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nut uni 6 Prozent zu kürzen ift, zurückbleibt, haben die hessischen Minister freiwillig aus 10 Prozent ihrer Bezüge und 20 Pro­zent threr Aufwandsentschädigung verzichtet und außerdem noch weitgehend« Verpflichtungen auf Wohlfahrtsmahnahmen für ihre Person übernommen.

3m Ausschuß wurden darauf Bedenken ge­äußert gegen die Zweckmäßigkeit eines weit­gehenden Verzichtes auf die Aufwands­entschädigung, da doch diese Summen gerade zur Linderung der Not in Sonderfällen dienten, wie z. B. für notleidende Künstler aller Gebiete, für kulturelle Vereinigungen usw.

Der Tausend-Prozeß.

Im Prozeß gegen den Goldmacher Tausend stellte Ixr wtaaisanwalt überraschenderweise den Antrag auf Ladung eine - italienischen Professors als Zeugen, der bestätigen soll, daß Tausend bereits vor vier 3 a h - ren sein Verfahren der italienischenRe- gierung angeboten und bei den Vor­führungen betrügerische Manipulationen gemacht habe. Darauf antwortete Tausend, er sei ein- bis zweimal mit dem italienischen Professor Dr. Polino Sesimi aus Bergamo zusammengekom- mcn, der seine Broschüre183 Elemente" gelesen hotte. Der Professor habe ihn gebeten, ihm Ex- perimente vorzusühren. Rechtsanwalt Rix aus Dozen war damals Dolmetscher. Der Verteidiger erklärt sich mit der Ladimg des Professor- Sesimi als Zeugen einverstanden und beantragte weiter die Ladung des Rechtsanwaltes Rix als Zeugen. Das Gericht beschloß, diesem Anträge zu ent­sprechen.

De? Chemiker Kummer. Freiberg, ein Ver­trauensmann Ludendorffs, der als Mitarbeiter Tausends vielen Versuchen bcigewohnt hat und auch selbst Experimente vornahm, bestätigt, daß Tausend ihm gegenüber von einer K i l o - Pro­duktion gesprochen habe. Einwandfreie Ver­suche, die er von Tausend gesehen hätte, hätten im Höchstmaß ein Gramm Gold zum Er­gebnis gehabt. Später habe er ein selbständiges Konkurrenzunternehmen gegründet. Diese Gesell­schaft, die sich hauptsächlich mit der Herstellung von Mitteln zur Schädlingsbekämpfung befaßte und an der auch Buckeley beteiligt gewesen sei, sei später zusammengebrochen. Man habe sich da­bei auch mit Goldcxperimenten beschäftigt und teils negative, teils positive Resultate erzielt. Die un­günstigen Ergebnisse bei den ersten Versuchen Tau­sends in der Münze führte der Zeuge auf den Einfluß des Mondes zurück. Auf die Frage, ob er noch an das Verfahren Tausends glaube, bemerkte der Zeuge: 3ch bin unbedingt überzeugt, daß Tausend Gold herstellen kann und halte es auch für möglich, daß, wenn Tausend seine Gedanken weiter zur Ausführung bringt, auch eine Kilogrammproduklion herauskommt. Ter Zeuge gibt auf eine ausdrückliche Frage des Sach­verständigen Professor Hönigschmid noch an, daß er seit 1914 auf verschiedenen Tech­nischen Hochschulen studiert habe, aber daß es ihm trotz, mehrjährigen Studiums nicht ge­lungen sei. das nach vier Semestern verlangte Vorexamen zu bestehen.

Kunst und Wissenschaft.

Professor Wilhelm Dibelius f.

3m Alter von 55 Jahren verstarb Mittwoch früh der Anglist der Berliner Universität Professor Dr. Wilhelm Dibelius. Wilhelm Dibelius war Ber­liner. Er habilitierte sich 1901 in seiner Vaterstadt, wurde 1903 Professor an der Akademie in Posen und kam 1911 als Professor für englische Sprache und Kultur nach Hamburg. 3m Jahre 1898 ver­tauschte er diese Professur mit einem Lehrstuhl in Bonn und gehört seit 1925 als Nachfolger Brandls dem Lehrkörper der Berliner Universität an. Seinen Ruf als Gelehrter verdankt Dibelius in erster Linie seinem 1923 erschienenen zweibändigen Werk:Eng­land", zu dem gründliche kulturhistorische Studien im Lande selbst die Grundlage bildeten.

