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Landnöten.

Wenn der Versailler Vertrag Deutschland ein Hunderttausend-Mann-Heer zubilligt, wenn er weiter festsetzt, daß Deutschland zur See einer Rüstung bedarf, so ist das nur ein Beweis dafür, daß selbst in Versailles in der Stunde des rücksichtslosesten Vernichtungs- Willens die Möglichkeit nicht von der Hand ge­wiesen wurde, daß Deutschland zur Aufrecht­erhaltung der inneren Ordnung sowie für die Sicherung der zertrümmerten Grenzen eine rnili- tärische Rüstung gebrauche. In den zwölf Jahren, in denen der Dersalller Vertrag in Kraft ist, hat sich an dieser Voraussetzung nichts geän­dert, im Gegentell, die Aufrüstung in al­len Sieger st aalen hat die Befriedung Eu­ropas in einer Weise gefährdet, daß es ein Ge­bot nicht nur der nationalen Pflicht, sondern noch vielmehr der nationalen Ehre ist, auf die Sicherung der Grenzen bedacht zu sein. Wer es fertig bringt, in dem Dau der Panzer­kreuzer ein überflüssiges militärisches Spiel zu sehen, wer es sich sogar leistet, die bis zu den äußersten Grenzen gesteigerte technische Aus­rüstung als Verschwendung zu bezeichnen, da diese Ausrüstung von den waffenstarken Län­dern jederzeit überholt werden könne, bringt damit keine .pazifistische Gesinnung", sondern nur jene Gesinnung zum Ausdruck, mit der wir uns von jeher vor allen anderen Völkern lächer­lich gemacht haben. Soll dem Wettrüsten ein Ziel gesetzt werden, so ist ja nichts einfacher, als dah die anderen Länder, die Siegerstaaten voran, sich endlich darauf besinnen, dah das Völkerbundsstatut des Versailler Vertrages in feierlicher Form allen Ländern Abrüstung zur Pflicht macht.

Dem hat auch der Reichskanzler Brüning in der Taufrede Ausdruck gegeben, während der der PanzerkreuzerDeutschland" in fast sym­bolischer Handlung pfeilschnell ins Wasser glitt. Es ist nicht nur Deutschlands Recht, die be­scheidenen Grenzen, die ihm der Versailler Ver­trag für- seine mllitärische Sicherung gelasien hat, vollständig auszunutzen, es ist auch die Pflicht jeder deutschen Regierung, sich aller Mittel zu bedienen, um allen anderen Völkern den ausdrucksvollen Beweis zu erbringen, dah das deutsche technische und organisatorische Ge­nie, wo immer es eingesetzt wird, Höchstleistungen vollbringt. Wer die Kosten bemäkelt, die der Dau der sechs Panzerkreuzer erfordert, sei daran erinnert, dah die technischen Höchstleistungen der deutschen Werften in sich auch eine Werbe­kraft enthalten, die dem deutschen Schiffsbau und der deutschen Wirtschaft durch Aufträge aus dem Auslande zum Vortell gereichen müssen. Es ist sehr wohl möglich, dah die technische Höchst­leistung, die der PanzerkreuzerDeutschland" darstellt, andere Länder veranlaht, wieder Schiffe in Deutschland zu bestellen, wie das vor dem Kriege die Regel war. Die Kosten für den Dau der Panzerkreuzer haben den deut­schen Werften Arbeit verschafft, damit dafür ge­sorgt, dah die deutsche Schiffsbautechnik nicht einrostet. Was die Schiffsbautechnik bei dem Dau von Kriegsschiffen leistet, geht auch dem Dau von Handelsschiffen nicht verloren, wofür wieder die großen Lleberseedampfer des Rord- deutschen Lloyd und der Hapag ein glänzendes Zeugnis ablegen. Für diese Zusammenhänge soll­ten wir in Deutschland doch allgemein ein bes­seres Verständnis haben, um nicht immer wieder dem Ausland das erbärmliche Schauspiel zu bie­ten, als ob uns das Empfinden für die nationale Ehre und nationale Sicherheit verloren gegangen sei.

