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General-Anzeiger für Oberheffen

Dmd und Verlag: vrühl'fche Univerfitülr-Vuch- und Steinöruderei H. Lange in Sietzen. Zchriftlettung und Sefchästrftelle: Schulttratze 7.

Nr 225 Erste; Blatt 181. Jahrgang Samstag, 26. September 1931

Gietzener Anzeiger

M g e n.

Am Vorabend des sranzösischen MnisierbesuchS

Die Beratungen des Reichskabinetts.

Eine Entschuldungsaktion des Reiches für die Gemeinden. - Der Butterzoil bleibt der Entscheidung des Reichstags überlasten.

Wie sieht Lavals Programm aus? Wirtschaftliche Zusammenarbeit alsHaupt- punkt der Besprechungen.

Paris, 25. Sept. (IU.) 3n einem bemerkens, werten Artikel, der anscheinend auf eine zuverlässige Quelle zurückgeht, bringtInformation das angeb­lich von der französischen Regierung für die Berliner Besprechungen ausgestellte Programm. Das Blatt erklärt, man werde versuchen, einen Or­ganismus zu schassen, dem Vertreter der Indu­strie, der Regierungen und anderer interessierter Kreise angehören sollten. Dieser Organismus solle b i e bereits bestehenden Wirtschafts­beziehungen der beiden Länder überprüfen, Möglichkeiten für ihre Erweiterung suchen und nicht nur auf dem Wirtschaft», und Ainanz- gebiet, sondern möglicherweise auch auf politischem Gebiet neue Beziehungen schaf­fen. Ferner plane man französifcherfeits die Zusam­menarbeit mit Deutschland auf bie Kolonien auszudehnen. Man denke daran, durch Wie­deraufnahme der Sachlieferungen im Rahmen der Reparationen Deutschland an der in­dustriellen Versorgung der Kolonien zu beteiligen. Man verfolge sogar den Plan, Togo und Ka­merun in nicht zu ferner Zukunft an Deutsch­land zurückzugeben. Bezüglich der finanziel­len Zufammenarbeit denke man an die Schaf­fung einer gemeinsamen Finanzgefell- schäft, bie bie Finanzierung von in beiben Cänbern bestehenden großen Industriezweigen durchführen sollen. Diese Gefellschaft könne Aktien ausgeben, bie an den Börsen beider Länder gehandelt und von den beiden verbündeten Unternehmen garantiert werden sollten.

hat, ohne bas Enbzie 1 aus dem Auge z u verlieren, zu gehen, so wirb sie das bars ich in bleiern Kreise heute v?rsichem aus biefer Einstellung trotz aller Kritik unb vieler Zweifel bie Kraft schöpfen, inmitten einer Welt von Schwierigkeiten wegweifend das deutfche

Lebensfchickfal zu leiten.

Sie, hochverehrter Herr Geheimrat, werden es mir gewih nicht verübelt haben, dah ich den Ihnen gewidmeten Ehrentag auch zum Berühren solcher ernsten Gedankengänge benutzt habe. Ihr ganzes Leben und Ihre Lebensarbeit ist ein leuchtendes Beispiel dafür, Wie der berufene Führer sich in den Dien st der Gesamt­heit und der Gesamtwirtschaft einzu­stellen hat. Ich darf Ihnen am heutigen Tage, der einen bedeutsamen Abschnitt Ihres arbeits­reichen Lebens abschließt, meinen herzlichsten Dank für Ihr unermüdliches und erfolgreiches Wirken aussprcchen und wünsche von Herzen, dah Sie noch viele Jahre der chemischen Industrie, der

Auch die übrige Pariser Presse besaht sich ausführlich mit der Zweckmäßigkeit und den mög­lichen Ergebnissen der Besprechungen. Die natio­nalistischeLiberte" betont, dah nicht

für, dah dieser Weg manchen nicht schnell genug geht. Weil man nicht erwarten darf, dah überall die Einsicht bestehen kann in bie durch die Rcparativnslasten, kurzfristige Verschuldung und un­sere eigenen Fehler entstandene Kompliziertheit der Verhältnisse, die die Dinge bei uns zu einem einzig­artigen, von allen übrigen Ländern verschiedenarti­gen Problem gestalten.

