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181. Jahrgang

Montag, 12. Januar 193J

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Drucf und Verlag: Vrühl'sche Universitätr-Vuch- vnd Sttinöruderei L £<nt$e in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchufftraße X.

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Dr. Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr §.Thgriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den Anzeigenteil Mar Filler, sämtlich in (Biehen

Beilagen: Die Illustriert« Bietzenei Fanntten blätter Heimat im Bild Die Scholle monatsBejugsorets:

2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter» fchemen «mzelnerRummern infolge Höherei Gewalt.

Hernlvrechanlchlüfte anterSammelnummer2251. Anschrift tür Drahtnach­richten Anzeiger Stetzen.

Poflfdfcdtonto: $re*!furiam Main 11686.

Nr. 9 Erster Blaff

Eriche im täglich,autzer Sonntags und Feiertag»

Der Schiedsspruch für den Ruhrkohlenbergbau.

Eine sechsprozentige Lohnsenkung. - Zechenverband und Gewerkschaften lehnen ab.-Heute noch Verbindlichkeitserklärung.

Oer Essener Schiedsspruch.

Lohnfcnkuni um 6Prozent.TcrZechcn° verband lehnt ab.

Essen, 10. Ian. (TU.) In den heutigen, unter vorsih'des Schlichters, Professor Brahn, abgehal- tcnen Verhandlungen zwischen dem Zechenoerband und den Vertretern der Gewerkschaften wegen Neu­regelung der Lohnoerhältnisse im Ruhrbergbau, konnte eine Einigung zwischen den Par­teien wiederum nicht herbeigeführt werden, so daß sich der Schlichter gemeinsam mit den beiden Unparteiischen, Oberbürgermeister Dr Bracht (Essen) und Landesarbeitspräsident Link (Hannover) zu einem Schiedsspruch enlschlos- sen, der von den Unparteiischen mit E i n st l m - migkeil angenommen wurde. Danach wird der Vertrag vom 4.Dezember 1930, vom 1.3a- nuat 193 l ab mit der Maßgabe wieder in Kraft gesetzt, daß sämtliche Löhne um 6 v. h. ermäßigt werden. Die zum 15. Januar zum Zwecke der verlragsänderung ausgesprochenen Kündigungen gelten als jutütfgenom­men. Diese Regelung bezieht sich aber nur aus die gesamte Kündigung, die zum Zwecke der Lohnrege­lung vorgenommen wurde, nicht aber auf alle Kün­digungen, dicandereGründe haben. Die neuen Lohnabmachungen gellen bis zum 3 0. Juni 19 31. Ls ist aber eine sechswöchige Kün - diguugsfrist vorgesehen. Falls eine Kündigung nicht ausgesprochen wird, verlängert sich das Abkommen automatisch um jeweils ein halbes Jahr. Die Erklärungsfrist für die beiden Parteien ist auf Montag, 9 Uhr vormittags, festgesetzt. Der Zechen, verband Hal bereits in den Verhandlungen er­klärt, daß er den Schiedsspruch oblehnen würde. Es ist vorgesehen, daß im Bedarfsfall Rach, verhondlungen vor dem Reichsarbeltsmiuister am Montag statlsinden. Für die verbindllch- keltserklärung ist Termin festgesetzt auf Mon­tag, 19 Uhr.

Auch die Gewerkschaften lehnen ab.

Die Stellung der freien Gewerkschaften.

Essen, 11. Fan. (Sil.) Sn der Revierkonfe- rönz des freigewerkschaftlichen Dergbauindustrie» arbeiterverbanccs in Bochum gab Las Vorstands­mitglied Martmöller einen ileberblick über die Berhand un.e.i u d bclcn c, daß er cuf Grund tc en c c.^c.^. nc.i i e, Berg' au i dustr e- arbeiterverbcnwes heute noch auf dem Stand­punkt stehe, daß ein Lohnabbau keine wirt­schaftliche Notwendigkeit sei und als Mittel zur MilLerung der Wirtschaftskrise grund­sätzlich von den Gewerkschaften für falsch ge­halten werde. Die Regierung werde allerdings trotz der Einwendungen der Bergarbeiter den Schiedsspruch zweifellos von Amts wegen für verbindlich erklären.

