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Aus -er Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 27. Januar 1931.

Pferde ...

Alle singen das hohe Lied der Technik. Wir sind ja so weit, Uebermorgen werden wir alles mit Maschinen machen. Es gibt nichts, was unsere Ingenieure nicht auch mit Stahl und Oel bewerk­stelligen können... Aber auch der Mechanisierung sind Grenzen gesetzt. Das mag teilweise an man­gelnden Kapitalien liegen. Es liegt aber auch an einem versteckten Rest von Romantik, den jeder rroch in sich trägt. Der stemmt sich gegen die All- umwondlung in maschinelle Formen. Es ist auch nicht schlecht, daß es so ist...

Es gab Zeiten, und die liegen rwch ganz naß Srüd, da dünkte sich jeder Automobilist ein eberwinder altmodischer Zustände, zu denen man die Pferde rechnete. Ein Auto mehr zwei Pferde weniger. Man fing schon an, sentimental *u werden. Man sah schon die letzten Mähren im Raturschuhpark vor neugierigen Menschen einem melancholischen Aussterben entgcgengra en. Man spielte auch mit dem Gedanken zu einem Denkmal .Dem letzten Pferd" - vielleicht auf dem Rür- burgring oder der Avusbahn. Äeulich sprach ich mit dem Leiter einer Spedi ionsiirma.Wir ha­ben eine Menge Lastautos, gewiß. Unseren Pferdebestand haben wir fast auf das Doppelte erweitert. Es geht uns nicht allein so. Pferde wer­den sehr viel benutzt." -

Es soll hier nicht gesagt werden, warum. Pferde mögen billiger sein, sicherlich sind sie es. Unsere Wirtschaft arbeitet mit einer Unmenge von Pfer­den. Es ist nichts mit dem Denkmal geworden. Auch nichts mit dem Schuhpark. Eine g öße, un­übersehbare Schar von Pferden trabt jeden Mor­gen mit klappernden Husen zur Arbeit. Ein biß­chen fremder sind sie den Kindern des letzten Jahr­zehnts ja geworden. Kürzlich sah ich in derBer­liner City, wo Pferde allerdings selten sind, einen schnittigen Dogcart. Kurz vor der Straßenecke wiehert der kleine Goldfuchs lustig in den grauen Morgen. Sagt neben mir ein kleines Mädi zu seiner Begleiterin:Hör mal, Mutti, das Pferd hupt

Diesiges Weiter. Die Steine der steil anführenden Straße glänzen vor schmutziger Rässe. Mit rauhen Rusen antreibend, breitbeinig der Fuhrknecht, peitschen knallend neben dem hochbepackten Roll­wagen. Zwei schwarzbraune Belgier liegen hart in den Strängen. Wie Rauch steigt es von den dampfenden Kruppen. Herrlich das Spiel schwel­lender Muskeln unter dem nassen Fell. Weihe Flocken schäumen am Gebiß, das schwer die Kan­dare mahlt. Singend dröhnen die Eisen, Funken stieben über die grauen Steine.

Ein heroisches Symbol der Arbeit, gigantisches Spiel natürlicher Kräfte!

3n den großen, tiefdunklen Augen der Pferde liegt die Melancholie, wie sie so allwissend nur die Ratur selber hat. Melancholie hat nichts ver­zweifeltes, sie ist ruhiges Wissen um die dunkle Seite allen Seins. Pferde blicken so, reglos, zwei Stunden stehen sie schon oder drei und warten vor einem Tor, wie etwas Bergessenes im Abend. Ein junges Mädchen bleibt stehen, klopft, zaghaft, gü­tig den warmen Hals unter der welligen Mähne spricht leise Worte, in denen Mitleid schwingt. Die Dankbarkeit in den Samtaugen des Tieres ist ergreifend stark, weil ohne Worte, ernst und selt­sam traurig ist dieser dunkle Blick Tiere sehen dich an.