Thealerskandal in Stettin.

3m Stettiner Stadttheatcr kam es anläßlich der Erstaufführung von Igor Strawinskys Die Geschichte vom Soldaten" zu einem erheb­lichen Thea!erslandal. Schon während der ersten Takte der Musik wurde erheblicher Widerspruch in dem vollbesetzten Hause laut, der sich während des Stückes und besonders bei manchen Stellen im Text zu lautem Pfeifen und Tram­peln steigerte. Trotz der dauernden Störungen wurde das Stück zu Ende geführt, allerdings ging der Schluß in dem ohrenbetäubenden Lärm völlig verloren. Intendant Meißner, der offenbar nach Schluß des Stückes an die Zuhörer­schaft das Wort richten wollte und vor die Rampe trat, wurde mit einem derartigen Höllen­lärm empfangen, daß er nicht zu Worte kommen konnte.

Aus aller Welt.

Lawinenkatastrophe an der italienisch-französischen Grenze?

In Paris liegen Meldungen vor, wonach eine italienische Alpenjägerkompanie an der französisch-italienischen Grenze bei Winterübun- gen von einer Schneelawine überrascht worden sei. Am Montag sei eine Hilfskolonne aus- gegangen, um nach dieser als vermißt gemeldeten Abteilung zu suchen. Eine Meldung aus Rom be­sagt, daß die vermißten Alpini nach ihrem Stand­ort Bardeneche (Italien) zurückgekehrt seien. Dagegen besagen andere Meldungen, daß die Hilfs­kolonne ebenfalls von einer Lawine über­rascht worden sei und nicht weniger als 13 Tote zu beklagen habe, darunter den Verlust ihres Führers, eines Hauptmanns. Drei Leichen seien bereits geborgen worden. Man vermutet, daß die zunächst als vermißt gemeldete italienische Kom­panie sich in einer der auf französischem Gebiet liegenden Schutzhütte in der Gegend von Planath aufgehalten hat.

Explosion eines Wurstkessels.

In der Konsummetzgerei der Schuhfabrik Gustav Hoffmann in Kleve explodierte ein 750 Liter fassender Wurstkessel. Die Wucht der Explosion war so groß, daß der Kessel die Decke durch­schlug und sämtliche Fenster des Raumes zer­trümmert wurden. Von dem kochenden Inhalt des Kessels wurden zwei Arbeiter schwer verletzt.

Aus der provinziakbauvista-i

Dießen, den 28.Ianuar 1931.

Rücksichten.

Es wird heute roohl keinen geben, der sich wegen Ueberfluß an Rücksichten, die gegen ihn geübt wer- den, beklagt. Im allgemeinen herrscht das Prinzip, daß jeder für sich in Anspruch nimmt, nach seiner Fasson selig zu werden, unfc darum unbekümmert um den lieben, meist aber recht wenig lieben Näch­sten tut, was ihm behagt. Mit diesem Grundsatz läßt sich natürlich auch leben. Nur ist das, was ent­steht, wenn nun jeder diesen Grundsätzen huldigt, nicht rühmenswert. Auch nicht bequem, weil sich daraus eine Menge Reibungen ergeben. Da man nicht wie Robinson die unbeschränkte Herrschaft über ein Eiland hat, sondern mit dem träft.g gebrauchten Ellenbogen zuweilen recht derb aneckt, entstehen Eigenheiten des Schicksalsablaufs, von denen man nicht immer begeistert ist. Aber schließlich hat das jeder mit sich selbst auszumachen, denn auf die Er- gebnisse wird man ja durch kleine unangenehme Vorfälle nachdrücklich aufmerksam gemacht.

