Maßnahmen gegen Steuersäumige
j dem Beginn der Pilzzeit liest man tungen, die oft zu schweren, schmerz-
MSN. Na, von Pilzverg
baff die Bevölkerung nicht kahlen kann. 5Heftr Einwand ist indessen vfesiach unbegründet. Lin allgemeine- Moratorium b.stcht ni4>L Soweit Banken und Sparkassen gewissen €>4>ut\r*nr<Fristen unterliegen, berühren biefe Schutzvorschrttten die Zahlungen von Steuern nicht. Denn jedermann der «in Guthaben der ein« Dank oder einer Sparkasse hat, faim durch Ueberweisung oder Scheck zahlen, sofern es sich um Steuern bandelt. 06 bleiben nur die Fälle übrig, daß ein Steuerschuld ner schon bi-her Steuern au- Krek : bat oder daß sein Guthaben erschöpft ist, weil Oin» S nicht mehr hmzugekommen sind. An solchen
t wird je nach Lage der Verhältnisse durch »ung geholfen werden können.
0- must darauf bestanden werden, dast da- Aeußerste aus geboten wird, die Steuern auszubringen. Da da- Reich, die Lander und die Gemeinden die eingehenden Gelder sofort weite» zahlen, insbesondere in Form von Gehältern und Löhnen, kebrt da-felb? Geld, da» beim Reich ein- kommt, alsbald wieder in den Verkehr zurück, und hilft fo den Zahlung-mif.elumlauf beschlermigeir. Auf da» Letztere aber kommt e» entscheidend an. Da» grvste Unglück ist. dast von der Bevölkerung da und dort da» eingehend? Geld in den Taschen behalten wird, statt e» weiter zu geben. Selbstverständlich hat jeder da» Recht, auch seinerseits von jedem anderen Zahlung zu verlangen. 3e eher die Bevölkerung diesen San beherzigt und ihn rücksichtslos anwendet, desto schneller werden wir wieder in Ordnung kommen.
Aus der prvvinziashouptstadt.
G i e h e n , den 30. Juli 1931.
Professor Or. Borgmann f.
In den ersten Morgenstunden de» gestrigen Tage» entschlief der ordentliche Professor der Forstwissenschaft an unserer Landes-Universität Dr. phil. et oec. publ. Wilhelm Borgmann nach monatelangem, schwerem Leiden im 63. 2c- ben-jahre.
Borgmann war der Sohn eine» preustifchen Forstmeister», studierte nach erlangtem Maturum am Humanistischen Gymnasium Wie-baden an der Forstlichen Hochschule SberSwalde und an den Universitäten Berlin, Freibury und München Forstwissenschaft und Staat-Wissenschaften, genügte dann seiner Militärdtenstpslvchi bei den Marburger Jägern. promovierte im Iahre 1897 in München und bekleidete nach glänzend bestandenem Affcfsoreramen zunächst eine Assistenfen- stelle an der Forstlichen Hochschule SberSwalde, wo er sich 1904 habilitierte. Im Iahre 1909 übernahm er al» Amtsvorstand die Verwaltung der Preußischen Obersörsterei Sastellaun im Regierungsbezirk Koblenz, folgte 1911 einem Rus al» ordentlicher Professor an die Forstliche Hochschule Tharandt und 1917 al» Rach folger Prof. WimmenauerS nach Gießen.
