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nr. .'0 Erster Slatt

182. Jahrgang

Zreitag. 5. Zebruar 1932

Erschein» täglich, nutzer Sonntags und Feiertags Beilogen: Die Illustrierte Siebener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Hlonats-Beiigspreis:

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Siebener 2lnjdger

General-Anzeiger für Gberhessen

Und b«ö Verlag: vrLhl'fche U«jverßtätr-V»ch- unö Steinbruderti R. Lange in Gieren. 8chnstleitnRg und Geschästzstelle: ScbulitTafft 7.

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Chefredakteur

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.Tdyrio«; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.

Englands Llebergang zum Schutzzoll.

Neville Chamberlain verkündet den neuen allgemeinen Zolltarif von 10 Prozent. Ausnahmen für die Dominions und Kolonien. Kampfzuschlagzölle bis 100 Prozent.

London. 4. Febr (TU.) Olm Donnerstag­nachmittag gab der Schaylanzier Neville Cham­berlain im Unterhaus feine Pläne für die neue Zollpolitik bekannt. Der Tag fei nun ge­kommen, fo begann Chamberlain feine Ausfüh­rungen. wo die Regierung die schwierig st e Frage in Angriff nehme, um deren Willen fie gebildet worden fei. Ihre früheren Maßnahmen zur Einschränkung der Wareneinfuhr seien ein voller Erfolg gewesen Dank deS Patrio­tismus und der Opferwilligteit deS englifchcn Steuerzahlers seien de Einnahmen auS den Der- kehrssteuern und den Steuern auf die höheren Einkommen um 50 v. Sy höher gewesen, a l - im Dorjahr. Wenn die Stau­ern während des Restes dieses Dierteljahres wei­ter in demselben Maße eingingen, so könnten anderweitige Derluste ausgeglichen werden und der englische Staatshaushalt werde ohne Fehl­betrag abschließen.

Der Außenhandel zeige zwar gewisse Anzeichen einer Desserung, aber die Grundfragen der Re­parationen und Kriegsschulden seien noch nicht einmal ungerührt worden, und die j ü n g- sten Ereignisse im Fernen Osten hätten erneut Grund zu Desorgniffcn gegeben. Die haupt­sächlichsten Industrien in England könnten nur schwerfällig in Bewegung gesetzt werden. Die Eisen- und Stahlindustrie verharrten in einem Zustand deS Stillstandes Schiffahrt und Landwirtschaft befanden sich noch immer auf ihrem tiefsten Stand. DaS englische Pfund sei zwar während einer langen Zeit wunderbar stabil gewesen.

Die Regierung glaube aber, dah bas Bet­trauen nicht voll wlederhergestellt werden könne, solange die Handelsbilanz ungünstig wäre. Vie Einfuhrüber­schüsse hätten in den Jahren 1929 bis 1931 über 200 Millionen Pfund betragen. Angesichts dieser tage müsse die Regierung Mahnahmen ergreifen, am die Handelsbilanz zu verbessern.

Gleichzeitig wolle die Regierung die Finanzen des Landes festigen und durch Mahnahmen, die auf keinen Fall der Bevölkerung eine befondcrs schwere Last auferlegten, neue Einnahmequellen schaffen, womit auch eine Art Versicherung gegen eine Erhöhung der Lebenshal- tungskosten verbunden fein solle. Die Regie­rung schlage daher vor, durch einen mäßigen Schutzzoll, der von wissenschaftlichen Gesichts- punkten aus der Lage der Industrie und der Land- wirtfchaft angepatzt ist, den englischen Fabriken und dem englischen Boden Arbeit zuzuführen, die bisher wo anders geleistet worden fei. Gleichzeitig ergreife sie die Gelegenheit, um den Ländern des englischen Weltreiches besondere Vorteile anzubieten.

Die Grundlage der Vorschläge sei ein all­gemeiner Wertzoll von 10 v. h. auf alle Einfuhren nach England mit gewissen Aus­nahmen, worunter Weizen, Brot, Rohwolle, Rohbaumwolle. Tee, Jleisch fallen.

