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418 Millionen eine schweizerische Ausfuhr nach Deutschland von nur 138 Millionen gegenüber.

Die Schweiz sei gezwungen, ihre Aktions­freiheit zurückzugewinnen. Im Oktober werden Verhandlungen mit Deutschland statt- finden. Die Festsetzung von Einfuhrkontin­genten sei ein gangbarer Weg. Die Schweiz hoffe, daß die Verhandlungen von Erfolg begleitet sein werden, so daß sich eine Kündigung desHan- delsvertrages mit Deutschland nicht als not­wendig erweise.

Bundesrat M u s y, der Leiter der Finanzabtei­lung im Nationalrat, sprach über die schweizerische Finanzlage und die Lage der Banken. Musy be­zifferte die gesamten Aktiven der Schweizer Banken mit 22 Milliarden Franken bei einem Reservefonds von insgesamt 650 Millionen. Die ge- genüber dem A u s l a n d e von den schweizerischen Banken eingegangenen Verpflichtungen für Dar­lehen und Devisenankäufe betragen kaum 15 v. H. der gesamten Anlagen. Die Bankeneinkünfte aus ihren Auslandsanlagen, die wesentlich zum Ausgleich der ständigen Fehlbeträge der Handels­bilanz dienen, betragen 430 Millionen Franken. Der Redner legte dann die Notwendigkeit der Kapi­talausfuhr für die Schweiz dar. Gegenwärtig lägen bei der Nationalbank 680 Millionen Franken zinslos da.

Das Völkerbundssekretariat will nicht sparen.

Keine freiwilligen Einschränkungen.

Genf, 25. Sept. (TU.) Innerhalb der zahlreichen Beamtenschaft des Völkerbundssekretariats haben sich in den letzten Tagen schwere Kämpfe abgespielt, de­ren Ausgang zu einer ernsten Schädigung des An- sehens der Beamtenschaft des Völkerbundes geführt hat. In den Verhandlungen des Haushaltsausschus- ses war übereinstimmend von sämtlichen Regie- rungsvertretern in dringender Form schärfste. Einschränkung der gesamten Ausga­ben des Völkerbundes gefordert worden. Da eine rechtliche Handhabe hierfür nicht vorlag, war der Direktion ein derartiger Schritt nahegelegt worden. Es wurde daher übereinstimmend in allen Delegiertenkreisen damit gerechnet, daß der Gene­ralsekretär des Völkerbundes allgemeinen Wünschen der Dölkerbundsversammlung Rechnung tragend, und als er st er freiwillig auf einen Teil seiner hohen Repräsentationsspesen verzichten würde, um der Beamtenschaft ein gutes Beispiel 3u geben. Das steuerfreie Jahresgehalt des General­sekretärs beträgt gegenwärtig 190 000 Goldfranken. Der Generalsekretär ließ jedoch wissen, daher nicht die Absicht habe, auch nur auf den geringsten Teil seiner Einkünfte zu verzichten. In einer be­wegten Versammlung der Beamtenschaft wurde dar­auf mit 414 gegen 402 Stimmen beschlossen, kei­nerlei auch noch so geringe Herabsetzung der Gehälter zuzulassen.

Dieser Beschluß hat in den Delegiertenkreisen einen außerordentlich ungünstigen Ein­druck gemacht, besonders da bekannt geworden ist, daß die gesamte französische Be­amtenschaft mit dem französischen stellver­tretenden Generalsekretär Avenol an der Spitze, die Parole gegen jede Einschränkung der Gehälter ausgegeben und gegen die vor­geschlagene Herabsetzung gestimmt hatte. Da­gegen hat die gesamte deutsche Beamtenschaft geschlossen für die freiwillige Ein­schränkung der Gehälter gestimmt. Ein großer Teil der Beamtenschaft des Sekretariats hat nunmehr beschlossen, freiwillig und unabhängig von der Haltung des Generalsekretärs von sich aus auf einen Teil ihrer Einkünfte zu verzichten.

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Reichsaußenminister Dr. Curtlus traf von Genf wieder in Berlin ein. Am Anhalter Bahnhof hatten sich zu seinem Empfang Staatssekretär von Bülow mit einer Anzahl höherer Beamter des Auswärtigen Amtes sowie Freunde des Ministers, darunter der finnische Gesandte W u o l i j o k i, ein­gefunden.

