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Arbeiter-Kulturkartells, an die Tagung der Ober- hessischen Pilgermission, ferner an Veranstaltungen des Konzertvereins, der Sanitätskolonne usw. Das Lahr 1929 brachte in der Dolkshalle folgende große Veranstaltungen: Strauß-Konzert, Tagung der Kir­chengesangvereine Hessens, Hygiene-Ausstellung, Mit­telrheinisches Schützenfest, Universitäts- und Stu­dentenfest Verfassungsfeier, Automobilausstellung, Kunstturn-Wettkampf, da^u noch verschiedene andere Vereinsveranstaltungen. Aus dem Jahre 1930 sind von den Ereignissen in der Volkshalle hervorzuheben: Strauß-Konzert, Universitäts- und Studentenfest, Verfassungsfeier, Militär-Großkonzert, Feuerwehr, fest, Wahlversammlung der SPD. und eine große Landes-Geflügelausstellung. Im Jahre 1931 fanden bis jetzt in der Dolkshalle statt: ein Strauß-Konzert, die Kundgebung der NSDAP., ein Konzert des Or­chestervereins, das Studenten, und das Universitäts­fest: weitere große Veranstaltungen in der Dolkshalle werden im Laufe d. I. noch folgen. Neben den großen Ereignissen in der Halle ging die Benutzung dieses Baues für sportliche Hebungen einher, an denen bisher namentlich die Arbeiter-Sportbewegung stark beteiligt war. Wie sehr die Veranstaltungen in der Volkshalle für den Besuch unserer Stadt von aus- wärts förderlich waren, geht allein aus der Tatsache hervor, daß nach den Ermittlungen des Dolkshalle- Vereins in der Zeit vom 1. Juli 1925 bis 30. Juni 1931 allein bei großen Veranstaltungen in der Dolks­halle rund 224 000 Fremde zugegen waren. Don diesem Besuch hat unsere Geschäftswelt direkt und indirekt einen zwar ziffernmäßig nicht feststellbaren, sicherlich aber nicht zu unterschätzenden Ertrag für sich verbuchen können. Dabei ist weiter zu beachten, daß von den Städten der Nachbarschaft die Volks­halle in Gießen mit wenig freundlichen Gefühlen betrachtet wird, weil man dort genau weiß, daß durch diese Einrichtung eine ganze Reihe von Veranstal­tungen in Gießen möglich ist, die man selbst gern hätte, wegen Mangels an Raum aber nicht zustande- bring'en kann. Wer sich rückschauend das Bild der großen Deranstaltungeck in unserer Stadt in den letzten sechs Jahren vergegenwärtigt und dabei die vorerwähnte Ziffer des Fremdenzustromes sich vor Augen hält, wird nicht bestreiten können, daß die Volkshalle in der Tat ein gutes Verkehrs- werbemittel für unsere Stadt darstellt.

Neben dieser Eigenschaft kommt der Volkshalle aber auch eine be merkenswerteallgemein­wirtschaftliche Bedeutung für unser Ge- meinwesen zu. Einige Ziffern mögen den Beweis liefern. Von 1926 bis Ende 1930 wurden bei den Veranstaltungen in der Volkshalle nach den Aufzeich­nungen des Volkshalle-Dereins 640,80 Hektoliter Bier verzapft, 5193 Flaschen Wein, 256 Flaschen Schnaps und Likör und 24 134 Flaschen Selters­wasser und Limonade verkauft, ferner noch große Mengen Kaffee, Kuchen, warmer und kalter Speisen, sowie Zigarren und Zigaretten abgegeben, die doch allesamt zum weitaus größten Teile aus ortsansässi- gen Gewerbebetrieben stammen bzw. durch diese be­zogen wurden und mithin zu erwünschten Einnahme- Möglichkeiten für unsere Geschäftswelt wurden. Die Stadt konnte an Vergnügungssteuer aus den Ver­anstaltungen in der Dolkshalle in der Zeit vom 1. Juli 1925 bis 30. Juni 1931 die Summe von 21856,06 Mark einnehmen, die Straßenbahn ver- zeichnete durch die Veranstaltungen in der Dolkshalle vom 1. Juli 1925 bis 30. Juni 1931 eine Mehrein- nahme von 72 955 Mark. Die Einnahmen des Dolks- Halle-Vereins selbst beliefen sich in der Zeit vom 1 Juli 1925 bis 30. Juni 1931 auf 83 631,03 Mark und kamen zum allergrößten Teile auch wieder der heimischen Wirtschaft zugute. Wenn man sich da'Zu erinnert, daß die reinen Arbeiterlöhne beim Bau der Dolkshalle sich auf mindestens 150 000 Mark be­liefen und unter Einschluß der indirekten Lohn­summen bei Materiallieferungen aus heimischen Be­trieben sogar noch höher zu veranschlagen^ sind, schließlich bei allen früheren und künftigen Veranstal- . tungen in der Volkshalle doch stets ein erheblicher "Teil auf Löhne und Gehälter der liefernden Gießener -Firmen entfällt so wird man wohl unwidersprochen behaupten dürfen, daß nicht die Ges chäfts-

