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Samstag, (4. uovemder 1931

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen,

Nr. 267 Zweites Biati

Diefeltenste Briefmarke derWett.

Von Josef K Z. Baumann, Äregenz.

Die viel bewunderte Marke ist die im Jahre 1856 ausgegebene Briefmarke zu 1 Cent von Britisch- Guiana, einer an der Nordostküste Südamerikas gelegenen britischen Kolonie. Diese kleine englische Kronkolonie, nur 231 744 qkm groß und von etwa 307 000 Menschen bewohnt, führte schon im Jahre 1850, also zwei Jahre früher als z. B. Braun­schweig, Briefmarken zur Freimachung von Briefen ein.

lieber die Entstehung der seltenen Marke, die eine bewegte Vergangenheit hinter sich hat, breitet sich ein geheimnisvolles Dunkel. Ob es sich um eine ganz kleine, kurzlebige und sonst völlig verschollene Ausgabe handelt, d. h. ob die Marke absichtlich ge­schaffen wurde oder ob man versehentlich in einen Druckstock die BuchstabenOne" (Ems) stattFour" (Vier) setzte, läßt sich nicht mehr seststeUen, und man weiß es bis heute nicht, denn die philatistische For­schung hat trotz angestrengtesten Bemühungen kei­nerlei hierauf bezügliche amtliche Akten oder posta­lische Erlasse zu entdecken vermocht.

Die seltene Briefmarke muß im Februar des Jahres 1856 entstanden fein, als der britischen Be­sitzung die Markenvorräte ausgegangen waren und die Kolonialbehörde da die Nachlieferungen der in London gedruckten Marken nicht rechtzeitig ein­trafen sich entschloß, bei der Druckerei derThe Official Gazette, der Firma Baum & Dallas in Georgetown, dem Hauptorte Guineas, Aushilfs­marken zu bestellen. Hergestellt wurde nur ein Markenwert zu vier Cents, der auf kräftigem, vor- derseitig gefärbtem sowohl rosakarminfarbigen als auch blauem Papier in einfachem, schwarzem Typen­satz gedruckt worden ist.

Das Markenbild ist den Umständen gemäß ganz einfach, wie es eben durch die Eile und den Mangel an geeigneten Druckstöcken geboten war. Es zeigt ein liegendes, fast quadratisches Rechteck aus Dop­pellinien, in der Mitte einen Dreimastsegler zwischen der lateinischen InschriftDamus Petimus / que Vicissim (Sinnspruch, Motto der Kolonie, zu Deutsch: Wir geben und wir fordern wieder). Die weiteren Inschriften zwischen den Doppellinien jeder Viereckseite lauten: Postage / British / Guiana / Four Cents. Die seltenste Marke der Welt trägt nun an ihrer rechten Seite die Wertbezeichnung One Cent (statt four Cents), ist aber in allem übrigen vollkommen der Marke zu vier Cents gleich und auch auf dem rosakarminfarbigen Papier gedruckt.

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Von dieser Marke, das heißt mit der gleichen In­schrift, ist bis heute kein zweites Stück aufgetaucht.

rikanifche Besonderheit ist das knusprige Ehepaar, von jungen Leuten während der Dauer ihres Ho­nigmondes start begehrt. Je nach der Beschaffen­heit des Magens und der Brieftasche in ver­schiedenen Größen zu haben. Neuyorker Fein­schmecker haben eine Schwäche für süße Architek­tur. Um einem dringenden Bedürfnis abzuhel­fen, verlangen sie Lebkuchen in Gestalt ihres Lie- lingswolkenkratzers, wobei sie zum Zwecke einer möglichst realen Wiedergabe Gebäudephotos nach Nürnberg gelangen lassen. Die Fabrikanten gehen auf alle Extravaganzen ein wenn nur der Auf­trag umfangreich genug ist.

