Nr. 25 Drittes Blatt
Siegener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Sreitag, 30. Januar 193t
OJL-tfport
Or. Möckelmann über Skilauftechnil.
Das Amt für Leibesübungen an der Universität veranstaltete zusammen mit dem Skiklub Gießen am Donnerstagabend einen Vortragsabend im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts. Biele Freunde des Schneefchuhsports hatten sich eingefunden. Dr. Möckelmann, der Leiter des Amtes für Leibesübungen an der Universität hielt einen kurzen und bündigen Vortrag, in dem er zunächst die notwendigsten Voraussetzungen des Skilaufs erwähnte und dabei der Kleiderfrage Erwähnung tat. Weiter fetzte er sich kurz mit den verschiedenen Techniken des Skilaufs auseinander, erinnerte an die primitive Lilienfeldschule und stellte dann die grundsätzlichen Unterschiede zwischen der Arlbergtechnik, die durch Hannes Schneider begründet und gelehrt wurde und der neuen Einheitstechnik heraus, so wie sie der deutsche Skioerband einzuführen bestrebt ist. In kurzen und sachlichen Ausführungen und an Hand von klaren Lichtbildern erklärte der Redner di« Technik des Stemmbogens und des Stemmchristia- nias, sprach über den Wert und den Unwert des Telemarks, machte schließlich noch kurz auf die (9c- fahren des alpinen Schneeschuhlaufs aufmerksam und gab dementsprechende Winke. Den Schluß des Vortrages, der nicht nur den Anfängern sehr viel, sondern auch den Fortgeschrittenen einiges zu vermitteln vermochte, bildete eine Reihe von Lichtbildern, die den Hoherodskopf in der ganzen Pracht seiner winterlichen Schönheit vor Augen führte. Die Bilder wurden mit um so größerer Aufmerksamkeit betrachtet, als doch viele der Zuhörer die Landschaft in allen Einzelheiten kannten und sich an Hand der Bilder sicherlich manches schöne Erlebnis in das Gedächtnis zurückriefen. Der Vortragende fand ein dankbares Publikum.
Sin Lehrgang für Frauenturnen (OT.)
Ein Lehrgang für Frauenturnen, der sich über drei Sonntage erstreckt, wird gegenwärtig vom Gau Hessen zu Gießen durchgeführt. Linker der Leitung des Gaufachwartes Rudolf Paul (Gießen) sind über 70 Leiter und Dorturnerinnen bei der Arbeit, um die erfreulich ansteigende Zahl der Frauen-Abkeilungen bei den Gauvereinen auch über die planmäßigen Ausbildungsgelegenheiten hinaus turnerisch und methodisch zu fördern. Die Llebungsstunden wurden durch eine kleine Morgenfeier eingeleitet, die durch gemeinsame Lieder, Leitsprüche großer Turnerführer und eine kurze Ansprache des Gauwartes die innere Verbundenheit an dem gemeinsamen Werk zu einem eindrucksvollen Erlebnis werden lieh. Der Lehrplan führt in die Hauptlinien der immer noch lebendigen Entwicklung des vielgestaltigen Fachgebietes ein und versucht, auch den inneren Zusammenhang verschiedener Llebungsformen aufzuzeigen, z. D. wenn Willi S i n n w e l l (Dab-Rau- heim) die Aufgabe vertritt, Abwandlungen „Von der Dewegungsschule zur Tanzform" aufzubauen, oder Rudolf Paul (Gießen) und Frl. P l a a t (Marburg) Medizinballgymnastik ankündigen. Von gaueigencn Lehrkräften wirken weiter mit Frl. Luise Schwarz (Friedberg) in Volkstanz, gymnastischen Sprüngen und Geräteturnen, die Abteilungsleiter 2 o st (Friedberg) in der Dewegungsschule, und Schneider (Wetzlar) bei Gerätd- und Keulenübungen. Wertvolle Anregungen gab Frl. Friedel Kasten (Frankfurt am Main), Mitglied des Frauenturnausschusses bei der D. T., am ersten Rachmittag auf dem Gebiet rhythmischer Vewegungsformen. Der Lehrgang schlicht am 15. Februar.
