Aus aller Welt
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Aus der Provinzialhauptstadt
Morgengastspiel im Lichtspielhaus, Bahnhof-
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Selbst manch' alter Gießer Bub, der innerhalb der vier Schooren, der heutigen Anlagen geboren wurde, wird verwundert fragen: Konnte man denn auch
Vormittag bedeuten. Vernarb @tt£ ist ein Künstler von hohem Grad und befähigter Kapellmeister, der mit Umsicht seine Musiker zu dirv- gieren weih. Että verfügt als Geiger über eine erstaunliche Technik. Man wird von ihm und seiner Kapelle nicht nur moderne Musik hören, sondern auch alte verklungene Melodien werden mit gleicher Liebe und Hingabe zum Vortrag kommen. Ette zu hören, bedeutet ein Genuß, denn unter seiner leitenden Hand wird die Kapelle zu einem fein abgestimmten Instrument. Wo der Meister bisher auftrat, dankte ihm ein begeistertes Publikum." Näheres über das Gastspiel ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.
straße, geben. Dazu schreibt man uns: „E t tö. den man bisher nur durch den Rundfunk und durch Schallplatten kennenlernen konnte, wird nun persönlich vor das Gießener Publikum treten. Sein Gastspiel dürfte einen genußreichen
Dänemark drosselt die deutsche Einfuhr
Kopenhagen, 1. Sept. (TU.) Durch die neue dänischeDevisenverordnung wird die Einfuhr sehr vieler Artikel außerordentlich st a r k gedrosselt. So wurde am Donnerstag den Einfuhrhändlern für Eisenwaren nur 4 b.Sy, für Glas- und Porzellanwaren 3 v. H., für Modewaren nur 5 v. H. an Devisen im Vergleich mit denjenigen Mengen bewilligt, die im Vorjahr genehmigt wurden, also für Waren, die größtenteils aus Deutschland bezogen werden. Damit drosselt Dänemark die deutsche Einfuhr noch mehr als bisher. Die Großhandelsvereine haben bereits scharfen Einspruch beim Handelsminister erhoben und erklärt, wenn es bei diesen geringen Devisenzuteilungen bleibe, man sich genötigt sehe, größtenteils das Personal zu entlassen bzw. die Betriebe überhaupt zu schließen. In London werden die
— Tageskalender für Freitag. Oswalds- garten 20 Uhr: Eröffnungsvorstellung des Zirkus Straßburger. — 15 Uhr auf den Plätzen des Gießener Tennisklubs: Beginn des 3. Bezirks-Tennisturniers. — VHE.: bei Hopfeld Monatsversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Schanghai- Expreß".
— Aus dem Stadttheaterbureau
Aus aller Wett.
Vorkämpferin des kolonialen Gedankens, gestorben.
29. August starb nach langem, schwerem auf einer Afrikareise in Tsumeb (Südwest-
Bernard Eit6 in Gießen.
Der bekannte Musiker Dernard E t t £ wird kommenden Sonntag mit seinen Sinfonikern
dänischen Einfuhrdrosselungen mit doppelter nugtuung verzeichnet.
Verworrene Lage in Ecuador.
Daten für Freitag 2 September.
1851: der Dichter Richard Boß in Reugrape geboren. — 1853: der Chemiker Wilhelm Ostwald in Riga geboren. — 1870: Gefangennahme Rapoleons III. und Kapitulation Sedans.
Bornotrzcn.
glück werden noch folgende Einzelheiten begannt: Der Brand griff auf andere Depots über und verbreitete sich schließlich über die ganze Festung. Trotz größter Anstrengungen des Militärs und der Feuerwehr erfolgte eine Reihe Explosionen, die die Bevölkerung der Gegend in Panik versetzten. Die stärkste Explosion erfolgte, als ein Depot mit Seeminen unter stärkster Detonation in die Luft ging. Die Fensterscheiben vieler Häuser gin- geng in Trümmer. In der nächsten Umgebung der Festung stürzten die leichter gebauten Häuser ein. Bisher wurden mehrere Schwer-und Leichtverletzte geborgen. Es war bis zur Stunde nicht möglich, festzustellen, ob auch Todesopfer zu beklagen sind. Der Schaden übersteigt 100 Millionen Lei. Die Ursache der Explosion ist noch nicht festgestellt, sie dürfte auf einen Brand infolge der großen Hitze zurückzuführen sein.
