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1.8.1932 Erstes Blatt
 
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Wirtschaft

rium die Notlage der hessischen Junglehrer geschil­dert und gebeten, die Mißstände zu beseitigen. Fer­ner wird die Regierung in der Eingabe gebeten, alle diejenigen technischen Anwärterinnen noch in die Anwärterliste aufzunehmen, denen nicht schon bei ihrer Ausbildung erklärt worden ist, daß eine Auf­nahme in die Anwärterliste nicht stattfinden kann.

Oie neuen ReichötagSabgeordneien Hessen-Nassaus.

WSN. Frankfurt a. M., 31. 3uli. 3m Wahlkreis 19 sind 21 Reichstagsabgeordnete ge­wählt worden. Sie verteilen sich auf die einzel­nen Parteien wie folgt: Sozialdemokraten: Ober­bürgermeister a. D. Philipp Scheidemann- Berlin, Geschäftsführer Franz Seitz -Berlin, Gewerkschaftssekretär Heinrich Decker -Herborn, Vertreter Michael S ch n a b r i ch -Hersfeld, Lan­desrat Otto Witte -Wiesbaden. Rational­sozialisten: Obcrpostinspektor 3akob Sprenger- Frankfurt a. M., Schlosser Fritz Weitzel -Frank­furt a. M., Landwirt Walter Seid ler-Lan­dershausen, Obersteuersekretär Karl Linder- Frankfurt a. M., Oberstleutnant a. D. Kurt von 11 r i ch-Kassel, Oberleutnant außer Dienst Hans Oberlindober - Obermenzing, Schlosser Fritz Schmidt -Kassel, Dipl.-Volkswirt Adolf Heinz Deckerle-Frankfurt a. M., Dureauangestellter Fritz Lengemann -Kassel, Landwirt Johannes P u t h -Wachenbuchen. Kommunisten: Schriftstel­ler Wilhelm Münzenberg -Berlin, Arbeiter Karl Barthel-Kassel. Zentrum: ProfessorDr. Dessauer-Frankfurt a. M., Dr. Crone- Münzebrock-Berlin, Mittelschullehrer Jean Albert Schwarz-Frankfurt a. M. Deutschna­tionale: Staatsminister a. D. Oscar Hergt- Göttingen.

Ludwig Hoffmann Ehrenbürger von Darmstadt.

WSN. Darmstadt, 31. 3uli. Die Stadt Darmstadt hat heute ihren berühmten Sohn, Geheimrat Ludwig Hoffmann, zu feinem 8 0. Geburtstage das Ehrenbürger­recht verliehen. Hoffmann, der in Berlin wohnt, hat vor seiner Berliner Tätigkeit das Reichs­gericht in Leipzig entworfen und den Bau durch­geführt. Hiernach war er 30 3ahre lang in Berlin als Architekt tätig, wo er u. a. das neue Stadt­haus, das Märkische Museum, das Virchow- Krankenhaus, zahlreiche Großbauten, wie 3rren- häuser, Genesungsheime, Schulen und Drücken und den bekannten Märchenbrunnen baute. De- kannt ist er auch durch den Entwurf der Debau- ungspläne für die neuen Stadtteile Athens. Ludwig Hoffmann ist Ehrendoktor der Technischen Hochschule Darmstadt und Vizekanzler der Ordens Pour le merite.

Landkreis Gießen.

Alten-Buseck, 31. 3 'si. 3m hiesigen Steinbruch wird zur Zeit von einem Rot­kelchenpaar ein junger Kuckuck auf­gezogen. Cs bietet sich dort die sonst sehr seltene Gelegenheit, einen jungen Kuckuck in seiner Entwicklung und Pflege kennenzulernen. Wer den Kuckuck noch sehen will, wird sich allerdings be­eilen müssen, denn der Vogel ist bald flügge. (Er ist noch heute, Montag, bis 17 Uhr zu sehen.)

Kreis 'Alsfeld.

WSN. Alsfeld, 31. Juli. Bei den Kämpfen um Verdun im Jahre 1916 wurde der Maurer­meister Johannes Reitz aus Burg-Gemünden durch einen Granatsplitter, der ihm in nächster Nähe des Rückgrats in den Körper drang, schwer verwundet. Bei der Lage des Geschoh- teils war auch auf operativem Wege nicht an eine Entfernung zu denken. Kürzlich bildete sich nun bei dem Manne am Halse ein Geschwür, durch das der dorthin gewanderte Granatsplit­ter zur Ausscheidung gebracht wurde, so daß der Mann auf diese Weise von seiner Kriegs­verletzung nach 16 Jahren noch genas.

