llr. 28 Zweiter Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefien)
Mittwoch,Februar 1952
Aus der Wett des Films.
Berliner Tonfilm-Erfolg.
„Ltürme der Leidenschaft" mit Einil Hannings.
Bun crluxtnt nach Io langer Paule endlich wieder Emil 3anningS auf her Leinewanh warum Hat er sich nur Io rar gemacht? Die Pom- mer-Prohuktion der Ufa bringt ihn heraus in dem neuen Xonfilm „Stürme her Leiden- 14) a f f*. Ianninge im Unterwelt-Milieu von Berlin — man erzählt |ich, daß er lich Io eine Bolle gewünlcht habe. Das läßt lich gut ver> Itehen, wenn man dielen Film gelehen hat. Ein Vollblutkerl steht da im Mittelpunkt her Hanh- lung, einer jener Menlchen. hie immer im Leben ihren Mann stehen, ihr Schicksal meistern - wenn lie lich auch in hi dem Milieu am fallchen Orte besinheii. Alles vermag dieser Gustav Bumke, den Iannings darstellt, nur mit der Liebe wird er nicht fertig Da kommt er auS dem Gefängnis, vorzeitig entlassen, obwohl er auch dort seine Streiche nicht lassen konnte, eilt nach Hause zur Russen-Anja, die in seiner Wohnung haust. Gustav ist überzeugt, hafj sie ihn liebt, hab sie ihm treu ist, und dabei hat er sich hoch ha an ein Luderchen gehängt, da- diesen Menschen gar nicht wert ist. Die Anja hält es mit jedem Manne, der chr etwa- bietet, mit dem Photographen beispielsweise. der aus dem Fest der Unterwelt arbeitet. Gustav Bumke kommt erst langsam dahinter. erst muh er noch seine Genossen bei einem mifoglüdten Bankeinbruch vor her Polizei mit Bat unh List retten, must für hie Anja einen Pelz stehlen, muh von Kameraden belogen werden, ehe er dahinter kommt, dast Anja ihn betrügt Mit dem Photographen rechnet er ab. — ein Totschlag. das macht der „groben Hummer“ der Unterwelt nichts aus Aber die Abrechnung mit der Anja bleibt wieder aut; sie macht ihn auch jetzt noch lich gefügig. Und liefert ihn der Polizei auS. als er wegen deS TotlchlagS verfolgt wird, ist froh, hab sie ihn so lo- wird. Da ist ein junger Kerl auS Gustavs Bekanntschast aufgetaucht, her ihr jetzt gefällt und den sie sich hörig macht. Gustav Dumke ist ja wieder auf viele Jahre im Gefängnis. Dem aber labt es keine Hube, wer der Mann sein mag. mit dem sie eS jetzt hält. Die Abrechnung mutz kommen. Und er bricht aus dem TranSportwagen aus. um noch einmal zu Anja zu gehen, „kleine Familien- angelegenheif, erwischt den jungen Fürsorge- zögling als die neueste Errungenschaft und erkennt nun endlich seine Anja.
ES erinnert so vieles in diesem Film, der unter der Regie SiodmakS zustandegekommen ist. an die Höhepunkte, die IanningS im stummen Film und auch im „Blauen Engel" hatte. Jede Nuance feiner umfänglichen Bolle ist durch- gearbeitet und trägt zu einer vollabgerundeten groben Leistung bei, die erkennen läbt. was wir in diesem Schauspieler besitzen und waS wir noch von ihm zu erwarten haben. Wenn der Film trotz des groben Spiels nicht völlig befriedigt, so liegt das wohl an Iannings Partnerin Anna Sten, die bläh bleibt und sich offenbar ganz auf ihr Aussehen versäht Um so mehr erfreut sich der Beigen der Mitspieler: Trude Hesterberg, Franz Biklisch. Otto Wernicke, Julius 5 a 1 f c n ft c i n . Anton Pointner , die auf her Ianningschen Linie bleiben und so dazu beitragen, den groben Beifall des Publikums und die lobende Anerkennung zu rechtfertigen. E. W.
Hinter den Kulissen des Tricktonfilms.
