" des Kapitäns Schneider heran.

Schon beim Uebergang über bie Alpen fing cs an. Der Reklameslieger glaubte es bequemer zu haben als die Elefanten des Hannibal, er flitzte durch den verheißungsvollen blauen Himmel und warf übermütig Prospekte und Eintrittsermaßigun gen ab. Da geriet er in Berdacht, jener auswärtige Flieger zu fein, der antifaschistische Flugblätter über Rom abgeworfen hatte, drei Wochen lang saß er in Untersuchungshaft. In Rom fand derCapitano" den Zeltplatz von einem Konkurrenzunternehmen besetzt, er mußte in aller Eile einen andern, den man ihn anwies, urbar machen, und als es fo weit war, und die Eröffnungsvorstellung versprach, daß die Platzmiete nach und noch wieder hereinkommen wurde, entdeckte man im Vatikan, daß bie hundert Löwen der neronischen Arena doch allzunahe seien. (Earabinieri. Faschistische Miliz. Gesperrt!

odjulbenüberlaben also weiter, nach Neapel. Zu­nächst einmal 30 000 Lire Platzmiete Wie macht man das ? Wie bringt man nebenbei hundert Löwen durch? Mst Zahlungsbefehlen wollten fie nicht vor­lieb nehmen. Sie hätten Anspruch auf 12 Kilo Fleisch mit Knochen täglich. Andernfalls würden sie streiken.

Bald bekamen sie nur noch acht, sechs, drei Kilo.

Dann zwei, dann gar nichts mehr. Sie wunderten sich und der Capitano zog es vor, seinen Kopf nicht mehr in einen erstaunten Rochen zu legen, sondern in den Schoß des Gesetzes. Woraus es ihm die Bude sperrte.

Zur Ehre der Neapolitoner sei es gesagt, daß sie sich nicht nur über den j)ungerlarm erbosten, son­dern ihn auch auf eine natürlichere als die gesetz­liche Art zu stillen trachteten. Sie schickten f)eu, Ägrtoffeln, Gemüse und einen eingegangenen Esel. Brüderlich teilten sich Mensch und Tier in die Nah­rung. Dann opferte sich noch ein pensionierter Droschkengaul. Eine Atmosphäre von echter Mensch­lichkeit sozusagen umgab die reißenden Bestien. Der Tierschutzverein erschöpste seine Reserven, seine werktätigen Mitglieder sind unermüdlich auf den Seinen. Die Löwen wurden populär und wenn man sich bisher scheute, eine Lira für dieTierschau" auszugeben, so gingen einem jetzt fünf leicht aus der Hand. Die Herzogin von Aosta ließ es sich nicht nehmen, die armen Erwerbslosen zu besuchen. Es kamen an einem Tage einmal dreitausend Lire zu­sammen, Aber was ist das schon, wenn die Gläu­biger nicht locker lassen?

In diese Misere werden zwei kleine leoncini hin- eingeboren. Man ist zu Tränen gerührt und tauft sie Vesuvio und Napoli. Nützt alles nichts: es soll, es wird, es muß gepfändet werden.

25 Lire für einen männlichen Löwen! 25 Lire für einen Königstiger! Wer bietet? 25 Lire kostet ein Mittabessen ... man kann auch einen Strohhut dafür kaufen »Was tut man mit einem Löwen"

Ich besuchte meine FreundinEuropa" Sie wissen schon: die kriminell berühmte Filmschau­spielerin, die damals, als manQuo vadis" drehte, Nero in die Flucht schlug, jawohl, Emil Man­ninos, und einen Komparsen, der als Römer in der Arena saß, herunterholte und umbrachte. Es läßt sich nicht behaupten, daß mich Miß Europa mit dem Aufnahmelächeln einer Diva empfing. Sie gähnte vielmehr auf merkwürdig begehrliche Art, fie war nicht manikürt und gebrauchte, nach der Puderquaste (am Schwanz) zu schließen, die sie mir etwas temperamentvoll ins Gesicht fegte, nicht mehr Mille fleure.

Ich werde dich, sagte ich, nach Rom bringen, in den' herrlichsten Tiergarten dieser Erde, ich werde zu diesem Zweck bas höchste Gebot machen, 60 Lire bringe ich schon zusammen, ich werde dir ein be­sonders hübsches Zimmer besorgen, wenn es meine Frau erlaubt

Hat gar nichts au erlauben! Hier bestimmt nur die Polizei. Hat schon bestimmt: Versteigerung um jeden Preis, der nächstbeste Heringsbändiger kann mich kaufen, darf mich aber nicht wegführen. Wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung. Tjowoll

Kein Mensch weiß einen Ausweg. Hungernde Er werbslofe sind ein Problem, hungernde Löwen aber eine Ratlosigkeit ohnegleichen Wer möchte den Rat geben, das Problem zu erschießen? .

Hochschulnachnchten.

Der Proscssor der klassischen Philologie Dr. Karl Reinhardt in der philosophischen Fa­kultät der Llniversität Frankfurt wurde alS Rachfolger von Geheimrat Professor Dr. Otto Kern nach Halle berufen.

Professor Dr. GiSbert BeyerShau« in Bonn erhielt einen Ruf auf den Lehrstuhl für allgemeine neuere Geschichte an der deutschen Universität in Prag als Rachfolger de« ver­storbenen Professors Ottokar Weber.

Zur Wiederbesehung de» Lehrstuhl« der semi­tischen Philologie an der Llniverfität Königs­berg ist ein Ruf an Professor Dr. Joseph Schacht in Freiburg i.Dr. ergangen.

Zur Reubesetzung des Lehrstuhls für roma­nische Philologie in der philosophischen Fakultät der Llniversität Leipzig ist Professor Dr. von Ian an der Llniverfität Greif swald in Aussicht genommen.

Aus den Lehrstuhl für allgemeine Therapie und Pharmakologie und als Direktor der Klinik für kleine Haustiere an der Technischen Hoch­schule Hannover wurde der Privatdozent der veterinärmedizinischen Fakultät der Llniversität Leipzig, l?r. meck. > et. Richard Volker, be­rufen. et hat den Ruf angenommen und wird feine Lehrtätigkeit im kommenden Sommersemefter aufnehmen

Prof. Dr R. H i 11 m a i r von der Technischen Hochschule in Dresden hat einen Rus auf den an der Universität Tübingen freiwerdenden Lehr stuhl für englische Sprache und Literatur erhalten.

Als Nachfolger des verstorbenen Prof. Dr. Peter Wagner wurde der Privatdozent Dr. K. Gustav Feilerer, Direktor des musikwissenschaftlichen Seminars an der Universität M ü n st e r, auf den Lehrstuhl für Mufikwisienschoft an der Universität Freiburg (Schweiz» berufen; er hat bereits feine Ernennung erhalten.