Einzelbild herunterladen

Weih-Rot. Es gelte heute, die Werte der deut­schen Scholle, der deutschen Seele zu erhalten und dafür zu sorgen, dah sie nicht in einer Massen- dernokratie untergehen, sondern durch die wahr­haft nationale Volksgemeinschaft gesichert würden. Die Jugend bejahe das festgefügte Deutsche Reich. Die Wahi in Hessen müsse eine Zelle des wah­ren Reiches schaffen. In deutschen Landen, in deutschen Städten und auf deutschen Bürgen müsse wieder die schwarzweihrote Fahne wehen, wenn unsere Wege in die Zukunft weisen sollten. tAn- haltender starker Beifall.) Hierauf entwickelte der Redner auf eine Anfrage hin das deutschnationale soziale Programm. Man fordere für den Arbeiter Arbeit statt Fürsorge, Unterbindung der Sklaven- herrschaft des internationalen Finanzkapitals, Bil­dung eigener Kapitalreserven, verantwortungs- tewußte nationale Wirtschaftspolitik, Belebung des Binnenmarktes usw. Man bekämpfe eine fal­sche Gewerkschaftspolitik, durch die der Aufbau der deutschen Wirtschaft verhindert werde, bekämpfe die Tewerkschaftsmonopole, die Zwangsbewirt- schastung der Löhne und der Preise, die Tarif­politik der Gewerkschaften, die nur einem Teil der Arbeiterschaft hohe Löhne vermittle, und schließ­lich das Parteibuchbeamtentum besonders in der Sozialversicherung, durch das die Liquidität der Sozialversicherung gefährdet werde. Man wolle

dagegen die nationale Kameradschaft ins Leben rufen und das BerantwortungSbewuhtsein aller gegen alle.

Rechtsanwalt Zimmer-Giehen erklärte, die Deutschnationalen im Hessischen Land­tag hätten stets eine Derwaltungsrcform an- gestrebt. Hessen bedürfe keiner fünf Minister, keiner so aufgeblähten Verwaltung, wie sie in Darmstadt amtiere und einen Kostenaufwand von 4,5 Millionen fordere. Der Staat habe sich dafür einzusehen, dah Ordnung und Sauberkeit gewahrt bleibe, und er solle sich von Dingen fernhalten, die seinem Zweckbereich nicht entsprächen. Man fordere ernsthafte Eparmahnahmen und die Durch­führung der bisher unveröffentlichten Vorschläge des Reichs-Sparkommissars, ohne den Steuer­zahler erneut zu belasten. Es dürfe den Mittel­parteien bei der kommenden Wahl keine Mög­lichkeit mehr gegeben werden, maßgeblichen Ein­fluh zu erlangen, wenn man verhindern wolle, dah in Hessen eine zweite Regierung Brüning ans Ruder komme. Die Deutschnationalen hätten ein klares Programm, das die Zukunft für sich habe, und deshalb dürfe es gefühls- und ver- standesmähig nicht schwer fallen, deutschnational zu wählen.

Kundgebung der Deutschen Staatspartei.

In einer öffentlichen Wählerversammlung, die von der Deutschen Staatspartei ge­stern abend in der Turnhalle am OswaldSgarten veranstaltet wurde, sprach als erster Redner der frühere preuhische Finanzminister

Or. Höpker-Aschoff M. d. 2R.