welt allein, sondern darüber hinaus auch breite Schichten der Arbeitnehmer- s ch a f t an der Existenz und an dem weiteren Aus­bau der Volkshalle interessiert sind.

Erfreulicherweise haben die Stadtverwaltung und die Mehrheit des Stadtrats von jeher weitgehendes Verständnis und stete Hilfsbereitschaft für das Werk des Volkshalle-Vereins bekundet, wobei wohl nicht ohne Einfluß die Tatsache war, daß aus der Ge- schäftswelt heraus rund 120 000 Mark der Stadt zinslos für den Bau der Volkshalle zur Verfügung gestellt wurden. Daß in der Halle noch manches der Vervollkommnung bedarf wir erwähnen als Bei­spiel nur die Heizung ist als allgemeine Ansicht der Bürgerschaft zu bezeichnen. Die Schwierig­keiten der Finanz- und Wirtschaftslage, besonders in den letzten anderthalb Jahren, haben natürlich hem­mend auf den Ausbau der Volkshalle eingewirkt, wie sie ja auch als ausschlaggebendes Moment für die Fehlbeträge in der Dolkshallerechnung, die von der Stadt übernommen wurden, anzusehen sind. Aber man darf wohl hoffen, daß nach Ueberwindung dieser Wirtschaftsschwierigkeiten auch für den Volkshalle- Verein und für den Ausbau der Halle eine günstigere Zeit anbrechen wird, so daß es sicherlich nicht des von Herrn Hornberger im Stadtrat empfohlenen

Konkurses des Dolkshalle-Vereins bedarf wobei, nebenbei bemerkt, die Anteilscheingläubiger des Volkshalle-Dereins, die mit einem Kapital von etwa 90100 000 Mark heute noch In der Gießener Ge- chäftswelt zu finden fein werden, mit ihrem Kapital tarf gefährdet wären bzw. ausfallen würden, um liefe Einrichtung unseres Gemeinwesens wieder auf eine Basis zu stellen, die günstiger ist als die heutige. Man muß nur hoffen und wünschen, daß die Mehr­heit des Stadtrats allezeit die oerkehrswerbende Kraft der Dolkshalle und ihre wirtschaftliche Bedeutung für breiteBürgerschichten inrichtigerWeise würdigt, damit auch seitens der städtischen Körperschaften alles getan wird, um unserer Stadt mit diesem Instrument der Verkehrswerbung einen beachtenswerten Vorsprung im Wettbewerb der Städte unseres Bezirks unter allen Umständen sicherzustellen. Von diesem Gesichts- punkt ausgehend ist auch die Uebernahme der ftäbti- schen Bürgschaft für ein Darlehen des Volkshalle­vereins bei der Girozentrale, mit dem eine Darlehns- schuld des Vereins bei der Stadt abgelöst werden soll, gerechtfertigt und ohne Bedenken, zumal es sich bei der Dolkshalle ja um einen Bau handelt, der von Jahr zu Jahr immer mehr in den ausschließlichen Besitz der Stadt übergeht.

SJL-tfpoti

Leichtathletik der Sp.-Vg. 1900.

Erfolgreiches Abschneiden in Offenbach.