Der Trickfilm erfreut sich heute grober Beliebtheit, und so mancher zerbricht sich den Kopf darüber wie diese lustigen Bilder entstehen. Besonders seit noch her Ton hinzugekommen ist, erscheint uns hiese luftige Ehe zwischen Bild und Klang noch tounherbarer. Einen Einblick in die Werkstatt einer solchen Tricktonsilm-Fabrik gewährt uns der Chef-Trickzeichner der Ufa, Georg Pal, in einem Aufsatz von .Scherls Magazin". „3m Ansang ist das Manuskript, das sich jeder guter Trickzeichner selbst schreibt", erzählt er. „Hier
legt er bereits fest. waS ihm fein Humor und leine Phantasie eingcbcn Sein Helfer dabei ist der Musiker, der die luftigen Einfälle musikalisch karikiert. Liegen die Boten und Geräulcheffekte fest, dann wird der Ton ausgenommen und ein Bildstreifen, der Markierungen enthält, nach denen die Trickbewegungen berechnet werden. Bun gehe ich daran, mir meine Darsteller zu schaffen. Don einem modernen Zeichenfilm verlangt man, dab die Dewegungen weich und humorvoll, aber nicht unbeholfen und unfreiwillig komisch wirken. DaS muh man bereits beim Entwurf der Type eine* Trickfilmhelden berücksichtigen Wie entsteht aber die Bewegung? In her Sekunde laufen durch den Dorlührapparat 24 Bilder, allo für eine Bewegung von einer Sekunde Dauer sind 24 einzelne .Zeichnungen nötig, die lauter verschiedene Bewegungsphalen darstellen. Die erste und die letzte Phase — das ist meistens jede neunte Zeichnung — lege ich selbst fest, worauf
der Phasenzeichner, mein wichtigster Gehilfe, die Zwilcherwhalen konstruiert. Jede einzelne Zeichnung wird auf ein Zelluloidblatt übertragen und auf der Bückfeite schwarz, weist und grau aue- gemalt. Bun geht eS an hie Aufnahme Aus dem Tilch ist hte Hintcrqrunhzeichnung befestigt, senkrecht darüber die Filmkamera Die Kamera wird elektrisch betätigt jedeSmal wird ein Bild photographiert und der Film um ein Bild weiter- geschaltet Auf den Hintergrund wird nun fortlaufend Phafe um Phase gelegt. Bild für Bild aufgenommen und in mühevoller Arbeit auS unzähligen Einzelbildern her Film geschaffen." öin normaler UnterhaltungStridfilm ist etwa 200 Meter lang, unh jeher Meter enthält 52 Bilder, so hast also dafür 10 4 00 Einzelbilder notwendig find. Das ist gewist recht mühsam, aber hie Arbeit macht auch viel Freude, und wenn daS Werk gelingt, kann man damit Wirkungen erzielen, wie sonst auf keine Weise.
Der gebändigte Klang.
Aus der Werkstatt des Tonmeisters.
Don A. K. von Hübbenet.
_ Die grobe Zahl der unsichtbaren Mitarbeiter am Film, die uns im Kino, bevor die erste Szene auf blendet, in einem langatmigen Vorspann namentlich vorgestellt werden, ist feit hem Aufkommen des Tonfilm» um Spezialisten bereichert worden, deren Funktion dem Laien größtenteils unverständlich bleibt. Der wichtigste dieser Neuankömmlinge, der im modernen Tonsilmatelier-Betrieb auch tatsächlich ein gewichtiges Wort mitzureden hat, hört auf den wohlklingenden Namen Tonmeister. Der Zuschauer im Kino aber denkt: was gibt es da an den Tönen schon viel zu melftem9 Die Aufnahme spielt sich genau so ab wie früher, nur hast man an irgendeine Stelle, wo es im Bild nicht zu sehen ist, das Mikrophon aufstellt.
