Die Gültigkeit der Reichspräsidentenwahl.
Das Urteil des Wahlprüfungsgerichts beim Reichstag.
Einmütigkeit darüber, daß für Anhalt ein M i n i st c r genüge und daß ein entsprechender Antrag aufAcndcrung der Verfassung im Landtag unverzüglich vorzulegen sei. Auf Vorschlag der Nationalsozialisten wurde die Bestellung des Regierungsrats a. D. Rechtsanwalt und Notar Freyberg aus Quedlinburg einstimmig gebilligt. Falls die Sozialdemokraten auf der Beibehaltung beider Ministerposten bestehen sollten, so würden die bürgerlichen Fraktionen auch denzweiten Mi, n i st e r aus ihrer Mitte stellen.
Die NSDAP. zur Llebernahme
-er Verantwortung bereit.
-rick fordert Auflösung des Reichstags.
München, 3. Mai. (SU.) Unter der lieber» schrift: „Was nun?" schreibt im „Völkischen Beobachter" der nationalsozialistische Führer Dr. Fr i d, die RSDAP. sei entschlossen, in die Länderregierungen einzutreten. Sn Bayern. Württemberg. Anhalt und Hamburg werde sich überall unter maßgebender nationalsozialistischer Beteiligung eine Regierung bilden
D a n 3 i g , .3. 2Tlai. (OB.) Der hohe Kommissar des Völkerbundes, Graf Gravina, hat dem Generalkommissar der Republik Polen in Danzig. Minister Dr. p a p e e , auf dessen schriftliche Bitte um Darlegung seines Standpunktes in der Angelegenheit des vom „Daily Expreß" und anderen englischen Blättern veröffentlichten Telegramms über putsch plane in Danzig ebenfalls schriftlich geantwortet. Graf Gravina erklärt in seiner Antwort, daß er dem Berichterstatter des „Daily Expreß", Greenwall, seine „ganze Empörung wegen seiner sensationellen Berichterstattung zum Ausdruck gebracht habe", daß Greenwall indessen erklärt hätte, dahdcrdeutschc Wortlaut mit den Originalen nicht überein st imme, und daß er keine Informationen von dem hohen Kommissar oder dessen Bureau erhalten hätte.
Denn der Korrespondent des „Daily Expreß" im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Grafen Gravina behauptet, daß die deutsche Uebersehung mit dem ursprünglichen Text feines Berichts nicht übereinstimme, so ist demgegenüber festzustellen, daß es auch in der deutschen Uebersehung nur heißt. „Die maßgebend st e Persönlichkeit an Ort und Stelle, kein pole oder Danziger." Obwohl der englische Text noch nicht vorliegt, besteht kein Anlaß, an der richtigen Uebertragiing dieser eindeutigen Auslassung zu zweifeln.
Der Wahlterror im Mmelland.
Neuer deutscher Lchritt in Litauen.
Berlin, 3. Mai. (CAB.) Der deutsche Gesandte in Kowno hat in einer Unter» rebung mit dem litauischen Außen- minister Zaunius noch einmal die Auf-
Beamte und Politik.
Darmstadt, 3. Mai. (WTB.) Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages setzte die Etatsberatung bei Kapitel 19 (Staatspräsident) weiter fort. Auf die Frage eines Vertreters der nationalsozialistischen Fraktion, welche Stellung die hessische Regierung zur Frage der parteipolitischen Betätigung der Beamten einnehme, erklärte
Staatspräsident Dr. Adelung:
Das hessische Gesamtministerium wird sich demnächst mit der Frage befassen, welche Maßnahmen wegen der Auswüchse in der politischen Betätigung der Beamten zu ergreifen sind. Es treten heute Auffassungen über die Pflichten der Beamten im politischen Leben in Erscheinung, die mit der Würde des Beamten und feiner beruflichen Betätigung nicht mehr in Einklang zu bringen sind, und aufhören müssen, soll nicht das Beamtentum selbst erheblichen Schaden erleiden. Wir müssen bei aller Freiheit der politischen Meinungsäußerung fordern, daß diese Meinungsäußerungen in den unbedingt gebotenen Formen vor sich gehen. Die Betätigung von Beamten, wie sie gegenwärtig in vielen Fällen in Erscheinung tritt, kann nicht geduldet werden. Wenn die Mitgliedschaft zu einer Partei allein schon ein solches Verhalten zur Folge hat, dann mühte die Regierung in ihren Maßnahmen weitergreifen. Es ist bekannt, daß noch kein hessischer Beamter nur wegen seiner Zugehörigkeit zu einer politischen Partei gemaßregelt worden ist. Bei der Polizei allerdings ist die Zugehörigkeit zur Rationalsozialistischen oder Kommunistischen Partei verboten.