2lm vergangenen Samstag und Sonntag gingen die Nationalen Wettkämpfe des BSC-99 Offen­bach vonstatten. Die 1900er waren dabei zahlen­mäßig schwach vertreten. 3n der Jugendklasse A gingen Daumstieger und Mootz an den Start. Daumstieger, der Favorit war. rechtfertigte die in ihn gesetzten Hoffnungen und gewann den Lauf sicher in 4:32,4 Win. Es folgten Löwe! (SD. 93 Darmstadt) in 4:33.1 Min.. Dörr (SD. 98 Darmstadt) in 4:34,1 Min. und Mvotz (1900) in 4: 35 Min. Die Zeiten wurden durch den böigen Wind stark beeinträchtigt.

Don den Aktiven war nur Spaar am Start. 3m Speerwerfen Klasse III belegte er mit 43,80 Meter den dritten Platz.

Der jugendliche DfB.er Luh vermochte im Kugelstoßen erneut seine zuverlässige Form zu beweisen. Er belegte mit 14,19 Meter den 1. Platz.

Oer Rhön-Wettbewerb.

Massenstarts am Dienstag.

Der gestrige Dienstag brachte Massenstarts der Leistungs- und Llebungsflieger. Zu Zeiten waren 18 Maschinen in der ßuft, die über dem Fuldatal segelten. Nacheinander löste sich aus dieser Masse eine ganze Reihe von Seglern los, um den Oechsenberg bei Vacha anzusteuern, der nach den Bedingungen umrundet werden muh. Der Preis fordert die Rückkehr nach der Wasser­kuppe innerhalb einer 1500-Meter-Zone. Don keinem der Flieger wurde bisher diese Bedin­gung restlos erfüllt. Groenhoff und Drix lan­deten nach etwa vierstündigem Fluge am Nord- Hange der Wasserkuppe. Kronfell), der sich eben­falls an diesem Kampf beteiligte, lag noch weiter ab und landete erst um 18 Ähr bei Gotthards in der Rhön. Mittlerweile lieferten sich die ülebungsflieger einen Kampf um Dauer und Höhe. Dieser Kampf war in den späten Abendstunden noch nicht beendet.

Am Sonntag hatte die Wasserkuppe sehr star­ken Desuch. Unter den Gästen befanden sich auch der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau. Haas, und der Regierungspräsident Dr. Frie­densburg. Kassel. Am späten Abend kehrten die beiden Wolkenflieger Hirth und Groenhoff

von ihren großen Ausflügen zurück und wurden mit Herzlichkeit und mit Gratulation im Lager empfangen. Groenhoff hat rund 220, Hirth 175 Kiünneter zurückgelegt. Beide Piloten berichteten übereinstimmend über eine außerordentliche An­spannung während dieses Fluges. Streckenweise seien sie so herumgeschüttelt worden, daß ihnen nur noch der Steuerknüppel einen festen Stütz­punkt gewährte. Die erste große Bedingung des Wettbewerbs ist mit diesen beiden Flügen erfüllt. Hirth und Groenhoff sind die beiden Anwärter auf den Fernsegelpreis, der mindestens 100 Kilo­meter Entfernung, fordert, also von beiden weit überboten worden ist.

3n Anwesenheit des Landrats des Kreises Gersfeld ist durch Oskar Ursinus und Graf 3 s e n b u r g von der Rhön-Rossitten-Gesellschaft in der Reithalle des Barons von Waldhausen in Hersfeld eine kleine Segelflugausstellung er­öffnet worden, dte die Entwicklung des motor­losen Fluges zeigen soll.

Abschluß des Aachener Reitturniers.

Am letzten Tag des Aachener 3nternationalen Reit- und Fahrtumiers hatten sich 20 000 Zu­schauer eingefunden. Die Hauptkonkurrenz des Arges, derGroße Preis von Aachen" (Schweres Jagdspringen der Klasse Sa), sah wieder die Italiener auf der ganzen Linie erfolgreich. Sieger blieben Rasello unter Oberstleutnant Filipponi und Crispa unter Oberstleutnant Borsarellis. Don sieben Hauptkonkurrenzen des Turniers ha­ben die 3taliener, die sich den Deutschen diesmal stets überlegen zeigten, fünf gewonnen.

Deutsche Zugendkrast.

Fritz Völzlng Gaumeister übet 3000 Meter.

