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11 Sortierung.

genommenheit erkannt und die Entwicklung zu einer Zollunion als naturgemäß betrachtet, aber die bri­tische Industrie, und Handelswelt möchte gern die Sicherheit haben, daß anderen Staaten der Anschluß an die Union tatsächlich nicht unmöglich gemacht

sich nicht über ein mäßiges Niveau erheben.

Zweifellos würden sich in der Praxis eurige Ab­weichungen von diesem Grundgedanken als not. wendig erweisen. Solange nicht zweckmäßigere Vor­schläge als bisher auftauchen, würde England jeden Plan willkommen heißen, der sich in den Rahmen einer derartigen Idee spannen ließe. Vielleicht können die deutsch-österreichischen Anregungen auch in dieser Hinsicht wertvolle Schrittmacherdienste leisten.

Als Anteil cm ber Reichs - Cinkommen- unb Körperschafts st euer werden nach dem Voranschlag 460 000 Mark, gegen 481035 Mk. im Vorjahre, erwartet, als Anteil an der Reichsumsatz st euer sind 91050 Mk., gegen 110 160 Mk. im Vorjahre eingesetzt. Die Grund- erwerbssteuer steht mit einem Lieberschuh von 31 520 Mark, gegen 54 200 Mark im Dor­

doch sehr fraglich.

Als Ertrag der D i e r st e u e r werden für 1931 netto 99 100 Mark erwartet, gegen 57 150 Mark im vorigen 3ähre. 3m Hinblick auf die Zeitver­hältnisse darf man wohl auch hinter dieser Summe ein Fragezeichen machen.

England und die Zollunion.

Oie wirtschaftlichen Momente stehen für England im Vordergrund. Don Gilbert E. Layton, Direktor desEconomist" London.

Anwendung überlebt. Anderseits'würde allerdings die Methode der rein individuellen Verhandlungen der Nationen untereinander und der daraus resul­tierenden spezialisierenden Abmachungen die Rück­kehr zu den chaotischen Verhältnissen bedeuten, zu deren Beseitigung die Meistbegünstigungsklausel er­funden wurde. In England würde man daher am meisten ein System begrüßen, nach dem jede Sen­kung der Zolltarife zweier Länder automatisch auf alle anderen Staaten ausgedehnt würde, deren Tarife

zurück. Auf der Ausgabenseite ist die Zinsver­pflichtung infolge neu aufgenommener Anleihen insgesamt um rund 15 000 Mark gestiegen. Der Abschluß ist jedoch, wie schon bemerkt, ausgeglichen.

3m Reservefonds sind für das neue Wirt­schaftsjahr 150 000 Mark eingestellt, gegen 108 300 Mark im Vorjahre. Diese Erhöhung ist angesick).ts der ungewissen Wirtschaftslage vorsorglich erfolgt, ob sie aber nach der ganzen Entwicklung, die in jüngster Zeit die öffentliche Finanzwirtschaft ge­nommen hat, ausreichend sein wird, erscheint uns

alten Rathaus an den Zuhörern vorüberziehen soll, wird ihnen warnend die Folgen innerer Zer­rissenheit und erhebend und anspornend den He­roismus deutscher Treue aufzeigen. Die weihe­volle Stimmung im Remter der Marienburg mit seinen tausendfältigen großen Erinnerungen wird den Stolz auf die ruhmreiche Vergangenheit neu erwecken unt> den harten Willen stählen, nicht hin­ter den Altvorderen zurückzustehen, in Sonder­heit alles daranzusehen, jene uns widerrechtlich entrissenen Gebiete, deren Städtewappen den Remter mahnend schmücken, dem deutschen Vater­lande zurückzugewinnen. Am Abstimmungsdenk­mal wird unser Hindenburg einen Kranz nieder­legen: Symbol, Mahnung und starker Ausdruck eines unerschütterlichen Willens zum Durchhalten. Denn an diesem Denkmal vor der Marienburg stehen die Worte, die nicht nur an diesem Tage, sondern immer, immer in alten ost- und west- preußischen, allen deutschen Herzen erklingen als Bekenntnis und als Warnung an unsere Rach­barn: Dies Land bleibt deutsch!!

Luchs, ich sah, wie du dem Tedesco schöne Augen machtest, Täubchen, und lachtest, wie die Sonne im Mai. 3ch..."