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Die Skeptiker, die nicht an den Bestand derfestenDörsentendenzinden letzten ' Monaten glauben wollten, haben wieder einmal T recht behalten. In der schwachen Haltung sämt­licher internationalen Börsen kommt mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck, dah die Hoffnungen, die man auf einen baldigen Llmschwung der Weltwirtschaftslage gesetzt hatte, vorläufig auf ein Minimum zusammengeschrumpft sind. Auf die deutsche Finanz- und Dörsenwelt muhte zu­dem die Sanierungsnotwendigkeit der Oester- reichischeu Creditanstalt eine vernich­tende Wirkung ausüben, da aus ihr die unhalt­bare wirtschaftliche Lage unseres deutschen Rach- barstaates hervorgeht. Auch die Verhandlungen in Genf zeigen deutlich, dah man dort nicht ge­willt ist. denBesiegten" irgendwelche Zugeständ- nisie zu machen. Schließlich hat auch der Mih - erfolg der Reichspo st anleihe auf die Börse deprimierend gewirkt.

Die wenigen günstigen Rachrichten wurden von den ungünstgen politischen und wirtschaftlichen Vorgängen völlig überschattet. Die Diskont- fenfungen in Reuyork, London und Amsterdam hinterliehen keineswegs größeren Eindruck. Da es als sehr wahrscheinlich gilt, dah auch die Bank von Frankreich demnächst ihren Diskontsatz senken wird, steht auch für die deutsche Reichsbank der Weg für eine Zins­verbilligung offen. Immerhin scheint man bei der Reichsbankleitung recht vorsichtig vorzugehen und die Entwicklung des Geldmarktes noch einige Tage beobachten zu wollen. Man rechnet damit, dah eine Entscheidung über die Diskontfrage erst nach dem Pfingstfeste fallen wird, da man noch den nächsten Reichsbankstatus abwarten dürfte. Der Reichsbankausweis für die zweite Maiwoche hat einen neuen auhervrdent- lichen Tiefstand der Wechselbestände gebracht. Auf dem Wechselkonto vollzog sich allerdings diesmal die einzige Entlastung des Institutes. Rur zögernd ist die Rückbildung des Geld­umlaufes.

Als noch verhältnismäßig günstig kann die Entwicklung des Außenhandels ange­sprochen werden, wenn auch der Exportüber­schuß im April von 218 auf 126 Millionen Mark stark zurückgegangen ist. Dies ist aber rein saisonmähig zu erklären, da jeweils der Monat März das höchste Ausfuhrergebnis zeitigt und im April dann ein stärkerer Rückgang erfolgt. Don besonderer Dedeutung ist die Zunahme der Einfuhr um rund 50 Millionen Mark, die hauptsächlich auf das Anwachsen der Einfuhr von R o h st o f f e n, vornehmlich Daumwolle und Wolle zurückzuführen ist. Diese leichte Steigerung erweckt den Eindruck, als ob in einigen Wirt­schaftszweigen doch eine gewisse Delebung sich ducchzusehen beginnt. Besonders auf dem Ge­biete der Textilindustrie sind schon seit einiger Zeit Anzeichen eines konjunkturellen Llm- schwunges festzustellen. Leider sind diese Merk­male noch zu gering, um eine baldige Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage erhoffen zu lassen. Auch das Institut für Konjunkturforschung hat in feinem letzten Wochenbericht festgestellt, dah An­

zeichen einer konjunkturellen Belebung vorerst I Erwerbslosigkeit wird durch konjunkturelle Fak- nicht zu erkennen sind, wenn auch der Konjunktur- toten kaum unterstützt werden. Es gilt also für rückgang nunmehr im großen und ganzen zum! die deutsche Wirtschaft und besonders auch für die S t i l l st a n d kommt. Die für die Sommer- und politischen Instanzen, alle Kräfte einzusetzen, um Herbstmvnate zu erwartende Verminderung der ' der herrschenden Rot zu steuern.

Nach dem Stapellauf des PanzerkreuzersDeutschland" fand ein nächtliches Flottenmanöver statt, dem der Reichspräsident an Bord des KreuzersKönigsberg" beiwohnte.