Zugendwanderung nach Großen-Buseck
Am nächsten Sonntag ist der FC. Großen- Duseck der Gastgeber der Zugcndmannschaftcn der nächsten Tlmgebung. Vorgesehen ist eine ein- ftündige Wanderung nach dem sog. „Hohen Verg", von dem aus sich ein schAster Rundblick bietet. Der gemeinsame Spaziergang dürfte den Jugendlichen sicherlich viel Freude bereiten. Rach einer Ruhepause im Gasthaus „Zum Busecker Tal" (dem Vereinslokal des Gastgebers) werden sich dann die Mannschaften auf dem Sportplatz an der Gießener Straße zu Wettspielen gegenüberstehen. Es wäre wünschenswert, wenn diese 3u- gendtage, die die Jugendlichen von der Straße fernhatten und in die Ratur hinausführen, recht zahlreiche Beteiligung finden würden.
Handball im Lahn Oünsberg-Gau
Ter kommende Sonntag bringt folgende Begegnungen: Im I. D e z i r k treffen sich die Mannschaften von Launsbach — Erda, Wißmar — Dorlar und Rodheim — Waldgirmes. Launsbach und Dorlar sollten jeweils das Spiel für sich entscheiden können. Der Ausgang des Spieles in Rodheim ist kaum vorauszusagen. 3m II. De - zirk treffen zwei harte Rivalen aufeinander, und zwar sind die Allendvrfer in Londorf zu Gast. Die Londorfer sollten auf eigenem Platz
Bei gutem Besuch wurde am Mittwoch das Inter- nationale Berliner Reitturnier eröffnet. Der Tag brachte mit dem Preis vom Tiergarten eine Eignungsprüfung für inländische Pferde, bei der Frau von Becker, Major Brückner und A. Staeck am erfolgreichsten abschnitten. Im stark besetzten Preisvom Kaiserda m, einer Dressurprüfung für wenig heroorgetretene Pferde, belegte 21. Staeck
Sieger bleiben. Ein hartnäckiger Kampf steht tn diesem Bezirk in dem Tressen Staufenberg — Ruttershausen bevor, das allerdings den Platz- besiher siegreich sehen sollte. Im Ul. Bezirk sollten sich in den Begegnungen Garbenteich — Steinbach, Albach — Hausen und Burkhardsfelden — Beuern, jeweils die Platzbesitzer die Punkte sichern können. Die Jugend hat in den Kämpfen Londorf — Allendors und Lollar — Staufenberg zwei wichtige Spiele auf dem Programm.
To. Ruttershausen I — Io. Londorf I 1:4 (0:2).
Der Gast trat zu diesem Spiel mit nur 10 Mann an und hatte schwer zu kämpfen um die beiden Punkte sicherzustellen.
Io. Albach I — Io. Beuern I 4:3 (3:1).
Sofort nach Beginn entwickelte sich ein flottes Spiel, das Albach vorerst überlegen zeigte und bald zum ersten Erfolg kommen liefe. Der Ausgleich ward durch den Gast bereits wenige Minuten Später hergestellt. Bis zur Pause erzielte der Platz- besitzer noch zwei Tore, erhöhte nach der Pause aber auf vier, denen der Gast nur noch zwei Treffer entgegensetzen konnte.
Leichtathletik.
Am Samstag und Sonntag findet in Lollar im Dereinslokal des Turnvereins Lollar.ein Kursus für sämtliche Leichtathleten statt. Unter Leitung von Verbandssportwart Rentner, Mörfelden, werden die Turner in der allgemeinen, in der Spezial- und in der Ausgleichsgymnastik unterrichtet.
mit Notatus aus dem Stalle Westen den ersten Platz. Die Goldene Schleife erhielten beim Inländer- preis, einer Materialprüfung, Rokher auf Frau Schuhmachers Maienmorgen und Wätjen auf Frau Windesheims Treffbube in zwei Abteilungen. Den ersten Tag beschlossen interessante Schaunummern, bei denen besonders eine schwierige Traber- q u a b r i 11 e lebhaften Beifall auslöste.
