-ustellen, daß eine industrielle Rekorderzeugung im Schatten der Todesstrafe möglich ist." 2tun, die in den russischen Industriemittelpunkten tätigen amerikanischen Ingenieure, mit denen Herr Knickerbocker zusammentraf, scheinen diesen „Schatten" wenig zu fürchten.
Präsident Hoover ist natürlich daran gelegen, einen Handelskonflikt mit den Sowjets zu vermeiden und keine Störung der für das amerikanisch« Geschäft so günstigen wirtschaftlichen De- Ziehungen zu Rußland aufkommen zu lassen. Daß ihre Erhaltung der Muhe wert ist, dafür dürften schon die letzten vorliegenden Ziffern über den gegenseitigen Handel genügend Beweis liefern: vom Oktober 1929 bis März 1930 haben die Vereinigten Staaten für 64 000 000 Dollar Exportgüter nach Rußland verschickt, die Einfuhr von dort belief sich auf rund 10 000 000 Dollar. 2lber Herr Hoover kann kaum hoffen, daß Rußland auf die Dauer derselbe gute Kunde bleibt, wenn seine Regierung der russischen Einfuhr alle möglichen Hindernisse in den Weg legt.
Dabei sind einigen Amerikanern die gegen Moskau errichteten Schranken noch lange nicht hoch genug. Sie bestehen auf gänzlichem Verbot jeder Einfuhr, unter Heranziehung des so bequemen Sttäflings- und Zwangsarbeits-Paragraphen. Sie bedienen sich jedes nur erdenklichen Qlrgumc ts zur Anrufung des Durchschnit s-Amerikaners, seines Geldbeutels, seiner Moral, seiner Ideen von Familie und seines Patriotismus. Die Leute, denen das Wort Sowjet und alles, was damit zusammenhängt, dasselbe ist wie das rote Tuch dem Stier, verlangen Schuh nicht nur gegen das „Dumping" russischer Waren und Werkstoffe, die von ihnen gedachte Schuhmauer muh auch hoch genug sein, um jede russische „Propaganda" fernzuhalten. Sie verlangen tatsächlich, daß das ganze russische Problem durch Gesetze aus der Welt — wenigstens der amerikanischen — geschafft werde.
Was allerdings kaum zu machen ist. Ob Rußland mit seinen ungeheuren Plänen Erfolg hat oder nicht, hängt von den Russen ab, nicht von Gesehen, die der amerikanische Kongreß für Amerika erlassen mag. Wenn die Sache fehl- schlägt, darf Washington kaum behaupten, daß es hu dem Fiasko beigetragen habe, dennA m e r i k a leiht den Russen Ingenieure, Maschinen und alles, was sie brauchen. Gelingt sie, dann wird Amerika, genau so wie die ganze übrige Welt, sich einem wirklichen russischen Problem gegenubersehen, dos mit Einfuhrverboten nicht abgetan werden kann. Denn die Sowjet-Republiken werden vermöge ihres Handelsmonopols sich auf den Weltmärkten a l s Konkurrenten — nicht nur in Rohstoffen, auf die sich die russisch« Ausfuhr vorläufig zu beschränken hat, sondern auch in Fertigwaren— einstellen, mit denen das kapitalistische System der alten und neuen Welt nicht mehr in Wettbewerb zu treten imstande sein wird. Das ist das russische Problem in der Rußschale. Embargos lösen es nicht.
So ergibt sich das merkwürdige Bild, daß die Vereinigten Staaten von Amerika einerseits und offiziell das russische Sowjetreich als nichtexistent überhaupt leugnen, mit ihm keine Beziehungen unterhalten und seine Waren auf das schärfste verfolgen. Auf der anderen Seite aber treiben diesel^n Vereinigten Staaten inoffiziell aber ganz öffenllich einen schwunghaften Han- d e l mit den Sowjetrussen, denen sic nach besten Kräften zum Gelingen des Experimentes des Fünfjahre-Plans helfen. Ob man meint, daß zuerst Europa und nicht Amerika die Folgen eines aus innerer Konsolidierung erwachsenden neuen sowjetrussischen Expansionsdranges zu spüren bekommen werde? Vielleicht irrt man sich ' darin Auch Amerika liegt nicht außer der Welt. Auch Amerika kann es nicht gleichgültig fein, was in Europa geschieht.
9Jl.-'fpOTt
Spielvereinigung 1900 Gießen.
Spielvereinigung 1900 (Liga) — JC. Frohnhausen (Liga) 4:0.