Liskow fuhr auf und wollte den Trunkenen zur Rede stellen. Aber ein erschreckter, bittender Blia Colombas hieß ihn, sich ruhig zu halten. Sie zwinkerte Massimo zu, der Mario denn auch beschwichtigend die Hand auf den Arm legte und «sagte:

Aber Mario, wer wird so aufbegehren. Küm­mere dich doch um deine eigenen Sachen, anstatt um die anderer Leute. Was ist dabei, wenn eine schöne Frau, die noch dazu Witwe ist, einmal spazierenfährt am hellichten Tag! Soll sie dich dann etwa erst um Erlaubnis fragen, Mario?'

Recht hast du, Massimo, sag es ihm ordent­lich", sagte Colomba und nahm unmutig Massi- mos Glas vom Tisch, um es neu zu füllen. »Tut er doch, als wäre er Herr im Hause^ hier und hätte mir etwas zu befehlen, Llnb ein für allemal sage ich dir, Mario, wenn du schon getrunken hast, dann brauchst du nicht hier hereinzukommen, das schickt sich nicht für mein ehrbares Haus."

Ha, ha, ehrbare Wittib, ehrbares Haus. Mach das einein andern weiß, Colomba, das mit der Ehrbarkeit, nicht mir, dem Mario. Lind wenn du zehnmal das Kräutlein Rührmichnichtan spielst, ich glaub dir nicht mehr. Mir machst du keine schönen Augen, Colomba, kaum kannst du ein freundliches Wort aufbringen, wenn wir kommen, der Massimo und ich. Hab ich nicht recht, Massimo? Gilt ihr Lachen, ihre Freundlichkeit nicht allweil dem Fremden, der um sie herum­schleicht wie der Marder um die Hühner? Warum müssen wir uns das gefallen lassen, Massimo?

Genug", sagte jetzt die Wirtin mit großer Bestimmtheit,Massimo führe den Betrunkenen hinaus, er mag sich weitertrollen und erst wieder­kommen, wenn er nüchtern geworden ist. Richt zum Aushalten ist es mehr mit ihm."

Massimo erhob sich auch gehorsam und zog mit kräftigen Armen und leise überredenden Worten Mario vom Stuhl hoch. Cs war ein hartes Stück Arbeit, aber Colombas kleine, fest zugreifende Hände halfen dabei, und sie kehrte sich nicht an die tückischen Blicke Marios, der mit schwerer Zunge lallte.

Eintränken werd' ich dir das, Colomba, nicht vergessen wird es dir Mario."

Aber dann ließ er sich doch gutwillig von Mas­simo hinausführen, nicht ohne Liskow einen fin­steren, haßerfüllteii Blick zuzuwerfen. Der war ruhig auf seinem Stuhl sihengeblieben auf einen beschwörenden Blick Colombas hin, der ihm be­deutete, sich nicht an dem Gewaltstreich gegen den Burschen zu beteiligen.

Rach einer Weile kam Massimo zurück und setzte sich wieder auf seinen Platz.

, (Fortsetzung folgt.)

Hansheinrich Liskow schritt mißmutig die Calle de Fabrice hinauf, der Osteria Colomba Ser- ras zu.

Wenn er sich auch zehiimal des Tages vor­nahm, nicht mehr die Rühe der koketten Frau zu suchen... wenn die Dämmerung kam, litt es ihm nicht mehr drunten in den eleganten Gesellschafts- räumen des Hotels. Er mußte den gewohnten Weg gehen, er muhte Colombas schwarze Augen Wiedersehen, ihr girrendes Lachen hören. Schalt sich selbst einen Rarren und machte sich doch auf ben Weg. t ..

Längst hatte Renate aus Abreise gedrängt, fte merkte an seinem ungleichmäßigen Wesen, daß er wieder einmal in einer schweren Krise sich be­fand. Mit wachsamen Augen der Liebe sah sie dies... und schwieg. Aber sie bot alle ileber- redungskunst auf, ihn zur Abreise äu bewegen. Mußte sie doch, daß mit einer Entfernung von dem, was ihm Llnruhe schaffte, auch fein Gleich­maß wiederkehren würde. Aber umsonst. Liskow hielt starrköpfig an der Behauptung fest, daß ihm Luft und Temperaturverhältnisse hier aus­gezeichnet bekämen, er wollte nichts von Abreise hören. Lind nun gerade jetzt abreifen, wo doch auch sie sich endlich akklimatisiert hätte und das böse Kopfweh verschwunden wäre. Rein, sie wür­den bleiben.

