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Nr. 2 Erstes Matt

182. Jahrgang

Montag, 4. Januar 1932

Erscheint täglich, außer Sonntags unb Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Siebener Familienblütter Heimat im Bild Die Scholle

Monat,-Bezugspreis:

Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte 1.80 Zustellgebühr .. -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.

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GietzenerAMger

General-Anzeiger für Oberhessen

Vrnck vnd Verlag: vrühl'sche Universitäts-Such- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Zchriftlettung und Seschäft5ftelle: Zchnt^traße 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

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Chefredakteur:

Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein unb für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in (Biefjen.

Oie Krise in Indien,

politische Eindrücke von einer Weltreise.

Don Dr. Paul Rohrbach.

Dieser neueste aus Kalkutta, 10. D e z.' 1931 datierte Reisebericht unseres Mitarbei­ters trifft hier gleichzeitig mit der Meldung von der erneuten Verhaftung t Gandhis ein. Die Ausführungen Paul

Rohrbachs beanspruchen daher unser beson- deres Interesse, weil sie die Vorgeschichte zur jetzigen kritischen Lage illustrieren.

Es ist ein merkwürdiges Gefühl: gerade jetzt in Indien zu sein, wo nach dem für England offen­bar nicht günstigen Ausgang der zweiten Von« b o n c r Konferenz die Kräfte sich auf beiden Seiten sammeln, um der herauf ziehenden Krisis zu begegnen! Ich machte gestern mit einem hier ansässigen Herrn eine Autofahrt durch Kalkutta. Nir kamen an dem weitläufigen Belvedere-Palast in der Gartenvorstadt Alipur vorbei, wo der jetzt je reibe zu Besuch anwesende B i z e k ö n i g residiert, unb sahen den Doppelposten der Lanzenreiter zu Pferde in ihrer prachtvollen Uniform, die Lanzen oufgestützt, unbeweglich wie Statuen auf ihren mächtigen Rossen, den Eingang bewachen. Wir fuhren zum Tentpel der indischen Todes- göttin Kali, und hatten den abstoßendsten Ein- Üriuf von barbarischem Aufputz, Dreck, Gestank und Priesterbettelci, den man sich denken kann, unb ich lonnte nach diesem Anblick nicht von der Frage los: Und das gehört zur Religion des Volkes, das den Engländern den Lauspaß geben und s i ch s e l b st gl s mündiges Mitglied der Völker­welt (natürlich auch des Völkerbundes!) regie­re n möchte.

Dir kamen zum Victoria - Memorial, einem kuppelgekrönten Dau aus weißem Marmor, mit großen Gemälden voll indischen Prunks im Innern, wo die Königin Victoria einmal und der eitle Vizekönig Lord Curzon, der das Memorial bauen ließ, dreimal in Erz und Marmor abge­bildet sind; wir fuhren durch Fort William eine altmodische Festung, drei Kilometer im Ilm» fang, auf einer freien Esplanade, dem Maidan, gelegen, der so groß ist, daß selbst das Fort nur ein Viertel davon einnimmt. Um diesen Viesen-, platz, auf dem eine ganze Siegesallee von Denk­mälern englischer Generale, das Dictoria-Memo- rial, das Kriegermonument von 1914 bis 1918, Tportplähe, ein Aussichtsturm und noch allerlei andre Dinge stehen, ist das Calcutta der Engländer herumgebaut; eine große und

olanzende Stadt. Jedes Aintsgebäude ist ein Pa­last; die Wohnung des Gouverneurs von Ben- galcn, dessen Gast ich haute zum Lunch war, ist e i n Fürstenschloß in einem tropischen Märchen­garten.

