Nationalsozialistisches SA -Treffen in Braunschweig.
Eine CRcfre Hitlers zur politischen Lage.
Braunschweig, 18. Oft. (ERB.) Schon in den frühesten Morgenstunden begannen die Standarten der zu dem heutigen Treffen versammelten nationalsozialistischen SA. aus ihren Quartieren in den umliegenden Orten nach der Stadt zum Franzenfelde zu ziehen, wo die Weihe der neuen Standarten erfolgen sollte. Unter wehenden Fahnen mit Musik und Gesang rückten sie in langen Kolonnen von allen Seiten heran. Von 8 Uhr an begann die Aufstellung auf dem Franzenfelde, die 24 neuen Standarten auf einer Anhöhe. Gegen 10 Uhr erschien, von Heilrufen begrübt, Adolf Hit- l e r. Seine Weiherede wurde mit stürmischen Heilrufen ausgenommen. Hierauf formierten sich die Gruppen zum Anmarsch nach dem Schloßplatz, wo der Vorbeimarsch stattfand, der um 12 Uhr begann und nach 17 Uhr noch nicht beendet war. In 38 Sonderzügen, mit 5000 Kraftwagen und in Tages- und Rachtrnärschen waren 75 000 Mitglieder der RSDAP. zu dem Treffen gekommen. Das SA.-Treffen fand am Sonntagabend seinen Abschluß mit einer Massenkundgebung in der Braunschweiger Stadthalle, bei der Hitler u. a. ausführte: „In der letzten Reichstags- sihung hat Reichskanzler Dr. Brüning erklärt, er möchte verhindern, dah sich in Deutschland eine Front der Arbeitnehmer gegen eine Front von Arbeitgebern aufrichte. Der Kanzler hat damit den Kern des Problems nicht berührt. Es Handels, sich nicht um Arbeitgeber und Arbeitnehmer/ sondern zunächst um zwei große weltanschauliche Bewegungen: Die bürgerliche und die internationale
marxistische Welt. Der Reichskanzler hat vergessen, dah sich diesen beiden Fronten gegenüber schon längst eine dritte Front erhoben hat, die sich weder zur einen, noch zur anderen Seite rechnet, sondern ganz bewußt beide Richtungen ablehnt. Wan spricht von einer Erschütterung, die Reuwahlen mit sich bringen könnten. Wenn ein System schlecht regiert hat, dann wird die Abrechnung immer eine Erschütterung bedeuten. Wenn die heutigen Machthaber Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten wollen, so können sie nur eines tun. ihren Platz denjenigen einräumen, die allein in der Lage und willens dazu sind. Der Unglaube an die bisherige Regierungspolitik ist ins Riesenhafte gewachsen. Das weiß man und deshalb scheut man sich vor dem vernichtenden Votum deS Volkes durch Wahlen. Wir treiben Opposition nicht gegen einzelne Maßnahmen, sondern gegen ein ganzes Sy st em, das unser Volk langsam in zwei Teile aerreift. Hierdurch wird es dem Volk für die Zukunft unmöglich gemacht, seine Lebensinteressen vor der Welt zu vertreten. Man wird einsehen, daß es besser ist, einen festen Staat als ein von bolschewistischen Krisen zerrüttetes Volk im Herzen Europas zu haben. Mit der RSDAP. wird unser Volk seine Freiheit erringen. Rur ein in fester Treue zusammenstehendes Volk kann dieses Ziel erreichen. Die Hakenkreuzfahne soll das Symbol der Einigkeit und des Aufstiegs in Deutschland sein. Die große Stunde, da die Schande des Iahres 1918 getilgt ist, wird kommen."
Ein Abschiedsbrief an 0r. von Helmott.
Ter Landbundführer kandidiert nicht mehr für den Landtag.
