Nr. 251 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Dienstag, l. Novembe 1952
Der radikal-demokratische Kurs in Mexiko.
Kampf gegen Kapital und Kirche.
Don unserem st-Derichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Mexiko-Stadt, O.tober 1932.
Die mexikanische Geschichte ist wild und bunt wie das Land selbst. 19 Jahre hindurch haben die Mexikaner versucht, sich von der Herrschaft der spanischen Großgrundbesitzer, vom Römischen Klerus und von den nordamerikanischen Oel- magnaten zu befreien, die Verluste der Revolutionen und Bürgerkriege waren groß und allen offenkundig, die Erfolge sind aber weniger sichtbar. Der Mann, den die einen einen Tyrannen und einen Sohn der Hölle nennen, den die an- deren als großen Staatsmann und Freiheitshelden feiern, ist General Elias Calles. Calles, eine überragende Persönlichkeit, eine Diktatorennatur, ist orientalisch-jüdischer Abstarn-
aufleben der Aera Calles dürfte auch das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten trüben. Die Aussichten sind wenig erfreulich. Die Arbeitslosigkeit in den Petroleum- und Minendistrikten ist sehr drückend. In den Kupferberg. Werken sind 65 Prozent ohne Beschäftigung und werden eine leichte Deute von Abenteurern und politischen Agitatoren. Die elektischen Straßen» bahnen und die Pazifikbahn waren von den Streikenden stillgelegt. Der Silberkurs hat sich nicht gebessert. Obwohl Gandhi mit Mexiko nichts gemein hat, so hatte man doch auf seine Einigung mit dem Vicekönig große Hoffnungen gesetzt. Denn wenn er, so urteilt man, seinen Widerstand aufgibt, so wird sich der Handel heben und Indien mehr Silbergeld benötigen.
am 7. August 1927 in Darmstadt gestorben. Er studierte in Stuttgart und Gießen Veterinärmedizin und promovierte in Gießen zum Dr. med. vet. Rach der Teilnahme am 70cr Krieg wurde er 1872 Kreisveterinärarzt in Schotten, später in Lauterbach und Offenbach. 1886 wurde er Hofveterinärarzt in Darmstadt und gehörte von 1881 ab als Obermedizinalrat der hessischen Ministerialabteilung für öffentliche Gesundheitspflege als veterinärärztliches Mitglied an. 1893 gelang es ihm, ein wirksames Serum gegen die Rotlaufseuche der Schweine herzustellen, was ihm für immer ein Denkmal in der Veterinärmedizin sichert. 1897 führte er die Simultanimpsung ein, eine Großtat, durch die die Landwirtschaft infolge planmäßiger Impfungen vor Millionenschäden bewahrt wird. Für seine bahnbrechenden Arbeiten in der Serum» therapie wurde Lorenz 1905 zum Professor ernannt, 1910 zum Geheimen Obermedizinalrat. Von 1911 ab gehörte er dem Kaiserlichen Gesundheitsrat an.
Rach dem Dank an alle Behörden und Personen, die an der Errichtung des Denkmals mit*
mung. Der atavistische Haß gegen Rom verbindet sich bei ihm mit dem glühenden Patriotismus des Mexikaners, aber eines Mexikaners, dessen Ahnenreihe nicht bis zu den Konquistadoren hinaufreicht und der die Ideale der Demokratie deshalb stets auf seine Fahnen geschrieben hat. Aber Mexiko mit seinen rund 16 Millionen Einwohnern hat eine Bevölkerung, von der nur 15 Prozent Weihe, 44 Prozent Mischlinge und 37 Prozent reine Indianer sind, die kaum über die primitiven Instinkte menschlichen Kollektivbewußtseins hinausgewachsen sind und die sich deshalb wenig mit Fragen des nationalen Schicksals befassen. So bleibt denn auch für die Führer der Demokratie diese, wie in den meisten lateinamerikanischen Staaten, nur eine Maske für einen recht persön- l i ch e n Machtkampf.