Die Tabak-, Zucker-, die Mac Kenna- und die Safe- guarbing-, sowie die Zölle gegen die unnatürliche Einfuhr und die jüngsten landwirtschaftlichen Zölle, blieben bestehen wie bisher. Ferner werde ein unabhängiger beratender Ausschuß ein- gesetzt werden. Dieser habe die Ausgabe. Empfeh­lungen auszuarbeiten, welche zusätzlichen Zölle erhoben werden sollen. Er werde das Recht haben, entweder Wertzölle oder Sonderzölle, dauernde oder nur zeitweilige Zölle zu empfehlen, hinsichtlich der Dominions und Indiens habe die Regierung befchlosien, datz weder der allgemeine, noch der Zusatzzoll vor der Ottawa-Konferenz auf sie angewandt werden sollen. Sie schlage ferner vor. daß alle Erzeugnisse der Kolonien, Pro­tektorate und Mandate von den allgemei­nen und dem Zusatzzoll befreit bleiben sollen.

Die Maßnahmen gegen die Länder, die beson­dere sich gegen England richtende Fälle hallen, würden besonders erwogen wer­den. Das Handelsministerium werde im Ein­vernehmen mit dem Schatzamt ermächtigt wer­den. in solchen JäQen einen Zoll bis z u 10 0 v. h. zu erheben, der zusätzlich zu den Zusahzöllen auf irgendwelche waren hinzutritt, die aus den England schadenden Ländern nach England eingesührt werden. Die Zölle könnten in einer besonderen Verordnung f eftgelegt werden.

Die Regierungsoorschläge, fo schloß Chamberlain seine Rede, stellten einen sorgfältig durchdachten Plan dar und das Kabinett glaube, daß er im In­teresse der Nation liege und den gegenwärtigen Um­ständen in den anderen Teilen der Welt am besten angepaßt wäre. Der Schatzkanzler beendete seine Rede unter lautem Beifall von den Regierungs­bänken. Die Vorschläge Chamberlains auf eine all­gemeine Erhöhung des allgemeinen Zolltarifs um 10 o.h., auf Einsetzung eines Zollausschuffes und auf Vorzugsbehandlung für die Dominions werden in drei vonein ander getrennten Ent­schließungen dem Unterhause vorlegte.

In der Unterhausdebatte betonte Sir Herbert Samuel, daß der lOprozentige Taris nur einen äußerst geringen Teil von Waren ohne Zoll (affen

würde. Die Maßnahmen würden von dauerndem Charakter (ein. Die von dem neuen Ausschuß zu schassenden Zolle wurden das Land endgültig i n ein protektionistisches Land verwan­deln. Sir Herbert Samuel kündigte an, daß die Regierung dcm Parlament binnen kurzem eine Landwirtschaftspolitik oorlegcn werde, die dazu bestimmt sei, die Handelsbilanz zu st ä r t e n. Das Gesetz gegen die anormale Einfuhr würde im Mai ablaufcn, bann würbe vielleicht wei­tere zeitweise Gesetzgebung für eine kurze Periode erforderlich fein.

Gegen die Geldhamsterer.

Ein nad)nhmcn tverter Feldzug Hoovers in USA.

Washington, 4. Febr (2U.) Präsident Hoover hat sich am Mittwochabend in einer Art Ausruf an die Bürger der Ber­einigten Staaten gewandt mit der Bitte, sie in seinem Kampf gegen daS Geld­hamstern zu unterstützen. In einer Erklärung, die das Weihe Haus ausgegeben hat, werden die Führer der WirtschastSverbände gebeten, am

SamStag zu einer Besprechung nach Washington zu kommen, um über den Feldzug gegen die Geld- Hamsterer zu beraten. Hoover erklärt, datz mehr als 1,3 Milliarden Dollar (über 5,4 Milliarden Mark) verstecktgehalten wür­den. Es ist daS erstemal seit dem Kriege, dah die Regierung so nachdrücklich die Oeffentlichkeit aus­fordert. sich an einem .nationalen Feldzug" zu beteiligen. Rach den Aeuherungen Hoovers ver­letzt jeder Geldhamsterer nicht nur seine eige­nen Interessen und die seiner Familie, sondern er handelt auch gegen die All­gemeininteressen. CS sei dringend not­wendig, dah der Geldumlauf wieder verstärkt werde.

In unterrichteten Ärcifcn wird die Erklärung HooverS auf die Tatsache zurückgeführt, dah zahlreiche Einleger ihr Geld von den Danken ab­gehoben haben, weil sie befürchten, unter 11m- ständen ihr Gesd zu verlieren. Manche an sich gesunde Bank sei deshalb zugrunde gerichtet wor­den. Das unwirtschaftliche Verhalten eines Teiles der Oeffentlichkeit sei einer der wesentlichsten Ursachen für die derzeitige Depression.

