Nr. 129 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, 4. Zuni 1952
3m Schatten von Lausanne.
Außenpolitische Umschau.
Don Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin.
Wa- bedeuten die eben abgeschlossenen neuen Ech u lD e n a b k o m m e n mit den Vereinigten Staaten? Da- amerikanische Schatzamt hat mitgeteilt, dah im Laufe dieser Woche zehn Regierungen das Abkommen mit Amerika unterzeichnen, nach dem die vom Hoover-Moratorium gestundeten Schulden in zehn Jahren mit 4 Prozent Verzinsung zurückgezahlt werden, zu- meist in halbjährlichen Zahlungen. Tardieu hat freilich ausdrücklich erklärt, dah er der kommen- den Regierung Frankreichs nicht vorgreisen werde: Frankreich bleibt also zunächst austerhalb dieser Regelung.
An ihr ist Deutschland beteiligt insofern es bereits am 27. Mai die neue Verpflichtung in der Höhe von 6 Millionen Dollar anerkannt hat, die durch das MoratoriumSjahr gestundet waren. Doch verwechsle man die Dinge nicht! Für uns handelt cs sich nur um direkte Schulden Deutschlands an die Vereinigten Staaten, in erster Linie die Vesahungskostcn und die sog „mixed claims-Sntschädigungen". Beides gehört überhaupt nicht zum Gesamt- schuldenkompler von Reparationen und interalliierten Schulden. Am liebsten hätte die deutsche Regierung diesen Posten ganz auS der Stundung herausgelassen und weiterbezahlt. Amerika wollte das damals nicht. So hat man sich also jetzt mit ihm erneut QcciniflL Aber eS ist ein Posten vollständig sür sich, hat, wie gesagt, mit dem grosten Kriegsschulden- und Tributkomplex und darum auch mit Lausanne gar nichts zu tun.
Ander- ist eS mit den neuen Schuldenanerkenntnissen der anderen Länder. Schon als Amerika an diese Vcrpslichtung erinnerte, haben wir die Deutung ausdrücklich abgelehnt, dast eS sich dabei nur um etwa- Formales handle D i e englische Regierung hat an dem Aussehen. das die neue Vcrpslichtung gemacht hat. erkennen können, dast die City. die Vankwelt die harmlose Deutung ihrer Regierung. eS handle sich dabei nur um eine formale Sache, einfach nicht glaubt. Mit Recht fragen die Geldkreise England-, warum die Regierung dieses Abkommen. Rückzahlung der vom 1.3uü 1931 bis 1. 3uli 1932 gestundeten Schulden aus zehn Jahre mit sogar höherer Zinszahlung, 4 statt ursprünglich in Aussicht genommenen 3 Prozent, gerade jetzt vor der Lausanner Konferenz abgeschlossen habe. Sie fragt, warum huf diese Weise die Konferenz im Sinne einer Herabsetzung der deutschen Leistungen erschwert wird. Diese Frage ist völlig berechtigt. England und wahrscheinlich dann auch Frankreich und Italien verpflichten sich formell, jene Bestimmung über die Rückzahlungen der gestundeten Schulden, die der Kongreh Amerikas ausgesprochen hatte, anzunehmen und zu erfüllen. Dann ist ja logisch, dast diese Regierungen ihrerseits Deutschland gegenüber ihre Ansprüche vielleicht nicht einmal stunden, jedenfalls aber nicht formell st r c i ch e n werden. Und das stellt selbstverständlich die Lausanner Konferenz als solche völlig in Frage, ohne dast darum irgend etwas daran geändert wird, dast Deutschland eben nicht w eite r z a h l c n wird, will und kann. Dann aber muh weiterhin die englische Regierung auch die in das laufende Vudget nicht cingesetzten englischen Schuldleistungen und Rückzahlungen an Amerika nun doch einfetjen. Dementsprechende Andeutungen sind von feiten der Regierung auch bereits erfolgt- , Ä _
Man fragt nach dem Sinn dieser Haltung Englands und findet ihn nur in dem unbedingten Bestreben, mit Amerika in bestem Verhältnis zu sein und dadurch sich einen eigenen Weg
