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ÖSTERREICH
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Protest gegen die deutsch-österreichische Zollunion.
Das Mitteleuropa derMrtschast.
Die Wiener Konferenz der Mitteleuropäischen Wirtschaftstagung, an der neben dem Reich auch Oesterreich noch verschiedene Länder Südosteuropas tcilnahmen, war ein einziger Rotschrei über die furchtbare Zwangslage, die wirtschaftliche Verelendung, in die die Staatensplitter der Rachkriegszcit geraten sind. Wo vor dem Kriege ein reger Güteraustausch herrschte, schloß man sich in der Rachkriegszeit mit ständig wachsenden Zollmauern ab, ohne dadurch eine wirklich entscheidende Besserung für die eigene Volkswirtschaft erzielen zu
können. Daher auch das einstimmige Bekenntnis zur Herstellung enger wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den mitteleuropäischen Ländern und zum Abschluß regionaler Wirtschaftsabkommen, die eine möglichst enge Wirtschaftsgemeinschaft zwischen Mittel- und Südeuropa herbciführen sollen.
Von der richtigen Erkenntnis bis zur praktischen Verwirklichung ist freilich immer ein weiter Weg, wie das die Tragikomödie des gescheiterten Genfer Zollwasfenstillstands beweist. Äm fo mehr Hoffnungen wird man deshalb in die Vereinbarungen setzen müssen, die der Reichsauhen- minister kürzlich während seines Staatsbesuchs in Wien mit der österreichischen Regierung zum Abschluß gebracht hat und die dieser Tage die einstimmige Billigung beider Kabinette gefunden haben. Wann die Einzelheiten des Vertragswerkes veröffentlicht werden, ist noch nicht genau bestimmt. Man wird vermutlich noch im Laufe der Woche, spätestens in der Woche vor Ostern, damit rechnen dürfen. Das Grundsätzliche und Wesentliche dieses Abkommens ‘ ist aber heute schon bekannt, und wir möchten es darin erblicken, daß hier endlich einmal d e r G e - .danke einer wirtschaftlichen Angleichung zwischen Oe st er reich und dem t Reich a u f breite st er Basis in die Praxis umgeseht werden soll. Mit Ausnahme einiger F weniger österreichischer „Binnenzölle", deren Rotwendigkeit aus der österreichischen Wirtschafts- 'r Verfassung und aus gewissen internationalen Bindungen Oesterreichs resultiert, wird das Wiener Vertragswert praktisch die Verwirklichung einer völligen deutsch-österreichi- schen Zollgemeinschaft bedeuten. Wenn die Mitteilungen richtig sind, die wir über das Ergebnis der Wiener Reise des Reichsauhen- ^ninisters erhalten haben, so verzichtet das Reich nach Inkrafttreten der Vereinbarungen von sich aus überhaupt auf die Erhebung von Zöllen auf die österreichische Wareneinfuhr, und man darf hoffen, baß auch die österreichischen Zölle, deren Zahl gering ist, nur ein Zwischenstadium dorstellen, das jedenfalls den Weg zur vollen Zollunion nicht verbaut.
