Einzelbild herunterladen

Nr. 126 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderheflen)

lliittrood}, l. juni (952

Aus dem Reiche der Frau.

Oie Krau und der Sport.

Don Margarete E. M. Glaser.

Zweck und Ziel des Sports ist Entwicklung des harmonischen Menschen. Weil Aum harmonischen, allseitig entwickelten Menschen hochgezüchtete flör- pcrlichkeit durch körperliche Durchbildung ebenso ge­hört wie die geistige, und weil solche Körperkultur durch Jahrhunderte arg vernachlässigt, bei der Frau sogar künstlich unterdrückt worden ist, darum rückt diese körperliche Erziehung hier zu Recht an aller­erste Stelle. Erziehung zu Gesundheit, Straft, Ge­wandtheit und damit zur natürlichen Schönheit ist erstes Ziel: nicht bloßes Athletentum, nichprohes ftrafttraining*, wie uns so oft noch vorgeworsen wird, ist das Ideal. Denn das entspricht weder der geistigen noch der körperlichen Wesenheit der gesun­den ixrau. Ganz von selbst ergibt sich hieraus dieses: für Frauensport kommeß in erster Linie alle die Formen der Körperübuna in Frage, die sich aus natürliche Bewegung aufbauen, die bei aller Er­ziehung zu Kraft und Gewandtheit und fern von verweichlichter Pose doch die Eigenart des weib­lichen Körpers berücksichtigen, die im Sinne der Aesthelik wie der Hygiene anstelle übertriebenen und unschönen Äraflgebarens auch die heute so oft und so bitter entbehrte Anmut zu ihrem Rechte kommen lassen. Als Grundlagen also Tanz, Gymnastik, Leichtathletik.

Ich meine wirklichen Tanz als Einheit un­endlicher Bewegungen, die Kraft, Gewandtheit, Ausdauer, Beherrschung jedes Gliedes bedeutet nicht nebensächliches Herumzappeln in einzelnen erstarrten Formen, wobei der wahre Zweck der Hebung auf ganz anderem Gebiete liegt, noch auch bloßes affektiertes Zurfchaustellen alberner Posen und moderner Kostüme. Tanzen sollten schon alle Kinder, tanzen in solchem Sinne sollte auch jeder Erwachsene.

Beste Grundlage für allen Sport ist Gymnastik siehe das Beispiel der skandinavischen Länder.

Don der rhythmischen Gymnastik sofern sie sich nicht auf bloßes musikalisches Taktieren beschränkt über Mensendieck, Dorotheenbund, Loheland und wie sie alle heißen mögen, schwedische Gymnastik bis zum deutschen, modernen, nicht erstarrten, son­dern diesen Strömungen offnen Turnen haben sie alle ihr Gutes: haben sie viel Gemeinsames in Prinzip und Praxis, fordern aber, sollen sie segens­reich wirken, Ausdauer und Ehrlichkeit. Das Ideal ist natürlich, Tanz und Gymnastik im Freien zu betreiben.

Freude am eignen Fortschritt, Entspannung der Nerven durch starke Ablenkung, Iungwerden ober -bleiben durch die Rückkehr zur natürlichen, bisher nur dem Kinde gestatteten Bewegung, unterstützen die rein körperlich kräftigende, ausvauende Wirkung. Mehr noch kommen solche Anregungen bei der freie­ren und mannigfaltigeren Leichtathletik zur Wirkung und steigern sich beim freien Sport immer höher, bis zu den Gipfelpunkten großen sportlichen (Er­lebens.

Alle Hebungen der Leichtathletik sind aufgebaut auf den natürlichen, dem Unbefangenen selbstver­ständlichen Bewegungen, von denen die Frau durch naturwidrige Erziehung und Tradition entfernt wurde, warum kann das Kind natürlich laufen, das junge Mädchen meist schon nicht mehr? Weil gar zu lange jede natürliche Bewegung als unschick­lich galt. Nun muß sie den Weg zurücklaufen, um wieder zu Natürlichkeit und Bewegungsanmut zu gelangen.