Aber selbst ein Mann von so überragendem Einfluß wie Calles hat nicht die Möglichkeit, eine rein demokratische Regierungsform gewissermaßen durch Armeebefehl einzuführen. Iedoch muh anerkannt werden, dah Präsident Ortiz R u b i o , der ebenso wie Calles zum „Partido national Revolutionärin" gehört, sich redliche Mühe gegeben hat, soweit das in Mexiko möglich ist, auf demokratischer Basis zu regieren. Die Enteignungsgesetze gegen den Groh- grundbesih blieben zwar in Kraft, aber sie wurden leichter als bisher gehandhabt, auch die scharfe Trennung von Kirche und Staat, die Calles durch seine grausamen Ausführungsdekrete im Jahre 1627 begonnen und dadurch den Bü.ger- krieg heraufbeschworen hatte, behielten ihre Geltung, aber der Klerus wurde nicht mehr wie früher verfolgt und, wenn er Widerstand leistete, an die Wand gestellt und erschossen. Rach längeren Verhandlungen mit Rom kehrte auch der Erzbischof R u i z wieder als päpstlicher Legat nach Mexiko zurück. Diese Mäßigung jedoch erregte den Unwillen des radikalen Flügels des Partido national Revolutionärs, und da sich Ortiz Aubio gegen den Willen von Calles nicht auf dem Präsidentensessel halten konnte, tat er das klügste, was er tun konnte. Er legte ganz unerwartet vor dem Parlament sein P r a • sidentenamt nieder. An seine Stelle trat als Platzhalter von Calles der Kriegsminister General Abelardo Rodriguez.
Das Unausbleibliche geschah. Kaum, daß General Rodriguez in das Präsidentschaftspalais eingezogen war, nahm er eine Enzyklika des Papstes zum Vorwand, um den Vatikan in unerhört schroffer Weise anzugreifen. Er verbat sich eine arrogante Sprache, wie sie der Papst in seiner Botschaft an die Katholiken Mexikos gebraucht hatte, und drohte Rom mit der Schlie* hung aller Kirchen, um sie in Fabriken umzuwandeln. Der päpstliche Legat, Erzbischof Ruiz, wurde binnen 24 Stunden ausgewiesen. Der Staat Dera Cruz tat noch ein übriges, er verbannte diePrie st er und löste die religiösen Dereinigungen auf. So 'ist denn unter dem neuen Herrn der Kirchenkrieg in Mexiko wieder aufs heftigste entbrannt und ernste Beunruhigung herrscht, da niemand für den morgigen Tag zu bürgen vermag. Diele revolutionäre Generale und Führer der Bürgerkriege gegen Calles leben als Flüchtlinge in den Vereinigten Staaten, es verlautet, dah sie sich zu neuen Kämpfen rüsten und ihren Anhang im Lande sammeln.
Run mag sich Mexiko noch so radikal gebärden, so kann im Staate auf die Dauer doch nichts Einschneidendes gegen den Willen von Washington geschehen. Der aussichtsloseste Kampf, auf den sich die mexikanischen Revolutionsregierungen eingelassen hatten, war der gegen das ausländische, namentlich gegen das nordamerikanische Kapital. Mexiko konnte vielleicht Zeitweilig siegen, aber niemals gewinnen. Bestenfalls konnte es die Eisenbahnen betreiben, die ihnen die Ausländer erbaut hatten, bei den Bergwerken war es schon schwerer, und in der Petro^umindustrie unmöglich. Da die revolutionäre Gesetzgebung die amerikanischen Interessen schwer beeinträchtigte, unterstützten öje Oelmagnaten der Vereinigten Staaten die aufständischen Generäle mit Geld und Waffen und zogen nachher einen großen Teil des investierten Geldes zurück. Das Petroleum versickerte und die abenteuerliche Obstädt Tampico brach zusammen. Ein unzufriedenes Proletariat blieb nach, das sich willig jedem bolschewistischen oder syndikalistischen Agitator anschloß oder bereit war, den Werbern für eine Revolution Gefolgschaft zu leisten.
Mexiko gab nach, dem Botschafter der Vereinigten Staaten, Morrow, gelang es, die guten Beziehungen wieder herzustellen und die Kirchenverfolgungen zum Stillstand zu bringen. Der jähe Präsidentenwechsel und das Wieder
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Die Inder sind nämlich die größten Silberkonsumenten, Mexiko aber ist der größte Silberproduzent der Welt. Die Stellung des neuen Präsidenten, General Rodriguez, ist nicht beneidenswert.
Einweihung eines Lorenz-Denkmals in Darmstadt.