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EröffniM des Meriml'onaien Reitturniers.
Einzug der deutschen Teilnehmer in die Reithalle.
Handball im Gau Hessen (O.T.)
To. Heuchelheim I — To. Münchholzhausen I.
Kommenden Sonntag hat Heuchelheims Erst« auf eigenem Platz die gleiche Mannschaft des Tv. Münchswlzhausen zum Gegner.
Oer Sport im Reiche.
Der Winter hat noch immer keine Reigung, ein ausgeprägtes Gesicht zu zeigen. Gewiß sind im Gebirge Schnee und Eis genügend vorhanden, aber auf dem flachen Lande und in den Städten! ist von Winterherrlichkeit nichts zu bemerk n — Bon den Ereignissen an diesem Sonntag im W inte r s p o r t ist in erster Linie die B o b - W e l t* Meisterschaft in Oberhof zu nennen. 3m Eishockey hat bereits eine deutsche Beteiligung am Samstag das Weltmeisterschaftsturnier in Krynica (Polen) begonnen. 3m Skisport kommen die Schwarzwald-Meisterschaften auf dem Feldberg, die Schlesischen Stasfelmeisterschasten in Landeck, die österreichischen Meisterschaften in Schwaz und die HDW.-Meisterschasten in 3ohan- nisbad zum Austrag. Die auf Sonntag verlegten Deutschen Rodelmei st erschaften aufKunst- bahncn sollen in Triberg zur Durchführung kommen. Daneben finden noch zahlreiche örtliche Veranstaltungen statt.
3m Fußball werden die Meisterschaftsendspiele in Süddeutschland fortgesetzt. Auch in Südostdeutschland und Pommern nehmen die Endkämpfe am Sonntag ihren Anfang. Ein interessantes Freundschaftsspiel findet am Sonntag zwischen dem mitteldeutschen und dem deutschen Meister, Dresdner SC. und Hertha/BSC., am Sonntag in Dresden statt.
Den er ft en Lä.rderkampf tragen im Hockey Westdeutschland und Holland in Mülheim (Ruhr) aus: schon am Samstag stehen sich in Köln dis Alten-Herren-Reprä entcniven beider Derbänds gegenüber. Die Studentenmannschaften von Hamburg und Hannover treffen sich in einem Städtespiel. — Die internationalen Berliner Meisterschaften im Hallentennis sollen am Sonntag die Entscheidungskämpfe bringen.
3m Radsport ist bereits seit heute das 4. Frankfurter Sechstagerennen im Gange. Am Sonntag gehen weitere Hallenrennen in Breslau und Paris vonstatten. 3m Motoren sporb interessiert die Winterfahrt in Garmisch-Partenkirchen. — 3m Rennsport setzten die Traber ihre Veranstaltungen in Ruhleben und Farmsen fort. Das internationale Berliner Reitturnier erreicht am Sonntag mit dein Großen Preis der Republik seinen Höhepunkt.
Arbeiter-Turn- und Sportbund.
Bezirksfufeballlag.
Am Sonntag kommen die Delegierten der Fufe^ ballvereine und -abteilungcn zum diesjährigen ordentlichen Bezirksfußballtaa in Gießen zusammen. Nach Entgegennahme der Jahresberichts dürfte ein Referat des Krcisfußballvertreters über spieltechnische und Organisationsfragen und die kommende zweite Arbeiter-Olympiade rege Aussprachen auslösen. Nach Erledigung der Anträge werden die Wahlen zum Bezirkssußball-Spiclaus« schuß vorgenommen.
Serienwettkämpfe der (ßerätetumer.