WSR. Darmstadt, 17. Oft. Landtags- Präsident Delp hat an den Vizepräsidenten deS Hessischen Landtags. D r. v. H e l m o 11 (Landbund), folgendes Schreiben gerichtet: ..Sehr verehrter Herr Kollege! Gestern abend nach Schluß der Plenarsitzung erfuhr ich erst, daß Sie die Absicht haben, für den kommenden Landtag nicht mehr zu kandidieren Ich bedauere außerordentlich, daß ich diefe Mit- leilurrg nicht früher erhielt, da ich jetzt der Möglichkeit beraubt bin, den Dank des Parlaments für Ihre jahrelange Tätigkeit als stellvertretender Präsident an der Stätte Ihrer Wirksamkeit auszusprechen. Gestatten Sie mir, daß ich hiermit nachträglich und schriftlich Dank sage. Von 1911 bis 1918 und von 1021 bis jetzt haben Sie dem Hessischen Landtag angehört, während der letzten zehn Iahre zum stellvertretenden Präsidenten berufen. In dieser langen Zeit haben Sie o f t a l s P r 2 - sident amtiert, dabei in manchen Sitzungen, in bciyn die politischen Gegensätze mit Heftigkeit aufeinanderprallten und damit eine geordnete Geschäftsführung aufs äußerste gefährdeten. Aber immer gelang es Ihnen, mit fester Hand, unterstützt durch Ihre persönliche Liebenswürdigkeit und Ihren vornehmen Eharakter, der parteiische Entscheidungen nicht kannte, der Lage Herr zu werden und die Sitzungen würdig weiter und zu Ende zu führen. Hierfür sage ich Ihnen den Dank des hessischen Parlaments."
In Ergänzung des Wolffberichts über die Freitagsihung des Hessischen Landtags teilt der Abgeordnete Prof. Dr. Werner- Butzbach mit, daß der Abgeordnete Dr. Müller die in der Landtagssitzung vom Dienstag ausgesprochenen Beleidigungen mit Bedauern zurückgenom- mcn habe.
Krisis der Wirffchafispartei. Dicrhüringerproteftiercn gegen dieHaltung der Rcichstagsfraktion.
Weimar, 17. 0kt. (ERB.) Die Haltung der Reichstagsfraktion der Wirtschaftspartei hat Auswirkungen besonders auf die t h Ü r i n g i s ch e Landtagsfraktron ausgeübt. Ministerialrat Dr. G e r st e n h a u e r hat seinen Austritt aus der Wirtschaftspartei erklärt. Gerstenhauer nahm an der Harzburger Tagung der Opposition teil und ist ausgetreten, weil das Harzburger Programm von der Wirtschaftspartei durch ihre Haltung im Reichstage obgelehnt wurde. Gerstenhauer ist auch an den Verhandlungen, die gegenwärtig in Thüringen zum Zwecke der Wiederherstellung der Koalition mit den De u t sch n a t i o n a I e n und den Rational s o z i a l i st e n gepflogen werden, beteiligt. Die Weiterentwickelung hängt davon ab, ob eine Einigung unter den Parteien, die sich der Führung des Stahlhelm anvertraut haben, zustandekommt. Der Desamtvorstand der Wirtschaftspartei im Wahlkreis Thüringen trat unter Teilnahme der thüringischen Land- tagsfraktion und der Vertreter der sächsischen und preußischen Wahlkreise in Mtenburg zusammen. Rach eingehender Aussprache, bei der auch der Reichstagsfraktion Gelegenheit gegeben war, ihren Standpunkt zu vertreten, erhob der thüringische Gesamtvorstand scharfen Protest dagegen, daß die Reichstagsfraktion für die Regierung Brüning gestimmt habe. In der kommenden Woche wird die thüringische Wahlkreiskonferenz der Wirtschaftspartei einberufen und ihr die Frage der weiteren Haltung zur Partei und Reichstagsfraktion vorgelegt werden.
Wie die „TU." zuverlässig erfährt, chat Staatsminister a. D. Dr. Weber sein Amt als zweiter Vorsitzender der Wirtschaftspartei n i e berge l e g t. Der Schritt Dr. Webers hängt ebenfalls mit der Abstimmung im Reichstag zusammen, auf der die Wirtschaftspartei eine Haltung eingenommen hat, die Dr. Weber nicht mit seinem Rainen decken will.
Oer Konflikt um die Mandschurei.
Japans Bedingungen für eine Zurückziehung der Truppen. - Briand hat einen neuen DennittlungSvorschlag.
