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Kr. 177 Zweite; Blatt

Siehener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheflen)

Zreitag, 5b juli (951

Oderheffen.

ULi\rtout\q des Finanzamts Buhbach.

pb. Butzbach. 31. 3uli. Nach einer Mittei­lung bcd Landesstnanzamtes Darinstadt i l beab- sichligt, da- hiesige Finanzamt au f zuheben und die in Frage kommenden Orte den Finanzämtern Friedberg und Dieften zuzutei len. Der Durch! uhrung die­ser Maßnahme würden von Butzbach rund 30 Tcamte versetzt werden, was für die Stadt unt) Geschäftswelt eine schwere Schädigung bedeuten wurde. Außerdem würden auch die Bewohner der 26 Landgemeinden, die dem hiesigen Finanz­amt zugeteilt si d, bei einer anderen Zuteilung wesentlich infolge gröberer Zeitversäumnisse. län­gerer Bahnfahrt usw geschädigt werden. Aus Veranlassung der hiesigen Stadtverwaltung fand gestern abend eine Versammlung im RathauSsaal statt, in der nach eingehender Aussprache be­schlossen wurde, Schritte zu unternehmen, um die geplante Aufhebung des Finanz­amtes zu verhindern.

Landkreis Gießen.

0 Lollar, 30. 3uli. Aus der jüngsten Ge­mein d e r a t s s i tz u n g ist zu berichten: Zunächst wurde der Erlaß einer Pvlizeivervrdnung beschlossen, nach deyi die Lumdastrahe und der Holzmühlenweg für Kraftfahrzeuge mit einem Ge­samtgewicht von mehr als 5,5 Donnen, und die .Schur" für Fahrzeuge aller Art, gesperrt werden. Der unge deckte Betrag des Ge- meindevvranschlags für das Rj. 1931 be- ilffert sich auf 43 000 Mark. Die Summe soll durch ie Erhebung der nachstehenden Umlagefätze einge­bracht werden: Grundsteuer: auf 100 Mk. Steuer­wert für Gebäude und Bauplätze 8 Pf: für land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundbesitz 16 Pf.: Gewerbesteuer: auf 100 Mark Steuerwert für ge­werbliche Anlagen und Betriebskapital 36 Pf., für Gewerboertrag 150 Pf.: Sondergebäudesteuer: bei Gebäuden bis 7000 Mark Steuerwert 45,75 Pf., bei Gebäuden mit einem Steuerwert über 7000 Mk. 39,93 Ps.; von 1 Mark staatlicher Sondergebäude­steuer. Aus Antrag können die im Rjt1931 er­richteten Gebäude (Neubauten) auf die Dauer von fünf Jahren von der Grundsteuer be­freit werden. Aus Grund eines Ausschrei­bens waren für die s re'gewordene Flurschützenstelle 15 Bewerbungen eingegangen. Der Gemeinderat übertrug die freie Stelle dem Gemeindemitglied Karl Seipp 111.

ZGroßen-Linden,30. Juli. Der in diesen Tagen beendete Schnitt des Roggens war in unserer Gemarkung nicht sehr ergiebig. Aus­winterungsschäden als Folge naßkalter Witterung traten in großem Umfange auf und hatten auf den schlecht bestandenen Feldern zu einer außerordent­lich starken Verunkrautung geführt. Die heranreifende Sommerfrucht steht dagegen gut. Auch die Hack­früchte zeigen ein befriedigendes Aussehen. Durch die ausgiebigen Nicdvsch!*ge hat sich das Grummet­gras in den Wiesen gut gestellt und verspricht eine reichliche Ernte.

Mrcid Friedberg.

Butzbach, 30. Juli. (WSR.) An einem der letzten Abende unternahm der im benachbarten Rockenberg im hessischen Landeszuchthaus Marien- schloß inhaftierte und wegen Mordes zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilte frühere Student M e o n einen Ausbruchsversuch. Meon hatte an seinem Zellenfen st er einen Gitter st ab durch- sägt dnb ließ sich bei Ablösung der Wache um 23 Uhr in den Anstaltshof hinunter. Bei dem Ver­such, mittels einer Strickleiter die etwa 6 Meter hohe Mauer zu erklimmen, wurde er von den wachhabenden Beamten entdeckt und fest- genommen.