Die Explosionen im Artillerielager von Ceasna haben, einem neuen Funkspruch aus Bukarest zufolge, mehrOpfer gefordert, als man ursprünglich angenommen hatte. Die Ibköpfige Lagerwache ist zusammen mit dem Kommandanten spurlos verschwunden; es konnte noch nicht fest gestellt werden, was mit ihnen geschehen ist. Die in der Rähe der Unglücksstätte gelegenen Ortschaften Rudeni und Chiajan sind von der Bevölkerung geräumt worden. Diele Bewohner dieser Ortschaften wurden durch Spreng st ücke verletzt. Die Untersuchung hat festgeftellt, daß von den acht Depots bisher sechs in die Luft geflogen sind; man befürchtet, daß auch die übrigen zwei Lager noch in die Luft fliegen werden.
Explosion in einer portugiesischen Fabrik. — 3 Tote.
Rach einer Meldung aus Lissabon ereignete sich in einer Feuerwerkskörperfabrik bei Goeveia ein schweres 11 n g I ü d. Durch eine Explosion wurden drei Personen getötet.
die Vorsitzende des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft, Frau Hedwig v. Bredow geb. v. Stechow in fast vollendetem 79. Lebensjahre. Bis zum letzten Atemzuge wirkte sie für das Deutschtum in den alten deutschen Kolonien.
Badeerinnerungen aus Ali-Gießen
Vom Baden in der Wieseck und Lahn vor fünfzig Zähren.
Guayaquil (Ecuador), 1. Sept. (TU.) ..
Lage in Quito, wo nach wie vor der Kampf
wird uns geschrieben: Die Intendanz hat für Mittwoch, 7. September, die Max - und Moritz - Bühne zu einem einmaligen Gastspiel verpflichtet. Sechs lustige Bubenstreiche nach Wilhelm Dusch in der Bearbeitung von Schei- bach werden den Kindern einen lustigen Rachmittag bereiten, dargestellt von ersten Bühnenkräften, in eigenen Dekorationen, Ausstattungen und mit eigenen Kostümen. Eltern, die ihren Kindern eine Freude machen wollen, schicken sie zu Max und Moritz. Ein lebendiges Bilderbuch voll köstlicher Szenen. Um allen Kindern den Besuch zu ermöglichen, hat die Intendanz kleine Preise angeseht.
— Ein Genossenschaftsfilm „Don Menschen und Mühlen" wird auf Veranlassung des Konsumvereins Gießen und Umgegend am Dienstag, 6. September, und Mittwoch, 7. Sept., in den Palastlichtspielen am Kirchenplatz vorgeführt werden. Es handelt sich dabei — wie man uns schreibt — um einen neuen genossenschaftlichen Spielfilm, den die Grobeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine in Hamburg herausgebracht hat. Der Film zeigt nicht nur interessante Landschaftsbilder, sondern bietet auch aufschlußreiche Einblicke in die Großmühle und in die moderne Teigwarenfabrik der GEG. in Mannheim. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.
** Eine Reliefkarte „Das romanti- s ch e L a h n t a l" hat der Verkehrsverband für die Lahn, dem die Stadt Gießen als Mitglied angehört, herausgegeben. Die Karte bietet einen eindrucksvollen Ueberblick über das Lahntal von der Quelle bis zur Mündung und über die anschließenden Höhenzüge. Das Städtische Verkehrsamt und der Verkehrs- und Verschönerungsverein, die an dem Zustandekommen dieser Karte mitgearbeitet haben, dürfen die Gewißheit hegen, daß sie damit einer guten Sache ihre Unterstützung gaben.