Genf, 18. Oft. (WTB.) Die japanische Delegation veröffentlicht am Dorabend der wieder beginnenden öffentlichen Verhandlung des Dölkerbundsrats eine ausführliche Darstellung der Auffassung Japans über den Konflikt in der Mandschurei. Daraus geht hervor, daß Japan an seinem bisherigen Standpunkt festhält, daß nämlich japanische Truppen erst dann zurückgezogen werden könnten, wenn die Sicherheit des Lebens und des Eigentums der Japaner in der Süd- mandschurei gewährleistet sei. Wiederum wird betont, daß vorher indirektenDerhand. langen zwischen China und Japan die grundsätzlichen Fragen, die die Beziehungen der beiden Länder betreffen, geklärt werden müßten. Es wird bestritten, daß die antijapanische Bewegung in China ein elementarer Ausdruck der Volksstimmung gegen die japanische Besetzung sei und erklärt, daß diese Bewegung von den chinesischen Behörden h e r v o r g e r u f e n und systematisch geschürt werde. Die chine- sische Regierung und die lokalen Behörden müßten Garantien geben für den Schutz der japanischen Staatsangehörigen. Nur dann sei eine vollständige Zurückziehung der Truppen möglich. Japan hege Zweifel, ob China überhaupt in derLage sei, seine Zusicherungen durchzuführen. Die japanische Delegation erwarte, daß der Völkerbund durch eineruhigeundabwartendeHal- tung eine wirkliche Befriedung herbeizuführen helfe. Ein Mitglied der japanischen Delegation erklärte: Wenn der Völkerbund kein Mittel finden kann, um die Rechte der Japaner in der Mandschurei zu schützen, dann müssen wir dort bleiben. Ueberdies braucht Japan Raum, denn seine Bevölkerung vermehrt sich derartig, daß das Land für sie nicht mehr ausreicht. Wir sind uns darüber klar, daß wir jetzt vollkommen isoliert sind. Aber die öffentliche Meinung in Tokio ist ohne Unterschied der Parteien einig. Die Frage ist, ob Japan den Völkerbund oder die Man- dschurei verlassen soll und die Mandschurei
können wir nicht verlassen, weil unsere dortigen Interessen zu groß sind.
Wie es heißt, hat Briand e i.n e n Sermitt» lungsvorschlag a us g e a r b e i t e t, dem die Übrigen Mitglieder des Rates zugestimmt haben sollen. Briand beabsichtigt, diesen Vorschlag in der Ratssitzung bekanntzugeben, wenn die beiden Parteien sich bis dahin nicht einigen sollten.
Japan
und die Einladung an Amerika ErneutPrüfung der juristijchenGrundlagen verlangt.
Die japanische Regierung hat erneut zu der Frage der Einladung der amerikanischen Regierung in einem Memorandum Stellung genommen. Sie besteht darauf, daß ihre j u r i ft i - schen Einwände gegen die Zulässigkeit der Einladung geprüft werden und kündigt an, daß sie ihre endgültige Haltung nach der Antwort auf ihr Memorandum einnehmen werde. Die Antwort Bri- ands beschränkt sich auf die Erklärung, daß der japanische Delegierte von falschen Voraussetzungen ausgehe, wenn er die Rechtmäßigkeit der Einladung der Vereinigten Staaten bestreite. Eine Prüfung der Frage sei im Augenblick nicht notwendig, er überlasse es aber der Entscheidung des Rates, später eine solche Klärung vor- zunehmen. Eine Rückwirkung einer solchen späteren juristischen Klärung auf den Beschluß des Rates bezüglich der Einladung könne er jedoch nicht zuge- stehen. Auf die Bemerkung Joshizawas über die Heranziehung Amerikas als Signatar ft aal des Pariser Paktes und die Weiterungen, die sich daraus unter Umständen ergeben könnten, geht Die Antwort Briands mit keinem Worte ein. Der Ratspräsident betont wiederholt, daß der Rat mit seiner Entscheidung sich im Rahmen des Völker- bundspaktes gehalten habe.
Krankreichs Angst vor dem „Papierdollar".
Droht eine Isolierung?
