Regierungswechsel in Danzig.
Dr. Ziehm anstelle von Dr. Lahm Präsident des Senats.
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Danzig, 10.Jan lWTD.) Dr. Ziehm, bisher Präsident des Oberverwaltungsgerichts, wurde mit allen bürgerlichen Stimmen an Stelle von Dr. Sahm zum Präsidenten des Senats der Freien Stadt Danzig gewählt.
3n der ersten Sitzung des neuen Danziger Se- nats widmete Dr. Ziehm Worte des Dankes dem bisherigen Präsidenten des Senats Dr. Sahm, der mehr als ein Dezennium den Senat geleitet und an erster Stelle mitbestimmend für die Ge- schicke des Freistaates gewesen sei. Gr habe sich in schwerer Zeit mit seiner Kraft, Staatsklugheit und Um icht für das Wohl des Freistaates eingesetzt. Dafür gebühre ihm Dank. Präsident Dr. Ziehm führte dann aus, datz der Senat die Geschäfte in schwerster Zeit übernehme. Es sei jedem klar, wie bedrohlich und gefahrvoll die Lage des Staates sei. Es seien aber alle von dem festen Willen beseelt, mit allen Mitteln das gesteckte Ziel zu erreichen. Das Ziel sei die Befreiung des Staa- 1 tes aus seiner gefahrvollen Lage. Weite Kreise der Bevölkerung seien iniolze der Wirtschaftsnot von einer bedrohlichen Mutlos.g.eit ergriffen <T8 sollte Aufgabe der Regierung sein, durch feste Führung dos Vertrauen der Bevölkerung zur Regierung und zu sich selbst zu erlangen.
Die Reichsbannerübungen in Gera.
Tie Stellungnahme des Reichswehr- Ministeriums
Berlin, 10. Jan. (ERB.) Die Meldung eines Berliner Morgenblattes, daß Reichsinnenminister Dr Wirth in einem Briese an den thüringischen Staatsminister Dr Frick das Verbot der R e i ch s b o n n e r g r u p p e Gero abgelehnt habe, trifft, wie wir erfahren, nicht zu Dr Wirth ist bisher noch nicht von seinem Urlaub zurück- gekehrt, so daß eine Entscheidung noch nicht getroffen werden und auch noch kein Brief in dieser Angelegenheit an die thüringische Regierung abgefandt werden konnte.
Zutreffend ist aber, daß das Reichswehr- m i n i st e r i um in einem Gutachten die in Frage kommenden Geländespiele des Reichsbanners nicht 11 s militärische Uebungen bezeichn et hat. In dem Schreiben des Reichswehrministers vird daraus hingewiesen, daß der vorliegende Fall res Reichsbanners ähnlich gelagert sei, wie rie Siohlhelmoeranstaltung tm Der- . zangenen Jahre, die seinerzeit zu einem Verbot der betreffenden Stahlhelmoerbände ) u r ch die preußische Regierung geführt habe Eine nachträgliche Prüfung des dem Reichs- 7 Dehrministerium vom Reichsinnenmintsterium vor- gelegten Materials habe ergeben, daß es sich auch Dort lediglich um Geländ efpiele g e - handelt habe. Damals fei dem Reichswehrmini- terium zu seinem Bedauern keine Gelegenheit gegeben worden, zu der Angelegenheit Stellung zu nehmen.
Oie Politik der Volkspariei.
Oingeldey über Nationalsozialismus, Arbeitslosenproblem, staatliches Schlichtungswesen und Reichsresorm.