Zu dem Gausportfest, das am vergangenen Sonntag in Jügesheim bei Offenbach zum Aus­trag kam, entsandte die Deutsche Jugendkraft Gießen sechs Teilnehmer, die sich trotz stärkster Beteiligung überraschend gut durchsetzten. Es starteten unter anderem namhafte Leichtathleten aus Frankfurt, Mainz, Darmstadt und Offen­bach. Etwa 460 Teilnehmer stellten sich dem Starter. Die Vorkämpfe wurden bereits am Vormittag ausgetragen und brachten zum Teil recht spannende Kämpfe. Die Entscheidungen fielen am Nachmittag. Hierzu hatte sich eine über Erwarten große Zuschauermenge eingesunden, die mit großer Aufmerksamkeit den Vorgängen auf

Eva am <5fr<mb

Roman von Hermann Weick.

21. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

XXII.

Wo war er d'Alvez schon begegnet?

Diese Frage lieh Stefan Helbing nicht mehr los. Die anfangs gehegte Vermutung, daß er den Franzosen mit einem anderen, ähnlich aus­sehenden Herrn verwechsle, war mehr und mehr verstummt: Helbing war nun fest davon über­zeugt, daß er d'Alvez schon einmal gesehen habe.

Er hätte nicht sagen können, woher ihm diese Gewißheit kam: sie war einfach da und verstärkte sich noch bei jeder weiteren Begegnung mit dem Franzosen.

Er mußte der Sache auf den Grund kommen!

Wie eine zwanghafte Vorstellung war es in ihm, daß, wenn es ihm gelänge, sich seiner frü­heren Begegnung mit d'Alvez zu erinnern, dieser seine Rolle bei Eva Willcr ausgespielt hätte.

Helbing lachte bitter auf, wenn er sich manch­mal dieses Gedankens klar bewußt wurde. Wel­ches 3n'teresse hatte er daran, daß die beiden, die sich anscheinend sehr innig zugetan waren, getrennt wurden? Für ihn, Helbing, war dabei wahrlich nichts zu gewinnen! Eva hatte ihm deut­lich genug zu verstehen gegeben, daß sie nichts mehr von ihm wissen wolle, daß er für sie überhaupt nicht mehr existiere.

Warum dennoch diese ilnraft, diese fieberhafte Gier, das Eeheimnis, das für ihn um d'Alvez bestand, zu lüften? ...

Helbing begriff sich selbst nicht mehr. Nirgends litt es ihn lange: wie gehetzt ging er umher, stets gepeinigt von der einen Frage, die sich ihm nicht klären wollte.

An diesem Nachmittag suchte Helbing die Dü­nen auf. 3n seine Gedanken verstrickt, den Kopf gesenkt, wanderte er dahin.

Der Laut von Stimmen lieh ihn zusammen- fahren. Er blickte auf und gewahrte in einiger Entfernung zwei Gestalten, eine männliche und eine weibliche, die im Sande saßen. Sie hatten sich gerade zärtlich umschlungen und küßten sich.

Nun fuhren sie auseinander: sie schienen Hel­bing gesehen zu haben.

Die Dame, die ein kupferrotes Kleid trug, hatte das Gesicht abgewandt: dagegen blickte der Herr, wie es schien, mtt ängstlichen Mienen, herüber.

Helbing hatte ihn sogleich erkannt: er tat aber, als habe er die beiden nicht bemerkt. Sieh mal an, dachte er, und muhte wider Willen lächeln, der kle-ne, dicke 3ason geht in aller Heimlichkeit auf Abenteuer aus! Das hätte ich ihm nicht zugetrautl

Bald aber hatte Helbing diese Begegnung vergessen. Sie kam ihm wieder in den Sinn, als er später, auf dem Heimweg, die beiden in einer der Strahen nahe dem Kurhaus vor sich hergehen sah.

Dor einer Pension biteben sie stehen. Als Helbing sich ihnen Ȋherte, geriet 3ason sichtlich in Verlegenheit. Die Herren zogen den Hut, die Dame warf Helbing einen kurzen, neugierigen Blick zu. Helbing sah in ihr Gesicht ...

Da durchjagte ihn ein glühender Strom.

Gewaltsam rih er seine Augen von dem Ant­litz der Dame hinweg. Mechanisch setzten seine Deine den Gang fort. Alles in ihm befand sich in maßlosem Aufruhr.