Der Begriff Rücksicht schließt aber auch noch etwas anderes ein. Es gibt für jeden unter uns Rück­sichten, die er übt: dem Berufe, feinen Freunden, feiner sozialen Stellung wegen, da und dort wegen der gesellschaftlichen Rolle, die er spielt und inne­haben will. Er möchte manchmal ganz anders, viel­leicht besser, vielleicht weniger gut handeln, aber die Rücksichten hindern ihn, und er tut das, was sich mit seiner eigentlichen Anlage nicht verträgt. Der eine ist im Grunde seines Herzens ein jovialer Herr, der sich gern mit jedem unterhielte, um von den andern zu lernen, aus einem andern Lebens­kreise Anregung zu empfangen Aber er hält sich zurück, wahrt seine Stellung, schließt sich ein in einen kleinen Kreis von Menschen, die ihn lang- weilen. Der andere hat einen Beruf, der mancherlei Anforderungen an ihn stellt, und um sich darin zu bewähren, sammelt er seine Kräfte und beschränkt er seine Zeit auf den Dienst für jene Menschen, 61e seinem Berufe nahestehen. Auch er würde sehr gern in die Weite streben, würde sein Dasein reicher, lebendiger gestalten. Aber er scheut davor zurück, nimmt Rücksichten auf seinen Beruf.

Und so haben wir in diefen Rücksichten eine Mauer, die uns rings einschließt, jeden von uns. Das Schlimmste daran ist, daß wir selbst diese Mauer vielfach gar nicht mehr sehen und spüren. Würde man sie sehen, man würde sie niederreißen, weil sie viele Entwicklungen hindert, die weit mehr begehrenswert sind als die, die durch" Rücksichten solcher Art zuteil werden. Da erscheint der eine stolz, hochmütig, eingebildet. Es gibt auch solche. Aber wieviel mehr gibt es, die ganz gern die Hand des andern ergreifen würden, kameradschaftlich, freundlich, hilfsbereit. Sie schrecken jedoch zurück vor dem Begriff: Rücksichten. Und der andere sieht da und dort einen Menschen aus einem andern Be­rufs- und Bildungskreise. Er glaubt, zu sehen, daß manche Freundlichkeit eine schönere menschliche Be­ziehung anbahnen könnte. Er kommt aber doch nicht dazu, weil auch er sich verschließt, Rücksichten nimmt, sich nicht anbiedern, nicht aus der Reihe derer gehen will, die im andern den Gegner, viel­leicht sogar den Feind sehen wollen.

Auf diese Weise bauen wir alle fast mit an der Errichtung von Mauern, die uns einengen, uns um manche Freude bringen, uns mehr oder minder ein­sam machen, und merken gar nicht, wie wir uns selbst schaden. Sind vielleicht noch stolz darauf, daß wir uns so gut eingekapselt haben. Und prüfen wir nach einiger Zeit einmal, was wir denn erreicht haben, so ergibt sich als Bilanz, daß wir für eine nur vermeintliche Sache Opfer gebracht haben, die uns manches nahmen, das uns weit wertvoller gewesen wäre. Sollten wir daraus nicht Lehren ziehen? r.

(Sin Todeszeugnis

ist kein Gesundheitszeugnis.

Eine wichtige und grundlegende Entscheidung hat das R e i ch s g e r i ch t in einer hessischen Strafsache gefällt. Ein Arzt in Gießen hatte in einem von ihm ausgestellten Todeszeugnis unrichtige Angaben ge­macht. Er war deshalb vom Bezirksschöffengericht der Provinz Oberhessen und auf feine Berufung auch von der Strafkammer verurteilt worden. Beide Ge­richte hatten sich auf den Standpunkt gestellt, das Todeszeugnis mit feinen Angaben über die Krank­heit fei zugleich einZeugnis über den Gesundheits­zustand eines Menschen", dessen unrichtige Ausstel­lung das Gesetz mit Strafe bedroht. Auf die Re­vision des Angeklagten hat das Reichsgericht das Urteil aufgehoben und auf Freisprechung er­kannt, da nach dem derzeit geltenden Recht ein Todeszeugnis niemals ein Zeugnis über den Gesundheitszustand eines Menschen fein könne. Die Verantwortlichkeit des Arztes in anderer, namentlich auch disziplinärer Richtung, wird durch die Entscheidung natürlich nicht berührt.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch Stadt­theater:Leinen aus Irland", 19 30 bis 22.30 Uhr. Lichtspielhaus. Bahnhofstraße:Die singende Stadt" Astoria-Lichtspiele:Der Mann aus Nevada" und Der schwarze Domino".