Pferde in der Großstadt, dunkler Stall und tags endloser Weg durch die Steilschluchten der Häuser, durchdröhnt vom heiseren Hupen ner­vöser Motore. Bor dem Wagen tagaus, tagein, Warten in Winterkälte und fliegendurchsummter Sommerglut, treue Gefährten des Werktags, stumme Helfer, Riesen an Kraft und Unermüdlich­keit, ziehen sie mit nickenden Köpfen im schwe­ren Takt dröhnender Eisen. Sie kennen nichts als Arbeit und abends eine volle Krippe im Warm- dunkel des Stalls. Was wissen wir aber von halbvergrabenen Wünschen nach dem weiten, end­losen Gras sonniger Koppeln im Sommerwind? Glaube mir, es sind dieselben Wünsche, wie wir sie haben, du und ich, die wir in der Stadt leben und alle heimlichen Träumen nachhängen von end­losen Wiesen und grenzenloser Ungebundenheit unter dem jauchzenden, Blau sommerlichen Him­mels ... H. C. v. M.

Montz Strauß 75 Jahre alt.

Am morgigen Mittwoch, 28. Januar, begeht der in allen Kreisen unserer Stadt und der Provirz bekannte ficrr Moritz Strauß in voller Kör­per. und Geistesfrische seinen 7 5 Geburtstag. Herr Strauß kam als Zwanzigjähriger nach Gie­ßen und betrieb 8 Jahre lang ein Zigarrengeschäft. Dann trat er nach seiner Verheiratung in die seit 1870 bestehende Getreidesirma Goldenberg & Mar­cus als Teilhaber ein. Die Schlichtheit seines Wesens, seine Freundlichkeit und Leutseligkeit gegen jedermann gewannen ihm die Sympathien aller, .die ihn kennen. 9m Jahre 1907 berief ihn die jüdische Gemeinde in den Vorstand. Trotz seiner mannigfachen Verufsgeschäste fand er Zeit, den Interessen der Gemeinde seine Dienste zu widmen. Nach dem Tode des früheren 1. Vorstehers, Geheim- rats Dr. Heichelheim, im Jahre 1920 wurde Herr Strauß sein Nachfolger in der Leitung der Gemeinde. Er verstand es, trotz der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse die @enieinbe^9nftitutio= nen auf der Höhe zu halten und den Frieden in der Gemeinde zu wahren. So hat er fast 20 Fahre das Wohl der Gemeinde gefördert und an deren Spitze bis zur Vollendung feines 70. Lebensjahres segensreich gewirkt. Möge dem Jubilar auch weiter­hin ein sonniger Lebensabend befchieden fein.

Daten für Mittwo , 28. Januar.

Sonnenaufgang 7.46 Uhr, Sonnenuntergang 16.41 Uhr. Mondausgang 10.58 Uhr, Monduntergang 2.31 Uhr

814: Kaiser Karl der Große gestorben; 1521: (Eröffnung des Reichstags zu Worms: 1596: der englische Seefahrer Sir Francis Drake vor Porto­bello in Panama gestorben; 1841: der Afrika- reisende Henry Morton Stanley bei Denblgh in Wales geboren.

Gictzcner Wochcnmarktprcisc.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfunde Kochbutter von 110 an, Butter 130 bis 140, Maite 30 bis 35. Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 15 bis 25, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 35 bis 40, Unter-Kohl-

Vom Stall zum Metzgerladen.

Oer letzte Weg der Tiere durch den Gießener Schlachthof.

Das Bieh, das beim Bauern träge und wieder- käuend im Stalle liegt, weih sicherlich nichts von feiner Bestimmung, von seinem Schicksal, und weiß nichts von feiner großen Bedeutung für den Menschen, der sein ganzes Dasein beherrscht. Bon Anfang bis zum Ende.

Da tritt dem Tier irgendwann und irgendwo ein Mann gegenüber, der Biehhändler, der es da und dort packt, kneift, befühlt, beklopft und bann mit dem Besitzer mehr ober weniger schnell han­delseinig wird. Das weitere Schicksal oder auch das Ende des Tieres ist damit bestimmt. Wir begegnen dem Ochsen, der Kuh, dem Kalb viel­leicht erst im Gießener Echlachthos wieder und verfolgen es auf seinem letzten Weg.