Seien wir uns darüber klar und sprechen wir es ganz offen aus, daß die deutsch-österreichische Zollgemeinschaft absolut nicht den „A n - schluß" bedeutet. Das Anschlußproblem, das heute wohl ebenso sehr eine psychologische wie eine eminent politische Frage ist, kann einer be- sriedigenden Lösung gar nicht entgegengeführt werden, solange die europäische Machtverteilung der Pariser Diktate besteht. Man würde also einfach falsch argumentieren, und der wirtschaft- lien Konzentration Mitteleuropas den schlechtesten Dienst erweisen, wollte man die Zollunion zwischen Wien und Berlin hiermit glcichsetzen. Riemand kann die Schaffung eines großen deutschen Vaterlandes, das beide Staaten in sich vereinigt, sehnlicher wünschen als wir. Heute stehen aber ganz nüchterne wirtschaftliche Dinge zur Debatte, Dinge, die in ihrer Zielsetzung weit über die politischen Grenzen Deutschlands und Oesterreichs hinausgreifen. Tatsächlich bedeuten die Wiener Vereinbarungen nichts anderes, als den Anfang zur Schaffung regionaler Wirtschaftseinheiten, wie sie erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit auch vom Wirtschaftskomitee des Völkerbundes als zweckmäßig für die Bekämpfung der europäischen Wirtschaftskrise und für den Abbau der Zollmauern an allen polittschcn Grenzen bezeichnet worden sind. Das Wiener Abkommen wird also zweifellos auch eine Klausel enthalten, die die Möglichkeit des Anschlusses anderer Staaten in der einen oder anderen Form vorsieht. Möglich, daß bereits die deutsch-rumänischen Handelsvertragsverhandlungen, die gerade jetzt in Wien geführt werden, einen derartigen Erfolg zeitigen. Sicher aber ist, daß Berlin und Wien künftig ihre Wirtschaftsverhandlungen vollkommen einheitlich und unter absoluter Berücksichtigung der gegenseitigen Forderungen führen werden.
Selbstverständlich wird man sich darauf einzurichten haben, daß das neue Vertragswert nicht überall günstige Aufnahme findet, was heute zweifellos schon von Frankreich gesagt werden kann, das nicht zuletzt deshalb die Genfer
Zollkonvention scheitern lieh. 3n erster Linie wird man draußen den politischen Einwand der „A nschlußgefahr" erheben. Man wird aber auch den Versuch machen, der neuen Zollgemeinschaft handelspolitische Schwierigkeiten zu bereiten. Dazu ist zu sagen, daß gerade nach dem Scheitern der Genfer Wirtscha .tsverhandlungen die Sammlung der wirtschaftlichen. Kräfte Mitteleuropas absolut notwendig ist und daß die deutschösterreichische Zollgcmeinschaft hierzu nur ein e r st e r Anfang sein soll. Sowohl gegenüber der amerikanischen Wirtschaft wie gegenüber dem immer stärker werdenden Druck der russischen Volkswirtschaft ist die Sammlung
der in Versailles und St. Germain zersplitterten mitteleuropäischen Wirtschaftskräfte eine europäische Rotwcndigkeit. Darum halten wir auch, nicht zuletzt im eigenen Interesse der Länder, den Anschluß der Tschechoslowakei, Angarns, Süd- slawiens, Bulgariens und Rumäniens, für dringend geboten und wünschenswert. Diese Kräfte- ronzentration, wie sie von Berlin und Wien angestrebt wird, ist heute eine europäische Schicksalsfrage allererster Ordnung, und man kann nur wünschen, daß die Staaten des mitteleuropäischen Raums die Gunst der Stunde nicht ungenützt vorübergehen lassen.
Oie amtliche Verlautbarung.