Wir fuhren durch die weitläufige Eingebo- renenstadt, mit engen Straßen, hohen Häu­sern, einem unbeschreiblichen Gewimmel von brau­nen Menschen, ganz, halb und viertel bekleidet. Lastträger, heilige Kühe, Warenlager, Garküchen, Turbane und sonstige Kopfbedeckungen aller nur denkbaren Art, Stufen und Vetteln, alles so, wie re im Reiseführer steht. Wir kamen auch vorbei am Hause eines in englischer Sprache geschrie­benen radikalen indischen Blattes, derL i - bert h". Wenn die indischen Völker sich über ihre Opposition gegen die englische Herrschaft verständigen wollen, so müssen sie englisch zueinander sprechen, denn es gibt in Indien neun Hauptsprachen und ein paar Hun­dert Untersprachen und Mundarten. Auch im indischen Parlament in Delhi ist d i e Ver­handlungssprache englisch. Man denke sich ein Parlament aus Deutschen, Skandina­viern, Franzosen, Tschechen, ilngaren, Italienern, Türken, die alle eine gemeinsame Sprache haben lernen müssen, um miteinander verhandeln zu tonnen. So ist Indien.

In derLiberty", die sich Tag für Tag der schärfsten Sprache gegen die Regierung befleißigt, stand ganz kürzlich ein Artikel, in dem es hieß, >s gebe nur eine Antwort für ein sich selbst achtendes Volk auf das Verhalten der Re­gierung (die auf eine Anzahl politischer Morde unb Mordversuche mit dem Ausnahmezustand für Bengalen geantwortet hatte): Erneuerung desbürgerlichen Ungehorsams", d. h. öteuerverweigerung und dergleichen und als Auf­takt dazu wieder einen Boykott gegen englische Daren, englische Unternehmungen und alles, was mit solchen 'zusammenhängt.

Es ist nicht so einfach, sich in diesen indischen Gegensätzen mit allen ihren Schattierungen zu- rschtzufinden. Soviel aber sieht man auf den ersten Blick, daß die radikalen Inder et­was ganz Unmögliches verlangen: volle Freiheit Indiens in dem Sinne, daß. In­dien auch frei sein soll, feine eigene auswärtige Politik zu machen, seine eigene Wehrmacht aufzu­richten, wenn es will, als Freund, wenn es an­ders will, als Feind Englands, und seine Han­delspolitik nach Belieben mit England oder ge­gen England zu machen. Auch wenn Blätter, wie dieLiberty", auch wenn der ganze indische Ra- tionalkongreh mit Steuerverweigerung undnoch agreffioeren Entschlüssen" drohen die In­der haben kein Mittel, England zum ein­fachen Aufgeben Indiens zu zwingen. Alle Ver­nunft spricht dafür, 6ah beide Teile sich in einem Kompromiß zusammenfinden, und ich bin er­staunt, in der Unterhaltung rtiit Engländern, be­amteten wie nichtbeamteten, zu finden, wieweit man tatsächlich bereit ist, den Indern entgegen­zukommen. Man würde sich, nicht sofort, aber in einer zu vereinbarenden Frist, zurückziehen bis auf eine Kontrolle der auswärtigen Beziehun­gen Indiens, einschließlich seiner Handelspolitik,

Mahaima Gandhi erneut verhaftet.

Scharfe Zuspitzung der Lage in Indien. Ein neuer Llngehorsamkeitsseldzug gegen England beginnt. Der Vizekönig droht schärfste Gegenmaßnahmen an.

Bombay, 3. Jan. (1BIB.) Gandhi ist ver­haftet worden, ebenso ist der Präsident des Kon­gresses vallabhai Patel verhaftet worden. Gandhi und Patel wurden in das Pcrwada-Gefäng- nis in Puna gebracht. Patel erließ vor seiner Ileberführung ins Gefängnis folgende Botschaft an die indische Ration:Diesmal wird es einen chweren Krieg bis ans Ende geben. Ich hoffe, die Ration wird bereit fein, die äußer­ten Opfer zu bringen, aber den weg völ­liger Gewaltlosigkeit niemals zu verlassen." Zu seinem Rachfolger ernannte er das Mitglied des Vollzugsausschusses des Rational­kongresses Babu Rajendra prasad.