DerGoe the-Bund wird, wie man uns schreibt, an seinem nächsten Dichterabend mit einer jungen, aber bedeutsamen Dichterpersön­lichkeit bekannt machen: Ernst Penzoldt, der Verfasser des schalkhaften WerkesDie Poo- wenzbande" und des RomansDie portugalesische Schlacht", wird aus diesen beiden Werken am kommenden Donnerstagabend vorlesen. Es ist ein interessanter Abend zu erwarten. lSiehe heutige Anzeige.)

Kirchenmusikalische Abendfeier. In Gemeinschaft mit der Studentenseelsorge an der Landesuniversität veranstaltet das Musikwissenschaft­liche Seminar unter Leitung von Privatdozent Dr. Gerber am Freitag, 30. d. M., 20.30 Uhr in der Kapelle auf dem Alten Friedhof einen Abend: Psalm und Hymnus in der gottesdienstlichen Musik vom 15. bis 17. Jahrhundert. An Chören gelangen zum Vortrag einige französische Psalmen des Hugenotten C. Goudimel, sowie als deutsches Gegenstück eine Anzahl deutscher Psalmen von H. Schütz. Sind in diesen Tonsätzen Renaissance und Frühbarock mit charakteristischen Beispielen vertre­ten, so lasten zwei Hymnen des deutschen Meisters

H. Finck (15. Jahrhundert) den mystischen Fernblick spätgotischen Kunstempfindens erkennen. Eingeleitet wird die Veranstaltung durch einen Orgelhymnus von M. Praetorius (gespielt durch Herrn Orga­nisten N e b e 11 n g), während zwischen den cinzcl- nen Chören Herr Prioatdozent Lic. Laun (Tenor) einige Sologesänge (aus den Klageliedern Iererniae) von I. Rosenmüller (17. Jahrhundert) oortragen wird. (Siehe heutige Anzeige.)

Der Deutsche Rentnerbund Orts­gruppe Gießen, veranstaltet am Freitag, 30. Januar, 16 Uhr, im Katholischen Vereinshaus (kleiner Saal) eine Mitgliederversammlung bei der Dr. Kramer von der Bundesleitung des Deutschen Rentnerbundes Kastel einen Vortrag über das Thema:Wie kann heute ein Rentnergesetz gestaltet werden?" halten wird. (Man beachte die heutige Anzeige.)

* Belebung der Bauwirtschaft durch verstärkte Steuerbefreiung. Im Gegen- satz zu der seitherigen Regelung gelten für die Frei- stellung der Wohnungsneubauten, die ab 1. April 1931 bezugsfertig werden, neue Vorschriften. Durch die neuen reichgesetzlichen Vorschriften hat der Steuerpflichtige einen Rechtsanspruch auf Freistes-

Wenn Ihre

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in der Freitags- oder in der Samstags­nummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung

werben soll

dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf

lung von der staatlichen und kommunalen Gebäude­steuer, während es sich bisher nur um einen Billig- keitserlah handelte, über den die zuständigen kom­munalen Vertretungen Beschluß fassen mußten. Ge­meinden^ Kreise und Provinzen haben es also von diesem Termin ab nicht mehr in der Hand, ob sie die Steuerbefreiung zugestehen wollen, ober nicht, sondern die Freistellung tritt automatisch ein.

** D i e Unfall» und Invalidenrenten für Februar werden bereits am 31. Januar von 8 bis 12 und 14 bis 18 Uhr im Gasthaus Lamm aus­gezahlt.

* Flüchtiger Hühnerdieb. Wie wir von der Landeskriminalpolizeistelle Gießen erfahren, ist der gestern berichtete große Hühnerdiebstahl in Stammheim bei Friedberg dem 36 Jahre alten Kraft- fahrer Johann Rahner zur Last zu legen. Der Täter, der zuletzt in Offenbach a. M. beschäftigt war und seinen Wohnsitz in Frankfurt a. M. hatte, war mit dem Auto feines früheren Arbeitgebers an der Stätte feines lichtscheuen Wirkens in Stammheim erschienen. Rahner, gegen den auch noch verschiedene andere Strafanzeigen vorliegen, ist zur Zeit flüchtig. Die Nachforschungen nach ihm sind rege im Gange.