Er beschäftigte sich zunächst mit der Frage der Reichsreform und bezeichnete es als ein Haupt­ziel der Deutschen Staatspartei, mit den alten Bundesstaaten Schluß zu machen und durch «ine Rcichsrcform den deutschen Einheitsstaat zu schaf­fen. Zu diesem Zweck sei die Beseitigung des Dualismus der beiden großen Zentralregierun- aen in Berlin, der preußischen Regierung und der Reichsrcgierung notwendig. Eine starke und ein­heitliche Führung der Geschäfte in Deutschland sei nicht möglich, solange diese beiden Regierun­gen nebeneinander bestünden, die oft auch gegen­einander gearbeitet hätten. Der Redner forderte deshalb das Aufgehen der preußischen Regierung In der Rcichsregierung und die älmgestaltung der norddeutschen kleinen Länder zu Reichsländern. Wenn Bayern, Württemberg, Baden und Sach­sen dann etwas anders zur Reichsgewalt stün­den und besondere Rechte hätten, so könne man das schon in Kauf nehmen, denn man wäre immerhin ein Stück weitergekommen. Auch für Hessen könne das Aufgehen im Reich auf dem Wege der Reichsreform nur förderlich sein. Wei­ler beschäftigte sich der Redner u. a. mit der Reparationsfrage und der Stillhaltung. Er gab dabei in grohcn Zügen einen Mcbcrblid über die Entwickelung d-r Reparationen im Laufe des letzten Jahrzehnts, besprach kurz die Kreditopera- lionen bis zum Ärifenmonat Juli und betonte schliehlich, wenn es gelinge, zu einer vernünf­tigen Lösung dieser beiden großen Fragen zu kommen, so würden wir nach seiner Lieberzeugung über den Berg hinüber sein, das grobe Miß­trauen würde schwinden, und dann sei mit einer allmählichen Wiederbelebung unserer Wirtschaft und der Weltwirtschaft zu rechnen. Rotwcndig sei eS aber auch, daß bei der Regelung dieser großen Fragen ein einiges und geschlossenes Volk hinter der Reichsregierung stehe. Leider seien es aber auch hier die radikalen Parteien, die in der entscheidendsten Stunde der deutschen Politik das Ansehen und den Einfluß der Reichs­regierung zu untergraben sich bemühten. Die

Staatspartei sehe, wie bisher, ihre Aufgabe auch weiter darin, diese Politik der Verständigung mit Frankreich zu unterstützen, weil unser Volk nur auf diesem Wege allmählich aus dem Zwangs­turm der Reparationen befreit werden könne. Diese Politik der Verständigung mit Frankreich sei keine nationale Würdelosigkeit. Sodann warnte der Redner nachdrücklich vor einem Moratorium, da hierdurch Deutschland aus dem weltwirt­schaftlichen Verkehr ausgeschaltet würde und eine ungeheure Armut mit riesenhafter Arbeitslosig­keit in unserem Volke die Folge wäre. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß es der Reichs­regierung gelingen möchte, diese großen Fragen zum Bcsten D:u:schlands durch Verständigung mit Frankreich zu meistern und damit gedeihliche Arbeit zu leisten, während die Rationalsozia­listen mit ihren Reden dem Volke nur Steine statt Brot böten. Bei einer Betrachtung der ge­genwärtigen Wirtschaftsprobleme und -Verhand­lungen sprach sich der Redner mit Entschiedenheit gegen jede Absicht einer Inflation aus, durch die unser Volk nur in schwerstes Llnglück stürzen würde. Zur Verbilligung der Produktionskosten gehöre nicht nur die Senkung der Gehälter und Löhne, sondern auch der Abbau der Mieten, der Warenpreise und der Zölle. Unsere Agrar­politik sei überspannt und müsse zur Senkung der Produktionskosten ebenfalls rückwärts revi­diert werden, denn die Zölle seien jetzt so hoch, daß die Lebonsmittelpreise in Deutschland weit über dem Preisniveau im Auslande lägen. Aber nicht nur in unsere falsche Agrarpolitik, sondern guck in die Trusts, Kartelle und in die Preis- Vereinbarungen müsse eine Dresche geschlagen und die freie Wirtschaft des freien Unternehmers und freien Mittelstandes wiederhergestellt wer­den. Zum Schluss beschäftigte sich der Redner noch lurt polemisch mit der Wirtschaftspartei, der Deutschen Volkspartei und mit den Radikal­demokraten. um dann zu betonen, daß die Deutsche Staatspartei das Sammelbecken für alle politisch Heimatlosen sein wolle, um aus dieser Zusammen­fassung der aufbaubereiten Kräfte heraus mit- zuarb"iten im Dienste des Vaterlandes. (Lebhafter Verfall.)