Kiel, 20. Mai. (WTB.) Während der KreuzerKönigsberg" mit dem Reichspräsidenten an Bord noch in der Strander Bucht lag, hatte die deutsche Flotte, die mit der Flaggenparade bis zur Abfahrt des Reichspräsidenten die Toppflaggen gesetzt hat, bereits in den frühen Morgenstunden den Hafen verlasien und sich ziu Liebungen in die Kieler Bucht begeben. Später lief auch der KreuzerKönigsberg" aus. 3n Begleitung des Reichswehrministers und des Chefs der Ma­rineleitung verfolgte der Reichspräsident die Fahrübungen der Flotte, die sich bei Kiel-Feuer- schiff versammelt'hatte.

Als Abschluß der Stapellauffeierlichkeiten fand bei prächtigem Sonnenschein und leicht bewegter See eine Flv t ten pa r a de vor dem Herrn Reichspräsidenten statt, zu der sich zahlreiche Schaulustige auf Dampfern und Segelbooten ein­gefunden hatten. KreuzerKönigsberg", auf dem sich der Reichspräsident mit dem Reichs­wehrminister Groener, dem Chef der Marinelei­tung Admiral Dr. h. c. Raeder und dem Flotten­chef Vizeadmiral Oldekop befand, fuhr der in Kiellinie ausgefahrenen Flotte voraus, gefolgt von dem DampferSchilksee" mit Reichsminister Treviranus und einigen Reichsrats- und Reichs­tagsmitgliedern an Bord und den übrigen Damp­fern. Es war ein grandioses Bild, als kurz nach 10.30 Llhr als erstes das Linienschiff Schlesien" mit dem Befehlshaber der Linien­schiffe, Vizeadmiral Förster an Bord, dieKö­nigsberg" passierte, gefolgt von den Linienschiffen

Hessen".Hannover" undSchleswig- Holstein^ und den neuen KreuzernK o l n" undKarlsruhe". Die Besatzungen hatten Paradeaufstellung mit der Front nach dem Füh­rerschiff genommen. Es folgten die 1. und die 2. Torpedo bootsflottille, sowie die Minensuchboote und Spezialschiffe. Eine halbe Stunde dauerte d.ie Flvttenparade. Auf derKönigsberg" stieg das SignalDank" em­por. Das Schiff drehte bei und brauste mit hoher Fahrt zurück, um sich an d i e Spitze des Ge- s ch w a de r s zu setzen und es in den Kieler Hafen zurückzuführen. Roch einmal war Gelegenheit ge­boten, das prachtvolle Schauspiel zu verfolgen, als bei der Einfahrt in den Hafen im Ange­sicht des Marineehrenmals Laboe die Flotte wiederum in Kiellinie an den aus dem Hafen ausgefahrenen Segelbooten und Schiffen vorüberfuhr. Als dieKönigsberg" das Schul­schiffRivbe" passierte, nahm die Besatzung in den Raaen Aufstellung.

DieKönigsberg" drehte bei und nahm an der Brücke von Wiek Liegeplatz. Der Reichspräsident verließ das Schiff, das ihm während seines Kieler Aufenthalts als Wohnung gedient hatte und begab sich in das Offiziersheim in der Ws.iek, wo er am Mittagsessen des Offizierskorps teil­nahm. Auf dem Wege zum Offiziersheim bildeten Landesmarineteile Spalier. Lim 15.10 Llhr ver­lieh der Reichspräsident mit dem fahrplanmäßigen Zuge Kiel, nachdem ihm vor und im Bahnhof eine tausendköpfige Menschenmenge jubelnde Hul­digungen dargebracht hatte.

Nottenpamde vor dem Reichspräsidenten.

M

Oer Hessische Landtag fordert Revision des Houngplans.

Annahme des Staatsvoranschlags.

Oer Mrtschastsetat.

WHP. Darmstadt, 20. Mai. Der Hessische Landtag setzt die Einzeldebatte über den Wirt­schaftsetat bei dem Kapitel 88: Arbeitsnachweis­wesen, Wohlfahrtspflege, fort.