Oie Not her Junglehrer.

Aus dem Kreise der Gießener Lehrerschaft geht uns folgende Zuschrift zu. D. Red.

Der Schulabbau an Ostern 1932 hat in erster Lime abermals die Junglehrer getroffen. Soweit sie sich bereits im Dienst befanden, haben sie weitere Schä­digungen durch den Ausbau des Teilstellensystems erlitten. Die Verwendungsaussichten der noch nicht im Dienst Befindlichen gestalten sich erneut schlechter. Die durchschnittliche Wartezeit bis zur ersten Ver­wendung beträgt drei Jahre und mehr. Da sich die Eltern vieler Anwärter und Anwärterinnen selbst in außerordentlich bedrängten finanziellen Verhältnissen befinden, ist die Not bei vielen Junglehrern sehr groß. Der hessische Staat darf diesen Zuständen auf die Dauer nicht teilnahmslos und ablehnend gegen* überstehen. Wo es sich um Notfälle handelt, müßte durch staatliche Unterstützung geholfen werden, wie das in andern Ländern auch geschieht. Der hessische Staat dürfte wohl der einzige sein, der seine unver­wendeten Junglehrer vollkommen sich selbst bzw. der Fürsorge ihrer Organisation überläßt.

Mit der Verordnung vom 17. Dezember 1931 ist im hessischen Volksschulwesen der Begriff des Hilfs­lehrers neu eingcführt worden. Hilfslehrer können nunmehr aus den zur Verfügung stehenden stellen­losen Junglehrern den in der Gemeinde vorhandenen Lehrern zur Unterstützung beigegeben werden. Der staatliche Stellenplan soll durch diese Hilfslehrer­stellen nicht berührt werden. Der Staat nimmt also gewissermaßen von dieser Einrichtung keine Notiz. Anderseits sind die Hilfslehrer vollverantwortlich im Schuldienst beschäftigt. Der dadurch geschaffene Zu­stand ist auf die Dauer unhaltbar. Vom Standpunkt der Staatsschule aus gesehen ist es nicht wünschens­wert, daß Auswahl, Anstellung und Bezahlung der Hilfslehrer den Gemeinden überlassen sind. Das Prinzip der reinen Staatsschule i st durch diese Einrichtung durchbrochen. Daran ändert auch der Umstand nichts, daß die Re­gierung diese Stellen als nicht vorhanden ansieht. Besonders bedeutungsvoll ist die Tatsache, daß die Bezahlung der Hilfslehrer dem Ermessen der Ge­meindevertretung überlassen bleibt. Während die Hilfslehrer also mit der vollen Verantwortung be- . lastet sind, haben sie gegenüber dem Staat keinerlei Rechte und Ansprüche.

Die Regierung müßte diesen ganz ungewöhnlichen Zustand sobald als möglich beseitigen. Die Hilfs­lehrerstellen sind als Teilnehmerstellen anzusehen. Ihre Inhaber sind, wie die Inhaber der staatlichen Teilstellen, in ein festes Verhältnis zum Staate zu bringen. Die Vergütungssätze für Hilfslehrer sind jeweils vom Staate nach Maßgabe der Verwendung festzusetzen. Die für die Hilfslehrerstelle ausgeworfe­nen Beträge, müßten, wie bei den Vollmehrstellen, durch die Gemeinden an die Staatskasse zu zahlen sein. Die Hilfslehrer müßten nach den Grundsätzen, wie sie für Teilstelleninhaber gelten, vom Staate be­soldet werden. Bei dieser Regelung könnte sehr wohl, wie seither, auch so verfahren werden, daß die Hilfs­lehrer möglichst in der Heimatgemeinde beschäftigt werden. Der Anreiz, der darin liegt, daß die Ge­meinde etwas zur Verbesserung ihres eigenen Schul­wesens tun und den vorhandenen stellenlosen Schul­amtsanwärtern in zweckmäßiger Weise eine Unter­stützung gewähren kann, bleibt also auch bei dieier Regelung in vollem Umfange bestehen.

Viele Anwärterinnen für das technische Lehrfach sind dadurch empfindlich geschädigt worden, daß die Regierung plötzlich die Schließung der Anwärterliste verfügte. Infolgedessen ist ihnen vorläufig keine Möglichkeit mehr gegeben, in die Liste ausgenommen zu werden. Ihre Ausbildung ist damit völlig firm- und zwecklos geworden. Den in Frage kommenden Anwärterinnen hätte man wenigstens rechtzeitig schon während ihrer Ausbildung erklären müssen, daß keine Möglichkeit besteht, sie in die Anwärterliste oufzunehmen. Nach abgelegter Prüfung die Auf­nahme in die Anwärterliste zu verweigern, ist außer- ordentlich hart.