Oberamtsnchter Schreiber M. b. £.

besprach hauptsächlich Fragen der hessischen Poli­tik, nachdem er auf die große politische Bedeutung

Wessen Knd bin ich?

Vornan von Fr. Lehne.

(Urheberschutz durch L. Ack.rinann, Romanzentrale Stuttgart.)

2. Fortssßung.

Nachdruck verboten.

2.

Ein schwüler Iulitag neigte sich. Der Abend hatte keine Kühlung von der drückenden TageS- hitze gebracht: man ersehnte und fürchtete zu­gleich das Gewitter, das schar und drohend im Südwesten stand: vereinzelte Blitze zerrissen schon die unbewegliche Wolkenwand.

Der Lehrer Lenz und seine Frau saßen vor dem Hause. Sie strickte an einem Strumpf, und er las ihr aus der Zeitung vor, solange cs das schwindende Tageslicht noch gestattete. Der kleine Ehristel kniete zwischen den Erdbeeren und nach Herzenslust. Hatte er eine besonders schöne Frucht gesunden, brachte er sie der Mutter, wichtig und fein auf einem örbbccrblatt an- gerichtet.

Es wird Zeit, Christel, daß du ins Bett kommst", rief Frau Lenz jetzt,höre auf mit dem Esten, sonst wirst du krank!"

Roch ein Weilchen, Mama!" bettelte das Kind und kam angesprungen, ..bitte, ich möchte noch bei euch b*.eiben!" Zärtlich schmiegte sich Christel an die Mutter. Es durchrieselte sie woh­lig, und föfter preßte sie den Knaben an sich. Dieses blühende, gesunde Kind würde ihr der Himmel doch lassen! Wie reich war sie noch in seinem Besitz!

Des (Satten Hand tastete nach der ihren: herz­lich gab sie seinen Händedruck zurück, und in zusriedenem Schweigen saßen sie da.

Ein plötzlicher Windstoß ließ Frau Berta er­schreckt zusammenfahren: klirrend schlug ein Fen- fter zu.

Das Gewitter kommt herausF

..Ich glaube nicht!' erwiderte der Lehrer nach einem piüfenden Blick auf den Himmel. ..es zieht seitwärts ab! Dennoch, wir wollen hineingehen. Christel muß zu Bett: auch dir, Liebste, tut die Ruhe gut."

Er streichelte >hr di« Wangen, dann hob er den Buben hoch, setzte ihn auf seine Schultern, und man ging ins Haus.

Mitternacht war vorüber, als Frau Lenz plötz­lich aus dem Schlaf aufschreckte und sich im Bett aufrtebtete. ..Hörst du nichts. Christian?"

Rein, Berta, was soll ich hören?" fragte er noch schlaftrunken,vielleicht kommt daS Ge- Witter doch wieder."

Rein, eS ist etwas andere« da ist etwa« vor unserem Hause, im Garten", flüsterte sie aufgeregt,Leute sind in unserem Garten."

Die Aengstlichkeit seiner Frau ermunterte den Lehrer vollends. Er sprang aus dem Bett und eilte an das Fenster, das er öffnete. Lauschend bog er sich hinaus. Das Schlafzimmer lag an der Schmalseite des Hauses, von der man tagsüber die Landstraße weit überblicken konnte.

Er suchte das Dunkel völlig zu durchbohren; doch nichts Verdächtiges nahm er wahr. Der Wind rauschte stark in den Bäumen, und schwere dunkle Wolken jagten zerrissen dahin. Es hatte sich merklich abgekühlt: irgendwo mußte ein Ge­witter niedergegangen sein. Unheimlich, gleich schmalen, gezackten Feuerbränden zuckten die Blitze über den Himmel hin, und im Schein eines solchen sah der Lehrer einen Kraftwagen auf der Landstraße dahinsausen.

