Aus der Provinzialhauptstadt.
Dietzen, den 19.Mai 1931.
Arthur Schmidt
zum siebzigsten Geburtstag.
Don Prof. Dr. jur. ei phil. Karl Effetborn.
Am 20. Mai 1931 kann der Rechtslehrer, Geh. 3ustizrat Professor D. Dr. Arthur Benno Schmidt in Tübingen sein siebzigstes Lebensjahr vollenden. .
Schmidt stammt aus Leipzig- Dein Vater war der damalige Privatdozent der Chirurgie und spätere Geheime Rat Prof. Dr. Benno Schmidt. Ostern 1880 verlieh er die Schule mit dem Zeug, nis der Reife, um sich auf seiner heimatstädtischen Universität dem Studium der Rechtswissenschaft zu widmen. 3m Frühjahr 1884 bestand er die Reserendarprüsung unb genügte von 1. April 1834 ab seiner einjährigen Militärpflicht. Mährend dieses Jahres wurde er auf Grund der Arbeit „Die Grundsätze über den Schadensersatz in den Volks- rechten" zum Doktor der Rechte promoviert. 3m Frühjahr 1885 trat er seinen Vorbereitungsdienst an und arbeitete beim Amtsgericht, Landgericht und einem Rechtsanwalt,'bis er sich im Februar 1887 mit der rechtsgeschichtlichen und rechtsvergleichenden Studie „Das Recht des äleberhangs und Lieberfalls" für die Fächer des deutschen Rechts bei der Leipziger Iuristenfakultät habili- tierte. Zwei Semester später wurde ihm die venia legendi auch für Kirchenrecht erteilt.
Am "10. August 1889 wurde er als ordentlicher Professor mit Lehrauftrag für deutsche Rechtsgeschichte, Kirchenrecht, Völkerrecht und Rechtsenzyklopädie an die Ludoviciana in Gießen berufen. Mit dem Sommersemester 1893 wurde sein Lehrauftrag auf deutsches Privat» und Handelsrecht ausgedehnt. Eine überaus erfolgreiche Wirksamkeit war ihm hier während 47 Semestern beschieden. Aber auch persönlich verwuchs er mit Gießen. Zu vielen Kollegen und nicht nur zu seinen Fakultätsgenossen trat er in freundschaftliche Beziehungen. 3n Gießen begründete er am 8. März 1894 seinen Hausstand mit Marie Benecke, der Tochter des Straßburger Geologen Wilhelm Benecke. Schon im Sommersemester 1897 war er nach dem am 5. Mai erfolgten Tol e Gustav Kretschmars, dem er im „Gießener Anzeiger'. (Rr. 109 vom 11. Mai 1897) einen tiefempfundenen Rach ruf widmete, Senior der 3uristensakultät. 3m Februar 1897 wurde er vom Grohher^g als Vertreter der LIniversität in die Erste Kammer berufen und hatte dadurch die Möglichkeit, sich der Llniversität auf mannigfache Art nützlich zu erweisen. Kurze Zeit darauf, am 3. April, wurde er Mitglied des Derwaltungsgerichtshofs. Für das Amtsjahr J900/01 bekleidete er die Rektorats- Würde und erhielt am 25. Rovember 1900 den Titel eines Geheimen 3ustizrätes. Reben seiner engem Berufstätigkeit war er ein eifriges Mitglied des Oberhessischen Gcschichtsvereins, des Gießener Kunstvereins, des Gleibergvereins und des Theatervereins.
Mit welchem Eifer er sich in das hessische Recht einarbeitete, dgvon zeugen seine ersten, in Gießen entstandenen Veröffentlichungen: die „kirchen- rechtlichen Quellen des Großherzogtums Hessen", die „Beiträge zur vberhessischen Rechtsgeschichte' und das Ludwigsprogramm „Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Groß- Herzogtum Hessen", worin er gleichsam Reuland bearbeitete. 3m 3ahre 1893 erschien die kirchen- rechtliche und kirchenpolitische Abhandlung „Der Austritt aus der Kirche", die erste tiefgründende wissenschaftliche Behandlung ihres Gegenstandes. Seine nächste größere Veröffentlichung ist die von 1900 bis 1907 erschienene Bearbeitung des ersten Abschnitts des Familienrechts des Bürgerlichen Gesetzbuchs, bürgerlicher Ehe (Paragraphen 1297 bis 1588) in dem großen bei C. H. Deck in München,verlegten Kommentare.