Dresden, 11. Sait. (CAD.) Auf dem Landesvertretertag der Deutschen Bolkspartei Sachsens hielt der neue Führer der Deutschen Volks- Partei, Rechtsanwalt D i n g e l d e y , eine Rede, in der er zunächst die Befürchtung ausdrückte, daß Deutschland bei den bevorstehenden Genfer Verhandlungen kaum auf nennenswerte Erfolge werde hoffen können. Die Aufgabe der deutschen Außenpolitik tm Jahre 1931 ist, fuhr der Redner fort, die Welt ganz klar vor die Entscheidung zu stellen: Entweder Deutschland Freiheit und Rau in zur Entwicklung zu geben, oder aber cs zu gewaltsamen Ausbrüchen zu treiben, unter denen der Schrecken des Bolschewismus steht. Lieber das Verhältnis der Deutschen Volkspartei zu den Rationalsozialisten erklärte der Redner, datz zwischen beiden Parteien manche gefühlsmäßige Verbindungen beständen. Solange die Rationalsozialisten nicht den Weg in die Verantwortung fänden, hätten sie ihre Existenzberechtigung nicht erwiesen. Man müflc von ihnen eine klare Stellungnahme zu dem heutigen Grundproblem verlangen. Eine Diktatur der Rationalsozialisten sei auf die Dauer in Deutschland nicht möglich. Es sei bedauerlich, datz insbesondere die preußische Regierung durch kleinliche Polizeischikanen die nationalsozialistische Dewe- gung noch dauernd weiter in revolutionäre Dahnen d r.ä n g e. Dadurch entstehe die Gefahr, datz der grohe nationale Impuls nutzlos vertan werde, anstatt die nationalen Kräfte für den Staat und das deutsche Volk einzufangen.
Zur Wirtschaftspolitik erklärte Abgeordneter Dingeldey. datz die Deutsche Volkspartei eine
Rückentwicklung zur staatlichen Diktatur nicht mttmachen würde. Die Rotverordnung sei für die Deutsche Dolkspartei tragbar, weil sie auf ein halbes Jahr b e- f r i ch e t sei und ihre Anwendung einen B e - schluh der Gesamtregierung zur Voraussetzung habe. Die Rede des Reichsministers Dietrich zur Behebung der Arbeitslosigkeit sei außerordentlich bedauerlich, da sie eine schwere Beunruhigung zur Folge hätte haben müssen. Schon jetzt stehe fest, daß sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer die Vorschläge Dietrichs als undurchführbar und gefährlich adle h n t e n. Der Reichskanzler sei bisher unbeirrt und zielbewutzt seinen als notwendig erkannten Weg gegangen. Es sei zu hoffen, datz er fick nicht dem Einfluß Preußens und der Sozialdemokratie beugen werde. Zu den wichtigsten gegenwärtigen Aufgaben gehöre in erster Linie die R e i ch s r e f o r m, die unter anderem den Dualismus zwischen Reich und Ländern werde beseitigen müssen. Außerdem gelte es, die Stellung des Reichspräsidenten und der Reichsregierung gegenüber dem Parlament zu stärken. Reben dieses Parlament habe eine erste Kammer zu treten. Der 300-Millionen-Streichungs-Antrag sei für die Deutsche Volkspartei eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung. Die Deutsche Volkspartei mache von seiner Berücksichtigung ihre S ellun nähme cu: De chsreg erung alh 'ng g Es gelte, unter allen Llmständen den Reichs- Haushalt in Ordnung zu bringen. Dabei mühten die Steuerschähungen infolge des Riederganges der Konjunktur mit äußerster Vorsicht erfolgen.
Zentrum und Sozialdemokraten in Preußen
Ein Zeninrmsprotest gegen sozialistische Preßverunglimpfungen.
Berlin, 10. Jan. (TU.) Der Führer der preutzischen Zentrumsfraktion Dr. Hetz, hat an den preußischen Ministerpräside n» t e n unter dem 8. Januar 1931 folgendes Schreiben gerichtet.
„Es ist mir das beiliegende Hohngedicht auf dieHeiligen drei Könige xur Kennt- nes gebracht worden, von dem mir glaubwürdig versichert wird, datz es kürzlich in der illustrierten Beilage zu einer in Hildesheim erscheinenden sozialdemokratischen Zeitung gestanden habe. Wir Katholikm sind zwar an Verunglimpfungen unserer religiösen Gefühle vom extremen Radikalismus aller Richtungen sehr viel gewöhnt. Mit um so größeren Befremden muß ich es deshalb empfinden, daß dieses Elaborat, das sich durch eine geradezu ekelhafte Tonart auszcichnet, ineinersozialdemokratischen Zeitung gestanden hat. Ich denke natürlich nicht daran, Ihre Partei als solche oder gar Sie selbst dafür verantwortlich zu machen, wenn in irgendeiner sozialdemokratischen Zeitung die Rücksichtnahme auf das religiöse Empfinden anderer Menschen als die selbstverständliche Voraus'etzung jcd.r vornehmen Journalistik derart mit Füßen getreten wird, wie das in diesem Falle geschieht. Wohl aber darf ich diesen Anlaß benutzen, um Sie. sehr verehrter Herr Ministerpräsident, zu. bitten, Ihren Ein- flutz dahin geltend zu machen, datz derartige Unanständigkeiten sich nicht wiederholen.