* Verein für Sterbeunterstützung. Man berichtet uns: Der Verein für Sterbe- unterstühung (Sterbekasse) in Gießen hielt am Sonntag feine Generalversammlung ab. Der Geschäfts- und Kassenbericht ergab die Tat­sache, daß der Verein auf gesunder Grundlage steht und allen Erfordernissen gerecht zu werden vermag. Die Versammlung bestä.igte die Maß­nahme des Vorstandes, stets einen angemesse­nen Reservefonds der gegenwärtig etwa 10 000 Mk. beträgt bereitzuhalten, so daß in allen Fällen das Sterbegeld unmittelbar nach einem TodesfaUe ausgezahlt werden kann. Die Mitgliederzahl ist mit 1858 im steten Anwachsen begriffen. Eine Erhöhung des Sterbegeldes, das z. Z. 370 Mk. beträgt, konnte nach Ansicht des Vorstandes in diesem Iahre nicht vorgenommen werden, da eine damit verbundene Steigerung der Umlage (Beitrag pro Mitglied und Sterbe­fall 25 Pf.) bei der bestehenden Wirtschaftslage nicht zu verantworten wäre. Vorstand und Auf­sichtsrat wurden in der seitherigen Zusammen­setzung wiedergewählt. Mit einem Appell an die Mitglieder, im laufenden Iahre je ein neues Mitglied zu werben, schloß der 1. Vorsitzende, Schreinermeister Ehr. Reitz, die Versammlung.

Llm den Vroipreis.

Vom Ortskartell Gießen des Deut­schen Deamtenbundes werden wir um die Ausnahme folgender Zeilen gebeten:

Erwiderung

auf die Ausführungen des Bäcker-Obermeisters L o e b e r in der Mittwoch-Protestversammlung der Gießener Wirtschaft gegen das Steuerdiktat. (Rr. 18, 2. Blatt des Gießener Anzeigers vom 22. Ianuar 1931.)

Die am 23. d. M. stattgefundene, von fünfzig Vertretern der dem Deutschen Deamtenbund, Or.skartcll G eßen, angehörenden 55 Fachgewe.k- leasten besuchte Hauptversammlung des Orts­kartells hat zu der fraglichen Angelegenheit fol­gend Stellung genommen:

Dermittlere 'Beamte der Stadt Gießen" wurde als besonnener, in schwerer Zeit bewährter guter Kenner wirtschaftlicher Fragen, ausgewählt, die dem Ortskartell zugehörigen zur Zeit 1800 Be­amten in der von der Regierung zwischen Hand­werk und Verbraucherschaft anberaumten Sitzung, betreffendunwirtschaftliche Preisbildung", zu vertreten. Die ihm unterstellte Erklärung, daß die Beamtenschaft gezwungen sei, ihr Brot von der Osthafen-Däckerei in Frankfurt a. M. zu beziehen, ist nach feiner bestimmten Aeußeruno nicht von ihm abgegeben worden. Er hat lediglich den ihm von der Kartelleitung erteilten Auftrag ausgeführt, äu erklären, daß die Beamtenschaft zur Selbsthilfe gezwungen fei. toerm sich die Bäckermeister einer Preissenkung gegenüber ablehnend verhielten. Hierzu hat er nicht für

sich, arrch nicht für die Beamten bet Stadt Diebe» allein, sondern für alle dem OrtSkartell ange­hörenden Mitglieder gesprochen.

Daß die Osthafen-Bäckerei Frankfurt a M. bereits das Brot billiger nach Gießen liefere, ist in der fraglichen Sitzung wohl u. a. erwähnt worden, aber nicht von unserem Ver­treter. Das muß das Protokoll ausweisen!

Die anwesenden 50 Vertreter weisen daher die gegen ihren Vertreter, denmittleren Beamten der Stadt Gießen", gerichteten Angrifse des Bäcker-Obermeisters Loeber auf das Entschiedenste zurück und sprechen ihrem Kollegen gleichzeitig ihr vollstes Vertrauen aus.