Kreis Schotten.

Y Gedern, 30. 3ufi. 3n der Nähe des hie­sigen Postamtes stürzte ein Pferd, das in einen

Helle Rächte - dunkle Tage.

Don unserem Lr.-Derichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenl

An Bord der .Ariadne", Ostsee, 3uli 1931.

Dumpf heult das Nebelhorn durch die graue Nebelmilch der Ostsee und sein Stoß erschüttert die Planken vorne im überdachten Oberdeck, wo die Passagiere, auf Liegestühlen vermummt, Schutz gesucht haben vor dem Wind und vor der ganz ungewohnten Kälte. Wir kommen aus der Sonne, die tags und nachts strahlt, aus dem grünen Wald, aus dem Frieden der Seen und Inseln und der stiilen, freundlichen Menschen. Uni) wir haben am Abend zuvor, auf der Bahnstrecke von Oulu nach Helsingfors, die uns tdieder mit der .Welt" in Verbindung brachte, da» erste gehört über die Ereignisse in Deutschland. Und wenn sich auch auf der deutschen Gesandtschaft alle Ge­rüchte als stark übertrieben herausstellten, sie ge­nügten doch, um eine große Anzahl deutscher Aci- senden die nicht erst auf deutsche Geldsendungen warten muhten! überstürzt ihre Reise abbrechen zu lassen.

.Helle Nachte und jetzt dunkle Tagei" Diese weihen Nachte man muh sie erlebt haben, jim sie wirklich sassen zu können. Das schönste '211- penglühen, der stimmungsvollste deutsche Sonnen­untergang, verschwindet hinter solch einer finni­schen Sommernacht. Man vergibt ganz, daß der eine Teil deS Tages eigentlich zum Schlafen da ist in einem .dunklen"' Schlafzimmer. Nur die Uhr zeigt an, dah es jetzt Nacht sei. Und eine leise Dämmerung, die gegen 11.30 Uhr sich im Hause bemerkbar macht. 3m Freien aber kann man die ganze Nacht hindurch mühelos lesen. Und weil die Nacht der schönste Teil des Tages ist, kommt man überhaupt kaum zu Bett.

So war es mir besonders auf Koli ergangen einem jener Höhenrücken, die die Eiszeitglet­scher quer durch die Seenwelt oder richtiger: Inselwelt? Finnlands gezogen haben. Don der Station Duonislahti in Nordkarelien eine Tagereise östlich von Oulu und ebensoweit nördlich von Diipuri (Wiborg) entfernt bringt das Motorboot des Touristenvereins den An­kömmling über den langgestreckten Pielisjärvi. Hier auf Koli erhält man einen Eindruck von die­ser seltsamen Seenplatte. Wie Striche schwimmen in den Wasserflecken baumbestandene Schären: oft sind es nur Felsklippen, die hier oben wie win­zige Punkte neben den Strichen erscheinen. Don den Gipfeln schweift das Auge in eine fremdartige Landschaft von schwermütig-ernstem Gepräge.

beladenen Wagen gespannt war. Um das Tier aus feiner unglücklichen Lage zu befreien eilte der in der Nähe arbeitende Maurer Heinrich König aus Ober-Seemen herbei und durchschnitt einen Riemen 3m gleichen Augenblick schnellte ihm mit grober Wucht bie Schere deS Wagens gegen den Leib, dah er ohnmächtig zufammenbrach 3n der Gie­ßener Klinik ist der Bedauernswerte, der als bra­ver und fleißiger Arbeiter geschätzt wurde, sei­nen schweren inneren Verletzungen erlegen

preuhen.

Kreis Biedenkopf.

XX Aus dem Biebertal, 30. Juli. Eine Dreschmaschine hat vorerst auf Hof Haina mit dem Drusch der Wintergerste iyre Tätigkeit aus­genommen. Im Anschluß hieran werden an der Straße RodhcimBieber zwei Maschinen ausge­stellt, denen das Getreide aus beiden Ortschaften zugefahren wird.