Den Gästen war wenig Aussicht gegeben, den Plah als Sieger zu verlassen. Allgemein erwartete man die 1900er in Front, wenn auch nicht mit diesem verhältnismäßig hohen Ergebnis.^ Die Frohnhausener wehrten sich tapfer und hätten zumindestens das Ehrentor verdient. Der Sieg der Hiesigen war in der erreichten Höhe aber auch nicht unberechttgt, als die 1900er in Spielaufbau und besonders in der Zusammenarbeit zwischen Läuferreihe und Sturm Vorzügliches leistete, während daneben die Verteidigung immer reichlich und gefährlich weit aufrückte. Das war um so gefährlicher, als die Gäste verschiedene rasche Durchbrüche lieferten. Die Frohnhausener bedienten während der ersten Halbzeit ihre Flügel besonders stark und erhofften dadurch einigen Erfolg. Die Gießener Verteidigung war jedoch in guter Form und brachte des Gegners Aktionen immer wieder zum Stehen.
Bieberaus abwechslungsreich und forsch setzte der Kampf ein, 1900 hotte Anstoß, rückte sofort vor das Gästetor und gab dem Torwart Arbeit, aber noch in der gleichen Minute lagen die Gäste vor dem Tor der Hiesigen und — warfen daneben. Während der ersten zehn Minuten zeigten beide Mannschaften eine blendende Form, die Spielhandlung brachte manchen spannenden Augenblick. der die Zuschauer in Atem hielt, aber leider flaute das so nach und nach ab und verlor sich in einein reiflich unproduktiven Feldspiel. Erst in der 20. Minute fiel der erste und einzige Treffer der ersten Halbzeit für 1900, der durch Adelberger vortrefflich placiert in der linken oberen Ecke landete. Die Gäste schufen auch verschiedentlich vor dem Tore des Plahbesitzcrs kritische Situationen, ließen aber doch die nötige Energie im Torschuß vermissen und vermochten anderseits die Verteidigung nicht zu überwinden.
In der zweiten Halbzeit nahm, nachdem die Gießener sofort nach dem Anstoß einen zweiten Treffer erzielten, das Spiel an Schäle zu, ohne indessen auszuarten Die 1900er liehen noch manche sehr günsttge Gelegenheit, das Ergebnis noch höher zu gestalten, au8 und konnten erst kurz vor Schluß, während der letzten acht Minuten, noch zweimal den Tormann überwinden. Gießen mußte vorübergehend mit nur zehn Mann spielen, die Gäste konnten aber in dem Zci raum von 15 Minuten auch daraus keinen Vorteil ziehen. Der Schiedsrichter, Geisel (Alsfeld), hatte das Spiel jederzeit in der Hand und wirkte zu beiderseitiger Zufriedenheit.
Spieloereinigung 1900 IV — Leihgestern 1 1:5 (1:2).
Am Sonntag weilte die erste Mannschaft der Spielvereinigung Leihgestern zum fälligen Verbandsspiel in Gießen. Leihgestern spielte in der ersten Halbzeit gegen den Wind, konnte aber trotzdem überlegen spielen und dies in zwei Toren zum Ausdruck bringen, denen Gießen «in Tor entgegensetzen konnte. Nach der Halbzeit schuf Leihgestern mit weiteren drei Toren einen größeren Vorsprung, dem die Gießener nichts entgegenzusetzen hatten.
Juaendwiele.
1900 1. Jugend — Fechenheim 03 1. Jugend 0:0.
Leider tat der am Rachmittag einsetzende starke Regen dem Spiel großen Abbruch. Den trotzdem erschienenen etwa 100 Zuschauern wurde aber auf dem nassen, schlüpfrigen Boden ein wider Erwarten schönes und flottes Spiel vorgeführt. In mancher Beziehung waren die Gäste technisch überlegen, doch dies glich 1900 durch riesigen Eifer aus. In einem meist verteilten Feldspiel sah man aber auch recht schöne Angriffe, die aber nicht zu Erfolgen führten. Hier zeichnete sich besonders
GießenS Torhüter aus, der in blendender Manier manch tätlichere Sache meisterte. Mit dem Schlußpfiff trennten sich die Mannschaften bei dem gerechten Resultat von 0:0.