Lieber 12 Iahre ist Borgmann Inhaber des Ordinariat» für Forstliche Betriebslehre am Fvrstinstitut der Universität, eine Zeit, die au»- gefüllt ist von einer äußerst fruchtbaren Lehr- und Forschertätigkeit. Rachdem schon im Iahre 1905 von ihm ein Buch über „Grundlage der Geschichte und Wirtschaft der Oberförsterei ®ber»- walde" und dann mehrere größere Arbeiten, besonder» im Tharandter forstlichen Jahrbuch erschienen waren, bearbeitete er 1913 in der dritten Auslage de» großen, vierbändigen Handbuch- der Forstwissenschaft von Lorcy-Wagner den Abschnitt .Waidwerk und Fischerei und gab im Iahre 1920 die 4., gänzlich umgearbeitete Auflage von Ursf-Forftkultur unter dem Titel .Die Begründung und Erziehung von Hochwaldbeständen" heran», worauf Im Iahre 1927/28 in Verbindung mit den Gießener Professoren Dr. D i n g - l c r und Dr. Funk die Reuherausgabe de» zweibändigen Standardwerkes de» „ Forstschuhe-" von Heß-Beck folgte. Besonders dieses gründliche, inhaltlich erschöpfende und in jeder Hinsicht mustergültige Werk fand allgemeine Anerkennung im Inlande und AuSlande. Daneben nahm Borgmann zu allen forstlichen Zeitfragen feiner Disziplin in zahlreichen Aufsätzen der Zeit- schriftcnliteratur Stellung. Borgmann war der zur Zeit konsequenteste und rückhaltloseste Vertreter der sog. Dodenreinertragstheorie in der forstlichen Statik, eine wissenschaftliche Richtung, die im Gegensatz zur Forderung der Produktivität schlechthin auch in der Forstwirtschaft trotz ihrer einzigartig langen ProduktionSzeitrÜume von durchschnittlich 100 Iahren und mehr, und unbeschadet der zahlreichen dadurch entstehenden technischen Schwierigkeiten in der Rentabilität da» allein maßgebliche Wirtschaft-Prinzip sieht und dementsprechend mit Zinsen und ZinseSzinsen rechnet. In seiner temperamentvollen, aber stets duchau» sachlichen und vornehmen Art hat Borgmann hier ein Leben lang um sein wissenschaftliche» Bekenntnis gekämpft, da» er immer wieder von einem neuen Gesichtspunkt zu beleuchten und zu verteidigen verstand. Sr hatte e- sich zur Aufgabe gestellt, die nächsten Iahre seine Gedankengange in einem umfassenden Werke der Fvrststatik niederzulegen, und e» muß al- besondere Tragik bezeichnet werden, daß es ihm nicht mehr vergönnt war, sein LebenSwerk zu vollenden.
Sein Ruf al» Autorität auf dem Gebiete der forsttichen Srtragspunkte und Statik veranlaßte, daß Borgmann als hochgeschätzter Gutachter in schwierigen Streitfragen nicht nur in allen Gegenden Deutschland» beigezogen wurde, sondern auch über Deutschlands Grenzen hinau» sein Urteil maßgebende Bedeutung gewann: so bereiste er im Auftrage einer holländischen Holzhandel»- gesellschast noch im Iahre 1930 Teile Spaniens und entwarf einen großzügigen Wirt- schaft-plan über die Wiederbewaldung der dortigen umfangreichen Oedlandslachen.
In feiten glücklicher Synthese vereinigte sich aber in der Person Borgmanns mit der rein wissenschaftlichen Betätigung auch ein glänzende» Lehrtalent. Vorlesungen und Hebungen waren ihm geradezu Lebensbedürfnis. Hier konnte er seine glänzende, überzeugende Rednergabe, mit ter er mit suggestiver Gewalt di« Studenten in feinen Dann zu ziehen wußte, entfalten, die Deister anregen und zu eigenem Schaffen bin- feiten. Richt zuletzt Borgmanns Anziehungskraft tst e» zu verdanken, daß feit dem Kriege die oahl der Forststudenten in Gießen ständig im
•• Die Spartätigkeit in Hessen. Rach dem letzten Ausweis de» Lande-statistischen Amts sind im 3uni 1931 bei den össenflichen Sparkassen im Gebiet de» VolkiSstaates Hessen einbezahlt worden 7 913 000 Mark, auSbezahlt dagegen 13 192 000 Mark, so daß sich erstmalig ein MtnuS« betrag von 5 279 000 Mark herausstellt. Von IahreSbeginn bis Ende Juni ist demgegenüber ein Einlagezuwachs von 9 611 000 Mark fest- gestellt worden.