GchwererKommunistenkmwallin Halle

Halle a. d. S., 26. Sept. (TU.) Zu schweren Zusammen st ößen zwischenPolizei und Kommuni st en kam es vor dem Gebäude des Allgemeinen Konsumvereins Halle. Der Allgemeine Konsumverein, der sich seit langem ausschließlich in kommuni st ischenHan- den befindet, ist durch Mißwirtschaft an den Rand des Ruins gekommen. Ein Teil seines Grundbe- sitzes mußte versteigert werden. Die Schulden gehen bereits in die Hunderttausende. Neben rund 25 000 Mark Sozialbeiträgen sind auch die Gas - und Wasserrechnungen seit langem nicht an die städtischen Werke bezahlt worden. Am Freitagabend sollten im Hauptverwaltungsgebäude . des Allge­meinen Konsumvereins die Gas- und Wasseran­schlüsse abgeschnitten werden. Als die Voll­zugsbeamten mit starker polizeilicher Begleitung in der Landsberger Straße ankamen, wurden sie von mehreren hundert Kommunisten mit einem Bombardement von Steinen, Bier­flaschen, Holzknüppeln usw. empfan­ge n. Die Polizei ging mit Gummiknüppeln und Schreckschüssen vor. Mehrere Beamte wurden ver­letzt. Im Hof kam es zu einem Handgemenge. Ein Kraftfahrer versuchte mit seinem Lastwagen die Be­amten an die Wand zu drücken. Ein Polizist sprang im letzten Augenblick auf das Auto setzte dem Führer die Pistole an den Kopf und konnte so ein Halten des Wagens erzwingen. Die Polizei ver­haftete zahlreiche Personen, die aber von ihren Ge- nassen befreit wurden. Die Beamten mußten schließ­lich das Feld räumen.

Kein kommunistischer Bürgermeister in Boizenburg.

Doizenburg, 25. Sept. (WTB.) Mit 18 gegen 7 Stimmen wurde in der gestrigen Stadtverordnetensitzung ein Antrag der Fraktion der Bürgerlichen Einheitsliste, die Wahl des kommunistischen Rechtsanwalts Alex- ander zum Bürgermeister der Stadt für un­gültig zu erklären, angenommen. Der Antrag stützte sich auf Formfehler, die der Wahl zugrundelagen. Rechtsanwalt Alexander hatte, wie seinerzeit gemeldet, seine Pläne als Bürger­meister, die u. a. Nichtdurchführung der Notver- ordnungen, Aufstellung einer Arbeitermiliz und ähnliches vorsahen, bereits bekanntgegeben. Durch die Ungültigkeitserklärung seiner Wahl treten die Bestimmungen der mecklenburgischen Notver- ordnung in Kraft, daß der bisherige Bürger­meister sein Amt bis zum 31. März 1932 weiter versieht. Dis dahin muß eine Neuwahl er­folgt sein.

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Oer mandschurische Konflikt in Genf.

Oer Völkerbundsrat in der Klemme. Japan lehnt jede Intervention ab.

Übernahme durch eine sehr geschickte Stimmungs­mache in der Presse sorgfältig und von langer Hand vorbereitet zu haben. Francois Poncet gehört gewiß nicht zur diplomatischen Kategorie der Briefträger. Er hat eigene Ideen, einen großen persönlichen Ehrgeiz und will sich in

suchs. Sein Grabgesang kn Genf klang müde und matt, senil und ideenlos, auf sein Pariser Publi­kum gemünzt, von dem er einen letzten Applaus er­mattete. Stand er schon auf den Konferenzen von Paris und London im Schatten des Minifterpräfi- denten, so wird vermutlich der Berliner Besuch für den alten Kämpen der Schlußstein einer wandlungs- reichen politischen -Laufbahn fein, die diesen mo­dernen Odysseus vom Sozialisten zum rücksichtslosen Unterdrücker des großen Eisenbahnerstreiks, zum Führer des zweiten Kriegskabinetts und schließlich zum Leiter der französischen Außenpolitik, der dem ersten Nachkriegsjahrzehnt seinen Stempel auf­drückte, geführt hat.

So tritt für uns Pierre Laval in den Vor­dergrund des Interesses, der Ministerpräsident, der eine interessante Parallele zu dem Verhältnis Brüning-Curtius offenbar den Willen hat, fein eigener Außenminister zu fein. Ein Mann, dessen

Auch in Frankreich dämmert es.

Eine Pariser Großbank in Schwierigkeiten.

