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Nr. 53 Zweites Blatt

Sachlichkeit im politischen Kamps.

Don Dr. h. c. p Meeomann.

Dir veröffentlichen loyalerweise diese Zu­schrift aus Kreisen der Harzburger Opposi« lion, obwohl sie wie ja schon aus ihrem einleitenden Lotz heroorgeht mit unserer eigenen oolitischen Meinung nicht überein- sliininl. Auch über die politische Entwicklung in Deutschland unter der Prälidentschaft Hindenburgs find wir in wesentlichen Punk- ten anderer Auffassung.

Zn dem Leitaufsatz imGießener Anzeiger" vom 27. o. M. wird der ehrlich gemeinte Versuch ge­macht, die Grenzen für den Kampf um den neuen Reichspräsidenten so abzuslecken, daß ein ritterlicher Kamps ermöglicht wird. Da aber die Einstellung des Verfassers für die Kandidatur Hin­denburg deutlich hervortritt woraus ihm kein Vorwurf gemacht werden soll so erfordert es wohl die Unparteilichkeit, daß seine Ausführungen an dieser Ltelle eine Ergänzung vom Standpunkt der nationalen Opposition erfahren.

In dem Aufsatz, wie überhaupt in der Agitation für die Kandidatur Hindenburg, wird viel von dem Treuoerhältnis" gesprochen, das zwischen dem deutschen Volk und dem jetzigen Reichspräsidenten bestehe. In der Politik ober entscheidet allein dos Wohl des Vaterlandes, keine persönlichen Rück- sichten, auch nicht dem verehrtestcn Manne gegen- über. In jedem anderen Land gilt das als ganz selbstverständlich. Als der alte Elemenceau, der sich vom französischen Standpunkt gesehen, um jein Land die grüßten Verdienste erworben hatte, mrht nuljr als der rechte Mann angesehen wurde, lieh man ihn glatt fallen und ersetzte ihn durch einen anderen. Das Hot ihn gar nicht einmal erbittert, <*r ging gleich darauf nach Amerika, um dort für fein Land zu wirken.

Die nationale Opposition hält dem Feld mar­sch all von Hindenburg nach wie vor die Treue und wir sind überzeugt, wenn ihm heute wegen seiner Verdienste im Weltkrieg ein Denkmal ge­setzt oder irgendeine andere persönliche Ehrung bereitet werden sollte, keiner aus der nationalen Opposition, und am wenigsten der Stahlhelm, dabei fehlen würde.

Die Frage der Wahl des Reichspräsidenten liegt ausschließlich auf politischem Gebiet. 2lls im Jahre 1925 Hindenburg von den Kreisen der nationalen Opposition ausgestellt wurde, ge­schah eS doch nicht nur deshalb, weil er ein QUann von Ansehen und untadeligem Charakter war, sondern hauptsächlich auch deshalb, weil er als ein rechtsgerichteter Mann galt, von dem eine Wendung der bis dahin verfolgten Politik erhofft wurde: und er wurde deshalb von seinen heutigen politischen Schildträgern aufs bitterste bekämpft und geschmäht, weil man eine solche Wendung der Politik nicht wollte. Don einem Treuverhältnis zu Hindenburg haben wir damals von den letztgenannten Parteien nichts gehört. Welches sind die beiden Gegensätze der politischen Gruppen? Sie lassen sich in zwei Fragen zusammenfassen: 1. soll der schmachvolle Dersatller Dertrag von Deutschland weiter hin- flenommen und der Weg derVerständigung" mit Frankreich weiter verfolgt werden, oder soll, wie es Andere Völker in gleicher Lage getan b Frankreich, Polen, Türkei, Irland usw ), kr. Widerstand gegen diesen schmachvollen 3t geleistet und um die Rechte Deutsch­land gckämpft werden?: 2. soll Deutschland der marxistischen Richtung in unserer inneren Politik, die uns an den Rand deS Ruins und der Ver- zweiflung gebracht hat, noch weiter ausgeliefert bleiben, oder soll der Kampf gegen diese Politik unter Zusammensassimg aller nationalen Kräfte ausgenommen werden?