Er hatte die schwarzhaarige Dame schon ein­mal gesehen ... aus irgendeinem Grunde hatte das Bild dieser zierlichen Person mit den etwas srechen, verlebten Zügen, sich ihm damals ein- geprägt ... jetzt wußte er auch, wo er ihr be­gegnet war: auf dem DampferMargherita" war es gewesen, vor fünf oder sechs 3obren ...

Unb noch ein Gesicht war damals an ihrer Seite aufgetaucht ... ein dunkel gebräuntes, hoch­mütiges Männcrgesicht ...

Als sei ein Dlitz vor ihm niedergefahren, hemmte Helbing seinen Schritt.

d'Alvez!" stieß er heiser hervor.

Nun sah er klar. So hatte sein Verdacht doch nicht getrogen!

Mit verzweifelter Anstrengung brachte er seine tobenden Gedanken zur Ruhe. Immer deutlicher trat das Erlebnis jener, fernen Tage in sein Er­innern.

DieMargherita" war stark besetzt. Es war die Zeit der Frühlingsreisen nach dem Süden: Spanien, Madeira oder die Kanarischen 3nseln waren das Reiseziel der Passagiere. Viele reiche Leute befanden sich an Dord. Helbing, ganz eingesponnen in die Schönheit der sonnigen Mecresfahrt, mied das gesellschaftliche Treiben, das sich auf dem Schiff abspielte.

Am Morgen des Tages, an dem man in Lissa­bon an kommen sollte, machten einige der Passa­giere die Entdeckung, daß ihnen hohe Geldbeträge und wertvolle Juwelen aus ihren Kabinen ent­wendet worden woren. Es gab eine ungeheure Aufregung auf dem Dampfer. Man erging sich in tausenderlei Vermutungen: einer mißtraute dem andern.

2n Lissabon durfte niemand das Schiff ver­lassen. Kriminalbeamte kamen an Bord. Ueber- raschend schnell hatten sie die Täter gefaßt. Hel­bing kam gerade dazu, als sie vom Schiff ge­führt wurden.

Es waren ein eleganter, schlanker Herr und eine kleine, zierliche Dame: Helbing waren die beiden in 6er großen Schar der Passagiere vor­her nicht aufgefallen.

Wit verschlossenem, hochmütigem Gesicht, den

Kopf stolz erhoben, schritt der Herr an den Passa­gieren, die ihn neugierig betrachteten, vorüber. Die Dame aber sah mit frechem Lächeln umher: ihr schmales, puppenhaftes Antlitz mit den gro­ßen, funlelnben Augen, blieb Helbing noch eine Zeitlang im Gedächtnis.

Nachher erfuhr er von einem der Schiffs- offiztere, daß es sich um ein Hochstaplerpaar handle, das der internationalen Polizei gut be­kannt sei. Wegen eines neuerlichen, in Berlin begangenen Delikts, sei man hinter ihnen her­gewesen, die letzte Spur habe nach Hamburg oder Bremen gewiesen: deutscherseits seien die Po­lizeibehörden der in Frage kommenden Hafen­städte. so auch die von Lissabon, mit genauen Signalements der Verbrecher versehen worden. So sei es für die portugiesischen Beamten nicht schwer gewesen, die beiden Herrschaften, die allem Anschein nach in Lissabon mit ihrer Beute das Schiff zu verlassen gedachten, unter den Passa­gieren ausfindig zu machen und festzunehmen ...

In feine Erinnerungen verstrickt, hatte Hel­bing den Rest des Weges zurückgelegt. Als er im Hotel anlangte, suchte er sofort fein Zimmer auf.

So sah es um diesen Vicomte d'Alvez aus! Ein Hochstapler war er, der schon viel auf dem Kerbholz hatte, der vielleicht auch jetzt in Nor­derney sein sauberes Handwerk wieder ausüben wollte ...

Helbing erschrak.

Drohte Eva von diesem Manne Gefahr? Sollte er sie warnen?

Er verwarf diesen Gedanken. Eva würde ihm wahrscheinlich nicht glauben, ihn wegen seines Verdachts, für den er keinen anderen Beweis als ein mehrere Jahre zurückliegendes flüchtiges Erlebnis beibringen könnte, vielleicht verspot­ten ...

Zweifel stiegen in Helbing hoch.