Die zum Schlachten bestimmten Tiere (Rind­vieh) werden zunächst in eine Stallung gebracht gesondert von den sichtbar kranken Tieren na­türlich und gelangen sodann nach der R In­der s ch 1 a ch t h a 11 e, die zur Hälfte für die Schlachtung von großen Tieren (Bullen, Ochsen und Kühen), zur anderen Hälfte für die Schlach­tung von Kälbern und K einüeren bestimmt ist. Das Schlachthaus arbeitet stets nur im Auftrage der Metzger, die ihrerseits auf Grund eines Gesetzes dazu verpflichtet sind, die Tiere im Schlachthaus schlechten zu lassen. Dadurch untersteht alles Fleisch, das zum öffentlichen Berkaus bestimmt ist, einer behördlichen Kontrolle, deren Hauptaufgabe es ist, Fleisch von kranken Tieren dem Berkehr zu entziehen.

Wie überall, so ist man auch im Gießener Schlachthof stets bestrebt, das Bieh auf möglichst schnelle, wie auch humane Art vom Leben zum Tode zu bringen. Ganz große, schwere Bullen, die über gewaltige Kräfte und über ebenso große Widerstandsfähigkeit verfügen, werden mit schweren Bleikugeln geschossen. Ein einfacher Apparat wird dem Tiere auf die Stirne gefetzt, ein leichter Schlag mit einem Hammer bringt ein Zündhütchen zur Explosion und die Bleikugel bringt in das Gehirn und führt be­stimmt eine

völlige Betäubung des Tieres herbei, aus der es nicht wieder erwacht.

Eine andere, nicht minder sichere Art der Tötung ist die mit einem einfachen Bolzen, der in eine Ledermaske eingesetzt und mit einem wuch­tigen Hammerschlag ebenfalls in das Gehirn ge­trieben wird. Der ganze Borgang ist also in je­dem Falle nur eine Angelegenheit von Sekundenbruchteilen. Die weitere Arbeit übernimmt das Messer. Reben dieser Tötung werden auch Tiere nach jüdischem Rituell g e - schächtet.

Das geschlachtete Tier wird sofort ausge­weidet, Gedärme und alles andere wandert zur weiteren Berarbeitung in die Ku11e 1 ei, der Rumps wird an großen eisernen Haken zunächst in der Schlachthalle und später in der Borkühl­halle (Temperatur -s- 7 bis 8 Grad Celsius) aufgehängt und gelangt schließlich in die ein­zelnen Abteilungen der Kühlhalle, die sich die Metzger nach Bedarf mieten (Temperatur 4-2 Grad Celsius), um von dort aus in die Läden der Stadt gebracht zu werden.

Reben einer großen Menge von Rindern wer­den im Gießener Schlachthof auch zahlreiche Schweine verarbeitet.'

Vie Schweineschlachthalle

ist eine moderne Anlage, völlig getrennt von den übrigen Gebäudeteilen, und so eingerichtet, daß das Tier, das geschlachtet werden soll, kaum von Menschenhänden berührt zu werden braucht. Eine sinnreiche Anlage gestattet, die Tiere zu löten, ohne daß ihnen vorher die Beine gebunden werden müssen. Diese Borrich­tung, die die Schweine zwangsläufig betreten müssen, ermöglicht es, Diele Tiere in kurzer Folge hintereinander zu toten und so den Ar­beitsprozeß zu verkürzen. In unmitte.barer Rähe befindet sich ein großer Bottich, in dem die Schweine gebrüht werden. Das reine, entborftete Schwein kann an eisernen Haken auf den Trans- pvrtschienen an der Decke an jede belicb.ge Stelle der Halle zur weiteren Berarbeitung transportiert werden.

