Und Ne schmunzelt« noch, als sie wieder in die I matt« Zahlen in endlosen Tabellen. Die schwere Stube zurückkehrte, in der zahllose Hirschgeweihe Saufeder, auf die man den wehrhaften Retter « .. <• , <_ • € rr X X X «km RnlUt* in n^r Y\nnn
rennen lieh, lag ihm besser in der Hand ...
an den Wänden hingen und die helle Lampe über
Nachdruck verboten.
18 Fortsetzung.
SaS bißchen Erde.
Vornan von Richard Gtowronnef.
Copyright by I. Engelhorns Nachf.. Stuttgart.
Stimmungswandel in Amerika politische Eindrücke auf einer Weltreise.
Don Dr. Paul Rohrbach.
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Gräfin von der Schulenburg, die sich im Dienste der evangelischen Wohlfahrtspfleae hohe Verdienste erworben hat, feiert am 31. August ihren 70. Geburtstag. Sie ist die Begründerln^nd Leiterin der sozialen Frauenschule der Inneren Mission in Berlin. Vorsitzende der Vereinigung evangelischsozialer Frauenschulen und des Verbandes der evangelischen Wohlfahrtspflegerinnen Deutschlands.
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werden soll und muh. so möchten wir doch mit allem "Nachdruck heute schon die Forderung erheben, daß das Spardiktat vor allem bei der R e g i e ru n g S b u re a u k ra tie in Darmstadt selbst mit rücksichtsloser Schärfe zur Geltung gebracht wird. In der Ministerialbureaukratie der hessischen Regierung sind, wie ein Blick in den Staatshaushaltsplan und auf die Tätigkeit der Zentralstellen zeigt, noch genüg Sparmöglichkeiten vorhanden, deren Ausnutzung ohne Schaden für das Land und mit gutem finanziellem Ergebnis erfolgen kann. Bei der Prüfung der Provinz-, Kreis-und Kommunalhaushalte durch die Regierung dürfte dringend zu wünschen fein, daß nicht nur die Verwaltungsorgane, sondern mindestens auch Vertreter der Fraktionen der gewählten Körperschaften gehört werden, bevor die Spardiktatur von oben herab Mir Anwendung kommt. Sine Reuauflage der Staatskommissarerscheinungen zu Beginn dieses Jahres sollte man bei den bevorstehenden DrosselungSmahnahmen unter allen Umständen vermeiden, um nicht Stimmungen und Folgen auszulösen, die im Interesse des öftent- liehen Wohles hintangehalten werden müssen. Im übrigen wird über das ganze Kapitel der Zwangsersparnisse auf Grund der Rotverordnung der Reichsregierung noch weiteres zu sagen sein, sobald das angekündigte Rundschreiben der Reichsregierung an die Landesregierungen vorliegt und die Ansatzpunkte für deren Täftgkeit auf diesem Gebiete erkennbar sind.
einem weihen Tischtuch« brannte.
Der hagere Förster blickt« von der säuern Schreibarbeit auf, schob die Dritte, di« er vor seinen weitsichtigen Augen tragen muht«, auf di« Rasenspitze. „Ra, All«, hast du di-r da draußen einen Kuppelpelz verdien-t?"
„Vielleicht"", sagt« sie. „Vorläufig wollt« er a noch nichts davon wissen, aber di« süße M«- )izin, di« ich ihm eingegeben hab', wird wol)l hre Schuldigkeit tun. Di« Mannsbilder sind ja eins wie das andre. Eingebildet und von sich selbst eingenommen übers Dach hinaus. Trotzdem er's nicht wahr haben wollt«, hab 'ich's ihm doch angesehen, wie sehr es ihm geschmeichelt hat, daß die Frau Baronin ihn noch nicht vergessen hat. Jetzt w rd er mit einemmal finden, daß es ihm eigentlich genau ebenso gegangen ist, und wenn das Glück gut ist, können wir in acht Wochen Hochzeit feiern."
Der Förster Schwarz steckte bedächtig die aus- gegangene Pfeife wieder in Brand.