Wie immer hatte Renate sich gefügt. Wenn sie doch ein einziges Mal aufbegehren würde, zornig ihren Willen behaupten wollte, ein einziges Mal nicht mit überlegenem Lächeln und Achselzucken sich von ihm abtoenben wollte, um schließlich sanftmütig unb gehorsam aller seiner Schroffheit die Spitze abzubrechen! Zur Verzweiflung konnte einen diese Sanftmut bringen, unb doch war sie immer wieder ber einzige Halt seiner Ehe. Wußte Renate im geheimen wohl von den meisten seiner Liebesabenteuer, wachte nicht eifersüchtig und wußte doch...? Ober ahnte sie meist, was ihm die Ruhe seiner Tage nahm? Einen sechsten Sinn muhte sie wohl haben, nie spürte sie seinen Wegen nach, vornehm, wie sie war. Aber wußte doch...?

Ohne Hut eilte er hinaus, wo der See im Gold der untergehenden Sonne lag und ihm die Augen blendete. Verwundert schauten ihm die Passanten draußen nach, als er den Quai hin­unter an ihnen vorüberstürzte. War es ein Geistesgestörter? Sollte man Die Polizei benach­richtigen? Aber er lief so rasch und war bald ihren Augen entschwunden.

Auf einer Bank nahe am Ufer sank Petrowitsch endlich nieder und legte fein Gesicht in die auf» gestützten Hände.

Geboren am 18.2.1888 in Odessa, murmelten feine bleichen Lippen.Gras Alexander Kyrill Semjonow... geboren in Odessa."

Zrandungdesübens

Vornan von Käte Lindner.

(Copyright 1931 by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig.)

Petrowitsch stutzte: Der Herr hatte ein tadel­loses Französisch gesprochen, aber mit unverkenn­bar russischem Akzent. Also ein Landsmann. Was hatte der Page vorhin gesagt? «Die Frau Con­tessa wünschen zu tanzen?" Also wäre doch biefer Landsmann ein Graf, wenn er eigentlich auch nicht danach aussah. Welch' glücklichem Umstand verdankte es dieser Mann, hier so standesgemäß auftreten zu können? Wer von allen seinen Standesgenossen war so glücklich gewesen, auch nur einen Bruchteil seines Vermögens aus dem Zusammenbruch retten zu können? Alle waren sie doch vollständig verarmt, hatten zumeist nur das nackte Leben davongebracht.

Rachher muhte er doch gleich den Direktor fragen, wie der Rame dieses Landsmannes fei. 3mmcr war er so gleichgültig allen Gästen gegen­über, was kümmerten ihn ihre Ramen und Her­kunft. Aber jetzt war sein 3nteresse erwacht. Er konnte kaum die Beendigung der Teestunde er­warten, bann eilte er hinaus, suchte ben Direktor, unb als er ihn nicht fand, verlangte er vom Portier bas Fremdenbuch.

Es ist nicht hier, aber ich kann 3hnen viel­leicht Bescheid sagen, Signore Petrowitsch. Oder noch besser, ich habe jetzt nicht viel Zeit, hier sind die Fremdenzeltel, die Zugänge der lebten Woche, ober genügt bas nicht?"

Hastig nahm ihm Petrowitsch bie Zettel aus ber Hanb.Was ich suche, werde ich hier finden, dande, Signore Luino."

Er eilte in bie Halle, suchte einen versteckten Platz unb Kubierte eifrig einen nach bem anberen ber Fremdenzettel. Und plötzlich starrte er wie verloren auf bie Melbung in seiner Hanb. Ein Zittern flog burch seinen Körper, totenbleich lehnte er sich auf seinen Sih zurück, um bann wieder wie geistesabwesenb auf den Fremdenzettel nieberzustarren.

Denn da stand: Graf Alexander Kyrill Sem­jonow, geboren 18.2.1888 zu Odessa, mit Gemah­lin 3eanne Vvette Semjonow und Bedienung. Letzter Aufenthaltsort London.