Der Vertreter der RSDAP. war mit dieser Antwort des Staatspräsidenten nicht einverstanden und beantragte, der Ausschuß solle beschließen, die Regierung zu ersuchen, unverzüglich klar und eindeutig ihre Stellungnahme über die Zugehörigkeit hessischer Beamten zur RSDAP. und zu ihrer Betätigung für diese bekannt zu geben. Der Antrag wurde mit 7 Stimmen der Rationalsozialisten und des Zentrums bei 5 Stimmenthaltungen angenommen.
Die Westhilfe des Reichs.
Sm weiteren Verlaufe der Aussprache über Kapitel 19 kommt Staatspräsident Dr. Adelung auf die mit der R e i ch s w e st h i l f e zu- sammenhängenden Fragen zu sprechen. Folgende von einem Vertreter der Zentrumspartei beantragte Entschließung wurde einstimmig angenommen. Der Finanzausschuß nimmt mit Bedauern davon Kenntnis, daß die vorn Reich sur die Westhilse zur Verfügung gestellten Mittel im Rechnungsjahr 1932 noch weiter be- schränkt werden sollen. Der Finanzausschuß
lassen, wenn es den bürgerlichen Koalitionspartnern mit der Bekämpfung des Marxismus wirklich ernst sei. Schwieriger lägen d i e Dinge in Preußen. Preußens Schicksal sei deutsches Schicksal. Es mühte zu unhaltbaren Zuständen führen, wenn das Zentrum in Preußen mit den Rationalsozialisten zusammen eine Regierung bilden würde, im Reiche aber nach wie vor von Gnaden der Sozialdemokraten regieren wollte. Rur gleichgerichtete Regierungen im Reiche und in Preußen gewährleisteten eine fruchtbare Zusammenarbeit. Dazu bedürfe es zunächst der Auflösung des Reichstages. Deutschland gehe schweren Zeiten entgegen. Vom reinen Parteistandpunkte aus bestehe für die RSDAP. gewiß kein Anlaß, gerade in diesem Zeitpunkte durch ihren Eintritt in die, Regierungen in Preußen und dem Reiche die bisherigen Systemträger irgendwie zu entlasten. Entschließe sie sich trotzdem zur Llebernahme der Verantwortung, so könne das nicht geschehen mit von vornherein unzulänglichen Mitteln, sondern nur gestützt auf eine Machtstellung, die der Gröhe und Schwere der -Aufgabe entspreche.
merlsamkeit der litauischen Regierung auf die Vorgänge gelenkt, die nach Auffassung Deutschlands einen Verstoh gegen das Memel- ft a t u t bedeuten und abgestellt werden müssen.
Bereits bei den Wahlen für den memelländischen Landtag im Sahre 1930 hat ein ähnliches Verhalten der Litauer zu einer Beschwerde beim Völkerbund geführt und bann seine Erledigung in einem Schriftwechsel zwischen dem damaligen deutschen Auhenminister Dr. Curtius und dem litauischen Außenminister Zaunius gefunden. Zaunius hatte seinerzeit namens der litauischen Regierung eindeutige Zusicherungen für eine, unbeeinflußte Abstimmung und Wahlpropaganda gegeben. Damals wurden die bereits rein grohlitauisch zusammengesetzten Wahlkreiskommissionen und Wahlvor stände entsprechend dem Stärkeverhältnis der Parteien u m g e b i I d e t, so daß auch die deutschen Parteien auf Grund einer überwiegenden Mehrheit genügende Vertretung bekamen.
Auf diesen Schriftwechsel ist in den verschiedenen deutschen Roten an Litauen und Signatarmächte Bezug genommen worden.