Die Herstellung geht, wie das heute Ehrensache ist, aus dem laufenden Band vonstatten. Sämt­liche Elemente vereinigen sich mit dem Mehl in der Knetmaschine, werden automatisch gewalzt und schweben aus Leinwandbändern zu den Ab- stechmaschinen. Dort steigen sie auf Bleche um, die mit ihnen in die nie erkaltenden Backöfen fahren. Aach entsprechendem Aufenthalt gehen sie wieder au) die Wanderschaft und werden, sofern sie Basler sind, glasiert, wohingegen die Scho­koladenkuchen der Schokoladenmaschine anvertraut werden, die das Erforderliche selbständig besorgt. Nachher treffen sich die verschiedenen Sorten wie­der an der Prehmaschine, wo ihnen die Form- vertiesungen eingeprägt werden. Bon dort aus er­folgt der gemeinsame Marsch durch einen kühlen Kanal zu den Backmaschinen. Lebkuchen, die be­stimmt sind, sehr schön auszusehen, machen noch einen Abstecher auf dem Transportband. Sie wer­den bei den Konditoren vorbeigefahren, die ihnen vermittels einer Spritze süße Ornamente auf den Leib brennen und sie verschwenderisch mit Süd­früchten drapieren.

Nls es noch keine Gewerbefreiheit gab, war die Pfefferkuchenherstellung durch Zunftschranken er­heblich eingeengt und manche Krähwinkelei trat dabei zutage. Zum Beispiel war es den Lebküch­nern streng verboten, auch Oblaten herzustellen. Wer es trotzdem tat, wurde von der lieben Kon­kurrenz angezeigt. Dem Gesetz zufolge mußten Zunftgenossen, die eine Lebküchnerei übernehmen wollten, erst ein Meisterstück anfertigen, bevor man ihnen die Backerlaubnis erteilte.

Die größte Nürnberger Lebkuchenfabrik beschäf­tigt um die Weihnachtszeit weit über tausend Per­sonen. Ihr Bedarf an Eiern geht in die Mil­lionen. Sie verbraucht an Honig, Mehl und Ge­würzen rund 50 000 Zentner. Daraus stellt sie soviel Honigkuchen her, daß jährlich etwa 70 000 Kisten und 30 000 Postsäcke die Expedition ver­lassen. Sie könnte ganz Nürnberg einschließlich der Vororte mit Pfefferkuchen pflastern.

bürfniffe der Völker handelt. China kann von seinen Ansprüchen aus die Mandschurei nicht zurücktreten, weil es ihm ganz unmöglich ist, den furchtbaren Wanderdruck seiner hungernden Mas­sen zurückzudämmen, Japan kann es auch nicht, denn sonst würde es aus seiner Groß­machtstellung hos.nungs'os verschwinden und alle Errungenschaften der letzten dreißig Jahre ver­

lieren. So wird nach der Natur der ©aefce nadj mancherlei Verwicklungen ein Kompromiß heraus­kommen müssen. Denn die schwierigsten.Konflikte, wie im Leben des einzelnen, so auch im Leben der Völker, sind nicht die, in denen eine Parte, Recht hat, sondern die, in denen das Necht auf beiden Seiten liegt.

zu einer Zeit, wo die Rentabilität der Land­wirtschaft nicht in dem früheren Maße gewähr­leistet ist.

Theoretisch war die zukünftige Form der Sied­lung schon gefunden. Man bezeichnet sie als Aufstiegs - oder Primitivsiedlung Aber gerade im Siedlungswesen entscheidet die Praxis. Mecklenburg, das äußerst schwach bevölkerte Land, das den weitaus größten An­teil an der West-Ost-Siedlung hat, erschien be­sonders geeignet, die Probe auf das Exempel zu machen. So entstanden denn vor kurzem die ersten Aufstiegssiedlungen in Deutschland auf dem Gute Suckwih bei Krakow in Mecklenburg. Dieser erste Versuch ist, wie man ohne Lleber- treibung sagen darf, ausgezeichnet gegluckt, so daß man sich entschlossen hat, in den letzten Wochen sieben weitere Aufstiegssied­lungsdörfer mit 270 Stellen zu schaffen. Diese Aufstiegs-Siedlungen, in denen hauptsäch­lich neben Mecklenburgern Hannoveraner, Nhein­länder, Hessen, Württemberger und andere Süd- und Mitteldeutsche gesiedelt haben, sind soeben fertiggestellt. Dieses kühne Vorwärts­drängen aus dem Wege der Aufstiegssiedlung er­schien auch deswegen berechtigt, weil fast alle Siedlungssachverständigen des Reichsarbeits­ministeriums und auch der im Siedlungsaus­schuß des Reichstages vertretenen Parteien im Anschluß an eine kürzlich durch Mecklenburg

Nürnberg buffet nach Lebkuchen.