•• Vorauszahlung auf die Qluf b r i n » gungSumlage 1931. Am 15. August 1931 wird die erste Rate der AufbringungSmnlage für das Rechnungsjahr 1931 fällig. Da bis dahin die GinheitSwerte nach dem Stande vom 1. Ia- mtar 1931 noch nicht festgestellt sind, ist bis zum 15. August 1931 eine Vorauszahlung in Höhe des Betrages zu entrichten, den der Aufbringungs- Pflichtige am 15. Februar 1931 als zweiten Teilbetrag der AufbringungSmnlage für das Rechnungsjahr 1930 zu leisten hatte. Den Aufbrin- gungSpslichtigen wird ein entsprechender Bescheiß in den ersten Tagen deS August zuaehen Eine diesbezügliche Verordnung wird in den nächsten Tagen im ReichSgeseyblatt verkündet werden.
** „Kinder vor Gerich t". Der Film, der $ur Zeit im Lichtspielhaus Bahnhofstraße über Die Leinwand geht, behandelt ein kritische» Thema. Zur Diskussion steht der Wert der kindlichen Zeugenaussage vor Gericht. 3n erschütternder Form ist hier demonstrativ eine Tragödie auf» gerollt, die sich zwischen einem Vater und seiner Tochter abspielt, eine Tragödie, der schließlich der Vater erliegt. Der Zuschauer wird heranyesührt an da» psychologische Dunkel einer unentwickelten kindlichen Seele, ec erlebt den Schmerz de» zu Unrecht verurteilten Vaters mit und sieht die grausame Skrupellosigkeit eine» Verbrechers, der sich nicht scheut, einen anderen für seine Untat büßen zu lassen. In sorgfältiger realistischer Kleinmalerei wird in diesem Film daS trübe Milieu einer Berliner Dorstadt gezeichnet und gibt der Handlung den erschütternden Rahmen. Da» gesprochene Wort steigert an vielen Stellen die Handlung zu nachhaltiger Wirkung Da» Werk erhält durch eine geschickte Regieführung, durch die gute Photographie und nicht zuletzt durch die Darstellung eine ernsthafte künstlerische Rote. Hermann Speelmann macht als äußerlich tauber aber doch empfindsamer Vater eine eindrucksvolle Figur. Earla B a r t h e e l als Frau und Stiefmutter überzeugt im Rahmen ihrer Rolle. Ellen Schwanecke als Kind und Stteftochler vermag gut da» Kindliche zu betonen und erweist sich außerdem im sprachlichen wie im mimischen Ausdruck als hervorragend. Außerdem Aribert Mog als Schlafbursche unb eigentlicher Urheber der Tragödie. Paul Otto al» Untersuchungsrichter. Karl DalhauS, Emst P r ö ck l ufw.
haften Magenerkrankungen führen oder gar den Tod im Gefolge haben. Beim Pilzsuchen, beim Zubereiten der Pilze und beim Essen muß man also vorsichtig fein. In unseren Waldern wachsen glücklicherweise nur wenige eigentliche Giftpilze. An erster Stelle dieser Giftpilze ist wohl der Fliegenpilz bekannt. Bei diesem und überhaupt allgemein kann man von Gift» pilien sagen, daß sie als sicheres Kennzeichen beim Rohkosten einen bitteren Geschmack haben. Ein besonderes Zeichen des Satanspilzes ist, daß er beim Schneiden blnugrün anläuft und gallig schmeckt Der Knollenblätterschwamm hat, unterschiedlich vom ähnlich aussehenden, eßbaren und wohlschmeckenden Ehampibnon, weiße Lamellen unb einen am Ende keilförmig verdickten Stiel. Der Birkenreizker ändert beim Abschneiden seine Farbe nicht, ist aber ebenfalls giftig. Giftig ober wenigstens von wiberlichem (Be- schrnack finb ferner bie meisten Täublinge (Blätter- pllze mit blaßroten, grünen unb blaugrünen Suppen). Gefährlich ist der sog. Iudenpilz, der in hochstämmigen Gebirgswäldern wächst und äußerlich dem Steinpilz zum L^rwechfeln ahnlkch sieht. Mit großer Vorsicht find Morcheln au genießen, die Helvetia- säure enthalten. Sie müssen immer gebrüht werden. Das Kochwasser muß stets weggegosien werden. Schlimmer noch als Vergiftungen sind oft Schaden, die durch verdorbene Pil,e heroorgerufen werden. Bei alten ober gebrückten Pilzen gehen Eiweißkörper leicht in Verwesung über unb erzeugen äußerst heftige Schmerzen. Als Hauptregel beim Pilzsuchen sollte gelten, baß nur gefunbe Pilze gepflückt werben fallen Pilze, bie nicht angefault unb nicht mabig finb. Die Pilze sollten schon beim Pflücken gründlich gesäubert werden. Schlechte unb schwammige Teile sind gleich abzuschneiben. Bei größeren Pilzen wirst man ben Stiel am besten gleich weg: bei größeren Blätterpilzen sollte bie Haut bcs Pilzhutes abgezogen werben. Aeltere Steinpilze, Maronenpilze usw., beren Fleisch nicht mehr ganz fest ist, schneibe man am besten in dünne Scheiden unb trockne biefe über bem Herb Junge Steinpilze in kleine Würfel geschnitten, halten sich, in Salz eingelegt, den ganzen Winter hindurch frisch. Reizker und Champignons werden in Essig konserviert.
