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Vornan von 3- Gchneider-Foerstl.
Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau.
18. Fortsetzung. Nachdruck verboten I
Als er nach Hause kam, ging es auf sechs illjr. Kaum hatte er den Kopf in die Kissen gelegt. ritz ihn das Telephon schon wieder hoch. „Du, Swensen?" 3m Schlafanzug über den Schreibtisch gebeugt, horchte er aus die Stimme des Freundes.
..Hast du meine Grütze bestellt?"
„Gewiß, mein Lieber!"
„Was bat sie gesagt?"
..Datz du sie dir ein andermal sparen sollst!" „Nein!" gellte es ihm in die Ohren.
„Doch, mein Lieber! — — Es tut mir leid, Fred! Aber sie bat wortwörtlich so gesagt." Er glaubte ein Aufschluchzen zu hören und suchte zu besänftigen. ..Wir haben eine schwere Operation hinter uns, und sie ist reichlich aufgeregt gewesen. 3ft dir denn so viel daran gelegen, datz sie sich über deine Grütze freut?"
„Alles ist mir daran gelegen“, kam es heiser zurück.
„Dann bebaute ich!" sagte Wander kühl. „Auf Wiedersehen, Swensen!"
Er wartete gar nicht mehr ab, was dieser noch zu sagen hatte und fiel wie ein Klotz in sein 'Bett. Zornig drehte er den Kopf gegen die Wandseite. Das war schon der Höhepunkt! Erst Lenore und jetzt Margret! Swensen schien sich als ein Casanova zu entpuppen. Zudem hatte er noch eine rechtmäßig angetraute Frau. 3rgcnb etwas in Freds Psyche stimmte da nicht. Man mußte ihn einmal ein bißchen auf Vererbung ausforschen. Da schleppte man möglicherweise von irgendeinem Ahn oder Ar-Ar-Hr°Großvater so einen kleinen Defekt mit sich herum und wußte es nicht einmal. Er bekam es schon noch heraus. Fred war sonst im Grunde genommen wirklich ein guter, vornehm denkender Mensch, der es schon wert war. daß man ihn nicht in Dreck und Sumpf fallen und dort ersticken ließ.
Trotzdem war es beruhigend, daß Margret sich so wenig aus den Männern machte. Leicht würde es nicht sein, sie zu erringen, aber — wenn man Geduld hatte? Ge—duld!" — Wanders Kopf fiel schwer zur Seite. Er hörte nicht einmal mehr den Finkenruf im Garten, der schlechtes Wetter kündete.
Suse machte einen Nundgang durch Groß- Steinach und bekam glänzende Augen vor soviel Bequemlichkeit und Luxus. „Zu Hause auf Neck- linhausen ist es schön! — Bei dir ist es feudal.
Onkel 3ürgcn!“ Sie machte dabei ein Kompliment nach Gradnih hinüber, der in einem der Leder- stühle des getäfelten Speisezimmers saß und mit Frau von Recklinhausen plauderte. Ab und zu flog das Auge der schönen Frau etwas besorgt zu der blonden Tochter hinüber, die mit gewandten Fingern eine Ananas schälte. ,.3ch habe mir von Onkel Gradnitz etwas erbeten, Mama!" gestand diese lachend.
„Erbeten?" Frau von Necklinhausen matz sie jetzt beinahe ängstlich. Seit man hier angenommen war, verging keine Stunde, ohne daß Suse nicht irgendeinen Streich lieferte. 3mmer ganz etwas Tolles, Unvernünftiges, bei welchem den anderen die Haare zu Berge standen. „Du bist bald achtzehn, mein Kind!" erinnerte sie gütig.
„Gott ja. Mama! — Früher hat es immer geheißen, du bist beinahe siebzehn ober sechzehn ober zwölf, zähle bitte selber zurück. 3mmer bin ich mit der fürchterlichen Zahl meiner 3ahre gemahnt worden, wenn ich nicht brav und sittsam war. Nächstens werde ich also achtzehn und ist es wirklich höchste Zeit, daß endlich die junge Dame bei mir zum Durchbruch kommt! Du erlaubst doch, Onkel Gradnih? — Du auch, Mama?" Sie nahm, ohne abzuwarten, eine Zigarette aus dem Silberbehälter und ließ sie sich von ihrem zukünftigen Stiefvater in Brand stecken.