Der allindische Kongreß hatte am Freitag eine Entschließung gefaßt, in der die freien Völker der Welt eingeladen werden, Regie­rungsvertreter nach Indien zu schicken, um den Fortschritt der indischen Bewegung zu stu­dieren. Der Kongreß hat ferner zahlreiche Ent- chliehungen gefaßt, in denen der Plan des U n g e h o r s a m k e i l s f e l d z u g e s genau e st g e l e g t worden ist. In den einzelnen Pro­vinzen sollen besondereDiktatoren" die Maßnahmen überwachen und durch- ü h r e n. Das Eigentum des Kongresses ist an ichere Plätze gebracht worden.

Der vizekönig Lord w i l l i n g d o n hatte auf das Telegramm Gandhis vom 1. Januar er­widert, er und die Regierung bedauerten, daß der Ausschuß des Rationalkongresfes die Beschlüsse gefaßt habe, die für den Fall, daß gewifse Bedingungen nicht erfüllt würden, die Wiederaufnahme des Feldzuges des zivilen Ungehorsams vorfehen. Sie be­dauerten dies um fo mehr, als die englische Regie­rung erklärt habe, daß sie die in der Erklärung des Premierministers angekündigte Verfas­sungsreform beschleunigt durchfüh­ren wolle. Keine Regierung könne zu­las f e n , daß man ihr Bedingungen durch eine Drohung aufzwingen wolle. Er und die Regierung muhten Gandhi und den Rationalkongreh für alle Folgen verantwortlich ma­chen, die sich aus der vom Rationalkongreh beab­sichtigten Aktion ergeben könnten. Die Regierung werde alle Mahnahmen ergreifen, um diese Aktion zu bekämpfen.

Gandhi erklärte einem Vertreter des Reuter- Büros, dah ihn die Antwort des Vizekönigs m i t

tiefer Betrübnis erfüllt habe. Der Vize­könig habe gewiffermahen die Tür schroff vor ihm zugefchlagen, indem er für die von Gandhi erbetene Unterredung Bedingungen stellte, die kein Mensch, der Selbstachtung besitze.

habe annehmen können. Die Verweigerung der Unterredung betrachte er als einen der gröhten Fehler der Regierung und als einen glatten Bruch des Abkommens von Delhi.

Oie Störung her Rundfunkrede des Reichspräsidenten.

Noch kein greifbares Ergebnis der polizeilichen Ermittelungen.

Berlin. 2. Ian. (ERB.) Die Ermittelungen I der Polizei über die Störungen der Rundfunk­rede des Reichspräsidenten haben ergeben, daß die Täter unweit des Reuköllner Krankenhauses einen Kabelbrunnen geöffne t und an das betreffende Kabel ein Mikrophon z w i - schengeschaltet hatten. Die Täter müssen mit den technischen Einzelheiten sehr gut ver­traut gewesen sein, da sie die richtige Ader angezapft haben. Ein Ehepaar, das kurz nach 21,30 Ut>r an dem betreffenden Kabelschacht vor­beiging, hat zwei junge Männerbeobach- t e t, von denen einer auf dem Pflaster lag und sich über den geöffneten Schacht beugte, der andere hielt Umschau. Das Ehepaar hat seine Beobachtungen der Polizei mitgeteilt und eine Beschreibung der jungen Leute gegeben.

Zur Feststellung der Täter dürfte ein Ex­periment des in Demmin (Pommern) lebenden Physikers von Heyden-Linden beitragen, der die Hindenburgrede am Silvesterabend mit seinem Siemens-Tonschreiber ausgenom­men hat. Wie der Physiker mitteilte, hat der Ton­schreiber auch die kommunistischen Störungen ge­nau verzeichnet. Herr von Heyden-Linden glaubt, daß sich an dem Mikrophon der Täter wahrscheinlich ein Kontrollhörer befunden habe. Wenn man nämlich mit dem Finger leise gegen das Mikrophon klopfe, so sei dies im Kon­trollhörer zu vernehmen. Auf der von dem Phy­siker hergestellten Schallplatte ist dieses Klopsen genau zu hören. Durch die Siemens-Tonschreiber- aufnahme konnte der volle Wortlaut der Störungsrede fest gehalten werden. Daraus ergibt sich, daß die Störung nicht nur aus einzelnen Zwischenrufen, sondern vislmehr aus einer wohlformulierten kleinen Rede bestand, die sich gegen Lohnabbau und Diktatur für ein Sowjetdeutschland einsetzte. Das stimmt im wesentlichen überein mit dem Inhalt, den ein den Kommunisten nahestehendes Berliner Blatt in seiner Reujahrsausgabe von der Stö­rungsrede gibt.