Verschlossen bleibt der Frau von Verstand und Geschmack bas Gebiet der Schwerathletik. Weibliche Ringkämpfer, Boxer auch Fußballer sinb ab-- zulchncn, weil dem Sinn des Sports: Pflege von Gesundheit und Schönheit zuwiderlaufenb, wah renb dagegen der Anblick einer schlanken, durch- trainierten Speerwerferin ein ästhetischer Genuß van hoher Vollendung ist.

Körperliche Schädigung des weiblichen Organis­mus, auch des jugendlichen, sind dort fast aus- geschlossen, wo es sich um den Ausbau der natür­lichen Bewegung handelt, wo fast ausschließlich der eigene Körper für die zur allmählichen Leistungs­steigerung erforderliche Energie maßaebend ist, keine remben Kraftfaktoren wie das Pferd beim Rei­ten die Wasserkraft beim Rudern, Naturgewalten

beim Alpinismus die evtl, zu Heberleistung zwingen. Das Ideal des sportlichen Trainings, die lückenlose, ganz gleichmäßige Durchbildung aller Muskelgruppen, erreichen vielleicht nur Leichtathletik und Gymnastik darum sind sie berufen zu Kor- rektur und Ergänzung aller Sportarten, bei denen eine gewisse Gefahr der Einseitigkeit nahelicgt.

14 Tage im Jahr skilausen oder 4 Wochen am Strande umhertoben, die übrigen 11 Monate aber

in der Stube hocken, ist kein sportliches Training. Der Alltag verbraucht und fordert Wiederaufbau. Leichtathletik, Gymnastik und Tanz sind überall möglich, auch fern von Wald, See und Gebirge. Die Sehnsucht nach Gesundheit, Kraft und Schön­heit liegt tief im Menschen und ist naturgewollt. Führer zum Ziel ist Körperkultur und Sport. Offen liegt heute der Weg offen endlich auch für die Frau!

Allerlei zeitgemäße Rezepte.

Neue Spargelgerichte.

Stangenspargel aus flämische Art. Geschälten, in Bündel gebundenen Spargel, brüht man ab und dämpft ihn unter Verschluß auf einem Bett von Speck und einigen in Scheiben geschnittenen Zwiebeln in Fleischbrühe gar, nimmt heraus, läßt gut abtropfen und übergießt mit einer Soße, die man auS dem Sah, den man gut einkocht, leicht mit Kartoffelmehl bindet und gut abschmeckt, gewonnen hat.

Stangenspargel auf bürgerliche Art. Die Spargel werden dünn geschält, rasch gewaschen, in Bündel gebunden und in leicht ge­salzenem, kochendem Wasser weichgekocht, ohne daß die Köpfe Schaden leiden. Inzwischen läßt man für 1 Kilo Spargel 50 Gramm gute Butter zergehen, rührt 2 Kochlöffel Mehl dazu und gleich daraus von dem Spargelwasser, bis eine glatte dickliche Soße entsteht, die, wenn gut ausgekocht, mit einem Eigelb legiert, mit etwas Zitronensaft abgeschmeckt und mit 8 b is 10 Tropfen Maggi s Würze verfeinert, zu den auf einer Platte ange­richteten Spargeln gereicht wird.

S t a n ge n s p a r ge l mit holländischer Soße. IV2 Kilo schöne dicke Spargel werden ge­schält, in Bündel zusammengebunden und in kochendem, leicht gesalzenem Wasser weichgekocht. Dann nimmt man die Bündel aus dem Wasser, läßt sie gut abtropfen, entfernt die Fäden und schichtet die Spargel zum Anrichten auseinander. Zur Soße verrührt man in einem irdenen Topfe 30 Gramm Mehl mit i 2 Obertasse voll Wasser und gibt 2 ganze Eier, 2 Eigelb, den Saft einer halben Zitrone, Salz, Pfeffer, 50 Gramm Butter, 1 Obertasse Fleischbrühe und ein Glas Weißwein dazu. Man bringt die Soße aufs Feuer, läßt sie unter beständigem Schlagen mit dem Schneebesen einmal auflock)en, zieht sie zurück, schlägt noch etwas weiter, schmeckt mit 10 bis 12 Tropfen Maggi s Würze ab und richtet die Soße über dem Spargel an.