Kreis Wetzlar.

Dutenhofen 30. 3ult Die hiesigeKlein- kknderschule feierte am Sonntag ihr Iahres- feft, an dem sich jung und alt in der gewohnten Weise beteiligte. Aus dem Festplatze herrschte bald ein frohes Treiben Bei Gesang und Spiel verging die Zeit im Fluge. Pfarrer Heider (Dorlar) hielt die Festansprache. Lehrer G a h , der Vor­sitzende des Vorstandes der Kleinkinderschule, wies in seiner Schlußansprache auf den großen Wert und die segensreiche Tätigkeit der Kleinkinder» schule hin Die Darbietungen des Posaunenchors und des Gemachten Ehvrs gaben der Feier das festliche Gepräge.

l. Dutenhofen, 30. 3uli. Der Dau der Wasserleitung unserer Gemeinde ist nun vollendet. Die Wasserleitung ist in Gebrauch genommen worden. Don der Abhaltung des sog. .Wasserfestes" hat man Abstand genommen. Die Leitung ergibt täglich eine Wassermenge von 115 Kubikmeter, so daß der Wasserbedarf der Ge­meinde weitaus gedeckt ist.

OO Hörnsheim. 29. Juli. In der jüngsten Sitzung des G e in e i n d e r a t s wurde der Landwirt Friedrich Volk IV. zum Wasserwörter de r Gemeinde gewählt. Auch die Erhebung des Wasscrgeldes wurde Volk als dem Wcnigstfordernden übertragen.

00 Hochelheim, 29. Juli. In seiner jüngsten Sitzung lagen dem Gemeinderat die F o r st w i r t - schaftspläne für das Wirtschaftsjahr 1 932 zur Begutachtung vor. Dem Hauungsplan wurde zugestimmt. An dem ÄuUurplan wurden Abstricde in Höhe von 300 Mark vorgcnommen. Die betreffenden Arbeiten sollen durch Wohlfahrts- erwerbslose ausgcführt werden.

<> Niederklee n 29. Juli. Die hiesigen, Iu- gendpslege treibenden Vereine (Turnverein, Ge­sangverein, Radfahrerverein, Kriegerverein, 'Frauenverein und Mädchenverein) haben sich zu- sammengefchlossen, um eine Turnhalle zu bauen, in der die 3ugend betreut werden soll. Die Vereine haben von den Vereinigten Werken für Dahnmaterial AG., Butzbach, eine Lagerhalle gelaust, die unter Vornahme entsprechender Er­weiterungen und Aenderungen zu einer Turn­halle umgebaut werden soll. Die Halle wird an der Straße nach Lang-Göns am Dorf ausgange errichtet: den Bauplatz hat die Gemeinde un­entgeltlich zur Verfügung gestellt, ebenso wird sie das Bauholz aus dem Gemeindewalde un­entgeltlich abgeben. Die Mauersteine sind von Vereinsmitgliedem im Gemeindesteinbruch kosten­los gebrochen worden. Die Gesamtkosten des Bauvorhabens werden auf rund 16 000 Mk. geschäht. Hiervon werden d ch un­entgeltliche Ar^itsleistung von feiten der Der- einsmitglieder sowie durch Spenden usw. rund 7500 Mk. aufgebracht. Die Leistungen der Ge­meinde stellen einen Wert von rund 3500 Mk.

dar Den Fehlbetrag in Höhe von 5000 Mk. hoffen die Vereine als Staatsbeihllse zu be­kommen. Die Maurerarbeiten werden durch den Maurermeister Zöller,- Kirch-GönS, und die Zimmerarbeiten durch den Zimmermeister Metzler, Oberkleen auSgeführt. Die Halle geht im Rohbau ihrer Vollendung entgegen.