zur Reuordnung seiner Schuldenverpslichrungen an Amerika freizuhalten Dem entsprich: wieder, dast von vornherein in London auf die Lausanner Konferenz wenig Erwartungen gesetzt wurden und dast man ohne Zweifel mit einer Vertagung dieser Zusammenkunft fehr * einverstanden wäre. Dem entfpricht weiter, dah man -war theoretisch durchaus der Meinung Deutschland- ist: am besten würde mit der ganzen Reparation-belastung überhaupt Schlich gemacht, aber gleichwohl praktisch, wie hier bewiesen ist. nur hemmt und darüber hinau- di-kutiert. ob nicht Deutschland in irgendeiner Form eine endgültige Re st summe «nach einem längeren Moratorium) in Raten zu zahlen sich verpflichten, oder irgendwie mit Obligationen seiner Reichsbahn eingreifen soll. Das Letztere hat Sir Archur ©alter mit dem Vorschlag angeregt. die endgültige Lösung durch Ausgabe von Anteilscheinen der Deutschen Reichsbahngesellschast oder anderer deutscher Industrie - Unternehmungen in einer Gesamthöhe von 400 oder 440 Millionen Mark jährlich herbeizuführen.
Weiter Frankreich. Zum ersten Male wohl hat (am 25. Mai) der „Temps" zugegeben, es wäre unbestreitbar von größtem Interesse, ein für alle mal mit den Reparationen Schluh zu machen, zur Deruhigung Europa- und zur Wiederherstellung des Vertrauens. Aber (da- berühmte französische „mais“!): ohne Annullierung der Schulden an Amerika unmöglich! Also waS ist im Augenblick zu tun? Auch da ist keine Klarheit vorhanden. Man denkt dort entweder an ein reines Moratorium oder an eine einmalige Ableistung durch eine deutsche Zahlung gegen Streichung der Reparationen. (Da sind wir wieder bei den zwei Dritteln der sog. unbedingten Verpflichtung, alfo den 440 Millionen jährlich.) Aber solange die Regierung noch nicht gebildet ist. ist auch für Frankreich keine Klarheit im Einzelnen möglich, und nur das steht fest, dah in Lausanne von keiner französischen Regierung Deutschland gegenüber e in formeller Verzicht auf die Reparationen zu erwarten ist. Wer also auf deutfcher Seite gemeint hat, dah die Lausanner Konferenz, selbst ohne französische und deutsche Regierungskrise, eine formale und endgültige Lösung bringen könne, hat sich einer Illusion hingegeben.
Bleibt man überhaupt im Rahmen de- durch Verträge festgelegten Kriegsschuldenproblems, so liegt die Auffassung ja nahe, dah eine endgültige Lösung — die ohne Zustimmung Amerikas undenkbar ist — erst nach der Präsidentenwahl im Herbst, genauer gesagt, nach dem Präsidentenwechsel im Frühjahr 1933 zu erwarten ist. Denn an die Vereinigten Staaten gehen etwa zwei Drittel der deutschen Reparationszahlungen, und gerade England, das theoretisch am meisten bereit ist zu einer völligen Streichung der deutschen Reparationen, ist der großte Gläubiger Nordamerikas, könnte also Streichungen nur im Rahmen etwa ihm selbst gewährter Nachlässe vornehmen.
Nun ergibt sich gerade darum die Frage., ob Europa, besonders die von der Krise am stärksten betroffenen Teile, eine derartige Verschiebung auf Monate hinaus aushalten roerden. Gewiß ist die politische Verschuldung nicht schlechthin mit der Weltwirtschaftskrise gleichbedeutend und die letztere wird nicht am anderen läge behoben sein, wenn heute diese Kriegsschulden gestrichen würden. Aber ihre Bereinigung ist notwendigste Voraussetzung einer politischen (Entspannung und einer Wiederherstellung des Vertrauens. Kommt diese nicht in absehbarer Zeit, muß die Krise die gleichfalls von uns stets betonten weiteren Schritte in immer schnellerem Tempo tun, indem immer mehr Staaten erst zum Transfer-Moratorium für die öffentlichen Schulden und so dann zum allgemeinen Auslands - Moratorium übergehen. _ , .
