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Wirtschaft.

Senkung der Habenzinsen.

Berlin, 10.Dez. (WTB.) Wie WTB -Han- beLbienft erfährt, hat die Stemvel-Der- e i n i g u n g aus Anlaß der Herabsetzung be- Reichovanko-lontsatze- auf 7 Prozent p. a. be­schlossen, mit Wirkung vom 10. Dezember 1931 die Habenzinfen für täglich fällige Gelder in provision-freier Rechnung auf 4 Prozent p. a, in p.ovision.Pflichtiger Rech.iuna auf 5 Prozent p a. ?u ermaß.gen. Wegen beS ZinsjaheS für Spar- onien schweben zur Zeit noch Berhanblungen.

Senkung der Oebetzinsen bei der preußenkaffe.

Berlin, 10. Dez. (WTD.) Im Sinne der Be­stimmungen der 4. Notverordnung und entsprechend der Sentung der Zinssätze bei der Reichsbank hat die Preußische Zentralgenossenschafts. kaffe ihre D - b e t z i n s s ä tz e mit Wirkung vom 10. Dezember 1931 herabgesetzt. Dabei hat sie bei den ungedeckten Ueberzichungskrediten eine gro. tzere Mindcruna eintreten lassen, als durch die Sen­kung des Reichsbanklombardsatzes bedingt war.

Damag.Meguin AD., Berlin. Die Bilanz für 1930 31 schließt nach Abschreibungen von (.29 527 (63881) Mk. mit einem Derlust von 2161 145 Mk. ab. In der AufsichtSratSsitzung wurde beschlossen, zur Deckung des Verlustes, der sich durch den Gewinnvortrag auS dem Vor­jahre auf 2 0.5 336 Mk. vermindert, die gesetzliche Rücklage von 400 000 Mk. heranAuziehen und den Rest vorzutragen. (3m Vorjahre 100 539 Mk. Reingewinn, der nach Verteilung von 6 Prozent Vorzugsaktiendividende mit 93 809 Mk. vorge­tragen wurde.) 3m Abschluß soll das Stamm­aktienkapital im Verhältnis 2:1 von 12 auf 6 Millionen Mark zusammengelegt und alsdann durch Ausgabe von 500 000 Mk. neuen kprozen-

tigen Vorzugsaktien erhöht werden. Das In- landgeschätt der Gesellschaft hat 1930 31 emp- findlich gelitten. Ein gewisser Au-gleich hat sich im AuSlandgeschäft gefunden. Der Auftrags- bestand ist befriedigend und steht etwa auf der Höhe des Vorjahres.

Süddeutsche Zucker AG., M an n b e i m. Der Aufsichtsrat hat in seiner gestrigen Sitzung be- schloffen, der Generalversomm ung am 8. Januar 1932 für das am 31. August 1931 abgelaufcne Ge­schäftsjahr vorzuschlagen, aus dem Reingewinn von 4 294 095 Mark eine Dividende von 8 (i. D. 10) Prozent auf d'e Stammaktien und von 7 Prozent (7) auf die Vorzugsaktien zu verteilen, und den um 87 545 Mark auf 1 898 095 Mark erhöhten Gewinn- reft auf neue Rechnung oorzutragen.

Verein für chemische Industrie. A. -G., Frankfurt a. M. In der außer­ordentlichen Generalversammlung de- Vereins für chemische Industrie, A.-G., Frankfurt a. M.. bei der mehr als drei Viertel deS ganzen Akticn- kapUals der Gesellschaft vertreten waren, wurde die Uebrrtragung des Vermögen- auf die Deutsche Gold- und Silberscheideanstalt vormals Roeßler, Frankfurt a. M.. einstimmig genehmigt. Die Fusion wird in der Weis« vollzogen, daß für eine Stammaktie des Vereins für chemische In­dustrie von nom. 200 Mark eine Scheideanstalt Stammaktie im Rennwert von 100 Mark mit Dividendenberechtigung ab 1931/32 umgetauscht wird.

4 Prozent Dividende bei Blohm Ä Voß. Hamburg. In der AufsichtSratssitzung der Blohm & Voß Kommanbit-Geselllchaft a. A., Hamburg, wurde beschlossen, der auf den 29. De­zember einzuberufenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von wieder 2,5 Pro­zent auf die Vorzugsanteile und von 4 (5) Pro­zent auf die Stammaktien vorzuschlagen.

Oie deutschen Börsen.

Frankfurt unsicher.