Spargelpudding. 100 Gramm Butter werden schaumig gerührt, dann vier Eigelb hinzu- gefügt und mit 100 Gramm Mehl tüchtig ver­arbeitet. Hierzu mischt ntah nun 50 Gramm fein­gehackten, gekochten Schinken, abgekochte Spargel- köpse, Salz, Pfeffer und eine Prise Muskatnuß, und zieht mit dem Schnee der vier Eiweiß klar. In eine gutgebutterte Puddingform füllen, etwa anderthalb bis zwei Stunden im Wasierbad dämpfen und nach dem Stürzen mit brauner Butter übergießen. Den Rest des Spargels ver­wendet man zu

Spargel auf schottische Art. Man schneidet den Spargel in Stückchen von zwei Zen­timeter Länge und locht sie ab, läßt gut abtropfen, schwenkt in brauner Butter mit reichlich Brot- brösel, richtet in einer runden Schüssel berg- förmig an und umlegt mit kleinen verlorenen Eiern, die man auf eine rund ausgestochene Scheibe gebutterten Toast sehen kann.

Spargel in der Form. Man fettet eine feuerfeste Form aus und streut Parmesankäse darüber. Daraus legt man eine Schicht abgetön­ten, gut abgetropsten Spargel und gießt darüber die Hülste einer Mischung aus dickem, saurem Rahm, Eiern und geriebenem Käse, dann wieder eine Schicht Spargel und darüber den Rest der Flüssigkeit. Obenauf streut man Käse und einige Butterflöckchen, oder man übergießt statt dessen beim Servieren das Gericht mit in Butter ge­rösteten Eemmelbröseln und streut gehackte Peter­silie darüber.

Spargelgemüse in Duttersvhe. Man verwendet hierzu die dünneren Spargel, puht sie, bricht sie einige Male enUtoei und kocht sie in siedendem Salzwasser weich. Ein Stück frische, süße Butter läßt man mit einem Kochlöffel Mehl nur eine Minute anlaufen, rührt mit dem Spar- gelwasser eine gebundene, glatte Soße, die mit einer Prise Salz, einer Messerspitze feinem Zucker und etwas geriebener Muskatnuß gewürzt, mit den abgegebenen Spargeln noch einige Minuten gekocht, dann mit einem Eigelb gebunden und mit einigen Tropfen Maggi-Würze abgeschmeckt wird.

Rhabarber, Rhabarber ...

Das erste, zugleich billigste und besonders nahr­hafte Obst des Jahres ist der Rhabarber. Seine langen, grünen und roten fleischigen Stengel haben fast gar keinen Abfall: junger Rhabarber braucht nicht einmal abgezogen zu werden. Auch die Blattrippen lassen sich verwenden. Zu Suppen und Süßspeisen, zu denen man durchgeschlagenes Rhabarbermus braucht, ist ein Abziehen auch der älteren Stangen nicht erforderlich, dafür aber desto gründlicheres Waschen, um Sand und Erde vollkommen zu entfernen. Rhabarbermus kann auch in der Art wie Apfelmus bereitet werden. Dazu muß der weiche, durch ein Sieb gestrichene Rhabarber kräftig geschlagen, gesüßt und zuleht mit steifem Eischnee unterzogen werden. Man serviert es recht kalt in Gläsern mit kleinem Ge­bäck. Je kühler Kompott und Suppen sind, desto großer ist ihre erfrischende Wirkung.