Einen anderen Weg zur Abwehr kenne ich nicht, nachdem die preußische Justizverwaltung bereits 1925 bzw. 1926 aus genau demselben Anlaß zu erklären sich gezwungen sah, datz ein derartiges literarisches Erzeugnis mitden Mitteln der bestehenden Bestimmungen des Reichs st rafgesetzes nicht beizukommen sei. Hoffentlich wird diese Möglichkeit durch das neue Reichsstrafrecht nunmehr geschaffen.
Ich darf übrigens den unter diesen Umständen mir allein übrig bleibenden Weg um so eher wählen, als die politische Gegnerschaft, die ja leider in Deutschland in der Wahl ihrer Kampfmittel nicht verlegen zu sein pflegt, solche Anlässe mit besonderer Vorliebe für ihre Agitation benutzt, auch wenn sie noch so viel Schund und Schmutz vor der eigenen Türe zu kehren hat."
Die ^Germania" fügt hinzu: „Jedes weitere Wort hierzu erübrigt sich. Leider muh man betonen, daß dies keineswegs eine ganz vereinzelte Entgleisung der sozialistischen Presse ist, sondern datz verschiedene sozialistische Blätter (man gehe beispielsweise nach Sachsen!) sich des öfteren in derartigenKultur- höhen gefallen. Das Schreiben des Abgeordneten Dr. Hetz an den preutzischen Ministerpräsidenten ist darum als ein sehr ernster, notwendiger und begründeter politischer Schritt zu beurteilen. Wir müssen von den sozialistischen Führern verlangen, daß sie dafür sorgen, solche Unflät gk i en zu unterbinden und zu verhindern"
Verlängerung -er Kristen in -er Krisenfürsorge.
Entlastung der Gemeinden.
Berlin, 10. Jan. (WTB.) Die starke Belastung der Gemeinden mit Wohlfahrtslasten hat zu den bekannten Maßnahmen in der Rotverordnung geführt, die den Gemeinden gestatten, auf dem Wege allgemeiner Besteuerung der Bürgerschaft den dringendsten Bedarf für die Erwerbslosen zu decken. Daneben werden die Gemeinden das ihre zu tun haben, um durch äußer st e Sparsamkeit ihren Haushalt aufrechtzuerhalten und durchzuführen. Um ihnen hierbei Hilfe zu leisten, soweit dies mit den verfügbaren Mitteln vereinbar ist, hat
sich der Reichsfinanzmini.ster gemeinsam mtt ftetn Reichsarbeitsminister entschlossen, f ü r Arbeitslose, die am 3. Rovember 1930, dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der letzten Reuregelung der Krisenfürsorge, bereits in dieser Fürsorge standen, die früheren längeren Fürsorgefristen von 39 oder 52 Wochen bis zum 28. März 1931 weiter gelten zu lassen. Insoweit sind also die Abla u f f r i st e n, die für den 17. und 24. Januar 1931 vorgesehen waren, mit der Wirkung verschoben worden, datz dadurch den Gemeinden ein Teil der ihnen sonst jetzt schon zufallenden Fürsorgelaften noch abgenommen bleibt.
Oie Ooppelver-iener.