Berlin, 25. Sept. (CAB. Eigene Meldung.) Das Reichskabinett hat die Beratungen über das Herbstprogramm fortgesetzt. Das wichtigste Er­gebnis der Beratungen dürfte in einer Ver­ständigung über die Entschuldung der Ge­meinden zu suchen fein. Der hierfür gefun­denen Lösung kommt insofern auch eine gewisse grundsätzliche Bedeutung zu, als die Entschul­dungsaktion nicht von den Ländern, sondern vom Reich durchgeführt werden wird. Der Kanzler hatte auch eine Unterredung mit dem Präsidenten des Verbandes der preuhlfchen Landgemeinden, dem Abgeordneten Dr. G e r e l e , um ihn über die Beschlüsse des Reichskabinetts zu informieren.

Mit den meisten der anderen Fragen ist das Kabinett noch nicht fertig geworden. So muh z. B. auch das Projekt der Kleinsiedlung noch weiter beraten werden. Ebenso ist die um­strittenste der zur Behandlung stehenden Fragen, die Senkung derHauszinssteuer, noch nicht erledigt. Auch die Senkung der gro- henPensionen scheint jetzt doch wieder stärke­ren verfassungsrechtlichen Bedenken zu begegnen, so dah noch keineswegs feststeht, ob das Kabinett sie beschliehen wird. Schließlich scheinen sich die Rachrichten zu bestätigen, dah eine Zusam­menlegung von Krisen- und Wohl­fahrtsfürsorge im Augenblick noch nicht zu erwarten ist. In der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung sanden Verhandlungen darüber statt, welche Mahnahmen einem zu er-

'21 Ue diese Mahnahmen der Reichsregierung bedeu­ten die Zurücklcgung eines harten und schmerzlichen Weges. Es geht nicht anders, als schrittweise d i e Fehler einer langen Vergangenheit in sorgfältiger Abwägung und Ueberlegung aller einzelnen Phasen, auch mit Rücksicht auf die jeweili­gen Veränderungen der Außenpolitik, wieder zu Ich habe durchaus Verständnis da- Weg manchen nicht schnell

Weiches Ziel hat Brüning?

Eine Geburtstagsrebe des Reichskanzlers für Carl Duisberg. - Rückkehr zur Solidität in Staatsfinanzen und Wirtschaft.

Berlin, 25. Sept. (WTB.) Der R e i ch s o e r - bandder D e ut s ch e n Industrie veranstaltete zu Ehren seines scheidenden Präsidenten, des Ge­heimrats Prosesfor D. Dr. Dr Dr.-Ing. Carl Duisberg, eine Feier. Der stellvertretende Vor- sitzende des Reichsverbandes, Frowein, begrüßte Geheimrat Duisberg als den Typ des deutschen In­dividualisten, der unbeirrt seinen Weg geht, schwie­rige Situationen durch rasche Entscheidungen und tatkräftiges Handeln klärt und dafür auch die Der- antwortung zu tragen weiß, und überreichte ein Buch, das unter dem TitelCarl Duisberg, ein deutscher Industrieller bas Wirken Dulsbergs zeigt. Dem Festakt wohnten u. a. bei Reichskanzler Dr. Brüning, bie Reichsminister Dr. Dietrich, I Dr. Wirth, v. Wutrarb, Dr. Groener und Treckira- nus, der preußische Hanhelsminister Dr. Schrei- b e r Staatssekretär Meißner, Oberbürgermeister Sa hm, Generaldirektor Dr. Dorpmüller, Reichsbankpräsident Dr. Luther und zahlreiche weitere Vertreter der Behörden, der Presse, der Wisienschaft unb Technik. Von den Gratulanten begrüßte

Reichskanzler Dr. Brüning den Gefeierten in einer längeren Ansprache, in der er u. a. folgendes ausführte:

Auch an mein Ohr klingen tagtäglich mal leise mal lauter Zweifel in bie Zukunft unb bange Rufe nach b e r Führung. Ich weiß, baß bas eine naturgemäße Erscheinung ist, unb ich hatte bie Ehre, Ihnen vor wenigen Tagen bar^utun, baß b<*r Umfang ber Tätigkeit ber Reichsregierung in ben vergangen»« Wochen unb Monaten ein viel u m fassenberer gewesen ist, als es zur Stunbe zweckmäßig erscheint, einer größeren Ocffentlichkeit mitzuteilen. Abgesehen von diesem hat bie Reichs- regicrung eine Fülle anberer Maßnahmen bereits getroffen bzw. zur Veröffentlichung in der nächsten Woche vorbereitet. Darüber hin­aus wirb es nötig fein, gewisse noch m e 111 ra­ge n ber e Schritte zu tun in bem Augenblick, in dem bie Bewegung des englischen Psunbes, bie am vergangenen Samstag ein­gelegt hat, in ihrer weiteren Entwicklung sicher er­kannt werben kann.