Zum Betrieb des Schlachthofes gehört neben den Anlagen für die Rind- und Schweineschläch­

terei auch eine Pferdeschlächterei, die naturgemäß nicht in allzu hohem Maße in An­spruch genommen ist. Dem Schlachthof ist außer­dem eine Fellverwertungsstelle ange­gliedert, von der aus die Felle direkt an den Gerber gegeben werden können. Eine

neue Kuttelei,

die einem längst empfundenen Bedürfnis abhelfen soll, befindet sich im Bau, und ist im Rohbau nahezu erstellt. Die finanzielle Lage der Stadt verbietet leider den Bau einer neuen Rinder­schlächterei, für die die Entwürfe bereits ausge­arbeitet vorliegen. Der Schlachthof verfügt weiter über ein Maschinenhaus, das eine Dampf­maschine von 80 PS Leistung (und eine Elektro- motoranlage von 100 PS Leistung als Reserve) zum Zwecke der Kaltluft- und Eisbereitung birgt.

Clne hochbedeutsame Station im Schlachthofe Ist das Caboratorium jur Untersuchung des Schweinefleische» auf Trichinen.

Kein Schwein darf zum Berkaus den Schlachthvf verlassen, ohne vorher auf Trichinen untersucht zu sein. Die winzigen Tiere, die im menschlichen Kör­per schweren Schaden anzurichten vermögen, durch das Mikroskop oder in stark vergrößerter Pro­jektion zu betrachten, ist hochinteressant. In einer zitronensörmigen Hülle befindet sich das mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmbare Tierchen, das sich ungeheuer zu vermehren vermag und außer­dem unter Umständen eine jahrzehntelange Lebensdauer hat. Die Beamten, die an dieser Stelle zu wirken haben, tragen einen großen Teil der Beranttoorhing für die Gesundheit unserer Bevölkerung. Die Untersuchungen werden stets mit peinlicher Sorgfalt durchgeführt, so daß kein Stücr Fleisch den Schlachthof verläßt, das nicht als einwandfrei freigegeben werden konnte.

Ebenso, wie die Schweine auf Trichinen, so wird jedes Rind auf die sogenanntenFinnen" untersucht. DieFinne" (Zwischenstadium des menschlichen Bandwurms) hat das Rind zum Träger und so ist eine genaue Untersuchung des Rindfleisches ebenso wichtig, als die Trichinen­schau für das Schweinefleisch.

*

Einige bemerkenswerte Ziffern, die sich aus dem Geschäftsjahre des Schlachtholes vom 1. April 1929 bis 1. April 1930 ergaben, bieten einen Ueberblick über den

Fleischverbrauch unserer Stabt

Im Jahre 1929 wurden nicht weniger als 111 Ochsen, 37 Bullen, 939 Kühe, 2328 Rinder (Jung­tiere, weiblich, die noch nicht gekalbt haben) und 6549 Kälber geschlachtet. 1 10 5 9 Schweine mußten während des verflossenen Jahres ihr Leben lassen, außerdem wurden 493 Schafe. 79 Pferde und 80 Ziegen geschlachtet. Aus diesen Ziffern läßt sich zugleich ein durchschnittlicher Fleischverbrauch errechnen. Kühe, Bullen, Ochsen und Rinder, die in der Zeit vom 1. April 1929 bis 1. April 1930 geschlachtet wurden, hatten ein

Schlachtgewicht von insgesamt 685 914 kg, die geschlachteten Schweine wogen insgesamt 94485 1 kg, die Kälber 163 625 kg, die Schafe 9860 kg und die Ziegen 1600 kg. Den Schlachthof verließen demnach nicht weniger als 1 804 850 kg Fleisch. Diese Menge ergibt auf den Kopf der Bevölkerung der Stadt Gießen (36 000 Einwohner gerechnet) einen durchschnittlichen Berbrauch von etwa 19 kg Rindfleisch, 26,5 kg Schweinefleisch und 4,5 kg Kalbfleisch. Der Berbrauch an Schaf- und Ziegenfleisch ergibt nur unwesentliche Bruch­teile eines Kilogramms. Der tatsächliche Bedarf an Fleisch dürfte zwar um geringes höher liegen, da in Gießen ja auch auswärtiges Fleisch zum Berbrauch gelangt. Eine Unterscheidung in Wurst" oderFleisch" ist bei der vorstehenden Rechnung nicht berücksichtigt.

Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Aus allen geht die hohe Bedeutung, die dem Schlacht- Hof Gießen zu eigen ist, hervor; eine Bedeutung, Die nicht nur rein organisatorischer Art ist, sondern der ganzen Anlage und der Idee ent­sprechend. stellt der Schlachthof den Wächter der Gesundheit unserer Bevölkerung dar, dessen Wert wir gar nicht hoch genug einschähen können.

rabi 5 bis 6, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 35 bis 40, Feldsalat 120 bis 150, Tomaten 70 dis 80, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Kartoffeln 3,5 bis 4, Aepfel 30 bis 45, Birnen 20 bis 40, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50, junge Hähne 90 bis 120, Suppenhühner 90 bis 120, Endivien 80 bis 90, Rüsse 50 bis 60; das Stück: Tauben 70 bis 80, Eier 13 bis 14, Blumenkohl 40 bis 100, Salat 25 bis 30, Ober-Kohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 2,50 bis 3,00, Weißkraut 7 bis 8. Wirsing 10 bis 12, Rotkraut 9 bis 10 Mark.

Bornotizcn.

Tageskalender für Dienstag. Stadttheater:Leinen aus Irland", 19.30 bis 22.30 Uhr. - BAB.: Besprechung, 20.30 Uhr, Hindenburg. - Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ..Die singende Stadt". - Astorga Licht picle:Der Mann aus Revada" undDer schwarze Domino"

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben. Heute 19.30 Uhr Erstauffüh­rung des Lustspiels:Leinen aus 3rlano", von dem Oesterreicher Stephan Kamare unter der Spielleitung von Dr. Ritter. Mitwirkende: Da­men: Koch, Leutholf, Donau, Herren: Bäuerle, Fassott, Hauer, Hub, Linkmann, Bieren, Schel- cher, Ritter, Bold, Wesener, Zingel. Die Rolle des Schlesinger spielt Karl Bruck.

Die Schule des Ski-Laufs". Hier­über spricht in einem Lichtbildervortrag am Don­nerstag, 29. Januar, 20.15 Uhr, im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts Universi.äts- Tum- unö Sportlehrer Dr. Möckelmann (DSB.-Ski-Lehrer). Der Bortrag wird besucht werden von Skiläufern jeden Könnens und von solchen, die es werden wollen. Auch manchen Richt-Ski-Läuser wird es interessieren, wie der Ski-Laus, von dem man so viel hört, ausgeübt wird. Grundlage des Bortrags ist die Laufschule von Haup.mann Winkler, eines Hauptmitarbeiiers des amtlichen Lehrplans des Deutschen Ski-Ber- bandes. Auf die Airzeige des Instituts für Leibesübungen und des Ski-KlubS Gießen im heutigen Anzeigenteil sei verwiesen.

- HausfrauenberatungGießen.Man schreibt uns: Zwecks Stellungnahme zu der Frage des Kurpfuschertums veranstaltet die Hausfrauen­beratung am Donnerstag, 29. Januar, einen Bor­trag im Physiologischen Institut, Friedrichstr. 24. Dr. Lehmann vom Aerztevereinsbund Berlin wird sprechen über das Thema:Was die Haus­frau über angebliche Gifte, giftfreie Heilweisen und sog. Ernährungsreform wissen muh." Es wird interessant sein, aus dem Bortrag zu erfahren, wie sich Aerzte und Chemiker zu den verschiede­nen, heute so verbreiteten auhermedizinischen Heil­weisen stellen, und zu hören, wie man von Seiten der Wissenschaft den Begriff des Kurpfuscher­tums abgrenzt, und welche Folgen es für die Ge­sundheit unseres Bolkes hat. Alle diese Fragen dürften für weiteste Kreise Interesse haben, ganz besonders auch die Ernährungsprobleme. Wir verweisen auf die heutige Anzeige.

" Wieder ein Gießener Gelehrter nach Amerika eingeladen. Bon der Pressestelle der Universität Gießen wird mit­geteilt: Der ordentliche Professor für Physik an unserer Universität, Dr. Walter B o t h e, hat eine Einladung zur Abhaltung von Borlesungen an der Ohio State Universith, Columbus USA. erhalten.