In der Antwort auf diese Fragen liegt der Schlüs. sei dafür, dah die Parteien, die 1925 Hindenburg

Jedermann.

Von Hans Niebau.

Wundervoll, dieser Luftverkehr", sagt der Herr, der mit Federmann ins Gespräch gekommen ist. Sie haben zum Beispiel einen Verwandten in Rom oder in Amsterdam: eins, zwei, drei, inner­halb weniger Stunden können Sie sich besuchen."

Wieso wundervoll?" schüttelt Federmann den Kops.3m Amsterdam habe ich einen Onkel, der ist ein so widerlicher Kerl, daß ich auf seinen Be- such verzichte. Und in Rom"

Und in Rom?" fragt der Herr.

Dort", fährt Federmann fort und guckt den Herrn an,dort habe ich überhaupt keine Ver- wandten."

Feder,nann will einen Klubsessel taufen. Klub­sessel bekommt man am billigsten auf Auktionen. Also geht Fedennann zur Auktion, sucht und findet einen Sefiel, der Auktionator nimmt ihn, setzt ihn auf den Tisch und ruft:Sechzig Mark zum ersten!"

Kommt gar nicht in Frage", schüttelt Feder- mann den Kopf", fünfzig Mark, und frühestens am Fünfzehnten!"

Federmann und Mücke sitzen vorm Lautsprecher. Konzert des Berliner Philharmonischen Orchesters.

mmengeroirr, Geigenzupfen, eine Flöte trillert, - Kesselpauke brummelt.

Die Musiker stimmen", sagt Mücke.

Ißiefo?" fragt Federmann.Du kannst doch gar i .cht wissen, ob nicht noch einer fehlt."

*

Febermann und Mücke gehen durch den Wald. Es wird dunkel", sagt Mücke,wir müssen uns beeilen."

Sie beeilen sich, gehen links, rechts, links, rechts. Dann haben sie den Weg verloren. Rach einer Stunde es ist stockdunkel, und nun fängt es auch noch an zu regnen finden sie einen Wegweiser. Federmann nimmt die Taschenlaterne, klettert den Pfahl hinauf.

Run?" fragt Mücke.Kannst du das Schild lesen?"

jawohl", sagt Federmann.Frisch gestrichen!"

Auf der Straße steht ein Mann mit zwei großen Fernrohren. Federmann bleibt stehen.

Links die Venus", sagt der Mann,rechts der große Bär, zusammen zwanzig Pfennig."

Federmann zahlt zwanzig Pfennig, guckt durch das eine Fernrohr, und dann durch das andere. Sie haben falsch eingestellt", schüttelt den Kops, ich sehe nichts als Sterne."

Gfetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Donnerstag, 3. März 1932

II ' k

auf den Lchitd erhoben, aufs fchmerzlichfte ent- tauscht wurden, seine damaligen Gegner aber heute leine Freunde geworden sind Der neue Reichsprä- fibent übernahm zu allgemeiner Uederraschung den Staatssekretär seines sozialislischen Lorgängcrs Ebert, er läßt sich täglich von einem sozialistischen Preilechef politisch orientieren und er hat neuer« bings Brüning Zu seinem Vertrauensmann bestellt und ihn felbjt bann noch gehalten, als dieser die oerfassungsmatzige Mehrheit im Reichstag nicht mehr hinter sich hatte. Der Reichspräsident hat nie« mals den Versuch gemacht, eine Rechtsregierung zu d"den, auch nicht nachdem der 14. September 1930 eine gewaltige Aenderung der Dolksftimmung im d>nne der nationalen Opposition zu erkennen gab.