„Täuw, täuw, Ohlsch, und immer langsam fahren mit den jungen Pferd«n! Da ist manches zwischen, was sich nicht wegblasen läßt wie «ine Flaumfeder. Aber es wär. «in Segen. Wenn man sich überlegt, daß man sich womöglich auf feine alten Tage noch 'n« neue Herrschaft suchen soll ..
„Ra und der arme Jung? Hast ja gehört, wie der Bergmann es uns neulich vorgerechnet hat, was ihm bleibt, wenn er von hier 'raus muß. Di« tteberfahrt nach Amerika und noch ein paar Groschen, um sich's da drüben ein« Weile mitanzusehen, ob er Kellner werden will oder Stallknecht. So ziemlich daS Edelste an Blut, was wir haben in Mecklenburg, und das soll so Hundsföttisch zugrunde gehen?" ... Sie fuhr sich mit dem Handrücken über die Augen, ihr Gatte aber blies ein« mächtige Rauchwolke in die Lüft.
„Wenn nut die Hälfte von dem in Erfüllung geht, was ich dem Hohenrömniher Herrn schon angewünscht hab' in dieser Zeit" ...
„3a“, sagte di« rundliche klein« Frau, „aber aüf die anständigen Leute hört der liebe Goft wohl nicht mehr. Und denk an mein Wort: das gibt einen Jungen drüben in Hohenrömnitz! Ich hör schon die Glocken läuten und den Pfarrer auf der Kanzel: ,Rufe mit mir Hosianna, lieb« Gemeinde, Gott der Herr hat uns eine große Freude beschert. Unser rn gnädigen Herrn Grafen ist ein Sohn geboren worden, und dankerfüllt heben wir unsre Augen mit dem beglückten Elternpaar zu dem Allgütigen, der heißen Gebeten Gr- hörung geschenkt hatsi ... Ah, pfui Deuwel nochmal" ... Die spie aus und trug den mächtigen Schinken wieder in di« Speisekammer zurück. Der alte Jägersmann aber griff mit einem Seufzer nach dem verhaßten Schreibkiel und
jetzt ein« klare Dahn zu finden. Vollgerüttelte siebzig Jahre hatte der eigensüchtige Greis auf der Hohenrömnitz gesessen, fast fünfzig davon in unumschränkter Herrschaft. Es war Zett, daß er Platz machte, die Zügel seinem Rachfolger überließ. Und hundert gute Werke hatte er sich ausgedacht in den einsamen Stunden, tn denen man das Schicksal durch wohlgefällige Vorsatz« zu bestechen hofft, mit ihm handelt wie mit einee Partei, die hinreichenden Gründen zugänglichk tft. Ein gerechter Herr hatte er werden wollen« der Gutes tat und jedem daS Seine gab mit reichlichem Maß, aber daS blinde Wesen, daS di« Schicksale der Menschen würfelt« in blödem Zufallsspiel, war ungerührt geblieben. Statt einer klaren Dahn fand er neue Wirrsal, wie ein un Winde treibendes "Blatt war er, dem jeder wechselnde Lufthauch «ine neue Richtung wies ... Ein fest in seinem Recht Stehender war er sich vorgekommen, und jetzt war er einem wrichten Paar- oder Unpaarspiel ausgeliefert. Em unbeträchtliches Richts war er oder ein Herr, 16 nachdem, ob in.dem allen Haus« der Hohen* römnitz ein Knabe zur Welt kam oder «in rechtloses Mädchen ...