" Die Zurückziehung von Wechselsteuermarken. Von der Industrie- und Handelskammer Gießen wird uns geschrieben: Zu dem vor kurzem veröffentlichten Hinweis über die Zurückziehung von Wechselsteuermarken ist nachzutragen, daß der Reichsfinanzminister durch Abänderungsverordnung vom 22. August bestimmt hat, daß die zur Zeit im Verkehr befindlichen Wechselsteuermarken nicht am 1. September 1932, sondern erst am 1. Januar 1933 ihre Gültigkeit verlieren.
** Fahrplanänderung eines Sonderzuges. Wie uns vom Bahnhof Gießen mitgeteilt wird, wird der Sonderzug, der die Besucher des Zirkus Straßburger aus der Richtung Friedberg nach der Vorstellung heimbefördern soll, auf der Strecke Gießen — Friedberg wie folgt verkehren: Gießen ab 23.30 Uhr (nicht um 0,50 Uhr), Friedberg an 0.16 Uhr.
zwischen den Aufständischen und den Regierungstruppen tobt, ist äußerst verworren. Zuverlässige Berichte liegen fast nicht vor, da eine strenge Zensur verfügt wurde. Die Dinge sind dadurch auf den Höhepunkt der Verwirrung getrieben, daß die Amtszeit der Regierung Martinez in der Rächt zum Donnerstag abgelaufen ist, ohne daß eine neue Regierung gebildet oder die alte mit der Weiterführung der Geschäfte beauftragt wurde. Die für Freitag in Guayaquil erwartete Ankunft des englischen Kreuzers „Dur - b a n" wird mit dem Aufstand in Verbindung gebracht. Aus aufgefangenen Funksprüchen ist zu entnehmen, daß in Quito grauenhafte Z u st ä n d e herrschen. Auf den Straßen liegen unzählige Tote, die wegen des ununt .orochenen Feuers nicht entfernt werden können. Die Aufständischen und die Einwohner leiden unter R a h- rungsmittel - und Wassermangel, der bereits zum Ausbruch ansteckender Krankheiten geführt hat.
in der Wieseck baden?
Tie ist und war doch viel zu eng und seicht! Aber trotz alledem: vor einem halben Jahrhundert ist's doch gegangen. Damals gab es noch keine ausgebaute Moltkestrahe, keine Roonstrahe und keinen Großen Steinweg. Dafür lagen in jener Gegend um so mehr Wiesen und große Gärten. Ueber die Wieseck im Zuge der heutigen Moltke- straße führte ein Holzsteg, und von diesem hinab zur Ludwigsplatz-Drücke floß die Wieseck unreguliert dahin. Dor fünfzig Jahren war sie auch noch fischreich. Retzfischer erbeuteten dort Weißfische und sogar pfundschwere Hechte in Menge. Zwischen Moltkestrahe und Ludwigsplatzecke war für die Buben, die am Ludwigsplatz oder in der Grünberger Straße, der heutigen Kaiser.Allee, oder in der Gartenstrahe wohnten, ein beliebtes Baderevier. Selbstverständlich war das Baden in der Wieseck nicht erlaubt. Aber niemand kümmerte sich darum, auch der alte, kleine Feldschütze nicht, von dem wir nur den Spitznamen kannten. Der gute Alte ging mehr in den Eichgärten, in den Triebvierteln oder im Rahrungsberge einher, um dort nach Obst- und Gemüsefrevlern zu fahnden. Von seinem Haselstecken aber ging die Sage, daß ihn sein Träger fliehenden Missetätern so vorzüglich zwischen die Beine zu werfen verstehe, daß der Getroffene mit Sicherheit zu Fall käme. Mit unseren „guten" Gewissen machten wir Buben vorsichtshalber stets einen großen Dogen um ihn. Also
in der Wieseck wurde flolt gebadet.