Von Bruno Manuel.

Wer die Nürnberger Lebküchner mit seiner Ge­genwart beehren will, kann sich nicht verirren. Man geht bloß dem Geruch nach. Wo es am heftigsten nach Honig duftet, dort hausen sie. Wenn der Besuch zufällig im Spätherbst statt­findet, hat man liebe Gesellschaft. Dann trifft sich nämlich vor den Fabriktoren das schwärmende Bienenvolk. Angelockt von dem süßen Duft kom­men sie aus den bayerischen Waldern herein. Ihnen wird der Eintritt in die Fabrikationsräume verwehrt. Die Llnkulanz der Lebküchner gegen die Honigerzeuger ist keine gehässige Maßnahme, nur eine hygienische. Im Interesse aller Esser und auch im Einverständnis mit dem Gesundheitsamt sind die Fenster engmaschig vergittert.

Anfang November geht in Nürnberg das Weih­nachtsgeschäft an. Den Auftakt geben die Kisten nach ile&etfee. In der ganzen Welt wird Pfef­ferkuchen gegessen, aber Nürnberg ist seine histo­rische Geburtsstätte. Wie manches Lukullische auf dieser Welt entstammt er den Klöstern. Zeitge­nössische Chroniken sagen, daß die Nonnen im Mittelalter ihn zu Neujahr aßen. Es war schon damals ein beliebter Geschenkartikel. Lind in einer Handschrift des Germanischen Museums steht das Rezept: ein Pfund Zucker, ein halb Seidlein oder ein Achtelein Honig, vier Loth Zimmet, an­derthalb Loth Muskatrimps, zwei Loth Ing­wer, ein Loth Gardamumlein, ein halb Quint­lein Pfeffer, ein Dietbäuflein Mehl. Mach eins fünf Loth schwer.

Nus zwei Gründen ist Nürnberg das Domizil der Lebküchner geworden. Erstens war es der Mittelpunkt von des Reiches Bienengarten, wo auch die Zunft der Imker hauste. Zweitens der Knotenpunkt, wo sich die Wege nach Italien, dem Orient und den Niederlanden kreuzten. Auch hof­fähig sind die Lebkuchen damals gewesen. Bei allen Festen, die Nürnberg durchreisenden Für­sten gab, wurde das Spezialgebäck gereicht.

Wenn man heute den Versandraum der berühm­ten Lebkuchenfabrik betritt, stößt man auf Eti­ketts, die mit Namen sämtlicher fünf Erdteile be­schrieben sind. Lind beim Packen stellt man fest, daß es Sondergebäcke für Exoten gibt. Tliele fuf)e Spezialitäten stellen die Nürnberger Lebküchner für das Ausland her. Sie zaubern mit Zucker und kandiertem Obst verwegene Ornamente per« vor. Den ausgefallensten "Wünschen byzantinischer Pfefferkuchenesser werden sie gerecht. Eine ame-

damit mit dem Mutterlande brachten und schließ­lich die Verbindung mit den chinesischen Dahnen sicherten.

Im Jahre 1915, im Weltkriege also, als Nüssen und Engländern, dann auch den Amerikanern die Hände gebunden waren, hat Japan die von den Chinesen als Erpressung betrachteten 21 Punkte durchgesetzt, durch die unter anderem der Pacht­vertrag von 25 Jahren auf 99 Jahre herauf ge­setzt wurde. Jetzt legten sich d i e Amerikaner ins Mittel, denn sie wollen, da territoriale Be­setzung für sie nicht in Frage kommt, für ihre Handelsinteressen ein starkes und kaufkräftiges China, was Japan gerade verhindern will. Auf der Konferenz von Washington 1922 mußte Ja­pan ein Stück zurückweichen, z. B. auch Kiaut- schou den Chinesen zurückgeben. Das englisch-ja­panische Bündnis wurde aufgelöst. Lieber die Wirksamkeit der21 Punkte" drückte man sich nicht

Reue Wege in der Siedlungs-poM.