3m 3anuar 1913 nahm Schmidt den von der Universität Tübingen an ihn ergangenen Ruf als Rachfölger Siegfried Rietschels an, Ostern 1913 zog er nach Tübingen. 3m August 1914 zog er als Kompanieführer ins Feld, im Frühjahr 1916 kehrte er nach Tübingen zurück und nahm im nächsten Wintersemester seine Lehrtätigkeit wieder auf. Don April 1917 bis April 1918 war er Rektor. Rach der Revolution befaßte er sich literarisch hauptsächlich mit dem Derfassungsneu- bau der evangelischen Kirche Württembergs. Seine Verdienste auf kirchlichem Gebiete erkannte die Gießener Theologische Fakultät am 20. Mai 1927 durch die Ehrenpromotion an. 3m Sommersemester 1930 war Schmidt durch Krankheit gezwungen, seine Vorlesungen auszusehen. Mit dem Ende des Sommersemesters 1931 wird er in den Ruhestand treten.
Hat sich Schmidt in der wissenschaftlichen Welt durch seine von gründlicher Gelehrsamkeit zeugenden Veröffentlichungen, die hier nur mit Auswahl angeführt werden konnten, ejnen angesehenen Rarnen erworben, so haben iyrn die ihn als Mensch auszeichnenden vortrefflichen Charaktereigenschaften, insbesondere seine Liebenswürdigkeit, die nicht etwa nur etwas Aeußerliches ist, sondern in Wohlwollen und Güte ihren tiefen Grund hat, die Herzen seiner Kollegen und Schüler gewonnen. Schmidt darf als das 3deal eines akademischen Lehrers bezeichnet werden.
provmzialauöschuß-Sihung.
Am Samstag fand im Regierungsgebäude zu Gießen unter dem Vorsitz von Provinzialdirektor
Hessische Veamlenlagung in Schotten.
Zubiläumstagung des Landeskartells Hessen des Deutschen Beamtenbundes.
WSR. Schotten, 17. Mai. Das Landes - f a r t e 11 Hessen des Deutschen Beam- tenbundes hielt gestern und heute in Schotten seine Vertreterversammlung ab, die aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens dieser größten hessischen Deamtenorganisation besonders eindrucksvoll ausgestaltet wurde.
Am Samstagnachmittag begann die Vertreter- Versammlung im Singsaal der Schottener Turnhalle mit den
Beratungen der verschiedenen Fachgruppen. Reichsbahn-, Post- und 6 teuer beamte, Polizei, Staats- und Gemeindebeamte und die Lehrer- schast, alle waren vertreten, um Stellung zu nehmen zu allen die Deamtenschaft angehenden Fragen. Dr. C l a h, der Vorsitzende des Landeskartells, gab ein umfassendes Dild der Lage der deutschen Deamtenschaft nach diesem schweren Krisenwinter. Er sagte u. a.: 3n den nächsten Tagen werden wir hören, wie die Reichsregierung die große Finanzfrage im Reich, Ländern und Gemeinden lösen will. Für die Deamtenschaft ist die Zeit vorbei, in der sie sich nur um interne Derufsfragen kümmerte. Wir müssen uns heute in erster Linie mit staatswirtschaftlichen Fragen beschäftigen. Die Lösung der Ortsklassenfrage mit ihren großen Ungerechtigkeiten ist zur Zeit wohl nicht möglich. Ein Sperrgeseh lehnen wir ab, ebenso auch ein Ausnahmegesetz gegen beamtete Doppelverdiener, obwohl wir grundsätzlich gegen die Doppelverdiener „sind. Die 51- und 54-Stundenwoche der R^ichsbetriebe und der Reichsbahn ist in der heutigen Zeit der Arbeitszeitbeschränkung ungerechtfertigt. Den Finanzausschuß des Hessischen Landtages machen wir darauf aufmerksam, daß es nicht angeht, Deamtenstellen einzusparen und die Angestelltenstellen zu vermehren. Die öffentliche Angestelltenwirtschaft ist immer