Im übrigen ist die Hauptversammlung der Airsicht, daß die Preisgabe als vertraulich anzusehender Besprechungen in einer öffent­lichen Versammlung tmrd) den Bäcker-Ober­meister Loeber in der vorliegenden, auS dem Zusammenhang gerissenen und als Angriff aus einen Beamten erscheinen­den Form, nicht geeignet ist, das von der Be­amtenschaft dringend angestrebte gute Einver­nehmen zwischen allen Stärrden der Volksge­meinschaft zu fördern.

Deutscher Deamtenbund, OrtSkartell Gießen.*

Eine Antwort

Wir haben Herrn Obermeister Loeber Ge­legenheit gegeben, zu den vorstehenden Ausfüh­rungen sofort Stellung zu nehmen Er übermittelt uns folgende Zuschrift:

Was die Besonnenheit und gute Kenntnis des mittleren Beamten der Stadt Gießen". Herrn Reitz, über wirtschaftliche Fragen anbelangt, sind das Handwerk und zahlreiche Kollegen und Be­kannte des Herrn Reih ganz anderer Meinung.

Meine Behauptung in der Prv:cstversammlung, daß Herr Reitz den hiesigen Bäckermeistern mit dem Drotbezug von Frankfurt (Schade & Füll­grabe) gedroht hat, halte ich voll und ganz auf­recht. Hierfür habe ich Zeugen aus der Sitzung. Eine solche Aeußerung des Herrn Reitz wird sicherlich, wie ich bei der vielfachen Verbunden­heit »wischen Beamten und Handwerk mit Recht annehmen kann, nicht von allen Beamten ge­billigt werden. Ich glaube vielmehr, daß die mei­sten Beamten aus Lokalpatriotismus unb in rich­tiger Erkenntnis der gemeinsamen Inter­essen von Beamten und handwerklichem Mittel­stand sich der Meinung des Handwerkes anschlie- hen werden Bezeichnend für die Sachlage ist, daß die Osthafenbäckerei Frankfurt in Frankfurt heute noch pro Laib Brot 10 Pfennig mehr nimmt, wie die Gießener B'i-ker-Innung. Hierfür wird auch der Gießener Bäcker-Innung troii zahlreichen Bürgern Dank und -a.icrfennung g.zollt.

Von einer Vertraulichkeit der Verhand­lungen war auf der Einladung nichts bemerkt, auch wurde in der Sitzung selbst keinerlei Vertrau­lichkeit bekanntgegeben.

Mit dem Bestreben zur Schafftmg einer Volksgemeinschaft aller Stände ist daS Handwerk, und dabei auch ich, durchaus einver­standen Ein Vorgehen,- wie es Herr Reih be­liebte, dient aber nicht der Förderung der Volks­gemeinschaft, sondern fordert geradezu $ur berech­tigten Abwehr heraus. Iedensalls bin tch mir be­wußt. daß ich bei meiner Stellungnahme der Zu­stimmung des Handwerks und auch vieler anderer einsichtiger Mitbürger sicher bin.

Wilh. Loeber, Bäckerobermeister.

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Wettervoraussage.

Das neue Tiefdruckgebiet im Nordwest-n hat sich bereits so weit fortbewegt, daß sein Kern in den heutigen Morgenstunden über der Nordsee lag. Dabei bat die Warmluft im westlichen Deutschland zu Tem­peraturanstieg sowie Eintrübung und Niederschlägen geführt. Durch den Einfluß der Störung wird mehr ozeanische Luft nach dem Festlande gelangen, so daß im Bereich der Westströmung für die Jahreszeit milderes und wechselhaftes Wetter vorherrscht. An­zeichen für beständiges Wetter sind zur Zeit noch nicht vorhanden.

AussichtenfürDonnerstag: Meist wob kiges Wetter, zeitweise Niederschläge, milder, dann wieder etwas auffrischend.

Aussichten für Freitag: Weiterhin ver­änderliches Wetter.

Winkersportnachrichken.

Hoherodskopf: Leichter Nordwestwind, 40an Schnee im Walde: Sportmöglichkeit ganz aus- gezeichnet.

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Schöne weiße Zähne: Chlorodont