War er seiner Sache wirklich ganz sicher? Wenn d'Alvez und die schwarzhaarige Dame daS Hochstaplerpaar wären, das er damals gesehen hatte, würden sie dann nicht jetzt hier im Hotel beisammen wohnen? Auch hätte man d'Alvez schon einmal in Gesellschaft der Dame antreffen müssen.

Ich muh mir Gewißheit verschaffen! dachte Helbing entschlossen. Er würde fortan d'Alvez bewachen, ihn Tag und Nacht belauern. Wenn er und die Dame im kupferroten Kleid zusammen­gehörten, würden sie irgendwie miteinander in Verbindung stehen, sich vielleicht heimlich treffen.

Immer blieb Helbing nun auf d'Alvez' Spur. Doch nichts Verdächtiges geschah. Stets befand sich Eva Willer in Begleitung des Franzosen.

Zwei Tage verstrichen ergebnislos.

Am dritten Abend, es ging gegen elf Uhr, vor einer halben Stunde waren d'Alvez und Eva Willer heimgekommen, bemerkte Helbing ton lei­

der Kampfbahn folgte. Leider entsprach die Sauf* bahn nicht ganz den Erwartungen.

Nachstehend die Erfolge der DJK. Gießen: Aktive Klasse.

100 Meter: 1. Hvlzmann, St. Michael Mainz. 11,7 Sek.: 2. H. Adam, D2K Gießen, 12 Sek. Durch schlechten Start landete Adam auf dem zweiten Platz.

2 0 0 Meter: 2. H. Adam, D2K. Gießen. 24,5 Sek. Auch hier konnte Adam an den Sieger, der sich schon im Dorlauf als der Beste erwies, nicht heran.

8 00 Bieter: 3. W. Miebach, D2K. Gießen. 2:17 Min. Miebach vermochte nur den dritten Platz zu belegen.

3 000 Meter: 1. Fr. Dölzing, D2K. Gießen. 9:58,2 Min. 2n dieser Konkurrenz stellten sich 40 Teilnehmer dem Starter. Der noch jugend­liche Dölzing lag nach der zweiten Runde an 31. Stelle und schob sich durch hervorragenden Lauf langsam an die Spitze. Bei der letzten Runde lag er bereits mit zwei Meter in Füh­rung und verbesserte seinen Vorsprung bis auf 25 Meter.

Jugend I.

Dreikampf: 1. O. Rodriguez. D2K. Gießen. Rvdriguez zeigte recht beachtliche Leistungen. Er lief z. B. die 100 Meter in 12,4 Sek

4X1 00-Meter-2ugend staffel: 1.D3K. Gießen (E. Brams, Adam II., Schäfer, O. Rvdri­guez) in 50 Sek.; 2. D2K. Mainz: 3. D2K. Groh- Auheim. Durch guten Stabwechsel führte Giehen beim zweiten Wechsel bereits mit 5 Meter und lieh sich den Sieg nicht nehmen.

Handball im Gau Hessen (D.T.)

To. kleinLinden To. Treis (Cba.) 8:2.

Die erste Handballmannschaft des Tv. Treis (Lda.) weilte am Sonntag zu einem Freundschaftsspiel bei der 1. Mannschaft des Tv. Klein-Linden zu Gast und mußte eine Niederlage mit 8:2 entgegennehmen. Treis trat nur mit neun Mann zum Spiel an. Es konnte trotz seiner ganz guten Leistungen gegen die technisch überlegene Klein-Lindener Mannschaft nicht ankommen.

Die 2. Mannschaft des Tv. Klein-Linden weilte in Großen-Linden und konnte der dortigen spielerfahre­neren 2. Mannschaft des To. Großen-Linden ein ehrendes 4:5 abtrotzen. Erst in den letzten Minuten fiel für Großen-Linden der Siegestreffer.

Rundfunkprogramm.

Donnerstag. 30. Juli.