w. Mudersbach. 30. 3uli. Der Gesang­vereinHarmonie" feierte am Sonntag sein 20jährige- Bestehen. Am Nachmit­tag fand zunächst eine Ehrung der Gefallenen des Weltkr eges am Denkmal statt. Werkmeister Willershäuser hielt eine eindrucksvolle An­sprache und legte im Namen des Verein- einen Eichenkranz nieder. Zur Feier deS Stiftungsfestes waren viele Gäste aus der Umgebung erschienen. Nach einem Begrüßungslied de- Gesangvereins b.elt Werkmeister WillerShäuser auch hier die Ansprache und forderte zur Einigkeit auf. Vom Chor des sestgebenden Vereins wurden Jo­hann unter der Leitung von Musiklehrer Fritz Leib-Giehen einige Sieber zu Gehör gebracht, die großen Deisall fanden.

Maingau.

WSN. Frankfurt a. M.. 30. Juli. Donners­tag früh gegen 5 Uhr stieß in der Weißsrauenstraße eine Autokaxe mit einem Möbelwagen zusammen. Die Insassen der Taxe, zwei Herren und eine Dame, wurden verletzt, darunter die Dame fo schwer, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Der Unfall ist darauf zurückzuführen, daß der Chauffeur betrunken war: er ist nicht verletzt worden.

Srieftaften der Redaktion.

G. 500. Wir empfehlen Ihnen, sich an daS Der- sorgungsamt Gießen. Lessingstraße, zu wenden.

Erweitertes SezirlSschöffengericht Gießen.

Sin GastwirtSehepaar in Friedberg hatte sich wegen wiederholten Betrugs, wegen Ur» kundenfälschung undAnlerschlagung zu verantworten. Beim Verkauf seine- Anwesen-, in dem er mit seiner Frau eine Wirtschaft be­trieb. hatte der Angeklagte dem Käufer vor- gespiegelt, die Wirtschaft bestehe schon seit 1920, da- Inventar, einschließlich eines Klavier-, da- sein Eigentum sei, werde mitverkauft und sei im Kaufpreis einbegriffen. Wertzuwachssteuer sei nicht zu bezahlen. Der Käufer, der sich hierdurch zum Ankauf bestimmen ließ, wurde um mehrere tausend Mark geschädigt. Da- bereit- verkaufte Anwesen verkaufte der Angeklagte unter den gleichen Vorspiegelungen, bei denen die-mal seine Frau ihn unterstützte, an eine Wirtin weiter, die um mehrere tausend al- Anzahlung geforderte und bezahlte Mart geschädigt wurde. Ferner verkauften die beiden Angeklagten an eine hie­sige Firma ein Büfett, da- bereit- anderweit zur Sicherung übereignet war. Um die kaufende Firma zu täuschen, legte der Angeklagte eine Freigabebescheinigung vor. die er selbst geschrie­ben und mit falschem Namen unterschrieben hatte. Beide Angeklagte leugneten alles ab und beteuer­ten ihre Unschuld, sie wurden durch die umfang­reiche Beweisaufnahme es wurden 16 Zeugen und ein Schriftsachverständiger vernommen überführt. Der Angeklagte erhieft eine G e- famtgesängnisstrafevvneinem Jahr vier Monaten, die Frau wurde zu acht Mo- naten zwei Wochen Gefängnis verurteilt.

G.Ji.-'fport

Deutsche Tennismeisterschaften.

Die Meldeliste zu den Deutschen Tennismeister­schaften vom 2. bis 9. August in Hamburg- Rothenbaum weist 74 Namen auf und zwar neben 51 Herren 23 Damen aus 13 verschiedenen Nationen. In den Einzelspielen finden sich auch die Titelverteidiger Doussus (Frankreich) und Lilly Äußern vor. Von der deutschen Elite mit Gramm, Nourney, Dessart, Frenz, Haensch, Froitz­heim usw. fehlt nur Daniel Prenn, der durch seine Disqualifikation an der Teilnahme ver­hindert ist. Bei den Damen sind die beiden Wimbledon-Finalistinnen. Äußern und Krahwinkel, ferner von Reznicek, Peih, Rost, Friedleben und Kallmeher zu nennen. Vertreten sind Spieler und Spielerinnen folgender Nationen: Deutschland, England. Frankreich, Indien, Japan, Norwegen, Oesterreich. Polen. Schweiz, Spanien, Tschecho­slowakei und Ungarn.