Berlin, 10. Jan. (TU.) Der Reichsarbeit m i n i ft e r hat ein am 22. Dezember an b i e Bereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände in Berlin aer'chtetes Schreiben über die Frage der Doppelverdiener nunmehr auch den obersten Sozialbehörden der Länder, sowie der Hauptverwaltung derDeutschenReichs- b a h n g e i e l l s ch a f t zur Kenntnis gegeben, in dem es heißt:
In letzter Zeit häufen sich >n der Oeffentlichkeit wieder die Klagen über die sog „Doppelverdiener". Ich erkenne gern an, daß in einer Reihe von Einzelfällen Abhilfe geschaffen wurde. Gleichwohl kann ich die noch immer lauter werdenden Klagen über Doppelverdiener mit Rücksicht aus üje hohe Arbeits» losenzahl nicht als u n b e r e d)TT g t ansehen. Allerdings läßt sich eine allgemein gültige Begriffs- bestimmung des Doppeloerdienens, die alle in Betracht kommenden Lebensverhältnisse erschöpfend umfaßt, nicht finden: im Einzelfalle dürfte aber bi« Feststellung kaum Schwierigkeiten bereiten, ob der Doppeloerdienst mit Rücksicht auf die Arbeitsmarktlage vertreten werden kann. Ich richte daher erneut die dringende Bitte an Sie, auf die Ihnen angeschlossenen Verbände dahin einzuwirken, daß — soweit nicht im Einzelfalle besondere Härten entstehen — bei Entlassungen in erster Linie dir sog. „Doppelverdiener" aus-scheiden, und daß keine Doppelverdiener neuein, gestellt werden, solange unter den Arbeitslosen geeignete andere Arbeitskräfte verfügbar sind.
Kleine politische Nachrichten.
Die seitherige demokratische Fraktion im Hessischen Landtag teilte dem Landtagsamt mit, datz sie von jetzt ab den Rainen „Demokratisch- Staatsparteiliche Arbeitsgemeinschaft" führen werde.
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Der Reichstagsabgeordnete Dr. Goebbels war in den letzten Monaten wiederholt auf Grund seiner Immunität zu den gegen ihn schwebenden Beleidigungsprozessen nicht erschienen. Runmehr hat die Zweite Strafkammer des Berliner Landgerichts Hi als Beschwerdeinstanz beschlossen, datz Dr. Goebbels in einem Verfahren, in dem der Kriminalkommissar Busdorf als Rebenkläger auftritt, zu dem neuen Termin ohne Rücksicht auf feine Abgeordneteneigenschaft vor- Aufüyren ist, weil es sich um ein altes Verfahren handelt.
Als Rachfolger des kürzlich verstorbenen Warschauer Gesandten Rauscher ist der jetzige Dirigent der Ostabteilung des Auswärtigen Amtes, Vortragender Legationsrat v. Mo11ke, in Aussicht genommen. Als sein Rachfolger in der Ostabteilung wird der jetzige Generalkonsul in Leningrad, Erich Zechlin, genannt.
Aus aller Welt.
170 Eisenbahnarbeiter bei einem Bergrutsch verschüttet.
Auf der Station Huigra im südamerikanischen Staate Ecuador wurden durch einen Bergrutsch 170 Streckenarbeiter, welche die durch einen 'früheren Bergsturz verschüttete Bahnstrecke freilegten, verschüttet. Der erste Bergsturz war abends erfolgt, und die Hilfsmannschaft war sofort zur Freilegung der Dahngle se entsandt worden. Wegen schwerer Regenfälle tonnte die Freilegung der Strecke jedoch erst bei Morgens grauen beginnen. Als die Mannschaft gegen
Oberhessischer Kunstverein.
.DerschöneMenich »nderAunstallerZeiten "
Die erste Ausstellung im neuen Jahre, vom Oberhessischen Kunstverein gemeinsam mit der Ge- ellschaft Gießener Kunsttreunde veranstaltdt, um- aßt einen Teil der zuvor in Darmstadt gezeigtem Ausstellung „Der schöne Mensch in der Kunst liier Zeiten". Es handelt sich dabei ausschlieh-- "ich um - durchweg sehr oute - photographische Reproduktionen, welche in chronologischer Anordnung einen großzügigen Ueberblid darüber vermitteln, wie die bildende Kunst aller Zeiten md Völker (vornehmlich Malerei und Plastik! las Generalthema des unbekleideten menschlichen Körpers in immer neuen Gruppierungen und Spielarten abgewandelt und dargestellt hat.