Da wäre eS frellich am gescheitesten gewesen« aus all dieser schwankenden Unsicherheit auf festen Boden zu springen, die Hand zu ergreifen, dl« sich ihm enlgegenstreckte. Und wie hatte di« rundliche kleine Förstersftau gesagt? Er brauchte nur nach Alten-Krakow zu reiten und er war geborgen! Ein Skrupelloser an seiner Stelle hatte es vielleicht getan, ihm aber war von dem raschen Zugreifen seiner Ahnen nichts verblieben. Ein Zauderer und Zweifler war er, und der Teufel mochte - den rothaarigen kleinen Gesellen holen, der ihn das Rachdenken und Grübeln gelehrt hafte! .. -
GS schmeichelte ihm ja nicht wenig, daß di« blonde Gertrud Köhnemann noch immer an ihn dachte, aber er hätte doch als ein Lügner dastehen müssen, wenn er jetzt als einer ihrer zahlreichen Bewerber auf den Plan trat. Der Schlag damals hatte alles übrige ausgelöscht, es war wirklich nichts andres gewesen als «ine holde Torheit, die man halb aus Langerwell« angefangen hatte, halb im Drange der sich ungestüm regenden Jugend ... Und die für alle Zeiten geschworene Treu« hatte nur eine gar kurze Weile vorgehalten. Schon auf dem Schiffe, das nach Afrika ging, hatte er sich ganz sinnlos in «ins brünette kleine Engländerin verliebt, di« ihren» Gatten in die Kolonien folgte. Der Sieg war nicht schwer gewesen, aber noch ganz deutlich entsann er sich der heftigen Gewissensbisse, die jedem Beisammensein folgten ... Bis di« Gewohnheit die Reue crfftckt« ...
Und noch ein andres kam hinzu. daS ihm verwehrte. das abgerissen« Band wieder zu knüpfen. Ein Gefühl fast des Ekels ...
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gen Frankreich, noch ohne Frankreich gemacht werden kann, und daß es nicht angeht, Deutschland zu beruhigen, indem man Frankreich in Aufregung bringt".
Gerade dies« französische Aufregung ist es, die den Amerikaner ärgert. Wie sich die Zeit geändert hat, zeigt z. B. ein aus Paris Mitte Juli datierter Artikel von Robert Dall in der amerikanischen „Ration", der in der deutlichsten Weise mit dem französischen Militarismus und mit dem französischen Begriff der „Sicherheit" abrechnet, der nichts anderes bedeute, als die Organisation der Unterwerfung Europas unter die militärische Ueberlegenheit der Franzosen und ihre« Systems von Bündnissen.
Wie lautet demgegenüber das Urteil über Deutschland? Zunächst ist zu tagen, daß die Rachwirkungen der Kriegsstimmung so gut wie aufgehört haben. Wenn von Deutschland geredet wird, so geschieht es in einem kordialen Ton; ob eS sich dabei um die deutsche Mark, um di« Zeppelinfahrt In der Arktis oder um den Boxer Max Schmeling handelt, macht nicht viel Unterschied. Die Hauptsache aber ist: der Amerikaner sieht, dahDeutschlanddiekrankeStelle in Europa ist, der geholfen werden muh, wenn überhaupt wieder normale Zustände in der Welt ein treten sollen. Es macht ja einen Vorzug des Amerikaners aus, daß er es nicht liebt, dem Lauf der Dinge untätig zuzusehen. Er ist durch und durch aktiv, und er fühlt in der Akttvität des um fein Wiederaufkommen ringenden Deutschland etwas Verwandtes. Das Entscheidende dabei ist natürlich, daß er sich auch materiell daran interessiert fühlt. Im Gegensatz zu Deutschland und zu Amerika ist Frankreich der passive, retardierende Teil. Ohne amerikanischen Druck hätte sich auch Frankreich nicht dazu entschlossen, an der Hilfeleistung für die Dank von England teilzunehmen. In jeder Zeitung hier steht zu lesen, England brauche das Geld wegen seiner In Deutschland festgefahrenen kurzfristigen Kredite, und es sei endlich ein Fortschritt, daß Frankreich sich dazu verstanden hab«, auf diese indirekte Art Deutschland etwas zu helfen. Dies alles als allgemeines Stimmungsbild. Es gibt noch andere Gesichtspunkte: man ist z. B. auch besorgt um das in Deutschland angelegte amerikanische Geld — aber die Hauptsache ist: Amerika will nicht mehr so, wie Frankreich Willi
Oie Epardiktatur.