teurer. Außerdem ist auch die Gefahr der Politisierung bei Angestellten weit höher als bei fest angestellten Beamten. Die deutsche Steuer- und Zollpolitik ist falsch, da sie den Verbraucher nicht schützt und dem Erzeuger auf die Dauer nicht hilft. Die Preissenkungsaktion ist zum drittenmal verpufft am Widerstand der Syndikate, Trusts und Verbände, die die Preise vorschreiben. Reben die durch den Gehaltsabbau geschädigten Gehaltsempfänger stellen sich heute der Einzelhandel und das Handwerk, die mit die Leidtragenden sind. Mit aller Entschiedenheit lehnen wir die neuerdinas diskutierte Frage der Gehaltskürzung um weitere 4 bis 6 v. H. ab, ebenso auch -chen Wegfall der Kinderzuschläge für das erste und zweite Kind, oder gar die Heranziehung der Beamtenschaft zur Arbeitslosenversicherung. Die gesamte Beamtenschaft steht geschlossen vor allem hinter den Kollegen der unteren Gruppen, deren Gehalt oft weit unter dem pfändungsfreien Betrag liegt.
3n der Diskussion stellten sich die Vertreter aller Gruppen einmütig hinter die Ausführungen des Vorsitzenden. 3n verschiedenen Entschließungen kam die einheitliche Stimmung in klarster Eindeutigkeit zum Ausdruck. Hervorzuheben sind die Ausführungen des Dundesdirettors Lenz vom Deutschen Beamtenbund in Berlin, der auf die Gefahren aufmerksam machte, die durch das Sanierungsprogramm des Reichskanzlers drohen. Vor allem die Frage, wie die Finanznot der Gemeinden durch die Knsenfürsorge zu beheben ist, berge große Schwierigkeiten. Der Vertreter der Gemeindebeamten nahm Stellung gegen die drohende Beseitigung der Ruhegehaltsansprüche an die Gemeinden. Er schloß mit einem Bekenntnis zum Staat, warnte aber auch davor, daß die Beamtenschaft durch Verärgerung sich vom Staatsgedanken entfernen könne.
Ein Begrühungsabend
im Festsaal der, Turnhalle schloß sich an. Musikalische und gesangliche Darbietungen der Schottener wechselten in buh ter Reihenfolge. Die städtischen und staatlichen Behörden sprachen herzliche Worte der Begrüßung. Honntagsrüh fand man sich wieder zu einer
großen Kundgebung zusammen. Ministerialrat Lippert überbrachte die Wünsche der hessischen Regierung und machte auf den Emst der Lage aufmerksam. Als Berufskollegen traten die Landtagsabgeordneten Reiber und Winter für die Belange der Beamtenschaft ein. Dann schilderte Bundesdirektor Lenz die Lage, die gekennzeichnet ist durch die Inflation, den Ruhreinmarsch und den Währungsaufbau. Wohl brachte das 3ahr 1927 eine einigermaßen sichere finanzielle Grundlage für die Beamtenschaft, aber der wirtschaftliche Aufstieg dieser Zeit erwies sich als Scheinblüte. Rohstoffüberfluh und Rohstoffmangel, Geld- Überfluß und Kapitalmangel kennzeichnen die Weltwirtschaftskrise, die durch die Zerstückelung Europas entstanden ist. Bei steigenden Aus- gabert haben wir in den öffentlichen Haushalten sinkende Einnahmen. Wenn es nicht bald gelingt, die wirtschaftlichen Fragen wirtschaftlich zu lösen, ist es unabsehbar, wohin die soziale und politische Entwicklung Deutschlands noch geht. AuS dem Zusammenbruch hat Deutschland feine Lage im Zentrum Europas, seinen ungebrochenen Arbeitswillen und seine staatspolitische Einheit erhalten. Parteipolitische Auswahl der Beamtenschaft nach dem Verhältniswahlsystem wäre ein Verhängnis für Beamtentum und Volk.