Am Sonntagnachmittag finden in Wieseck (Lokal Hormann) die ersten Serien-Wettkämpse der Geräteturner innerhalb des Bezirks statt. Eine Anzahl Vereine haben zu dieser Veranstaltung ihre Mannschaften gemeldet. Jede Mannschaft besteht aus fünf Turner, die an den drei Hauptgeräten in Kürübungen und in gemeinschaftlicher Gymnastik ihre Kräfte messen werden. Di» Veranstaltung ist die erste dieser Art.
Die kleine Molelle.
Roman von Paul Hain
32 Fortsetzung Nachdruck verboten
Die meisten kannten ja Rorrna Relson persönlich — sie waren verblüfft von der unwahrscheinlichen Natürlichkeit des Bildes. Stimmen flüsterten:
„Famos! Ganz famos! Diese Rorma. Lind dem Barnowsky hat sie gesessen — na?"
Hier und da ein Augenblinzeln.
„Ratürlich — dem Barnowsky I Der ist ja ihr getreuester Paladin! Daß der Wördehoff das nicht merkt!"
„Pah — wäre er sonst ausgezogen? Der wird schon wissen — wird vorher schon gewußt haben, daß sich die Rorma malen ließ!"
Diskretes Lachen.
„Wan hat sie hier noch gar nicht gesehen. Sie ist doch sicher auch geladen."
„Barnowsky war auch noch nicht da."
Dr. Pfeiffer, der Kritiker der „Reuesten Rachrichten", stand fast andächtig vor dem Bild. Sein Kollege vom „Kunstblatt" sagte:
„Er erfüllt die Hoffnungen der vorigen Ausstellung. Das Bild ist meisterhaft. Wie?"
„Ich hörte schon, die 3ury hat es bereits zur engeren Wahl vorgeschlagen."
„Ah — was Sie sagen?"
„Ich hörte es vorhin von Professor Kollin, dem Vorsitzenden —“
„Da wird's also schon wahr sein", meinte Dr. Pfeiffer, „älnb — das Bild verdient es."
„Ohne Zweifel."
Innner neue Besucher drängten sich davor. Tlnd plötzlich sagte jemand:
„Da kommt ja die Relson — Die Kopfe wandten sich.
Rorma tarn am Arme Darnowskys aus einem Rebensaal. Stolz, seidenraschelnd, im Dollbewuht- sein ihrer sieghaften Frauenschönheit und der Sensation, die ihr Bild hervorrief. Barnowsky hatte sie von Hause abgeholt, um sie in die Ausstellung zu führen.
Vorerst gab es genug Bekannte zu begrüßen. Barnowsky nahm Lobsprüche entgegen. Dr. Pfeiffer drückte ihm. ein seltener Fall, in aller Oefsentlichkeit die Hand.
„Ich gratuliere Ihnen, junger Meister! Sie können sich was daraus einbilden."
„Mein Dank gehört Rorma Relson", antwortete er. „die sich — malen lieh."
Das Wort wurde links und rechts aufgefangen, wurde fünf Minuten später schon toeiter- örlportiert, etwas variiert natürlich, bedeutungsvoller gefärbt — der Salonklatsch muhte Futter haben.
Rorma fühlte sich außerordentlich Wohl. Eine tolle Lustigkeit erfüllte sie. Der Erfolg Bar- nowskys — es war ja auch ihr Erfolg! Die Gruppen zerstreuten «ich wieder.
Rorma wanderte mit Barnowsky durch andere Sale. Mehrere Bekannte hatten sich angeschlossen, unter ihnen auch Direktor Hollmann.
„Rorma, Sie haben heut' ja eine göttliche Laune. 3ch bin ordentlich berauscht —"
„Ah, sie auch, Direktorchen?" lachte sie hell auf.
„Wenn man mit zwei so hervorragend leuchtenden Sternen am Kunsth.mrnel beisammen ist —"
Er blinzelte von Rorma zu Barnowsky.
„Ra, dämpfen Sie ab, Hollmann. Aber — wie wär's. wollen wir nicht im Erfrischungsraum mal Pause machen? 3ch habe entschieden Appetit auf Sekt! Rolf — du nicht auch?"