Bestattungen auf den Gießener Friedhöfen. Auf unseren Friedhöfen fanden im abgelaufenen Kalenderjahr 306 Erdbestattun- gen statt (gegen 380 in 1929). Davon entfallen auf den Friedhof am Rod berg 290 (367), auf den Friedhof am Rahrungsberg 16 (13) Beerdigungen, außerdem auf dem letzteren 10 (8) Urnen-Bei- sehungen. Der alte Friedhof darf nur noch für bestehende Erbbegräbnisse benutzt werden. 3m Krematorium auf dem Friedhof am Rodberg fan­den 1930 101 (102) Einäscherungen statt, und zwar 64 (50) Männer und 37 (51) Frauen. Bon den Feuerbestattungen entfallen 46 (55) auf (Siebe­ner, 55 (47) auf auswärts Berftorbene. Die Ge­samtzahl der seit dem Bestehen des Kremato­riums (August 1926) durchgeführten Einäscherun­gen beträgt 401.

Schiedsspruch über die Gehälter bet Bnfleftellten in ©ießen unbOber»

Hessen. Wie der Deutschnationale Handlung--- gehilsenverband uns mitteilt, fällte der Schlich- tungsausschuh Gießen für die kaufmännischen und technischen Eingestellten der Industrie in Gießen und Oberhessen einen Schiedsspruch, wonach ab 1. Februar 1931 die bisherigen Gehälter mit fol­genden Aenderungen wieder in Kraft gesetzt wer­den: Die Gehälter sämtlicher Tarif klassen wer­den um 4 Prozent gekürzt. Lediglich die Gehäl­ter in den Altersstufen über 28 Jahre in den Tarifklassen 2 bis 5 werden um 5 Prozent ge­kürzt. Bei Lehrlingen und Gehilfen erfolgt feine Einkommenskürzung. Die Gehälter werden bis 30. September festgelegt. ErNärungssrist über den Schiedsspruch bis zum 3. Februar.

** Stadttheater-Abonnement. Die Einlösung des 5. Abschnittes der Abonnements für Dienstag, Mittwoch und Freitag betrifft eine Be­kanntmachung im heutigen Anzeigenteil, auf die wir besonders Hinweisen.

Städtische Brennholzver steigen rung. Bei der gestrigen Brennholzversteige- rung aus den Waldungen der Stadt Gießen (Hochwart) wurden im Durchschnitt folgenöo Preise erzielt: Buchenscheiter 13.40 Mk., Eichen­scheiter 8, Fichtenscheiter (2. Kl.) 5,80. Buchen- knuppel 10,60, Eichenknüppel 6,60, Birkenknüppel 8,40, Fichtenknüppel 5 Mk. pro Raummeter, Buchenreisig (3. Kl.) 20 Mk. pro 100 Wellen.

" Preußisch-Suddeutsche Klassen- lotterte. Die Erneuerung der Lose zu der Hauptziehung hat spätestens bis zum 2. F e -

Unterstützt das Hilfswerk!

Gebt ihm Mittel zur Linderung der großen Aot.

Städtische Nothilfe 1930.

b r u a r, 18 Uhr, bei Berluft des Anrechts in der zuständigen Lotterie-Einnahme zu geschehen.

ee D ie Heimatvereinigung Schif­fenberg veranstaltete am Sonntagnachmittag auf dem Schisfenderg eine Familienzusammen­kunft. Trotz der ungünstigen Witterung war der Besuch besonders von den Ortsgruppen Garbenteich, Lechgestern und Watzenborn-Stein- berg außerordentlich gut, so daß das fünftige Heim der Bereinigung, der sog. Russensaal, voll beseht war. Oberforstmeister Rico laus (Gießen) wies in seiner Ansprache auf die Aus­gaben der Heimatvereinigung hin, die besonders aus den Landorten in der Rähe des Schifsen- bergs regen Zuwachs erhalte. Das reichhaltige Programm brachte vor allem gute gesangliche Darbietungen des GesangvereinsGermania"- Watzenborn-Steinberg. Ein Mitglied des Gesang­vereinsLiederkranz"»Leihgestern (Winther) er­freute mit seiner schönen Baritonstimme durch den Bortrag mehrerer Lieder. Ebenso trugen die Mitglieder G. Heß, Jäger, B. Müller und C. Weidig durch deklamatorische Darbietungen we­sentlich-zur Berschönerung der Beranftaltung bei. Der übrige Teil des Rachmittags wurde durch musikalische Darbietungen und gemeinschaftliche Gesänge, bei denen auch unsere alten deutschen Bolkslieder zu ihrem Recht kamen, In bester Weise ausgefüllt. Es ist beabsichtigt, derartige Zusammenkünfte, die zur Pflege des Heimat­sinns dienen sollen, zu wiederholen, auch soll im Laufe des Sommers eine von Heimatdichter ®g. Heß bearbeitete, z. Z. in Borbereitung be- finbliebe Freilichtaufführung auf dem Hofe deS Schiffenbergs zur Darbietung kommen.