Paris. 25. Sept. (MTB.) Die die haoasagen- tur berichtet, hatte der Finanzminister Aland in heute nachmittag eine lange Unterredung mit dem Gouverneur der Bank von Frankreich, Hl o r et, dem Leiter der Finanzabteilung der Bank von Frankreich, und den Direktoren der großen Pariser Kreditinstitute. Bei dieser Gelegenheit wurden d i e Lage der französischen Börse und na­mentlich die Schwierigkeiten einer gro­ßen Pariser Bank eingehend geprüft Dabei handelt es sich um die B a n q u e Nationale de C r 6 d i t, deren Vorsitzender Vincent dieser Tage seinen Posten niedergelegt hatte. (Eine Kotierung der Aktien dieser Bank konnte heute nachmittag nicht Zustandekommen, volonte behauptet, daß die Bank sehr große vertu sie bei gewissen Finanz- geschäften und auch infolge des Zusammen­bruchs gewisser ausländischer Banken erlitten habe. Es soll sich um 100 Millionen handeln. (Ein Verwaltungsrat sei schleunigst eingesetzt und vom Ministerrat bestätigt worden. DieC r 6 d i t L y o n - n a i s soll es angeblich übernommen haben, die Banque Nationale de Crödit zu sanieren. (Es wurde ein Garantiefonds gebildet, der die Banque Nationale de Cr£dit in die Lage verseht, ihre Tätigkeit normal fortzusehen und allen ihren Ver­pflichtungen nachzukammen.

Die Schweiz

in der Wirischastskrisis.

Abwehr des deutschen Imports. Zwang zur Kapitalausfuhr

Bern, 26. Sept. (WTB.) Im Nationalrat kamen heute ein von etwa 60 Mitgliedern aller Fraktionen unterzeichneter Antrag des bürgerlichen National­rates Tfchumi betr. Import von Holz und Induftrieprodukten in die Schweiz zur Behandlung. Bundesrat Schultheß, der Vor­steher des volkswirtschaftlichen Departements, er­klärte sich mit dem Antrag einverstanden, da ein Schutz der schweizerischen Produktion sowohl für Holz wie auch eine ganze Reihe von In- dustrievrodukten notwendig fei. Der Import aus einer Anzahl von Ländern, namentlich auch aus Deutschland, nehme immer mehr zu, während der schweizerische Import im Abnehmen begriffen sei. Die Handelsbilanz im Verhältnis zu Deutschland weise ein großes Defizit auf. In den ersten acht Monaten des laufenden Jahres stehe einer deutschen Einfuhr in die Schweiz von etwa

weitere Stellungnahme Vorbehal­ten müsse.

Nach den Erklärungen des Ratspräsidenten könnte es den Anschein haben, als ob im Völkerbundsrat die Neigung besteht, es bei den bisherigen Schritten zur Beilegung des japanisch-chinesischen Konfliktes b e wenden zu lassen und den Parteien direkte Verhandlungen nahezulegen. Diese Lösung würde, wie aus der heutigen Verhandlung zweifels­frei entnommen werden konnte, den japanischen Wünschen vollauf entsprechen. Japan hat sich mit nicht mißzuoerstehender Deutlichkeit heute jede weitereIntervention des Völker- bunbsrates verbeten und die freiwillige schrittweise Räumung der außerhalb der Bahnzone besetzten Gebiete als Maximalzugeständnis erklärt. Dieser Richtlinie der japanischen Politik hat Lord Cecil mit einem Hinweis auf die Grenzen der Aktionsmöglichkeiten des Rates nach Artikel 11 ein gewisses technisches Fundament gegeben. Der Ten- denz, den Fall einstweilen für erledigt zu erklären, steht aber die Erklärung des chinesischen Vertreters gegenüber, daß die Räumungsmaß­nahmen ganz ungenügend seien und daß die chinesische Regierung sich auf keine direkten Verhandlungen mit Japan einlassen werde, solange chinesisches Gebiet über die vertraglichen Rechte hinaus besetzt ist. Die weitere Gestaltung der Angelegenheit im Völkerbund wird nun in erster Linie davon abhängen, ob China an diesem Stand- E»unkte festhält und gegebenenfalls, um das Ver- ähren weiterzutreiben, Artikel 15 des Paktes anruft, er ein regelrechtes Verfahren nicht nur zur Beseitigung der Kriegsgefahr, sondern a u ch z u r materiellen Re gelang eines Konflik - t e s vorsieht. Die vertraulichen Verhandlungen, bei denen die verschiedensten Einflüsse, nicht zuletzt die Rücksichtnahme auf die Vereinigten Staaten, eine Rolle spielen, werden aller Voraussicht nach noch eine Reihe von Tagen in Anspruch nehmen.