Zum Kompott gibt man den in fingerlange Stücke geschnittenen, gewaschenen Rhabarber un- abgetropft mit reichlich Zucker in den Kochtopf. Zucker und eigene Flüssigkeit geben genügenden und besonders aromatischen Saft. Zimt. Vanille und auch Weißwein bringen eine angenehme, geschmackliche Abwechslung.

Wenig bekannt ist die Kompottmifchung von Rhabarber mit Aprikosen. Hierzu mischt man ge­trocknete, in Zuckerwasser geweichte Aprikosen unter den geschnittenen, gezuckerten Rhabarber und läßt beides einige Stunden stehen, bevor man es kocht. Das Weichwasser wird als Flüssigkeit dazugegeben. Man achte daraus, daß das Obst weich, aber nicht zerkocht ist, weil es dadurch unansehnlich wird.

Zur Suppe kocht man den geschnittenen Rha­barber in der benötigten Menge Wasser oder Zuckerlösung oder läßt ihn ungesüßt völlig zer­kochen. streicht die Masse durch ein Sieb, dickt nach Belieben und süßt dann. Rhabarber muß recht süß zubereitet werden.

Zum Schluß sei noch das Rezept zu einer deli­katen, wenig verbreiteten Rhabarberspeise ge­geben. Zutaten: 500 Gramm Rhabarber, eine Zitrone, 250 Gramm Zucker, *« Liter roten Fruchtfast, Baiser-Hälften, 75 Gramm Kartoffel­mehl. Zubereitung: Der gut gewaschene, aber ungeschälte Rhabarber wird in kleine Stücke ge­schnitten, mit dem Zucker, dem Saft der Zitrone und etwas abgeriebener Zitrone in etwa3 , Liter Wasser ganz weichgekocht, abtropfen lassen und durchgestrichen. Das erhaltene Rhabarbermus kocht man mit 30 Gramm kalt angerührtem Kar­toffelmehl zu dickem Drei, den man auf den Boden einer großen Glasschüsfel füllt, der ab- getropfte Rhabarbersaft wird mit dem roten Fruchtsaft vermischt, 45 Gramm Kartoffelmehl angerührt, an die kochende Sastmischung gegeben und eine rote Creme gekocht. Beim Anrichten 1 verteilt man die Baiser-Schalen auf das Rha- I barbermus und füllt sie beim Aufträgen mit der | erkalteten roten Fruchtcreme.

Oie praktische Hausfrau.

Oeffnen von Konservengläsern. Um Konservengläser zu öffnen, ohne die Gummiringe zu verletzen, tauche man die Gläser in heißes Wasser, und zwar so tief, daß der Deckel mit in das Wasser kommt Rach kurzer Zeit löst sich der Deckel und der Ring bleibt unbeschädigt-

Korken, die man luftdicht machen will, laßt man ein mehrere Stunden dauerndes Bad nehmen. Man nimmt ein halbes Liter Wasser, dem als Badesalz 10 Gramm Gelatine und 15 Gramm Glyzerin zu­gegeben werden.

Reinigung von Fliesenböden. Fliesenboden ist mit verdünntem Salmiak zu reinigen, nicht mit Salzsäure, wie die» oft ge­schieht. da Salzsäure die Politur angreift und schädigt Durch leichte» Linolen wird der Boden sehr schon und klar im Muster.

Reinigung von ®artcnmöbcln- Weiße Balkon- und Gartenmöbel wäscht man mit Wasser ab. in dem einige Zwiebeln mitgekocht haben Der Lack glänzt um so mehr.

Reinigung von Tintensässcrn. Tintensäfser. auch solche in Schreibzeugen, die längere Zeit nicht in Gebrauch waren, setzen stark an und erhalten schwarze Ringe oder Bodensatz. Hm sie zu reinigen, füllt man sie mit scharfem Essig und läßt diesen einige Tage stehen. Dann gibt man feinen Sand hinzu und schüttelt kräftig um. Spült man die Fässer dann mit fließendem Wasser aus, so werden sie wieder rein und blank erscheinen. Statt des Essig» kann man auch verdünnte Salzsäure verwenden.