2?ie Erklärung Brünings, daß die Rechte niemals dafür zu haben gewesen sei, in die Regierung ein- jutreten, ist irreführend. Regieren heißt Richtung geben. Unter Vertretern ganz verschiedener Richtun« gen laßt sich eine Regierung nicht bilden, das führt

Zur Verwirrung und zur Unzufriedenheit aller. Die Führer der Opposition haben es daher richtiger Weise abgelehnt, in eine Regierung einzutreten, die die von ihnen als falsch erkannte äußere und innere Politik fortsetzcn sollte.Führen" kann nur eine be­stimmte Richtung. Die anderen müßen sich entweder

unter diese Führung stellen oder sie müßen zurück­treten. Ein Drittes gibt es nicht.

Reichspräsident enwahl und Kamps um die grundsätzliche Richtung unserer Politik sind eins. $aB erkennt man am deutlichsten aus den Kund- ungen der Sozialdemokratie. die in ihrem fruf erklärt, daß cS ihr nickt um die Person

Hindenburgs zu tun ist, sondern um die Rteder- kämpfung der rechtsgerichteten ihr feindlichen Opposition. So ist eS in der Tat.

An dem polittschen Charakter der Präsidenten­wahl kann auch der Umstand nichts ändern, daß sich eine Reihe von angesehenen .unpolitischen" Persönlichkeiten aller Derufskreise für die Wahl Hindenburg» ausgesprochen haben. Soweit diese Personen nicht politisch sestgelcgt sind, kann ihnen eine mindestens ebenso große Zahl von Der- treteHr derselben Kreise entgegengestellt werden, die für die nationale Opposition eintreten.

Man soll nicht die politische Bedeutung der Wahl verdunkeln. Man soll offen seine Meinung bekennen und soll ritterlich und sachlich für sie kämpfen. Das ist daS, was von allen anständigen Menschen gefordert werden kann und gefordert werden muß.

Oie Kinanznoi der Gemeinden

Außerordentliche Tagung des Hessischen

WDR. Frankfurt a. M., 29. Febr. Der Hessische Landgemeindetag trat hier tm Hotel Kyffhäuser zu einer dringenden außerordentlichen Dertreterver- fammlung zusammen, um zu dem Thema Finanznot der Gemeinden" Stellung zu nehmen. Anwesend waren die Bertrcter von rund 850 hes­sischen Landgemeinden, der Präsident des Deut­schen Landgemcindetages, Dr. G e r e ck e - Berlin, ferner Ministerialdirektor Dr. Dörr vom hefsi- scheu Finanzministerium, Ministerialrat Weber und Ministerialrat Getrost vom hessischen In­nenministerium. sowie die Vertreter mehrerer Kreisämter.

Rach Begrüßungsworten deS Borsihenden, Bürgermeister Alexander-Gonsenheim, gab Bürgermeister Treytnar -Mühlheim ein kur­zes erschütterndes Bild von der

katastrophale Lage der hessischen Gemeinden.

In vielen Gemeinden müssen die gesamten Ein­nahmen für die Wohlfahrtserwerbslosen ver­wendet werden, so daß für Gehälter, Zinszahlun­gen und andere Verpflichtungen kein Geld mehr vorhanden ist. Die Steuereinnahmen sind in nie geahntem Ausmaße zurückgegangen, ebenso die Leistungen der öffentlichen Betriebe. Es gibt Ge­meinden, in denen die sozialen Ausgaben heute das Hundertfache der sozialen Leistungen vor dem Kriege betragen. 3n den meisten Gemeinden gibt es gar keine Arbeitslosen-, sondern nur noch Wohlfahrtsunterstühungsempsänger. Die Er­werbslosen können nicht mehr allein von den Gemeinden, sondern müssen auch vom Reich und den Ländern betraut werden. Der Redner richtete an das Reich den dringenden Ap­pell um rascheste Hilfe. Wenn der heu­tige Zustand so weitergehe, müßten die Gemein­den zusammenbrechen, und dann breche auch das Reich zusammen. Dringende Hilfe sei unbedingt erforderlich; auf welche Weise, sei den Gemeinden gleich.