Frankfurt o.M., 10.Dez. Im heutigen tele­phonischen Freioerkehr war nach der öeröffent- llchung der Notverordnung zwar eine Beruh gung fcstzustcllen, doch blieb die ©runtftimmung im Hin­blick auf die flaue Haltung der IG.-Farben-Aktien. sowie auf die schwache Tendenz der Ncuyorker Börse noch recht unsicher. So lagen IG.-Farben und Schuckert auch heute wieder sehr schwach, gegen den bereits tiefen Stand im geftugen Abendverkehr büßten erstere etwa 3 Prozent und letztere 4 Pro­zent ein. Man vermutet in Bankkreisen allgemein, daß stärkere Exekutionsoerkäufe in diesen Papieren vorgenommen werden, denen nur wenig Aufnahme- neigung gegenüberstand. Die übrigen Märkte wur­den hiervon nur wenig beeinflußt, doch lagen einige Werte ebenfalls um etwa 1 Prozent schwächer. Nur Siemens blieben auf den bereits gemeldeten große- ren Südamerikaauftraa gut gehalten, ebenso Reichs­bank. Sehr fest tendierten Reichsbahn-Vorzugsaktien mit plus 3 Prozent, da sie von der voraesebenen Zinskonoersion nicht erfaßt werden. Die Umsatz- l ä 11 g k e i t beschränkte sich auf ein Minimum, da die Spekulation wegen der Durchführungsbeftim- mungen der neuen Notverordnung und ihre Aus- Wirkungen auf die Gesamtwirtschaft eine abroartcr.be Stellung einnimmt.

Am Geldmarkt blieb Tagesgeld bei leichter Ten- denz mit 7 Prozent unverändert.

Freundliche Stimmung in Berlin.

Berlin, 11. Dez. (WTB. Funkspruch) Die freundliche Stimmung der gestrigen Abendstunden konnte sich auf den heutigen Freioerkehr übertragen. Dies kam eigentlich etwas überraschend, da man auf Grund der innerpolitischen Unsicherheit und der etwas plötzlich aeänberten Einstellung der Ameri­kaner mit der Hoooer-Dotschast zunächst mit einer schwächeren Tendenz gerechnet hatte. Es machte aber dock einen guten Eindruck, daß Dr. Brüning jede Gelegenheit und alle Möglichkeiten ausnutzt, um die etwas ins Schwanken geratene Dolksft.inmung in feinem Sinne zu beeinflussen. Soweit bisher die Ausführung der in der Notverordnung festgelegten Pläne in Angriff genommen wurde, ist zu sagen, daß doch schon in mancher Beziehung ein Erfolg zu verzeichnen ist, so z. B. auch die Zinspolitik der Reich bank. Dies war wohl der Hauptgrund, daß für festverzinsliche Werte die Tendenz freundlich blieb, Goldpfandbricfe, Reichsbahn- Vorzugsaktien, Altbesitzanleihen ufro. weiter gefragt waren und erneut um 1 bis 2 Prozent anziehen konnten. Aber auch die Aktienmärkte blieben freundlich, als sich herausstellte, daß das An­gebot in Farbeitaktien weiter nachgelassen hat, so daß sich der Kurs um etwa ein Prozent erholen konnte. Farbenbonds waren nach ihrer gcfingen starken Abschwächung ebenfalls leicht befestigt. Die Spanne zwischen den Aktien und den Bonds ist aber

wieder auf etwa 13 Prozent angewachfen, nachdem sie vorübergehend nur etwa 10 Prozent betragen hatte. Die Gründe des Angebotes der letzten Tage waren hauptsächlich technischer Natur, da es sich besonders um Ausiandangcbot gehandelt haben soll und die Farbenaktie eines der deutschen Papiere ist, das vorn Auslande besonders gern gelaust wurde. Inwieweit bei diesen Abgaben auch noch ermäßigte Dioidendensch^yungen eine Rolle spielten, laßt sich schwer beurteilen. Natürlich wird auch der Aktionär fid) eine Dioidendenredult.on für dieses Jahr ge­fallen (affen müssen, doch kann man sich über deren Ausmaß heute noch kein Urteil bilden. Daß das Stick- stoffg:schaft der IG.-Farben ebenso wie bei allen anderen Firmen dieser Branche schlechter geworden ist, ist bekannt. Etwas größeres Inleresie bestand außerdem noch für Rcichsbankanteile, die etwa drei Prozent gewannen, und für Schultheis-Akt.en, die etwa 2 Prozent tzcher lagen, während die übrigen Marktgebiete zwar freund'iche Tendenz hatten, aber kursmah.g nicht wesentlich verändert waren.