WSÄ. D a r m st a d t, 30. Oft. Zu Ehren des 1927 in Darmstadt verstorbenen Professors Geheimrat Dr. Gustav Lorenz wurde heute auf dem Mathildenplatz ein Denkmal enthüllt. Der Präsident des Deutschen Deterinärrates, Professor Dr. Stang- Berlin, übergab das vom Deutschen Deterinärrat gestiftete Denkmal, das der Berliner Bildhauer Adolf D a m m a n n geschaffen hat und das das Porträt Lorenz' in Bronze auf einem Muschelkalksockel darstellt. Professor Stang teilte mit, daß die Kosten des Denkmals von über 1100 deutschen Tierärzten und Tierarztvereinen aufgebracht wurden.
Gustav Lorenz wurde am 4. Februar 1846 in Obbornhofen (Kreis Gießen) geboren und ist
halfen, übergab Professor Dr. Stang das Denkmal dem Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt, Dr. Mueller, der darauf hinwies, dah er als früherer Dezernent für den Städtischen Schlacht- und Diehhof die Freude gehabt habe, jahrelang in reger Verbindung mit Geheimrat LSrenz zu stehen und dessen abgeklärte Weisheit, seine schlichte Bescheidenheit und menschliche Güte kennen und verehren zu lernen. — Geheimrat Professor Dr. S ch m a l h - Berlin stellte in seiner Festrede fest, dah die Lorenz-Impfung die Rettung der deutschen Schweinezucht bedeute, die früher 75 bis 80 Prozent Verluste durch diese Seuche erlitten habe. Weitere Ansprachen hielten Ministerialrat Dr. Giehe vom Reichsministe- rium des Innern, zugleich auch für den Reichsgesundheitsrat, Innenminister L e u s ch n e r, Graf H ar denber g für die Grohherzogliche Hausverwaltung, der Präsident der Hessischen Land- wirtschaftskammer, der Präsident der Hessischen Tierärztekammer, Professor Dr. Dieling für die JG.° Farbenindustrie 2lG. sowie Vertreter der tierärztlichen Hochschulen und Fakultäten, der Chargierte des Korps Teutonia Giehen und der Vorsitzende des Landesfleischbeschauervereins.
G.A.-Eport.
Fußball Ergebnisse aus dem Gau Greßen-Wehlar.
Pokalspiele- Wallau — Frohnhausen 3:2 (1:2); Wetzlarer SV. — 1900 Gießen 6:0 (3:0): VfB. Gießen — Rauborn 11:1 (5:1); Donsbach gegen Bottenhorn 1:5.
Verbandsspiele.
Dezirksklassclt: Oberbiel—Aßlar, O. nicht angetreten; SC. Wetzlar — B.ßenbcrg 6: 5 (4: 2); Weilburg — Ehringshausen 3:0 (3:0); Löhnberg gegen Eteindorf ausgefallen; Burgsolms gegen SV. Wetzlar II 5:1 (2:1); Steinberg — Lollar 4:1 (1:0); VfB. Gicßenll — Laubach verlegt; Leihgestern — 1900 Gießen II 0:2 (0:1).
Gautlasse I: Löhnberg II — Riedershausen ausgefallen; Burgsolms II — Aßlar II 4:2 (1:2); SC. Wetzlar — SV. Wetzlar III 4:4 (3:1): Großen-Buseck — VfB. Gießen III 18:0 (4:0): Wieseck — Rieder-Weisel 1:3 (0:2); Dutenhofen — Steinbach 6:4 (3:2); 1900 Gießey III gegen Lich 2:1 (1:1); Garbenteich — Heuchelheim 4:4; Dillingcn — ällrichstein ausgefallen; Geilshausen — Flensungen 1:1 (1:1).
©auf lafte II: Wirbelau II — Weilmünster 2:1 (2:0); Werdorf II — Berghausen 4:2 (2:2); 1900 Gießen IV — Krofdorf 1:5 (1:3); Leihgestern II — Muschenheim, M. nicht angetreten.
Werbeturnen im Tv. 1862 Wieseck.