Dementsprechend sind die stimmen aus England
auch sehr peisimistisch. Man sieht die Öcfabr in der Europa schwebt, und die Krise, die für den Spätsommer und Herbst heraufzieht Aber man glaubt sich selbst dieser etwas ferner gerückt, indem man von der Reichskonferenz in Ottawa, die auf den 19.3ult einberufen ist, für England und die Wiederherstellung seiner Wirtschaft und Finanzen außerordentlich viel erwartet Darum wird sogar die Idee erörtert, die Lausanner Konferenz, wenn sie zustande kommt, |o aufzuziehen, wie den Anfang der Abrüstungskonferenz, nämlich: allgemeine Debatte und dann technische Prüfung in Kommissionen, während deren die englischen Vertreter nach Dttaoa fahren könnten.
Regierungskrisen in Europa und Krisen in Japan und Amerika! Die lapanisctze Jtrife ist politischer Art, und zeigt wie tief die Körung und die Spannung dort geht. Die zweite tritt,_ um es gelehrt auszudrücken, von Tag zu Tag stärker als „ft r u r t u r e 11 e" Krise hervor. Deshalb wird die Ratlosigkeit, die Verwirrung und die Unruhe in den Vereinigten Staaten von lag zu Tag größer. Man blicke auf den Kongreß in dem d i e Infi a t i o n i st e n immer stärker werden und dem sich Hoover ohne Erfolg mit seinen starken Worten entgegenstellt. Man blicke auf die Aeußerungen der Arbeiterführer, die die Arbeitslosigkeit und ihre direkten Aufftandsgefahren immer schwärzer malen. Man beachte eine Anregung wie die des bekannten Präskdenten Butler, daß, um Amerika vom Sturz in den Abgrund zu retten, eine neue Parteibildung, die Koalition der beiden großen Parteien notwendig werde. Noch nie hat sich in den Bereinigten Staaten die Vorbereitung einer Präsidentenwahl (im Juni und Juli fällt die Entscheidung über die Kandidaten) unter so ernsten und besorgniserregenden Zeichen vollzogen wie diesmal. Es kommt auch wirklich beinahe
nicht auf den Mann an. zu besten Künsten die Partei sich entscheidet. Es kommt hier auf die Einsicht in das wirkliche Wesen der Krise an und die Fähigkeit zum sog. konstruktiven Programm. von dem man soviel redet und von dem man nirgends einen Ansatz sieht
Einem Späteren Geschichtsschreiber der ersten Hälfte des Jahre» 1932 wird am auffälligsten erscheinen, daß uberaU die Zeichen des Zusammenbruchs sich Mehren, daß die Staatsmänner darauf Hinweisen, daß zwar verwirrend mel passiert, aber nichts Durchgreifende» geschieht! Lenken wir zum Schluß von dieser deprimierenden allgemeinen Betrachtung auf die Tatsachen zurück, so ist die wichtigste in unserem Zusammenhänge die, daß der Ausfuhrüberschuß Deutschland» im April 19.32 nur noch 54 Millionen Mark betragen hat! Da» heißt allo da sich nirgend» eine Aussicht aus Abbau der Zollmauern und Besserung des Absätze» zeigt, haben wir in allerkürzester Zeit mit Dem gänzlichen Verschwinden des deutschen Ausfuhr- uberschiistes zu rechnen. Dieser Ausfuhrrückgang ist gleichfalls „ftrufturell" bedingt, d. h. durch die immer noch wachsende Bewegung auf Absperrung und allgemeine Autarkie in den anderen Ländern. Damit stellt sich ebenfalls in allerkürzester Zeit für Deutschland die Frage, wie e» seine Golb- und Devisenbasis behaupten will, wie es sich in dem verzweifelten Kampfe um Einfuhr und Devisenabfluß, alfo eigentlich um die Stellung in der Weltwirtschaft selbst zu stellen und zu ent- scheiden hat. Uns dünkt, daß. wenn eine neue deutsche Regierung da» Gelände Übersicht und sich fragt, wie sie ihre Außenpolitik anzuleaen habe, bei dem unlösbaren Zusammenhang zwischen Außenpolitik und Außenwirtschaftspolitik dieses Problem eine der allerersten und dringlichsten Fragen wäre.