Oie Bedeutung der Golddeckung.

Der Rückgang der Gold- und Devisenbestände der Reichsbank konnte hier und da nur deswegen Beunruhigung Hervorrufen, weil über die Be­deutung der Deckungsvorschriftrn ost falsch« Vor­stellungen bestehen. Die Gold» und Devisen­bestände dienen der Reichsbank au folgenden zwei Zwecken: 1. der Deckung des Geldumlaufs. 2. dem Ausgleich d.S Z-hlungSverlehrS zw.schon Deutsch­land und dem Ausland. Der Bestand an Gold und Devisen ist immer verhältnismäßig begrenzt Dadurch, daß die Reichl bank Roten nur bis zu einem bestimmten Mehrfachen ihres Gold- und Devisenbestandes auSgeben darf, wird eine obere Grenze geschaffen, über die hinaus von der Reichsbank neues Geld nicht oder nur in er­schwertem Maße geschaffen werden darf. Richt auf die Höhe der Deckungsbestände an sich kommt es also an. sondern auf die Begrenzung des Dold- umlaufs gegen ein« Geldentwertung. Diese Be­grenzung könnte selbstverständlich auch dann ein- gehalten werden, wenn überhaupt kein Gold­oder Devisenbestand bei der Reichsbank vorhan­den wäre. Die Deckung-Vorschriften find nur ein Hilfsmittel von vielen für die Wahrung der Grenze der Notenausgabe. Der Bewegung der Gold- und Devisenbestände kommt also sicherlich nicht die Bedeutung zu. die ihr vielfach zuerkannt wird. Die Veränderung der Bestände ergibt sich hauptsächlich aus der anderen wichtigeren Auf­gabe des Goldes und der Devisen. alS Ausgleichs- mittel im internationalen Zahlungsverkehr zu dienen. Schwankungen der Bestände sind hierbei

nichts Außergewöhnliches, so wenig wie Schwan­kungen im (Selb beutel deS einzelnen.

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Re'.chabankdiskont 7

o. f)., Lombardzinsfuß 8 o h.

Aus Dem Amlsvei-künDlguttgsdlatt.

DaS AmtSverkündigungsblatt Rr. 85 vom 8. Dezember enthä.t: L.and der Maul- und Klauenseuche in Hessen. Einfuhr von Vieh aus stark verseuchten Gebietsteilen. Die Erhebung der Demeinde-Biersteuer in Gar- ber.te.ch. Die Aufste.lung der Voranschläge der evangelischen Kirchen gemeind en. Sonntags­ruhe im Handelsgewerbe der Stadt Gießen. Bekämpfung der Schnakenplage. VerzugS- zuschläge für Steuerrückstände. Ortssatzung über dte Erhebung einer Vermögenssteuer in der Gemeind« Lich. Dienftnachrichten.

Oie Devisenmärkte gestern ruhig.

Oie Reichsmark gut behauptet.

An den internationalen Devisen­märkten war das Geschäft gestern Dormittag sehr ruhig Gs ergaben sich auf der ganzen Linie nut geringfügige Schwankungen DaS englische Pfund eröffnete mit 3,2925 gegen den Dollar, zog bann auf 3,31 an, um später wieder auf 3,3025 herunterzugehen. (Segen den Gulden stellte sich das Pfund auf 8,175j, gegen Zürich auf 16,9753, gegen PariS auf 84,25 und gegen die Reichsmark auf 13,9250, später 14,00. Der Dollar war unverändert, die Reichsmark konnte sich ebenfalls gut be­haupten. in Amsterdam stellte sie sich auf 58.50 und in Zürich auf 121,25. Die Rord- dcvisen waren stetig, die Südamerikaner knapp gehalten.

Am Rachmittag war daS englische Pfund

kleinen Schwankungen unterworfen. Rach einer Befestigung auf 3.3150 ging es später wieder auf 3,3050 gegen den Dollar zurück. Gegen den Gulden stellte es sich auf 8,18. gegen Zürich auf 17 und gegen Paris auf 84,25. Der Dollar lag allgemein schwächer, die An­sichten über Die Wirkungen von HoovetS Dlänen sind geteilt, eine gewisse Verstimmung ist aber unverkennbar. Die Reichsmark war gut be­hauptet. Die Rotoerordnung hat in Amster­damer Finanzkreisen Besriedigung hetvorgerusen, man fegt, daß die deutsche T.egiciuni das äußerste leistet, um die Stabilität der Wahrung zu ge­währleisten. In London stellte sich die Mark auf 14,0250, in Reuyork auf 23,62, in Amsterdam auf 53,45, in Zürich auf 121,25. Die übrigen Devisen wiesen nur wenig Veränderungen auf.