Berlin das Sprungbrett schaffen, das ihn in der politischen Karriere voranbringen soll. Deshalb ist es notwendig, daß wir uns auch feine Person ein wenig näher ansehen. Anders als Pierre Laval, entstammt der neue Berliner Botschafter wohlhabenden 'Bürgerfreifen, der auch äußerlich sich in allem von seinem Chef unterscheidet. Ein schlanker Vierziger von elastischer, betont jugend­licher Haltung mit lebhaften Augen und flottem Bärtchen, elegant gekleidet, gewandt und selbst­sicher, so wird er uns geschildert. Francois Poncet ist von Haus aus Germanist, der über Goethes Wahlverwandtschaften geschrieben hat und sogar eine Zeit lang Gymnasialunterricht erteilte, dann während des Krieges in der französischen Presse­stelle in Bern arbeitete. Aach dem Kriege kam er mit Kreisen der französischen Schwerindustrie in Berührung, er organisiert für sie eine Auskunfts­stelle über die weltwirtschaftliche Lage und kommt während der Ruhrbesetzung als Leiter eines Propagandadienstes nach Deutschland, das er schon von längeren Aufenthalten während seiner Studienzeit her gut kennt und dessen Sprache er fliehend spricht. Seine Rolle im Ruhrkampf zeigt anscheinend einige dunkle Flecken, zumindest ist sie umstritten. Er selbst behauptet, auch damals schon für eine versöhnlichere Politik und eine menschlichere Behandlung der gequälten Bevölke­rung eingetreten zu sein. Man hat auch andere Lesarten gehört. Sei dem. wie ihm wolle. Fran­cois Poncet schiebt sich energisch und zielbewuht immer höher hinauf auf der Stufenleiter des französischen Politikers. 1924 wird er Abgeord­neter, 1928 Ünterstaatssekretär im Kultusmini­sterium unter Poincare, aber erst 1930 erreicht er das erste Ziel seines Ehrgeizes, einen selb­ständigen Posten im Kabinett Tardieu als Staats­sekretär für Nationalwirtschaft, ein Amt, das für ihn neu geschaffen wird und von dem er nun feine Fühler ausstreckt, um bald zu Einfluß zu kommen. Als der Botschafter de Margerie, ein persönlicher Freund des scheidenden Präsi­denten der Republik, über die Zollunion zu Fall kommt und der Berliner Posten frei wird, wagt Francois Poncet den Hebergang zur Diplomatie, auch dies vermutlich nicht für ewig, denn er ist noch jung und ehrgeizig und will etwas erreichen. Das macht den neuen Botschafter au einer der wichtigsten Personen auf dem politischen Schach­brett. Er kommt mit einem Programm, und die Berliner Reise des Ministerpräsidenten soll ver­mutlich dazu dienen, den Boden dafür zu son­dieren.

Francois Poncet denkt eine Besserung der deutsch-französischen Beziehungen am schnellsten und sichersten durch wirtschaftliche Zu­sammenarbeit zu erreichen. Das zwar tech­nisch glänzend ausgerüstete, aber kapitalarme Deutschland soll sich mit dem industriell vielfach rückständigen, doch finanzkräftigen Frankreich zu- fammentun zur Lösung großer wirtschaftlicher Aufgaben in beiden Ländern und auch in noch unerschlossenen Gebieten. Aber feine Ziele gehen über das nüchtern reale der Wirtschaft hinaus. Man sagt ihm nach, daß er, um für eine fran- |5öfifd)e Weltpolitik großen Stils die nötige Rückendeckung zu schaffen, auch die Bereinigung aller politisch zwischen Frankreich und Deutsch­

