Ausgabe 
3.10.1932 Frühausgabe
 
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Ur. 232 Svüharrssabe

182. Jahrgang

Montag, 3. Oktober 1932

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Hindenburgs 85. Geburtstag.

Herzliche Kundgebungen in Berlin. Improvisierte Gprechchöre begrüßen den Jubilar.

Berlin ganz im Zeichen des Geburtstages.

Berlin, 2. Ott. (TTl.) Unter großer Anteil­nahme der Berliner Bevölkerung beging die Reichshaupt st adt am Sonntag den 8 5. G e- burtstag des Reichspräsidenten. Der reiche Fahnenschmuck auf allen Amtsgebäuden.

wurde an den Fahnenmasten aller öffentlichen Gebäude die Flagge aufgezogen. Die Wilhelrn- ftraße und der Platz vor dem Reichskanzler­palais waren von einer unübersehbaren Menschenmenge gefüllt. Einige Unentwegte hatten Laternenpfähle. Bäume oder andere er­höhte Sichtplätze erklettert.

Gegen 10 Uhr verließ der Reichspräsi­dent, begrüßt von dem lauten Jubel der Menge,

Die Ehrenkompanie des Wachtregiments hat in der Wilhelmstraße Paradeaufstellung genommen. Der Reichspräsident (im Hintergrund) begibt sich mit seinem Stabe zur Besichtigung.

Botschaften und Gesandtschaften und den großen Geschäftshäusern zeigte auch äußerlich die Fest­lichkeit des Tages. Schon in den früheren Vor­mittagsstunden herrschte auf den Straßen und Plätzen der Innenstadt, vor allem in der Wil- helmstratze, ungewohnte Regsamkeit. Ueber dem Reichskanzlerpalais, wo Hindenburg während des Umbaues des Reichspräsidentenpalais Wohnung genommen hat, wehte die Standarte des Reichs­präsidenten. Immer wieder brachten Postbeamte unzählige Glückwunschschreiben und Telegramme, deren Beförderung nur in einem Sonderdienst bewältigt werden konnte. Auch viele Blumenspenden und andere Aufmerksamkeiten wurden in die Wohnung des Reichspräsidenten getragen. Den Auftakt zur Geburtstagsfeier gab das Wachregiment Berlin mit dem

Großen Decken".

Um 7 Uhr marschierten die Truppen durch das Brandenburger Tor und Unter den Linden ent­lang zur Kommandantur. Trotz der frühen Morgenstunde umsäumte eine große Menschen­menge die Straßen und hörte den Klängen des militärischen Signals zu. Zur gleichen Stunde

das Palais, um sich in Begleitung seines SohneS im Auto zum

THilifärgoflesbienff in der evangelischen alten Garnisonkirche

zu begeben. Aus dem Wege dorthin wurde dem Reichspräsidenten, der die Uniform des General­feldmarschalls trug, überall stürmisch zu ge­jubelt. Auch vor der Gamisonkirche standen dicht gedrängt viele Tausend Menschen. Dem Gottesdienst wohnten viele hohe Militärs der alten Armee und der Marine, der Reichswehr und Reichsmarine, Mitglieder der Regierung und zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bei, so u. a. Staatssekretär Meißner, Reichswehrminister von Schleicher, General von Hammer st ein, Admiral R a e d e r, Ge­neralleutnant von Rundstedt und Oberbür­germeister S a h m. Als der Reichspräsident, ge­führt von dem Geistlichen, das Gotteshaus be­trat, erhob sich die Gemeinde von ihren Plätzen. Umrahmt von der Lithurgie hielt Feldprobst D. S ch l e g e l die Predigt, der er das Bibel- wort zugrunde legte:Ich danke Gott, dem ich diene von meinen Voreltern her in reinem Ge­wissen." Mit dieser Inschrift schmückte der Reichs-

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Hindenburg schreitet die Front der Ehrenkompanie ab.

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Präsident eine Bibel, die er aus Anlaß seines Geburtstages der Alten Gamisonkirche schenkte. Dieser Bibelvers, so sagte D. Schlegel, erhalte seine tiefere Bedeutung erst recht am Erntedank­fest. Dem 85jährigen Reichspräsidenten gelte kein schöneres Wort als der Vers vom Erntedank: Wer da säet den Segen, der werde auch ernten den Segen." Mit einem Gebet für das Reichs­oberhaupt endete die Andacht. Beim Verlassen der Kirche wurde dem Reichspräsidenten von einem kleinen Mädchen, der Tochter eines alten Gemeindemitgliedes, ein großer Blumenstrauß überreicht.

Zur gleichen Zeit hatte in der katholischen Hed- wigskirche ebenfalls ein Militärgottesdienst statt- gesunden. Die Rückkehr Hindenburgs gestaltete sich in den in unmittelbarer Nähe des Reichskanzler­palais gelegenen Straßen zu einer eindrucks­vollen Huldigungsfahrt. Auf der Rück­fahrt von der Garnisonskirche legte der Herr Reichs­präsident am Ehrenmal Unter den Linden in Gegen­wart des Reichswehrministers und der Chefs der Heeres- und der Marineleitung einen Kranz nieder.