Doch so einfach ist das alles nun doch nicht. Der Ton ist zwar, dank den unablässigen Fortschritten der Technik, schon zu einem meist verständlichen und organischen Bestandteil des Films geworden: es fommt kaum noch vor, dost die Aufnahme einer tonlich einfachen Szene mistlingt, aber noch immer gibt cs Fälle, in denen der Tonmeister vor komplizierte Aufgaben gestellt wird. In den ersten Tagen des Tonfilms war es allerdings noch viel fchwieri- ger. Die Aufnahme war voller Tücken, und es war eigentlich reine Glücksache, ob sie gelang oder nicht. (Eine gewisse Berühmtheit hat die Geschichte einer Musikausnahme erlangt. Damals arbeitete man noch in provisorisch für Tonsilmzwecke hergerichteten Ateliers, die nicht so völlig dicht gegen alle äußeren Sct-alleinwirkungen geschützt waren, wie die modernen fensterlosen Steinkästen. Trotzdem erschien die fragliche Orchesteraufnahme zunächst gut gelungen. Bei der Probeoorsührung stellte sick) jedoch heraus, daß die Musik von einem heftigen Prasfelgeräusch begleitet war. Man konnte den Eindruck gewinnen, als hätte man das Spiel des Orchesters zur Er- .lielung eines besonderen Effektes durch ein lebhaftes Mafchinengewehrfeuer ergänzt. Das war aber nicht der Fall, und nachdem man lange vergeblich nach einem Defekt in der Apparatur gesucht hotte, erwies es sich, daß das Trommelfeuer von dem während der Aufnahme aufs Atelierdach fallenden Regen erzeugt war. Don den Musikern hatte in der Extase musikalischer Hingabe niemand das Geräusch ver- nommen, das Mikrophon aber hatte still und leidenschaftslos olles aufgezeichnet.
Noch luftiger ist eine andere Episode aus jener Zeit: ein Schauspieler hatte eine kleine Stiege hin- aufzugehen, bann stehenzubleiben und einige Worte zu sagen. Aber jedesmal vor Beginn der Rede hörte der Tonmeister aus seinem Lautsprecher ein orkanartig pfeifendes Geräusch, so daß er die Aufnahme unterbrach und dem Schauspieler sagen lieb, er solle sich nicht so heftig räuspern. Der prominente Mime hotte sich aber weder geräuspert noch geniest oder gehustet, und auch sonst hotte fich niemand im Ate- Her irgendwie laut bemerkbar gemacht. Natürlich
verging wieder längere Zeit, ehe man die Ursache der Störung herausgefunden hatte; sie war ebenso überrald)enb wie interessant: der Schauspieler hatte beim Hinaufgehen mit seinem Aermel das Treppen- aclänber gestreift, und das leise Knistern des Seiden- iiitter-3 im Aermel war von dem zu nah stehenden Mikrophon auf^efangen und ins Unermeßliche verstärkt worden. Lolche Geschichten, die noch vor zwei Jahren wahr waren und die Tonmeister in Verzweiflung brachten, muten heute wie uralte Märchen an. Erstens hat man sich mit den Eigenschaften und Mucken des Mikrophons vertraut gemacht, außerdem benutzt man für Gewänder und Dekorationen geeignete Stoffe und Materialien. Aber auf anderen Gebieten Hot der Tonmeister genug Probleme zu lösen.