Die 3. Jugend stand im Pflichtspiel der 2. Jugend des VfD.-Gießen gegenüber und gewann nach teilweise überlegenem Spiel 4:0. Auf beiden Seiten konnten mehr Tore gemacht werden. Leicht war der Sieg nicht, denn der Gegner setzte sich mit aller Energie zur Wehr und trug manchen gefährlichen Angriff vor das Tor der Blau- weißen. Aber durch Pech und die Unentschlossenheit der Stürmer blieb das verdiente Ehrentor aus. Die Schüler holten in Garbenteich das vor 14 Tagen ausgefallene Pflichtspiel nach. Da sie nur mit 9 Mann die Reise machten, hatten sie wenig Aussicht auf Erfolg. Sie verloren das Spiel knapp 3:2.
BfB.-Gießen.
Daß der Wetzlarer Sportverein trotz seines bisherigen verhältnismäßig schlechten Abschneidens in den Verbandsspielen immer noch ein schwer zu schlagender Gegner ist, muhte die VfB.-Liga durch eine 0:2-Riederlage erfahren. Sie hatte den Gastgeber anscheinend weit unterschätzt, dessen unerwartet gutes und vor allen Dingen forsches Spiel allgemein überraschte. Die VfB.er dagegen enttäuschten sehr. Von ihrem in den letzten Spielen gezeigten Können und ihrem Kampfgeist sah man diesmal nur wenig. Trotz alledem war das Treffen nicht uninteressant, da die in rascher Folge wechselnden Angriffe eine Menge spannender Kampfmomente ergaben. Richt lange vor der Pause erzielte Wetzlar sein Führungstor. Die zweite Spielhälfte schien torlos zu verlaufen, als es den Einheimischen wenige Minuten vor Schluß dann doch noch gelang, das Resultat auf 2:0 zu erhöhen.
Das Iugendlokaltreffen auf dem Waldfport- plah, Spielvereinigung 1900 Al — VfB. Al, konnten die 1900er mit 3:2 für sich entscheiden. Der VfB. mußte leider infolge plötzlicher Erkrankung eines Spielers das Treffen nur mit zehn Mann antreten und war außerdem gezwungen, für zwei im Abiturientenexamen stehende Spieler Ersatz einzustellen. Während der ersten Halbzeit war das Spiel verteilt und sah beide Parteien abwechselnd im Angriff. Während Spielvereinigung zweimal erfolgreich sein konnte, war es VfB. nur einmal. Rach dem Wechsel machte sich die zahlenmäßige älnterlegenheit der VfB.er stärker bemerkbar, so daß sie größtenteils in die Defensive zurückgedrängt wurden. Trotzdem vermochte die Spielvereinigung nur noch ein Tor zu erzielen, dem die Plahelf noch ein Gegentor entgegensetzen konnte. Das Spiel wurde beiderseits ruhig und fair durchgeführt.
Die 3. Mannschaft des VfB. konnte das fällige Derbandsspiel gegen Garbenteich in Garbenteich mit 5:2 für sich entscheiden. * 1
Die Arbeit derZuaend-Iußbaü-Abtetlung
der Ep elvereiniguna 1900
Die Spielvereinigung 1900 hielt vor einigen Tagen ihre Generalversammlung ab, in der u. a. auch ein Rückblick über die Arbeit der Jugend- Fuhballabteilung (Leiter Herr 03dnbran) gegeben wurde. Reben interessanten allgemeinen Ausführungen, die insbesondere das Verhältnis der erwachsenen Sportler zum Iugendsportler behandelten und manche recht wertvolle Anregungen gaben, brachte dieser Bericht auch einige Ziffern, die die große Aktivität der 2u- gendabteilungen des Vereins unter Beweis stellten.
Aus einer Aufstellung seien nur folgende Ziffern entnommen: Die vier Jugend-Fußballmannschaften des Vereins (1., 2., 3. Jugend und eine
Schülermannschast) lieferten im vergangenen Der- einsjahre insgesamt 105 Spiel«, davon waren 44 Pflicht- und 61 Gesellschaftsspiele. 46 wurden auf eigenem und 59 auf fremden Plätzen auS- getragen. Gewonnen wurden 55, unentschieden endeten 15, und verloren wurden 35 Spiele. Mit einem Torverhältnis von 219:121 stellten die Jugendlichen ansprechende Leistungen unter Beweis. Diese 105 Spiel« sind durchschnittlich von 55 Spielern an 42 Sonntagen bestritten worden. Daraus geht deutlich hervor, daß an die Jugend verhältnismäßig hohe Anforderungen gestellt wurden, denen sie sich aber sicherlich nicht ungern unterzogen hat. Einzelne Spieler haben sich kein Spiel ihrer Mannschaft entgehen lassen. So hat z. B. Lippert 40 Spiele hinter sich, Blum 34, Hart und Sauer je 33, Schmidt und Wenzel je 32, Reining und Bend« je 30 Spiele. Die Gegner der 1900er Jugend rekrutterten sich in der Hauptsache aus Mannschaften der 'Vereine ans den Bezirken Gießen, Wetzlar, Marburg, Butzbach, Friedberg, Weilburg und Grün- berg. Einzelne Spiel« wurden ausgetragen gegen Leverkusen-Köln, Groß-Auheim, FSV. Frankfurt, Siegen, Weidenau und Wiesbaden.