„Suse", tadelte die Mutter. „Keine meiner Töchter raucht! Nicht einmal Margret."
„Das ist Ansichtssache, Mama? 3d) lasse mir demnächst auch die Haare schneiden, tote unser Fräulein Doktor. Hinten ausrasiert natürlich. So mit webenden Locken kann ich mich unmöglich an das Steuer meines Wagens setzen. Das wirkt unmodern!"
Frau von Necklinhausen sah sichtlich erschrocken nach Gradnitz hinüber. „Hat sie den Wagen von dir erbeten, 3ürgen?"
„3ch habe ihn gekauft!" Suse wippte vergnügt mit den schlanken Beinen. „Nicht wahr, Onkel Gradnih? Mein ganzes Taschengeld habe ich dafür hingelegt. Bare fünfzig Reichsmark habe ich dem Gutsherrn von Groß-Steinach dafür in die Hand gedrückt. Auf Ehre, Mama! Seine Herrlichkeit, der Herr Verwalter Malnoto wird schauen, wenn ich demnächst auf Necklinhausen angeknattert komme." Sie merkte, daß Gradnitz etwas sagen wollte und sah ihn erwartend an.
„3d) wollte dich schon einige Male fragen, liebe Elisabeth", ließ sich dieser hören, „hat dein Verwalter Familie?"
„Nein!" sagte sie ruhig. „Seine Mutter starb vor einigen Monaten. Er steht jetzt ganz allein."
„So! — Dann habe ich mich geirrt“, meinte Gradnitz nachdenklich.
„Warum geirrt?" Suse legte plötzlich die Zigarette, nur zur Hälfte geraucht, in die Aschenschale. „Wieso geirrt, Onkel Gradnih?" drängte
sie, als dieser noch immer schweigend vor sich hinsah.
Er hatte kein aufmerksames Auge für sie. sonst wäre ihm der Ausdruck ihres Gesichtes und die offensichtliche Spannung, welche in demselben geschrieben stand, nicht entgangen. So sagte er völlig ahnungslos: „3ch habe angenommen, daß er verheiratet ist. Es passierte mir jetzt schon zwei- ober dreimal, daß ich ihn mit einer jungen Dame und einem Kinde von etwa sieben bis acht 3ahren treffe, wenn ich zufällig in München bin. Sie saßen in dem gleichen Cafe, in dem auch ich einzukehren pflege. Das Kind haben sie immer in der Mitte zwischen sich sitzen und aus dem ganzen Verhalten des Mannes habe ich den Schluß gezogen, daß er der Vater der Kleinen sein muß!"
„3st dir nicht wohl?" fragte Frau von Recklin- hausen und sah besorgt in Suses blaß gewordenes Gesicht. „Glaub mir doch, mein Kind, das Rauchen bekommt nicht jedem. Du wenigstens kannst es nicht vertragen. Man muß eben alles gewohnt sein. Vielleicht gehst du etwas ins Freie, dann wird es sicher rasch wieder gut!“
Suse nickte. Das Lachen, mit dem sie sich verabschiedete, wirkte unnatürlich und gezwungen.
Gradnitz wartete, bis sich die Türe hinter ihr geschlossen hatte und zog seinen Stuhl näher an den der geliebten Frau, während sein Mund den ihren suchte. „Wo sind nun alle deine Befürchtungen geblieben, meine Elisabeth?" sagte er froh gestimmt. „All deine Nöte und Aengste, all deine Skrupel und schlimmen Ahnungen haben sich als überflüssig erwiesen. Deine 3üngfte ist mir bereits bedingungslos zugetan."
„Du hättest ihr den Wagen nicht schenken sollen!" tadelte sie gedrückt. —
„Zehn Wagen schenke ich ihr. wenn ich mir damit ihre Zuneigung erwerben kann!" lachte er sie aus. „Sie ist doch ein entzückendes Geschöpf, unser jüngstes Kind! Darf ich so sagen. Elisa- bech?"