'Verhältnismäßig einfach sind Tonaufnohmen bei stehendem Bild und gleidjbleibenber Lautstärke. Ist bie Dekoration zu groß, um von einem Mikrophon ersaßt werden zu können, werben einfach mehrere Mikrophone eingeschaltet. Nehmen wir als Beispiel einen großen Saal, in dem bei festlich geschmückter Tafel zahlreiche Personen sitzen, von denen mehrere, die an ganz verschiedenen Enden der Tafel sitzen, in den Dialog eingreifen. In diesem Fall bekommt jeder Sprecher ein eigenes Mikrophon in die Nähe gestellt. Natürlich so, daß es im Bild nicht zu sehen ist. Eines verschanzt man hinter einem prächtigen Blumenstrauß, das andere bedeckt man unauffällig mit einer Serviette, das dritte versenkt man in einen Sektkübel. Tausend andere Möglichkeiten gibt es. Don jedem Mikrophon — die Höchstzahl, die man gleichzeitig anschließen kann, ist neun — führt eine besondere Leitung zu einem Schalter in der Abhörkabine des Tonmeisters, und er stimmt sie alle auf eine gleichmäßige Lautstärke ab. Schwieriger wird die Ausgabe des Tonmeisters, wenn mit „entfesselter" Bildkamera gearbeitet wird, wenn beifpiels- weise die Kamera auf einem Wagen in der Dekoration herumfährt. Der Tonmeister muß mit feinem Mikrophon die Laute und Worte erhaschen, die für die Handlung wesentlich sind, und zwar in einer bestimmten Deutlichkeit und Lautstärke. Manchmal kann er sich leicht dadurch helfen, daß er das Mikrophon an einem kleinen Galgen über der Kamera befestigt, so daß es überallhin mitfährt. Oft jedoch beabsichtigen Autor und Regisseur ganz andere Klangwirkungen. So wurde eine Szene gezeigt, in der ein junger Mann bei einer großen Ballveranstaltung ein Mädchen suchte und dabei aus einem Saal in den anderen ging. Da in den Sälen zwei verschiedene Kapellen spielten, mußte bei den Wanderungen des jungen Mannes die Musik der einen Kapelle immer leiser werden, während die andere, je näher er ihr kam, immer lauter ertönte. Hätte der Tonmeister in diesem Fall das Mikrophon mit der Bildkamera mitsahren lassen, würde er besonders beim Ucbergang nie die raffiniert deutliche
Raubtiere vor der Kamera.
Interessante Erlebnisse auf ricrsilm-Erpcdltioncn.
Die groben Filme „Chang", „Afrika spricht". ..Tabu" usw.. die uns erstaunliche und hinreißende Bilder vom Tierleben im schwarzen Erdteil geboten haben, erwecken die Frage, wie viel an diesen Aufnahmen echt unh Wie viel „gestellt" ist. Hier hängt alles von her Geschicklichkeit des Photographen ab. aber die Baubtiere kommen den Wünschen der Filmleute häufig sehr Weit entgegen. und ihre unersättliche Bcugierde ist ein Wichtiges Hilfsmittel, um die Wilden Bewohner Afrikas in ihrer natürlichen Freiheit sestzuhalten. Sin Kameramann, der verschiedene afrikanische Großsilme aufgenommen hat. erzählt in einer englischen Zeitschrift, daß von allen wilden Tieren die Löwen am leichtesten zu photographieren find. „Das wichtigste ist, hab man die Bestien reichlich füttert", meint er. „Gib ihnen genug zu fressen, und du wirst mit ihnen keine Schwierigkeiten haben. Löwen ähneln in dieser Hinsicht den Menschen. Wenn sie gesättigt sind, sind sie zutraulich und leicht zu behandeln. 3n der Bähe des Lagers, von dem aus wir unsere meisten Löwen „geschossen" haben, hatte sich ein Budel von acht Stück versammelt, die unsere Hauptfilmstars öarftcllten. Sie gingen am Tage in den Wald, um zu schlafen, aber des Abends streiften sie bei unterem Lager herum. Weil sie hier ihre Mahlzeit erwarteten. Einer unserer Leute hatte nichts weiter zu tun. als für sie Antilopen zu schieben, und Wir nahmen dann das frisch geschossene Fleisch mit wenn wir mit unferm Kraftwagen zur Aufnahme auszogen. Das Ergebnis war. daß unsere acht Stars immer bei der Hand waren, wenn wir sie brauchten."
Auf einem Film wird gezeigt, wie ein Lowe einen Baum hinauf klettert. Der Kameramann behauptet, daß das ein echtes Bild fei: „Es ist ja eine ewige Streitfrage in Afrika, ob Löwen auf einen Baum klettern können oder nicht. Bun. wir haben diese Frage auf unsere Weise gelost. Wir liehen unsere ..Stars" ein paar
Tage hungern und lockten sie dann nach dem Baum, den wir für unfern Bersuch ausgewählt hatten. Wir schossen ein Zebra, nahmen es auf unserem Lastwagen mit, und sobald die acht das frische Fleisch Witterten, folgten sie uns Wie hungrige Hunde. Wir legten dann das Zebra hoch oben in die Aeste des Baumes und stellten uns in einer Entfernung mit der Kamera auf. Die Löwen gaben sich die größte Mühe, an dem Stamm emporzukommen, und schließlich gelang es dem größten unter ihnen, das Zebra herunterzuziehen Das haben wir im Film festgehalten — natürlich ohne Zebra.