Sm übrigen scheinen die verschiedenen Schritte Deutschlands wie auch die der Signatarmächte insofern einen gewissen Erfolg gehabt zu haben, als in den letzten Sagen keine Ausschreitungen mehr gegen die Wahlpropaganda der Memeldeutschen vorgekommen sind. Es wird jedoch unbedingt notwendig fein, auch für den Rest des Wahlkampfes schärf st e Aufmerksamkeit auf die Entwicklung der Dinge im Memel- land zu richten. Von unbekannter litauischer Seite sollen z. D. 50 000 gefälschte Stirn m- zettel der Memelländischen Volkspartei an die Wähler verschickt worden sein, um dadurch offenbar das Wahlergebnis im litauischen Sinne zu beeinflussen.
ist der Auffassung, daß eine weitere Beschränkung dieser Mittel für das Land untragbar ist und bittet die hessische Regierung, alles zu tun, um die wirtschaftlichen Snteressen des Landes zu wahren. Snsbesondere möge die Regierung auch auf baldige restlose Auszahlung der für 1930 und 1931 bereitgestellten Mittel hinwirken.
Ein nationalsozialistischer Antrag ersucht die Regierung, bis zur endgültigen Verabschiedung des Staatsvoranschlages für 1932 Beförderungen, Ernennungen und Versetzungen von Beamten aus politischen Gründen nicht vorzunehmen. Der Antrag wurde mit 9 gegen 3 Stimmen der Sozialdemokraten angenommen.
Der volksparteiliche Antrag, die Stelle eines Ministerialrats (Bornemann) auf den Sn- Haber zu bewilligen und die seitherige Sn- Haberstelle eines Legationsrates (Dr. Heinemann) dafür auszutauschen, wurde mit 5 gegen 5 Stimmen bei zwei Enthaltungen abgelehnt. Für den Antrag stimmten nur die Rationalsozialisten.
Der volksparteiliche Antrag, den Dispositionsfonds und den Fonds zur Förderung von Kultur und Wissenschaft von 50 000 auf 40 000 Ulf. herabzusetzen, wurde mit 5 gegen 2 Stimmen bei 5 Stimmenthaltungen abgelehnt.
Der kommunistische Antrag, das gesamte Kapitel 19 zu streichen, wurde mit 5 Stimmen des Zentrums und der Sozialdemokraten gegen die Kommunisten bei Stimmenthaltung der Rationalsozialisten abgelehnt. Mit dem gleichen Stimmverhältnis wurden die übrigen kommunistischen Anträge abgelehnt. Lediglich der kommunistische Antrag, den Betrag von 4 0 0 0 Mk. für Verfassungs feiern zu streichen, wurde mit den Stimmen, der Rationalsozialisten und Kommunisten gegen Zentrum und Sozialdemokraten angenommen.
Der nationalsozialistische Antrag, die durchgehende Arbeitszeit für d i e schwerkriegsbeschädigten Staatsdiener cin- zuführen. soweit dies die Erfordernisse des Staates zulassen, wurde nach zusagender Erklärung der Regierungsstellen für erledigt erklärt.
Der nationalsozialistische Antrag, daß alle Anträge, die von Schwerkriegsbeschädigten ausgehen, dem Ministerium zur Entscheidung vorgelegt werden, wurde mit 7 Stimmen der Rationalsozialisten und der Kommunisten bei 5 Stimmenthaltungen angenommen. — Das Kapitel selbst wurde schließlich mit 5 gegen 2 Stimmen bei Stimmenthaltung der Rationalsozialisten a n g c n.o m m e n.
Das Regierungsorgan.
Kapitel 20; Staatsverlag schließt mit einem Ueberschuß von 500 Mark. Es entspann sich eine eingehende Aussprache über das Weitererscheinen des Regierungsorgans »Darm-
Berlin, 3. Mai. (DDZ.) Das Wahlprüfungs- gcricht beim Reichstag schloß am Dienstag die Prüfung der Reichspräsidentcnwahl. Es lagen 64 schriftliche Beschwerden vor, die sich aber bei der Nachprüfung durch den Reichswahlleiter fast aus- nahrnslos als unb e re ch t i g t erwiesen hatten. Reichstagsabgeordneter Dr. Frank I I begründete die Beschwerden der National- sozi allsten, daß die Reichspräsidentenwahl durch Polizeimaßnahmen und durch den Rundfunk verfälscht worden sei. Wenn sich Herausstellen sollte, daß tatsächlich öffentliche Mittel für einen der Kandidaten verwandt worden seien, so würde das einen ungeheuerlichen Verstoß gegen alle Gesetze bedeuten. Weiterer Gegenstand der Beschwerde sei, daß man den Rundfunk einseitig in den Dienst der Hindenburg- Propaganda gestellt habe. Wenn hierzu erklärt werde, daß Hindenburg lediglich einen Rechenschaftsbericht abgegeben hätte, so sei dies ein juristischer Dreh. Hindenburg habe nicht einen Rechenschaftsbericht erstattet, sondern eine reine Wahlrede gehalten. Die Versagung des Rundfunks halte die NSDAP, für eine ganz grobe verfafsungs- w i d r i g e U n g e r e ch t i g k e i t. Wenn man die nationalsozialistische Bewegung mit allen Mitteln niederhalten zu müssen glaubte, so hätte man im Wahlkampf wenigstens die besondere Last der N o t - Verordnung von der nationalen Rechten nehmen müssen. Die Beamtenbeeinflussungsversuche seien ein Verstoß gegen die Reichsverfassung.