Die Aufstiegs- oder Primitivsiedlung. - Guie Erfahrungen in Mecklenburg.

Von Ludwig Wollbrandt, Schwerin.

Die Marke hat natürlich ihre eigene Geschichte. Entdeckt wurde der seltsame Wert erst 1873 durch den britischen Sammler Vernon Vaughan, der sie von einem unter alten Briefschaften aufgefunde­nen Briefumschlag ablöste und in sein Album klebte. Er fand indessen nie recht Gefallen an dem unschein­baren Stück, das neben der AbstempelungDerne- rara" (= im Volksmund der Eingeborenen übliche Bezeichnung der Hauptstadt Georgetown) auch noch durch den mit schwarzer Tinte geschriebenen Na­menszug des Postmeisters entwertet und dadurch in seiner Schönheit gewaltig beeinträchtigt war.

So bot er die Marke eines Tages dem Sammler M a c Sinnen in Glasgow an, der ihm später auch ganze sechs Schilling dafür bezahlte. In dieser Sammlung blieb das Unikum kaum fünf Jahre, denn im Jahre 1878 wurde es von dem Londoner Briesmarkenhändler Ridpath zu dem damals für eine Briefmarke schon sehr hohen Preis von 25 Pfund Sterling erworben. Das Stück machte dann Rundreisen zu den verschiedensten Ausstellung gen, bis es allmählich als die tatsächlich seltenste Marke der Welt bekannt wurde.

Einige Zeit vor dem Kriege ging die Marke in die größte der Sammlungen im Prioatbesitz und seinerzeit vollständigste der Welt, in die des be­rühmten österreichischen Baron Philippe L a Renotiere d e Ferrari über, deren Haupt­schmuck sie bildete. Die Höhe des von Ferrari ge­zahlten Kaufpreises ist nie bekanntgeworden. Seine wertvolle Briefmarkensammlung vermachte er dem Reichspostmuseum in Berlin. Nachdem er am 20 Mai 1917 in Lausanne starb, beschlagnahmte jedoch die französische Regierung infolge des Krieges die in seinem Pariser Privatpalais aufbewahrte Sammlung, um sie einige Jahre nach Friedensschluß nicht auszuliefern, sondern in 14 Versteigerungen in alle Winde zu zerstreuen. So kam unter ande­rem auch die berühmte Britisch-Guiana 1 Cent zum Verkauf.

Sie wurde von dem bekannten reichen amerika­nischen Sammler Arthur Hind zum Preise von 300 000 französischen Franks und 174 v. H. Luxus- steuer, nach heutigem Wert also rund 149000 Reichsmark erworben. Damit kam die Marke wieder in jenen Erdteil zurück, aus dem sie vor mehr als sechzig Jahren nach Europa gelangt war.

genau aus.

Das ist der Hauptkonfliktsstoff jetzt in dem chinesisch-japanischen Konflikt. China hatte sich nämlich in der Zwischenzeit sehr geändert: s eine junge Generation unter ihrem Führer Sunyatsen hatte die westlichen Ideen der Frei­heit und Selbstbestimmung der Völker geradezu als neues Glaubenbekenntnis in sich ausgenommen, außerdem trieben die Ideen des neuen Rußland die Volksmassen gegen die Fremdherrschaft. Die Sowjets erhielten 1924 wieder die Verwaltung der Hauptstrecke der CER. China lieh sich nun nicht mehr neue japanische Bahnlinien auf» zwingen, sondern versuchte im Gegenteil eigene Linien nach Sunyatsens Plänen zu schassen. Gleichzeitig drangen immer neue Massen chine­sischer Siedler in die Mandschurei, in den letzten Jahren bis zu einer Million jährlich. Auch schon früher waren chinesische Auswanderer in die Mandschurei gezogen, aber gewissermaßen alsSachsengänger, die nach gewisser Zeit in die Heimat zurückkehren. Jetzt kamen sie mit Weib und Kind und Ackergerätschaften, zum Bleiben entschlossen. So ist jetzt ohne Zweifel die Mandschurei mit ihren 27 Millionen Ein­wohnern, von denen 24 Millionen Chinesen sind, nach der Bevölkerung ein chinesisches Land.