* Gewerkschaftsbund der Ange­stellten. Man berichtet uns: Die Jugend- gruppe des GDA. Gießen beteiligt sich am. Sonntag an einem Wettbewerb der Scheinfirmen im GDA.-Iugendbund, der einheitlich im Gau Hessen des GDA. durchgeführt wurde. Die Lehr­linge und jungen Angestellten hatten komplette, Geschäftsvorfälle zu erledigen, wie Korrespon- denz, Auftragsbestätigung und -aussührung, Rechnungsausfertigung. Bersand unter Beachtung der bahnamtlichen und Berzollungsvorschriften, Währungsumrechnung und dergleichen mehr. Dis verschiedenen Aufgaben, die binnen zwei Stunden gelöst sein mußten, verlangten von den jungen Teilnehmern viel Geschick und schnelle Auffas­sungsgabe. Für die besten Gruppenarbeiten sind Preise ausgesetzt. Das Ergebnis wird am nächsten Sonntag anläßlich der Scheinfirmenmustermessv in Frankfurt a. M. bekanntgegeben.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Sdjnftleitung.)

Gg. kf. in Gr.-L. Beim Viehverkauf hat der Ver­käufer nur die sog. Hauptmängel zu vertreten, und zwar nur bann, wenn sie sich innerhalb der Ge­währsfristen zeigen. Nach der Verordnung betr. die Hauptmängel und Gewährsfristen beim Viehhandel vom 27. März 1899 gelten bei Schweinen als Haupt­mängel 1. Rotlauf mit einer Gewährsfrift von drei Tagen; 2. Schweineseuche und -Pest mit einer Ge­währsfrift von 10 Tagen. Als Hauptmängel bei Schlacht fchweinen gelten 1. tuberkulöse Erkran­kung mit allgemeiner Beeinträchtigung des Nähr- zuftandes; 2. Trichinen und 3 Finnen mit einer Ge­währsfrift von 14 Tagen im Einzelfall.

3. H. in B. Der allgemeine Aufwertungs­anspruch ist deshalb nicht gegeben, weil der fest­gesetzte Wert noch in demselben 3ahre bezahlt worden ist und weil der Bertragsgegner aus dem über ein 3ahrzehnt dauernden Schweigen des­jenigen, der jetzt noch eine Aufwertung begehrt, den Schluß ziehen konnte, daß die Ansprüche aus dem Bertrag ihre endgültige Erledigung ge­funden hätten.

H. E. W. in A. 1. Cs handelt sich hier, da; der Brunnen in gemeinschastllchem Eigentum steht, nicht um einen Anspruch auf Grund einer Grund­dienstbarkeit, sondern um eine unzulässige Cigen- tumsstörung, deren Unterlassung Sie im Wege einer beim Amtsgericht zu erhebenden Klage verlangen können, falls die Sache keine gütliche Regelung erfährt. 3hre Rechte am Brunnen wer­den durch die Gemeindewasserleitung nicht be­rührt. 2. 3hr Gegner ist zur Reinigung des Brunnens verpflichtet, da dessen Wasser durch das Hineinwerfen verderblicher Gegenstände die Gesundheit gefährden kann.

Grippegefahr

Myhttvl beugt vor