„Aber ja! Rorma, deine Gedanken sind doch immer meine Gedanken —“
Cs klang lauter, als es beabsichtigt war. Rorma legte kokett den Finger an die Lippen.
„Aber Rolfchen —“
Dem glänzten die Augen wie Feuer. Rorma war heute freigebiger mit kleinen, verhaltenen Zärtlichkeiten zu ihm als sonst. —
Sie betraten den elegant hergerichteten Dar- raum und nahmen an einem palmenumrandeten Tisch Platz. Hollmann lieh gleich Sekt kommen. Die kleine Gesellschaft vermehrte sich noch um einige Personen. Auch an den Rachbartischen ging es hier lebhaft zu. Man hatte Kunst genossen — jetzt wollte der leibliche Mensch befriedigt werden.
„Es lebe die Kunst!" rief Rorma aus und erhob ihr Glas zu Barnowsky hin.
„Das erfordert einen vollen Schluck', sagte Hollmann.
„Ratürlich!"
Die Gläser wurden geleert.
„Tlnd es lebe die Schönheit, ohne die jede Kunst nur Handwerk bleibt - und jeder Künstler ein armer Kerl!" flüsterte Damow'ky Rorma zu.
„Das erfordert auch einen vollen Schluck!" lachte sie ihm ins Ohr.
Auge in Auge mit ihm trank sie das neue Glas aus.
Die Unterhaltung wurde lebhaft, beschwingt. Lachen klang auf, diskret hochplätschernd, hell verhöhnend. leichte Musik, die die Rerven der Männer vibrieren lieh.
„Heut könnt ich auf alles lachen", rief Rorma einmal und blickte auf fordernd in den Raum. Ihre roten Lippen glänzten feucht. Und plätzäch lachte sie laut auf, lauter als vordem und stieß mit Rolf an
„Es lebe - das Geheimnisvolle, Rolf!"
Dem zuckten die Hände.
Hollmann war den Blicken Rormas gefolgt An der Portiere, die die Tür zum Rebenraum verdeckte, stand — Wördehoff. Er hatte die Gruppe
am Tisch erkannt — und das Lachen Rormas — galt ihm!
Hollmann erriet es sofort. Dieses Lachen — es war aufreizend, peitschend, doll Hohn und Verwegenheit!
Auch Hollmann hob sein Glas. Aber er hob es unauffällig Wördehoff entgegen — wie zum Gruß — und ein leichtes verständnisinniges Lächeln war um seine Lippen.
Wördehoff trat durch die Portiere zurück. —
Man saß wohl noch eine gute Stunde zusammen, dann war es Zeit zum Aufbruch. Rorma wollte nach Hause, einige Stunden später mutzte sie im Theater fein. Dis dahin wollte sie noch ruhen.
Darnowsky begleitete sie natürlich. Sie fuhren im Auto.
Es war schon dunkel auf den Straßen, älnd sie sahen eng zusammen in dem schmalen Kupee.
„Rorma —" Damow'ky griff nach ihrer Hand. Sie lieh sie ihm, aber sie sah aufrecht und stolz. Er bedeckte die Hand mit leidenschaftlichen Küssen.
„Rorma — wann wirst du mich erhören? Wie lange willst du mich noch leiden lassen? Ein Wort von brr, und du wirst frei von deinem Mann. Warum — willst du nicht?"
Sie lächelte. Ein seltsames Lächeln. Ein Lächeln, in dem Triumph war. Dieser Mann sollte nie so stark werden wie Wördehoff. Er mußte schreien nach ihr — zittern um ihren Desitz — sich göttlich beschenkt fühlen.
„Man muh abwarten, Rolf."
„Abwarten? Was denn, Rorma?"
„Ob du — wirklich Erfolg hast mit dem Dild. Die Meinung der Menge entscheidet noch nichtI"
„Rorma!"