Was ist 3hnen, Signore Petrowitsch, sind Sie krank?" klang jetzt neben ihm die Stimme des Direktors.

Er raffte sich zusammen, nahm mechanisch die Zettel auf, um sie zurückzutragen.

Richts, Herr Direktor, ein vorübergehendes Linwohlsein. Es ist schon besser."

Rein, er blieb. Lind wenn er zehnmal um keinen Schritt weitergekommen war bei dieser sizilianischen Katze, er hoffte doch noch den Sieg über ihre Sprödigkeit davonzutragen. Hatte sie sich neulich auf der Autotour nach Arco nicht benommen wie eine sehr wohlerwogene, ehrpußlige Dürgersfrau aus der Kleinstadt, ihm kaum er­laubt, ihr molliges Händchen zu drücken, ihr in die brennenden Augen zu sehen? Lind bei dieser langweiligen Base Gelsomina war sie so lange sihengeblieben, derweil er voller Wut und Lange­weile in einer schmutzigen Trattoria sah und Fliegen fing? Dann war sie endlich erschienen^ hatte ihm beschwichtigend die Hand gedrückt, als er brummte wegen ihres langen Ausbleibens unb hatte ihm freudestrahlend erzählt, bah bie Base Gelsomina gewillt sei, ihr bie junge Tochter wohl eine Zeitlang in Obhut zu nehmen unb gut auf» zupassen, dah ber Schlingel, dieser verliebte Nachtvogel, ber Russo Domenico, ihr nicht mehr zu nahe käme, bis sie, die besorgte Mutter, einen anderen Ausweg gefunden habe.

Als wenn ihn das etwas anginge, als wenn er diese Sorgen nachfühlen könnte. Ganz unzugäng» lich war sie gewesen auf ber Heimfahrt, hatte alle seine Annähcrungsversuche mit ber gewohnten Grazie, aber sehr bestimmt abgelehnt, älnb als er ihr von einem mehrtägigen Ausflug mit ihm nach Malcesine unb Riva gesprochen hatte, ba hatte sie sich sehr gekränkt abgetoanbt unb hatte gesagt, er solle boch nicht vergessen, bah sie bie Wirtin eines angesehenen Albergos unb Witwe bes einst­mals sehr angesehenen unb hochgeachteten Phi­lippe Sercas wäre unb sich viel zu gut dazu dünke, das Spielzeug eines feinen Herren zu werden. Ein für allemal solle er sich bas gesagt fein lassen.

3a, werd' einer aus den Weibern klug. Gar leicht hatte ihn ber Sieg gehängt, unb nun sollte er abziehen wie ein gemaßregelter Schuljunge. Ein paar Lage war er schlechter Laune gewesen, heute freute er sich boch toi eher auf ein Plauder- stünbchcn mit ihr. Sie war schlagfertig unb ge­rn anbt in ber Unterhaltung. 3hre aufreizende Persönlichkeit ging ihm ins Blut toie der Wein, den sie schenkte.

Aber er traf bie schöne Wirtin nicht auetn, wie sonst um biefe Stunde. Der alte Massimo unb Mario sahen schon am Stammtisch, Mario war angetrunken unb lärmte, heute gelang es Frau Colomba nicht, ihn zu beschwichtigen.

Ms Liskow eintrat, begrühte er ihn mit einem tückischen Blick seiner Augen. Dann schrie er halblaut über ben Tisch hinüber:

Eine saubere Wirtin bist du mir, Colomba. Schickt sich das, wenn du mit dem Tedesco im Wagen fährst wie eine feine Contessa? Meinst du, ich hätte dich nicht gesehen vorige Woche, als du neben ihm sähest und durch die Gassen nach Arco hinausfuhrst? Mario hat Augen wie ein

Oie Ersparnisse im Gießener Eia« für 1931.

V. (Schlllh)*

Finanzverwaltung.