Es wäre sehr reizvoll, neben der chronologischen Sie einzelmotivischc Entwicklung zu verfolgen und luszuzeigen, wie sich etwa kultische, nationale. Rblische, realistische Vorstellungen und Detrach- mngsweisen das Generatthema zu eigen gemacht jaben. (Der neulich hier gehörte Vortrag von Prof. Hamann, der in dieser Hinsicht recht auf» chlußreich war, dürfte manchen Besuchern bei tinem Gang durch die Ausstellung wieder ins Sedächtnis kommen.) Im Rahmen dieses Be- nchtes würde es natürlich zu weit führen, dem rachzugehen
Der zeitliche Ausschnitt, den die Teilkollek- ion umfaßt, ist außerordentlich weit gespannt und beginnt in prähistorischer Zett mit einer Wiedergabe der bekannten steinernen Venus von Wil- endors (Riederösterreich), deren Proportionen illerdings auf den ersten Blick mit der landläufigen Vorstellung vom „schönen" Menschen schwer n Einklang zu bringen sind, doch ist diese Plastik gleichzeitig ein sehr bemerkenswertes Beispiel da- ür, wie sich - was gerade bei einer solchen Austeilung interessant zu verfolgen ist - die ästheti- chen Begriffe, insbesondere das menschliche Schön- ieitsideal, im Laufe der Jahrtausende gewandelt iahen. 2m gleichen Sinne sind auch etwa die nexikanifchen, afrikanischen und Südsee-Plasttten ju betrachten, die an der selben Wand abgebtl» )et sind.
Hervorragende Beispiele aus der mit einer überwältigenden Reise und technischen Sicherheit lepaltenben Bildhauerei des ägyptischen Kultur
kreises findet man - in merkwürdigem Kontrast - neben den eben genannten Kunftäuherungen der Primitiven Aus Kairo: die Sitzplastiken von Rahotep und Rofrit. ein Mädchentorso aus El Amarna, der schreitende Horfuabra in Holz (ebenfalls aus Kairo). Bedeutende Werke finden sich anschließend aus der klassischen Plastik der Antike. wir nennen nur die Flötenspielerin vom Ludovisischen Thron in Marmor, den Doryphoros des Polyklet und den Apoll von Tenea aus der Münchener Glyptothek.
Ein interessantes Ensemble bringt auf der gegenüberliegenden Wand die Ringergruppe aus Den Uffizien, einen shrakusanischen Aphrodite- Torso und frühitalienische Dasenbilder neben einem javanischen' Buddha, einer persischen Miniatur und einer indischen Felsmalerei.
Aus der srühmittelalterlichen Plastik ist die Wiedergabe eines ergreifend schlichten Holz- Kruzisixus (Köln) vorhanden. Aus der gotischen Hochblüte die Figuren von Adam und Eva vom Bamberger Dom Das Thema der ersten Menschen ist überhaupt in diesem Zusammenhang eines der allerwichtigsten und zumal in der mittelalterlichen Kunst nahezu unerschöpflich und unübersehbar: hier findet man einige der vornehmsten Gestaltungen, von Dan Eyck, Brüssel: Riemenschneider. Würzburg: Memling, Wien, und Dürer, Madrid. Unvergessen sei auch die benachbart hängende, wundervolle Cranachsche Venus, eine der Kostbarkeiten aus dem Frankfurter Städel.
Die Italiener sind ebenfalls reichhalttg vertreten: man kann aus der Fülle des Materials natürlich nur das eine oder andere Stück herausheben; so hier vor allem zwei großartige Figuren von Michelangelo; dann Signorelli, ein Sebastian von Perugino, eine Leda von Lionardo ein „Sündenfall" von Rasiael.