Es ist wirklich nichts. Berta! Rur ein Auto fuhr vorbei das hast du vielleicht gehört!"

Meinst du?" Erleichtert legte sich die junge Frau in die Kissen zurück.

Seit dem Tode des Töchterchens war sie so empfindlich und ängstlich geworden, daß sie in den harmlosesten Dingen etwas Schreckha'tes ver­mutete. Oft war ihr Mann deshalb nachts schon aufgcstanden und in der Wohnung herumgegan- gen, um sie zu beruhigen.

Ob es wirklich nur das Auto war?" fragte sie, von neuem ängstlich geworden. Die Bäume rauschten vor ihrem Fenster so unheimlich, und so klagend der Wind, der um das Haus pfiff und sie nicht zur Ruhe kommen ließ. Sie konnte nicht wieder einschlafen: sie lauschte angestrengt in das Dunkel der Rächt hinein.

Kaum war es hell, so hielt sie es nicht mehr im Bett; sie erhob sich, und sogar zeitiger als ihr Mann, der ein Frühaufsteher war.

Aber. Kind, was willst du so früh schon auf ?"

Ich kann doch nicht schlafen, Christian! Heute vormittag will ich bügeln, damit ich am Rach- mittag Zeit genug habe, den Anzug Christels endlich fertig zumachen."

Während Frau Berta in der Küche Feuer an­machte und das Kaffeewasser aussehte, ging Leh­rer Lenz in seinen E orten. Einen Augenblick blieb er vor der Haustür stoben, in tiefen Zügen die würzige Morgenluft einatmend. Mit zufrie­denen Augen blickte er um sich.

Wie schön war sein Garten In den ersten Strahlen der Frühlingssonne, die die Tautröpf­chen wie Diamanten aufleuchten lieh! Wie stark und süß die Rosen dufteten!

Plötzlich stutzte er. Die Gartentür war nur an- gelehnt, und der gelbe Kies zeigte Abdrücke von Männerfüßen, die gestern abend bestimmt noch nicht dagewesen waren. Sr batte den KicSplatz vor der Taruslaube erst frisch gehackt, ehe er sich zu seiner Frau vor der Haustür gesetzt. Da lag auch eine Zigarettenschachtel. Entschieden muht« jemand in der Rächt in seinem Garten ge­