Hierauf sprach der Präsident des Deutschen Land­gemeindetages. Dr. Gerecke (Berlin), über die 5 i n a n ,3 n o t der Gemeinden". Er machte u. a. folgende Ausführungen, die mit spontanem Beifall ausgenommen wurden. Die bisher von der Reichsregierung erlassenen Notverordnungen haben auf die allgemeine Wirtschaftslage und insbesondere

Landgemeindetages.

auf die durch die Wohlfahrtslasten aufs schwerste gefährdeten Finanzen der Landgemeinden keine ge« nügende Rücksicht genommen. Die Notverordnungen hoben vielmehr überwiegend dos Bestreben und die Wirkung gehabt, die Finanzen des Reiches und die Sozialeinrichtungen auf Ko ft en der Ge­meinden zu sanieren. Ohne gleichzeitige Sanie­rung der Finanzen der Gemeinden und Gemeinde- verbände sei jedoch eine endgültige Sanierung bet Reichsfinanzen unmöglich. Die Finanznöte der Land- gemeinden seien nicht zuletzt auf einen unge­rechten und falschen Finanzausgleich zurückzuführen.

von den ungeheuren Lasten für die Erwerbs­losen trage die Reichsanstalt nur ein Fünftel, die öffentlichen verbände und Gemeinden da­gegen vier Fünftel.

Das fei ein völlig unhaltbarer Zustand. Die Dreiteilung der Erwerbslofenfür- forae könne auf die Dauer unter keinen Umständen aufrechterhalten werden. Das habe heute leider bereits zu spät der Reichs­arbeitsminister erkannt. Ein scheinbarer Ausgleich der Etats von Reich und Ländern fei bedeutungs­los, wenn er nur auf Kosten der Gemeinden und Gemeindeoerbände erfolge. Hinter den Menschen­pflichten der Gemeinden, für ihre Erwerbslosen zu sorgen, müßten alle anderen Sorgen zurücktreten. Cs sei ein schwerer Fehler der Ressortminister, nur an die 'Ausbalancierung ihrer Etats auf Kosten anderer zu denken. Das führe dahin, daß einzelne Gemeinden heute den Erwerbslosen nicht das Notwendigste geben können. Das sei eine eminente staatsbürgerliche Gefahr. Die Gemeinden, der Unterbau des Reiches, müßten vor allem dafür sorgen, daß sie nicht zusammen« brechen.

Darum müsse eine Aenderung des Finanzaus­gleichs unter dem Gesichtspunkt erfolgen, dah jeder Gemeinde ein ausreichendes Existenz­minimum gewährt werde.

Der Redner begrüßte das Gutachten des Staats­sekretärs P o p i tz, das den Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden künftig von unten nach oben aufbauen will. Nur auf diese Weise könne auch die stark ausgehöhlte Selbstverwaltung wieder zu ihrem Rechte kommen.

Hollo!" ruft Mücke und winkt.

_ Federmann bleibt stehen, bann geht er über die Strafte. Die Autos rasen. Febermann hüpft unb springt unb rennt Bremsen quietschen. Der Schupo brüllt. Enblich ist Febermann über den Fahrbamm.

Aber Menschenskinb", sagt Mücke,warum achtest bu denn nicht auf bie roten unb gelben unb grünen Lampen, bann brauchst bu boch nicht"

Verzichte", wehrt Febermann ab,ich habe ge­rn be genug zu tun gehabt, um nicht unter ein Auto zu kommen. Wie soll ich mich da noch um bie bunten Lichter kümmern."

Febermann unb Mücke sind in derGötterdäm­merung". Siegfried verabschiedet sich von Brun- Hilde. Ein letztes Mak klingt fein Horn taaa tatatatatatataaa!