Sie nickte mit einer feinen Glut auf den Wangen. „Lenore ist die am meisten liebebedürftige von meinen Töchtern, aber etwas verschlossen und scheu gemacht durch ihre furchtbare Enttäuschung mit Swensen."
„Wir wollen sie wieder an das Leben glauben und Lachen lehren, Liebste!"
„3a!" sagte sie beruhigt. „Margret —"
„Um deine Aelteste ist mir am wenigsten bange“, unterbrach er sie. „Um Menschen, wie sie, wirbt man mit den Waffen des Geistes. Sie hat mich seinerzeit gefragt, ob ich nicht eine offene Praxis für sie wüßte. 3ch Esel habe „nein“ gesagt. Heute bin ich klüger. 3ch habe in verschiedenen großen Zeitungen Annoncen auf- gegeben und bereits eine Menge Angebote bekommen. Alle natürlich mit einer mehr oder weniger großen Ablösungssumme als Bedingung.
Du machst ihr das zum Geschenk, Elisabeth, ohne zu verraten, von wem die Gabe kommt. Freude ruft wieder Freude toad). Sie wird unserem Glück, wenn sie erst das ihre begründet sieht, nicht mehr im Wege stehen."
Durch die offenen Fenster kam das Rattern eines Motors. Beide zugleich sprangen sie auf und bogen sich über das Sims.
„Ich beherrsche das Ding schon famos!" rief Suse herauf. Frau von Recklinhausen hegte Zweifel daran und zeigte sich nur befriedigt, als sie den Chauffeur an der Seite der Tochter sah. „Wir kommen nicht vor Abend!" hörte sie ihre 3üngfte noch rufen, dann hatte der Wagen bereits eine Schleife gemacht und den Weg nach der Ausfahrt genommen.
Sie sah Suses Blondhaar noch eine Weile flattern, dann wurde der Blick durch eine Kurve versperrt.
„Wenn es wirklich sein Kind ist?" dachte Suse und krampfte die Finger um das Steuer. „Dann — dann —"
„Gnädiges Fräulein, bleiben Sie ganz rechts? Ein Auto ist uns im Rücken!" warnte der Chauffeur und legte nun seinerseits ebenfalls die Hand auf das Steuer.
Haarscharf raste eine große Limousine an ihnen vorüber. Eine dicke Staubwolke ergoß sich über die heißgebrannte Chaussee.
„3ch darf jetzt nicht -an ihn denken?" ermahnte sich Suse. „Wenn er wirklich ein solcher Schuft ist und hinter meinem Rücken eine andere küßt, dann ist er es nicht wert, daß ich mir seinetwegen Hals und Beine breche “
Gerade noch rechtzeitig riß der Chauffeur das Steuer zur Seite, sonst wären sie unfehlbar in der anstoßenden Wiese gelandet. „Wenn es 3hnen recht ist. übernehme ich den Volant!" schlug er bescheiden vor. Die Verantwortung für das junge Leben neben ihm drückte ihn.
Sie stimmte ohne weiteres zu, brachte erst noch den Wagen zum Stehen, sprang vom Sih und kuschelte sich rückwärts in eine Ecke des Fonds. 3eht konnte sie wenigstens ungestört ihren Gedanken nachhängen ohne sich und den Mairn da vorne in Gefahr zu bringen.
Die Luft war kühl und schnitt ihr in die Wangen. Die Augen tränten ihr. Sie kannte sonst keine Hetze, wenn es galt, durch das herbstliche Land zu fahren, heute wünschte sie, daß es nur immer noch schneller ginge, um endlich am Ziel zu sein. Was er sagen würde, wenn sie so plötzlich vor ihm erschien? — Ob er erschrak? — Wahrscheinlich! Wenn man ein schlechtes Gewissen hatte, wurde jede Ueberraschung zum Verhängnis. — Möglich auch, daß er eine ungeheure Freude zeigte, dann war sie eben erheuchelt.
(Fortsetzung folgt.)
DU
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