Oie Schwimmer in Königsberg.

Trotz der geographisch ungünstigen Lage des Meisterschastsortes und trotz der Wirtschaftsnot hat das 4 0. Verbandsfest des Deutschen Schwimm-Verbandes am Samstag und Sonntag in Königsberg i. Pr. für die Anwärter auf die Meistertitel doch genügend Anreiz ausgeübt, um in allen Wettbewerben ganz erstklassige Felder zufammenzubringen. Nur wenige Titelanwärter fehlen und bei diesen sind es meist berufliche Schwierigkeiten, die ihnen den Start versagen. Sogar zahlenmäßig entspricht die Besetzung dem kühnsten Optimismus. Qualitativ konnten, so geht aus den Meldungen hervor, die Kämpfe kaum besser besetzt werden.

Deutsche Motorradmeisterschast.

Nachdem drei Prüfungen zur deutschen Motor- | radmeisterschaft erledigt sind, wird die Wertung

mit dem Schleizer Dreiecks-Rennen am 23. August abgeschlossen. Die (Ermittelung der Meister läßt diesmal ziemlich lange aus sich warten, steht doch nachRund um Scholten" in dem Breslauer Werner Huth nur in der 500er-Klasse der erste Titelhalter fest. Mit 10 Punkten in sicherer Füh­rung kann Huth von den Nürnbergern Fleisch­mann und Mühlbacher, die es bisher nur auf 4 Punkte brachten, nicht mehr geholt werden.

Die besten Aussichten in der 1000er-Klasse be­sitzt der Düsseldorfer Rvese mit 10 Punkten, den allerdings noch Prelle-Altenhagen mit 7, ferner Rüttchen-Erkelenz, WeyreS-Aachen und Iecker-Aachen mit je 5 Punkten noch erreichen können. Einen recht scharfen Kampf liefert sich die 350er-Klasfe, wo S ch n e i d e r - Dülleldorf mit 8 Punkten sich knapp vor L o o f - Godesberg und Ley-Nürnberg mit je 7 Punkten in Front be­hauptet. Auch in der Klaffe mit 250 ccm dürfte die Entscheidung erst im letzten Rennen zwischen Kahrmann - Fulda mit 10 und Ge - Pforz­heim mit 9 Punkten fallen.

Um die Landbattmeisterschast

de- Sudwestdeutschen Turnverband«- (ADT).

Am Sonntag stndet in Gießen auf dem Sport­platz der Spielvereinigung 1 900 das Endspiel um die Handballmeisterschaft des Südwestdeutschen Turnverban- des (ADT.) statt. Das Spiel wird beftritten von dem Gaumeister des GaueS Wetterau, Turn- und Sportverein Friedberg-Fauerbach, und dem Gaumeister des Tumaaues Lahn- Dünsberg, Turnverein Londorf. Beide Mann­schaften sind als sehr spielstark bekannt und man erwartet einen harten Kamps.

Vorher tragen die Handballmannschaften der Turnvereine Albach und Burkhardsfelden ein Gesellschaftsspiel aus.

Auch wenn die Sonne strahlend am blauen Him­mel steht, flieht das Bild, fließen Wald und See in ein farbenschwaches Grün-Grau zusammen. Wie einer der führenden Landschafter Finnlands, der junge Maler-Graphiker Sennlng, Finn­lands Landschaft in seinen Werken so meisterlich schildert.

Aber am Abend belebt sich das Bild. In den graugrünen Emst des Tages zaubert plötzlich die anbrechende Nacht strahlende Märchen und tau­sendfältiges. leuchtendes Leben. Wir sahen auf einem Granitfelsen, schweigend dieses Schauspiel in uns ausnehmend. Don unten klang das Rau­schen der Bäume und deS Sees.Aurinko nou- sec, sagte die Finnenmaid neben mir und dann deutete sie mit dem Finger zu dem Daum über uns.Lintu Lauo! und es klang wie Musik:Sie Sonne geht auf und ein Vogel singt dazu!"