Berlin, 21. März. (Am tlich.) Zwischen der Reichsregierung und der österreichischen Regierung sind in letzter Zett Besprechungen über die Frage geführt worden, in welcher Weise Deutschland und Oesterreich zu der Verwirklichung des Gedankens einer europäischen Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiete beitragen könnten. Beide Regierungen sind sich darüber klar geworden, daß mit den bisher üblichen Methoden der Handelspolitik das erstrebte Ziel nicht zu erreichen ist, sondern daß dafür andere Wege gefunden werden müssen. Schon während der Septembertagung in Genf hat der österreichische Vizekanzler Dr. Schober der Aeberzeugung Ausdruck gegeben, daß die bessere Organisierung der europäischen Wirtschaft mit regionalen Verständigungen beginnen müsse. In Verfolg dieses Gedankens haben die beiden Regierungen sich jetzt entschlossen, in dieser Richtung einen praktischen Anfang zu machen und auf Grund bestimmter, vereinbarter Richtlinien in Verhandlungen über einen Vertrag zur An gleichung der zoll- und handelspolitischen Verhältnisse ihrer Länder einzutrsten. Dabei sind sich die beiden Regierungen darüber einig geworden, daß sie auch mitjedem anderen europäischen Staate auf dessen Wunsch in Verhandlungen über eine gleichartige Regelung eintreten wollen. Die für den deutsch-österreichischen Vertrag vereinbarten Richtlinien lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Deutschland und Oesterreich schließen sich für den Warenverkehr zwischen ihren Ländern und für ihren Warenverkehr mit dritten Staaten zu einer Zollunion zusammen. Diese Zollunion soll nach einem neuen System aufgebaut werden, das von den für Zollunionen sonst' üblichen Formen erheblich abweicht. Die Unabhängigkeit beider Länder bleibt unberührt. Sie werden einen überein stimmenden Zolltarif und ein übereinstimmendes Zollgesetz einführen, die künftig nur auf Grund einer Vereinbarung zwischen ihnen abgeändert werden können. Im Warenverkehr zwischen den beiden Ländern sollen keine Einfuhr -und Ausfuhrzölle erhoben werden: jedoch werden sich die beiden Regierungen darüber verständigen, für welche einzelne Waren sich einstweilen noch Z wisch e n z ö l l e als erforderlich erweisen. Iede der beiden Regierungen soll das Recht behalten, für sich mit dritten Staaten Handelsverträge abzuschließen, doch muh hierbei Rücksicht darauf genommen werden, daß diese Verträge nicht im Widerspruch mit dem abzuschließenden deutsch-österreichischen Vertrage stehen. Auch soll bei solchen Verhandlungen mit dritten Staaten möglich st gemeinsam vorgegangen werden.
peinliche Lleberraschung in Prag.
Bencsch behält sich alles vor.
Prag, 21. März. (Tschechoslowakisches Pressebureau.) Der österreichische Gesandte Dr. Marek suchte heute nachmittag den Außenminister Dr. CB en e f d> auf und machte ihm auf Weisung seiner Regierung Mitteilung über das Abkommen zwischen der Berliner und der Wiener Regierung. Auhenmißister Denesch behielt sich die Bekanntgabe seiner Stellungnahme vor. Gestern
abend sand eine Beratung maßgebender Regierungsstellen und leitender Finanzmänner statt. An der Zusammenkunft, die bei Generaldirektor der Zivnostencsa Banka Dr. P r e i h erfolgte, haben der Präsident der Republik, Außenminister Dr. B ene s ch, Finanzminister Dr. Englisch und der Gouverneur der Rationalbank Dr. P o s p i s i l teilgenommen.
Von maßgebender Stelle im Prager Außenamt wurde dem Prager Vertreter der „Telegraphen- Union“ erklärt, daß die Stellungnahme des Außenministers Dr. B e n e sch zur deutsch-österreichischen Zollunion in allernächster Zeit erfolgen werde. Dr. Bencsch sei durch das Abkommen völlig überrascht worden, da er sich fest darauf verlassen habe, daß der Besuch des deutschen Außenministers in Wien von keiner ernsten Bedeutung sein werde, und daß er mindestens vorher verständigt würde, ehe ein festes Abkommen zwischen Oesterreich und dem Deutschen Reich geschlossen würde. Es werde außerordentlich bedauert, daß Oesterreich die Tschechoslowakei vorvollendeteTatsachen ge fte II t habe. Seitens Oesterreich bedeute die Zollunion einen Vorstoß gegen den Geist des Genfer Sanierungsprotokolls von 1922, in dem Oesterreich die Verpflichtung übernommen habe, auch an seiner wirtlchaftliche Selbständigkeit festzuhalten. Die Tschechoslowakei werde jedoch nicht selbständig handeln, sondern nur gemein» sammitdenGroßmächten vorgehen. (Was ja inzwischen geschehen ist.)
Oie Demarche in Wien.