Die nordafrikanische Ebene, die sich so unendlich weit dehnt, ist das beste Jagdgebiet für den Film- Mann, das man sich denken kann. Unsere Kraftwagen legten 80 Kilometer in der Stunde zurück, und auf der Fahrt fanden Wir alles, was W*r brauchten Ob wir nun eine Herde Zebras auf- nehmen wollten oder eine Herde Büffel. Wir fanden alles Und Löwen gar! Die blieben stehen und Warteten, bis der Wagen ein Tstctzend Meter von ihnen entfernt war. bevor sie sich auf die Beine machten. Untere erste Nahaufnahme von Löwen erlangten wir auf die Weise, daß wir eine tote Antilope an der Hinterwand unseres Kraftwagens befestigten, sie dann wenige Meter entfernt nieberlegtcn und warteten. IInb richtig! Die Löwen kamen und fraßen das Tier, ohne von uns die geringste Botiz zu nehmen Schwieriger ist es schon. Elefanten auf der Platte festzuhalten Wir haben die meisten Elefanten-Aufnahmen auf her Elc- santen-Farm her belgischen Regierung gemacht; es sind lauter junge Tiere, jede- mit einer Kette am Bein. Die Ketten kann man natürlich »nicht sehen, weil Wir die Tiere im hohen Gras ausgenommen haben. Sie fehen Wie voll erwachsene Elefanten aus. Weil wir die hohen Bäume ringsum gefällt haben, fo daß keine Bergleichsmöglichkeit vorhanden ist. So machen die kleinen Tiere doch einen großen Eindruck, und es fällt nicht einmal auf. daß der Baum, an dem sich einer der kleinen Elefanten den Rücken reibt, gar kein richtiger Baum ist. sondern nur ein Dusch! Das sind so kleine Hilfsmittel,
deren man sich bei Tierausnahmen bedient. 3m allgemeinen aber sind diese Tierbilder durchaus echt und ohne jede Retusche der Wirklichkeit ausgenommen."
Greta Garbo persönlich.
kleiner Bericht aus Hollywood
Besuch bei Greta Garbo: viele werden mich darum beneiden, aber dazu liegt eigentlich kein Grund vor. Ich habe mich vielleicht nicht ganz korrekt ausgedrückt: ich war Wohl bei Greta Garbo, aber — sie war nicht da. Unh dann war ich auch nicht bei ihr zu Hause, sondern in ihrer Garderobe, aber ich war schon damit zufrieden.
3ntercffiert es Die, zu erfahren, wie her Ort aussieht, der Greta Garbo die Möglichkeit gibt, sich zwischen den einzelnen Ausnahmen auszu- ruhen. der Raum, in dem sie ihre nächste Szene nochmals durchstudiert, hie Atmosphäre dieses Raumes, deren Bachwirkung Wir noch oft in Filmen fühlen können
Ich hatte es mir jedenfalls schon lange gewünscht. diesen Raum kennenzulernen, und endlich gelang es mir. hineinzukommen. Ganz schnell lief ich von Zimmer zu Zimmer, denn viel Zeit hatte man mir nicht gegeben; gleich kann die „große Garbo" von der Aufnahme kommen, und bann Will sie niemand sehen.
Es Waren drei Räume, ein Boudoir, ein Ankleidezimmer und ein Schminkraum. Die Wände des Boudoirs find mit blaßgoldenem Brokat bespannt. bie Polstermöbel und Borhänge saphirblau. — Bichts weiter als ein Ruhebett, einige Sessel und ein Schreibtisch bilben bie Einrichtung dieses Zimmers Die eine Wand ist ganz von einem großen, dreiteiligen Spiegel eingenommen, in dem sich die „Göttliche" von Kopf bis Fuß betrachten kann, bevor sie in einem ihrer herrlichen Filmkleider zur Aufnahme geht.