Wie sorglos läßt es sich unter diesen Menschen leben und reifen! So verschloffen und finster sie zuerst erscheinen so naturhaft-naiv und offenherzig-freundlich geben sie sich, sobald man als Fremder und immer wieder sei es dank­bar betont! als Deutscher an ihre Hütte klopft. Das Land ist groß und leer: auf einem Gebiet wie Preußen und Bayern zusammen woh­nen soviel Menschen wie etwa in Hamburg! And so irrt man sich leicht in den Entfernungen. Der Finnländer reift deshalb nachts: denn die Wa­gen sind für lange nächtliche Fahrten bequem eingerichtet, besonders die Schlafwagen mit ihrer raumverschwenderischen Ausstattung und ihren schiffskabincnartigen Abteilen. Aber auch tags­über ist das Reisen bequem und unterhaltsam. Dor allem deshalb, weil bis auf das mut­willige Ziehen der Notbremse und das Rauchen im Nichtraucherabteil nichts, gar nichts ver­boten ist. Jeder kann tun und lassen was er will und sich auf seine Weise die Zeit vertreiben. Wir taten das oft in der primitivsten Form. Stundenlang habe ich auf den Trittbrettern ge­sessen weil die Sonne so lachte, weil es im Wageninnem so heih war und weil man dort draußen viel mehr und besser sehen kann. And kein Schaffner legt sein zorniges Veto ein er stellt sich dazu, ein finnischer Dauer gleichfalls, und dann versuchen wir drei eineKonversation". Die meistens durch das hilfreiche Eingreifen einer weihen Mütze" schließlich zu einem beiderseits befriedigenden Ergebnis führte.

Wie sorglos ist das Reisen im Vergleich mit den südlicheren Ländern Europas! Eine Nativ- nal-Eigenschakt des Finnländers, die so recht zu den Hellen Nächten paht, ist die mit Recht so be­rühmte Ehrlichkeit.Du wirst deine gol- I bene Ahr verlieren", heißt es in einem finnischen

Sprichwort. .Nach zehn Tagen wirst du sie wie­derfinden und sie wird sorgsam aufgezogen sein!" Wenn auch mit der fortschreitendenZi­vilisation" sich darin manches geändert haben mag, als Ehrakterzug bleibt diese Eigenschaft finnländischen Wesens auch heute noch bestehen. Diese Ehrlichkeit ist altnordische Ueberlieferung ebenso wie die sprichwörtliche Reinlichkeit des Finnländers. DieSauna" die berühmte fin­nische Dadestube mit ihren paradiesischen Bade­sitten! spielt eine ungeheure Rolle im Lande. Ja, man kann geradezu von einer .Badstuben­kultur" sprechen und ein Reisender, der Land und Leute seit Jahren kannte, verflieg sich sogar zu der Feststellung, dieSauna" sei der Grund Dafür, daß es in Finnland feinProletariat" in unserem Sinne, keine Klassengegensätze gäbe, daß der einzelne Finne, und sei er noch so arm, aufrecht und stolz sein Haupt trage und daß mit der körperlichen Reinlichkeit auch die mo­ralisch-charakterliche ausgeblidet worden sei. Zur Sauna" gehört dasPuuko", das dolchartige finnische Messer, das für den Finnen ungefähr so viel bedeutet, wie für den Kavalier des 13. Jahrhunderts der Degen und für den japa­nischen Samurai das Schwert. Die Russen hat­ten nicht ganz ohne Grund! diese gefähr­liche Waffe verboten. Mit dem Tage der An- abhängigkeitserklärung Finnlands wurde sie feierlich wieder zugelass<n, sie ist heute das Er­zeugnis einer wett verbreiteten Heimindustrie, und tch habe kaum einen Finnen und kaum ein Fin­nenmädchen getroffen, denen nicht dasPuuko" links zur Seite hing. Es ist der Ausdruck der Freiheit, des Persönlichkeitsstolzes unb in diesem Sinne gehört dasPuuko" untrennbar zurSauna".