land liegenden Fragen mit Energie betreiben wolle. Von der zunächst liegenden Frage der Reparationen ist in diesem Zusammenhang allerdings merkwürdigerweise nicht die Rede, um so mehr von einer Revision der Oft gren­zen, die Francois Poncet sich so denken soll, daß wir den Korridor zurückerhalten und Polen durch eine 'Bereinigung mit Litauen entschädigt würde. Auch ein Entgegenkommen in der» stungsfrage soll der Botschafter in der Form propagieren, daß auf der kommenden Abrüstungs­konferenz deutsche Wünsche nach einer Aufrüstung in gewissem Umfange berücksichtigt würden, wo­gegen man Deutschlands Beistand gegen die See- rüftungen der angelsächsischen Mächte und Ita­liens erwartet. Wie weit diese Gedankengänge, die bei Interviews und Besprechungen mit dem neuen Botschafter durchgesickert sind, konkrete Hintergründe haben, muß unentschieden bleiben. Auch wie weit der Ministerpräsident Laval mit den kühnen Ideenflügen seines Botschafters mit» zugehen bereit wäre, ist eine offene Frage. Sie würden so sehr abstechen von der bisher gespürten Mentalität der französischen Politik, daß man mit großer Skeps is an ihre Erörterung herangeht. Aber bietet der neue Mann eine wirkliche Chance, so muß sie genutzt werden, wenn sie uns den Weg zur nationalen Gleichberech­tigung, zur Sicherung unserer Ostgrenze und zur Gesundung unserer Wirtschaft öffnet. Aber Ge­duld und Z ä h i g ke i t sind Tugenden, die unser Volk so selten aufbringt und die es doch niemals notwendiger brauchte, als in diesen Jah­ren der Zeitenwende, wo in Politik und Wirt­schaft alte Gebilde zur Rüste gehen und neue Linien sich erst undeutlich und verschwommen von düsterer Wolkenwand abheben.

Genf, 25. Sept. ($11.) In der öffentlichen Sitzung des Völkerbundsrates kam es Freitag zu einer Aussprache über den japanisch-chinesischen Konflikt. Der Vertreter der japanischen Regierung erklärte, daß er auf das heftigste gegen die ungeheuerliche Verdächtigung der ja­panischen Truppen protestiere. Japan sei in den internationalen Verträgen die Eisenbahn» Aone zugesprochen worden, in der Japan nach Dem Vertrage berechtigt sei, 15 000 Mann zum Schutze des Lebens und Eigentums der Japaner zu halten. Der gesamte Zwischenfall sei durch oie Zerstörung der Eisenbahn durch chinesische Truppen entstanden. Der Rat würde einen Akt der Klugheit begehen, wenn er jeden vorzeitigen Eingriff ver­meiden würde, der nur zu einer Verschlech­terung der bereits in Besserung befindlichen Lage führen könnte.

Der chinesische Regierungsvertre­ter verlangte sodann mit großer Energie vom Rat, eine sofortige Zurückziehung der japanischen Truppen bis zu der Linie herbeizu­führen, die die japanischen Truppen am 18. Sep­tember beseht hielten, ferner sofortige Wieder­herstellung des bisherigen Status und sofortige Entsendung eines neutralen Unter­suchungsausschusses des Völkerbundes. Der Rat sei in seinen Maßnahmen nicht frei, son­dern an die Bestimmungen des Artikels 15 ge­bunden.

Die stundenlangen Debatten des Völkerbunds­rates wurden sodann abends ergebnislos abgebrochen und zunächst auf unbestimmte Frist vertagt. Der Ratspräsident erklärte, daß der Rat von der Zurückziehung der japanischen Truppen und der Verpflichtung der chinesischen Regierung, den Schuh des Lebens und Eigen­tums der Japaner in der Konfliktszone zu über­nehmen, zur Kenntnis nehme und sich seine