$)ör doch", flüstert Fedennann,da hat doch der Wagner unfern Sereinspfiff mit benutzt."

Traum-Experimente.

Der Traum gaukelt unS wirre und unzusam­menhängende Bilder vor, denn die Gedanken, die im wachen Zustand durch unfern Verstand ge­lenkt werden, schwirren im Traum hemmungslos durcheinander. Dabei können aber gewisse äußere Reize den Inhalt des Traums entscheidend be­einflussen. Sine summende Fliege verwandelt sich etwa in unserer Traumphantasie in einen her- ansausenden Eisenbahnzug. das Kältegefühl, dos durch die herabgleitende Bettdecke verursacht wird, versetzt uns ins Polargebiet. Ein zu enger Kra­gen kann beim kurzen Rachmittagsschluinmer zu einem Traum führen, der uns den Tod durch Er­würgen zeigt. Das Träume Schäume sind, haben die Traumdeuter feit den Tagen des biblischen Joseph geleugnet. Es kommt ja oft vor, daß man im Traum den Ort erfährt, an dem sich ein ver­mißter Gegenstand befindet. Plötzlich sieht man z. D. den abhanden gekommenen Schlüssel, den man den ganzen Tag über vergeblich gesucht hat, an einer nicht beachteten Stelle liegen. Das er­klärt sich daraus, dah der Traum häufig Sinnes- wahrnehmungen verarbeitet, auf die wir bei Bewußtsein nicht geachtet haben, die also nur oberflächlich in unferm Gehirn haften blichen. Der Schlüssel an der versteckten Stelle ist von uns wohl gesehen, aber nicht gefunden worden, weil wir mit den Gedanken ganz anderswo such­ten. 3m Untcrbetoufttfcin Hal sich die Erinnerung an diesen flüchtigen Eindruck bewahrt, und dieses, das im Traum feine ungehemmte Tätigkeit ent­faltet, zeigt uns nun. wo der Schlüssel liegt. Diele Erfahrungen kann man nun dazu benutzen, um den Inhalt der Träume willkürlich zu be­einflussen. Dr. A. Segall gibt dafür einige inter-

| essante Hinweise in der LeipzigerIllust rie­ten Zeitung". So mancher wird den Wunsch

I hcgcn. wenn er eine bedeutende Persönlichkeit gesehen hat, dem Auftreten eines großen Künst­lers oder dem Konzert eines berühmten Sängers be.wohnte, dieses Erlebnis im Traum zu wieder­holen. DieS wird ihm dadurch möglich gemacht, daß er während der wirklichen Eindrücke etwa einen ungewohnten Reiz auf seinen Geschmacks­sinn einwirken läftt; er kann z. B. eine getrock­nete Gewürznelke. Pfefferminzplätzchen oder der­gleichen in den Mund nehmen: es müssen nur Dinge fein, die ihm ungewohnt sind. Wenn er dann das betreffende Reizmittel vor dem Schla­fen abermals in den Mund nimmt, dann kann er manchmal damit die im Llnterbewuhtfein schlum­mernden Assoziationen hervorzaubern, so daß sich später im Traum das Erlebnis wiederholt. Dieselbe Wirkung kann auch erreicht werden, wenn man in derselben Form den Geruchsinn be­nutzt. Einatmen cmes eigenartigen Parfüms, daS allerdings möglichst stark fein muß, verbindet den Geruchseindruck mit dem Erlebnis. Jedenfalls ist durch die Verknüpfung eines seltenen Geruchs oder Geschmacks mit einem großen Augenblick die Möglichkeit geboten, ihn durch dieses Binde­mittel im Traum wiederzuerwecken.

Die der Pflug en anö.