Die Abnistungskonserenz konstituiert sich.

Sine deutsche Jnitiallve in Gens?

Wird Dcutschland eine» eigencnAbrüstunstsentwtirf vorlegen?

Genf, 4. Fcbr. (TU.) In Konferenzkreisen wird vielsach die Erwartung ausgesprochen, dah die deutsche Regierung im Laufe der Abrüstungs­konferenz mit dem Entwurf eines allge­meinen Abrustun.gsabkommens her­vortreten wird. Man weist darauf hin, dah die deutsche Regierung bei den Derhandlungen des vorbereitenden Abrüstungsausschusses den von diesem Ausschuß ausg.arbeitetenA b t o m meng­en t to u r f, der ausdrücklich die Entwassnungs- bestimmungen des Dersailler Bertrages auf­recht erhält, mit großer Entschiedenheit ab- gelehnt hat und auf Teilgebieten wieder­holt eigene Dorschläge gemacht hat. Fer­ner hat die deutsche Regierung bisher den von der Mehrheit des Abrüstungsausschusses ver­tretenen Standpunkt, daß eine allgemeine Ab­rüstung nur auf der Grundlage einer gewissen Herabsetzung der H e e r e s h a u s h a l te durchgeführt werden könnte, immer wieder als völlig ungenügend bezeichnet und eine gerechte Befchränkung der Rüstungen gefordert. Der deutsche Standpunkt hat bisher die grundsätzliche Unterstützung der amerikanischen, der italienischen und der sowjetrussischen Abord­nung gefunden.

Im Hinblick auf die entscheidende Bedeutung, die die Abrüstungsfrage gerade für Deutschland besitzt, rechnet man daher allgemein damit, daß die deutsche Regierung die Initiative er­greifen und ihrerseits der Abrüstungskonferenz einen ins einzelne gehenden Entwurf eines allgemeinen Abrüstungsabkommens verlegen wird, das auf der gerechten Herabsetzung der Rüstungen, wie auf der Einschränkung der Heereshaushalte beruht und dem bisher stets von Deutschland in der Abrüstungsfrage eingenomme­nen Standpunkt entspricht.

Vom deutschen Stanbpunft aus muß barauf hin- gewiesen werden, daß ein derartiger deutscher Vor­schlag die heute noch schwer gerüsteten europäischen

Machte zu einer eindeutigen Stellung­nahme zu den im Völkerbundspakt und im Ver­sailler Vertrag festgelegten Abrüstungsverpflichtun- gen zwingen und damit die unvermeidlich geroor- bene Klärung der Haltung der übrigen Mächte zur Abrüstungsfrage herbeiführen werde.

Oie ersten Gegensätze.

Vcnesch odcrPolitis sollen einflußreiche Poften bekommen.

Genf, 4. Febr. (WTB.) Irn weiteren Verlauf der Fühlungnahme, die seit dem Beginn der Abrüstungskonferenz zwischen den Delegierten der einzelnen Delegationen ftattfinbet, hatte heute nach­mittag der deutsche Vertreter Botschafter R a dolny eine Unterredung mit dem französischen Delegierten Kriegsminister Tardieu

lieber die Vorbereitungen zur Konstituierung der Konferenz macht bas hier erscheinende Journal des Nations" nähere Mitteilungen, die zeigen, daß schon bei den technischen Plänen die politischen Gegensätze eine Rolle soielen. Dem Blatt zufolge soll Henderson die Absicht haben, die Konferenz zu beschleunigen und vor allem tue allgemeine Aussprache so rasch wie möglich abzuschlicßen. Aus den weitgehenden Be­fugnissen des Präsidenten ergibt sich die Wichtigkeit der Frage, welche Staaten in dem Präsi- bialbureau vertreten fein sollen. Von größter politischer Bedeutung ist die noch nicht ge­klärte Frage des Vorsitzes der General- kommission. der die eigentliche poli­tische Arbeit der Konferenz Zufällen wird. .Journal des Nations" nennt für diesen Posten zwei Namen, die keinesfalls auf allgemeine Zustimmung rechnen können: den tschechischen Außenminister Bene sch und den griechischen Ge- sandten P o l i t i s. Außerdem spricht das Blatt von der Tendenz, den Rumänen Titulescuzum 1. Vizepräsidenten" zu ernennen, damit er gegebe­nenfalls Hendersonbei seiner schweren Verant- I wortung unterstützen soll". Eine sehr starke Opposition habe sich gestern gegen die Wahl eines japanischen Vizepräsidenten I geltend gemacht.

lleue schwere Kämpfe um Tschapei.