Wer in der Wieseck richtig hatte schwimmen lernen, ging dann mit seinem Befähigungsnachweis zum Baden in die L a h n. Den Viadukt an der Goethe* schule gab es damals noch nicht. Jedermann mußte, wenn er nicht vom Seltersberge kam und den Viadukt an der Wieseck am einstigen Felsenkeller benutzte, durch die Unterführung am Reu*
Erfolgreiche Rordlandforschungen.
Rach einem Funkspruch des Professors Schmidt, des Leiters der sowjetrussischen Expedition des Eisbrechers „Sibiria- koff" , hat der Eisbrecher Rordland (Kaiser- Rikolaus il.-Land) erreicht und von dort den Geographen U s ch a k o f s mit seinen vier Begleitern an Bord genommen. Uschakoff und seine Begleiter, so heißt es in dem Funkfpruch, hätten während eines zweijährigen Aufenthalts auf Rordland unter unglaublichen Strapazen eine Forscherarbeit von Weltbedeutung geleistet. Sie bereisten ganz Rordland in Hundeschlitten, stellten eingehende wissenschaftliche Untersuchungen des Rordlandgebietes an und stellten auch eine Karte zusammen. Aus ihrer Forschungsreise begegne* ten sie keinem Menschen. Die Forscher wollen nach ihrer Heimkehr ihr umfangreiches Material in den wissenschaftlichen Instituten von Moskau und Leningrad Verarbeitern
Norwegische Expedition nach der atlantischen Südpolarzone.
Der bekannte Polarforscher Riiser Larsen, der an mehreren Expeditionen Roald A m u n d - s e n s teilgenommen hat, plant, wie aus Oslo gemeldet wird, eine Expedition nach dem Südpolarkontinent. Rach Zeitungsmeldungen beabsichtigt er, im Februar 1933 von Königin-Maud-Land oder Enderby-Land aus eine Schlittenfahrt längs der Küste des atlantischen Sektors der antarktischen Zone zu unternehmen. Er hofft, das Problem der hypothetischen großen Ducht zwischen Königin-Maud- Land und Prinzessin-Ragnhild-Land zu lösen und durch die Entdeckung von Reuland eine Verbindung zum Kronprinzessin-Martha-Land herzustellen. Kapitän Riiser Larsen wird nur einen Degleiter und zwei oder drei Hundeschlitten mitnehmen. Er will auch meteorologische Deobachtungen über das Polarjahr anstellen.
Umkehr der deutschen Himalaja-Expedition.
Wie Bechtold, einer der Teilnehmer der deutschen Himalaja - Expedition in einem Telegramm an seine Mutter in Trostberg (Oberbayern) mitteilt, ist die Expedition wegen schwerer Erkrankungen unter den Teilne^- mem gezwungen gewesen, vor Erreichung ihres Zieles, des Wanga-Parbet, umzukehren.
Weiterflug von Gronaus.
Wolfgang von Gronau ist von der Aleuten- Insel Attu nach den Kurilen-Inseln ge- startet. Er funkte unterwegs der Funkstation auf der Insel Hodeida, daß er in 1000 Meter höhe durch dichten Nebel fliege, jedoch hoffe, in sieben Stunden Land zu erreichen. Seine Position gab er als Halbwegs zwischen den westlichsten Aleuten und der östlichsten Kurilen-Insel an.
städter Tor pilgern. War das an einem Sonntagmorgen oder abends nach sechs Uhr der Fall, so begegnete er etlichen Reitern auf nassen, un- gesattelten Pferden, die ihre Tiere in die Schwemme geritten hatten. Diese befand sich unmittelbar der Pulvermühle gegenüber, und die rotbemützten Starkenburger, die damals dort ihre Kneipe hatten, setzten oei niedrigem Lahn-Wasserstand im Sommer gerne Tische und Stühle in das seichte Decken, um so einen wahrhaft „feucht-fröhlichen" Schoppen zu trinken.