Unmittelbar nach feiner Ankunft im Palais be­gaben sich Reichswehrminister von Schleicher, der Chef der Heeresleitung, General von Ham­me rst e i n und der Chef der Marineleitung Admi­ral R a e d e r zum Reichspräsidenten, um ihm

die Glückwünsche der wahrmacht

zu überbringen. Derwellen wuchs die Begeisterung der Menschenmenge vor den Toren des Palais im­mer stärker an. Immer wieder wurden Hochrufe auf Hindenburg ausgebracht. Ueber dem weiten Platz tönten vom Turm der Dreifaltigkeitskirche die Klänge eines Jubelchorals. Inzwischen mar

die Ehrenkompanie der wachttruppe

von der Moabiter Kaserne über die Linden und Friedrichstraße unter klingendem Spiel anmarschiert und nahm auf dem Wilhelmplatz vor der Reichskanzlei Aufstellung. Die Feierlichkeiten erreichten ihren Höhepunkt, als sich Reichspräsident von Hinden­burg, von dem brausenden Jubel der Menge empfangen, nun vor das Palais begab. Der Reichs­präsident richtete an verschiedene Offiziere herzliche Worte des Dankes und schritt, den Feldmarfchallstab in der Hand, in Begleitung des Reichswehrministers und der Chefs der Heeres- und Marineleitung die Front der Ehrenkompanie ab. Spontan stimmte die Menge das Deutschlandlied an. Darauf brachte die Fahnenkompanie die Fahnen des Infanterieregi­ments Generalfeldmavschall von Hindenburg Nr. 147, des 3. Garderegiments zu Fuß und des Oldenburgi- schen Infanterieregiments Nr. 91 in das Arbeits­zimmer des Reichspräsidenten, wo die Feldzeichen an seinem Ehrentage Aufstellung finden.

Während zahlreiche Gratulanten sich in das Reichs­kanzlerpalais begaben, brachte

die Menschenmenge dem Reichspräsidenten stürmische Ovationen dar und rief in schnell organisierten Sprechchören.-Wir gratulieren, wir gratulieren!",

für die Hindenburg vom Balkon des Palais mehr­mals in sichtlicher Bewegung dankte. Erst in den Mittagsstunden wurde der Platz vor dem Reichs­kanzlerpalais wieder frei, und die Menge strömte dem Lustgarten zu, wo em großes Platzkonzert der Berliner Reichswehrkapelle den Abschluß der Feier­lichkeiten bildete.

Den Nachmittag und Abend verbrachte der Reichs­präsident im Kreise seiner Familie, die sich mit Kin­dern, Enkeln und Urenkeln um ihn versammelt hatte.

Hindenburg wird beim Eingang der Garnisonkirche, wo er dem Morgengottesdienst beiwohnte, begrüßt.

Die offiziellen Gratulanten.

Berlin, 2. Okt. (WTB.) Aus Anlaß des 85. Geburtstags des Herrn Reichspräsidenten und Generalfeldmarschalls v. Hindenburg sind am heutigen Tage, sowie an den Vortagen tele­graphische und schriftliche Glückwünsche von frem­den Staatsoberhäuptern, von Länderregierungen, von den Präsidenten des Reichstags und des Preußischen Landtags, von Provinzen, Städten, Behörden, Verbänden und Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland in sehr großer Zahl ein­gelaufen. Die beim Reich beglaubigten Botschaf­ter und Gesandten, ebenso die Mitglieder des Reichsrats und zahlreiche andere führende Per­sönlichkeiten trugen sich im Laufe des Vormit­tags in das im Hause des Herrn Reichspräsi­denten aufliegende Desuchsbuch ein. Don offi­ziellen Empfängen wurde auf ausdrück­lichen Wunsch des Herrn Reichspräsidenten ab­gesehen. Der Herr Reichspräsident empfing nur lediglich zur Entgegennahme des Glückwun­sches der Reichsregierung den Reichskanzler und anschließend den Reichswehrminister und dieChefsderHeeres-undderMa- rineleitung, die die Glückwünsche der Wehr­macht aussprachen; vorher hatte Staatssekretär Dr. M e i ß n e r dem Herrn Reichspräsidenten die Glückwünsche der Beamten und Angestellten des Bureaus und Hauses dargebracht.

Parade in Berlin.

Berlin, 2. Okt. (DU.) Anläßlich des Ge­burtstages des Reichspräsidenten fand auf dem großen Moabiter Exerzierplatz eine Parade

der Berliner Re ich sw eh r g arn i s o n statt. Untör den Klängen des P.ä entiermarsches schritt der Oberbefehlshaber General v. R u n d - st e d t die Front ab und richtete dann an die Soldaten eine kurze Ansprache. Ein Vorbei­marsch der Regimenter vor den Führern beendete die militärische Feier.

Die Feier der Reichsmarine.

Kiel, 2. Okt. (WTB.) Die militärischen Feiern im Standort Kiel anläßlich des 85.Geburts­tages des Reichspräsidenten wurden mit einem Zapfenstreich der 1. Matrosenartillerieabteilung am Samstagabend eingeleitet. Tausende von Zu­schauern hatten sich eingefunden. Die Veranstal­tungen am Sonntag begannen mit einem von Musik- und Spielleuten ausgeführten Großen Wecken. Rach den militärischen Gottesdiensten in den Garnisonskirchen fand am Montag in den Kasernenhöfen in der Wick eine Parade der Standorttruppenteile statt. Der neue Chef der Marinestation der Ostsee, Vizeadmiral Albrecht, gedachte in Dankbarkeit des Tags, an dem vor 85 Jahren in der deutschen Grenz­mark des Ostens unser Reichspräsident geboren wurde. Das deutsche Volk sei in seiner Geschichte wie kaum ein anderes der Erde über höchste Höhen und durch tiefste Tiefen gegangen. Immer sei es aber bisher noch so gewesen, daß Gott unserem Volk in Zeiten schwerster Rot einen Retter habe erstehen lassen. Er hoffe auch, daß es dem Reichspräsidenten v. H i n d e n b u r q ge­lingen möge, die Rot und Zerrissenheit unseres Volkes zu meistern. Die Reichsmarine feiere zusammen mit dem