Dieser Tage veranstaltete der hiesige Tv. 1862 einen Werßeabend im Caa'e von Gastwirt Braun, der gut besucht war. Mit dem Aufmarsch aller Aktiven nahm die Veranstaltung ihren Anfang. Alsdann Hirte man von zwei Schülern einen Prolog, der mit großem Beßall ausgenommen wurde. Sie Gesangsabteilung unter Leitung ihres Dirigenten C tz e l m ü 11 e r trug ein Begrüßungslied vor und der 1. Vorsitzende hielt eine Ansprache, in der er besonders den großen Wert des Turnens hervorhob. Ein Appell an die Eltern und alle, die dazu berufen sind, an der Erziehung und Ertüchtigung unserer Jugend mitzuhelfdn, beschloß die Ansprache. Im weiteren Verlauf des Abends wurden von den einzelnen Riegen (Turner, Turnerinnen, Schüler und Schülerinnen) Hebungen an allen Geräten vorgeführt, die man in jeder Beziehung als gut bezeichnen konnte. Die von den Turnerinnen gezeigten Volkstänze und Freiübungen seien besonders erwähnt. Die Gesangsabteilung brachte einige Lieder zum Vortrag. Run folgte noch die Preisverteilung anläßlich des Ab- tumens, wobei zum ersten Male ein Vereins- meister im Geräteturnen ernannt wurde und zwar errang der Turner Karl Weller diesen Titel. Den Schluß des Abends bildete die Film-Dor- fühvung oer Olhmpiade-Wettkämpse 1932 (Leichtathletik), die von den Desuchern mit größtem Interesse verfolgt wurde.
Wirtschaft.
Frankfurt still.
.Frankfurt a. M., 1. Rov. (WTD. Drahtmeldung.) Im heutigen amtlichen Verkehr herrschte bemerkenswerte G e s chäf t s st i l le , die teilweise durch das Fehlen von Orders aus der katholischen Kundschaft hervorgerufen sein dürfte. Auf die Enge des Marktes waren schon kleinere Realisierungen der Spekulation imstande, das Kursniveau zu drücken. Es überwogen kleine Abschwächungen bis zu 0,50 Prozent. In größerem Ausmaß verloren Scheideanstalt und Licht & Kraft (minus 1 Prozent). Zu dem Absinken der Kurse hat wohl auch die schwache gestrige Reuyorker Börse beigetragen. Außer den genannten Papieren verloren am Chemiemarkt IG. und Rütgerswerke bis zu 1,50 Prozent, am Elektromarkt Gesfürel 0,89 Proz., Tekula 0,25 Prozent, und Siemens 0,13 Prozent, während AEG. behauptet blieben. Von Montanwerten büßten Buderus, Mannesmann, Rheinstahl und Laurahütte bis 0,39 Prozent ein. Phönix waren gehalten. Ebenfalls behauptet waren von sonstigen Werten Deutsche Atlanten. Holzmann gewannen 0,50 Prozent, dagegen gingen Deutsche Linoleum im gleichen Ausmaß zurück. Von Schiffahrtsaktien verloren Hapag erstmalig seit einiger Zeit etwa 0,25 Prozent.
Am Rentenmarkt waren die älmsähe e t - was lebhafter, das Kursniveau tendierte jedoch ebenfalls leicht nad) unten. Altbesitz blieben gut, Reichsschuldbuchforderungen kaum gehalten. Am Auslandsrentenmarft lagen 4prozentige Rumänen neuerlich etwas niedriger, von Industrie- Obligationen gingen Reichsbahnvorzugsaktien und Stahlbonds 0.25 Prozent zurück.
Am Pfandbriefmarkt lag eher etwas Rachfrage vor, die Kurse hielten sich durchweg ungefähr auf der gestrigen Basis.
Im Verlause bröckelten bei anhaltender Ge - s ch ä f t s st i l l e die Kurse am Aktien- und Rentenmarkt weiter ab. Lediglich Licht & Kraft konnten den Ansangsverlust zurückgewinnen. Geschäftshemmend wirkte die abwartende Haltung der Reichsbank in der Dislontsenkungsfrage. Tagesgeld war mit 4,5 Prozent wieder ziemlich steif.
Berlin: Aktien behaup-et, Renten fest.
Berlin, 1. Rov. (WTB. Funkspruch.» Die Aktienmärkte lagen heute außerordentlich still, besonders, da der hohe katholische Feiertag den Ausfall des Geschäftes in West- und Süddeutschland zur Folge hatte. Cs -lagen zwar einigermaßen günstige Wirtschaftsnachrichten vor, dafür hatte aber Amerika schwächere Tendenz gemeldet, und auch der Ultimo wirkte noch etwas nach.
Es lieh sich keine irgendwie wesentliche Kursbewegung feststellen. Wenn Papiere, wie Aschaf-
Der Name