Der Hessische Landes-Lehreroerein hat in einer Eingabe an das hessische Kultusministe­

Berlin gehalten, bis leicht gebessert.

Berlin, 1. August. (WTB. Funkspruch.) Di« heutige Börse stand völlig unter dem Eindruck des Wahlergebnisses. Man diskutierte lebhaft die Aus­sichten für eine Regierungsmehrheit und kam zu dem (Ergebnis, daß sich im großen und gan­zen nichts geändert habe. Nur das An­wachsen der radikalen Stimmen rechts und links mahnte zur Zurückhaltung, da man argumentierte, daß NSDAP, und KPD. zusammen nunmehr eine sozialistische Mehrheit im neuen Reichstag darstel­len. Das Publikum nahm zunächst davon Abstand, neue Dispositionen zu treffen, während die Spe­kulation leichte Realtsationsneigung zeigte. Ge­schäftshemmend wirkte, daß heute am Monatsbe­ginn Aufträge fehlten, wodurch die Kursgestaltung mehr oder weniger zufälliger Natur wurde. Die Tendenz der Neuyorker Samstagsbörs« blieb ohne Eindruck.

Die meisten Kurse bröckelten heut« zu Beginn um 0,5 bis 1 o. H. ab, einige Spekulationswerte verloren bis zu 1,5 v. H. Anderseits zeichneten sich Papiere wie Schultheiß, Schisfahrts- und Linoleum- werte, Bekula und von BMW. und Daimler durch recht widerstandsfähige Haltung aus. Lahmeyer bes­serten sich um l,v5 v. H. und Holzmann setzten ihre Aufwärtsbewegung um 3 v. H. fort. Die G e - schäftslosigkeit trat auch im Verlaufe stark in Erscheinung, bei stagnierendem Geschäft ergaben sich nur ganz geringfügige Veränderungen nach beiden Seiten.

Die widerstandsfähige Haltung des festver­zinslichen Marktes bot später allerdings eine kleine Anregung, so daß sich gegen den An­fang überwiegend Besserungen bis zu 1 v. H. ergaben. Erst später gelangten am Aktienmarkt Salzdethfurth-Aktien mit minus 3,5 v. H. zur Notiz.

Der Rentenmarkt lag zwar noch ruhig, doch gut gehalten. Entgegen den vorbörslichen Erwar­tungen waren die Kurse sogar eher fester und zwar konnten Reichsschubdbuchforderungen und Neubesitz­anleihe um 0,25 o. H. anziehen, die Altbefitzanleihe war im Verlaufe sogar bis zu 1 v. H. gebessert.

Am Geldmarkt hat sich bereits nach dem Ultimo eine Heine Errichtung bemerkbar gemacht. Tagesgeld war an der unteren Grenze schon wieder mit 5,75 v. H. erhältlich.

Starke Zurückhaltung in Frankfurt.

F r a n k f u r 1 a. M., 1. August. (WTB. Draht­meldung.) Das Ergebnis der gestrigen Reichs- tagswahl, das etwa den Erwartungen entsprach, löste an der heutigen Börse zu­nächst starke Zurückhaltung aus. Die Hoffnungen, daß die Regierung P a pen nach den Wahlen ihre Position behaupten wird, sind da­durch eher bestärkt worden, zumal sich im neuen Reichstag zunächst keine arbeitsfähige Mehrheit bilden kann, doch wartet man allgemein die Wei­terentwicklung ab. Die Spekulation war jedoch eher zu Glattstellungen geneigt, wobei das Feh­len des Publikums geschäftshemmend empfunden wurde. Bei sehr geringer Llmsahtätigkeit traten gegen die festen Wochenschluhkurse durchschnittlich Rückgänge bis zu 1 Prozent ein. Darüber hinaus verloren 3G. 1,39 Proz., Schuckert 1,50 Prozent, und Kali Westeregeln 1,50 Prozent. Fester er­öffneten dagegen Holzmann mit plus 3 Prozent und Conti Gummi mit plus 1 Prozent. Schiff­fahrtswerte blieben gut behauptet. Rach den er­sten Kursen ergaben sich infolge der Geschäfts­stille weiter kleine Rückgänge.