Der Vorsitzende stellte dann durch Befragung des Reichsbeauftragten fest, daß Anträge auf Zur- Verfügung st ellung des Rundfunks für Hitler beim Reichsinnenministerium gestellt, von diesem aber a b g e l e h n t worden sind.
Der zweite Vertreter der RSDAP., Rechtsanwalt Dr. F r e i s l e r - Kassel, erklärte, daß durch die Exekutive in allen ausschlaggebenden Ländern die Gesamtpropaganda der Reichspräsidentschaftskandidatur Hitler planmäßig und zielbewußt erschwert und teilweise unmöglich gemacht worden sei. Die Presse der RSDAP. sei einseitig durch staatliche Anordnungen lahmgelegt worden.
Abg Stelling als Vertreter des sozialdemo-
städter Zeitun g", mit der bekanntlich die Amtliche Pressestelle verbunden ist. Die Rationalsozialisten beantragen, die Herausgabe der Zeitung e i n z u st e l l e n. Der Antrag wurde mit den Stimmen der Rationalsozialisten und Kommunisten gegen Zentrum und Sozialdemokraten angenommen. Die Frage, ob die Zeitung wirklich eingestellt werden soll, ist aber noch offen und von kommunistischer Seite ist bereits für die zweite Lesung der Antrag ange- kündigt. daß im Falle des Weitererscheinens wenigstens den Abgeordneten die Zeitung kostenlos zugestellt werden solle. Das Kapitel wurde mit den fünf Stimmen des Zentrums und der Sozialdemokraten gegen die Kommunisten bei Stimmenthaltung der Rationalsozialisten angenommen.
Die Gesandischast in Berlin.
Kapitel 21:BertretungbeimReich sieht eine Einnahme von 23 600 Mark und eine Ausgabe von 93 814 Mark vor.
"Auf Antrag des christlich-sozialen Abgeordneten Greb legte die Regierung- dem Ausschuß eine Denkschrift über die Tätigkeit, den Personalbestand und die Gehälter der Berliner Vertretung vor. Der kommunistische Antrag, das ganze Kapitel zu. streichen, wurde mit fünf Stimmen gegen die Kommunisten bei Stimmenthaltung der Rationalsozialisten abgelehnt. Der nationalsozialistische Antrag, die Geschäftsstelle in Berlin nur mit einem höheren Beamten zu besehen, wurde für die zweite Lesung zurückgestellt. Der volksparteiliche Antrag auf Streichung des gesamten zur Verfügung gestellten Betrages für Dienstaufwands- entschädigung wurde mit den Stimmen der Koalitionsparteien bei Stimmenthaltung der Rationalsozialisten abgelehnt. Mit dem gleichen Stimmverhältnis wurde das Kapitel selbst genehmigt.
Neue Augenoperaiion Macdonalds.
Baldwin vertritt den Premierminister.