Was tat nun Japan, um das Land, das ihm ebenso wichtig ist wie den Chinesen, für sich zu gewinnen? Zuerst versuchte es, eigene Siedlungen ins Leben zu rufen. Diese schei­terten, denn der chinesische Bauer ist härter und den Japanern überlegen. Daher beträgt heute die Zahl der in der Mandschurei wohnenden eigent­lichen Japaner höchstens 200 000 bis 250 000. Aber zu den japanischen Untertanen gehören ja auch 1 die Koreaner, die in weit höherer Zahl (etwa 800 000) aus den übervölkerten Grenzgebieten in die Mandschurei eindrangen und sich dort ge­schlossene Siedlungen gründeten. Zuerst versuchten die Japaner, diese Einwendung einzudämmen, jetzt bedienen sie sich ihrer, um durch den Schuh dieser ihrer Untertanen eine W a-s s e gegen d i e Chinesen zu haben. Denn mit der koreani­schen Einwanderung steht es anders als mit der japanischen. Die Koreaner sind den Chinesen als Ackerbauer mindestens ebenbürtig, ja nach dem Urteil von Landeskennern überlegen. Also ver­suchen die chinesischen Behörden, die Koreaner durch Steuerdruck, mitunter auch durch offene Ge­walt zu vertreiben. Natürlich nehmen sich die Japaner ihrer an; wenn in den japanischen Noten von Unterdrückung von japanischen Staatsangehö­rigen die Rede ist, so heißt baß in etwa 90 Prozent Unterdrückung von Koreanern. Da Japan ein- gesehen hat, daß es aus dem Gebiete der Agrar­siedlung den Chinesen hoffnungslos unterlegen ist, so will es wenigstens auf industriellem Gebiete und inderAusbeutungderDodenfchätzesich nicht verdrängen lassen. Denn es braucht die rei­chen Kohlen- und Erzvorkommen des Landes, um seine Weltstellung nicht zu verlieren.

Im chinesisch - japanischen Konflikt haben wir wieder ein Schulbeispiel dafür, wie wenig for­melles Recht oder Unrecht eine Rolle spielen kön­nen, wenn es sich um wirkliche L e b ensbe-

Unter Deutschen aller Parteirichtungen, die den ihrem Vaterlande drohenden .national- und so­zialpolitischen Gesahren einen Damm entgegen­setzen wollen, haben wohl seit Beginn der deut­schen Siedlungstätigkeit niemals Meinungsver­schiedenheiten darüber bestanden, daß eine ge­sunde Siedlungsarbeit mit zwingender Notwen­digkeit gefördert werden muß. Die Auffassungen waren insosern unterschiedlich, als es sich um die Beurteilung der Fragen handelte, ob in der Tat die bisherige A r t der Siedlung genügend Rücksicht auf die krisenfeste An­sehung des Siedlers nehme, seine Belastungen von 25 bis 30 Mark pro ein Viertel Hektar her­auszuwirtschaften seien, und insbesondere, ob d i e kleinen 1 - H e k t a r - L a n d a r be i t e r st elen ihre Besitzer ohne die Möglichkeit von Nebenerwerb ernähren. Wenn sich auch nicht mit guten Gründen behaupten läßt, die nach dem System der bisherigen Jntensiv- Siedlung geschossenen Siedlungen seien über­wiegend nicht existenzfähig, so sind sich doch die maßgebenden Siedlungssachver ständigen sowohl der Reichsregierung als auch aller Parteien des Reichstages seit langem darüber klar, daß der Siedlungsarbeit der letzten Jahre erhebliche Mängel anhaften. Man hat erkannt, daß in der Siedlungsarbeit andere Wege gegangen werden, die Kinderkrankheiten der Nachkriegs­siedlung beseitigt werden müssen. Um so mehr

Das Problem der Mandschurei

Der chinemch-japanische Konflikt.

Von Dr. Max Pohle.