7.30 Uhr: Bad Bertrich: Frühkonzert des Kur« Orchesters. 12.00: Schallplattenkonzert. 15.30: Stunde der Jugend, Vorlesung von Willy Busch- Hoff. 16.30: Bad Mergentheim: Nachmittags- brnzert der Kurkapelle. 18.10: Wasserkuppe: Segelflug-Wettbewerb (Mikrophonbericht von Dr. Paul Laven. 18.35: Zeitfragen. 19.00:Be­merkungen zur Berliner Bauausstellung", Vor­trag von F. T. Gubler. 19.30:Der Vater der Gerichtskrittk: Aus Slings Werk", gelesen von Hellmuth Bergmann. Mit einer Einleitung von Jnquit. 20.00: Salzburg: Salzburger Festspiele, Die heimliche Ehe", komische Oper in zwei Auf­zügen. 22.50 bis 24.00: Hotel de l'EuroPe, Salzburg: Unterhaltungsmusik.

Daten für Mittwoch, 29. Juli.

1856: der Komponist Robert Schumann in Ende- nich gestorben: 1883: der italienische Minister­präsident Benito Mussolini in Predappio bei Forli geboren; 1890: der Maler Dinzent van Gogh in Auoers-sur-Oise gestorben.

Vneflasten der Redaktion.

Langjähriger Leser. Wenden Sie sich an Herrn Dr. Schmidt, Frankfurt a. M., Hnt. Mainkai 22.

E. K. 10. Die Deitragspflicht besteht. Näheres über die Bestimmungen erfahren Sie beim Der- sicherungsamt im Stadthaus Gartenstraße.

nem Fenster aud, wo er auf Beobachtung stand, daß ein Herr in dunllem Mantel das Hotel ver­lieh und, sich dicht an die Häuser haltend, rasch hinwegging.

Mit großen Sätzen sprang Helbing die Treppe hinunter. Er eilte durch die Hotelhalle^ hemmte bei der Türe den Schritt, um unauffällig auf die Straße hinauszuschauen, und folgte dann in großem Abstand dem Herrn.

Er hatte vorhin in der Dunkelheit d'Alvez nicht erkannt; aber eine innere Stimme sagte ihm, daß er den Franzosen vor sich habe. Nun galt es, seine Spur nicht zu verlieren.

Durch mehrere Straßen ging die nächtlich« Verfolgung. Plötzlich, in einer schmalen Gaffe, war der Herr im dunklen Mantel wie vom Erd­boden verschwunden.

Cangfam, mit äußerster Vorsicht, ging Helbing weiter. Kein Mensch war weit und breit zu sehen. Die 5pufer ringsum lagen im Dunkeln.

Wo war /o'Alvez hingekvmmen?

Da traf ein Lichtschein Helbings Auge. Er kam aus dem Gebäude an der Straßenecke; ein lleines, unscheinbares Cafe befand sich im Parterre des Hauses.

Helbing näherte sich den erhellten Fenstern. Die Vorhänge waren unvollständig geschlossen; durch einen Spalt konnte Helbing in das Innere sehen.

Nur zwei Menschen saßen in dem Lokal: d'Alvez und die schwarzhaarige Dame. Sie re­deten in sichtlicher Erregtheit imteinander und schienen über irgendeine Sache nicht einig zu sein.

Plötzlich sah d'Alvez nach dem Fenster, als fühle er, daß er beobachtet werde.

Da entfernte sich Helbing rasch. Er hatte genug gesehen. Sein Verdacht hatte sich bestätigt.

Die halbe Nacht lag Hölbing wach. Fieberhaft überlegte er, wie er am wirksamsten gegen die beiden Verbrecher vorgehen könne. Sollte er die Orlspolizei verständigen? Oder würde es zweck­mäßiger fein, sich direkt mit den Berliner Kri­minalbehörden in Verbindung zu setzen?

Er entschied sich für das letztere.

In der Frühe des folgende Morgens rief er telephonisch das Berliner Kriminalgericht an. Dem Beamten, der am Apparat war, gab er eine eingehende Darstellung seines früheren Zu­sammentreffens mit d'Alvez und dessen Kom­plizin auf dem DampferMargherita"; er schu- der!« dann seine neuerliche Begegnung mit den beiden in Norderney, die Verdachtsmomente, die sich jetzt zur Gewißheit verdichtet hätten.

Man erwiderte ihm von Berlin, daß der Sache unverzüglich nachgegangen und ein Kr>- minalkommiffar nach Norderney entsandt werde. Der Kommissar werde sich mit ihm, Helbing, in Verbindung setzen; er möge bis dahin unter keinen AmstLnden etwas unter ehmen. ,

(Fortsetzung folgt.).