London, 3. Mai. (WTB.) Macdonald wird sich am Donnerstag einer Operation des Grünen Stars am rechten Auge unterziehen. Nach einem heute vormittag veröffentlichten Bulletin ist der Zustand des bereits vor einiger Zeit operierten linken Augen zufriedenstellend und das Allgemeinbefinden ausgezeichnet. Morgen wird Macdonald den Vorsitz in der Sitzung des Kabinetts führen, am Nachmittag vom König in Audienz empfangen werden und am Abend in die Klinik gehen. Er wird sich sechs Wochen lang vollkommene Ruhe auferlegen müssen, aber vor der Lausanner Konf'ereäz wiederher g e st e l l t sein. Sein Entschluß, an dieser teilzunehmen, ist der Hauptgrund dafür, daß er die Operation unverzüglich vornehmen lassen will. Auf die Reise nach Genf muß er natürlich verzichten. Die beunruhigenden Gerüchte, die von der Gefahr einer Erblindung Macdonalds zu berichten wissen, stimmen mit den Tatsachen nicht überein. Es besteht kein Grund, daran zu zweifeln, daß ihm, natürlich bei Anwendung der notwendigen Sorgfalt und Achtsamkeit, seine Augen noch auf lange Jahre hinaus ihren Dienst leisten. Während der Erkrankung Macdonalds übernimmt Baldwin die Vertretung des Ministerpräsidenten.
Aus aller Welt.
Großfeuer in Düsseldorf.
Ein Großfeuer vernichtete in einem Wohnhaus auf dem Hindenburg-Wall das Treppenhaus in den oberen Stockwerken fast völlig. Die Feuerwehr mußte daher die Bewohner des Dachgeschosses über das Dach des Rachbarhauses in Sicherheit bringen. Ein Mann erlitt schwere Brandwunden. Der Brand ist durch 11 nacht - s a m k e i t entstanden. Sn die im Parterre unter der Treppe stehende Mülltonne war glühende Asche geleert worden, die weiterschwelte und so das Treppenhaus in Brand setzte. Das Feuer wurde erst bemerkt, als der Rauch bereits das oberste Geschoß erreicht hatte, und der Aus- gang zum Teil verbrannt war. Bei dem
kratischen Parteivorstandes erhob Beschwerde gegen den Terror, der von den Ra - tionalsozialisten ausgeübt worden sei. Dieser Terror habe sich in allen denkbaren Formen geäußert: Arbeiter seien mit Entlassung, Geschäftsleute mit Erpressung, Zeitungen mit Boykott, Dersammlungsbesucher mit Gewalttaten, Redner mit Mord und Totschlag bedroht worden. Besonders sei dieser Terror ausgegangen von den inzwischen aufgelösten SA.- und SS.- Abteilungen und deren Heimen, von denen aus planmäßig lieber fälle organisiert worden seien.
Als Reichsbeauftragter verlas Ministerialdirektor Dr. K a i f c n b e r g die Stellungnahme der Reichsregierung, wonach Wahlreden im Rundfunk nicht zuzulassen seien: etwas ganz anderes sei es, wenn der Reichspräsident einen Rechenschaftsbericht gebe.
Rach mehrstündiger Beratung verkündete der Vorsitzende des Wahlprüfungsgerichtes Dr. Bell das Urteil:
„Die am 10. April 1932 vollzogene Wahl des Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg zum Reichspräsidenten ist g ü l t i g.“ Sn der Begründung teilte der Vorsitzende Dr. Be11 mit, daß das Gericht bei Behandlung der nationalsozialistischen Beschwerden zu folgendem Ergebnis gekommen sei: „Sm Hinblick auf den großen Vorsprung, den bei der jetzigen Wahl der Generalfeldmarschall von Hindenburg vor dem nächsten Wahlbewerber Adolf Hitler erzielt hat, nämlich den Vorsprung von nahezu 6Millionen Stimmen, muß auch dann, wenn die beanstandeten Vorkommnisse in ihrem vollen Umfange bewiesen würden, nach der Heber- zeugung des Wahlprüfungsgerichtes festgestellt werden, daß dadurch das Wahlergebnis nicht in Frage gestellt werden kann." Das Gericht ließ es dahingestellt, ob und in welchem Umfange nationalsozialistische Terrorakte stattgefunden hätten, wie es die Sozialdemokraten behaupteten und erklärte in der Begründung, eine Anfechtung der Wahl Hindenburgs, die auch von den Beschwerdeführern nicht erklärt worden fei, begründete solche Terrorakte nicht.
Großfeuer hat eine Frau den Tod gesund en. Sie wurde von den Feuerwehrleuten in ihrer Wohnung erstickt aufgefunden.
Opfer der Berge.