Seeschlacht im Chinesischen Meer!
Ein spannendes Zukunftsbild von kommenden Kriegen um den Stillen Ozean.
Don F. Britten Austin.
II.
Auf der Kommandobrücke.
Der Admiral griff nach seiner Mütze und verließ die Kajüte. Dem Politiker kam plötzlich die starke Bewegung des Schisses zum Bewußtsein; eine heftige UebeUeit ergriff ihn. Unsicher erhob er sich, verließ die Kajüte und lastete sich an der stählernen Wand eines von elektrischem Licht erhellten Ganges entlang, durch verschiedene offenstehende Stahltüren. Die tresorähnlichen Türen rechts und links des Ganges waren fast alle verschlossen, bis aus eine; er warf einen Blick hinein: unter ihm breitete sich inmitten eines Gewirrs von Gängen und senkrecht angebrachten Leitern, der von elektrischen Lampen erleuchtete Maschinenraum aus. Die Maschinen standen jedoch still, und nur das eintönige Geräusch der Ventilatoren vermischte sich mit unheimlich gedämps tem Gespräch der Bedienungsmannschaft. Endlich fließ er am Ende des Ganges auf die in höchster Bereitschaft stehende Feuerwache.
Man führte ihn zu einer Treppe, die durch eine Falltür auf das darüberliegende Deck führte, das ebenfalls von Stahlwänden eingeschlossen und von drahtgeschützten Dirnen erleuchtet war. Don da ging es noch weiter aufwärts aus ein zweites Deck, wieder führte eine zweite Treppe in die Höhe: der Politiker stand plötzlich im Hellen Tageslicht.
Er blickte auf und gewahrte hoch über sich das schiefergraue Ruderhaus, das dicht am Dreibeinmast errichtet war, und noch weiter oben den Artilleriemars. Der Platz, an dem sich der Zivilist befand, war gänzlich verlassen. Da er sich nach Gesellschaft sehnte, beschloß er,- die Kommandobrücke zu besteigen. Er erklomm die Treppe, bis er zu einer
Plattform kam, wo ihm eine scharfe Brise fast den Atem benahm. Auf dieser Plattform stand der Admiral inmitten seine» Stabes mit dem Doppclgla» am Auge. Dor der Plaltsorm befand sich eine verhältnismäßig kleine, halbkugelförmige Erhebung mit kleinen Sehschlitzen; eine starke Stahltür, die offen- stand, führte in das Innere. Er erriet, daß das der Kommandoturm war, und fragte sich, ob man ihn einlaffen würde, sobald es brenzlich zu werden versprach. Hinter ihm befand sich das Ruderhaus, durch dessen geöffnete Fenster er den Mann am Ruder und eine Gruppe von Offizieren und Deckvffizieren sah, die sich mit verschiedenen- Instrumenten befaßten und zeitweilig Befehle durch Sprachrohre schickten. Am entgegengesetzten Ende der Plattform stand ein junger Offizier ganz allein; es war der Wachthabende. Zu ihm eilte der Politiker, froh einen Menschen gefunden zu haben, mit dem er sprechen konnte und der zu einer Auskunft bereit mar. Der junge Offizier begrüßte ihn durch kurze» Kopfnicken tinö sprach mit knapper Höflichkeit:
„Ein wunderbarer Anblick, nicht wahr?"
Der Politiker wollte mit ihm sprechen, aber der Wind verschlang jeden Laut Neugierig blickte er umher, was der Offizier mit seinen Worten gemeint haben mochte. Die einzelnen Schiffe des Geschwaders hatten ihre Stellungen verändert. Auf der Höhe des Flaggschiffes befanden sich zwei große, gleichartige Kreuzer, deren Schornsteinen fast gar fein Qualm zu entströmen schien, während sich vorn am Bug das Wasser in einer graziösen Kurve an den Wänden entlang teilte, um noch lange hinterher eine weite Furche auf der tiefblauen Fläche zu bilden.