Zur weiteren Haltung der Bergarbeiterschaft führte Martmöller aus, daß die jetzige Krisen- zcit keinen günstigen Boden für einen erfolgreichen Kampf bicle. Bedenklich sei es außerdem, gegen einen verbindlich erklärten Schiedsspruch anzukämpfen. Aach wie vor lehnten die Dergarbeiterverbände die wilde politische Streikparole der Kommunisten ab, so berechtigt auch die Erbitterung der Bergarbeiter über den Lohnabbau fei. Die Bergarbeiterschaft müsse vor allem beachten, daß sie in wenigen Mona­ten bereits wieder mit neuen und schwerwiegenden Tarifkonflikten zu rechnen habe. Sn der Aussprache wurde betont, daß sich die Bergarbeitervertreter nur deshalb für die rampflose Beilegung des Lohnstrcites ent­schlössen, well die Hoffnung bestehe, daß der Zeitpunkt zum Losschlagen recht bald günsti- g e r als jetzt fein wird.

Die Bersammlung kam hierauf zu einer ein­stimmigen Ablehnung des Schiedsspruches.

Eine Entschließung der Christlichen Gewerkschasten. Prüfung der Rentabilität im Bergbau - verlangt.

Essen, 11. Jan. (WTB.) In einer außerordent­lichen Generalversammlung des Gewertvereins Christlicher Bergarbeiter Deutschlands wurde nach Berichterstattung über die Verhand­lungen und den Schiedsspruch sowie einer ausge­dehnten Aussprache eine Entschließung gesagt, in der es u. a. heißt:

Die Bergarbeiter und ihre Familien im Ruhr­gebiet befinden sich i n einer äußerst drücken­den Notlage. Von 383 000 Ruhrbergleuten wurden im letzten Jahre fast 100000 entlas­se n. Außerdem sind im Jahre 1930 über 9,5 Millionen Feierschichten infolge 21 b - satzmangels eingelegt worden. Dadurch wurde das Einkommen der Bergarbeiter bedeutend ver­mindert. Der Schiedsspruch nimmt den Bergleuten trotz der bisherigen Opfer weitere 6 Prozent

vom Tariflohn. Die wirtschaftliche Lage des Ruhrbergbaues rechtfertigt den Schiedsspruch nicht. Sie ist bedeutend besser als sie vom Lechenverband dargestellt wird. Die Lohnkosten je Tonne sind ge­fallen. Durch die Senkung der Selbstkosten ist die ab 1. Dezember 1930 eingetretene Kohlenpreis­senkung um durchschnittlich eine Reichsmark mehr als ausgeglichen. Die Behauptung der Zechen­verwaltung, daß es dem Ruhrberabau finanziell schlecht gehe und er mit Zuschüssen arbeite, kann deshalb nicht st im irren. Die außerordent­liche Generalversammlung lehnt darum den Schiedsspruch mit aller Entschieden­heit ab. Um für die Zukunft Klarheit über die Lage des Bergbaues zu schaffen und Meinungs- Verschiedenheiten zu vermeiden, fordert die Gene­ralversammlung die Einführung einer u n - parteiischen Instanz zur ständigen Prü­fung der Rentabilität des Bergbaues, wie sie in England besteht. Ferner nahm die Ge­neralversammlung Stellung zur Preisabbau- f rage. In einer Entschließung hierzu heißt es, die Herabsetzung der Löhne ohne entsprechende Herab­setzung der Preise sei für weite Schichten unerträg­lich. Von der Reicl-sregierung wird verlangt, daß sie mit derselben Schnelligkeit und Energie, mit der sie die Löhne abbauen lasse, auch eine Senkung der Preise und Abgaben durchsetze. Die Konfe­renz der Vertrauensmänner des H i r s ch-D u n ck e r- schen Verbandes (Abteilung Bergarbeiter) hat den Schiedsspruch gleichfalls einst im mig ab- gelehnt.

Oie Kommunisten kündigen neuen Streik an.

Gründung einer kommunistischen Gewerkschaft.

Duisburg, 11. 3an. (TU.) Die revolutio­näre Gewerkt chaftsopposition (RGO.) hatte im Hamen der Zentralen Streikleitung eine Zusam­menkunft der Schachtabgeordneten in Duisburg angeordnet. Der Berichterstatter Dirken»

Hauer berichtete über die kommunistische Teil­ausstandsbewegung auf den Zechen des Ruhr- bergbaues und bezeichnete den Streik als eine Generalprobe für die beginnenden Kämpfe und den neugegründeten kommunistischen Bergarbei­terverband als den Wachtposten der Sow­jetunion in Deutschland.