Dr. Claß schloß die eindrucksvolle Kundgebung mit dem Hinweis, daß nur stahlharte Realpolitik einen Ausweg finden kann. Das Berufsbeamtentum darf nicht in Trümmer geschlagen werden. Einem Hoch auf das deutsche Vaterland und die deutsche Republik schloß sich der gemeinsame Gesang des Deutschlandliedes an.
Graef eine öffentliche Sitzung des Provinzial a u s s ch u s s es der Provinz Oberhessen statt.
In der Silage des Bezirksfürsorgeverbandes der Stadt Offenbach gegen den Bezirksfürsorgever- band des Kreises Friedberg wegen Durchführung der Fürsorge für Paul August Karl Klenk aus Dortmund wies der Provinzialausschuß die ein- gereichte Klage als unbegründet zurück und verurteilte den Kläger in die Kosten des Verfahrens.
Weiter wurde verhandelt der Antrag der Reichs- bahndirektion Frankfurt a. M. auf Enteignung von Gelände zur Erweiterung des BahnhofsWölfersheim-Södel. Der Pro- vinzialausschuß erkannte zu Recht: 1. Als Gegenstand der Enteignung wird gemäß dem Antrag der Reichs- bahngefellfchaft. vertreten durch die Reichsbahndirek- tion Frankfurt a.fDt entsprechend dem oorgelegten Plan, Meßbrief und (vrundbuchsauszug nachbenann- tes in der Gemarkung Södel — auf dem Gans- berg — gelegenes Grundstück festgestellt: von Flur II Rr. 1097/io, Acker des Karl Müller I. in Wölfers- heim ein Teilstück von 1270 qm. 2. Die Reichsbahngesellschaft hat als Entschädigung pro Quadratmeter 2 RM., sowie für einen Apfelbaum 130 RM. an den Karl Müller I. zu zahlen. 3. Der Ausspruch der Enteignung erfolgt nach Rechtskraft der Entscheidung zu 1 auf Antrag der Reichsbahngesellschaft, sobald der Nachweis über rechtsgültige Zahlung oder Hinterlegung der Entschädigungssumme erbracht ist. Der Antrag ist längstens binnen drei Monaten nach Rechtskraft zu stellen. 4. Die Kosten des Verfahrens hat die Reichsbahngesellschaft zu tragen. 5. Der Streitwert wird auf 2670 RM. festgesetzt.
In der Klage des Bezirksfürsorgeverbandes der Stadt Gießen gegen den Bezirksfürsorgeverband des Kreises Gießen auf Erstattung von Pflege- kosten für Margarete Brück aus Daubringen, in der eine Reihe von Zeugen und sachverständigen Zeugen vernommen wurden, erkannte der Provinzialaus- schuß zu Recht: „Der Klage wird insoweit statt- gegeben, als der Beklagte verurteilt wird, an Kläger 1138,47 RM. nebst 4 v. H. Zinsen seit dem 16. De- zember 1930 zu zahlen, und die Margarete Brück auf Grund des § 14 der Reichsfürforgepflichtverord- nung in eigene Fürsorge zu nehmen. Der Antrag auf "Gewährung eines Verwaltungsaufwandes von 25 d. f). des eingeklagten Betrages wird als unbegründet zurückgewiesen. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Beklagten zur Last."
Die angefetzte Verkündung des Urteils in dem DienststrafverfahrengegendenStadt. baumeister Scherrer zu Butzbach fand nicht statt, da der Stadtbaumeister vor dem Termin sein Anstellungsverhältnis zur Stadt Butzbach, unter Verzicht auf alle Ansprüche, gelöst und demgemäß die Stadt Butzbach den Antrag auf Disziplinär- beftrafung zurückgenommen hat.
Oer Versehr auf dem Wochenmarkt.