Hinter dem einen dieser beiden Schiffe fuhr ein merkwürdig konstruiertes Fahrzeug; der Oberbau, ' _ 1 _________ 12 IT"
Ausdruck an.
dritten Wcstenknopf geriet war Grinsen fragte einer der Polizisten und deutete auf das blaue
„Was soll das^ r.gte Dodson | WrUett Der Rv,haarige antwortete nicht. Er
‘mi/S« I machte °m ,=Uig entg.ifter.es S-f.chr
mir ,
Dobfon machte kreisrunde Augen und schnappte nach Luft. Stumm streckte er die Hand aus und deutete in die Richtung, in der der Rothaarige verschwunden war. Mit einem Ruck setzte sich das Loli- zeiaulv wieder in Bewegung. Dodson zog den Äopf tief zwischen die Schultern und bog an der nächsten Gabelung in einen Feldweg ein.
Ein gutes Stück weiter stand das blaue Kabriolett vor einer Tankstelle. Der Rothaarige war bannen im Häuschen und ließ sich auf eine Zehndollarnote herausgeben. Er nahm sich reichlich Zeit; nach feiner Schätzung konnte der Ford noch nicht einmal Die nächste Ortschaft erreicht haben. Als er wieder aus
Abenteuer auf der Landstraße.
Don Peter Mattheus
Dodson hatte es außerordentlich eilig. Er sauste im 60 Kilometer Tcmpo durch die Kurve, ohne das Gas wegzunehmen. Die Pneus quietschten auf der glatten Chaussee. Als er in voller Fahrt aus der Kurve herauskam und den Wagen wieder in die Gerade lenkte, sah er plötzlich ein Hindernis vor fuf). ttr stoppte so heftig, daß die Bremsen kreischten. Dicht vor ihm hielt — quer auf der Fahrbahn - ein alter Dcrmurfelter Ford von vorsintflutlichem Aussehen. Der Fahrer stand Daneben und schwenkte aus Lev beskräften seine Mütze. Sein roter Haarschopf leuch- tete in der Sonne.
Dodson fluchte. Im letzten Augenblick gelang es ihm, seinen Wagen zum Halten zu bringen Er sprang heraus und ging mit ttnfter gefurchter ötirn aus den Rothaarigen zu. „Was fallt Ihnen Denn ein9“ schnaubte er empört. „Bauen Ihre Karre hier mitten in Den Weg! Beinahe wäre ich hinein- 0eDer*anDere zuckte Die Achseln. Jtut mir leib, nicht meine SchulD", sagte er kühl „Mitten 'm Wenden hat Der Mo^or ausgesetzt. Kann schließlich I<Dem p"',Ach so __ Panne", brummte Dodson besänftigt.
„Äoran liegt’s denn?"
„Hab noch nicht nachgesehen" anAortete der Rothaarige und zuckte abermals die Achseln. „Erst muß Der Wagen mal hier weg. Wenn s Ihnen nichts ausmacht, konnten Sie ein bißchen helfen. Er ergriff mit Der einen HanD Das Steuer und stemmte sich mit Der anDercn gegen Die Kotflügel. Der tZord ruckte ein paar mal unD setzte sich langsam m Bewegung. DoDfon zögerte einen Augenblick, Dann hßte er entschlossen zu unD schob mit. Gemeinsam brachten sie den Wagen an Den StraßenranD.
Während Der Rothaarige sich keuchend die Stirn wischte, stellte DoDfon ohne lange zu fragen Die 3ünDunq ein, ging nach vorn unD beugte sich über Ke Kurbel. Ein Ruck — knatternD unt) fauchend sprang Die Maschine an. „Was wollen etc eigentlich. (V< ist doch alles in Ordnung!" sagte er und richtete sick auf Als er keine Antwort bekam, drehte er sich um. Sein Gesicht nahm einen maßlos überraschten
bemegung aus Dodsons blaues Kabriolett. Dann I deutete er — wiederum mit einer Kopfbewegung — | aus den verbeulten Ford und fragte: „Wollen wir tauschen?"