Die Reichsregierung hat durch die Rotverordnung über die Sicherung der Haushalte derLänder undGemeinden den Landesregierungen eine außerordentlich weittragend« Machtfülle zur Durchführung der Spardikta- t u r in die Hand gegeben. Im Verordnungsweg«, bei dem die Landesregierungen auch von dem bestehenden Landesrecht abweichen können, wird es künftia den Landesregierungen möglich sein, alle zum Ausgleich der öffentlichen Haushalte erforderlichen Maßnahmen von sich aus vorzuschreiben, ohne dabei an andere Faktoren als nur die eigene Einsicht und daS persönliche Verantwortlichkeitsgefühl gebunden zu sein.
Rach dem Wortlaut der Rotverordnung der Reichsregierung ist die Mitwirkung der gewählten Körperschaften (Landtag, Stadtrat, Kreistag, Provinzialtag, Gemeinderat) bet . der Durchführung der Sparmaßnahmen nicht erforderlich. Aber es sollte doch wohl au- -nächst den Selbstverwaltungskörperschaften die Möglichkeit eingeräumt werden, an ihrem Haus-
Unser langjähriger außenpolitischer Mitarbeiter Dr. P a u l R o h r b a ch hat seine von unS schon angekündigte Weltreise, die ihn über Amerika nach dem Fernen Osten, Indien, Vorderasien und Rordafrika führen wird, angetreten und sendet uns aus Reuhvrk diesen ersten "Bericht.
Man kann sagen, daß augenblicklich kein Wort zu stark wäre, um die in amerikanischen Regierung-- und Geschäftskreisen gegen Frankreich herrschende Verstimmung au charakterisieren. Ausgenommen sind natürlich die bedingungslos frankophilen Element«, die «S, wenn auch abnehmend, unter den Amerikanern Immer noch gibt. Man muß auch sehr unterscheiden zwischen dem, was in die Press« kommt, und was im Vertrauen gesagt wird. In der Oefsentlichkeit wird immer noch daS Gefüge der Kriegsverbundenheit von 1917/18 respektiert. Es direkt zu mißachten, wäre nicht „Stil". Hört man aber Amerikaner über Frankreich sprechen, so ist man erstaunt, selbst das Wort schon zu hören, das sonst nur für die Italiener alS minder geachtete Rasse gebraucht wird: „Dagosl" DaS ist ein Zeichen höchster Verstimmung.
In den ersten Tagen nach der Kundgabe deS Hooverplans stieg Die amerikanisch« Stimmung und stiegen die Kurse sprunghaft. Es herrscht« geradezu ein Gefühl, alS ob mit dem Plan die Drücke von der Depression zur Wiederbelebung konstruiert sei. Hoover hat noch nie eine s o einmütige Zustimmung bei beiden Parteien des Landes gefunden, wie bei der Veröffentlichung des „Plans", der zunächst doch bedeutete, daß mehrere hundert Millionen Dollars, statt durch die Zahlungen Europas, aus Mitteln des amerikanischen Steuerzahlers oder einer Inneren amerikanischen Anleihe aufzubrin- gen waren. Man ging darüber hinweg, weil man eingesehen hatte, daß ohne ein kauft r ä s t l -
Er wollte sich zum Gehen wenden, die kleine Frau aber hielt ihn in Hellem Eifer am Rock- ärmel fest.