Paris, 18. Oft. (2ü.) In Pariser Finanzfrei- sen beschäftigt man sich mit der großen Gefahr, die darin liegen würde, wenn die Vereinigten Staaten unter dem Druck der Verhältnisse etwa gezwungen wären, nach dem Vorbilde Englands die Goldwährung preiSzugeben und zum Papierdollar übcrzugchen. Ein derartiges Ereignis würde die Golovaluta einfach blockieren und die Lage Frankreichs unerträglich gestalten. Der französische Wtrtschaftsorga- nismus wäre der Krise in ihrer schärfsten Form preisgegcben, da er die Konkurrenz der Länder mit Papierwährung nicht a uS halt en könnte. Schon jetzt machten sich im Zusammenhang mit dem Angriff des Papier- Pfundes Depressionen geltend. In der Zeit der Weltwirtschaft erscheine eine isolierte Goldwährung 'vollkommen unhaltbar, da der Goldwert in dem Augenblick sinken müsse, wo er aufhöre, dem internationalen Warenaustausch zu dienen. Auch in dem ständigen Dold- z u st r o m nach Frankreich liege eine unver- lennbare Gefahr. Schließlich seien die Folgen ®®r « ?bzusehen, die sich aus einer etwaigen
r u d l a u f i g c n Bewegung deS Goldes lur Frankreich ergeben mühten. Wenn daS fremde Gold aus gleichviel welchen Gründen inS AuS- zurückfließen sollte, werde das französische Geldsystem einen betäubenden Schlag erleiden. Auch wenn man jetzt noch nicht an eine große ©efabr für Frankreich glaube, so fei es doch die höchste Zelt, energische Maßnahmen zu ergreifen. Rach einer Meldung aus Reuyork soll die B a n k v o n F r a n k r e i ch sich bereit erklärt haben, bei der Federal Reserve Bank eine öolbcinlagc von 300 Millionen Dollar -u machen, während die Federal Re- serve Bank nach und nach ihren Diskontsatz bis auf fünf Prozent herauf setzen und die nicht garantierten Kredite für Handel und Industrie einschranken würde.
„J”*! dem Dampfer .Pari s" sind in Le Havre 336 Barren Gold im Werte von 418 Millionen I
Francs aus Reuyork angefommen. Ferner wurden in Cherbourg von dem Dampfer .Olym- pic" 281 Barren Gold im Werte von 400 Millionen Francs gelandet.
Aus aller Well.
(Elfte Generalversammlung
de» katholischen Deutschen Jrauen-Bunbe».
Zur 11. Generalversammlung des Katholischen Deutschen Frauen-Bundes in Breslau waren aus allen Gegenden des Reiches und aus dem Auslande Begrüßungstelegramme. darunter eins vom Papst und eins vom Erzbischof von Köln eingegangen. Frau Dr. Gerta Krabbe l-Aachen bezeichnete die Tagung als den Ausdruck des Willens und der Bereitschaft der katholischen Frau zur Mitarbeit an der Zukunft unseres Volkes. Heber „Geist und Wirtschaft" sprach dann Prof. Dr. Theodor B r a u e r - Honnef. Am Samstagnachmittag hielten die Arbeitsgemeinschaften Sondersitzungen über „Die 'Neugestaltung der Familie in der Zeit der Mechanisierung" und den „Sinn und Bewertung der Frauenberufsarbeit in der heutigen Zeit ' ab. Den Höhepunkt der Tagung bildet: die große öffentliche Kundgebung am Sonntagabend im großen Konzertsaal, in der auch Kardinalfürsterzbischof D. Bertram sowie eine Reihe von Vertretern der Staats- und kommunal beworben teilnahmen. Die Ministerial- rätin und Reichstagsabgeordnetc Dr. h. c. Helene Weber- Berlin referierte über daS Thema -Kultur und Wirtschaft". Alle Mängel des Iahr- hunderts würden auf das gegenwärtige Wirtschaftssystem zurückgesührt. Es tauche daher die Frage auf: Können wir eine christliche Kultur retten ober neu aufbauen, inbem wir bie privat- wirtschaftliche Basis erhalten und neu beleben? Man müsse mit dem Schlagwort aufräumen, daß 2uruS gut sei, weil er Geld unter die Leute bringe. Diese Einstellung habe psychologische Aufreizung und wirtschaftliche Falschwirkungen zur Folge gehabt. Der Mensch reagiere auf die wirtschaftlichen Erschütterungen damit, dah er Glauben und Vertrauen verliere. Es fei tiefste Erkenntnis daß der in Gott lebende Mensch am freudigsten und gerechtesten die Güter der Wett verwalte. Die Privatwirtschaft müsse mehr als
bisher den Menschen als Persönlichkeit und die Familie als Gemeinschaftsgut würdigen. Rach Schlußworten des 1. Vorsitzenden spendete Kardinalfürsterzbischof D. Bertram den Teilnehmern seinen Sogen. Mit Orgelvorträgen schloß die eindrucksvolle Kundgebung.