Oie japanischen Angriffe auf den Aordbahnhof abgeschlagen. - Oie Chinesen leisten heftigen Widerstand.

Moskau (über ftorono), 4.Jebr. (I1L) wie die lelegrapen-Agentur ber Sowjetunion meldet, haben Donnerstag morgen 15 schwere japanische Bombenflugzeuge, alle japanischen Kriegsschiffe unb bie Lanbbatterien ein starkes Je u e r auf b le chinesischen Stellungen eröffnet. Tschapei würbe furchtbar zerstört. Der Nordbahnhof ist vollkommen zusammengeschofsen. Beide Parteien hatten große Verluste. Rach dem Artilleriefeuer gingen die Japaner vor. Die B e - schießung von wufung wurde für zwei Stunden unterbrochen.

Rad) Londoner Meldungen aus Schanghai sind bic Chinesen beim Tlorbbahnhof bei Regen- unb leichten Schneefällen nach Artillerievorbereitung zum Gegenangriff vorgegangen. Zeitweise konnten bie Chinesen zwei Bataillone japanischer Seefolbafen umzingeln. Hunderte von Häusern in Tschapei wurden durch Jener zerstört. Die inter­nationale Niederlassung ist durch bie Brände stark bedroh t. Auch in bas Haupt­

quartier fielen chinesische Granaten. Auf ber Straße nach wufung hatten sich chinesische Jeanen in behelfsmäßiger Uniform in einem Schützengraben verschanzt, um einen möglichen ja­panischen Angriff von biefer Seite her abzuwehren.

JTad) dem furchtbaren japanischen Cuftbombarbe- ment auf Ifchapei, das volle vier Stunden an­bauerte, sind bie Chinesen noch im Bf- fiff ber Ruinen bes Bahnhofes von Tschapei. Sie halten auch bie Wusung- Joris, obwohl triefe nochmals von ben Japanern erneut bombardiert worden find. Die Chinesen zei­gen eine bemerkenswerte Entschlossenheit und leisten mit ihren Gewehren. Maschinengewehren unb Mör­sern bies siub bie einzigen Waffen. die sie be­sitzen einen bewunderungswürdigen widerstand. Rad) derTimes" soll, vom militärischen Stand­punkt aus betrachtet, bie ganze japanische Aktion gegen das Stadtviertel ein Jehler gewesen sein. Die chinesischen Streitkräste um Schanghai herum sollen ungefähr 2 5000 Manu zählen, von denen aber nur ein kleiner Teil gegen bie

Japaner gekämpft habe. 6s werbe schwierig für bte Chinesen sein. Verstärkungen heran zudringen. da viele japanische Kriegsschiffe ben ganglfe abpatrouillieren.

Japans Znedensbedingimgen.

Ärine Vermischung der Mandschureifrage mit Schanghai

Tokio. 4. Febr. (WTB.) Die japanische Antwort auf die Dorfchläge der Mächte wurde um 18 ilfor (Ortszeit) den drei 'Botschaftern Überreicht Die .TimeS" veröffentlichen eine Erklärung des japanischen Autzenministers I o - schisawa. in der es u. a. heißt Die japa­nische Regierung unterscheidet klar zwischen dem mandschurischen «Streitfall und den Ereignissen in Schanghai. Solange die­ser Tlntcrschied nicht anerkannt wird, wird die ja­panische Politik mißverstanden. Die Interessen Japans in der Mandschurei sind von ungeheurer wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Die Mandschurei ist für Japan eine An­gelegenheit von Leben und Tod, wahrend die japanischen Interessen inSchang - h a t denjenigen der anderenMächteähn- lich sind. Japan hat in Schanghai keine ge­bietsmäßigen oder polittschen Absichten. Gs wünscht nur friedlich Handel zu treiben und seine Staatsangehörigen zu schützen. Die Ermordung eines japanischen Priesters und ein beleidigender Artikel gegen die kaiserliche Familie sind nur der Höhepunkt einer langen Reihe von j a p a n - feindlichen Handlungen gewesen, die durch die Annahme der japanischen Bedingungen abgeschlossen würden. Japan ist zur An­nahme eine- vernünftigen Abkom­mens Äur Wiederherstellung des Friedens un­ter ehrenvollen Bedingungen be­reit. Durch Zurücknahme der chinesischen Trup­pen muß die Sicherheit der japanischen Staats­angehörigen erreicht werden. DaS muß geschehen, bevor die japanischen Truppen zurückgenommen werden können.