3a - das war's! Bekam er die goldene Me- ba lle — dann lohnte es sich wohl, in die Scheidung zu wu.igeu ano eine neue v»i)< zu schließen! Roch verdiente Wördehoff mehr. Aber bann! Trotz aller fraulichen Begehrlichkeit, bie in ihr war unb bie ihr auch Barnowsky als Mann begehrenswert erscheinen lieh, ja — sie zuweilen beinahe in bas Feuer feiner Leidenschaft hinein» trieb — sie wollte keinen schlechteren Tausch machen! Er mußte Ramen unb Gelb haben! —
Run neigte sie sich zu ihm. „Rolf, sei geduldig —"
„Ah, wie lange schon bin ich das. Unb inzwischen verburste ich, Rorma, verburste an deiner Schönheit, bie ich nicht anrühren darf —“
„Rärrchen."
Er zog sie an sich. Aber sie wehrte sich. Richt unmutig, sondern mit der Macht ihres Frauentums.
„Sei friedlich, Rolf. Wir sind doch — im Auto!"
„Und ich will — in den Himmel", stieß er trotzig hervor.
Sie lachte ihn an.
„Du ungestümes Kind. Auf den Himmel mutz man warten können. Warte — vielleicht — ist dir bas Glück holb!"
„Vielleicht — vielleicht —“
Da hielt ber Wagen mit einem leichten Ruck
„Auf Wiebersehen, Rolf."
„Wann, Rorma?"
„Rufe nur an. Du weißt, wann ich zu Hause bin.“
„Heute abenb, nach bem Theater?"
„Möglich! Ich will ja lachen heute — lachen! Also — ruf' im Theater an."
„3a, bas will ich —"
Sie zog ihre Hand zurück und eilte ins Haus. Vom Haustor aus winkte sie ihm noch einmal. Seine brennenden Qlugen folgten ihrer geschmeidigen Gestalt, die im Flur verschwand.
21.
In der Mitte des dritten Aktes zog sich Rorma um. Ihre Rolle war zu Ende.
Frau Tubick, die rundlich-mütterliche Garderobiere, die schon ein Menschenleben lang im Theater war, half ihr. Sie hatte bie für die Garderobiere einer großen Schauspielerin wichtigste Eigenschaft, ber Herrin jeden Wunsch von den Augen ablesen zu können. Ihre Hände waren gewandt, wie die einer Siebzehnjährigen. Und in Fragen des Geschmacks war sie stets einer Meinung mit Rorma. Es war das Veste so!
Darum gab es auch in Rormas Garderobe höchst selten Szenen. Es klappte für gewöhnlich alles wie am Schnürchen. Run zog .turma ihr Abendkleid über. Frau Lubick hielt den Pelzmantel bereit Grellrot leuchtete das Seidenfutter. Er fiel über ihre Schultern.
„Gnädige Frau wollen noch ausgehen?"
Rorma tupfte mit der Puderquaste über ihr Gesicht. Es geschah alles sehr sorgfältig. Roch ein Hauch Rouge auf die Lippen. Dei solchen Manipulationen liebte sie es, unterhalten zu toerben.
„3a, es ist ja noch früh. Außerbem muh man doch zum Essen fahren."
Sie hatte sich mit Darnowsky, der schon nach bem ersten Akt anrief, bei Hiller verabredet, dem mondänen Speiselokal. Ob man von da auch noch einen Epielsalon aufsuchen würbe — sie wußte es noch nicht.
„Ra ja — gewiß boch! Essen ist nötig. Mir schmeckt's im Lokal nicht."
„Sie haben ja auch Ihren Mann zu Hause—" Rorma stieß bie Puderbose um. E e zersplitterte. Gleichmütig faßte Frau Tubeck nach einem Bord unb nahm von bort eine neue Dose, bie sie vor Rorma stellte. Sie war immer auf solche „Un* fälle“ eingerichtet.
„Gnädige Frau haben boch einen Mann —"
„Hm, Sie wissen boch schon, bah wir nicht zufammenwohnen?"
(Fortsetzung folgt.)