Man hat den Ursprung des Pfl. 4eS auf Hacken ober hackenähnliche Geräte zurückiühren wollen, und einige Gelehrte haben dann den Ruhm dieser Erfindung für bestimmte Völker in Anspruch ge­nommen wie die Schotten oder die Slawen. Eine Theorie wollte den Aachweis erbringen, daß der Beet-Pflug anfangs nur bei den Germanen vor­handen war, die ihren harten und trockenen Boden besonders sorgfältig bearbeiten mußten und da­durch zur frühen Ausbildung guter Ackergeräte geführt wurden. Dieses schwierige Problem be­handelt nun unter Verwendung eines sehr reichen Materials Paul Leser in seinem Werk »Entstehung und Verbreitung des Pfluges", über dessen Er­gebnisse Prof. Gustav Fischer in der »Deutschen Literaturzeitung" berichtet. Leser hat <"«' die Plugformen in As.en, an den uralten Kultur­stätten untersucht und zwischen den Länd.. . ver altweltlichen Hochku turen sehr enge Beziehungen gefunden. Er vertritt die Ansicht, daß die Heimat des Pfluges in den Mittelmeerländern zu suchen ist und dah das Gerät sich von dort nach Offen, Borden und Westen auSbre'.fete. Von den Mittel- meer-Ländern finb keine unmittelbaren Beziehun­gen mit Oftafien nachzuweifen. Tie älteste Form des Pfluges besteht aus einem Hauptteck, an dem I die Schar sitzt und an dem in irgendeiner Form

Dr Gerecke verlangte den alsbaldigen Um­bau her Grmerbslofenfürforflt tu- gunficn der Gtmcinben unb richtete an bas Reich Öen bringenden Appell, nur.mchr den einzig m,g. lichcn Wcg zu fldjfn: bie Millionen von Erwerbs losen wieder in den allgemeinen Arbeitsprozeß einzugliedern.

Die Arbeitsdefchaffung fei bas entscheidende Problem.

Der Canbgcmeinbetog werde sich auch mit diesem Problem eingehend befassen und positive Vor- sch'äge auf dem Wege der Kreditbeschaffung machen.

Hierauf gab Ministerialrat Weber vom hes­sischen Innenministerium ein Bild über bie Aus­wirkungen der Erwerbslosigkeit in Hes- s e n. Zur Zeit gibt es

in Hesten etwa 40 000 Mohlfahrlserwerbslose. für bie Im vergangenen llahre 25 Millionen Mark aufgerocnbel würben Das Aufkommen an Reichsfleuern betrage aber noch nicht ein­mal bie Hälfte dieser Somme.

Das Land Hessen habe alles versucht, beim Reich auf Abhilfe zu bringen unb den Gemeinden aus dem Ausgleichsstock zu Helsen, soweit eS Hel­sen konnte. Aber ebenso wie daS Reich und die Länder helfen müßten, müßten sich auch die Landgemeinden gegenseitig unterstützen, damit man über dieses Elend hinauskonime. Die hessische Regierung habe in die neue hessische Gemeinde­ordnung die letzten Bestimmungen der Rot- Verordnungen nicht hineingenommen, weil sie noch immer an bie Zukunft der Selbstverwaltung glaube.

In der Aussprache trat ein Gemeindevertreter dafür ein, daß Der DersicherungScharakter her Arbeitslosenversicherung erhalten bleibe, daß da­gegen die Krisen- und Wohlfahrtsunterstützung zufammengelegt werden. Als die weitere Diskus­sion trotz der Ermahnungen deS Vorsitzenden in das politische Fahrwasser geriet, wurde die Aussprache unter Protest gegen diePolitik" abgebrochen. In einem kurzen Schlußwort appel­lierte Präsident Gerecke noch einmal eindring­lich on die Verantwortung deS einzelnen Ge- meindevertteters.

Hierauf schloß Bürgermeister Alexander nach dreieinhalbstündiger Dauer die Sitzung.

Präsident Or. Glässing tritt in den Ruhestand.