Abg. Axt (DRP.) erklärt, dah auch im ab- gelaufenen Jahr für die rnflationsgeschädigten Rentner nichts geschehen sei.

Abg. Roh (Soz.) übt an dem Arbeitsnachweis­wesen Kritik, besonders an der praktischen Hand­habung des Gesetzes. Für die Kurzarbeiter solle Zusatzarbeit geschaffen werden durch Erschliehung von Siedlungsgelände.

Abg. Dr. Werner (Rat.-Soz.) sieht die Gründe der heutigen Wirtschaftskataftrophe in einem teilweisen Versagen des mit dem Parla­mentarismus verbündeten Kapitalismus und in dem Tributplan. Don Versailles über die neuen Rotverordnungen führe eine gerade Linie zum Abgrund. In der Arbeitslosenfürsorge sei eine Rachprüfung nach unberechtigtem Bezug der Lln- terstühung angebracht.

Damit ist die Aussprache geschlossen. Die Ab - st i m m u n g ergibt die Bestätigung der Ausschuß­beschlüsse zum gesamten Wirtschaftsetat. Der Landbundantrag, die Feldbereinigungs- kosten, soweit sie aus den katastermäßigen und topographischen Vermessungen entstanden sind, auf die Staatskasse zu übernehmen, wird mit 29 gegen 24 Stimmen angenommen. Minister Korell erklärt, die Regierung könne nicht in Aussicht stellen, dah sie dem Beschluß nachkomme, da der Landtag erst die De düng für 94 000 Mark schaffen müsse. (Hört! Hört!)

Abg. N i e p o t h (DV.) erklärt, vor Aufnahme von kurz- oder langfristigen Geldern im außer­ordentlichen Etat solle die Regierung jeweils den Finanzausschuß hören, auch wenn der Landtag seine Genehmigung im Etat bereits ge­geben habe.

Der außerordentliche Etat wird in der Ausschußfassung genehmigt, ebenso das Finanzgesetz in erster Lesung. In der zweiten Lesung werden zwei Amtsarzt st eilen wieder genehmigt, die in erster Lesung gestrichen worden waren. Ohne Debatte wird dann der Staatsvoranschlag und das Finanzgesetz gegen die Stimmen der gesamten Opposition in zweiter Lesung genehmigt.

Vertagung bis Ende Juni.

Der Landtag faßte dann einstimmig eine Ent­schließung, die die Regierung ersucht, mit Rück­sicht auf die ungeheure Arbeitslosigkeit und die dem Zusammenbruch entgegeneilende wirtschaft sowie auf die unter dem Existenzminimum liegende Lebenshaltung der breiten Massen des deutschen Volkes und der harten Notwendigkeit, übersetzte Steuern anzufordern, beim Reich dahin zu wirken, daß alsbald Tierhandlungen zwecks Revision des Doungplans elngeleitet werden.

Oer innere Finanzausgleich.

Zu den Aenderungen des inneren Finanzausgleichs und der Bildung eines Ausgleichsstockes für die Gemeinden fordert Abg. Dr. Leuchtgens (Lbd.) Beteiligung des Reiches an den Wohlfahrtslasten. Den von der Regierung eingeschlagene Weg könne der Landbund als richtig nicht anerkennen, zumal die Wohlfahrtssätze vielfach höher lägen als ortsübliche Löhne.

Abg. Dr. N i e p o t h (DB.) lehnt Ausgleichsstöcke grundsätzlich ab. In der heutigen Lage, in der manche Gemeinden vor dem Zusammenbruch stehen, ist ein Fonds gerechtfertigt. Gemeinden, die seither sparsam gewirtschaftet hätten, dürften nicht zugun­sten der leichtsinnig wirtschaftenden Gemeinden jetzt benachteiligt werden. Die Deutsche Volkspartei lehne es ab, einer Gemeinde Zuschüsse zu bewilligen, die Aufgaben übernimmt, zu denen sie gesetzlich nicht verpflichtet ist. Hier müsse man an Vilbel erin­nern, das jetzt ein zusammengekrachtes Volkshaus für 190 000 Mark in eigenen Betrieb übernehmen wolle.