bet bevorstehenden Landtagswahl hingewiesen und vor der Politik d«S Radikalismus auf beiden Flü­geln gewarnt hatte. Er polemisierte dann wieder­holt gegen die Deutsche Volkspartei, ferner gegen die Gründung der Radikaldemokratischen Partei, die er als einen Frevel am demokratischen Gedan­ken bezeichnete. Sodann kritisierte er die starke steuerliche Belastung te« Mi.teistandeS, insbeson­dere durch die letzten Steuerbeschlüsse deS Land­tages. gegen die er sich mit Energie, aber leider vergeblich gewandt habe. Dagegen begrüßte er die Senkung der Rcalstcuem, die vom Reiche her zur Entlastung des Mittelstandes durchgeführt wurde, ebenso billigte er den bis 1934 durchzuführenten Abbau der Wohnungszwangswirtschait, der end­lich auch dem Hausbesitz Entlastung bringe. Er forderte, daß auch Hessen den Weg der bewährten Mittelstandshilfe energisch gehen solle. Er stehe auch heute zu dem, was er in den letzten zwölf Jahren als Demokrat gutgeheißen habe: die Po­litik der hessischen Koalition als Ganzes gesehen, müsse er als einen Ersolg bezeichnen. Aber er heiße nicht alles gut, was in den letzten Jahren in Hessen geschehen sei. Gr übte in diesem Zu­sammenhang Kritik an der hessischen Personal­politik, bekannte sich entschieden zum DerufS- beamtentum und lehnte es ab, der Ucbcrtragung von Deamtenstellen an Leute ohne die erforderliche Vorbildung zuzustimmen. Weiter nahm er scharf Stellung gegen die Beamten des Staates, die sich an der Hetze gegen den Staat beteiligten. 5>cr Re­gierung machte er zum Vorwurf, daß sie in der Vereinfachung des Verwaltungsapparats, insbe­sondere an dem .Wasserkopf der Zcntraiverwal- tung, nicht genügend getan und vor allem auch eine organische Reform unterlassen habe. Hessen leide an einer zu starken Zentralisation der Aufgaben, bei den Zentralbehörden hätten 33 Prozent und vielleicht noch mehr abgebaut werben können. Ein dahingehender Antrag von ihm sei im Lanbtag von der Regierungs-Koalition und von den Radikal- demokraten nicdergestimmt worden, weil sie nicht wahr haben wollten, daß ein Abbau von Beamten bei den Zentralbehörden möglich sei. Er sei aus der Koalition ausgeschieden und habe der Regie­rung sein Vertrauen entzogen, als er gesehen habe, daß die Regierung trotz Landtagsverlängerung nichts an der Derwaltungsreform getan habe, ebenso wenig auch um die Reichsreform bemüht gewesen sei. Minister K o r e l l habe sich schnell zum Föderalisten entwickelt und ter Abgrordnete Reiber habe gegen seinen (Schreibers) Reichs­reformantrag gestimmt. Der Redner schloß mit einem Bekenntnis zur Reichsresorm zwecks An­gliederung Hessens an das Reich, einer scharfen Absage an den Radikalismus und mit dem Aufruf zur Mitarbeit in der Deutschen Staatspartei zur Sicherung der Einheit des deutschen Volkes auf ter Grundlage der staatsbürgerlichen Freiheit. (Leb­hafter Beifall).

An die beiden Vorträge schloß sich eine Aus­sprache an, die von mehreren Rednern und den beiden Referenten bestritten wurde.

Oberheffen.

Oie Licher Derkehrswerbearbeii.

-/- Lich, 12. Rov. Linker Leitung von Bürger­meister Geil fand die diesjährige zahlreich be­suchte Hauptversammlung des Ver­kehrs- und V e rschönerungsve r e i ns statt. Rach Worten der Begrüßung gedachte Bürgermeister Geil des kürzlich verstorbenen Rechners des Vereins, Kaufmann Moritz Gold­schmidt, und nahm die übliche Ehrung vor. Der von dem rührigen Geschäftsführer, Lehrer H i l d, vorgetragene Tätigkeitsbericht bot ein Bild regster und erfolgreichster Vereinsarbcit, an welcher der Vorstand besonderen Anteil hat- Durch die Mitwirkung des Vereins wurde im Geschäftsjahr u. a. die Postverkraftung mit dem hiesigen Postamt als Ausgangspunkt durch­geführt, die Stadt Lich mit ihrer schönen ilm­

wesen sein; Berta hatte recht gehört! Die Kir­schen und Beeren waren reif, und er war eS schon gewöhnt, daß dem Garten zu dieser Zeit ab und zu Besuche von ungebetenen Gästen ab­geplattet wurden!

Aufmerksam um sich schauend, ging er nach ter Gartenpforte, um sie zu schließen: da bemerkte er auf der Bank in der Laube einen mit einer blau- seidenen Decke verhängten Korb, und aus dem Korbe klang eS er glaubte seinen Ohren nicht zu trauen wie Kinderweinen. DaS war doch unmöglich, eine Sinnestäuschung narrte ihn; aber alS er nähertrat und sich über den Korb beugte, sah er, daß er sich nicht geirrt: in dem Korbe lag ein ganz kleines Kind, dessen Köpfchen mit einem durchsichtigen seidenen Schleier überdeckt war. Wie kam das Kind hierher?