Das Polizeiamt Gießen teilt mit: Nach der Polizeiverordnung über die Regelung des DerkehrsaufdemWochenmarktplatzin Gießen ist das Befahren des Wochenmarkt, platzes während der Marktzeit mit Fahrzeugen aller Art, einschließlich Kinder- und Handwagen, sowie das Resten, Viehtreiben und Mitführen von Fahrrädern verboten. Wochenmarkt ist am Dienstag, Donnerstag unb Samstag jeder Woche. Ist einer dieser Tage ein gesetzlicher Feiertag, so gilt der vorhergehende Wochentag als Markttag. In der Zeit vom 1. April bis 30. September beginnt der Wochenmarkt um 7 Uhr und endet um 13 Uhr. Es wurden wiederholt Beobachtungen gemacht, daß trotz Aufstellen von Sperrschilbern Hanbwagen unb Fahrräber vom Publikum auf ben Wochenmarkt, platz mitgeführt werben. Wir weisen nochmals auf bas Verbot hin unb haben bic Polizeibeamten an- gewiesen, auf die Einhaltung dieser Bestimmung zu achten.
Taten für Dienstags 19. Mai.
1762: ifer Philosoph Johann Gottlieb Fichte in Rammenau geboren.
Gießener Wochenmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 130 bis 140 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Spinat 20 bis 25, Wirsing 20 bis 40 (per Zentner 20 bis 30 Mk.), Weißkraut 15 bis 25 (per Zentner 10 bis 15 Mk.), Rotkraut 25 bis 40 (per Zentner 20 bis 30 Mk.), Kartoffeln 5 bis 6 (per Zentner 4 bis 5 Mk.), gelbe Rüben 15 bis 20, rote Rüben 15 bis 20, Spargel 35 bis 70, Tomaten 70 bis 80, Zwiebeln 10 bis IS. Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 35 bis 40, Rhabarber 15 bis 20, Aepfel 40 bis 50. Rüsse 60 bis 70, Honig 40 bis 50, Dörrobst 30 bis 35, Suppenhühner 90 bis 110,
junge Hähne 90 bis 110 Pfennig per Pfund; Tauben 70 bis 80, Eier 9, Salat 20 biS 30. Salatgurken 40 bis 70, Blumenkohl 40 bis 70. Lauch 5 bis 15, Rettich 20 bis 25. Sellerie 10 bis 50. Oberkohlrabi 20 bis 25 Pfennig per Stück; Radieschen 10 bis 15 Pfennig per Bund.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag: Etadttheater: „Die schöne Galathöe", 20 bis 22 Llhr. Vorher „Brüderlein feinl". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Der Mörder Dimitri Ka- ramasoff".
— Aus dem Stabttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, letzte Vorstellung im Dienstag Abonnement, Erstaufführung ber komisch- mythologischen Oper „Die schöne Galathee" von Suppö-, vorher Leo Falls Altwiener Singspiel „Brü- berlein fein". Beibe Werke gelangen in neuen Inszenierungen unter ber Spielleitung von Heinrich Hub unb ber musikalischen Leitung von Fritz Eujs zur Ausführung. Mitwirkenbe: Damen: Jahn. Liebermann (Stabttheater Mainz), als Gast, Greeff (Stabt- theater Mainz) als Gast: Herren: Hub, Richter (Gießen) als Gast. — Morgen, 20. Mai, 20 Uhr, letztes Gastspiel von Auguste Prasch-Grevenberg, letzte Ausführung von Saßmanns historischem Schau, spiel „Haus Rothschilb". Spielleitung Intenbant Dr. Prasch. — Donnerstag, 21. Mai, 15.45 Uhr, Schüler- unb Frembenoorstellung: zum letztenmal „Die Jungfrau von Orleans".
** D i e Vertilgung der Rauvenne st er betrifft eine Bekanntmachung der Stadtverwaltung im heutigen Anzeigenteil, auf die wir die ©arten- unb Felbbesitzer befonbers aufmerksam machen.
** Maienblasen. Das Maienblafen finbet am morgigen Mittwoch 19 Uhr vorn Turme ber Stabtkirche aus statt. Es werben folgenbe Stücke zu Gehör gebracht: 1. Nun danket alle Gott; 2. Gott grüße dich, von Mücke: 3. Das Waldhorn, von Friedrich Silcher 1826.