deutschen Wirtschaft und unserem Vaterlande er­halten bleiben und auch noch die besseren Zeiten erleben, an die wir mit Ihnen zuversichtlich glauben. Diesen Wünschen der Reichsrcgierung schließt sich nicht zuletzt auch unser hochverehrter Herr Reichspräsident von Hinden­burg an. Ich habe den hohen Auftrag, im Ramen des Herrn Reichspräsidenten Ihnen ein Handschreiben zu überreichen, in dem dank­bar gedacht wird der unermüdlichen und ziel- bewußten Förderung, die Sie der deutschen W i s s e n s ch a s t. und der warmherzigen Für­sorge, die Sie den deutschen Studenten stets zuteil werden ließen. Ihr unerschütterlicher Glaube an Deutschlands Kraft und Deutschlands Zukunft hat in schweren Zeiten viel dazu bei- getragen, daß unsere Wirtschaft trotz aller Schick­salsschläge das Vertrauen zur eigenen Kraft nicht verloren hat. Die höchste Auszeichnung, die das Reich zu vergeben hat, den A d l e r s ch i l d , wird Ihnen. ..dem verdienstvollen Förderer deut­scher Wirtschaft und Wissenschaft", zuerkannt.

wartenden Defizit entgegengestellt werden können.

Mit einer Beratung der Agrarfrage im Reichskabinett ist in den nächsten Wochen nicht zu rechnen. Don Zollwünschen wird von den Or­ganen der Landwirtschaft im wesentlichen nur die Erhöhung des Butterzolles betrieben. Minister Schiele soll jedoch für die nächsten Wochen nicht beabsichtigen, in dieser Frage wie­der eine stärkere Aktivität zu entwickeln. Die Reichsregierung will diese Frage dem Reichs­tag selbst zur Entscheidung überlassen. Das Landvolk wiederholt nicht die alte Forderung einer Verdoppelung des Dutterzolles, sondern be­schränkt sich auf das Verlangen, entsprechend dem Ermächtigungsgesetz das Mißverhältnis beim Index z u beseitigen. Man glaubt, für diese Forderung im Reichstag eine breitere Front schaffen zu können. Die maßgebendenKreise des Landvolkes sind der Auffassung, daß es augenblicklich nicht zweckmäßig wäre, unerfüll­bare Forderungen zu stellen, und daß überhaupt mit Zollerhöhungen der Landwirtschaft keine große Hilfe mehr gebracht werden könne. Wich­tiger sei zur Zeit für die Landwirtschaft der Schutz der nationalen Arbeit durch eine entsprechende Handhabung der Devisen­bewirtschaftung und eine Senkung der öffentlichen Lasten, namentlich der zwangsläufigen" Ausgaben.

innerpolitischen Situationen, als Mittler zwilchen rechts unb links eiserner Bestanb ber meisten fran­zösischen Nachkriegskabinette, ber Mann von Lo­carno unb Thoiry, ber großeEuropäer, bessen schillernbe Rhetorik einst bie Genfer Dölkerbunbs- Versammlung nicht minber berauschte, als bie Pa­riser Deputiertenkammer, ber Mann ber großen pathetischen Geste, ber geschickte Jongleur im biplo- malischen Ballspiel, ein Routinier bes politischen Parketts, ber geistreich unb witzig in seinen guten Tagen ben ganzen Charme feines Volkes in bie Waagschale werfen konnte, fo ragt Aristibe Briand als einsame Säule, bie auch schon bebenkliche Sprünge zeigt, aus ber sich zum Enbe neigenben Epoche berälteren Staatsmänner, ber Clemen- ceau, Milleranb, Caillaux, PoincarL, in eine neue Zeit hinein bie bie junge Generation in bie Macht hineinwachsen sieht. Die bemitleibenswerte Rolle, in bie man Brianb bei ber letzten Präsibentenwahl bineinmanÖDrierte, war für ben alten Fuchs ber Anfang vom Enbe. Aber es lag ihm nicht, wie Clemenceau, bem einst wandelbare Dolksgunst, Angst unb Reib ber Politiker eine ähnliche Nieberlage be­reitet hatte, sich groUenb in bie Einsamkeit seines ßanbgutes zurückzuziehen. Zwar brauchte auch er Wochen unb Monate, sich von der bitteren Ent­täuschung ni erholen, aber als Laval sich anschickte, ohne ben Außenminister nach Berlin zu gehen, er­reichten seine Intrigen eine Verschiebung des Se­