WessenKindbinich?

Vornan von Fr. Lehne.

(Drh.bcrschutz durch T. Ackctmann, Romanzentrale Stuttgart.)

26 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Gin tiefes, qualvolles Stöhnen ließ Gbba er­schreckt in ihrem Bericht aufhören.

3ft Ihnen nicht gut, gnädige Frau?" fragte sie ängstlich.

ES war ganz dunkel geworden: man sah gar nichts mehr. Als sie aufspringen wollte, um Licht zu machen, wurde sie festgehalten.

Kein Licht! Mir ist ganz wohl! Kommen Sie ganz nahe zu mir so ich möchte Die fühlen!"

Angela legte ihren Arm um Gbba» Schultern und zog sie dicht zu sich heran. .Sie armes, liebe», liebstes Kind! Sprechen Sie weiter, sagen Sie mir alle- auch von Ihrer Liebe**

Und Ebba erzählte, stoß, sich endlich einmal gegen eine mitfühlend« Seele aussprechen zu können: wie sie Hanno geliebt und vertraut, und wie sie gedacht, sie sei feine Braut! ilnb als bann der anonyme Bries an Christel gekommen, wie da Hanno auSgewichen unb wie sie schließlich gemerkt, daß sie ihm Wohl als Geliebte

Gbba drückte ihr erglühende- Gesicht gegen Angelas Schulter. - oh. wie mich das gc- bemütigt hatte! Ich liebte Hanno so sehr, unb daß ich ihn nicht vergessen kackv. ist meine Qual! Ich sehe ja ein: ein Graf kann ein Findelkind nicht heiraten: er muß eine ebenbürtige Frau haben! Ach. hätte meine Mutter, da sie doch ein­mal von mir nichts wissen wollte, mich sterben lassen, anpatt mich auszusehen wie eine räudige Kotze! Rein gegen die ist man mitleidiger die ertränkt manI

Frau Angela zuckte plötzlich zusammen.

.Kind

.Man wird so! WaS ich seelisch in dem letzten Vierteljahr gelitten habe I Die Herr­schaften verlebten die Wintermonate in Dresden. Dringend hatte man mich cingelaben! Ich konnte nicht anders ich mußte der Einladung folgen! Vier Tage war ich dort dann bekam Frau Gräfin auch einen anonbmen Brief von ähnlichem Inhalt wie der an meinen Bruder! AlS ob ich ein Liebesverhältnis mit Graf Hanno hätte! Die Gräfin wollte meine Rechtfertigung nicht hören: sie wieS mich auS dem Haufe! Ich war in tiefster Verzweiflung! Ich konnte doch nicht schon wieder heimsahren WaS hätte man im Serie gedacht! Unb da faßte ich den Entschluß, dahin zu geben, wo mich niemand kannte und daS andere wissen gnädige Frau**

Fest, fest umschloß Angela das weinende Mädchen.

.Ich preise den Zufall, Der Sic in meinen Weg führte. liedeS Kind! Ilnb Sie dürfen nicht wieder von mir gehen, wie ein Kind will ich Sie halten! Unb darum bitte ich, gönnen Die

mir baS ,Du' I" Di« streichelte die weichen Wan- ficn, das goldene Haar ganz außer sich war le. .Du armes, liebes Kino! Die Heimat will ich dir tolebcrgeben bei m'.r sollst du alles vergessen!" Mit leidenschaftlicher Inbrunst küßte sie Gbba. die nicht wußte, wie ihr geschah, auf Stirn und Wangen »die Mutter will ich dir ersetzen!"

»Mutterliebe habe ich nicht zu entbehren brau­chen! Glücklich war ich bis zu jenem Tage, da mir das Schreckliche ins Gesicht geschleudert wurde ich sei ein Findelkind! 3eben Tag habe ich mich bann gefragt: Wessen Kinb bin i ch?I Ramenlos quält es mich."

»Kinb, liebes und wenn nun deine Mutter jetzt austauchte und dich von deinen Pfleye- eitern zurücksorderte, würdest du da mit ihr gehen?'

Wenn Gbba geahnt, mit welch unerhörter Spannung die Frau auf ihre Antwort wartete!