Kundgebung der Reichsbahnbeamlen.
Der Zentral - Gewerkschaftsbund Deutscher R e i ch s b a h n b e a m t e n und - anroärter, ber etwa 120000 Mitglieder umfaßt, veranstaltete in Berlin eine Kundgebung. Professor Dr. Blum von der Technischen Hochschule Hannover hielt einen Vortrag über „Reichsbahn u* Wirt- schäft". Er forderte, baß die Derkehrscntwicklung i n gesundeBahnengelenkt werde. Die Fracht, und Personentarife brauchten bei weitem nicht so huch zu sein, wenn die Reichsbahn nicht Reparationszahlungen und politische Lasten zu tragen hatte. Die Reichsbahn habe 3 7 Prozent der Repa- rationspolitik aufzubringen, nämlich 660 Mil- lionen Mark jährlich und außerdem 640 Millionen Mark jährlich an politischen Lasten zu tragen. Die Reichsbahn müsse für 1931 mit einem Defizit von mindestens 600 Millionen Reichs- m c r k rechnen. Da ohne Schädigung der Leistungsfähigkeit und Betriebssicherheit die Sparpolitik nicht weitergetrieben werden könne, feien sofort zwei Maß. nahmen notwendig: Die Entlastungen aus dem Hoooerplan müßten auch der Reichsbahn voll zugute kommen, und bie Reichsbahn müße vor Verkehrsoerlust en geschützt werden, die ihr durch Konkurrenzauswuchse anderer Verkehrs- mittel entstehen. — Rusch, der stellvertretende Dor. sitzende der Zentralgewerkschaft, stellte die lieberem- ftimmung seiner Organisation mit den Forderungen des Redners fest.
Ein Wiener Geldbriefträger niedergcschosten.
Der Geldbriefträger Rudolf Lindauer wurde, al» er das Postamt im 15. Bezirk zum Bestellgang verlassen hatte, plötzlich von zwei jungen Bur- fdjc nüberfallen, von denen einer Schüsse abgab. Lindauer wurde von mehreren Kugeln getroffen und sank zusammen. Die Burschen ergriffen die Flucht. Es entwickelte sich eine wilde Verfolgung, an der Polizeibeamte und Passanten teilnahmen. Einer der Räuber wurde ergriffen. Der zweite schoß sich, als er keinen Ausweg sah, in den Kopf und verletzte sich lebensgefährlich.
Aus ber provinzialhauptstabt.
Gießen, den 19. Oktober 193L
Du Gesundheit des Schulkindes.
Ddn Dr. meb. Charlotte ^schocke.
Die Gesundheit de» Schulkindes wird jetzt in anderer Weise überwacht als in ber Vorkriegszeit. Häufige Turnstunden, Tageswanderungen, obliga- torische Schwimmkurie sichern die körperliche Ausbildung neben dem üblichen Unterricht. Schulspeisungen ergänzen die manchmal infolge der Rot der Zeit ungenügende Ernährung im Elternhause. Die regelmäßige Untersuchung durch den Schularzt ermöglicht Maßnahmen zur Verhütung von Krankheiten und Körperfehlern im ersten Stadium und Aussonderung von anfterfungsfähigen und gebrechlichen Rin- b«rnHei es durch vorübergehende Entfernung au» ber Schule bi» zur Gesundung oder durch Unterbringung in Klassen für schwerhörige, Stotterer, Sehschwache und in Hilfsschulen für geistig Zurück- gebliebene, wodurch dem gesunden wie dem kranken Kinde gleichermaßen geholfen wird.