Taten für Donnerstag, 30 Juli.
1838: der Politiker Eugen Richter in Düsseldorf geboren; — 1898: Fürst Otto von Bismarck in Friebrichsruh gestorben: — 1914: Mobilmachung in Rußland; —1918: der Generolfeldmarschall Hermann von Eichhorn in Kiew ermordet.
Kaufmann sieß sich nun nach gmfreffeit 6er Wfener in Breslau zunächst 750 Dollar au-hän- bigen. wobei er angab, er wolle fit bem Käufer überbringen. Sr ging jedoch zur Polizei, Decrie: dort den Plan, ver'chwiea aber, baß er selbst 750 Dollar bereit» In Empfang genommen jatt«. De Polizei verhaftete sämtliche Beteiligten.
Der Bürgermeister von Jlrugorf kommt nach Vob-Kauheim.
Der Reunorker Bürgermeister Walker wirb zu Anfang August nach Europa abreisen, um cinen Kuraufenthalt von mehre re nWrn- chen in Bad-Nauheim zu nehmen. Außerdem beabsichtigt Walker, Berlin einen kurzen Besuch abzustatten, um bie stäbtischen Einrichtungen zu be- ■ -
Rlefenbranb in Reibenburg.
In Neibenburg (Ostpreußen) brannte das große Kaufhaus von Bukofzer ooUftänblg nieder. Das Feuer kam im Dachgeschoß des dreistöckigen Hauses zum Ausbruch unb griff mit rasender Geschwindigkeit auf die anderen Stockwerke über. Zwei große Speicher in einer Frontlänge von 75 Meter mit Waren brannten ebenfalls vollständig aus Die Warenvorräte in Höhe von 180 000 Mark find oöl- lig vernichtet worden. Auch die Nachbar- gebäub« fingen wiederholt Feuer. Beim Ablöschen entstand erheblicher Schaden.
Die Hitzewelle in Amerika.
In den Staaten des Westens und Mittelwestens herrscht immer noch eine Hitze mit Temperaturen bis zu 5 0 Grad Celsius Die Zahl der Todesfälle infolge der Hitze beträgt 18. In den Staaten Nord-Dakota, Nebraska, Iowa unb Michigan sind die H e u f f e ck e n zu einer wahren Landplage geworden, während aus den Staaten Montana unb Idaho durch die große Hitze Wald- bränbe verursacht werben.
(tiiefcater Wochcnmarktprcisc.