Pflege kun st seidener Wäsche- und Kleidungsstücke. Die kunstseidenen Stücke werden in kalter oder lauwarmer Seifenlauge ausgewaschen, mehrmals in kaltem Wasser nach- gespült. Dem letzten Spülwasser seht man einen Schuß Essig gu, wodurch der Glanz erhalten bleibt. Sie werden dann zwischen trockene saubere Handtücher gewickelt und, solange sie noch srisch sind, gebügelt.

Wenn d i e Suppe versalzen ist. kann man sich in leichteren Fällen mit einer Messer­spitze Ratron Helsen und einigen roh in die Suppe geworsenen Kartoffelstückchen, die man nach dem Halbgarwerden entfernt.

Wenn Fett überkocht. Wenn aus einer auf stark erhitztem Herd stehenden Pfanne Fett übe acht oder herausspritzt und dies zu brennen c:i ängt, so tötet man die Flamme mit klarer Asche, die man schnell mit der Kohlenfchausel unterm Rost hervorholt. Keinesfalls darf Wasser als Löschmittel verwendet werden, da dieses ein Brandwunden erzeugende» Spritzen de» Sette» bewirkt-

(Entfernung von Brandflecken aus weißer Wäsche. Sehr oft kommt es vor, daß ein brennendes Streichholz, heiße Zigarren- afche auf ein Tischtuch fallen und einen großen Brandsleck verursachen. Sind die Flecke nur oberflächlich und ist das Gewebe nicht zerstört, dann kann man die Verunzierung der Wäsche leicht entfernen. Man frischt die schadhafte Stelle mit kaltem Wasser an, bestreut sie mit Kochsalz und legt sie in die Sänne. Rach kurzer Zeit sind die Brandflecke verschwunden.

Behandlung von Fußboden. Gestri­chene Fußböden macht man schön glänzend mit einer Mischung von Spiritus, Schellack und Ko­lophonium. Diese Mischung bewahrt man in einer verkorkten Flasche längere Zeit auf. Vor Gebrauch ist sie tüchtig zu schütteln und leicht mit einem weichen Lappen auf den Fußboden aufjutragen.

Hygiene des Schlafzimmers.

Don Dr. med. H. Ferres.

Mindestens den dritten Teil feine« Lebens verbringt der Mensch, zum wenigsten in unseren Gegenden, im Bett, und man sollte meinen, daß schon deshalb der Hygiene deS Schlafzimmers von jedem verständige Aufmerkfamkeit geschenkt würde. Weit gefehlt- Man sieht trotz aller Predigten über die Wichtigkeit eines gesunden und richtig ausgerüsteten Schlafzimmer« auch in gebildeten Kreisen oft genug allerlei, was mit Öen eigentlich selbstverständlichen Forderungen nicht übereinstimmt. .

Zum Schlafzimmer muh von Rechts wegen Der peste Raum der ganzen Wohnung ausgewahlt werden, denn das Schlafzimmer ist unter allen Umständen für die Gesundheit weitaus der be- deutungsvollste Raum der Wohnung. Freilich ist unter den heutigen traurigen Wohnungsver­hältnissen nicht jede Forderung bezüglich der Große und Lage der Schlasräume zu erfüllen; aber man sieht sogar gelegentlich in gamilicn, die über genügend große und gutgelegene Woh- nungen verfügen, eher eine schließlich sehr über­flüssige .gute Stube", als vernünftige Schlaf­räume. Doch auch da, wo das «Schlafzimmer an sich genügend groß ist. wo es ausreichend Licht und Luft bekommt (am besten liegt es nach Süden oder Osten), werden manche Fehler gemacht, die aus gesundheitlichen Gründen unbedingt ver« mieden werden müßten- Zunächst ein Wink zur Lüftung der Zimmer. Diese erfolgt am besten vom Oberlicht her. und es wäre deshalb sehr zu begrüßen, wenn beim Bau von Wohnungen die Oberlichtfenster so gebaut würden, daß man sie bequem von unten her durch die bekannten Klappvorrichtungen öffnen und schließen kann.