Dem Verein dürfte es sicherlich nicht leicht gewesen sein, feinm Jugendlichen das Feld einer: so reichen Betätigung auch immer in finanzieller Hinsicht zu eröffnen. Es bedurfte hierzu zweifellos auch immer einiger QKännTt,-4>ie sich rückhaltlos in den Dienst der Sache stellten. Der Sportverein aber, der in diesem Maße die Jugendlichen zu körperlicher Betätigung heranzuziehen und zu halten vermag, wird seinen, wahren Zweck, Ertüchtigung derIugend, vollauf gerecht. Man kann mit dem Leiter der Jugend-Fuhballabteilung sagen, daß der Verein auf seine Jugend, und die Jugend auf ihrs Erfolge stolz sein kann.
Hirschfeld wieder in Relordform.
■
MM
Hirschseld - Allenstem, der vorzügliche deutsche Kugelstohmeister, zeigte sich beim großen Hallen» sportfest in Frankfurt nach seiner Verletzung wieder gänzlich hergestellt, warf die Kugel über 15,55 m und erreichte damit fast Rekordnähe.
Die kleine Motette.
Vornan von Paul Hain
29 Fortsetzung Nachdruck verboten
Wördehosf unterbrach sie gelassen.
„Du kannst dir alles erlauben, Rorma — und du tust cs ja auch. Ich jedenfalls verbiete dir nichts mehr. Aber wollen wir diese unerquickliche Auseinandersetzung abbrechen? Du siehst doch, daß du mich — mit deinem Privatausflug heute nicht aus der Fassung gebracht hastl Run behalte du sie bitte auch!"
Rorma wollte eine heftige Erwiderung geben, aber Wördehosf winkte Dr. Römer und Bar- nowsky zu, die etwas aus der Steinbrüstung der kleinen Brücke unweit vom „Braunen Hirsch" saßen, während er mit Rorma ein Stück weg- wärts aus- und abgegangen war.
Barnowskh schoß heran, während Römer langsamer hinterher ging.
„Wir wollen noch ein bißchen durch die Stadt spazieren — einverstanden? Morgen heißt es packen. Lind ich möchte mir diesen und jenen Winkel doch noch einmal ansehen —"
„Wie Sie wünschen, Herr Wördehosf."
Rorma schritt voran. Lind cs war selbstverständlich, daß Barnowsky nun nicht mehr von ihrer Seite wich — —
Am übernächsten Tage, in aller Frühe, wurde Professor Kinna im Auto nach dem Bahnhof gebracht. Er war in der letzten Zeit etwas munterer geworden und vermochte einige Worte zu sprechen. Olber seine Augen blickten noch immer trübe und matt
Ricolette, Frau Marthe und Wördehoffwaren bei ihm. Die Schwester war schon zum Bahnhof vorausgegangen, um das Verladen des reichhaltigen Gepäcä zu beaufsichtigen.
Dann war Kinna im Kupee untergebracht. Wördehosf verabschiedet« sich herzlich.
„Wir sehen uns gesund wieder, Herr Professor! Wir wollen doch den Frühling auf dem Schloß feiern —"
Kinna nickte leicht, und ein Widerschein von dem gütigen Lächeln, das in guten Tagen immer sein Gesicht verklärt hatte, huschte um seinen Mund.
„Sie werden — Ricolette ein guter Freund bleiben, Wördehosf", murmelte er mit schwacher Stimme. Rur mühsam kamen ihm die Worte.
Wördehofs reichte ihm die Hand.
Lind mit fester Stimme sagte er:
„Ich hoffe, ihr einmal noch mehr sein zu können, Professor —<r
Der blickte zu Ricolette hin, die heiß errötete.
Da vertiefte sich das Lächeln um seine Lippen und er flüsterte: .Steht eS — (schon — fo —"
„3m Frühling, Professor — wenn Sie ganz gesund sind, dann werd' ich Sie fragen", sagte Wordehofs mit leuchtenden Augen.