Reben den biblischen Themen ist die Venusgestalt immer wieder mit besonderer Vorliebe gemalt worden; es sei nur an die berühmtesten Stücke von Botticelli, Giorgione, Tizian und Dalma Vecchio erinnert, von denen hier schöne, klare Aufnahmen vorhanden sind. Bei den Riederlandern ist ein feines Blatt von Rembrandt zu beachten: auch Rubens durfte natürlich gerade in dieser Kollektion nicht fehlen. Die Spanier sind mit Velasquez, Greco und Goya (von dem die heftig umstrittene „Maja" gezeigt wird) repräsentativ vertreten.
Die Franzosen: Boucher, der das Rubenssche Schönheitsideal üppiger Formenfülle ins Dix- huittöme rettete. Poussin, Watteau (mit einem fabelhaft gemalten Aktstück), Delacroix, Corot. Eourbet: einige vorzügliche Blätter der Impressionisten sind weiterhin Renoirs „Badende Frauen" und Manets hochberühmte, delttat gemalte und überaus dekorative Olympia.
Aus der jüngsten Zeit: Rodins rhythmisch Durchmodellierte, wundervoll beseelte Eva; ein wuchtiger Akt von Corinth, eine der allegorischen Figurengruppen von Hodler, Lehmbrucks edel gebildeter Torso, „Simson und Delila" von Liebermann. — Richt dazugehörig, aber in unmittelbarer Rähe, zwei Proben japanischer Holzschnittkunst, darunter eine erstaunliche Athletengruppe von Hokusai. —
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Außerdem findet man, unabhängig von der Hauptausstcllung, eine Anzahl feiner Radierungen von Felix K l i p st e i n (Laubach) in Vitrinen ausgelegt, auf dessen Schaffen erst kürzlich an dieser Stelle eindringlich hingewiesen worden ift
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Die Ausstellung wurde gestern, Sonntagvor- mitfag, der Oefsentlichkeit übergeben.Landgerichtsdirektor a. D. Bücking, der Vorsitzende des Kunstvereins, hieß die Anwesenden mit herzlichen Worten willkommen. Prof. Dr. R a u ch, der die jetzt dem Kunstwissenschaftlichen Institut der Landesuniversität gehörige Sammlung dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat, vielt darauf eine einführende Ansprache; er wies zunächst auf den in doppelter Hinsicht kunsthistorischen Charakter der neuen Ausstellung hin: sowohl was den Gegenstand selbst als auch was die Auswahl des Materials angeht, welche von modernen Künstlern getroffen sei. Die jüngste Richtung der bildenden Äunft, so führte der Vortragende aus. suchte in den Werken der Vergangenheit nach einer Bestätigung ihres eigenen Schaffens. Es wurden hier Kunstwerke ausgewählt, die den Menschen darstellen, und zwar insbesondere den Körper als plastischen Wert: Plastik, im weitesten Sinne, d. h. auch in der Malerei, sei das Merkmal dieser Ausstellung. Prof. Rauch gab anschließend anhand des ausgehängten Materials einen Ueberblick über die charakteristischsten Werke der Kollektion, wobei er insbesondere die griechische Plastik all unvsrgLnsliches Vorbild jeder
künstlerischen Gestaltung bezeichnete und mit dem Hinweis schloß, daß diese Ausstellung als eine Dorbereitung und Einführung in unsere eigene zeitgenössische Kunst zu betrachten fei —
Clau-e Anei 1*.
Claude 21 n et (mit bürgerlichem Namen Jean Schöpfer), der bekannte französische Roman- und Reiseschriststeller, ist 53jährig gestorben. 21nets auch in Deutschland viel gelesene Bücher „Petit Ville” und „Les Bergeries” geben vortreffliche Schilderungen des französischen Provinzlebens. Sein bekanntestes Werk ist der Roman „Ariane".
Kunst und Wissenschaft.
Wieder ein Austritt aus der Dichterakademie.
Erwin Guido Kolbenheyer, der Dichter he- Paracelsus-Zyklus und der Tragödie „Giordgno Bruno", Träger des Staatspreises für Literatur von 1929 hat einer Berliner Meldung zufolge in einem Schreiben an die Dichterakademie fein Ausscheiden erklärt. Dies ist in kurzer Zeit der zweite Austritt aus der Dichter-Sektion; vor wenigen Wochen erst ist Hermann Hesse ausgeschiede»