Die Untersuchung hat dann zur Festnahme zweier Telegraphenarbeiter geführt, von denen je­

doch der eine wieder entlassen worden ist. Auch der zweite Verdächtige scheint um die trag- liche Zeit nicht an dem Tatort gewesen zu fein. Jetzt hat man einen dritten Tclcgra- phenbauarbeiter zur Vernehmung nach dem Poli- präsidiuiii geholt. Sein Alibi wird zur Zeit noch nachgeprüft. Die Untersuchung des Falles ist um so schwieriger, als man an den in Frage kommen­den Kabelbrunnen nicht die geringsten Beweisstücke gesunden hat. Auch ist der Kreis der in Betracht kommenden Personen außerordentlich groß.

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Hier wurde das Rundfunkkabel während der Hinden- burg-Rede angeschnitten. Der Kabelbrunnen in Buckow-Ost bei Berlin auf dem Wege nach Königs- wusterhausen, von dem aus am Silvesterabend die Rundfunkansprache des Reichspräsidenten unter­brochen wurde.

dies jedoch nur insofern, als keine Benachteili­gung englischer Waren gegenüber anderen Im­porten wird stattfinden dürfen. Das wäre also ungefähr die Stellung Aegyptens zu England, wie sie sich vermutlich nächstens gestal­ten wird.

Offen bleibt dabei d i e Frage einer engli­schen Armee in Indien. Vielleicht wird Eng­land sich auch in diesem entscheidenden Punkt darauf beschränken, so wie cs den Aegyptern angeboten hat, nur die Suezkanalzone besetzt zu halten, in In­dien seine Streitmacht auf einige Gibraltars und Maltas zusammenzuziehen und die jetzigen Militär­lager im Innern zu räumen. Das wäre mehr, als sich vor zwanzig Jahren irgendein politischer Kops in Indien hätte träumen lassen können, denn die ganze indische Verwaltung würde tatsächlich in indi­schen Händen liegen ein Experiment, zu dessen Uebernahme von indischer Seite viel Mut gehört. Ein so großes Land rationell, sparsam und mora­lisch intakt zu verwalten, (ernt sich nicht von heute auf morgen, und jede indische Selbstregierung wird unter den Augen eines sehr kritisch zuschauenden Auslandes zu arbeiten haben.

Rußlands Paktverhandlungen mit den Randstaaten.

Reval, 2. Jan. (TU.) Der estnische Ge­sandte in Moskau hat dem russischen Außenkom- missariat einen Entwurf über-einen RichtangnNs- pakt vorgelegt. Der Entwurf ist vor Weihnachten gemeinsam im estnischen und lettischen Außen­ministerium ausgearbeitet worden. Der lcttc- s ch e Gesandte in Moskau hat den Entwurf gleichfalls übergeben. Die russischen Verhand­lungen über den Vertrag mit Estland und Lett­land werden gesondert in Moskau geführt wer­den und in den nächsten Tagen beginnen. Die Paktverhandlungen zwischen Finnland und Rußland werden gleichfalls in der nächsten Zett in Helsingfors beginnen.

Die Meldungen über den bevorstehenden Ab­schluß der russisch-polnischen Verhand­lungen werden hier bestätigt, doch verlautet, Polen habe die Bedingung gestellt, daß die Unterzeichnung d«r Richtangriffsverträge zwi­

schen Rußland und Polen und Rußland und den übrigen Randstaaten gleichzeitig erfolgen müsse Estnischerseits wird betont, daß der ab­zuschließende Vertrag keine Garantie- Häufel des Status quo enthalte, schon aus dem einfachen Grunde, weil Estland als Kleinstaat nicht in der Lage sei, eine Garantie der Grenzen des russischen Reiches zu über­nehmen. Aus den gleichen Standpunkt dürsten sich auch Lettland und Finnland stellen.