Kinna schloß die Lider. Das Sprechen strengte ihn allzusehr an. Lind er konnte die Worte anderer noch nicht mit seinen kranken Sinnen so schnell erfassen. Aber das Lächeln blieb eine Weile in seinem Gesicht und gab ihm einen milden Glanz.
Ricolette stieg mit Wördehosf aus dem Kupee!
Roch einige Augenblicke wollte sie mit ihm allein sein — soweit das hier möglich war auf dem Bahnsteig, allein vor ihm stehen und die letzten Worte mit ihm sprechen.
Schon vorher hatten sie verabredet, daß sie einander nur schreiben wollten, wenn etwas Besonderes passiert sei. Etwa eine Verschlimmerung im Zustand Kinnas oder — wenn Wördehosf frei war!
Sie hatten offen darüber gesprochen, und Wör- dehoff war entschlossen, gleich nach seiner Rückkehr nach Berlin in ehrlicher Aussprache mit Rorma auf eine Scheidung hinzuörängen.
Dann — wenn er frei war — wollte er selbst kommen! Rach Genf oder — in seine neue Heimat auf den Schloßberg. Bis dahin sollten ihre gegenseitigen Gedanken einander grüßen und das Gefühl ihrer Zusammengehörigkeit, die Hossnung auf eine glückliche Zukunft würden ihnen die Trennungszeit leicht machen.
Ricolette beugte sich dicht zu Wördehosf und hielt seine Hände umspannt.
„Untere Gedanken — die kann uns niemand verbieten, nicht wahr, Hubert?"
Er schüttelte lächelnd den Kopf.
„Rein, Rico — mit Liebe einander gedenken, das dürfen wir."
„Ich werde nur immer denken, wie eS sein muh, wenn — du wiederkommst!"
Er zog ihre Hände an die Lippen.
Run würde es lange, lange dauern, bis er sie wieder küssen durfte.
Der Beamte mahnte zum Einsteigen. Da hastete Dr. Windthorst im letzten Augenblick heran. Er war schon früh zu einem Patienten gerufen worden, und so hatte er nicht rechtzeitig kommen können.
„2lh — Gott sei Dank — erwische ich doch noch einen Abschiedsgruh", rief er von weitem und atmete schnell.
„ Fräulein Rico — gute Reise und immer Kopf hoch!"
Er küßte sie impulsiv auf die Stirn. Frau Marth« beugte sich aus dem Fenster. Ein Händedruck Kinna schien zu schlafen. Schnell noch einige Ermahnungen an die Pflegeschwester — dann pfiff die Lokomotive das Abfahrtssignal.
Ricolette sprang in das Küpe« zurück
„Auf Wiedersehen, Hubert", flüsterte sie mit gepreßter Stimme
Da setzte sich der Zug in Bewegung.
Langsam rollte er davon.
Ein weißes Tuch flatterte in Ricolettes Hand.
Wordehofs winkte mit der Mühe.
Roch erkannte fein scharfes Auge Ricolettes Gesicht. Aber nun wurde es immer undeutlicher. Immer kleiner der flatternde Gruß des Tüchleins.
Und nun machte der Zug eine Kurve — verschwand — irgendwo — —
Wördehosf setzte die Mütze auf.
Dr. Windthorst schob die Hand in seinen Arm.
„ Kommen Sie — man muß einen Abschied niemals auskosten wollen. Er schmeckt immer bitter.“
Wordehoff antwortete nicht. Ihm war bang zumute.
Erst auf der Straße sagte er:
„Ich wünsche, ich sehe auch — Kinna wieder!
Dr. Windthorst räusperte sich.
„Das liegt in des Allmächtigen Hand, Wörde- hoff. Olber — denken Sie an das Leben — es ist wichtiger."
Wördehosf atmete tief die herbe Waldluft ein, die von den Bergen herabströmte.
„Ja — das will ich", sagte er hart.---
Am Rachmittag schlug auch für ihn die Stunde der Abreise. Das Herz war ihm schwer. Aber Rorma, Barnowsky und Dr. Römer waren lustiger Dinge. Sie hatten reichlich genug von der Rude hier, die so gar keine gesellschaftliche Unterhaltung größeren Stils, wie sie sie gewohnt waren, bot und sehnten sich nach dem „bunten Allerlei" des Berliner Lebens. Salonlust lockte — und die Luft der Kulissen, das „Parfüm" der weltbedeutenden Bretter.
19.