Er mußte sich einen Augenblick setzen; die Lleberraschung war zu groß! Das Kind schrie mehr: da stand er auf und rief seine Frau, die so'ort kam. Sein ernstes, betroffenes Ge­sicht fiel ihr auf.

Was ist, Christian?" fragte sie beklommen.

Er faßte sie bei ter Hand.

Komm und sieh!" Fast feierlich klang seine Stimme.

Ein Kind ? Wie kommt da« hierher?" stam­melte sie, und hilflos sah sie den Gatten an, der den Kopf schüttelte.

Ich weiß eS nicht."

Da kam ihr ein Gedanke; aufgeregt faßte sie nach seinem Armaber ich weih eS jetzt --in ter Rächt--das Auto, das du ge­sehen die Leute sind vor unserem Haute ge­wesen und haben das Kind gebracht oh. ich habe doch recht gehabt, als ich etwas gehört!" Sie neigte sich über daS stärker weinende Kind: Du hast gewiß Hunger, armes Würmchen, und hast die ganze Rächt draußen sein müssen!" Sie nahm es aus dem Korbe und wiegte es auf dem Arme hin und her. um eS zu beruhigen. AlS sie den kleinen Kinderkörper fühlte, durch- zitterten sie unbeschreibliche Empfindungen. Trä­nen erfüllten ihre Augen:Wer sind deine El­tern? Warum hat man dich hierhergebracht?" murmelte sie.

Der Lehrer packte mit Händen, die vor Auf­regung gitterten, den Korb au«, um nach einem Anhaltspunkte zu suchen. wessen daS Kind war. Ganz zu oberst fand er einen großen versiegelten Briefumschlag, ohne Adresse, den er unschlüssig in ter Hand drehte; sollte er ihn öffnen? F ag*no sah er seine Frau an.

.Gewiß. Christian! Wir myssen doch wissen, warum man unS das Kind gebracht hat."

Sie gingen beide in daS HauS zurück, fle mit dem Kinde auf dem Arm. er den Korb tragend. Drinnen machte er ten Brief auf; ein halber, nur mit wenigen Zeilen in Schreibmaschinenschrift be­

jpxir.italtunfl. r robft. und Varl i. Vt Lantesstell' h er einen

Dxnten lundcn Do .|pt04 cMbaumspcl «tuen Abend hie» Hhrig (SarmflaDt »üd geigte, w>e man |ji5t Zeit haltbar n

Krei

j Laubach, 10. Sa, kttlöbrige S b t D-lbcadcnb 6fr hie L^calf ötiSolmfer iBüifnunjMiarfd) bei j xmr.s und der Be mr»oorfwnb<n 8rc k.ytMnrtr Ceiftu V'nd fltofctn Stijal fntiübungtn der fr Mdchen. fttaWet V g über den ®trt KfU de» Übend» n . Ü.ulenüdunarn und '. i;tn der lumtrii .b<r (Tro& dankt, ümrftnton, die i t. : wartet hatten.

Jetern, 10/ ! üeberreichu

> ' 'tijt Lehrlinge ' it) ta Drielle tgeri hatten.