itab doch glaube ich. baß es einen klaren GeflchtSPunkl durch alle einzelnen, aus außenpolitischen unb taktischen Gründen jeweils \ abzutönenden Phasen dieser Politik gibt, unb bas 1 Ist der, dah der weg gegangen werden muß zur Rückkehr in die Solidität unserer gesamlenFinauz-und Wirtschafts­politik, der weg zur Rückkehr zu den streng st enMarimenderGeneratio- n e n vor uns in der Wirtschaft und zu dem entschlossenen willen, bie Ausgaben ber öffentlichen H a n b mil ben Ein­nahmen In Uebereinfllmmung zu bringen.

Dieser Weg ist der Weg des gesunden Menschen­verstandes. Er ist sicher und hält daher auch jeder problematischen Theorie gegenüber stand. Wir wissen aber, daß dieser Wea so gegangen werden muß, daß er nicht das deutsche Volk in zwei sich aufs äußerste bekämpfende Lager zerreißt. Das gilt ganz besonders für die Wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. Lind wer sich über die ganze Tragweite der Entwicklung der letzten Monate bis in die letzten Tage hinein flar ist, der wird zu der Lieberzeugung kommen müssen, daß dieser Weg in gegenseitigem Verständnis gemeinsam von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern gegangen werden muß. An den harten Tatsachen wird keine Schicht der Bevölkerung vorübergchen können. Sie werden um so leichter erkannt und aus ihnen die not­wendigen Folgerungen allerseits gezogen werden, wenn der Wille zu einem gegenseitigen Verständ­nis, zu einer Lieberbrückung der Gegensätze vor­handen ist.

Eine Regierung in so schwerer Stunde hat nicht bie Ausgabe, in jedem Augenblick, bei jeder plötzlichen Veränderung sofort mit Rabikatlösun- gen einzugreifen. Starke Heroen beruhen im wesentlichen darauf, den richtigen Zeit­punkt zu wählen, die Einsicht der Bevölkerung wachsen zu lassen, manchmal etappenweise, manchmal wiederum schlagartig mit Reformen, bie alle ftreife ber Bevölkerung betreffen, her- vorzutreten. wenn eine solche Regierung ent­schlossen ist, ben weg, den sie sich vorgezeichnet

Oie porifer Gäsie.

Zwischen ber Pariser Reife bes deutschen Reichs­kanzlers unb bem Gegenbesuch, ben soeben Pierre Laval, ber Ministerpräsibent ber sranzösischen Re- publik, in Begleitung des Außenministers Brianb in Berlin abzustatten sich anschickt, liegen zwar nur wenige Monate, aber sie haben Ereignisse gebracht, bie bem Zweck biefer Berliner Reife ber französischen Staatsmänner, wenigstens von Deutschlanb aus ge­sehen, nicht förberlid) (ein konnten. Die Abwürgung ber beutsch österreichischen Zollunion, ber Sieg über bas englische Pfunb, bie überlegene Art, wie ber französische Finanzminister Flanbin, einer ber maß- Scbenben Männer bes Kabinetts Laval, in Genf rankreichs Einstellung zur Weltwirtschaftskrisis ab- grenzte unb babei (eben Einfluß ber Reparationen auf bie beutfche Finanzkatastrophe brüsk bestritt, schließlich noch aus ben allerletzten Tagen bie alte intransigente Haltung Frankreichs in ber Ab- rüftungsfrage, erneut betont burch bie scharfe Ab­lehnung bes italienischen Vorschlags eines Rüstung»- roaffcn|tiUftanbes, bas alles finb Dinge, bie auf bas politische Wochenenbe in Berlin buftcre Schatten werfen. Die Franzosen haben nicht viel dazu getan, bie psychologischen Voraussetzungen zu schaffen, bie nun einmal eine politische Aussprache erforbert, wenn sie praktische Erfolge haben soll. So werben sich bie französischen Staatsmänner nicht herüber im un­klaren (ein, baß ihr Be(uch in ber Reichshauptstabt