Die Wände des Schminkraumes sind zur Hälfte mit elfenbeinartigem Holz getäfelt, ein eingebauter Toilettentisch, zu beiden Seiten auf kleinen Etageren sämtliche Gegenstände und Schminken, die man braucht, um sich kamerafertig" zu machen.
Wirkung erhallen haben, wie sie ihm diuf andere Weise gelang, mährend er gkuhtcilig das Mikro Phon bei der anderen Kapelle ebenso allmählich ab- stellte, und der Erfolg zeigte, daß der Regisseur gut daran tat, sich den, Feingefühl feines lonmeifter* an zu vertrauen
Um eine gleichmäßige Lautstarke des akustische» Vorganges zu erzielen, ist es unbedingt noiroeuhig, mit Dem Mikrophon immer in gleichem Abstand von der auizunehn'tnden Sd)allquelle zu bleiben. Das ist nicht immer ganz einfach, so zum Beispiel, roenn her sprechende Schauipieler nicht ruhig steht, sonder» im Zimmer auf und ab läuft. 3n lolcben Fallen wer den manchmal raffinierte Tricks und Konstruktionen erdacht. Mißlingt aber so ein Trick, hat man sofort das Empfinden, daß her Ion urplötzlich abreißt, als ob der Schauipieler im Verlauf einer Seklinde abgedreht und weil davongerannt wäre Die Empfindlichkeit des Mikrophons nimmt nämlich bei zu nehmender Entfernung unverhältnismäßig rasch ab, und auch auf lebe Aendemng der Richtung her cdxilluKlle reagiert das Mikrophon außerordentlich scharf. Hieraus erklärt es sich, daß nicht die Masten- Iteilen, wie man vielleicht meinen möchte, an den Tonmeister die größten Anforderungen stellen, sondern die subtilen Kammerspielszenei'. Bei Massen- szenen kommt eine geringe Unebenheit in der Laut stärke überhaupt nicht zum Vorschein, dagegen spielt etwa bei einem zärtlich geflüsterten Dialog die gc ringste Nuance eine entscheidende Rolle. Der Weg, die Schauspieler verhältnismäßig laut sprechen zu lassen und dafür bas Mikrophon leise einzustellen, ist nicht gangbar, weil ein solches Vorgehen die Klangfarbe der Stimmen verändern würde; stellt man dagegen das Mikrophon weiter weg, geht bk intime Wirkung unweigerlich verloren. Es bleibt also nichts anbercs übrig, als bas Mikrophon möglichst nah an den Mund bcs flüsternden Schauspielers heranzubringen.
Hier entstehen durch eine Bewegung de- Darstellers neue Schwierigkeiten. Ein leichtes Dor- beugen des Rumpfe- genügt, um außer Hörweite deS Mikrophons zu kommen. Die gewöhnlichen Mikrophon-Ständer, die schweren Metallgabeln und langen Holzgalgen sind zu ungelenk, um der raschen Bewegung genau folgen zu können Sv erfindet jeder Tonmeister eigene „leichtere" Konstruktionen. Ein Tonmeister eines großen Konzerns hat bie Gewohnheit. daS Mikrophon in solchen schwierigen Flüsterfällen an einem Gewirr von Fäden und Fädchen aufzuknüpfen, mit deren Hilfe er eS dann hin und her dirigiert. Sr hat dafür den Spitznamen .Fädchen-Akrobat" erhalten. — Eine interessante Ausgabe hatte her Tonmeister im folgenden FaN zu lösen: die Szene stellte die Bergung eine- in einem tiefen Bergschacht Verunglückten durch eine Rettunqsexpedi- tion dar. Der eine der Retter, der zu den Ber- unglüdten hinabgestiegen war, rief den oben befindlichen Kameraden Anweisungen au. Seine Stimme mußte im. tiefen Bergspalt, dessen Wände den Schall mehrmals zurückwarfen, voller klingen als die gedämpften Stimmen seiner Kameraden im Freien Dem Tonmeister gelang vS, den Gegensatz dramatisch stark herni'Szubekommen, und zwar so, daß in beiden Fällen bie Verständlichkeit trotzdem gewahrt blieb.