»Meine Mutter!"

Gbba lachte kurz auf; unheimlich klang dieseS Lachen aus des MädchenS Munde: wie ein scharfer, nadelseiner Stich ging es durch Angela-

ist's ja eben! Wissen möchte ich es, und dennoch fürchte ich mich davor! Denn wenn ich einen Menschen hasse, so ist es die Frau, der ich das Leben verdanke! Verdanke ? Ach, ich weiß nicht! Wohler wäre mir, ich wäre nicht geboren! Wie elend und arm ist doch der Mensch, der die Frau, die ihn geboren, hassen und ver­achten muß der sich ihrer schämen muß!" sagt.' Gbba wild mit unterdrückter Leidenschaft. »Jedes Tier schützt seine 3ungen, verteidigt sie mit Lebensgefahr -- und meine Mutter setzt mich am Wege auS! 3ebe Gemeinschaft mit ihr weise ich für immer zurück! Rur wissen möchte ich. auS waS für Blut unb au- was für einem Hause ich stamme" .

.Edle Menschen sind es. die dich gezeugt haben, sie haben das Beste und Tiefste ihrer Liebe in dich hineingelegt! Sieh dich doch an. Kind, unb sage dir selbst, daß ein Wesen wie du. vollendet an Körper unb Seele, aus edlem Blut stammt stammen muß!"

Zurusen wollte «S ihr die Frau, doch keinen Ton brachte sie hervor. Wie ein schönes Marmor­bild in Schmerz erstarrt, saß sie reglos da. unb jede- Wort, das der rote Mädchenmund sprach, bereitete ihr tausend Martern.

»Hatte meine Mutter nicht bedacht, al- sie mich oussetzte. was aus mir werden würde? Die nun, wenn ich nicht von so guten Menschen ausgenom­men wäre? Konnten es nicht auch schlechte sein? Bei denen ich an Leib unb Seele verkommen wäre? Hätte sie das je vor dem Höchsten, ver­antworten können? Rein, auch Pfarrer Sturm, der die verkörperte Liebe und Güte ist, hat sie verdammt l"

Angela schauerte zusammen In tiefster Qual. .Pfarrer Sturm hat sie auch verdammt!?" Wie ein Hauch glitten diele Worte über ihre Lippen. Sic lastete nach Gbba, jog sie an sich heran. Zu ihrem Befremden suhlte es Gbba

warm unb nah an ihrem Gesicht. Hatte ihre Lebensgeschichte ihre gütige Gönnerin so erschüt­tert. daß sie weinen mußte?

Aus einem plötzlichen Gefühl heraus, das sich Ebba nicht erklären konnte, schlang sie ihre Arme um Angela- Hals unb schloß die Augen, ilnb da war ihr, als ob ihre liebe Mutter sie im Arme hielt, als ob sie im geliebten Schulhaufe wäre unb bas Erlebte nur ein böser Traum!

ilnb bann sah sie Hanno.

Keines sprach ein Wort.

ilnb Angela war ganz «rsüllt von dem einen sie beherrschenden Gedanken: Du hältst dein Kind im Arm!

Ach, diele- unwahrscheinliche, nicht mehr er­hoffte Glück!

Aber schrecklich tauchte e- bann in ihrem Be­wußtsein auf: nie barfft bu dieses Glück ganz auskosten! Darfst dich nur still unb verstohlen daran erfreuen wie ein Dieb sich an einem gestohlenen Gegenstand, den er beiseite gebracht, heimlich erfreut!

Denn jetzt schon wußte sie, nie durst« Gbba erfahren, wessen Kind sie war! 3n diesem Augen­blick würde sich de- Mädchens sichtliche Zu­neigung unb Verehrung in baS Gegenteil ver­wandeln: da- hätte sie nicht ertragen können! Sie wollte die kaum Gesunden« nicht wieder ver­lieren!

Als Gbba Licht gemacht, sah sie ihre gütige Freundin regunnSlos mit geschlossenen Augen im Delsel sitzen Aschfahl unb um 3ahre gealtert da- schöne Gesicht.

Angst erfüllte Gbba.

Doch mit einer müden Handbewegung wehrte Angela die Besorgnis des Mädchens zurück.

»Ich bin nur sehr abgespannt. Kind! Die Tragik der Ladh Macbeth saugt meine ganzen Kräfte auf ihre Schuld ihre Sühne r sagte sie leise, indem sie sich erhob.