Dodsons Antwort war im Grunde weder eine klare Absage noch eine klare Zusage. Er beschränkte sich daraus, mit lauter Stimme eine Reihe landesüblicher Kraftworte zu äußern. „Na, na — regen Sie sich nicht auf, es könnte Ihnen schaden", meinte Der Roti haarige väterlich. „Wo haben Sie Die Papiere?" DoDfon schwieg verbissen
„Hallo! Wo Sie Die Papiere haben?" Der Ton, in Dem Der Rothaarige Das sagte, klang unangenehm scharf. Die Pistole in ferner HanD wackelte beDrohlich hin unD her. Mürrisch zeigte DoDfon auf seinen Wagen. „In Der linken Tasche", knurrte er.
Der Rothaarige öffnete Die Tür Des Kabrioletts unD überzeugte sich mit einem raschen Blick, Daß Die Papiere wirklich in Der Tasche waren. In Der nächsten Sekunde saß er hinter Dem Steuer. „Was ich noch sagen wollte — Der ForD ist besser als er aussieht", rief er Dobfon zu „Behandeln Sie ihn gut, bann macht cr's noch ’ne Weile. Abbio!"-
, Brechen Sie sich ben Hals, Sie Gauner!" tagte Dobfon. Der Rothaarige schwenkte ladjenb bie Hand unb gab Gas. Das letzte, was Dobfon von ihm sah, war ber rote Haarschopf, ber über bem zusammen gefalteten Derbeck in ber Sonne leuchtete
Fünf Minuten später ratterte Dobfon in bem alten Ford bie Chaussee entlang. Mit einemmal horte er Motorengeräusch hinter sich — ein langes graues Polizeiauto mit vier Polizisten brin sauste an ihm vorüber unb hielt fünfzig Schritte weiter an. Als er in seinem Forb herangeklappert tarn beugte sich ber eine Polizist aus bem Wagen. „Blaues Kabriolett gesehen?" rief er.
„Na, also — geben Sie's schon zu, es hat keinen Zweck zu schwinbeln", sagte ber Polizist. Sie haben den Äagen vor einer Stunde in Rosario gestohlen, nicht wahr? Zu Ihrem Glück hat's ber Besitzer gleich gemerkt unb uns mobil gemocht. Wir waren Ihnen bie ganze Zeit bicht auf ben Fersen "
Mit einem Schlage mürbe ber Rothaarige wieder lebendig. „Was?" schrie er entrüstet. „Ich —? Ge- stöhlen —? In Rosario —? Ich war überhaupt nicht in Rosario! Den Wagen hier hat mir ein fremder Kerl auf der Chaussee angedreht — geradezu auf- gedrängt hat er ihn mir, der Schuft!"
Alle' vier Polizisten, die um ben Rothaarigen herumstanden, brachen in schallendes Gelachter aus. Es half nichts — inmitten ber vier Polizisten mußte der Rothaarige die Rückfahrt nach Rosario antreten.
Dodson hielt um diese Zeit auf einem einsamen Feldweg. Er stieg aus, ging dreimal um den alten Ford herum und betrachtete ihn von allen Seiten. „Schön bist du ja nicht", brummte er schließlich köpf- schüttelnd, „aber — hm — sozusagen ehrlich erworben."
Und bann streichelte er sachte bie Kühlerhaube.
Oer brave Chemie-Schüler.