3m Verlaufe war das Geschäft etwas be­lebter, und die Kurse erfuhren allgemein kleine Erhöhungen. 3G. und andere Spezialwerte waren über das Riveau des Wochenschlusses etwa 0,50 Prozent gebessert. Am, Rentenmarkt herrschte anfangs gleichfalls Geschäftsstille, und die Kurse blieben nur knapp behauptet. Später setzte sich eine starke Defesti gung für Altbe-

fihanleihe durch, die von 46,64 Prozent auf 48,25 Prozent anzogen. Neubesitz und Reichs- schuldbnchforderungen lagen bis zu 0,50 Prozent höher. Der Pfandbriefmarkt lag sehr still, doch stellten sich überwiegend Erhöhungen bis zu 0,50 Prozent ein. Tagesgeld war zu 4,75 Prozent ge­sucht.

Frankfurter Eiermarkt.

Frankfurt a. M., 30.3uli. Das Geschäft war in der abgelaufenen Woche sehr klein, wobei auch die Nähe des Ultimos ungünstig auf den Absatz einwirkte. Die Säger konnten daher nicht geräumt werden, obwohl die Zufuhren infolge des Pro­duktionsrückganges an und für sich recht klein waren. Die leicht erhöhten Preise der Vorwoche blieben unverändert. Es notierten in Pfennig per Stück ab loco Frankfurt a. M.: Russen 5,56, Hol­länder 6,257,75, Dänen 67,75, Flandern 7 bis 7,25, deutsche Landeier 77,5, deutsche Frischeier je nach Größe 6.58,5.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 1. Aug. Auftrieb: 1246 Rinder, darunter 288 Ochsen, 112 Dullen, f?5_^ü$e, 320 Färsen, ferner 498 Kälber, 46 Schafe, 3926 Schweine (darunter 80 Litauer). Es wurden notiert: Rinder: Ochsen: boll» fleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 31 bis 35 Mk.. (ältere) 27 bis 30, sonstige vollfleischige (jüngere) 24 bis 26; Dullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlacht- werts 27 bis 30, sonstige vollfleischige oder aus- gemäftete 22 bis 26; Kühe, jüngere, voll- fleischige, höchsten Schlachtwerts 25 bis 28, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 20 bis 24, fleischige 14 bis 19; Färsen (Kalbinnen, Jung­rinder): vollfleifchige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 33 bis 36, vollfleischige 29 bis 32 fleischige 25 bis 28. Kälber: beste Mast- und Saugkälber 36 bis 40, mittlere Mast- und Saugkälber 31 bis 35, geringe Kälber 25 bis 30. Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 48 bis 50, vollfleischige Schweine Don etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 47 bis 50, von etwa 200 bis 240 Pfund 46 bis 49 von etwa 160 bis 200 Pfund 45 bis 43, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 40 bis 45 Mk. Marktverkauf: Rinder ruhig, ausverkauft, Schweine rege, ausverkauft. Käll>er und Schafe ruhig geräumt.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a.-M., 1. August. (WTB. Draht- meldung.) Das Wahlergebnis blieb an der Ge­treidebörse ohne größeren Einfluß, doch mahnte die Ungewißheit über eine Regierungsbildung zur Zurückhaltung. Das Geschäft hielt sich daher in engen Grenzen, obwohl das Angebot in Neuge­treide durch die letzttägigen Regenfälle weiterhin gering blieb. Die Tendenz war indessen eher schwä­cher. Besonders Weizen lag matt, während im übri­gen nur kleine Preisrückgänge zu verzeichnen waren. Roagen neuer Ernte kam heute erstmals zur Notiz. Am Mehlmarkt zeigte sich Interesse für promptes Roggenmehl, doch gingen die Preise bis zu 0,75 Mk. zurück. Auch bei Weizenmehl traten Preisrückgänge ein, ohne daß hier aber ein besseres Geschäft zu verzeichnen gewesen wäre. Futter­artikel lagen sehr still und eher etwas rückläufig.

Es wurden notiert: Weizen 250 nominell, Rog­gen, neue Ernte, 192,50, Wintergerste für Drau- zwecke 170172,50, Hafer, inländischer. 170180, Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 mit Aus­tauschweizen, 37,7538,65, Roggenmehl (70proz.) 2828,50, Weizenkleie 9, Roggenkleie 9, Erbsen 24 bis 32, Linsen 22 48, Heu 3,40, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreht 3,50, gebündelt 3,20 bis 3,50. Treber, getrocknet, 10,50, Weizenmehl, Niederrhein. mit Austauschweizen 37,7538,40. Kartoffeln: Böhms, allerfrüheste gelbe 2,30 bis 2,40. Tendenz: ruhig.

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