Bild auf den ersten Blick hin zumindest befremdet, wenn nicht gar enttäuscht. Eine mittelgroße, breit­schultrige Figur, das gelbliche Gesicht mit niedriger Stirn von schwarzen Haaren überschattet, dunkle, tiefliegende Augen mit etwas verschleiertem Blick unter buschigen Augenbrauen, eher salopp als ele­gant gekleidet mit der ewig verrutschten weißen Krawatte als ausfälligstes Requisit seiner Würde, also keine imponierende Erscheinung, keine betonte Forschheit, kein Poseur, kein Mann der mitreißen­den Rede. Aber wie uns dieser selbe Pierre Laval von Leuten geschildert wird, die ihn kennen und ihn an der Arbeit gesehen haben, ist er eine Persönlich­keit, die in hartem Lebenskampf gereift, sich lange genug abseits hielt, um Distanz zu gewinnen von ausgetretenen Pfaden, veralteten Methoden, über­lebten Doktrinen. Ein armer Bauernsohn aus der Auvergne, jener rauhen und kargen Gebirgsland­schaft Mittelfrankreichs, hat sich Laval in zäher Ar­beit seinen Bildungsgang erschließen müssen, bis er studieren konnte, Advokat werden und dann auch oald über den Gemeinderat und das Bürgermeister- amt einer Pariser Vorstadt den Eintritt in das politische Leben sich erkämpfen können. Im Schick­salsjahr 1914 wurde er Deputierter, seitdem ging es aufwärts auch mit der Praxis, Laval wurde Sena­tor und 1930 im Kabinett Tardieu erhielt er zum erstenmal ein Ministerportefeuille. Auch Laval kommt wie so viele später sehr seriös, sehr bürger- lich und national gewordene Politiker des modernen Frankreich vom Sozialismus her, aber nuch er hat sich zur bürgerlichen Mitte durchgemausert und präsidiert einem Kabinett, Das mit Dem Kriegs­minister Maginot einen nationalistischen Heißsporn par excellence unD mit Dem LanDwirtschaftsrninister Tardieu, dem einstigenjungen Mann" Clemenceaus in Versailles, einen ehrgeizigen Politiker in seinen Reihen hat, der noch nicht vergessen haben Dürfte, daß Laval als Ministerpräsident im Grunde nur ~ als sein Platzhalter gedacht war, der nun aber, einmal an Der Macht mit Der ganzen Zähigkeit, Die ihn auf feiner erstaunlichen Laufbahn nach oben führte, Die Zügel in Der Hand zu behalten geben«. Aber es ist gut, sich auch im Hinblick auf die be- vorstehenden Berliner Besprechungen dessen zu er­innern, daß das Kabinett Laval ein absolutes Ver­legenheitsprodukt war, eine Uebergangsregierung, der erst die Persönlichkeit des Ministerpräsidenten in den erst acht Monaten ihres Bestehens zu der inne­ren Sicherheit verhalf, Die eine von neuen JDeen inspirierte aktive Außenpolitik erlaubt.

Ein junger französischer Politiker, AndrL Sieg­fried, schreibt in einem gut unterrichtenden Buch über das heutige Frankreich:Frankreich nimmt wirkliches Interesse nur an der Innenpolitik und kümmert sich um die andere nur gezwungenermaßen, wenn es sich verteidigen muß. Sich selbst überlassen, interessiert es sich nur für sich selbst. Dies ist viel­leicht heute das größte Hindernis für die Eingliede- rung des französischen Gedankens in die bestehende Ordnung der Welt." Diese kluge Beobachtung er­klärt vielleicht die außerordentlichen Hemmungen, die jeder aktiven französischen Außenpolitik ent­gegenstehen. Auch Laval brauchte ja erst den Anstoß von außen durch das Hoovermoratorium, um für feine Person die Wendung zur Außenpolitik zu nehmen, die in der Folge zur langsamen Kaltstel­lung Briands führte. Aber zu jeder außenpolitischen Initiative gehört Mut und es ist schon ein Beweis für Die wachsende Autorität Des ursprünglich nur als Provisorium gedachten MinisterprüsiDenten, Daß er Die Berliner Reise wagen kann, Denn Die einfluß­reichen Kreise, Denen DieSicherheit" Frankreichs, Das in ihren Augen von allen Seiten um Die Früchte seines Sieges geprellt roerDen soll, das A und O ihrer Politik ist, reichen bis weit in Das Kabinett hinein, sie protestieren heftig gegen jehen Versuch einer Deutsch-französischen Annäherung, Der ihnen Die Basis Des Versailler Diktats zu verlassen scheint, unD sie roerDen nicht zögern, dem Minnister- präfibenten ihre Unterstützung zu versagen, der er aus innerpolitischen Gründen bedarf, wenn er den Deutschen Zugeständnisse machen sollte, Die ihrer Meinung nach Frankreichs Machtstellung schmälern könnten. Es ist gut für uns, diese sehr engen (Sren- xen zu sehen, die sich aus dieser innerpolitischen Lage für den französischen Ministerpräsidenten er­geben. Das wird uns, Die wir ohnehin mit reich­licher Skepsis Dem Berliner Besuch entgegensehen, vor Enttäusthungen bewahren.

Gewisse Kreise in der französischen Politik, und noch mehr in der französischen Wirtschaft, sehen jedoch trotz dieser Hemmungen in der durch die Zurückdrängung Englands und die notgedrungen reservierte Haltung der Vereinigten Staaten ver­änderten weltpolitischen und weltwirtschaftlichen KonsteNation den günstigen Augenblick für Frank­reich, auf den Spuren des ersten Napoleon den großen Sprung in die Weltpolitik zu wagen. Wortführer dieser Ideen ist der neue französische Botschafter in Berlin, Herr Francois Pon­cet, der erst in diesen Tagen das Palais am Pariser Platz bezogen hat, nicht ohne seine Amts-