Bei ber Betrachtung der Ausgaben in dem Kapitel Finanzvertoaltung des Voran­schlags für 1931 ist die starke Minderung ber Aus­gaben für Schuldentilgung gegenüber dem vorjährigen Betrage besonders auffällig. Wäh­rend im vorigen 3ahre für Schuldentilgungszwecke ein Betrag von 519 228,51 Mark auf der Ausgabe- feite stand, ist für das neue Wirtschaftsjahr nur eine Ausgabe von 132 303,50 Mark vorgesehen. Dieser erhebliche Unterschied findet seine Erklä­rung darin, dah in ber vorjährigen Etatsumme die Verzinsung und Tilgung der städtischen An­leihen für einen Zeitraum von fünf 3ahren (1926 bis 1930 einschl.) zum Ausdruck kam, während im Voranschlag für 1931 nur bie normale jährliche Schuldendienstsumme in Erscheinung tritt. Ratür- lich ist auch auf ber Einnahmeseite gegenüber dem Vorjahre ein erheblicher Abschlag zu verzeichnen. Hier ist die Schlußsumme von 451 729,84 Mark im vorigen 3ahre auf 52 196,24 Mark für 1931 zurückgegangen. Aus den städtischen Werken waren im Vorjahre für Schuldentilgungszwecke der 3ahre 1926 30 insgesamt 185 277,02 Mark abzuliefern, im neuen 3ahre dagegen kommt nur bie übliche 3ahressumme von insgesamt 52 196,24 Mark zur Ausgabe. Der Rücklagefonds für Anleiheaufwer­tung hatte als Summe für bie 3ah re 1926 30 zum vorjährigen Haushaltsplan 266 452,82 Mark bei- zustcuern, für das neue Haushaltsjahr 1931 ist keine Ablieferung aus diesem Fonds vorgesehen. Wenn also auch rein rechnerisch in diesem Teile des neuen Haushaltsplanes ein starker Rückgang auf der Ausgabenseite festzustellen ist, so wird er nicht nur auf geh oben durch die Minderung auf ber Cinnahmeseite, sondern er wird auch für den Steuerzahler leider nicht fühlbar dadurch, dah die Stadtverwaltung und der Stadtrat im Hinblick auf die außerordentlich verstärkten Ansprüche für andere Zwecke der Verwaltung gezwungen waren, Erhöhungen bei anderen Positionen vorzunehmen, bie leider über bas Ausmah der Entlastung hrn- ausgehen mußten.

Bei den K a p i t a l z i n s e n tritt im neuen Vor­anschlag bei der Verzinsung der Anleihen von 1926 31 ebenfalls ein Abschlag in Höhe von rund 100 000 Mark gegenüber bem Vorjahre in Erschei­nung. Hier waren im Vorjahre als Zinsendienst für bie 3ahre 1926 30 insgesamt 124 855 Mark . vorgesehen, als laufende Rate für dieses 3ahr sind jetzt nur noch 29 932 Mark zu bemerken. Leider

* Teil I in Rr. 102 vom 2. Mai, Teil 11 In Rr. 108 vom 9. Mai, Teil HI in Rr. 119 vom 23. Mai, Teil IV in Rr. 130 vom 6. 3uni. _____

steuer hofft man auf 50 000 Mark (im Vorjahre 55 000). Als Wertzuwachs st euer find 7760 Mark vorgesehen (im Vorjahre netto 19 700 Mk). Von der Hundesteuer wird ein Rettoer trag von 17 900 Mark, gegen 18 350 Mark im Vor­jahre erwartet. Die Bürgersteuer ist mit 140 000 Mark veranschlagt, als vorjährige Ziffer sind 78000 Mark angegeben. Die Getränke­steuer steht mit 30 000 Mark im Voranschlag verzeichnet (im Vorjahre 7000 Mark). Als Ertrag der F i l i a l st e u e r sind für bas neue Wirt­schaftsjahr 10 000 Mark veranschlagt, gegen 12 000 Mark im Vorjahre. Bei der Grund-, Ge­werbe- unb städtischen Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz rechnete man bei ber Verabschiedung des Voranschlags mit einem Lieberschuh von 1 349 800 Mark, gegen 1 385 900 Mark im vorigen 3ahre. Wenn man bie wirtschaftliche Entwickelung ber letzten Monate be­trachtet unb dazu nun bie Auswirkungen ber neue­sten Rotverorbnung der Reichsregierung in Rech­nung stellt, so wirb man wohl nicht mit Llnrecht hinter alle diese Vorauschilagssummen ein g r o - ßes Fragezeichen sehen dürfen. Leider wird auch hier wieder das ernste Bestreben verantwor- tungsbewuhter kommunaler Körperschaften nach Ausgleich unb Sicherung des städtischen Haus­halts durch bie höhere Gewalt bes^Reiches durch­kreuzt und damit bie Finanzuot bet' Kommune nur noch verstärkt. Wie es bei dieser Sachlage schließlich gelingen soll, ben ohnehin schon mit einem Fehlbetrag von 304 800 Mark verabschie­deten Haushaltsplan schließlich ins Gleichgewicht zu bringen, ist heute mehr denn je ein Rätsel.