Abg. W e ck l e r (Z.) stimmt der Vorlage zu. Vor­aussetzung einer Zuschußgewährung bleibe spar­samste Wirtschaftsführung.

Abg. Dr. Werner (Rat.-Soz.) lehnt die Vorlage ab, da sie an der grundsätzlichen Frage des Abbaues der aufgeblähten Gemeindeverwal­tung vorübergehe.

Abg. Lux (Soz.) stimmt dem Gesetzentwurf zu und erklärt, daß die Regierung in der Anwen­dung der Richtlinien volle Handlungsfreiheiit haben müffe.

Das Gesetz wird mit 24 gegen 18 Stimmen angenommen. Die anderen 28 Abgeordneten waren bereits in die Ferien abgereist.

Präsident Delp entläßt dann die Abgeord­neten und dankt ihnen für ihre Arbeit bei dey Verabschiedung des Etats. Der Landtag wird frühestens am 23. Juni wieder zusammen treten, um die Derwaltungsgesetze zu beraten.

Aus aller Wett.

Professor ^Wegener lot aufgefunden.

Der Leiter der deutschen Grönlandexpeditiv'» Professor Alfred Wegener, dessen letzte Spu­ren 150 Kilometer vor der sogenannten Station Eismitte kürzlich von der nach den Forschern suchenden Hilssexpedition festgestellt wurden, ist nunmehr tot aufgefunden worden. Die Leiche war von Eingeborenen geborgen worden, sie hatten ihr eine pietätvolle Behand­lung zuteil werden lassen. Man fand den deut­schen Forscher sorgfältig in Felle eingenäht.

Aus einem bei der Rotgemeinschaft deutscher Wissenschaft eingetroffenen Funktelegramm geht hervor, daß die Hilfsexpedition 189 Kilometer von der Westküste entfernt Wegeners Skier im Schnee aufgeftedt gefunden hatte. Durch Ausgra­bung hat man unter diesen Skiern im Schnee» in Pelzen und Mühen eingenäht den toten Forscher gefunden. Allem Anschein nach ist Wegener nicht erfroren, sondern er hat einen schmerzlosen Tod, wahrscheinlich durch Herzschlag, gefunden. Seine Aufzeichnungen wurden bei der Leiche nicht gefunden. Man ver­mutet, daß sein Grönländer Begleiter diese Aufzeichnungen mitgenommen hat. Die Rach- forschungen nach dem Verbleib des Grönländers Rasmus und nach Wegeners Tagebüchern wer­den fortgesetzt.

Der bekannte dänische Grönlandforscher Dr. Lauge Koch, der ein persönlicher Freund Wegeners war, sagt, jetzt, wo man die traurige Gewißheit habe daß einerderbestenMännerderPolarfor. schung von uns gegangen fei, müsse man dies be­flogen, nicht nur um der Wissenschaft wegen, sondern um des Menschen Wegener willen. Wegeners Ein­stellung gegenüber Dänemark sei stets verständnisvoll gewesen. An und für sich habe kein Zweifel mehr an Wegeners Tod bestanden, nachdem man erfahren, w i e wenig Proviant Wegener besessen habe. Man hätte trotzdem immer noch Hoffnung gehabt, da Wegener ein Mann gewesen sei, der das Gelände genau gekannt habe.

Schweres Autounglück.

Im Seewald bei Friedrichshafen ereig­nete sich ein Autounglück, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel. Das Dienstauto des Arbeitsamtes Ravensburg wollte einen Radfahrer Überholen, als ihm von der Gegenseite ein von einer Dame ge­steuerter Wagen entgegenkam. Beim raschen Brem­sen schleuderte das Dienstauto und fuhr auf den entgegenkommenden Wagen auf, der in den Straßengraben gedrückt wurde, wodurch zwei seiner Insassen leichte Verletzungen erlitten. Der im Dienstauto sitzende Arbeitsamtsdirektor B r ü st l e wurde durch den Anprall aus dem Wa­gen geschleudert und sofortgetötet. Der Kassie­rer des Arbeitsamtes Ravensburg erlitt leichte Ver­letzungen am Kopf, während der Chauffeur mit dem Schrecken davonkam. Er wurde ver­haftet.