Es kosteten auf dem' heutigen Wvchenmarkt: Butter Pfund 1,40 bi» 1.50; Matte 30 bi» 35; Wirsing 10 bi« 12; Weißkraut 10 bi« 12; Rot- kraut 12 bi» 15; gelbe Rüben 15 bi» 20; rote Rüben 15 b.» 20; Spinat 20 bi» 25; Römischkohl 8 bi» 10; Bohnen 10 bi» 15; Dicke Bohnen 10 bi« 15; Erbsen 10 bi» 15; Tomaten 20 bi« 40; Zwiebeln 10 bi« 15; Pilze 20 bi« 25; Kartossein 51 s bi« 6; Zrühämpfel 25 bi» 30: Zalläpfel 6 bi» 8; Aepfel (au«l.) 50 bi» 60; Dirnen 15 bi» 35; Dörroost 30 bi» 35; Heidelbeeren 20 bi» 25; Stachelbeeren 20 bi» 25; Johannisbeeren 20 bi« 25; Pflaumen 30 bi» 45; Zwetschen 30 bis 35; Mirabellen 40 bi» 45; Pfirsiche 40 bi» 60; Himbeeren 35 bi» 40; Honig 40 bi» 50; junge Hahne 90 bi» 1,10; Suppenhühner 90 bi« 1,00; Käse (10 Stück) 60 bi» 1,40; Tauben Stück 50 bi» 70; Eier 9; Blumenkohl 30 bi» 70; Salat 5 bi« 10; Salatgurfen 15 bi» 25; Ginmachgurken 2 bi» 5; Sndivten 10 bi» 20; Ober-Kohlrabi 8 bi« 10; Lauch 5 bi« 10; Rettich 10 bi» 15; Sellerie 10 bi» 15; Radieschen Bund 10 bi» 15; Kartoffeln Zentner 4,50 bi» 5,00 Mk.
Bornotizen.
- Tageskalender f ür Donner»tag : Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Kinder vor Gericht".
— Au» dem Stadtthea ter-Dureau wird un» geschrieben: Am Dienstag, 4 August, 20 Nhr, veranstaltet die Intendanz de» Stadtthea- ter» Gießen die 8. Vorstellung der diesjährigen Sommerfpielzeit. Die Äuban-Äofalen find bei un» zu einem einmaligen Konzertabend zu Gast. Bereit» vor zwei Iahren anläßlich ihre« Sonder- konzcrte» beim großen Derbandsfchützenfest waren die Kuban-Kosaken gern gesehene Gäste. In einem über zwei Stunden währenden Konzert bieten die Russen Volk»- und Soldatenlieder, geistliche und weltliche Gesänge, außerdem Stücke für Dalalaika-Orchestcr Für jeden Freund russischer Rattonalmusik dürfte dieser Konzert-Abend ein Ereignis sein. Gs geifert gewöhnliche Sommer- Preise I
Dom Präsidenten de» Landesfinanzamt- Darmstadt wird auf folgende- hingewiefen:
Steuerpflichtige, die mit Ihren Steuern im Rückstand lind und sie auch bi» zum 31. Iuli nicht bezahlt haben, unterliegen hohen Derzug-zuSchlägen, die für jeden halben Monat 5 v. H betragen. Die Berzugszu'chläge sind verwirkt, ohne daß e» einer Mahnung bedarf. Diele scharfen Vorschriften sind hervorgerufen durch die Tatsache, daß in den letzten Tagen die Steuerpslicht nur sehr mangelhaft erfüllt worden ist und daß infolgedessen tn der Reich-ka'fe erhebliche Au-fälle entstanden sind. Irn Interesse de» Bestände» de« Reichs und auch im Interesse einer ordnun^mähiaen Etat-Wirtschaft in den Ländern und Gemeinden kann dieser Zustand nicht geduldet werden. Daher mußte auf bte nicht rechtzeitige Erfüllung der Steuerpflicht ein sehr wirksamer Druck gesetzt werden.
Die Finanzämter find angewiesen worden, die Steuern nachdrücklichst beizutreiben. Selbstverständlich wird da. wo die foforttge Einziehung eine außerordentliche Härte darstellt, auch in Zukunft gestundet werden, wobei übrigen» derStun- dungszin« nach Lage be« EinzelfaUe» über 5 v H jährlich hinaus bi» auf 12 v. H jährlich festgesetzt werden kann. Die Finanzämter find aber angesichts de« Ernstes der Lage angewiesen wocden hierbei einen strengen Maßstab anzulegen, zumal e» sich gezeigt hat. daß zahlreiche Steuerpflichtige, ohne daß sie in ihrer wirtschaftlichen Lage belastet waren, durch Stellung von Anträgen eine Hinau-zögerung der Steuerzahlung au erreichen suchen. Gs wird vielleicht eingewendet werden.
Wachsen begriffen ist und ihre Zahl wiederholt die Hundert Überschritten hat.