Wer unterhalb der Pferdeschwemme baden wollte, fand dort zwei Badeanstalten, die R ü b - samensche Badeanstalt und die bescheidener eingerichtete des Männer-Badevereins. Christoph Rübs amen, der im Jahre 1889 im Alter von 67 Jahren in Gießen starb, ein echter Jünger Vater Jahns, besaß als Tanz-, Tum- und Schwimmlehrer um Alt-Gießen besondere Verdienste; er hielt auf Zucht und Ordnung in seinem Betrieb. Wann wird übrigens ein Gedenkstein am Ufer der Lahn für ihn erstehen?
Die Rübsamensche Badeanstalt war damals in zwei streng voneinander geschiedene Abteilungen geteilt, eine Frauen- und eine Män- nerabteilung, und keinem Fuchs wäre es jemals gelungen, von der einen Abteilung in die andere Au blinzeln, geschweige denn, daß Männer und Frauen, Jünglinge und Mädels zusammen hätten schwimmen und baden dürfen. Dagegen gab es festgefügte Bretterwände. Wenige Jahrzehnte zuvor war das Baden der Frauen „im Wellenbad" bei den Mühlen, wie ältere Leute erzählten, noch 9anz und gar verpönt, genau so wie das Schlittschuhlaufen und das Turnen der Frauen. Die Trennung der Geschlechter in Christoph Rübsa- mens Badeanstalt begann schon an der Wäscheausgabe. Man sah die Weiblichkeit letztmals, wenn sie auf einem auf Fässern ruhenden, schwimmenden Steg, der beiderseits mit hohen, schuppenartig übereinander gelagerten Brettern abgeschlossen war, in ihre viereckige Klausur pilgerte. Diesen Steg durften ganz alte Herren noch passiere^
Wie ein Funkspruch aus Otschiischi (Hokkaido) meldet, ist Wolfgang von Gronau in der Kakumabetfu-Ducht von Paramuschiru, der nördlichsten Kurileninsel, eingetroffen.
Rücktritt des Reuyorker Bürgermeisters Walker.
Bürgermeister Jimmy Walker hat, einem Funkspruch aus Neuyork zufolge, seinen sofortigen Rücktritt bekanntgegeben.
Tragischer Tod einer Studentin.
Ein erschütterndes Unglück ereignete sich dieser Tage in München in der Wurzerstraße. Dort hatte ein junges, verkümmert aussehendes Mädchen in einer Gastwirtschaft gebettelt und eine Wurst geschenkt erhalten. Das Mädchen begann nach dem Verlassen des Gasthauses gierig die Wurst zu essen und lief dabei in die Fahrbahn eines Lastkraftwagens. Es wurde von dem Wagen erfaßt, überfahren und getötet. Es handelt sich um die 22 Jahre alte Studentin Ilse Fröhlich aus Wandsbek bei Hamburg.
Dem irdischen Richter entzogen.
Die Ehefrau Blunk aus Huettbleck (Holstein), die, wie bereits gemeldet, ihren 13jährigen g e i - steskranken Sohn aus Mitleid erhängte, hat Selb st mord verübt. Als ihr Ehemann nach Haufe kam, fand er die Tür verschlossen. Er stieg durch die Bodenluke ein und fand auf dem Boden seine Frau erhängt vor.
Zugabstur; von der Ems-Drücke.
Auf der Strecke zwischen Ems und Westbevern ereignete sich ein Eisenbahnunglück. Der von Münster kommende Eilgüterzug Richtung Bremen—Hamburg passierte die neue Brücke über die Ems in der Rähe von Ringemann. Kaum hatten die Lokomotive, der Packwagen und zwei andere Wagen die Brücke passiert, als der folgende Wagen plötzlich aus den Schienen sprang. Er riß sich von den Vorderwagen los, riß die drei nächsten Wagen mit sich und stürzte durch das Eisengeländer der Brücke etwa sechs Meter tief in das seichte Flußbett der Ems. Glücklicherweise befanden sich in diesen Wagen keine Personen, so daß kein Verlust an Menschenleben zu beklagen ist. Durch die abstürzenden Wagen wurden die Telephon- und Telegraphenleitungen längs der einen Seite des Bahndammes zerstört. Die Untersuchung über die Ursache des Unglücks ist noch nicht abgeschlossen.