Der Führer der kommunistischen Streikbewe­gung, Saefkow, erklärte u. a.: Wenn man glaube, daß der Schiedsspruch eine zweite Streikwelle ausschließe, so habe man sich ge­täuscht. Saefkow kündigte eine neue Streik­bewegung an. Als Aufgaben des neuen Ver­bandes bezeichnete er: Zertrümmerung der Ge­werkschaften, Einführung der Eiebenstundenschicht im Bergbau, Einreihung der Erwerbslosen in den Arbeitsgang und Wiedereinstellung der Gemaß­regelten. Es handle sich um einen politischen Kampf, und man werde dem »Polizeiterror" mit allen Mitteln zu begegnen wissen. Frauenund Kinder werde man vor d ie Zechentore stellen und dieErwerbslosenalsStreik- Posten verwenden. Der Redner kündigte schon für Montag eineneue Epoche des Klafsenkamp- fcs", denVolkskampf gegen den Faschismus ', an. Schließlich wurde der Gründungsbeschluß zur Bil­dung des neuen kommunistischen ^Bergarbeiter» Verbandes verlesen, der den AamenEinheits­verband der Bergarbeiter Deutsch­lands" führen und seinen Sih in Essen ha­ben soll.

*

Wie der Be r g b a u v e r e i n mitteilt, ist der Ausstand im Ruhrgebiet beendet. Die Höchstziffer der Beteiligung an Streiks betrug in der Mor­genschicht vorn 3. Januar 15 834. Der Gesamt­schichtausfall beläuft sich auf rund 95 000 Schichten und der Gesamtlohnausfall auf rund 850 000 Mark. Für den Hauer, der vom ersten bis zum letzten Streiktagr. insgesamt sieben Tage nicht zur Arbeit erschienen ist, ergibt sich bei einem Scyichtverdienst von etwa 10 Mark ein Lohnausfall von rund 70 Mark.

IcMIand Mcfiikri gegen die Grenzverletzung.

Oie Vernehmung der polnischen Flieger. - Oppeln angeblich mit Thorn verwechselt.

Berlin, 10. Jan. (ERB.) Die deutsche Gesandt- schaft in Warschau ist angewiesen worden, schärf- ften Protest gegen die neuen Grenz­verletzungen durch polnische Flieger einzulegen wie wir aus Regierungskreisen erfah­ren, ist beabsichtigt, noch Abschluß der Untersuchung weitere Schritte zu unternehmen. Die Uebcr- ftiegung der deutschen Ostgrenze durch polnische Flieger muh um so mehr befremden und merkwür­dig erscheinen, als an den Grenzen der übrigen Anliegerstaaten Deutschlands auch n i ch t i m ent­ferntesten ähnlicheVerfliegungen" vorgekom­men sind. Die Vernehmung der beiden Piloten ist

BRESLAU

KRf UZBURG X-,

ROSENBERG

PLES3

^GLEWITZ/

I / KATTOW/TZ

abgeschlossen. Die Piloten selbst befinden sich noch in Polizeigewahrsam. Die Flugzeuge werden von der Reichswehr bewacht. Die Entscheidung, ob sie frei- gegeben werden, liegt beim Reichswehrmiuisterium. Einer der Piloten gab an, h u g o w o l f zu heißen, im Jahre 1896 im kreise Beuthen geboren zu sein und früher in der deutschen Armee ge­dient zu haben. Gleich nach seiner Festnahme er­zählte er den wachtmannschofleu der Reichswehr, daß er eine Oppeluerin zur Frau habe. Diese An­gabe hat er in der Vernehmung selbst wohlweislich nicht gemacht. Er ist zur Zeit elatsmäßiger Feld­webel im Fliegerregiment 2, das in Krakau garnifonierl ist. Er hatte angeblich den Auf­trag erhalten, drei Maschinen von Krakau nach Graudeuz zu führen. Rach seinen Angaben seien die Maschinen um 12.30 Rhr in Krakau gestartet und hätten sich bei dem angeblich diesigem Welter verflogen, während des Fluges fei ihnen die Karte aufden BodendesFührer- fihes gefallen und beiden fei es angeblich un­

möglich gewesen, die Karte wieder aufzuheben. An­geblich soll auch der Kompaß des Flugzeuges auf einmal nicht mehr funktioniert haben. Die beiden anderen Piloten feien nach Angabe Dolfs blindlings hinter ihm her geflogen. Angeblich hätten sie Oppeln für Thorn und die Oder für d i e Weichsel gehalten.