Warren Whittaker, Der eine höhere Schule in Philadelphia besucht, war der beste in Chemie und genoß infolgedessen großes Ansehen unter seinen Mitschülern. 3m Gespräch mit Klassenkameraden kam die Rede auf eine gewisse chemische Mischung, von der behauptet wurde, daß fieeine starke Explosion Hervorrufe, wenn sie mit einem elektrischen Strom in Berührung gebracht werde. Warren aber wandte sich energisch gegen diese Behauptung, und um seine Ehre als guter Chemiker zu retten, wollte er beweisen. Daß er Recht habe Er ging also nach Hause, grub ein Loch im Hinterhof. legte elektrische Drahte von der Lichtanlage des Hau'es dahin und füllte das Loch mit Chemikalien in der besprochenen Mischung Darm ging er hinein und drehte das Licht an. Leider war der Ettolg ein deutlicher Beweis dafür, daß er sich diesmal geirrt hatte. Die Explosion, die erfolgte, wurde zwei Kilometer weit gehört. Sie erschütterte nicht nur die Wände des eigenen Hauses, sondern auch Die des benachbarten und die Leute liefen ängstlich auf Die Straße, weil fte glaubten, es sei eine Bombe von Verbrechern geworfen worden. Man rief nach der Polizei, und diese brachte Warren auf das Revier. Aber der war im Vollgefühl seines guten Bewußtseins nicht einzuschüchtem. Er erklärte, daß er Der beste Chemie-Schüler in seiner Klasse sei unD nur einen Versuch habe machen wollen. Darauf entlieh man ihn.
Die Linn^ Zeier im Botanischen Institut.
Zur Diesjährigen Lftrn6-Feier hielt Prozessor Dr. Küster im blumenges chmückten vollbesetzten Hör- faal Des Botanischen Instituts einen Vortrag über die Darstellung Der Pflanzen in Der bildenden Kunst, ein reizvolles Thema au« Den Grenzbezirken Der botanischen Wissenschaft, Das seiner Weitschichtigkeit wegen auf Den Umkreis Der neueren europäischen Malerei beschränkt wurde. Nach einem Hinweis auf Den Reichtum an vegetabilischen Motiven in Der alten Kunst, z. B. in der ägyptischen Architektur, gab Der Redner an Hand von Lichtbildern einen entwicklungs- cielchichtsichen ileberblid über Die künstlerische Pflanzendarstellung in dem bezeichneten Teilgebiet. Während etwa bei Giotto noch mangelhafte Proportionen im Nebeneinander von botanischen und figürlichen Bildelernenten, aber auch schon Gefühl für die Symbol- und Gemüt-werte pflanzlicher Motive zu bemerken sind, erscheint Die Darstellung bei Fra Angelico zwar reichhaltiger, aber auch etwas gestellt. Erst in Der niederländischen Malerei, vor allem auf Dem berühmten Genter Altar Der DrüDer van Eyck, erschließt sich in botanischer Hinsicht eine neue Welt: außer- orDentliche Naturkenntnisse unD Wirklichkeitsnähe toerDen hier, sowohl in Der synthetischen wie in Der analytischen Bewältigung Der Motive, vermittelt. Interessante Entwicklungsstufen findet man bei Rogier van der Wey den und dem Meister von Flsmalle. Bei DirkBouts bemerkt man bereits ökologisches Verständnis in Der Pflanzendarstellung auch das befarmte Paradiesbild von Hugo van der Goes ist für den kritischen Botaniker von Interesse. Don den Italienern sind hier Ghirlandajo, Mantegna und Botticelli (Einführung der Llumenbinderei) wichtig, während Michelangelos vorwiegend figürliche Darstellungen z-.emlich unergiebig bleiben. Bei den deutschen Weistern ist sowohl Die romantische Verinnerlichung des Motivs (LochTier, Cranach) wie Die gesteigerte Naturtreue (Dürers berühmtes .Rasenstück") unD Die koloristische Auswertung ,bri Grünewald) zu verfolgen. Eine kaum übersehbare Fülle von Blumenstilleben schlicht Die Entwicklung Der hier betrachteten klassischen Epoche Der Malerei ab. Der Vorträgen De schloß seine mit lebhaftem Interesse aufgenommenen Darlegungen mit Dem durch gutgewählte Beispiele (Lionardo, Schongauer) belegten Hinweis, Daß sich auch vom Standpunkt Des kritischen Botanikers gelegentlich bemerkenswerte Aufschlüsse über rein kunfthistv» rische und stilgeschichtliche Probleme gewinnen lassen.