')?dern «bvengler u I«Durgbracht fi (Bogner), Äc ?Mmt), Hrinri

gebung in steigendem Maße durch .«turfrembe und Ausflügler besucht, weitere Bänke an schönen ; Plätzen der Umgebung ausgestellt, im Flur de« Rathauses fanden zwei Postautomaten Aufstel­lung, weitere sollen folgen, im Hessenkalonder 1 ist die Stadt mit schönen Bildern vertreten, der s Blumenschmuck an den Häusern und in den Vorgärten wurde infolge deS Einflußes deS Der» i eins bedeutend vergrößert und verschönert. Für I das nächste Jahr ist in Verbindung mit dem Verkehrsverein von Bad-Rauheim eine größere | Anzahl von Autobusfahrten durch Lich mit Aufenthalt dah er geplant, dick Aufstellung wei- i tcrer Bänke soll erfolgen, mit dem Südwestfunk j wird wegen einer Führung durch Lich und ArnS- 1 bürg verhandelt werden, die Errichtung einet Jugendherberge wird weiter im Auge behalten. 3n der Aussprache über den Bericht wurde Lehrer H i l d der besondere Dank ter Versamm­lung ausgesprochen, ferner wurde u. a durch Kaufmann Hahn die Beflaggung der Stadt an den größeren Märkten angeregt, ebenfalls beim Dlumenfchmuckwet bewerb eine besondere Bewer­tung der Fenster bzw der (Ballone u"d Vorgärte», Gärtnereibesitzer S ü s s e l übernahm für nächste« Jahr die Ausschmückung des Platzes vor dem Postamt auf eigene Kosten. Rach dem Kassen­bericht, für den Entlastung erteilt wurde, wurde Kaufmann Herbert Goldschmidt alS Rach» folger seines Vater« einstimmig zum Rechner ge­wählt. Den Abschluß der Hauptversammlung bil­dete die Ausgabe der ersten und zweiten Preise, die im Dlumenschmuckwettbewerb zuerkannt wa­ren. Es konnten 21 erste und 50 zweite Preise, i bestehend in schönen Blumenstöcken und sonstigen " pra t schcn Gcg n ä .d n, vorteilt werden. Außer- 4 dem wurden v5 lobende Anerkennungen ausae- 1 sprachen. Einer Anregung au« der Mitte der i Versammlung folgend, unternahmen die Verein«- f Mitglieder am Sonntag einen AuSflug zu ten von Kammerdirektor a. D Müller vorgenommenen Ausgrabungen in der ilmgegenö. Kammerdirek­tor Müller hatte selbst die Führung über­nommen, gab die nötigen Erklärungen und wußte den Rundgang sehr interessant zu gestalten.

Gemeinderat in Hungen.

d. Hungen, 11. Rov. In ter gestrigen Ge­meinderatssitzung wurde ter Wald­wirtschaft-plan für 1732 vorgefegt und ge­nehmigt. Zur Fällung sind 28?0 Festmeter vorge­sehen: bei Ruhholz werden 10 Prozent gekürzt. Für Kultur- und Wegbaukosten usw. sind rund 6500 Mark vorgesehen. Bei ter Holzhauerei wer­ten nur hiesige Erwerbslose beschäftigt: gegen die Absicht, nur vier Mpnn starke Holzbauerrotten zu bilden, sprach sich der Gcmeinterat mit Rück­sicht auf die ©erätebefdjaffang au«. Weiter wurde der Ortsbauplan besprochen.

Landkreis Gictzen.

Klein - Linden, 13. Rov. Kommen­den Sonntag sind eS 25 Jahre, seitdem Herr fratl Sinn die Stelle deS hiesigen Kirchen­dieners bekleidet. Aus Veranlassung von Bür­germeister Schaum und Pfarrer Schulte übernahm Karl Rinn am 15. Rovernber 1906 sein Amt, da« er bis heute mit großer Gewissenhaftigkeit und Treue versieht. LInscre Kirchturrnuhr. ein ganz alte- Werk, ist seit tem Dienstantritt Karl Rinn« in bester Ordnung. Kirchendiener Rinn hat viele Geistliche kommen und gehen sehen.