Alle diese Angaben erscheinen so unwahrschein­lich, daß von einem unbeabsichtigten verfliegen wohl nicht mehr die Rede sein könne. Es ist auch auf­fallend, daß gerade ein in Oberschlesien gebürtiger Pilot als Führer dieses Fluges bestimmt wurde. Zu der Landung des dritte» Flug­zeuges wird bekannt, daß dieses gegen 16 Rhr in der Rähe des Dorfes G r ö t f ch im Kreise Rosenberg, ungefähr 10 0 Meter von der polnischen Grenze entfernt niebergegangen fei. Der Pilot fei in das nächste Dorf gegangen und habe sich dort erkundigt, wo er sich befinde. Ohne vom Gemeinde­vorsteher gehindert worden zu sein, fei er unmittel­bar darauf wieder ge st artet und nach einigen hundert Meter Fluges auf polnischem Boden gelandet. Das Verhalten des Gemeindevorstehers bedarf noch der Untersuchung.

Oie polnische presse lärmt.

Warschau, 11. San. (LA.) Erst nachdem die deutsche Regierung wegen der Landung pol­nischer Flieger in Oppeln diplomatische Schritte in Werschau getan hat, hat die polnische Presse ihre gewohnte Sprache natürlich in der üb­lichen Tonfärbung wiedergefunden. Der deutsche diplomatische Schritt wird vom regierungsfreund­lichenExpreß Pv.anny" alsunvers chämter Lärm der deutschen Diplomatie" be­zeichnet. Dieser Schritt, heißt es weiter, sei einer von den vielen lärmenden Schachzügen Deutsch­lands, die den Zweck haben, Polen bei dem Völkerbund zu diskreditieren.

Die polnische Regierungspresse stellt gleich­lautendfest, die amtlichen polnischen Rachsor.'chun- gen hätten ergeben, daß es sich lediglich um einen Zufall handele. Die betreffenden Flug­zeuge seien von Krakau nach Graudenz unter- Wegs gewesen und hätten sich infolge starken Remels und Unwetters auf das deutsche Gebiet verirrt, wo sie nollanden mußten. Der Krakauer Sllustrierte 5turier" bezeichnet die Erläuterun­gen der deutschen Presse zu dem Vorfall als niederträchtige Unterstellung und erklärt, daß auch die besten Flieger der Welt gelegentlich die Orientierung verloren hätten. Zum Schluß fragt das Blatt:Warum gab es denn kein Geschrei, als die englische Fliegerin Amy Sohnson gleichfalls infolge Rebels gezwun­gen war, in Polen notzulanden?"

polens Programm für Genf.

Keine Abrüstung.Die Minderheitenfrage.

Warschau, 10. San. (WTB.) Sm Auswärti­gen Ausschuß des polnischen S:jms hielt Außen­minister Zalesli eine Rede über die polnische aus­wärtige Politik, in der er sich vornehmlich mit den Fragen der Abrüstung und den deutsch-polni­schen Beziehungen auseinandersehte. Po en habe den französischen Schritt zur Herbeiführung einer Verständigung der europäischen Staaten begrüßt. Die Regierung sei der Auffassung, daß die Hauptaufgabe dicfts Planes die Verstärkung der Sicherheit sein müsse. Trotz des Kellogg- Pakts und des Vertrages zur Finanzhilfe über­fallener Staaten genüge die Sicherheit- noch keineswegs, um eine wesentliche Ver­änderung des Rüstungsstandes zu er­möglichen. Die Welt sei heute Zeuge eines in letzter Zeit stärker wachsenden aggressiven Rationalismus der Völker. Polen werde alle weitgehenden Abrüstungsvor- schläge ablehnen müssen, die g:eignet feien, feine nationale Sicherheit zu schwäch.'». Die Ab­rüstung bleibt von der Sicherheit abhängig.