Angebliche Verletzung der Unabhängigkeit / Lcsterreichs
Wien, 22. März. (2BIB. Amtlich.) Am 21. Mär; erschienen im Laufe des Tages d i e diplomalifchenvertreterArankreichs, der Tschechoslowakei und Italiens beim Bundesminisler für auswärtige Angelegenheiten, Vizekanzler Dr. Schober, mit der Mitteilung, daß die in den Zeitungen vom 17. März d. 3. veröffentlichte Nachricht über den Abschluß einer Zoll- unionzwischenOesterreichundDeuksch- l a n d ihre Regierungen veranlaßt hat, der österreichischen Bundesregierung zur Kenntnis zu bringen, daß der Abschluß einer solchen Zollunion gegen das Genfer Protokoll vom 4. Oktober 1 9 2 2 verstoßen würde. Die genannten diplomatischen Vertreter wurden vom Vizekanzler entsprechend aufgeklärt.
Wie die Telegraphen-Union aus Paris meldet, äußern sich die amtlichen französischen Stellen in privaten Unterredungen sehr zurückhaltend. Es werden sogar vereinzelte Stimmen laut, die den deutsch-österreichischen Vertrag als korrekt und unanfechtbar bezeichnen. In den Mitteilungen der Pariser Presse kommt allerdings eine mehr oder weniger maßvolle „Verwahrung" gegen die Zollunion zum Ausdruck, wobei behauptet wird, daß die deutschen und österreichischen Absichten mit dem paneuropäischen Programm Briands nicht in Einklang zu bringen seien. Sie bedrohten ferner den Meistbegünstigungs- grundsatz und verstießen gegen den Geist des Genfer Protokolls vom 4. Oktober 1922. Selbstverständlich ist diese Auffassung vollkommen unhaltbar, da die deutsch-österreichische Rechtsgrundlage unanfechtbar ist. Die im „pactum de contrahendo" vorgesehene Neukonstruktion sichert die vollkommene Unabhängigkeit und Souveränität der beiden Partner und ist in diesem Sinne nicht mit früheren Zollunionsabkommen zu vergleichen. Französische Einwendungen könnten sich überhaupt nur gegen solche Verträge richten, die geeignet wären, die wirtschaftliche Unabhängigkeit eines der Partner zu verletzen. Eine deutsch-österreichische Angleichung der zoll- und
Berlin, 22. März. Halbmast wehten am Samstag die Reichsfarben auf dem Reichstagsgebäude, halbmast auch auf der Reichskanzlei und dem Auswärtigen Amt, den Stätten des früheren Wirkens Hermann Müllers. Seinen Platz im Reichs- tagsplenum aber schmückte ein großes Blumengewinde. Pünklich um zwölf Uhr mittags trat das Haus zu einer schlichten Gedenkfeier für den Verstorbenen zusammen. Präsident Löbe saß auf dem Präsidentenstuhl, das Kabinett auf der Ministerbank, die Ländervertreter auf der Bank der Reichsräte. Rechts fehlten Nationalsozialisten und Deutschnationale, links die Kommunisten. Wenige Minuten nur dauerte das Gedenken an den dahin gegangenen Führer der Sozialdemokratischen Partei. Aber diese kurze Spanne Zeit reichte aus, um dem Verstorbenen einen feierlichen Nachruf zu widmen.
Präsident Lobe
sck)ildert Müller als einen Mann, der sein ganzes Leben für seine Mitmenschen gekämpft. Das Bild des Dahingeschiedenen und seines Lebens stehe klar und rein vor jedem Auge. Als uns das Diktat von Versailles aufgenötigt wurde, fiel ihm die niederdrückende Pflicht zu, die Gegenzeichnung zu übernehmen. Er nahm diese bittere Pflicht des deutschen Außenministers auf sich und hat dafür die Schmähungen getragen, die nach ihm und vor ihm mancher bcutfdjcr Außenminister hat erdulden müssen. Es blieb ihm die Genugtuung, an erster Stelle mitzuhelfen bei der Räumung des Nhein- landes, bei der Erleichterung der Reparationslasten. Es ist in diesen Zeiten notwendig, darauf hinzuweisen, daß er in langer Arbeit nichts erworben hat, als das Gefühl erfüllter Pflicht, wie so viele, denen üble Nad)rede anderes zugeschrieben hat. Das deutsche Volk hat einen seiner treuesten Diener verloren.