Oer erste chinesisch-japanischeLustkampf.

London, 5. Febr. (WTB. Funkspruch.) Zu dem Kampf zwischen zwei chinesischen Flugzeugen und sechs japanischen Bombenfliegern, in dessen Derlauf eine japanische Maschine ab stürzte, meldet Reuter, daß die Ehinesen bisher den japanischen Luft- angrisfen beinahe wehrlos gegenüber- gestanden hätten. Dieser erste Zusammenstoß in der Luft werde sich vielleicht als Ein­leitung großer Luftgefechte über der internationalen Niederlassung Her­ausstellen. Denn es verlaute, daß heute vor­mittag auS Nanking 18 chinesische Flug­zeuge eingetroffen sind, deren Besatzung äußerst kampflustig sei.

Die Arbeit des preistommiffars.

Berlin, 4. Febr. (TU.) Der Reichskommissar für Preisüberwachung, Dr Goerdeler. berich­tete der Presse über die bisherigen Auswirkungen der Preissenkungsaktion. Die R i ch t z a h l für die Lebenshaltung ist seit der Bildung des PreiSkommissariots um 6,3 D.Sy z urück - gegangen. (Seit Januar 1927 durch die Notverordnung ist bekanntlich angeregt worden, da die Löhne unter den Ianuarstand 1927 nicht heruntergedrückt werden sollen - ist die Reichs- richtzahl um 14 v. H. gefallen gegenüber dem Höchstsatz vom März 1929 sogar um 20 v. H.

Goerdeler äußerte sich bann im einzelnen über die Möglichkeit, in langfristige laufende Ver­träge einzugreifen. Er hat hierfür gewiffe Grund­sätze aufgestellt. Wenn ein langfristiger Vertrag auf der einen Leite durch Lieferung der Ware bereits erfüllt ist, wie das bei Abzahlungs­geschäften der Fall ist, so kann eine Preis­lenkung nicht mehr in Frage kommen, sondern lediglich eine entsprechende Verlänge­rung des Zeitraums, in dem bie Zah­lung z u leisten ist. Bei langfriftigen Vertra­gen, bei denen die Leistung von beiden Parteien an einen längeren Zeitraum gebunden ist (beispiets- weise im Prioattelephonwesen), hat der Abnehmer ein Recht daraus, daß bei dem Teil der Leistung, ber erst in Zukunft erfolgt, eine Senkung vorgenommen wird. Bei log. Rifikooerträgen erscheint ein (Eingreifen des Reichskommissars nicht möglich, da ein Kaufmann, ber sich in einer Zeit absinkender Konjunktur auf einen längeren Vertrag einlaßt, auch das Risiko hierfür selbst tragen muß.

Auf dem Gebiet der gebundenen Preise Haden sich gewisse Schwierigkeiten ergeben, da in ber deutschen Wirtschaft etwa 56 000 gebundene Preise bestehen. Um diese Schmie- rigkeiten zu beseitigen, wird in den nächsten Tagen eine vereinfachende Verordnung erscheinen, in ber angeordnet werden soll, baff bie'21 rt b e r P reis­se n k u n g auf ber Verpackung ober Ver­hüllung aufgebrurft werden muff.

Schließlich äußerte sich der Reichskommissar über bie öffentlichen Tarife im Gas- unb Elektrizitätsmefen Die hier erzielten Ver- billigungen seien leider nicht sehr erheblich. Immer­hin habe eine große Anzahl von Gaswerken (über 300) eine Senkung bes Preises um an­nähernd 2 P f. vorgenommen. Man mülle auch die starke Verbundenheit der Gas- unb Elektrizi­tätswerke mit ber Finanzlage der Ge» m e i n b e n berücksichtigen. Wenn es möglich roerbe^ bei ben Selbstverwaltungen unb Selbstoerwaltungs- törpern wieder eine gewiffe Stetigkeit bet Ausgaben zu erreichen, so würde man auch zu einer entsprechenben Verbilligung ber EleP trijitäts- unb Gaspreise gelangen formen.