Rumänisches Munitionslager explodiert.
Das in der Umgebung von Bukarest in unmittelbarer Rähe der Station Chitila befindliche Artiller iemunitivnslager Ceasna ist in Brand geraten. Erst hörte man kleinere Explosionen, dann erschütterte eine mächtige Detonation die Shift, die in der ganzen Hauptstädt hörbar war. Das in dem Gebäude untergebrachte Granatenlager war in die Lust geflogen. In den umliegenden Häusern haben die Explosionen großen Schaden angerichtet. Auch das Bahnhofsgebäude in Chitila wurde arg beschädigt. Das gefährdete Gebiet wurde durch einen Militärkordon abgesperrt. — Zu dem 'Un-
Tiere Vorspanndienste, zogen Wagen da- und dorthin und taten das alles mit unerschütterlicher Ruhe und großer Geschicklichkeit, ohne jemand zu gefährden.
Interessant war es ferner, wie diese Riesenarbeit des Aufbaues geleistet wurde. In sinnvoller Ordnung fügte sich eines zum anderen. Nirgends war eine Spur von Hast und Eile. Jedermann schien von dem Bewußtsein erfüllt, daß es leicht zu schaffen sei und in aller Ruhe geschafft werden könne. Bewundernswert war es, zu sehen, wie jeder einzelne Bolzen für die Verspannseile von 8 Arbeitern, die mit schweren Vorschlaghämmern ausgerüstet waren, in wenigen Sekunden, in scharf akzentuiertem Rhythmus, durch weitausgeholten Rundschlag eingerammt wurde. Diese Gruppe Arbeiter machte die Runde um den Zeltbau und hatte so innerhalb kurzer Zeit sämtliche Verspannbolzen eing'erammt. Dieser Vorgang ist bezeichnend für die Organisation, die allein den Aufbau des Zirkus in dieser kurzen Zeit ermöglichte.
Um 14 Uhr war die Hauptarbeit bereits geleistet. Der Oswaldsgarten, der sich für das große Unternehmen fast als zu klein erweist, ist zum Heerlager geworden. Vier Tage wird der Zirkus auf dem Oswaldsgarten seine Zelte aufgeschlagen halten. Dann führt die Reise weiter. (Nach Wetzlar!) In unserer Stadt aber werden viele sein, die sich darauf freuen, Zirkuskunst zu sehen, denn mit ihr klingen Erinnerungen der Jugend herauf, Erinnerungen aus einer Zeit, da man noch gläubigen Gemütes mit großen Augen den Zirkus sah und noch nicht wußte oder nicht wissen wollte, daß hinter der bunten Pracht der Manege eine Fülle der Arbeit, der Mühe, der ständigen Sorge steht, die uns heute die Leute vom Zirkus nicht beneiden läßt.
Gießen, den 2. September 1932.
(Selb/ das feiner will...
Gibt es so etwas: Geld, das keiner will? Bei diesen Zeiten? Doch, das gibt es. Bitte, kaufen Sie für 96 Pfennig und bezahlen Sie mit einem Markstück. Was bekommen Sie heraus? Zwei Zwei- pfennigftücke oder vier Einpfennigstücke. Aber ein Vierpfennigstück? — Lang, lang ist's her ...
Und mit welchem Eifer wurden die ersten dieser neuen Münzen herumgezeigt. Wie wurden sie begrüßt als die Vorboten, ja Schrittmacher einer neuen Wohlstandsära des deutschen Volkes. Sie waren der kupferne Rettungsanker, an den sich die Hausfrau klammern sollte; denn die Hausfrau, so hieß es, ist der wichtigste Faktor in der deutschen Volkswirtschaft. Sie wird mit dem Vierpfennigstück zu sparen beginnen.