Große, nicht zu übersehende Verdienste erwarb sich Borgmann um den Ausbau de» Forstinsti- tut» und des forstlichen Unterrichts an der Landes-^lniversität. Seiner Inittattve und feinem rastlosen Streben ist es zu verdanken, dast allen Gewalten zum Trotz das Gießener Forstinstitttt nicht nur erhalten blieb, sondern auch ein eigene» Heim mit modern auisgebautcn Laboratorien und Hörsälen im Gebäude de» ehemaligen Gamifon- lazarettS in der Dtkbugasse besitzt. Es ist tief bedauerlich, daß Borgmann nicht mehr die Feier der hundertjährigen Zugehörigkeit de» Hesiischen Forstinstitut» zur ilnioerfität (Dießen ist daS erste und älteste Forstinstitttt der Welt, da» mit einer Universität vereinigt ist), die im Rovember diese» Iahre» begangen werden soll, erleben durfte.
Borgmann bekleidete sechs Iahre da« Amt eineS Stadtverordneten in Gießen. Geschätzt von den Parteiangehörigen aller Richtttngen, hat Borgmann auch hier äußerst segensreich gewirkt; unter anderem führte er während dieser Zeit im Stadtparlament das Referat über den schönen und uinsangreichen Waldbesitz der Stadt Gießen. Durch seine überzeugende Befürwortung war e» möglich, daß Gießen al» eine der «rften wald- besitzenden Städte in weiser Voraussicht auf Vorschlag de« Vorstandes deS Forstamtes Gießen, deS Oberforstmeisters Dr. S ch ü z, in den Iahren der Hochkonjunktur nach dem Kriege au» den reichen Betrieb»überfchüssen deS Stadtwaldes einen Forstbetriebsstock als Reservefonds begründete, der es ermöglicht, daß die Stadt Diesten auch in der jetzigen Zeit der wirtschaftlichen De- pression mit den Einnahmen au« dem Stadt- wald tn fast unverkürzter Höhe rechnen kann. Darüber hinaus hat sich Professor Dr. Wilhelm Borgmann als Mitglied der Theaterdeputatton Verdienste um das hiesige Stadttheater erworben.
Borgmann war eine markante Erscheinung an der Universität, eine Kampfnatur und ein Tatmensch voll Lebenskraft und Energie, unermüdlich in der Arbeit, zäh und rücÄichtSloS gegen sich selbst. Roch vor wenigen Monaten ahnte kaum jemand, daß der Tod schon gierig seine Hände nach diesem lebensbejahenden Mamr an-gestreckt hatte. Für die Universität. daS Forstinstitut und die deutsche Forstwissenschaft ebenso wie für seine Gattin und seine drei Söhne bedeutet sein viel zu früher Heimgang einen außerordentlich febtoeren, unersetzlichen Verlust. -w.
Pilze und Pilzvergiftungen.
Prof. Or. Popp 70 Jahre off.
WSR Frankfurt a. M, 28. Iuli. An, 31. Juli begebt Professor Dr Popp seinen 70. Geburtstag Hinter dem Iübilar liegt ein an Ar» beit reiches Leben und die Schätze, die sein Laboratorium in der Riedenau besitzt, zeugen von dem Fleiß und der Intensität mit der sich der Jubilar den wissenschaftlichen Forschungen und Ermittlungen hin,gegeben bat. G« unterliegt keinem Zweifel, daß Pro» Tr P o p p zu den Koryphäen bet Kriminalwisienfchaft zählt, hat »hm doch die Frankfurter Universität schon vor Iahren einen Lehrauftrag für gerich.i.che Chemie und naturwissenschaftliche Kriminattst.k erteilt. Zu den aoosten Strafprozesien der letzten Iahrzehnte fpurve der Iubilar stet« al» Gutachter herangezogen well fein reiche» Wissen im Interesse der Aufklärung der Tat unentbehrlich war.
Or. Karl Siebert f.