Aber bei all diesen altüberlieferten National­eigenschaften ist dieses Land jung und im besten Sinne modern, aufstrebend. Diesen Eindruck er­hält man besonders in der jungen Hauptstadt Hel- singfvrs Russische Tradillonen - ? Die spürte ich nur in der alten Hansestadt Diipuri (Wiborg) und seinem wundervollennordischen Sans­souci"-Sch loh und ParkM o n r e p o s". And als steinerner Zeuge in der Hauptstadt die präch­tige russische Kirche mit ihren weihen Dächern bie jebes Jahr neu in Gefahr steht, abgerissen! zu werben. Helsingfors selbst, die weihe Stabt im Norden, wächst neu aus dem Boden. Neben einem Stadtkern, den ein Deutscher, der Archi­tekt Engel, in den dreihiger Jahren des vori­gen Jahrhunderts im Schinkelstil errichtet hat, neben dem prächtigen Hauptbahnhof, der sich, wie seine fleinete Ausgabe in Diipuri, fast dem Leip­ziger Hauptbahnhof zur Seite stellen kamt, ent- ftejjt ein neuer Stil, bet überall in bet ganzen

Stabt, aber besonders in dem Arbeiterviertel, be­merkbar ist. Helsingfors steht auf Granit. Der neue Reichstag dürste ein Musterbeispiel dasüt sein. Modem, elegant, dabei zweckmäßig, wohn­lich unb schön. Sein Erbauet, Liren, bet jetzt nach Chikago berufen ist, steht noch in jungen Jahren. Anb baS ist überhaupt bas Kennzeichen dieser neuen Entwicklung: sie wird durchweg ge­führt von jungen Menschern Ein anderer Archi­tekt, der mehrere große Bank- und Warenhäuser des neuen Stils errichtete, ist erst 28 Jahre alt! Für die weihe Stadt im Norden ist ein groh- zügiger Debauungsplan aufgeftellt worden, der ein ganz neues Regierungsviertel um das Reichstagsgebäude herum vorsieht. Was an An­lagen unb Bauten dort steht, wird kurzerhand niedergerissen!

So sind es auch gerade die Gegensätze, die das Finnland von heute für den Reisenden so an­ziehend gestalten. Wo dieZivilisation" ihren Einzug gehalten hat, d«a hat sie typisch finnlän- dtsche Merkmale angenommen. Finn ländisches Wesen hat auch in den Städten seine Eigenart behalten, wie bie Hellen Nächte ihren Glanz über ber weihen Stadt im Norden. Mit einer Art von Heimweh sieht der Deutsche auf ihre Kup­peln und Türme, ihre villengZchmückten Schären zurück von dem Dampfer aus, der ihn aus ber sonnenhellen Nacht Finnlands in ben dunk­len bcu'Jdieu Gorgentag zurückführt...

Zeitschriften.

D:e Illustrirte Zeitung (Verlag I. 3. Weber, Leipzig) schenkt wiederum dem Sport größte Beachtung. So betrachtet Dr. Franz Kellermann in einem interessanten BeitragWie gelangt der Sportler zu Höchstleistungen?" ben Sportrekord vom medizinischen Standpunkt unb weist nach, daß Muskelkraft es allein nicht tut, sondern das Nervensystem, das die Leistungs­fähigkeit des Muskels erhöht. Das beste Bei­spiel ist der Sieg Schmelings m den Boxkämpfen in Amerika. Momentbilder aus diesen Boxwett­kämpfen bilden, zusammen mit anderen Sport­bildern, ein interellantes Sporttableau. Der kürzlich geglückte Weltrundflug von Poft unb Gatty gab Anstoß zu einer Aufstellung der schnellsten Amrundungen ber Welt von ber Ma- galhaes-Expeditton (1519/22) bis zum heutigen Tage. Ein mit lebendigen Zeichnungen aus- geftatteter Beitrag zeigt die neue Linie in bee Sportkleidung der Herren. Außerdem enthält die Nummer noch zahlreiche anregende Artikel aus den verschiedensten Gebieten.