Mit diesem Beispiel sind wir in den Fragenkomplex des sogenannten .akustischen RaumcS" geraten. Jeder Schallvorgang vermittelt nämttch eine gaitz bestimmte Vorstellung von dem Raum, in dein er erzeugt wurde. Jeder hat schon einmal die Beobachtung gemacht, daß seine Gttmme in einem ausgeräumten Zimmer ganz anders klingt, als in dem gleichen Zimmer, wenn eS mit Vorhängen und Möbeln ausgestattet ist. So klingt es auch ganz verschieden, ob jemand im Freien spricht, in einer kleinen, mit Möbeln voll- gestellten Stube oder in einem großen, leeren Saal oder Gewölbe. 3m Saal wird der Schall mehrmals zurückgeworfen, es entsteht starker Bach- ball. der oft mehrere Sekunden dauert; in der Stube werden die Schallwellen von den dort befindlichen Möbeln und Vorhängen mehr oder weniger aufgesogen; im freien Felde entsteht so gut Wie gar kein Rückwurf, so daß nur die primären Schallwellen ohne Bachhall hörbar Werben. 3n befonbeiyn Fällen entsteht die bekannte Erschei-
Das Ankleidezimmer hat eine dunkle, grüne Dlumentapete. Bur die notwendigen Stühle und Sessel, resedagrün bezogen, sind in diesem Zimmer zu finden, das mit seinem großen Schrank nur dazu da ist, bie Kostüme her Künstlerin zu beherbergen, und das sind für manchen Film sehr viele. — Dem Schrank gegenüber, ebenso bie ganze Wand einnehmend Wie dieser, ist hinter einem Vorhang bie Badekabine, ganz auS glasierten Kacheln. Ader Was mir am meisten aufgefallen ist: in keinem her Räume hängt auch nur ein Bild, steht auch nur ein Gegenstand, her keinen Zweck zu erfüllen hätte. Man sieht nur Blumenvasen. Aschenbecher, eine Obstschale — alle diese Dinge ohne jede Verzierung, einfach und schlicht. Wie bie Garbo in ihrem Privatleben ist. Wir wissen von ihr, daß sie Einfachheit über alle« hebt, daß sie nur in ihren Filmen die lururiofen Kleider trägt, nur wenn es das Manuskript verlangt. im modernsten Rolls-Royce-Wagen fährt Für ihren Privatdebarf genügt ihr ein Sporl- kleid. ein einfacher dunkler Wagen; die Hauptsache ift ihr immer, nicht auszufallen. Sicher ist das auch der Grund, Weswegen sie immer dunkle Brillen trägt, Wenn sie nicht im Atelier ist. und ich habe es durch Zufall selbst erlebt, baß he erreicht, was sie will: nicht erkannt zu Werben.
Ich War Zeuge eine« Gesprächs. daS einige Besucher ber Metto-Goldwyn-Mayer-Ateliers führten. Sie Waren eben aus einem Atelier gekommen. in dem sie einer Aufnahme beigeWopnt hotten unh sahen eine Gestalt mit dunkler Brille mit großen Schritten in der Sonne auf und ab gehen. Da sagte bie eine Dame: „Sieh doch mol. wie sie der Garbo ähnlich sieht, man konnte sie fast dafür halten." Unb sie gingen weiter.
3ch Wußte zufällig, baß bie Garbo in einem ber Ateliers ihren Film „Romanze" unter bet Regie Clarence Browns drehte, und schon sah ich ben Regisseur auf bie Gestalt zukommen und sie auf- fordern. Wieder in daS Atelier zu kommen, da bie Umbauten fertig Wären. — Unb eine tiefe, sympathische Altstimme sagte: „All right". Die Leute hatten unrecht, es War Greta Garbo persönlich gewesen. L