von weiten Streifen bes beutfchen Volkes mit ge­mischten Gefühlen aufgenommen wirb, was jeboch nicht hinbern kann, unseren französischen Gästen mit ber selbstverstänblichen Gastsreunbschaft zu begegnen, bie bie einfachsten Gebote politischer SUugheit und nationaler Würbe forbern. Im Vertrauen barauf finb ja bie Herren Laval unb Brianb her (Einlabung ber Reichsregierung gefolgt unb es wäre töricht, wenn wir biefes Vertrauen enttäuschen würben. Man sagt Herrn Laval nach, baß er als Realpoli­tiker, als ein Mann fachlicher Ueberleaungen und Feststellungen ein klares Auge unb ein scharfes Ohr besitzt unb Wert barauf legt, sich ein eigenes, von Mittelsmännern unbeeinflußtes Urteil zu bilben. Nun, wenn bie französischen Staatsmänner von ihtem Berliner Besuch ben Einbruck eines auch in Unglück unb Armut stolzen, aufrechten unb be- herrschten Volkes mit Heimnehmen, so ist schon viel gewonnen. Die Zeiten, wo man vor auslänbischen Prominenten Elenb unb Not unseres Volkes in falscher Scham unb bummem Protzentum hinter einer glänzenben Fassabe ängstlich zu verbergen trachtete, finb ja Gott fei Dank feit ber Aera Brüning enbgültig vorüber. Solche Methoben wären hoppelt unangebracht bei Besuchern» bie wie bie Franzosen selbst nüchtern, sparsam unb haus­hälterisch finb unb ohnehin bazu neigen, vereinzelte krasse Auswüchse eines hemmungslosen Geltungs- bebürfnisses zu verallgemeinern unb nun hie tat­sächliche Not unserer Volksgesamtheit für über­triebene Klagen eines böswilligen Schuldners zu nehmen.

Von ben französischen Gästen ist eigentlich nur Herr Aristibe Brianb ber beutfchen Oefsenttichkeit eine vertraute Persönlichkeit. Derewige Außen­minister, Retter aus ber Not in manch schwierigen

Frankreich den Besuch gewünscht habe, da es weder etwas zu erbitten noch zu erhalten trachte. Llnter diesen Llmständen fei es die erste Pflicht des deutschen Volkes, die französischen Minister korrekt und höflich zu empfangen. In Deutschland hätte man mit der Zeit merken müssen, daß Frankreich niemals vor Llnverschämt- heiten oder Drohungen kapituliere, daß man aber alles von ihm durch Höflichkeit und Aufrichtig­keit erlangen könne. Die von der Reichsregierung getroffenen Vorsichtsmaßnahmen für die Sicher­heit der französischen Minister seien anerken­nenswert. Es sei jedoch bedauerlich, daß der­artige Maßnahmen überhaupt notwendig seien. DerT e m p s" betont, daß man sicherlich kein politisches Wunder erwarten dürfe, ebensowenig wie Ergebnisse, die die Lösung sämtlicher noch schwebenden Fragen erleichtern könnten. Es sei aber ein ebenso großer Irrtum, von einer reinen Höflichkeitsform zu sprechen. Cs gebe auf dem Gebiete praktischer Zusammen­arbeit eine ganze Reihe von Fragen, deren Lö­sung dazu beitragen würde, Deutschland und Frankreich daran zu gewöhnen, gewisse Pro­bleme gemeinsam zu behandeln.

Oie Nationalsozialisten und her Ministerbesuch.

München, 25. Sept. 1WTB-) Die Reichs- l c i f u n g der RSDAP. erklärt, es sei ihr zur Kenntnis gekommen, daß Linkskreise beabsichti­gen, anläßlich des Besuches der französischen Mi­nister durch Provokateure Rationalso- zialiften zu Kundgebungen in Berlin oder auf den Dahnhölen, die der Zug durch­fährt, anzureizen. Es solle dadurch der französi­schen Regierung der Vorwand gegeben werden, ihre politischen Forderungen, die sich in erster Linie gegen die RSDAP. rich­ten, neuerdings zu stellen. Die Reichs­leitung verbietet daher allen Angehörigen der RSDAP. die Teilnahme an irgend­welchen etwaigen Kundgebungen ge­gen die französischen Minister. Parteigenossen, welche dagegen verstoßen, schließen sich von selbst aus der RSDAP. auS.