„Ein kurzes Augenblickchen nur noch, Herr Graf! Ich sprech' doch nicht leichtfertig daher, und wenn ich mir herausnehme, Ihnen einen guten Rat zu geben, will ich Sie nicht in den April schicken. Das würd' mir wohl kaum zu- kvmmen, nid)? ... Also vor drei Tagen war ich nach Moltzahn gefahren, Sämereien zu kaufen und ein paar Kleinigkeiten für die Wirtschaft zu besorgen. Und wie ich aus dem Laden komme, von dem Kaufmann Jürgensen gleich am Markt, wer begegnet mir da? Die Frau Daronin von Perkwald! Zum Verlieben sah sie auS in dem blauen Eheviockleid, ganz eng anliegend, wissen Sie, Herr Graf, nach der neuesten "Berliner Mode, und nur einen Kragen aus Silberfuchs um die Schultern. Dazu so einen ganz großen Hut mit seidenen Dandschleisen, also ich sag' Ihnen, Herr Graf, wie der leibhaftige Frühling sah das liebe junge Frauchen aus! Ich knicks' natürlich, sie dankt mir ganz leutselig und geht vorbei. Auf einmal aber, nach ein paar Schritten, dreht sie wieder um: ,Ach, meine liebe Frau Förster, entschuldigen Sie gütigst, daß ich Sie aufhalte. Ich möchte nämlich gerne wissen, ob vom Herrn Grafen Römnitz eine Rachricht da ist, wann et wohl wieder nach Hause kommt. Es ist nur wegen des Gatters, und weil der Herr Direktor Steinfeld mit ihm persönlich darüber verhandeln möchte/ Da gab ich ihr denn Auskunft, daß to t den Tag der Rückkehr selbst nicht wissen würden, sie nickte mir noch freundlich zu, die Frau "Baronin, und wir gingen auseinander."
Malle hatte geduldig zugehört, jetzt lachte er kurz auf.
„DaS ist alles, Mutter Schwarzin?"
„3du, sagte sie und sah ihn vergnügt auS ihren kleinen Aeuglein an, „bloß noch ’ne Kleinigkeit wat dabei. Di« Frau Daronin wurde tot wie ein Pfingströschen, wie sie nach Ihnen fragte. Herr Graf, und daS mit dem Gatter war doch bloß eine Ausrede."
„Und darauf bauen Die gleich ein ganzes Luftschloß auf? Ra denn Gott befohlen, Mutter Schwarzin! Junge Damen wechseln gar leicht mal die Farbe, da muh man keine Staatsaktion draus machen" ...
Er ging mit langen Schritten davon, di« rundliche kleine Frau aber sah ihm mit einem stillen Schmunzeln nach, dis sein« hohe Gestalt an der Üvegbiegung zwischen den Bäumen verschwand.
Massen gehätschelten und gezüchteten Lokalpoeten, „urchig" und „währschaft" weiterzumachen. Wahrend der "Berner noch zäh an seinem Wahrspruch „Ruine nüd g sprängt I" festhält und „den Straßen- bahn befiehlt, um bie alten Brunnen herumzufahren", legt der intellektuelle „Züribieter" (Gebiet Zürich) wenig Wert darauf, ein eigene« Gesicht zu haben. Vielsprachig, kosmopolitisch, freizügig, an allen Seiten geschliffen: der facettierte Schweizer, der Weltmann, der Großkaufmann, einer, der sich repräsentativ auf allen Tribünen der Gesellschaft und zwischen den Kulissen in Genf zu bewegen weiß, als sei er dort geboren, das ist sein Inbegriff. Ueberall dabei, wo ein gutes und sauberes Geschäft zu machen ist, gibt er sich den Weltraum, der seinem Lande fehlt, er will die Fremde kennenlernen, er will von jedem etwas sein, er will aussehen wie das Feuilleton seiner größten Zeitung. Und über dem Strich, versteht sich, nicht minder so. Auf diese Weise wird er niemals in den Verdacht kommen, es mit den Deutschen zu halten. Das ist immer wieder das Erstaunlichste am Deutsch-Schweizer: er will um keinen Preis Deutscher sein und erbringt doch gerade damit den besten "Beweis, daß er es ist. Denn die Stammesverleugnung ist das typische Merkmal der deutschen Rasse. Während der französische Westschweizer sich stolz zu seiner plus grande patrie bekennt und der Tessiner so^ar nach übertriebenem fasch.st schen Muster bei nichtitalienischen Aufschriften an den Häusern jeden Duchstaben mit einer Steuerstrafe belegt...