Rumänien und Moskau.

Tie Garantie Bessarabiens.

B u k a r e st, 2. Ian. (TU.) Die Sowjetregierung hat den rumänischen Vorschlag ange­nommen, direkte Vorverhandlungen über den Nichtangriffspakt zu beginnen. Rumänien wünscht für den Pakt eine wesentlich genauere Frie­densgarantieformulierung, als bei dem Kelloggpakt. Rumänien hofft dabei von Rußland denLeftandderbessarabischenGrenze garantiert zu erhalten. Auf alle Fälle werden die beiden Partner sich verpflichten, an keiner mili- tärischen, wirtschaftlichen oder finanziellen Aktion teilzunehmen, die gegen eines der vertragschließenden Länder gerichtet ist.

Es ist numehr sicher, daß Außenminister G h i k a nach Warschau reifen wird, um mit Zaleski über eine gemeinsame Taktik gegenüber Sowjetrußland zu verhandeln. Die Warschauer Reise bezweckt auch die Aufstellung einer gemeinsamen polnisch-rumänischen Front für die Abrüstungskonferenz. Am 17.Januar reift Ghika nach Prag, wo er bis zum 21. Januar bleibt.

PragsMitteleuropa" Pläne.

Lchober warnt vor wirtschaftlichen Unmöglichkeiten.

Prag, 2. Jan. (TU.) Die ,Lidowe Noviny" bringt eine Zuschrift des österreichischen Vizekanz­lers Schober über die Frage der wirtschaft­lichen Zusammenarbeit Mitteleuro­pas. Schober sagt, Oe st erreich und die Tsche­choslowakei allein seien nicht im Stande, auch nur einen kleinen Teil des Ueberschusses dec

Donauländer aufzunehmen. Dazu märe ein viel größeres Absatzgebiet notwendig und da­her konnte eine Beschränkung der Zusammenarbeit auf die Tschechoslowakei, Ungarn und Oesterreich keine oder nur sehr geringe Erleichterung bringen. Die alte österreichisch-ungarische Mon­archie sei auch an der Unmöglichkeit geschei­tert, diese Frage in der Form einer staatlichen Einheit zu losen. Schon diese Tatsache allein sei eine Warnung, Mitteleuropa als p o - litischen Begriff aufzufassen, denn dadurch würde jeder Versuch, die Wirtschaftsfragen ,)u läsen, von vornherein zum Mißerfolg verurteilt sein, denn die Kriegsmentalität wirke hier immer noch allzu stark nach.

Nach der Besetzung von Tschintschau.

Fapans Festsetzung in der Mandschurei.

Paris, 3. Jan. (WTD.) Wie die Agentur Indo Pacific aus Peking berichtet, hat sich d i e Regierung von Tschintschau mit dem Generalstab nach Lantscheu innerhalb der großen Mauer zurückgezogen. Ja­panische Marineartillerie habe die Eisenbahnzone zwischen Peking und Mukden beschossen und den Verkehr auf dieser Strecke an verschiedenen Punk­ten unmöglich gemacht. Ein beim japanischen Kriegsministerium eingegangenes amtliches Tele­gramm besagt, daß die japanischen Trup­pen ihren offiziellen Einzug in die Stadt Tschintschau mit dem Generalleutnant Muro an der Spitze heute um 10.40 Uhr gehalten haben. Die Bevölkerung der Stadt soll sogar den ein­rückenden japanischen Truppen begeisterte Kundgebungen bereitet haben.

Besorgnis in Rußland.

Moskau, 2. Jan. (lieber Kowno. TU.) Der Be­setzung Kintschaus durch die japanischen Truppen wird in Moskau große politische Bedeu­tung beigemeffen. Die russischen Regierungs­stellen stellen fest, daß die japanische Regierung nun­mehr in der Lage sei, das wirtschaftliche und politische Leben der Mandschurei vo11» kommen zu beherrschen. Man glaubt in Moskau nicht, daß Japan weiter nach Peking und