Die Schlafräume dienen dem Schlaf und sollen nicht wie das nur zu häufig geschieht, als Ab­stellräume für alle möglichen Gebrauchsgegen- ItänDe benutzt werden- Schmutzige Wäsche gehört ebensowenig ins Schlafzimmer wie Eßwaren! Was die Betten angeht, so foH man sie nicht

mit der Längsseite an eine Außenwand stellen. Wer in einem falsch ausgestellten Bett lärtgerc Zeit schlafen muh, der wird diese Unvorsichtig- keit oft mit rheumatischen Beschwerden und Er- kältungsstörungen büßen müssen, und, da man die Hrsache dieser Störungen gewöhnlich nicht findet, ist es natürlich um so schwerer, sie zu beseitigen Gegen Federunterbettea ist von uns Aerzten schon oft genug geschimpft worden. Sie sind höchstens für ganz alte Leute daseinsberech­tigt! Vernünftige Menschen schlafen, selbst uoenn sie krank sind, auf der Matratze, die eventuell eine ganz leichte Federauflage aufweisen darf und mit einer Decke und darüber einem Bettlaken bedeckt wird. Mit Roßhaaren gepolsterte Kopf­kissen sind den alten Federkopfkissen entschieden vorzuziehen Die besonders auf dem Lande be­liebten Federoberbetten, unter deren Schwere man unter Umständen zu ersticken fürchtet, teilten durch mit Federn oder Wolle gefüllte Stepp­decken erseht werden.

Die Beleuchtung von Schlafräumen ist ja durch das elektrische Licht von ihrem schlimmsten Fehler, nämlich dem Verpesten der Lust, befreit worden- Wichtig ist aber auch, daß sie nicht zu grell und auch nicht gar zu bescheiden gehalten wird. Sie soll, was besonders für Kranke unter Hm- ständen sehr wichtig ist. auch keine reizenden Strahlen enthalten

Jedenfalls ist Petroleumlampe und Kerzenlicht nur aushilfsweise im Schlafzimmer einmal ge­stattet! Daß Kranke nicht mit Gesunden (von ihren Pflegern abgesehen!) das Schlafzimmer teilen dürfen, ist eine Forderung, deren Erfüllung leider oft genug an Raummangel scheitert. Dar­über, daß in den Schlafzimmern ganz besonders peinlichste Sauberkeit walten muh. und dah schäd­liche Stoffe, wie beispielsweise giftige Tapeten- farben, hier ganz besonders zu vermeiden find, brauche ich wohl kein Wort zu verlieren- Zum Schluh noch eine Binsenwahrheit

Selbst kleine Kinder sollten so früh wie möglich ein eigenes Schlafzimmer erhalten und nicht mit den Eltern den Schlafraum teilen' Die kindliche Reugier ist, was mir alle Eltern bestätigen

werden, viel reger, als der Erwachsene manchmal denkt, und es ist wirklich nicht nötig, dah der kindliche Hnverstand an Dinge gerät, für die ihm jede Möglichkeit des Begreifens naturgemäß fehlt.

Vernünftige Säuglingspflege.

Von Margarete Halm.

Wir wickeln heute keinen Säugling mehr. Wir schaukeln ihn nicht und geben ihm keinen Schnuller in den Mund, laufen auch nicht gleich in Angst und Schrecken, wenn er in feinem Körbchen ein­mal schreit. Wit der Erziehung aber beginnen wir am ersten Lebenstage.