Da geht Zürich nicht mit. Die Franzoselei ist die große Mode. Herr Egli hat eine Patisserie, Herr Hügli eine Mercerie und Herr Loosli gar eine Quincaglerie. Das Hotel am See heißt natürlich du lac und das an der Drücke du pont. Drinnen gibt es keine Wäsche, sondern Linge. Und im übrigen und allgemein ist natürlich ein deutscher Panzerkreuzer ein gemeingefährliches Spielzeug, die brutale französische Kriegsmaschinerie hingegen ein Instrument zur Erhaltung des Friedens. Das fortgesetzte Säbelgerassel an der Seine hört man nicht und die Goldlawine dort fürchtet man nicht.
Gottfried Keller, der mit gläserzerschmetterndem Zorn auf den Tisch hauen konnte, wenn er Verrat am Deutschtum witterte, paßt allerdings nicht mehr in diese Zeit. Er würde sich in seine „Opfel- chammer" zurückziehen und von einem Fähnlein der Aufrechten träumen. Ob er freilich gut daran täte? Schließlich beweist die Unzahl herrlicher Automobile wie die Raumverschwendung in den nie überfüllten Straßenbahnen, den schönsten und saubersten vielleicht, die es in Europa gibt, daß sich Zürich auf dem rechten, auf dem besten Wege befindet, feine Einwohner millionenglücklich zu machen.
Der Hühnerhund Hektor, ein „Drauntiger" mit mächtigen Gliedern, hatte in gewaltigem Satz« den hohen Gartenzaun überfallen, jagte mit gesenkter Rase auf der Fährt« seines Herrn dahin, der ihn beim Fortgehen anscheinend vergessen hatte. Zwei Jahr« lang halt« er sich nach ihm gebangt, heut« hatte es endlich ein Wiedersehen gegeben, und nun sollte er bei den andern Hunden bleiben, statt wie früher immer seinen gebührenden Platz einzunehmen? Dei Tag an seiner linken Seite, des Rachts aber auf der abgewetzten Keilerschwarte vor dem Bett, als ein treuer Wächter, der jedem feindseligen Gaste an die Kehle fuhr. Einen kurzen Blaffer stieß er aus, als er seinen Herrn erreicht hatte, und der nahm ihn sreundllch auf. Klopft« ihm die starke Brust, „recht so, Hektor, brav so", und danach gingen sie zu zweien die Straße entlang, die nach Alten-Krakow führte. Jeder in seinen eigenen Gedanken. Der Hühnerhund Heftor in freudigem Träumen von kommenden Iagdtagen, an denen er die Völker der Rebhühner aus den Kartoffelfeldern hochbrachte, sein Herr aber in Erinnerungen verloren, die in längst vergangene Tage zu- rückführten . - •
Wie manches liebe Mal war er diesen selben Weg in fiebernder Erwartung geritten, ob sein blondes Liebchen wohl bei dem verschwiegenen Stelldichein sich einfinden würde! Denn nicht immer war es sicher, daß sie sich von Hause los- machon tonnte. Wenn den mürrischen alten Herrn die Gicht plagte, mußt« sie ihm vorlesen biS spät in die Rächt hinein, und der Weg auf den Gcttgonberg war ihr versperrt. Er aber stand unter den drei Eichen, paßte auf jeden Laut, um schließlich, wenn die gewohnt« Zeit längst verstrichen war, mit traurigem Herzen den Heimweg anzuireten. Das war dann «in verlorener Abend gewesen, den man ausstreichen mußte im Leben. Ebenso wie man jetzt die ganze Zeit ausstreichen muht« clls nutzlos vertan. D«r einzige Gewinn war ein verpfuschtes Leben und ein untilgbarer Makel. Die Hand war schon längst vermodert, die ihn geschlagen hatte, aber der Makel blieb bestehen, und als ein eiserner Riegel schob er sich vor alle Wünsche und Hoffnungen, die in eine heller« Zukunft langen wollten ...