Wochen waren vergangen.
Cs herbstette bereits. Die Glut des Sommers war schon lange dahin und die Bäume begannen kahl zu werden. Cs ging in den Oktober hinein. Roch wenige Wochen und unter Umständen konnte der erste Schnee fallen. —
Ja — viele Wochen waren vergangen, aber Hubert Wordehoff war nicht einen Schritt vor- wärtsgekommen.
Rorma leistete Ihm Widerstand. Sie wollte keine Scheidung!
O — es war qualvoll! Wördehosf sah sich gezwungen. die Zelt nutzlos vergehen zu lassen. Rorma kümmerte sich feit jener Aussprache, die er gleich nach der Rückkehr nach Berlin mit ihr gehabt hatte, kaum noch um ihn. Sie ging ihre Wege. Sie hatte Unterhaltung genug.
Deutlich war Wordehoff jeoe Einzelheit jener Auseinandersetzung in der Erinnerung hasten geblieben. Rorma hatte laut ausgelacht, als er sie bat, in eine Scheidung einzuwilligen und sich in Ruhe voneinander zu trennen. Er wollte natürlich die Schuld auf sich nehmen.
»Ich denke ja gar nicht daran, meta Lieber",
rief sie aus. „Warum denn? Du hast mich genug gereizt mit deinen romantischen Launen — deiner Gleichgültigkeit — deiner Ruhe — jetzt hab ich das Heft in der Hand. Dein« Wald- prinzessin wird sich zu kosten wissen!"
„Rorma — fei nicht rachsüchtig! Es ist deiner nicht würdig! Denke doch sachlich —"
„Haha — meiner nicht würdig! Was weiht du davon? Genug, ich will nicht! Ich will keine Sensation!"
„Die braucht es auch nicht zu geben, Rorma! Olber diese Che ist eine Farce! Eine Ironie!"
„Mir liegen nun einmal die Farcen besonders gut", höhnte sie. „Dagegen kann man nichts machen."
„Spotte nicht! Aus dir spricht der Zorn darüber, daß ich dich - so gut erkannt hccke! Aber treibe es nicht auf die Spitze, Rorma! Ich will frei werden von dir, daß du es weißt! Und ich werde es erreichen!"
„Du drohst umsonst."
„Ich drohe nicht — ich spreche nur von meinem Willen! Gut — wenn du es nicht anders wlllst, so werde ich von mir aus alles in di« Wege leiten und — verlaß dich daraus — ich werde Gründe finden!"
Da fuhr sie herum.
„Du willst mich beobachten lassen?"
„Du zwingst mich dazu! Deine Verschwendung grenzt an Wahnwitz! Ich weiß — du spielst I Ich werde erfahren, wo du die Llnsummcn verspielst! Ich werde Himmel und Höll« in Bewegung setzeit, um frei zu werden! Ich schwör« es dir."
Da trat sie dicht an ihn heran. Ihre Stimm« klang schneidend.
„Lind du wirst — nichts herausknegen! Das schwöre ich dir! Olber ich verspreche dir auch, daß ich mich mit allen Mitteln zur Wehr setzen werde, wenn du mich dazu zwingst! Gut — suche du nach Gründen, mein Lieber! Hetze Spürhunde hinter mir her - ich werde mit gleicher Münze bezahlen. Denn ich weiß, daß du Olicobette Kinna nicht nur — die Hand gedrückt hast — “
Wördehosf ballte die Fäuste.
„Du — laß sie aus dem Spiel!"
„So lange, wie es mir paßt —"
„Richts weiht du!"
Höhnisch lackte sie ihn an.
„Run gut, ich vermute! Die Kinderlippen deines Waldprinzefsin wirst du nicht ungeküht gelassene haben! Sie würde es — unter ihrem Eide aussagen müssen. Ah — ich würde sie —
„Richts würdest du!" schrie Wordehoff empor^ und eine würgende Angst befiel ihn.
Rein — Ricolette muht« aus dem Spiel bleiben! Sie durfte nicht mit in diese Sache hineingezogen werden. Sie — die Zarte, Feine — nicht! auszudenken war das! Ihre Liebe war ja wie ein Reh aus hauchfeinen Sonnenfäden!
.(Fortsetzung folgt.)
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Rodheim I
Bereits noch kurze j Heuchelheim in Fühl | bit jur fiatyeit oe ä Seitenwechsel glich Ü y nun nichts mehr zu I rollte vor das Tor i ' urhütete eine fitere
(Bto^en-Cinte
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