Acht Todesopfer eines schrankenlosen Bahnübergangs,

Beim Passieren eines schrankenlosen Bahnüber­gangs wurde bei Kairo ein Personenkraftwagen von einem Schnellzug ersaßt und zertrümmert. Acht von feinen zehn Insassen kamen dabei ums Leben, zwei sind schwer verletzt.

Verurteilung der in Schweinfurt gelandeten französischen Flieger.

Von dem Schnellrichter wurden die auf dem Schweinfurter Flugplatz gelandeten französischen Flieger wegenPaßoergehensundUeber- tretung der Lustoerkehrsordnung ver­urteilt. Der Fähnrich R e n 6 erhielt 2 5 0 Mark Geldstrafe bzw. zehn Tage Haft, der Maat P e i f e t 100 Mark Geldstrafe bzw. vier Tage Haft und der Untermaat Benezet ebenfalls 100 Mark Geldstrafe bzw. vier Tage Haft. Außerdem wurden die Flieger zur Tragung der Kosten verurteilt.

Flammentod einer fünfköpfigen Familie.

Bei einem Feuer inHull (England) fand ein« fünfköpfige Familie den Tod in den Flammen. Ein anderes Kind ist seinen schweren Verletzun­gen erlegen. Das Feuer überraschte die Bewohner im Schlafe. Die Feuerwehr wurde bei ihrer Ankunft benachrichtigt, dah sich keine Menschen mehr in dem Hause be­fänden. so daß sie erst gar keine Anstrengungen machte, die in der Dachwohnung eingeschlossenen Unglücklichen zu retten.

Blutige Zusammenstöße im Krokauer Kohlenrevier.

Aus den Gruben in Saorjna im Krakauer Kohlenrevier tarn es zu blutigen Zusammenstößen zwischen den streikenden Bergarbei­tern und Polizei, wobei sechs Arbeiter getötet, 15 schwer und eine Anzahl anderer Personen leichter verletzt wurden. Während der Lohnoerhandlungen, die im Verwaltungsgebäude stattfanden, sammelten sich vor dem Gebäude etwa 7000 bis 8000 Arbeiter an, um das Ergebnis der Besprechungen abzuwarten. Aus der Menge heraus wurden drohende Zurufe laut. Vom Balkon des Direktionsgebäudes versuchte ein Arbeiteroertreter die Massen zu beruhigen und ermahnte sie, ausein­anderzugehen. Kommuni st ische Agitatoren forderten darauf die Arbeiter auf, nach dem Elektrizitätswerk zu ziehen und den Be­trieb einzustellen. Als sich die inzwischen herbei­gerufene Polizei dem Demonstrationszug in den Weg stellte, kam es zu dem folgenschweren Zusam- menstoß. Der Streik dauert noch an, doch hofft man die Arbeiterschaft, die infolge der Vorgänge stark erregt ist, zur Wiederaufnahme der Arbeit bewegen zu können.

Der Fall Bullerjahn.

Der Vierte Strafsenat des Reichsgerichts hat den Antrag auf Wiederaufnahme des we­gen angeblichen Landesverrats zu einer Zuchthausstrafe von 15 Jahren verurteilten Ober­lagerverwalters Walter Duvlerjahn für zu­lässig erklärt. Der Strafsenat hat angeordnet, dah der frühere Generaldirektor v. Gvntard von den Berlin-Karlsruher Jndustriewerken im Wiederaufnahmeverfahren als Zeuge eid­lich vernommen wird. Diese Vernehmung findet durch den vom Strafsenat dazu beauftrag­ten Richter, Reichsgerichtsrat Coenders, statt. Die Entscheidung über weitere Beweis­erhebungen im Wiederaufnahmeverfahren hat sich der Senat Vorbehalten. Gleichzeitig hat der Senat die Haftentlassung Buller- j a h n s, der jetzt das siebente Jahr seiner; Zuchthausstrafe verbüht, abgelehnl.