Das erste Gebot vernunftgemäßer Säuglings­pflege heißt, neben peinlichster Sauberkeit pein­lichste Pünktlichkeit. Aus die Minute will das kleine Reugeborene besorgt sein, und es geschieht ihm in der Tat ein großes Hnrecht. wenn man es nur eine Viertelstunde länger als nötig auf Rahrung warten läßt. Ebenso unrecht ist es. wenn das Kerlchen schon einmal eine halbe Stunde frü­her aufwacht oder gar noch mehr, ihm Flasche oder Brust schon vor der Zeit zu reichen. Das überlädt seinen (leinen Magen, und man hat ihm damit keinen Gefallen erwiesen. Ist es durch irgendein Geräusch zu früh erwacht und sonst in Ordnung, so mag es ruhig auch einmal ein wenig schreien, es ist das die einzige 2ktoegung, die die kleinen Muskeln und Lungen machen kön­nen und machen müssen, um sich zu kräftigen.

Wenn man den Säugling schreien läßt, dann muh jedoch vorausgesetzt werden, daß er sauber liegt! Hier teilen sich die Ansichten der Pflege­rinnen zwar, und manche möchten lehren, den Säugling nicht allein vier Stunden auf feine Rah­rung warten zu lassen, fonbern ebenso lange überhaupt nicht anzurühren. DaS ist aber unbedingt ein Mißverständnis, und es kann leine Rede davon fein, dah man den Säugling in einer nassen oder gar beschmutzten Windel liegen läßt. Selbst wenn man anfangs zwanzigmal am Tage wechseln muß. Rach kurzer Zeit schon faiui man ihn gewöhnen. Schreit also unser Kind, so ist es

unsere erste Pflicht, die Windelhöschen zu öffnen, um in der Regel hier die Ursache des kleinen Mih- behagens zu finden und zu beheben. Ist es dann in Ordnung, so mag es ruhig um die Rahrung noch ein wenig weiter schreien. Die erste Pünkt­lichkeit in der Besorgung legt in das kleine Men­schenkind den Grundstein zu innerer Ordnung, zur Einfügung in gegebene Mahnahmen, zum Gehor­sam.

Der gesündeste Aufenthalt für einen Säugling ist am offenen Fenster, und so lange feine Gefahr des Herausfallens besteht, stellen wir fein Körb­chen oder feinen Wagen recht viel in frische Luft. Vorausgesetzt, daß das Fenster nicht gerade auf einen allzu düstem Hof geht, ersetzt dies anfäng­lich den Spaziergang vollauf.

Setzen, stellen und die ersten Schrittchen teil das Kind von sich aus unternehmen, und niemand teilte das Kleinsind zwingen, berartige Kunst­stückchen vorzeitig zu lernen. Kommt feine Zeit, so fängt es schon von ganz allein an. Ueberhaupt ist jeglicheS Lehren, sagen wir vor Beginn deS Dritten Lebensjahres, sehr unangebracht. In die­ser Zeit sollte der kleine Geist allein sich ent­wickeln. und wir haben lediglich die Pflicht, diese Entwicklung zu überwachen und leise, fast unmerk­lich, zu lenken.

Die erste Ernährung des Kindes soll ohne Frage die Milch der Mutter fein. Steht jedoch dem Stillen teilweise oder ganz ein Hindernis im Wege, so ist allein der Arzt die zuständige Stelle, die Säuglingsnahrung zu bestimmen. Dre be ft gern einten Ratschläge von Großmüttern. Tan­ten und Verwandten führen zumal in ihrem Ge­misch nur selten zu etwas Gutem.

Als erstes Spielzeug wähle man in aller Vor­sicht nur Dinge, an welchen das Kind sich keines­wegs verletzen farm und welche ihm nicht schaden, wenn es sie in den Mund steckt. Am besten ist. alles aus Gummi und Zelluloid zu wählen, und Mama darf die Mühe nicht scheuen, geduldig immer wieder das aus dem Wagen gefallene Spielzeug in heißem Wasser zu reinigen, bevor sie es dem Kleinen wiedergibt.