Mit diesen fürsorgerischen Maßnahmen ist aber durchaus nicht dem Elternhaus die Verpflichtung abgenommen, für eine gesunde Lebensweise und sachgemäße Ernährung Sorge zu tragen; denn die Heranwachsenden Kinder, besonders die 10. bis 14jäh- ngen, stellen einen großen Prozentsatz ber Patien- ten in der Sprechstunde des Kinderarztes und der Kinderpolikliniken. Der Grund dafür ist teils in schnellem Wachstum, teils in unvernünftiger Lebensweise zu suchen. Was ich in folgendem sage, gilt Haupt- sachlich für die 10- bi» 14jährigen, obwohl es im wesentlichen auch auf jüngere und ältere Schulkinder anzuwenden ist. Wichtig für die ungehemmte Ent- Wicklung ist vor allem eine genaue Zeiteinteilung, bie Aufstehen und Zubettgehen, sowie Arbeits- und Freizeit regelt und nur ganz ausnahmsweise durch- brachen werden darf.
Em Kind braucht 10 dis 12 Stunden Schlaf, für besten pünktlichen Beginn und ungestörte Dauer die Eltern zu sorgen haben. Bei einem ausgeschlafenen Kinde wird auch das Aufstehen ohne große Schwieriakeiten vor sich gehen. Je nach der Länge des Schulweges wird dieser Zeitpunkt morgens 1 bis 2 Stunden vor den Schulbeginn zu legen (ein. Auf alle Fälle muß das Kind sich ohne Haft anziehen und in_ 9tube frühstücken können Die Viertelstunde mehr Schlaf, die sich schwache Mütter immer wieder abringen lasten, bringen dem Kinde nicht den geringsten Nutzen, wohl aber vielerlei Schaden, näm- sich: Da» ungewaschene oder ungenügend gewaschene Kind ist halb verschlafen, unlustig und daher unfähig, dem Unterricht zu folgen. Die gründliche Reinigung bie am besten in einem täglichen, mäßig warmen Babe, mindestens aber in gründlichem Ab- seifen von Kopf bi» zu Fuß bestehen muß, findet besser abends vor dem Schlafengehen statt, weil
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Wettervoraussage.
Zentraleuropa wird noch von dem Einfluß de» hohen Druckes beherrscht, der über Deutschland heute morgen ein ausgedehntes Nebel, und Dunftfelb verursacht hat. Dabei läßt das Temperaturbild keine ausgeglichenen Werte erkennen. Bis in das deutsche Küstengebiet greifen Randstörungen der im Norden oorüberziehenden Tiefdruckgebiete vor und bringen Morgentemperaturen bi» au 6 Grad, wahrend im Inneren Teil de» Reiches Ausstrahlung stellenweise Frost brachte. Die Herrschaft des hohen Druckes wird vorerst für unser Gebiet noch maßgebend (ein, so daß Nebelbildung mit Aufklaren und Eintritt von Nachtrostgefahr besteht. Jedoch ist in Norddeutschland Bewölkung und vereinzelt auch etwa» Niederschlag durch die nördliche Störung nicht ausgeschlossen.
Aussichten für Dienstag: Reblig mit Aufheiterung, nachts Frostgefahr, trocken.
Aussichten für Mittwoch: Fortdaue» de- trockenen Herbstwetters.
Lufttemperaturen am 18. Oktober: mittags 12,4 Grad Celsius abends 5,8 Grad: am 19. Oktober, morgen» 4,2 Grad. Maximum 12,4 Grad, Minimum 2,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm liefe am 18. Oktober: abends 9,8 Grad: am 19. Oktober: morgen» 7 Grad Celsius. — Niederschläge 0,2 mm. — Sonnenscheindauer XA Stunde.
Kunst und Wissenschaft.
Der Maler Lesser Ury f.
Am Sonntagmittaa ist, wie die Berliner Montag», blätter melden, der bekannte Berliner Maler Lester Ury ganz plötzlich in seiner Wohnung gestorben. Ury zählte neben Max Liebermann zu den bedeutend, ten Vorkämpfern des Impressionismus in der deut- chen Malerei. Zu feinen bekanntesten Werken geboren „Jerusalem" und „Der Mensch". Der Der- torbene war Ehrenmitglied ber Berliner „Ses- । ession" und stand kurz vor der Vollendung seine» 70. Lebensjahre».