DSR. Darmstadt, 1. März. Reichspräsident d. Hindenburg und Reichs!inanjininiftcr Dr. Dietrich haben in persönlichen Handschreiben dem Präsidenten des Landessinanzamts Darm­stadt. Dr. Glässing, der mit dem Ende des Monats Februar auf Grund des AlterSgrenzen- gesetzes in den Ruhestand getreten ist, Aner­kennung und Dank für seine mehr als vier Iahr-

Bücheriisch.

Der Amt unb Brevier. 32

Deutsche Reichspräsibent. A u f g a b e. Ein staatsbürgerliches Seiten unb mehrfarbiger Umschlag. Preis -10 Pf. Paul Hartung Verlag. Hamburg 25. Diese Schrift erscheint gerade zur rechten Zeit, um die Wähler in unparteiischer Darstellung über die Wahl des Reichspräsidenten durch das Volk, über seine Pflichten und Vollmachten, über seinen Einfluß auf die Reichsregierung, über bas Notver ordnungsrecht unb über vieles anbere. das de» meisten unbekannt sein dürste, zu unterrichten. Don besonderem Interesse ist auch bie Gegenüberstel lunq der Kompetenzen der Präsidenten anderer Lander mit republikanischer Staatsform.

Wer wird Reichspräsident? Don

Am Samstag beginnen wir mit dem Abdruck einer Autsatzrelhe v , H. R. Knickerbocker

Wie ein Amerikaner Deutschland sieht.

Der bekannte amerikanische Zeitungsreporter hat im Notwinter 1931/32 eine Autoreise durch Deutsch­land gemacht und aufschlußreiche Blicke hinter die deutsche Fassade tun können.

mit 24 Bildern. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. (Kartoniert 1M Mark.) 35. Vom Kampf um Eberts Nachfolge ausgehend, wird das Wahloerfahren und feine Auslegungen geschildert. Die Wahlergebnisse des Jahres 1925 werden mit der Zusammensetzung des Reichstages 1930 in Der isteich gestellt. Jedem Leser wird das Handwerks« zeug geliefert, sich selbst ein Bild von den bevor­stehenden Entscheidungen zu machen. Skizzen über Leben und Bedeutung von 24 führenden Deutschen fmb angefügt, die in ernsthaften Kreisen als mog- lufje Bewerber für den Fall angesehen wurden, baß die Kandidatur Hindenburgs nicht zustande kam. Rechts, Mitte und Links werden mit gleicher Objektivität behandelt. Eine Schrift, die in hand­licher Weise alle wichtigen Daten über Persön­lichkeiten zusammenträgt, die auch sonst die Ceffcnt- lichkeit beschäftigen

die Zugvorrichtung und eine Handhabe befestigt find. Aus dieser Urform sollen sich dann die beiden jüngeren Pslugarfen entwickelt haben, nämlich der vieseitige Pflug, der aus Sohle, Griessäule, Grin­del und Sterze zusammengesetzt ist und der Sohlen­pflug mit Krümel, d. h. mit einer von der Sohle aufwärts und vorwärts gekrümmten Zugstange. Keine dieser beiden Pflugformen kann aus der andern entftanben sein, wie man behauptet hat, sondern beide müssen aus gemeinsamer Stammform hervorgegangen sein. Wie kam es aber nun zur Entstehung der ältesten Flugform? Sie wird au« einem Hangerät hervorgegangen fein, in dem man den Zieh-Spaten vermuten darf. Das ist ein Spa­ten, der von einer Person in den Boden hinein- gestoßen und von einer zweiten an einen Strick vorwärts gezogen wurde, so daß eine Furche ent­stand. In Japan gibt eS noch Pflüge, die mit dem Zieh-Spaten große Aehnlichkeit haben. Im all­gemeinen dürfte die Erfindung der Zugarbeit und die Verwendung von Tieren zum Ziehen von Schlitten älter sein als Wagen und Pflug.