g. Klein - Linden, 12. Rov. Rachtem die Wasserleitung und die Kanalisation fn unserer i Orte seit einiger Zeit fertiggestellt sind, mußte sich 1 ter Gemeinderat in feiner jüngsten Sitzung mit ter Festsetzung der Au-schlagsähe für daS Wassergeld und die 5t a n a l ge­bühren beschäftigen. Es war ursprünglich vor­gesehen, Wassermesser einbaucn zu lassen, man mußte aber au« finanziellen Gründen davon Ab­stand nehmen. Der Gemeinderat beschloß, die Ge­bühren für Wasferbezug auf die Haushaltungen, auf Familienglieder, Vieh usw. auszuschlagcn. Dementsprechende Monat^sähe wurden Im einz >

«Äff

3 luitragen

I S letzten

»J tn£it Beginn n r u v e * ö -

5 «autele üä - W sonder» Ü

M) k'f M

iu-n ,n u

IthtN _ Dt Lauft

deckter Dogen fiel ihm entgegen, sowie ein klei­nerer Briefumschlag.

Mit vor Erregung bebender Stimme la« er langsam und laut:

»MeseS Kind ist ehelich geboren am zwanzigsten Mai dieses Jahre«. Es ist actauft auf denÄamen Ebba. Ich bitte, es als Ihr eigene« anzunehmen und ihm eine sorgfältige Erziehung zu geben, wofür inliegende Summe einhunderttausend Mark bestimmt ist, über die Sie nach Belieben verfügen können! Ich denke, es wird ausreichend genug sein als Entschädigung für Ihre Mühe und die Erziehungskosten!"

Das war alle«! Kein Rame, kein Ort nichts, was Aufschluß geben konnte!

Der Lehrer öffnete ten anderen Briefumschlag, der dick mit Tausendmarkscheinen gefüllt war.

Sprachlos sahen sich die beiten an. Träumten sie, oder wachten sie? DaS war doch alle« so un­natürlich aber nein, da war ter Korb, da war das Kind--Frau Lenz wickelte es

aus und legte c« auf den Tisch: e« war ein reizende«, runde«, gut genährte« und gepflegte« Kinderkörperchen, da» da zum Vorschein kam. Sie hätschelte e«: .Arme« Würmchen, dich aus- zusehcn! Solche Rateneltem!"

Aus tem Korbe nahm sie frische Windeln und legte daS Kind trocken. ..So, nun bekommst du auch gleich etwa« zu trinken."

Lehrer Lenz beobachtete seine Frau. Mi! welcher Engigkeit sie sich doch um daS fremde Kind be­mühte! Wie sie zärtlich sprach und tändelte, via sie sich freute, als eS gierig au« der dargereichte» Flasche trank!

Lind wie eine Erleuchtung kam c« da über Christian Lenz: die Sorge für da« fremde, hilf­lose Vöesen würde seine Frau sicher von ihrem Schmerz und Trauer um da« eigene verlorene Kind ablenken würde sie dem Leben zurück­gewinnen als eine Gnade de« Himmels erlchic« ihm nun diese« seltsame Geschehen.

Da« Kindchen war gesättigt und ruhig. Berta Lenz legte e» behutsam auf« Sofa und unterzog dann ten Inhalt de« Korbe« einer genaueren Prüfung. Die Wäsche da« Dettzeug. die Win­deln, Hemdchen und Jäckchen war vom aller­besten, doch ohne jede« Zeichen.

.WaS sollen wir tun?" fragte der Wann.

.WaS wir tun sollen?" beinahe erregt klang Frau BertaS Gegenfrage .da überlegst du noch? Wir müssen da« Kind behalten! Do willst du e« sonst Einbringen?"

.Rach der Stadt, nach dem Waisenhause! Da« geht un« da« Kind fremder Leute an? Du hast eine viel zu große Last und Arbeit."

Lehrer Lenz sprach nur zum Schein so; er wollte den Widerspruch der Frau heraus!ordern, um ihre wahre Ansicht zu hören. Innerlich freute es ihn, daß sie jetzt beinahe heftig wurde.

(Fortsetzung folgt.)

Arte

Ihr« drin losl

die Radi uh norm: Wied. Orig.-

G

N<

W£