Reichskanzler Dr. Brüning
gedenkt im Rainen der Reichsregierung des Verstorbenen in Wehmut und Dankbarkeit. Als Mensch ein makelloser, ehrenhafter Charakter, gewissenhaft und zuverlässig, auch von seinen politischen Gegnern geachtet, als Politiker und Staatsmann in ganz jungen Iahren in den Brennpukt der Ereignisse gerückt, war er in der Lage, sich eine politische Erfahrung zu sammeln, die ihn be-
handelspolitischen Bestimmungen, die in ihrer vertraglichen Form noch dazu kündbar ist, verstößt selbstverständlich weder gegen den Souveränitätsgrundsatz noch gegen d i e SOI e i ft b e g ü n ft i g u n g und liegt als wirtschaftliche „Entente regionale“ vollkommen auf der Linie der von Briand ang e ft r e b te n eu ropäischen Union. Die französische Regierung muß sich daher darüber klar sein, daß ein derartiger Protest nichts weniger bedeuten würde als einen Schlag ins Gesicht der eigenen amtlichen Außenpolitik und der stets mit größtem Nachdruck verkündeten paneuropäifchen Grundsätze. Man kann kaum annehmen, daß der französische Außenminister, bildlich gesprochen, die Hand gegen sich selbst erheben wird, obgleich die französischen Rechtskreise vermutlich kein Mittel unversucht lassen werden, ihn in diese Richtung zu drängen, wie etwa Pertinax bereits die Annullierung des deutsch-österreichischen Abkommens fordert.
Oas pariser Echo.
Die Linkspresse verlangt ähnliche Verhandlungen zwischen Berlin und Paris.
»Paris, 21. März. (TU.) Im „Echo de Paris" erklärt Pertinax, Briand werde wütend sein, weil Oesterreich den Artikel 88 deL.Stzerttages von Saint Germain (die österreichischen Anleihe-Bedingungen) verletzte, der ihm seine Llnab- hängigkeit zur Pflicht mache. Auf der anderen Seite müsse man sich aber fragen, was man Oesterreich und Deutschland an Stelle ihres jetzigen Abkommens hätte geben können. — Die „Ivurnee I n d u st r i e l l e" stellt fest, daß die Beziehungen der mitteleuropäischen Staaten einer Besserung bedürften. Die durch den Friedensvertrag neugeschaffenen Staaten litten jetzt allgemein in wirtschaftlicher Beziehung infolge der Vermehrung der Grenzen und der Irrtümer, die bei dieser Grenzziehung gemacht worden seien. Eine Einigung sei schon deshalb lange notwendig gewesen, aber diese Einigung hätte man gerade in den verschiedenen Besprechungen der Vertreter der einzelnen Mächte gesunden, die sowohl in Warschau, wie auch in Bukarest und Wien erfolgten. Indem Deutschland mit Oesterreich nicht ein Abkommen, sondern eine Vereinigung eingehe, bringe es die Gesamtheit der Staaten aus dem Gleichgewicht, weil es die übrigen mitteleuropäischen Staaten nunmehr vor einen einzigen Vertragspartner stelle, wo es früher zwei gegeben habe. Trotz der entschiedenen Ableugnung der deutschen Presse richteten sich die Bemühungen Deutschlands vielmehr auf den Anschluß als auf eine mitteleuropäische Verständigung.