] l Marburg, 29 Iuli. 3m Alter tx>n 69 Iahren starv heute vormittag nach längerem schwerem Leiden ein bekannter Mitarbeiter Geh.- Rat v Behring». Dr. Karl Siebert. Der Verstorbene, ein Sohn de» Vizebürgermeister» und Ehrenbürgers der Stadt Marburg. Friedrich Siebert igelt. 1918>. hatte an der hiesigen Universität sein etaat»cramen al» Pharmazeute ah- felegt unb dann promoviert, al» er 1894 die bie- ige Schwanapotheke von seinem Vater übernahm. Aber schon 1901 nxinbte er sich gänzlich dem Gebiete der Bakteriologie zu und wurde ein Hcnrpt- mitarbeiter des Erfinders de« Heilserum», Geh.- Rat Emil v. Behring ». Als Leiter tvr 'Behring- werke verhalf er diesen zu höchster Blüte und war noch bi» zuletzt im Aufsichtsrat der 'Werke vertreten. Dr. Siebert wurde besonder» bekannt durch seine wisfenschaftlichen Kreb»- und SyphiliSfor- schungen sowie seine gemeinsam mit Apotheker Scho11meyer durch geführten älnfersuchungen über physiologische Einstellung von Digitall». Dr. S i e b e r t ist aber nicht nur auf wissenschaftlichem Gebiete hervorgetreten, er entfaltete auch eine fegenöreiche Tättakelt bei vielen gemeinnützigen Einrichtungen unserer Stadt.
Rundfunkprogramm.
Freitag, 31. Juli.
7.30 Uhr: Bad Reuonahr Frühkonzert be» Z^urorchester». 12.00: Schallplattenkonzert. 1630: Wiesbaden: Konzert des Kurorchefter». 1845: Aerztevortrag: „Die Wildbäder Im Lichte von Raturwisfenfchast und Medizin". 19.15: Mu- seumSsaal Pforzheim: Mandolinenkonzert. 19.45: LlnterhaltungSkonzert de» Rundfunkorchester». 20.15: ..Um« golonc Kalb", ein Tofentairz von beute. 2115: Sommernachtslieber. 2145: Reue Musik der Rationen (6. Abend). 23.20 bi» 24.00: Tanzmusik. 0.30 bi« 130: Rachtkonzert.
Samstag, 1. August.
7 30 Uhr: Bad Reuenahr Frühkvnzert be» Kurorchefter». 12.00; Schallplattenkonzert: Wagner-Konzert. 1520: Stunde der Iugend. 16.30: RachmittagSkonzert de» Rundfunkorchester». 18.10: „Tägliche Begegnungen" — Soziale Zwiegespräche unter Leitung von Dr. Hendric de Man und Dr. Paul Laven. 18 45: ..Französischer Witz und deutscher Humor", vorgetragen von Horaee Rlel- lon- 1915: Spanischer Sprachunterricht 19.45: Mannheim: Volkslieder. 20.15: 40 Grad im Schatten, lustige Hörbilder von Earl Struve unb Willy Reichert. 21.45: Aeltere Tänze. 22.40 bl» 24.00: Tanzmusik.
Kirchliche Nachrichten.
Israelitische Keligiansgesellschast. Sabbatseier den 1. August 1931. Freitag abend 7.80 Uhr; Samstag vormittag H, nachmittags 4; Sabbatausgang 9.05. — Wochengottesdienst: morgens 6.30; abends 7 Uhr.
Vie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Die neue Nordmeerstörung dehnt ihre Südselfe weiter nach dem Festland aus. Infolgedessen gelangen wir wieder in den Bereich ozeanischer Warmluft in deren Begleitung außer Bewölkung auch Niederschläge auftreten. Die Beeinflussung ist jedoch nur vorübergehend, und bis zum Wochenende dürste der Witterungscharakter wieder etwas freundlicher wer- den, wenn auch durch die ozeanische Luft die Bewölkung etwas wechselhaft bleibt und vereinzelt kurze Schauer auftreten.
Vorhersage für Freitag: Meist wolkig, warmer, zeitweise Niederschlage.
Vorhersage für Samstag: Teils wolkig, teils aufheiternd, etwas kühler mit strichweisen leichten Schauern.
Lusttemperaturen am 29. Juli, mittags 18,3 Grad Celsius, abends 15,3 Grad; am 30. Juli: morgens 15,4 Grad. Maximum 18,9, Minimum 10,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 29. Juli: abends 19,2 Grad; am 30. Juli: morgens 16,8 Grad Celsius.
Dcrantwortlich^ür Lokales: 1.93. H L. Neuner.