In zahllosen Rächten, wenn die Zeitgenossen längst schon im tiefen Schlafe lagen, war er in Dohren und Grübeln sich darüber klar geworden, daß die Vergangenheit abgetan sein mußte, wenn er wieder den Do den der Heimat betrat. Em neues Leben mußte anfangen mit ernsthafter Arbeit und vielfältigen Pflichten, und alS er nach langen zwei Jahren aus dem Innern des schwarzen Landes wieder nach der Küste zog, hosive ee im inncrltea Schrei« leineä Herzens
geS Europa an eine Wiederkehr der amerikanischen Prosperität nicht zu denken sei, und weil man von dem Plan des Präsidenten die wirtschaftliche Wiederherstellung Europas erwartete.
Je offenbarer der französische Widerstand sich zeigte, desto mehr wuchs hier der Qler- ger. Die gebesserten Kurse gingen zurück, und bie Gesundung Europas sank wieder in Rebel. Es ist eins der wichtigsten Ergebnisse der amerikanischen Wirtschastsdepressivn, daß die frühere Vorstellung, Amerika könne vom Aussehen der Dinge in Europa unberührt bleiben, allmählich aus allen klügeren amerikanischen Köpfen verschwindet. Man begreift die Verbundenheit — und man stößt auf Frankreich alS das europäische Hindernis. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Isolierung der französischen Politik, die doch die eigentliche Vorbedingung dafür ist, daß in Europa die unvernünftigsten Hindernisse gegen die Wiederkehr erträglicher Zustände fallen.
Man kann jetzt in den amerikanischen Zeitungen eine eigentümliche Erscheinung beobachten, nämlich in der Rubrik „Zuschriften aus dem Leserkreise" allerlei Aufforderungen, doch auch dem französischen Standpunkt Gerechttgkeit widerfahren zu lassen. Diese Zuschriften bedeuten aber nicht, daß die öffentliche Meinung sich für Frankreich regt, sondern sie bedeuten das Gegenteil, denn sie sind meist von der französischen Propaganda inspiriert, die nicht mehr, wie früher, über die "Bereitwilligkeit der Redaktionen selbst verfügt. In der R«w Dork Times findet sich zwar noch ein Artikel des fran- zösischen Propagandisten M. Maurois, der den Standpunkt Frankreichs zum Hooverplan aus- einandersetzt. Er ist aber im Vergleich zu früher vorsichtig gehalten und bemüht sich, die Amerikaner zu überzeugen, daß „der Weltfriede weder ge-
halt selbst den Rotstift zu kräftiger Streichung anzusehen, eh« die Regierung auf Grund der Rotverordnung zum Eingreifen gezwungen wirb. Die Ausschaltung der gewählten Körperschaften würde außerordentlich weitreichende EingriftS- und Umgestaltungsmoglich- keiten auf allen Gebieten des öffentlichen LebenS ergeben. Die hessische Regierung würde dann zur Sicherung ihres Haushaltsausgleichs die Möglichkeit haben, auf dem DerordnungSwege eine VertoaltungSreform durchzuführen, bei der guter Umständen auch Bezirks- und Lokalinteressen einschneidend berührt tDetben könnten. Dann würde vielleicht mancher KreiS um sein Kreisamt, manche Stadt um ihr Amtsgericht, oder ihre höhere Schule oder eine sonstige Behörde Sorge tragen müssen. Die Provinzen, Kreise und Gemeinden hätten wohl mancherlei zu gewärtigen hinsichtlich solcher Einrichtungen die ihnen zwar wichtig erscheinen und von ihnen mit Eifer gepflegt werden, über die man aber in Darmstadt vielleicht anderer Meinung sein wird Schon dieser kurze Blick auf künftige Möglichkeiten offenbart, daß die Rotverordnung der Reichsregierung zu tiefgreifenden Folgen fuhren
verkennen nicht, daß in allen öffentlichen Haushalten, trotz der bisherigen Srsparnismah- nahmen, die hier und da offensichtlich durchgefuhrt wurden, noch mancherlei gestrichen werden tonn, um den verschärften Forderungen dieser Rotzeit I in ausreichendem Maße auch bei der öffentlichen Wirtschaftsführung Rechnung zu tragen. Wenn aber jetzt noch kräftiger als bisher gespart I