„Republique" schreibt: Das Abkommen ist nicht nach der alten Methode auf 99 Iahre abgeschlossen, sondern offen; denn jede Ration kann ein gleiches Abkommen mit Deutschland abschließen und es wird nur auf drei Iahre abgeschlossen, ist also r e visionsfähig. Man muß daher französischerseits kaltes Blut bewahren und überzeugt fein, daß das Ergebnis an sich weder tragisch noch beruhigend ist.' Wenn die Rechtsparteien in Frankreich darauf aus gehen, diesen Zwischenfall auszubeuten, um eine Aenderung der französischen Außenpolitik zu erreichen, dann verlieren die Rechtsparteien zwecklos ihre Zeit. Man wird weder an Locarno noch an den Männern von Locarno rühren lassen. Wir fragen die französische Regierung, weshalb sie nicht bereits versucht hat, etwas ähnliches zu unternehmen, um eine Annäherung mit einem der Rachbarn Frankreichs herbeizuführen. Die Pflicht des Quai d'Orsay ist jetzt vorgezeichnet, nämlich Verhandlungen mit Deutschland aufzunehmen, um zwischen Deutschland und Frankreich etwas ähnliches einzuführen, wie den österreichisch-deutschen Vertrag. Man behauptet, Deutschland wolle versuchen. Ungarn, Rumänien und d i e Tschechoslowakei in diesen Block aufzunehmen, um daraus ein M i t- tele uropa zu machen. Möge Frankreich daraus ein Europa schl echthin machen trotz Englands und trotz den französischen Reaktionären.
sähigte, in den schwersten Augenblicken deutscher Geschichte an führender Stelle zu stehen. Unvergeßlich ist uns allen seineVertretung des Reiches in Genf, wo er ritterlich und entschlossen die Verantwortung übernahm, für den erkrankten Außenminister einzutreten und wo er in mutigen und unvergessenen Worten das Recht Deutschlands auf Gleichheit und Sicherheit verteidigt hat. Sein Rame ist auch unvergeßlich in die Geschichte eingegangen, weil er das schwere Opfer gebracht hat, das Diktat von Versailles, das so schwer auf unserem Volke lastet, zu unterschreiben. In der Uebernahme dieses Opsers zeigte sich der ganze Mann. Ohne an sein persönliches Geschick zu denken, hat er sich für das von ihm als richtig Erkannte, unbekümmert um alle Rachteile und Verhetzung, eingesetzt. Er steht vor unserem Gedächtnis als ein Mann von stärkstem vaterländischem Handeln und wird so in den Herzen unseres Volkes in dankbarer Erinnerung bleiben.
Abschluß
der Haushalisdebatte.
In der geschäftlichen Sitzung des Reichstages wird die zweite Beratung des Finanzetats fortgesetzt.
Abg. Dr. Hertz (Soz.) bezweifelt, daß es sich bei der Politisch unzulässigen Betätigung von Beamten der Reichsfinanzverwaltung um wenige Ausnahmefälle handelt. Menn die nationalsozialistische Verhetzung so weit geht, daß höhere Beamte der Steuer- und ZoUverwaltung als verantwortliche Redakteure nationalsozialistischer Zeitungen zeichnen und wenn diese Beamten sogar erklären, daß sie den heutigen Staat nach Kräften schädigen würden (Hört! Hört!), dann muh der Minister seine bisherige Duldsamkeit aufgeben. — Der nächsten Zukunft müsse man mit schweren Sorge entgegensehen. Die Lage sei am schwierigsten für die Gemeinden, auf deren Kosten das Reich seine eigene Sanierung versuche. Dringend notwendig sei die organisatorische Zusammenfassung der Krifcnfiirsorge mit der Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge der Gemeinden. Eine echte Ersparnis von 1300 Millionen liegt im neuen Etat gar nicht vor. Es handelt sich zum großen Teil um eine
Stimmen von diesseits und jenseits der Zollschranken: Nun werden wir uns endlich nicht mehr gegenseitig das Leben teurer machen.
Trauerfeier für Hermann Müller.
Präsident Lobe und der Reichskanzler sprachen im Reichstag.