Sie begann zu sparen, indem sie das erste Stück den Kindern schenkte. Für die Sparbüchse. Vorher wurde es noch getauft. Der „Arme Heinrich" nannte der Dolksmund diesen Sparpfennig. Teils nach der Sagenfigur, teils nach unserer wirklichen Sage.
Nun, der „Arme Heinrich" ist nicht mehr. Er ist aus dem Verkehr verschwunden. Es gibt ihn nur noch in den Sparbüchsen der Kinder und — auf der Reichsbank. In deren Kellern liegen heute noch 15 Millionen Stück. Das sind über eine halbe Million Mark. Und kein Mensch will sie haben. Das Publikum nicht, die Geschäftsleute nicht, ja nicht einmal die Lohnbureaus der Großbetriebe. So sitzt nun die Reichsbank auf ihrem Selbe — und wird es nicht los.
Und da klagt noch jemand, daß es uns schlecht geht? Nein, wir wollen nicht klagen, auch wenn der „Arme Heinrich" so jung von uns gegangen ist. Kaum fünf Monate alt ist er geworden. Und alle Hoffnungen, die feine volkswirtschaftlich gebildeten Eltern auf ihn gesetzt haben, hat er zuschanden werden lassen. Er war höchstens, versilbert als falsches Markstück unter die Leute zu bringen. Und das war, mit 2400 Prozent Nutzen ein solides Geschäft. Deshalb wollen wir sein Andenken in Ehren halten.
. r—s.
Zirkus Straßburger ist angekommen!
Heute morgen, pünktlich zur vorgesehenen Zeit, lief der große Sonderzug des Zirkus Straßburger auf dem hiesigen Gjjterbahnhof ein. Es dauerte aber noch geraume Zeit, bis er an die Rampen rangiert war und mit dem Ausladen begonnen werden konnte. Zunächst wurden die Pferde ausgeladen, die die schweren Wagen nach dem Ausbauplatz (Oswaldsgarten) bringen sollten. Elefanten, riesige Tiere, folgten den Pferden bedächtigen Schrittes, willig den Wärtern gehorchend, die nicht heftig zu werden brauchten, wenn sie die Tiere lenken wollten. Sorgfältig traten sie auf, diese Tiere einer anderen Welf, um nicht auf die nachschleifenden schweren 'Ketten zu treten. Willig ließen sie sich vor die Wagen spannen und zogen sie scheinbar mühelos. Dann wieder griffen viele Hände zu, um das Mastenmaterial auszuladen. Schon jetzt sah man, daß in der ganzen Arbeit eine ausgeklügelte Planmäßigkeit steckt. Es bedurfte kaum eines anweisenden Wortes; der Apparat scheint völlig eingespielt zu sein. Der Herr Direktor, angetan mit einem langen Ledermantel, war auch schon zugegen und scch nach dem Rechten. Indessen ging ein leichter Regen nieder, der aber die Arbeiten nicht hindern konnte und nicht hindern durfte, denn heute abend soll der Zirkus seine erste Vorstellung geben!
Ein Wagen nach dem anderen rollte vom Güterbahnhof her, die Hammstraße herab zum Oswaldsgarten, Pferde und Traktoren brachten die schwerbeladenen Wagen in rascher Folge zum Aufbauplatz. Um 9.30 Uhr begann die Arbeit. Bald ragten vier hohe Maste empor, konnte die schwere Zeltplane aufgezogen werden. Um das Manegezelt waren ebenso schnell die Unterkunftszelte für die Tiere ausgestellt. Stroh als Einstreu wurde in großer Menge abgeladen. Der Vorbau zur Manege wurde aufgerichtet und sah noch nüchtern aus, als die Arbeiter waghalsig in den Brettern und Stangen herumkletterten. Heute abend aber wird der Haupteingang im Glanze vieler Lichter und in bunter Pracht erstrahlen.
Interessant war es auch hier zu sehen, wie die Elefanten zur Arbeit herangezogen wurden. Inmitten einer großen Zuschauermenge, vieler vorwitziger, neugieriger Kinder leisteten die großen