Vermögensrechnung.

3n dem Kapitel Grundbesitz, Lanb-und Forstwirtschaft ist bie Ausgabesumme für Gebäude und Grundstücke von 37 000 Mark int vorigen 3ahre auf 27 000 Mark für das neue 3ahr herabgesetzt worden, auf ber Einnahmeseite rechnet man aus dem Verkauf von Gebäuden unb Grundstücken mit einem Erlös von 10 000 Mark, gegen 25 000 Mk. im Vorjahre. Der Forstbetriebs­stock soll bei einer Zinseneinnahme von 6150 Mark eine Ausgabe von 27 000 Mark an die Detriebs- rechnung leisten; es wird also hier mit einer Summe von über 20 000 Mark auf ben Fonds selbst zurückgegriffen.

Bei der Dau Verwaltung ist für die Er­weiterung und Verbesserung der Straßenbeleuch­tung eine Summe von 50 000 Mark in ben Vor­anschlag eingestellt, im Vorjahre war hierfür nichts vorgesehen. Für Straßenbauten steht ein erneuter Betrag von 200 000 Mark in Bereitschaft. Dazu kommen weitere rund 68 000 Mark aus Kre­diten, die in den 3ahren 1927/29 bewilligt wurden unb von denen die erwähnte Summe bis jetzt noch verfügbar geblieben ist. 3m übrigen ist in diesem Abschnitt nichts besonderes zu bemerken. Bei der Lagerverwaltung hat man durch Einsparung von 20 000 Mark bei der Beschaffung und Herstellung von Straßenbaumaterial die Ge­samtausgabe von 154 161 Mark im Vorjahre auf 134 261 Mark für bas neue 3ahr ermäßigt, um ben gleichen Betrag ist auch bie Einnahmeseite verrin­gert worden.

3m Kapitel Schulen sind in den beiden letz­ten 3ahren für Reu- und Umbauten 939 000 Mark verbraucht worden, bewilligt waren aber 1 500 000 Mark. Der nicht zur Verwendung gekommene Be­trag wurde auf 1931 übertragen.

Bei ber Finanzverwaltung ist bemer­kenswert, bah zur Finanzierung des Wohnungs­bauprogramms für 1931 gar nichts aus Anlei­hen vorgesehen werden konnte, während man für diese Zwecke im Vorjahre noch 478500 Mark im Voranschlag hatte. Für bas Wohnungsbau­konto stehen für das neue 3ahr lediglich 60 630 Mark aus ber Tilgung von städtischen Darlehen zur Verfügung. Als Kapitalaufnahme wird in ber Dermögensrechnung mit einer Summe von 480 126 Mark gerechnet. Hoffentlich läßt sich biefe Finanz­

en England wurde die Nachricht von den Zoll­unionsverhandlungen zwischen Deutsch­land und Oesterreich seinerzeit von den maß­gebenden Finanz, und Wirtschastskreisen mit abso­luter Ruhe ausgenommen. Es gab keine Gemüter, die sich erhitzten, und die Diskussion spielte sich einzig und allein im Rahmen nüchterner, sachlicher Be- trachtungswei e ab. Allgemein wurde natürlich die weitgehende Bedeutung des Plans erkannt, und eine sehr sorgfältige Prüfung schien im Interesse aller Beteiligten wünschenswert zu sein. Die öffentliche Meinung Englands billigte daher wohl einmütig den Vorschlag Hendersons, das Projekt zwecks Be­gutachtung seiner Legalität vor den Weltgerichtshof zu bringen. , , ,,

Gegen die Idee des Anschlusses als solche hat man in England selbst vom politischen Stand­punkt aus nichts einzuwenden. Man berücksichtigt hier die natürliche Verwandtschaft der beiden Völker, die auch wirtschaftlich unbedingt aufeinander ange- wiesen zu sein scheinen. Wir Engländer glauben auch, daß die mögliche militärische Gefahr, 3U Deutschlands 60 Millionen Einwohner weitere 7 Millionen hinzu- zufügen, in manchen anderen Ländern stark über­schätzt wird.