Sn Hcbcrcinftimmung mit seinen internatio­nalen Verpflichtungen in der Minderheiten­frage wünsche Polen, den internationalen Min­derheiten seines Landes volle Bewegungs­freiheit auf nationalem, religiösem und kultu­rellen Gebiet zu sichern. Mit Entschiedenheit, so fuhr der Minister fort, wird es sich allen Ver­suchen widersetzen, diese Frage für Reben- zieleundstaatsfeindlicheDestrebun- gen mißbrauchen zu lassen, auch ange­sichts des jüngsten Auftretens un­seres westlichen Rachbarn auf tnefepx Gebiet, das nach Forin und Mitteln eine Ver­schiebung von dein rein sachlichen Gebiet auf das Feld der allgemeinen Polit.k zu bezwecken scheint. Sch zweifle daran, ob eine solche Haltung den Snteressen der Minderheiten und ihrem guten Verhältnis zu dem polnischen Volke dienen wird.

Peinlich berührt werden mußte das polnische Völk durch dieses wiederholte Auftreten jenseits der Grenze, das sich gegen alles richtet, was polnisch ist. Es bezwecke, das Ansehen des Landes in der Welt zu mindern und, was noch schlimmer sei, es ziele sogar gegen d ie Unantastbarkeit des Staates. Geduld und Kaltblütigkeit habe Polen oft bewiesen. Aber man dürfe nicht vergessen, daß sich, wenn man cuf einer Seite hetze, es schwer sei, von der anderen Seite Liebe zu fordern. Die polnische Stellung sei in der Rote umrissen, die er im Ramen der Regierung dem Sekretariat des Völ­kerbundes gesandt habe, und wodurch sich dessen Mitglieder von dem tatsächlichen Stand der Dinge überzeugen tonnen. Aus dieser Antwort ergebe sich klar das aufrichtige Bestreben Polens zu loyaler Aufklärung der Lage und zur Beseiti­gung aller Re ibungsf lachen zwischen dem pol­nischen Volk und der Minderheit. Polen werde in seinen Bemühungen zur Erleichterung der Be­ziehungen mit seinem westlichen Rach bar» sort- fobren. Sn diesem Sinne habe er dem Parlament auch Ben deutsch-polnische» Vertrag, der vor allem für die nationalen Minderheiten große Be­deutung besitze, zur Ratifizierung vorgelegt.

Oer Reichskanzler in Breslau.

Kommunistische Ausschreitnngen.

Breslau, 10. San. (ERB.) Um 18.22 älh« trafen der Kanzler und die Herren seiner Be­gleitung in Breslau ein. Die Straßen, durch die der Kanzler mit'seiner Begleitung zum Rathaus fuhr, waren von Menschenmassen dicht umsäumt. Don radikalen Elementen wurde» wiederholt Schmährufe lauf. Vor dem Rat­haus kam es zu schweren Ausschreitun- ge n. Die Polizeibeamten, die zunächst am Ring eingesetzt waren, konnten die vordrängenden Massen nicht zurückhalten. Erst den inzwischen herangezogenen Verstärkungen gelang es, den Südreil des Ringes unmittelbar vor dem Rat­haus zu räumen. An der Rord- und Ostseite da­gegen wankten die Massen auch nicht, als die Beamten mit Gummiknüppeln vorginge». Mehr­fach wurde auf die Beamten einge- Nb lag en. Ein Beamter brach unter de» Stockhieben eines Zivilisten zusammen und mußte fortgetragen werden. Aus der Menge heraus tönten immer wieder Rufe:Wir haben Hun­ger. wir haben Hunger!" Auch wurde die Sntcr- nationale gesungen. Als sich der Reichskanzler nach der Besprechung im Rathaus zum Erz­bischof begab, hatten sich auf den Zugangs­straßen zur Dominsel ebenfalls radikale Ele° mente etngefunbeu. die in Schmährufe aus- brachen. Sn der Rächt zum Samstag waren die Straßen unb Gebäude in der Gegend des Domes mit Snschriften in roter Oel­sa r b e beschmiert worden. An dem erz­bischöflichen Palais ist in großen Lettern zu lesen: ..Tod dem Hungcr-Diktator Brüning!" Be­sonders stark wurden das Hauptportal des Do­mes, die Steinplatten im Eingang und auch em Sockel des Portals befleckt. An die Front eines Rachbarhauses ist eine Figur an einem Galgen gezeichnet, unter dem der Rame Brüning steht,