Die Erdoberfläche wird in hundert Jahren nicht 2,5, sondern etwa 8 bis 10 Milliarden Bewohner haben. Wie soll und kann sie diese ernähren? Daß bei dieser Zunahme sehr bald eine Planwirtschaft in Kolonialboden, oder wie Professor Henning es nannte, eineplanetarische Boden- re s o r m einsetzen muh, muß jedem Verständigen klar sein. Schon jetzt sind Völker wie das chinesische, das japanische, das italienische und beinahe auch das deutsche, nahe daran, das tressende Wort Mussolinis wahr zu machen:Ausdehnung oder Explosion! Es wird auf die Dauer nicht angehen, daß ein Erdteil wie Australien, der 60 bis 70 Millionen Menschen gut ernähren kann, mit seinen kaum 6,1 Millionen sich gegen jede Einwanderung sperrt, während aus dem z. T. unfruchtbaren japa irischen Jnselbogen mit der fast gleichen geringen Raumausdehnung Groß­britanniens sich 65 Millionen Menschen drängen, die jedes Jahr einen Geburtenüberschuß von einer Million haben; es werden ebensowenig dieLu­xuskolonien Portugals bestehen können, eines Landes, dessen Einwohner zu 80 Prozent An­alphabeten sind, und daß selbst wie seine Kolo­nien völlig in der Hand Englands oder Süd­afrikas ist.

Da der gelben Rasse des weißen Mannes Land gesperrt ist, sie auch vorläufig nicht wagen kann, etwa in Hinterindien oder gegen Amerika mit Ge- ' walt vorzugehen, muß sie sich, wenn sie nicht Hun­gers sterben will, anders helfen. Nacht für Nacht gehen denn auch Hunderte von Chinesen heimlich über die Grenze Hinterindiens. Nun bietet sich i n der Mandschurei, die etwa doppelt so groß wie Deutschland ist, mit ihrem für den Ackerbau gut geeigneten Boden ein noch dünn bevölkertes Land dar, das für längere Zeit den hungernden Beoöl- kerungsüberschuß Chinas und Japans aufnehmen

kann. _ ,

Die Mandschurei hatte um die Wende des Jahr­hunderts bei einer Aufnahmefähigkeit von etwa 100 Millionen Menschen 24 bis 3 Millionen Einwohner. Hier in diesem Teil Asiens stießen drei Hauptkrast- felber, das russische, das chinesische und das japanische aufeinander. Alle drei Völker haben verschiedene Interessen, der Russe will an das offene Meer, der Chinese muß seinen Bevölkerungsuber­schuß unterbringen, der Japaner will das Gleiche, aber dabei noch die reichen Bodenschätze des Landes für seine Industrie ausbeuten. China war 1895 im chinesisch japanischen Kriege besiegt worden. Aus Rache dafür hat es das Vakuum der Mandschurei kurz darauf d e m russischen Einfluß ge--, öffnet. Die Russen, damals die Hauptmacht Ost- asiens, bauten nach einem russisch-chinesischen Ge- hcimvertrog. der erst jetzt völlig zu unserer Kennt­nis gekommen ist, bie Sibirische Bahn über Charbin nach Wlabiwostock. (Chinese Castern Rml- way, abgekürzt CER.)

Die Spitze dieses Vertrages richtete sich offen­kundig gegen Japan. Dieses aber konnte sich nicht aus der Mandschurei avsschalten lassen, denn mit der Mandschurei steht und fällt K o - rea. Ein Blick auf die Karte aber zeigt schon, daß Korea, soll Japan nicht ganz gefährdet sein, nicht in der Hand eines ft arten Ne­benbuhlers sein darf (vergl. England und die belgische Küste!). Außerdem kann Japan bei seiner wachsenden Industrie nicht auf die in der Mandschurei vorhandenen Mengen von Kohle < und Eisen verzichten. So begannen die Japaner, im Bunde mit England den russisch- japanischen Krieg, der Japan Korea ge­wann. Es erhielt ferner den südlichen Teil der erwähnten chinesischen Ostbahn mit seinen Neben­strecken. 3m Jahre 1913 mußte China seine Zu­stimmung zum Bau von vier weiteren Limen an Japan geben, die erstens einen Vorstoß gegen die chinesisch-russische Hauptstrecke darstell­ten, zweitens die Verbindung mit Korea und

Typen neuer Siedlungsbauten. Oben: Bau eines Arbeitslose bauen sich selbst ihr Heim in der

ländlichen Sieblungskomplexes im Osten Berlins. neuen Siedlung von Brandenburg an der

Unten: Die kleinste Siedlungsform: Wohnlauben.^aDel