Für England selbst treten daher die politischen Folgen des Zollunionsplans gegenüber seinen wirt­schaftlichen Auswirkungen in den Hintergrund. In erster Linie interessiert es den Engländer na- türlich ob die Zolltarife für aus England importierte Waren als Resultat der Zollunion höher oder nicd- rigcr sein werden. Man befürchtet allgemein das erstere denn Tarife sind viel leichter zu erhöhen, als zu' ermäßigen! In zweiter Linie interessiert es den Engländer, wie sich eine derartige Zollunion in der Richtung einer allgemeinen Senkung der Zoll- mauern auswirken würde. Deutschland und Oester­reich haben selbstverständlich erklärt, daß die vor­geschlagene Zollunion so beschaffen sein wurde daß sich ihr andere Nationen anschließen könnten. Aber aller guter Wille wird in dieser Beziehung nicht viel ausrichten können. Zum mindesten wünscht man hier daß die bestehenden Tarife der beiden Ver­tragsstaaten bei dieser Gelegenheit einer Revision unterzogen werden. Die wirtschaftlichen Zusammen- hänge zwischen Deutschland und Oesterreich werden hier mit aller Deutlichkeit und ohne jede Borein-

ist aber durch unabweisbar nottoenbige Neuauf­nahmen von kurzfristigen Darlehen unb vorsorglich für etwa neu aufzunehmende langfristige Anleihen eine Steigerung des Gesamtbetrages für Kapital- zinsen eingetreten, so bah sich jetzt bie Schluß­summe in diesem Abschnitt auf 596 875 Mark gegen 571 161 Mark im Vorjahre beläuft. Demgegen­über ist bedauerlicherweise bie Summe ber Ein» nahmeseite von 334 401 Mark im Vorjahre aus 299 703 Mark für den neuen Haushalt zurück- gegangen. Hier gilt leider bie gleiche Sch'ußfolge- rung, wie bei der vorstehenden Betrachtung über die Schuldentilgung.

Der Voranschlag für Zwecke des Woh­nungsbaues ist auf ber Einnahme- unb auf der Ausgabeseite mit 543 564 Mark ausgeglichen. Hier war es möglich im neuen Haushalt die Ein­nahmen zur Erfüllung der Zinsverpflichtungen für die seit 1919 erstellten städtischen Reuwohnungen von 125 295 Mark im Vorjahre auf 173 529 Mark für das neue 3ahr zu steigern unb den Ertrag der Zinsen von Darlehen von 119 200 Mark im Vor­jahre auf 139 400 Mark zu erhöhen. Die Ein­nahme aus der Sondersteuer für 1931 für Zinsen- und Tilgungsd-ienst ging dagegen nach ber Voran- I schkagsschätzung von 273 354 Mark im Vorjahre ...

auf 230 000 Mark für das neue Wirtschaftsjahr | jähre, zu Buch Bet der Vergnugungs

wird.

Die Atempause, die durch die Verweisung an den Weltgerichtshof geschaffen wurde, wird von England nicht nur dazu benutzt werden, um die Einzelheiten des Zollunionsprojektes einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen, sondern auch dazu, alle möglichen anderen, mit der Zollunion nur in losem Zusammen­hang stehenden Methoden zu erwägen, die zu einer Senkung der bestehenden Zolltarife führen könnten.

Die deutsch-österreichischen Verhandlungen haben sicherlich das Verdienst, diese Frage erneut vor das Forum der Oesfentlichkeit gebracht zu haben. Alle diesbezüglichen Anregungen von anderer Seite sind bisher ziemlich fruchtlos geblieben. Ein Hindernis war in erster Linie immer die Meist- begünftigungstlaufel der Handelsverträge. Diese Klausel wurde nicht nur von England, sondern auch von Staaten mit Hochschutzzöllen dazu benutzt, um anderen Ländern eingeräumte Zollvergünstigun­gen für sich in Anspruch zu nehmen! In früheren Zeiten hat die Meistbegünstigungsklausel zweifellos der Idee des Freihandels gute Dienste geleistet in der Gegenwart aber hat sie sich durch die Art ihrer