Mit einer unbeschreiblich zärtlichen Bewegung umfaßte sie Gbbas Kopf und blickte lange in das süße, traurige Mädchengesicht, als suche sie darin etwa-.

»Tu mein liebes Kind! Ich möchte dir ja soviel Gutes und Liebes tun und alle- wäre nod) viel au wenig!"

Gbba neigte lich über Angelas Hand.

»Sie sind so gütig gefpn mich armes Findel­kind. gnädige Frau! Wie kann ich das je gut machen?"

Groh und eindrucksvoll fab die Frau sie an.

.Du kannst «S, mein Kind! Einmal, daß du dich nie wieder . Findelkind' nennst, und bann: verachte unb verdamm« bi« Frau, die dir das Leben gab, nicht zu sehr! Sie bat vielleicht mehr gelitten, als bu ermessen kannst! Vielleicht hat sie deiner täglich in Sehnsucht, bitterster Reue unb Verzweiflung gedacht. Unb blefe jahrelange, nagende, ungestillte Seünsucht ist mehr als Strafe barür. was sie ihrem Kind« angetan! Glaub« es mir, sie hat es nicht vergef'en! Denn leint Frau vergißt daS Wesen, das sie unter dem Herzen getragen unb mit Schmerzen geboren hat! Ich weih es, Kind: btnn auch ich war Mutter! Darum

taten mir deine harten, verurteilenden Worte so weh! Wenn bu älter bist, wir'' vt mich besser verstehen! Mein Beruf hat mich das Leben Lnn:n gelehrt! Alles verstehen, mein Xim>, macht sehr nachsichtig!"

Frau Angela strich Gbba da- blonde Haar aus der Stirn und küßte sie zärtlich.

»Eine Freud«, mein Kind, kann ich dir noch rnachen: Pfarrer Sturm-, die du vorhin erwähn­test, sind mir nicht unbekannt! 3a, ja, schau mich nicht so verwundert an! Morgen erzähle ich dir mehr, unb in den nächsten Tagen werde ich mit dir zu ihnen fahren! Doch darüber heute nicht- mehr! Ietzt möchte ich vor dem Abend­essen noch ein wenig ruhen. Ich kann nicht viel essen. Gin Gi genügt mir! Denn da dafür sorgen willst -F

Freundlich nickte Angela Gbba au.

AlS daS junge Mädchen das Zimmer verlassen, tat sie ihr einige Schritte nach unb streckte vet- langenb bie Arme aus.

.Mein Kinb mein geliebtes Kind!' schluchzte sie in tiefster Bewegung, »baß ich bich gefunben habe unb so rein unb so gut! Herrgott, ich danke dir! Ich verdiene diese Gnade nicht!"

Di« sank vor dem Diwan nieder unb preßte ihr Gesicht in bi« Kissen. Sie hätte laut schreien mögen! Ihr Kinb in ihrem Hause unb doch nicht sagen können: »Du bist mein Kinb ich bin beine Mutter

Welche Qual!

Qin Königreich hätte sie darum gegeben, wenn sie Gbba frei und offen vor aller Welt als ihr Kind hätte in bie Arm« schließen bürfen!

Doch auf bieses Glück mußt« fl« verzichten! *

16.

GS ging schon tief in di« Rächt, als Angela ihr Laaer au, suchte.

Lange b-itle sie vor dem Schreibtisch gesessen unb in den Papieren des verstorbenen Gatte« gelesen ihr Trauschein, der Taufschein bei Kindes alles war da! GS fehlte nichts, was rechtliche Ansprüche beweisen konnte!

»Dein Glück gilt es. mein Kind!"

Die legte beide Hände übet bie Augen

.23ein Kinb!"

Wie bie Worte sie In ihrem Innern au!» wühlten!

Am Anfang ber anberen Woche fuhr Angela, die di« Gltern auf ihren unb GboaS Besuch vor­bereitet hatte, mit Gbba bie gleich« Streck« zurück, auf der sie sich gefunben.

Förmlich verklärt vor Freube war Gbba. bah sie bie verehrten Pfarrer Sturms Wiedersehen sollte. Sie wurde nicht müde, von ihnen au er­zählen. und Angela wurde nicht müde, zuzuhören!

Wie groß war Gbbas ileberraschung gewesen, als sie erfahren, daß ihre gütige Gönnerin bic Tochter der verehrten P'arrerSleute sei!

Run war die Wiedersehensfreude überstanden! Man saß am festlich gedeckten Kasseetisch, au! dem ein lederet Rapskuchen prangt«.

(Fortsetzung folgt)