** D i e Wagner-Zwangsinnung des Kreises Gießen hielt am Samstagnachmittag im Saale des Gastwirts Faulstich, dahier, eine aus allen Teilen des Kreises stark besuchte Innungsver- [ammlung ab. Obermeister Spieß (Gießen) erstattete Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr. Nach feinen Ausführungen beträgt die Zahl der In- nungsmiiglieder 160, hierunter 30 über 65 Jahre. Die ungünstige wirtschaftliche Lage hat sich auch im Wagnergewerbe in geradezu katastrophaler Weise ausgewirkt, viele Betriebe sind eingegangen. Der von Rechner Hch. Mühlich (Gießen) erstattete Rechen- schaftsbericht zeigte eine Gesamteinnahme von 447,76 Mark, eine Ausgabe von 312 Mark. Im weiteren Verlauf der Versammlung referierte Geschäftsführer Kirchner (Gießen) über allgemeine Wirtscyasts-, Buchführungs. und Steuerfragen. Zum Schluß fand eine eingehende Aussprache über die Preisregelung statt.
** Eine Autoomnibusfahrt nach den Schlachtfeldern von Verdun veranstaltet das Städtische Verkehrsamt in Wetzlar mit einem Ausflugwagen der Reichspost am 6., 7. unb 8. Juni von Wetzlar aus. (Siehe gestrige Anzeige.) Nähere Auskunft ist von bem Stäbtischen Verkehrsamt in Wetzlar erhältlich.
Landtageiabgeordneter Jost tödlich verunglückt.
WSR. Frankfurt a. M., 18. Mai. Bei der Einfahrt des Fuldaer PersonenzugeS in den Frankfurter Hauptbahnhof geriet heute gegen 22.30 Uhr der hessische Landtagsabgeordnete Landwirt Friedrich 3 o st aus Bermuthshain (Kreis Lauterbach) infolge vorzeitigen Abspringens aus dem Zuge unter die Räder und wurde hierbei tödlich verletzt. An den erlittenen schweren Verletzungen starb der Verunglückte nach ein paar Minuten.
Landtagsabgeordneter 3 o st, der dem Hessischen Landbund angehörte, war Mitglied de» Hessischen Landtages seit dem 15. Dezember 1921. Herr 3 o st stand im 70. Lebensjahre. Er war auf der Reise nach Darmstadt, um an der am Dienstag beginnenden Sitzung des Hessischen Landtags teilzunehmen. Der vermutliche Grund zu seiner Eile dürfte gewesen sein, daß bereits wenige Minuten nach Eintreffen deS Fuldaer Zuges der Zug nach Darmstadt abging, den er vermutlich benutzen wollte.
Der auf so tragische Weise Verstorbene gehörte vom 10. Februar 1923 bis jetzt auch bem Provin - zialtag ber Provinz Oberhessen an unb war vom 17. Dezember 1919 bis zum Februar 1923 Ersatzmitglieb bes Provinzialausschusses. Bei feinem Wirken im Provinzialtag hatte er stets bie Förde- rung ber Interessen Oberhessens im Auge, mit be- fonberem Eifer aber setzte er sich für bie Belange bes Vogelsbergs ein, wie er auch stets ein warmer Fürsprecher ber Lanbwirtschaft unb bes Mittelstandes war.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Die große Anzahl blutarmer unb bleichsüchtiger weiblicher Berufstätigen, viele überarbeitete und nervöse Männer zeigen uns, daß die Kriegsjahre ihre Spuren hinterlassen haben. Nur ein gesunder Körper kann einen gesunden Geist haben, unb nur biefer ist in ber Lage, seine Aufgaben zu erfüllen. L e c i f e r r i n , eine Ovolecithlnelsenverbindung, verbessert bas Blut, hebt bie Körperkräfte, gibt neuen Lebensmut, deshalb versäume niemanb, von Zeit zu Zeit eine ßeciferrintur zu machen, um auf biefe Weise bie verlorenen Kräfte wieberzugewinnen. M?3v
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Nun haben Sie wieder einmal gesehen, was Vim kann. Auch bei Ihnen war doch der Vim-Bote mit einer kostenlosen Probedose? Und Sie haben es ' probiert und gut gefunden, nicht wahr? Sehen Sie, das finden die anderen Hausfrauen auch. Wo man fragt, eine Stimme: Vim putzt wirklich gründlich, ohne anzugreifen — und so leicht! Dabei — auch sparsam!