Aus den bayerischen Bergen werden mehrere schwere Unfälle gemeldet. So stürzte auf dem Untermberg der 22 Sahre alte Beamte Wilhelm Schweiger ab. Schweiger war über den Ostgrat ausgestiegen und dürfte durch den Schnee durchgebrochen fein. Die Leiche wurde geborgen. — Auf dem Predigtstuhl im Hochköniggebiet stürzte der Bahnbeamte Stephan Ziefer aus Bischofs- hofen etwa 14 Meter tief in eine Ciskluft ab. Der Schwerverletzte wurde geborgen, starb aber auf dem Transport. — Der 18jährige Münchener Gerhard Smmy, der zusammen mit einem 17jährigen Freund die Duchstein-Südwand erklettern wollte, stürzte aus 200 Meter Höhe wahrscheinlich durch Ausbrechen eines Schroffenbüschels tödlich ab. Die Ursache des Unglücks dürfte in der völligen Bergunerfahren- heit der beiden jungen Leute zu suchen sein. Beide waren ungenügend ausgerüstet. Es fehlte ihnen auch ein Seil und die übrige Bergausrüstung.
Bei Rebel mit dem vZug zusammengestoßen.
Bei Hörschel an der Strecke Eisenach — Bebra durchbrach ein Milchkraftwagen mit Anhänger b e i dichtem Nebel d i e geschlossene Eisenbahnschranke. Der ö-Zug Bebra—Frankfurt am Main tötete den Besitzer Weyer und den Mitfahrer Meyer, beide aus Eisenach und zertrümmerte den Kraftwagen. Der O-Zug erlitt zwei Stunden Verspätung.
Rathaussturm in Mentone.
In Mentone, an der französischen Riviera, kam es zu einem äußerst heftigen Zwischenfall. Die Stadtverwaltung und besonders der Bürgermeister von Mentone hatten während des Wahlkampfes offen Stellung gegen die Kandidatur des Abgeordneten Torres genommen» der aber trotzdem ganz überlegen im er» ft en Wah 1 gang gewählt wurde. Nun versammelten sich mehrere tausend Personen auf dem Marktplatz und nahmen, das Rathaus i in S t u.r m. Die Polizei wurde überrannt. Die Menge drang in sämtliche Büroräume ein, aus denen die noch anwesenden Magistratsbeamten verjagt wurden. Erst nach Eintreffen eines starken Polizeiaufgebots gelang es, die Ruhe wiederherzustellen.
Lin britischer Fliegerhauptmann unter Mordverdacht verhaftet.
Sn Miami (Florida) ist der britische Fliegerhauptmann William Lancaster unter der Anschuldigung, denamerikanischen Flieger Haden Clark ermordet zu haben, verhaftet worden. Clark war am Morgen des 21. April im Hause der australischen Fliegerin Frau Keith Miller, wo er mit dem Flieger- hauptmann zusammen als Gast weilte, erschossen aufgefunbeft worden. Man hatte zunächst an Selbstmord gedacht. Aber Hauptmann Lancaster soll jetzt gestanden haben, die angeblichen Abschiedsbriefe des Toten gefälscht zu haben. Clark soll der Verlobte der von ihrem Mann geschiedenen Frau Miller gewesen sein. Der Fliegeroffizier hatte Frau Miller auf mehreren ihrer Fernflüge begleitet.
AI Lapones Berufung verworfen.
Die Revision, die Al Eapone beim Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten gegen seine Verurteilung wegen Steuerhin- terziehung eingelegt hatte, ist heute verworfen worden. Damit ist seine letzte Hoffnung, der Strafe von elf Jahren Gefängnis zu entgehen, zunichte gemacht worden. Er wird wahrscheinlich in einigen Tagen nach einem der Bundesgefängnisse ge> bracht werden.
Rückkehr des lehten deutschen Kriegsgefangenen.
Nach mehr als 13jähriger Abwesenheit kehrte Alfons Paoli Schwartz, der letzte deutsche Kriegsgefangene, in seine Heimat Kehl a. Rh. zurück. Schwartz war, als vor 13 Jahren dis französischen Trupoen in Kehl einzogen, als Alt- elsässer fe st genommen worden, well er im Weltkriege im deutschen Heere gekämpft hatte. Nach 13jähriger Gefangenschaft auf der Teufelsinsel und in Cayenne betrat Schwartz vor etwa 8 Tagen zum ersten Mate mte.
Polens Putschpläne in Danzig.
Gravina an den Vertreter Polens. - Oie Berichterstattung des „Daily Expreße.
Die Beratungen im Finanzausschuß des Hessischen Landtags.


